Zwei Jahre sind eine lange Zeit

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P12
10.02.2016
10.02.2016
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Herzlich Wilkommen zu dieser Geschichte. Für dich, meine liebe Marina, ist dies dein Wichtelgeschenk da mir einfach nichts einfallen wollte, was ich dir sonst hätte schenken können. Die Idee dazu hatte ich tatsächlich schon seit einer ganzen Weile, aber bisher hat mir immer die Motivation gefehlt, sie aufzuschreiben.
Jedenfalls hoffe ich, dass sie euch und ganz besonders dir Marina gefällt.

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~~~Wir vermissen euch~~~


Sie wusste, sie war nicht die Einzige, die litt. Sie wusste, sie war nicht die Einzige, die sie vermisste. Und doch wusste sie, warum niemand von ihnen sprach. Der Schmerz war einfach zu groß, saß zu tief, um darüber zu reden.
Seufzend schloss Komachi den Laden auf. Seinen Laden. Den Ort, an dem sie so viel Zeit miteinander verbracht hatten. Das Königreich hatte sie gebraucht und so waren Coco, Milk, Syrup und Natts aufgebrochen. Natts. Wieder seufzte sie und betrat den Raum. Rasch ging sie nach oben in sein Zimmer. Sein Zimmer, das zu ihrem geworden war weil er nicht mehr da war. Gemeinsam hatten sie beschlossen, dass jeder einen Schlüssel bekommen sollte, so dass sie jederzeit herkommen konnten, wenn sie Ruhe brauchten. Komachi war die, die das Angebot am Häufigsten wahrnahm, doch sie saß auch oft mit Nozomi hier, die sich einfach nicht damit abfinden konnte, dass Coco schon seit zwei Jahren nichts mehr von sich hatte hören lassen. Seufzend bürstete sie sich die Haare. Sie waren länger geworden, aber nur hinten. Die kleine Strähne war zu einem hüftlangen Zopf geworden, der seidig glänzte. Ob Natts ihn wohl mögen würde? Vielleicht, bei ihm war sie sich nur selten wirklich bei etwas sicher. Und schon war er wieder in ihren Gedanken. Ablenkung. Sie brauchte Ablenkung.
Ihr Blick fiel zum Schreibtisch. Weiterschreiben, ja, das konnte sie tun. Mittlerweile schrieb sie an ihrem vierten Roman, die anderen standen fein säuberlich ins Bücherregal gestellt. Direkt neben den Büchern, die er so geliebt hatte.
Wie lange sie bereits schrieb, als sie endlich den Füller beiseite legte, wusste sie nicht. Ein paar Stunden, mindestens. Wenn Natts nur hier wäre. Es gab so viel, was sie ihn fragen, was sie ihm erzählen, ihm sagen und zeigen wollte. Sie wollte, dass er wieder ein Teil ihres Lebens wurde. Der wichtigste Teil.
Rasch zog sie sich um und lies sich dann ins Bett fallen. Sein Bett, dass schon lange nicht mehr nach ihm roch. Den Schlüssel, den er ihr geschenkt hatte, fest umklammernd, fiel sie in einen tiefen Schlaf.


Die Tür war nicht abgeschlossen. Nach kurem Nachdenken überlegte Nozomi, dass Komachi wohl da war. Wie fast immer. Sie biss sich auf die Lippe. Ihre Freundin war ihr wichtig, aber momentan wollte sie nicht mit ihr sprechen. Heute nicht und auch morgen nicht. Denn morgen war der Jahrestag von dem Tag, an dem Coco sie verlassen hatte.
Ihr Magen knurrte und sie war drauf und dran, ihn zu ignorieren, als ihr einfiel, dass sie am Vorabend das letzte Mal etwas zu sich genommen hatte und nun war es bereits Mitternacht. Nach einem kurzen Blick in den Kühlschrank seufzte sie leise und nahm ein paar Eier und Milch raus, um sich Rührei zu machen. Während sie kochte, erinnerte Nozomi sich daran, wie sie einmal alle gemeinsam gekocht hatten. Es war so lustig gewesen. Aber damals war fast alles lustig gewesen. Sicher, als Pretty Cure hatten sie harte Zeiten durchgemacht, aber weil sie alle neun zusammen gewesen waren, war es nie schlimm gewesen. Oder einsam. Einsam war es erst geworden, als sie nur noch zu fünft waren. Seit dem Tag, der sich nun zum zweiten Mal jährte, hatten sie sich verändert. Immernoch waren sie eng befreundet, aber sie alle merkten, dass etwas fehlte. Selbst Nozomi und Urara, die sonst beide die Fröhlichkeit in Person waren, konnten nur noch selten herzhaft lachen und das machte ihr sehr zu schaffen. Nozomi schaffte es einfach nicht, weiterhin so fröhlich und sorglos zu sein. Natürlich gab sie sich alle Mühe, aber es wollte nicht so recht klappen. Zumindest reichte es, um jeden außer ihren vier Freundinnen zu täuschen.
Während das Mädchen aß, ging sie noch einmal ihre Notizen der letzten Tage durch. Da sie inzwischen kaum etwas anderes tat als Trübsal blasen und lernen waren ihre Leistungen merklich angestiegen. Coco würde stolz auf sie sein, falls sie sich wiedersahen. Nein, sie würden sich wiedersehen! Nozomi musste sich einfach einreden, dass die Trennung nur vorübergehend war, andernfalls konnte sie es nicht aushalten. Sich jeden weiteren Gedanken an Coco verbietend packte sie schließlich ihre Sachen zusammen, räumte das Geschirr weg und ging nach oben in sein Zimmer. Dann legte sie sich wie sie war ins Bett.
Die Gedanken waren nicht mehr aufzuhalten und so pünktlich wie jede Nacht seit zwei Jahren kamen die ersten Tränen. Irgendwann war sie so erschöpft, dass sie, noch immer weinend, in einen leichten, unruhigen Schlaf fiel.


Es war bereits nach Mitternacht, als Uraras Flieger landete, aber dennoch war sie nicht müde. Zu aufgeregt war sie davon, dass sie gerade von ihrem ersten Auslandskonzert zurückkam, um jetzt schon schlafen zu gehen. Zumindest war es das, was sie ihrem Manager sagte. Sich eilig verabschiedend hastete sie zum Glockenturm und stieg bis an dessen Spitze. Wie könnte sie schlafen, wenn sie doch einen Brief erhalten hatte? Seit sie ihn in ihrer Tasche gefunden und das Siegel darauf erkannt hatte, wartete sie auf einen Moment der Ruhe, um ihn lesen zu können.

"Urara,
ich weis nicht, ob Mailpo es schaffen wird, dir diesen Brief zuzustecken oder wann, aber ich musste dir schreiben. Es ist jetzt einige Wochen her, seit wir wieder im Königreich sind und nun stehen wir vor einem großen Problem. Die anderen Könige weigern sich, Coco und Natts und damit uns gehen zu lassen. Sie sagen, Palmier darf nicht weiter vernachlässigt werden, nur weil wir ständig in der Welt der Menschen sind. Sie haben einen Zauber über alle Tore zwischen unseren Welten gelegt, der sich nur nach und nach lösen wird. Macht euch keine Sorgen um uns, wir kommen, sobald wir können.

Syrup"

Tränen liefen ihr übers Gesicht, als sie auf den Namen starrte. Wie sehr sie ihn doch vermisste. Jedes Lied, das sie sang, jeder Auftritt, den sie hatte, in Gedanken widmete sie ihm all das. Der Brief war schon fast zwei Jahre alt und doch erfüllte er Urara mit Hoffnung. Hoffnung, dass die Barriere sich bald lösen würde und dass sie ihn bald wiedersehen konnte. Ihn, den verbissenen Jungen, der ihr Herz im Sturm erobert hatte.
Als sie den Umschlag betrachtete, fiel ein kleiner Zettel heraus. Neugierig entfalltete sie ihn und die Tränen, die gerade versiegt waren, begannen wieder zu fließen. Es war ein weiterer Gutschein für einen Freiflug mit ihm, und nicht nur für einen, sondern auf Lebenszeit, so oft sie wollte. Wenn er nur wieder da wäre...