nächtlicher Spaziergang

GeschichteAllgemein / P12
Hao Asakura Yo Asakura
10.02.2016
10.02.2016
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Eine unbewohnte Insel, die gerade noch zur Präfektur Tokyos gehörte, war der Schauplatz der zweiten Runde des Schamanen Kampfes vor Tokyo. Die Vorbereitungen für die zweite Runde und der Bau des Stadiums dauerten insgesamt 3 Monate. Schamanen aus der ganzen Welt reisten an, um die verbleibenden Teilnehmer anzufeuern. Zahlreiche Gasthäuser wurden hergerichtet, um allen Mitwirkenden Unterkunft zu gewähren. Nur 4 Teams würden sich für die finale dritte Runde qualifizieren können. Inzwischen war die Anzahl der Teilnehmer auf eine überschaubare Masse begrenzt. Hao, der sich selbst, als König der Zukunft bezeichnete, und sein Gefolge verbreiteten Angst und Schrecken unter den verbleibenden Teilnehmern. Früher oder später würde sich Yoh seinen großen Bruder stellen müssen.....



Die Sonne war gerade untergegangen und es versprach eine klare wolkenlose Nacht zu werden. Yoh und seine Freunde nahmen gerade gemeinsam das Abendessen ein. Dabei herrschte der übliche Tumult. Ren und Horohoro stritten unaufhörlich über Kleinigkeiten. Chocolove versuchte die Beiden von ihrem Streit mit seinen eigentümlichen Sprachwitzen abzubringen, was dazu führe, dass Ren noch mehr die Nerven verlor. Während die einen sich stritten, machten  die anderen Faxen und spielten mit ihrem Essen. Einzig allein Anna war die Ruhe in Person, aber auch ihre Laune drohte umzukippen. Yoh saß fast teilnahmslos am Esstisch und sah sich das Spektakel an. Ab und zu lächelte er in die Runde, aber innerlich fühlte es sich alles andere als angeheitert. Für ihn war die ganze Situation  noch ungewohnt. Er hatte noch nie zuvor Freunde gehabt und war manchmal etwas überfordert. So wie jetzt gerade. Eigentlich wollte er nur seine Ruhe haben. Das laute Treiben verursachte bei ihm unangenehme Kopfschmerzen. Yoh musste etwas tun, er brauchte mal kurz Zeit für sich, um ein bisschen Abstand zu bekommen. Er legte seine Essstäbchen beiseite und stand langsam auf. „Wo willst du hin?“, bemerkte Anna auf ihre typisch kühle Art. „Das Abendessen ist noch nicht beendet“,fuhr sie fort. Yoh seufzte: „Ich will nur kurz frische Luft holen gehen.“ Dabei setzte er sein gespieltes Lächeln auf. „Na gut, aber beeil dich. Du musst morgen früh raus. Es wird Zeit, dass du ins Bett kommst.“
Yoh drehte der Blonden und der Runde einfach den Rücken zu. Er verließ das Zimmer und das Gasthaus. Leise flüsterte die Itako: „Du Idiot, wenn du Probleme hast, sollst du es doch sagen und nicht einfach wegrenne....“ Keiner der weiteren Anwesenden bemerkte Yohs plötzliches Verschwinden.
Yoh ging in den nahe gelegenen Wald. Die Sonne war bereits am Horizont verschwunden und die ersten Sterne funkelten wie Diamanten am Himmelszelt. Es versprach eine wahrhaftige schöne Nacht zu werden. Yoh bemerkte von alledem nichts. Seine Gedanke kreisten wild umher und er ließ vergangene Ereignisse Revue passieren. Ein unvorstellbarer Druck ruhte auf seinen Schultern. Unvorstellbar, dass sie ihm es all die Jahre verheimlicht hatten. Er fühlte sich von seiner eigenen Familie hintergangen. Sie hatten ihm großgezogen, ihn für den Kampf trainiert und erwarteten von ihm, dass er an ihrer Stelle beendete, was sie vor 14 Jahren nicht konnten. Das er sein eigenes Blut vergoss. Seine Schritte beschleunigten sich je mehr er sich mit dem in ihm tobenden Konflikt auseinander setzte. Heftig atmend beschloss er an einer nah gelegenen Lichtung eine Pause einzulegen. An der Lichtung angekommen, ließ er sich erschöpft ins feuchte Grass fallen. Er was schon viel zu lange unterwegs. Anna würde ihn sicher wieder bestrafen.  Sein Blick wanderte Richtung Himmel. Erst jetzt fiel ihm auf, wie schön die Sterne heute aussahen. Manchmal sind es doch die kleinen Dinge im Leben, die einen glücklich machen, dachte sich Yoh bei ihren Anblick.  Er verlor sich in ihrem Funkeln und träumte vor sich hin. Seine Sorgen waren auf einmal verschwunden. Yoh war so in Gedanken versunken, dass er den sich ihm nähernden Spirit of Fire nicht bemerkte.
Spirit of Fire und dessen Meisten Hao, der es sich auf der erhobenen Handfläche seines Schutzgeistes gemütlich gemacht hatte, bahnten sich ihren Weg durch den nächtlichen Wald. Dabei drückte der gigantische Feuer Geist, der die Baumkronen weit überragte, das störende Geäst, wie Streichhölzer, mühelos zur Seite und weckte die vielen schlafenden Vögel, die irritiert kreischen davon flogen. Yoh brauchte eine geschlagene Weile, um seinen Blick von den Sternen zu nehmen. Erschrocken zuckte er zusammen, als er die Quelle, des sich ihm nähernden Lärmpegels, ausmachte. Spirit of Fire näherte sich langsam der Lichtung. Zum Weglaufen war es bereits zu spät. Innerlich stellte er sich auf das Schlimmste ein, auf einen Kampf mit seinen Zwillingsbruder Hao. Erst jetzt bemerkte er, dass er die Totentafel seines Schutzgeistes nicht dabei hatte. Er war seinem Bruder hoffnungslos ausgeliefert. Aber er würde nicht um Gnade betteln, sondern um sein Leben kämpfen und wenn das zur Folge hatte, dass er Spirit of Fire mit Steinen bewerfen müsste, würde er das auch tun. Vorsichtig griff er nach einem in der Nähe liegenden Stein und nahm ihn in die Hand. Bereit jeder Zeit los zu schlagen.
Hao betrachtete ebenso verträumt die Sterne, wie es auch Yoh noch vor kurzem getan hatte. Allerdings wurde er doch tatsächlich von Yoh dabei gestört. Die Gedanken seines Zwillingsbruders waren für ihn nun wirklich nicht zu überhören. Er wandte seinen Blick von dem üppigen Sternenzelt ab und richtete ihn auf die Lichtung, wo Yoh ziemlich verkrampft saß. Sein Bruder hatte schon ein Paar witzige Ideen. Nicht nur, dass er sehr unbedacht einfach ohne seinen Schutzgeist oder seine Freunde das Haus verlassen hatte, nein er hatte auch noch ernsthaft vor Hao mit einem Stein zu bewerfen. Ein lustiges Kerlchen dieser Yoh, so naive, so klein. Er schaffte es doch tatsächlich Hao ein echtes Lächeln abzugewinnen. Spirit of Fire erreichte schließlich die Lichtung und Yoh sprang bei dessen Anblick auf. Haos Schutzgeist hielt innen und streckte seine gigantische Hand, mit samt seinem Meister, Yoh entgegen. „Guten Abend kleiner Bruder, lange nicht gesehen“, sprach Hao spöttisch seine bessere Hälfte an. „Eine wirklich schöne Nacht, findest du nicht auch? Ich war gerade auf meinen nächtlichen Spaziergang, als ich deine idiotischen Gedanken vernahm. Du kannst natürlich den Stein in deiner Hand nach mir werfen, aber ich garantiere dir, dass es erfolglos sein wird.“ Ein diabolisches Lächeln breitete sich auf dem Gesicht es Älteren aus. „Hao! Was willst du von mir!’‘, entgegnete der Jüngere, worauf Hao nur müde lächeln musste. „Ich wollte dich nur zu einem Spaziergang durch den Wald einladen. Es steht dir natürlich auch frei abzulehnen und wegzulaufen, aber weit kommen wirst du eh nicht. Niemand außer uns beide ist hier. Also wird auch niemand deine Schreie hören. Spirit of Fire hätte nichts gegen einen kleinen Mitternachts Snack einzuwenden.“ Sein Lächeln verfinsterte sich abermals und er streckte seinem jüngeren Bruder einladend die Hand entgegen.
Yoh wusste, dass er keine Chance hatte. Er ließ den Stein in seiner Hand fallen und streckte diese widerwillig seinem älteren Bruder entgegen. Dieser griff zu und half Yoh auf die Handfläche des Spirits of Fire zu steigen. Die beiden Geschwister standen sich jetzt Hand in Hand gegenüber. Äußerlich waren sie fast identisch. Spirit of Fire erhob seine Hand und Yoh geriet, durch die plötzlich Bewegung, ins schwanken. Reflexartig streckte er seine linke Hand aus und hielt sich an dem nächstbesten greifbaren Objekt fest. Welches sich schließlich als die rechte Schulter seinen Bruders heraus stellte. Nur mit Mühe konnte Yoh sich auf den Beinen halten. Erst, als Haos Schutzgeist seine Hand vollständig wieder erhoben hatte, konnte Yoh sein Gleichgewicht wieder finden und bemerkte, dass er sich unbeabsichtigt an Hao fest hielt. Das Ganze war ihm im höchsten Maßen unangenehm. Seine Wangen erröteten, er ließ sofort seinen Bruder los und wich einen Schritt zurück. „...schuldige.“ Verlegen blickte der Jüngere zu Boden.
„Macht nichts. Wenn man so was jeden Tag macht, gewöhnt man sich irgendwann daran. Du solltest öfter mal mir Gesellschaft leisten,“ erwiderte der Ältere und setzte sein gespieltes Lächeln auf. Warum war Yoh das Ganze nur so unangenehm? Eigentlich hätte es doch ganz normal sein müssen, sich Halt bei seinem Bruder zu suchen, aber das war es nicht. Obwohl Hao sein Bruder war, wusste er so gut wie nichts über ihn. Diese Tatsache bedrückte ihn sehr. „Vielleicht sollten wir wirklich mehr Zeit miteinander verbringen“, antwortete Yoh. Inzwischen hatte Spirit of Fire seinen Kurz durch den Wald wieder aufgenommen. Für eine kurze Zeit herrschte zwischen den Brüdern ein bedrückendes Schweigen, das nur von dem Knarren der Bäume und dem Vogelgekreische unterbrochen wurde. Yohs Blick war immer noch nach unten gerichtet.
„Wenn du weiterhin nach unten starrst, entgeht dir die herrliche Aussicht, die du von hier oben auf den Wald hast. Geschweige denn von dem atemberaubenden Sternenzelt“,ergänzte Hao.
Bei dessen Worten konnte Yoh nicht anders, als den Blick von seinen Füßen abzuwenden und gegen den Himmel zurichten. Schade, eigentlich hatte er erwartet, dass die Sterne von hier oben aus größer erscheinen würden, aber das taten sie nicht. Enttäuscht huschte ihm ein kleines Lächeln über seine Lippen. Wieso war er nur immer so naiv?
Gerade diese kindliche Naivität mochte sein großer Bruder so an ihm. Hao fuhr aufklärend fort: „Die Sterne sind viel zu weit entfernt, als dass diese paar Meter irgendeine optische Auswirkung auf sie haben.“
Yoh unterbrach seinen Bruder, immer noch seinen Blick fest gegen dem Himmel gerichtet: „Wirklich unheimlich diese Gabe. Muss manchmal echt schrecklich sein.“ Er wandte sich seinem Gegenüber wieder zu und setzte ein breites freundliches Lachen auf.
„Unheimlich...“, flüsterte Hao kaum vernehmbar. „Sag mal Yoh, wieso bist du Heute alleine unterwegs? Sonst sind doch immer deine Freunde bei dir“, entgegnete Hao. Yohs Lächeln wurde zu einen breiten Grinsen. „Warum fragst du? Du interessierst dich doch sonst für niemand anderen außer für dich selbst. Nun ja, ich hatte einfach Lust ein wenig allein zu sein.“ Hao sah seinen Bruder erwartungsvoll an. Yoh sprach weiter: „Ach komm schon. Warum sollte ich dir etwas erzählen, das du eh schon weißt? Sag mal Hao“, der jüngere senkte seinen Blick, „muss ich heute sterben?“ Aus seinem breiten Grinsen, wurde ein trauriges Lächeln. Hao streckte seine Arme aus, umschlang den Oberkörper seines Bruders und drückte diesen ganz fest an seinen eigenen. „Nein, heute nicht. Du musst noch viel stärker werden, um mir helfen zu können“, antwortete Hao. Einfach nur einmal von jemanden in den Arm genommen zu werden, einfach nur einmal sich den Kummer von der  Seele zu reden. Genau das war es, was Yohs Herz in diesem Augenblick so begehrte. Yoh erwiderte die Umarmung: „Danke.“ Für einen kurzen Augenblick schien die Zeit stehen geblieben zu sein. Der Jüngere löste sich aus der Umarmung. „Wohin bringst du mich eigentlich?“
„An einen Ort wo auf dich grausame Schmerzen warten“, antwortete der Ältere mit einem unheilvollen Lächeln. ,,Um genau zu sein, bringe ich dich zurück zu Anna.“ Yoh stand der Schock förmlich ins Gesicht geschrieben. Anna! Sie machte sich sicher Sorgen und das würde sie auf ihre Art und Weise Yoh gnadenlos spüren lassen. Sie würde ihr unmenschliches Training vielleicht verdoppeln, oder noch schlimmer, verdreifachen. So dass er keine freie Sekunde mehr hatte. Hao fing hämisch an zu kichern: „Eine würdige Braut, diese Anna. Wenn du sie nicht willst, kann ich sie dann haben?“ Hao deutete mit dem Finger auf sich selbst und setzte ein strahlendes Lächeln auf. Den Jüngeren guckte verwirrt drein. Offensichtlich musste es sich hier bei, um einen Scherzt handeln. Dennoch setzte er entschlossen an: „Auf gar keinen Fall!“ Aus der Ferne rückte das Gasthaus, in dem Yoh und seine Freunde nächtigten, immer näher.
„Um mich daran zu hindern, musst du stärker werden! Wenn du nicht stärker wirst, werde ich sie mir einfach eines Tages nehmen.“ Haos ernster Tonfall passte überhaupt nicht zu seinem aufglimmenden Lächeln. Yohs Blick verfinsterte sich: „Das kann ich mir bei besten willen nicht vorstellen. Anna würde das nicht zulassen.“
„Du liebst sie“, hauchte Hao. „Wo die Liebe alles hinfällt.“
Der Jüngere fing an über beide Ohren zu grinsen. „So ist das nun mal. Man kann sich das nicht aussuchen. Hast du jemals jemanden geliebt?“
Der Ältere senkte seinen Blick und in seinen Augen spiegelte sich seine innere Trauer wieder. „So in der Art, nur war es nicht die gleiche Liebe wie bei dir und Anna“, offenbarte er ruhig.
Spirit of Fire hielt innen. Er war am Bestimmungsort angekommen. Langsam senkte er seine Handfläche. Yoh geriet wieder ins Schwanken und hielt sich abermals an seinem großen Bruder fest. Er fand erst wieder sein Gleichgewicht, als die Hand des Feuergeistes auf dem Boden aufsetzte. Wieder herrschte ein bedrückendes Schweigen zwischen den Beiden, das Yoh zaghaft unterbrach: „Ich bin nicht gut in solchen Sachen, aber es war schön sich mal mit dir alleine unterhalten zu können. So was sollten wir wiederholen. Nur beim nächsten mal gehen wir uns das Meer ansehen.“
„Klingt nach einem Date“, seufzte Hao.
Yoh musste schmunzeln: „Aber Dates haben doch nur verliebte.“ Der Ältere blickte nachdenklich drein. „Das würde natürlich Sinn ergeben.“
„Was würde Sinn ergeben?“, der Jüngere war völlig entgeistert. „Hao, an was hast du gerade gedacht?“ Etwas beschämt wich Hao dem fragenden Blick seines Bruders aus. „Na ja, es war nur ein kleines Missverständnis. Dieser ganze neumodische Kram liegt mir überhaupt nicht. Vielleicht erzähle ich es dir mal, wenn du älter bist.“
Yoh verlor völlig die Fassung. „Was für ein Missverständnis? Neumodisch?“ Dabei war er doch schon fast erwachsen. Er konnte es überhaupt nicht leiden von Älteren wie ein Kind behandelt zu werden. Sein Bruder müsste das doch verstehen. Er hatte doch sogar schon.... Yoh lief knall rot wie eine Tomate an. „Yoh, dass macht dich noch lange nicht erwachsen. Zum Erwachsensein gehört mehr als das“, der Ältere streichelte sanft mit der Hand über den Kopf des Jüngeren. „Keine Sorge, ich werde es nicht weiter verraten. Wir sehen uns dann.“
Yoh stieg etwas unbeholfen von der Handfläche des Feuergeistes. Zum Abschied winkten beide einander noch ein letzten Mal zu, bevor Spirit of Fire seine Handfläche wieder erhob und seinen Weg durch den nächtlichen Wald wieder aufnahm.
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Diesen ff habe ich vor 6 Jahren geschrieben. Fehler habe ich grob raus sortiert. Findet ihr noch welche, dann lasst es mich wissen und seid nicht zu zart mit mir. In diesen 6 Jahren hat sich mein Schreibstil kaum verändert. Etwas enttäuschend, aber ich erkenne jetzt deutlicher meine Schwachstellen.
Ein großen Dank an Frozen-chan, die sich die Mühe gemacht hat meine Fehler raus zusuchen. Lest ihre FFs! Es lohnt sich.
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