Sommernachtstraum

OneshotRomanze / P12
Eamon Felicity Morgan Lee
08.02.2016
08.02.2016
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Dies hier ist mein Beitrag zum Jugendbuch-Reihen-Wichteln für schattenmelodie.

Ich hatte bei der Initiatorin des Wichtelns unbedingt um eine Selection-Vorgabe gebeten, als ich dann aber gesehen habe, dass du dir die Pan-Trilogie wünschst, konnte ich einfach nicht anders … zum Einen liebe ich diese Bücher, auch wenn das Lesen gefühlte Ewigkeiten her ist, und zum Anderen haben deine Vorgaben einfach perfekt zu diesem Fandom gepasst.


Meine Vorgaben

» Pairing: Felicity x Leander
» andere Charaktere: Eamon, Ciaran
» Stichwörter (Auswahl): Veilchen, Klassik, Sommer(nachts)traum, Violine
» Zitat: „He knows all of my secrets and still wants to kiss me.“
» Sonstige: ein Streitgespräch muss vorkommen, in der dritten Person geschrieben


Auch wenn ich vielleicht nicht alle Vorgaben exakt wie gewünscht umgesetzt habe, sondern sie etwas gröber angegangen bin, hoffe ich, dass dir dein Geschenk gefällt!

Man möge mir kleine Schnitzer beim Canon bitte verzeihen, denn das Lesen ist, wie gesagt, schon etwas her und zwischen damals und heute liegen etliche weitere gelesene Werke. Ich habe versucht, vieles anhand der Bücher nochmal zu recherchieren, aber mir kann ja dennoch etwas untergegangen sein …
(Oder man weist mich darauf hin, dann bessere ich die Schnitzer selbstverständlich aus!)

Den Epilog aus dem Buch möge man bitte vergessen, den habe ich für mich jetzt gestrichen, weil mich die Idee von dem, was ich letztendlich geschrieben habe, nicht losgelassen hat – und dann passt der Epilog einfach nicht mehr.

Zu guter Letzt möchte ich mich für etwaigen Kitsch entschuldigen, aber manchmal geht es einfach mit mir durch … gerade in diesem Fandom, wo mich diese Echte-Liebe-oder-doch-"nur"-Bestimmung-Sache einfach nicht loslässt.


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»Ein Tropfen Liebe ist mehr als ein Ozean Verstand.«
[Blaise Pascal]



FELICITY

Felicity ist aufgeregt, als sie das Gemälde durchschreitet, welches sie direkt in das ehemalige Reich Oberons, das inzwischen Eamon regiert, führen wird. Ihre Hände sind schweißnass und sie ist versucht, diese an ihrem hellen Kleid abzuwischen, besinnt sich aber aus Angst, unschöne Spuren an diesem zu hinterlassen, eines Besseren.
»Ich verstehe nicht, wie du so ruhig sein kannst«, stößt sie aus, als sie nach Rubys Hand greift, »er hasst uns.«
»Also, wenn überhaupt, Feli, hasst er mich«, versucht ihre Freundin sie zu beruhigen, als sie ihre Hand aus dem nassen Griff löst und Felicity an beiden Schultern packt, »immerhin hatte ich  die Beziehung mit ihm. Nicht du, also komm mal wieder runter.«
»Ich bin mir ziemlich sicher, dass Eamon auch kollegial hassen kann.« Obwohl Felicity weiß, dass Ruby Recht hat, verschwindet das mulmige Gefühl in ihrem Bauch nicht. Durch die verquere Beziehung des ungekrönten Königs der Anderwelt und ihrer Freundin, hat sie in den vergangenen Jahren mehr Zeit als nötig mit dem strengen Mann verbracht, doch auch nach all den gemeinsamen Nachmittagen und Abenden ist ihr Eamon noch immer unheimlich … seine kühle Art und die Unfähigkeit, zu lächeln oder gar zu lachen, sorgen stets dafür, dass sie sich unwohl in seiner Gegenwart fühlt.
Deshalb wäre sie am liebsten gar nicht hier. Hätte seine Hochzeitsfeierlichkeiten am liebsten auslassen … oder wäre zumindest getrennt von Ruby hier erschienen, um seinem Zorn zu entgehen.
»Meine Güte«, speit Ruby untypisch genervt aus, »man sollte doch meinen, dass du als Retterin der Anderwelt ein bisschen mehr Mut hast. Eamon ist doch nett … er wird sicher über unser Debakel von Beziehung hinweg sein, immerhin heiratet er heute. Das ist der schönste Tag in seinem Leben.«
Felicity nickt und versucht, sich einzureden, dass ihre Freundin richtig liegt, immerhin sind alle Leute an ihrer Hochzeit glücklich – oder?

Obwohl Ruby ihr mit ihrer unsanften Ansprache zumindest einen Teil der Aufregung nehmen konnte, fällt diese erst komplett von ihr ab, als ein unverschämt gut aussehender Elf in einem perfekt sitzenden schwarzen Anzug auf sie zukommt, während er mit dem Blick auf seine Brust seine rotviolette Krawatte zurechtrückt, ehe seine Augen auf ihr liegen.


LEANDER

Als er seine Augen von der Krawatte, deren Farbe er mehr als grässlich findet, auf Felicity richtet, tritt ein Glanz in seine Augen, der die letzten Tage verschwunden war. Er betrachtet sie in ihrem knielangen und trägerlosen Abendkleid, welches sich an ihren Körper schmiegt und oben weiß beginnt, ehe es durch einen sanften Farbverlauf am Saum dieselbe Farbe wie seine Krawatte annimmt.
»Eigentlich wollte ich ja sagen, dass ich nicht fassen kann, dass du mich dazu gezwungen hast«, lächelt er ihr entgegen, wobei sein rechter Zeigefinger auf die Krawatte deutet, »aber dein Anblick entschädigt mich dafür. Du siehst unglaublich aus, Fay.« Mit diesen Worten überbrückt er die letzten paar Zentimeter Abstand zwischen ihr und sich, bevor er sie in seine Arme zieht und sanft küsst. Das Gefühl der Nähe zu ihr, welches er in den letzten Tagen aufgrund der Hochzeitsvorbereitungen, für die er in der Anderwelt verbleiben musste, vermisst hat, durchflutet ihn augenblicklich und er fühlt sich endlich wieder komplett.
»Ist alles okay mit dir?«, ergreift Lee Felicitys Hand, als er den verwirrten Ausdruck in ihren Augen zu deuten versucht.
»Wie ist Eamon so drauf?«, erwidert sie zögerlich, woraufhin er in ein schallendes Gelächter ausbricht.
»Oh, Fay«, presst er zwischen einzelnen Glucksern hervor, »tu doch nicht immer so, als wäre er ein Monster.«
»Meine Rede«, schaltet sich Ruby dazwischen, die von Lee begrüßt wird, ohne, dass dieser die Hand seiner Freundin loslässt.
»Siehst du, wenn sogar Ruby gelassen sein kann«, versucht Lee Felicity mit einem Zwinkern aufzumuntern, ehe er wieder ernst wird, »nein, wirklich, er ist glücklich. Und gut drauf, er lacht sogar.«
Schneller, als er reagieren kann, trifft Felicitys Faust auf seinen Oberarm. »Man soll nicht lügen, Leander FitzMor«, tadelt sie ihn und er tut es mit einem Lächeln ab, obwohl seine Worte nicht gelogen sind – dass er Eamon lächeln gesehen hat, ist, trotz der vielen Jahre, die sie miteinander verbracht haben, eine Seltenheit, doch heute strahlt sein Freund und Cousin wie noch nie zuvor in ihrem langen Leben.


FELICITY

Lees Nähe beruhigt Felicity augenblicklich und sie genießt es, ihn endlich wieder um sich zu haben, denn sie hat ihn in den letzten Tagen, die er in der Anderwelt verbracht hat, zweifelsohne vermisst – und er sie ebenso, das spürt sie. Während sie Hand in Hand über die Seebrücke, die zu Eamons Palast führt, schreiten, kuschelt sie sich an seinen Arm und atmet den geliebten Duft von Heu, Moos und Frühlingsblumen, der so typisch für Lee ist, ein.

Als sie neben ihrem Freund in die Eingangshalle des Palastes tritt, spürt Felicity die Blicke anderer Elfen auf sich lasten. Obwohl sie diese Welt mehr oder weniger gerettet hat, wird sie, das Wechselbalg, noch immer nicht angenommen, das weiß sie – aus diesem Grund haben sie und Lee auch vor wenigen Tagen entschieden, dass sie nicht bereits vorzeitig, so wie er, anreisen würde, sondern erst am Tag der Zeremonie dazustoßen soll. Die misstrauischen Blicke bohren sich in ihren Rücken, doch viel deutlicher spürt sie Missgunst sowie Neid und ganz vereinzelt sogar Hass. Ohne lange nachdenken zu müssen, weiß Felicity, dass ihr diese Blicke nicht wegen ihrer selbst zugeworfen werden, sondern aufgrund der Tatsache, dass Lee ihre Hand hält. Der Mann – oder Elf –, den sie liebt und der sie scheinbar ebenso liebt, ist ein heißbegehrter Mann, das hat sie damals des Öfteren in Visionen sehen müssen, und so ist es nicht ungewöhnlich, dass viele weibliche Elfen ihre Verbindung verachten – vor allem, wenn sie so viel hübscher als Felicity selbst sind.
»Fay, meine Süße, ignorier sie einfach«, wispert ihr Lee, dessen Hand sich nun fester um ihre geschlossen hat, zu.
»Mir bleibt ja nichts anderes über, nicht?«, überspielt Felicity ihre Unsicherheit und auch die Angst, dass Lee irgendwann sehen würde, was alle anderen hier in ihr sehen, während ihr wieder bewusst wird, dass Lee ja ihre Gedanken lesen kann, weshalb sie die unschönen Überlegungen schnell beiseiteschiebt.

Der, zur Kapelle umgeschmückte, Thronsaal, in den sie wenig später eintreten, kann Felicity nicht überzeugen, so schlicht ist er eingerichtet. Weder die, aus weißem Stoff drapierten, großen Blüten, die überall an den Wänden angebracht sind, noch die großen Blumenkübel mit roten und weißen Rosenbouquets schaffen es, die kalte Stimmung, die der Saal mit den grauen Steinwänden ausstrahlt, zu vertreiben. Es fröstelt Felicity, als Lee sie auf einen der bereitgestellten Stühle, der mit rotem Stoff umspannt ist, drückt.
»Ich kann leider nicht bei dir bleiben, der Trauzeuge muss am Altar stehen«, zwinkert er ihr zu, bevor er sie nach einem keuschen Handkuss zurücklässt.
Als ihre Augen ihn auf seinem Weg nach vorne zum Hochzeitsbogen verfolgen, kommt sie nicht umhin, zu erkennen, dass er von hinten beinahe noch besser aussieht in diesem Anzug, der ihm so unglaublich gut steht und ihn noch attraktiver macht – wenn das überhaupt möglich ist. Schweren Herzens löst sie ihren Blick von Lee und lässt ihn durch den Saal gleiten, woraufhin sie bemerken muss, dass sie nicht die Einzige ist, die ihn mustert.
»Wenn Ciaran James Bond ist, bin ich Austin Powers«*, erinnert sich Felicity an die Worte, die Lee vor einigen Jahren zu ihr gesagt hat, als er mit ihr das erste Mal über seine Cousins Ciaran und Eamon gesprochen hat. Wenig später hat sie Ciaran kennengelernt und, wenngleich sie zugeben muss, dass dieser durchaus sehr attraktiv war, kann sie diesem Vergleich noch immer nicht zustimmen. In diesem Moment, als sie über die damalige triviale Äußerung ihres Freundes nachdenkt, wird in ihr der Wunsch wach, Ciaran heute hier dabei zu haben. Nicht nur, weil er sicher zumindest die Aufmerksamkeit der Hälfte der weiblichen Elfen, die Lee so unverhohlen anstarren, auf sich ziehen würde, sondern auch, weil er ein guter Freund war. Auch noch Jahre nach seinem Tod kommt es Felicity falsch und unwirklich vor, dass er damals gegangen ist – er hat es nicht verdient. Und er fehlt.
Ohne es zu wollen, läuft ihr eine Träne über die Wange, als sie an den schmerzlich fehlenden Freund denkt.
»Fay, er wird immer in unseren Herzen weiterleben«, hört sie Lees Stimme in ihrem Kopf und lässt ihren Blick wieder zu ihm schweifen, der mit dem Rücken zu ihr und in eine Unterhaltung mit Eamon vertieft, steht, sodass sie sich nicht sicher sein kann, ob es wieder eine dieser Unterhaltungen durch Gedankenübertragungen ist oder, ob sie sich einfach nur seine Worte, die er ihr nach Ciarans Tod oft aufmunternd zugeflüstert hat, ins Gedächtnis ruft.


LEANDER

Zu wissen, dass Felicity traurig ist, er aber hier an der Seite seines mehr als aufgeregten Cousins verweilen muss, zerbricht Lee beinahe das Herz, weshalb er Felicity in Gedanken die Worte zuflüstert, die er damals, als der Verlust Ciarans noch ganz frisch war, täglich in ihr Ohr gesäuselt hat, während sie weinend in seinen Armen lag. Er spürt ihren fragenden Blick in seinem Rücken, doch das Gespräch mit Eamon bedarf seiner Aufmerksamkeit, sodass er seine Freundin wohl oder übel sich selbst überlassen muss.
Als die Fanfaren ertönen, nimmt er seinen Platz schräg hinter seinem Cousin ein, der aufgeregt mit seinen, hinter dem Rücken verschränkten, Händen spielt, weshalb sich ein Grinsen auf Lees Lippen legt.
In dem Moment, als Moira in dem Traum aus Weiß, den ihr Hochzeitskleid darstellt, in den Saal eintritt, richten sich alle Blicke auf sie und, nachdem sie einen Blick auf ihren sehnsüchtig wartenden zukünftigen Ehemann geworfen hat, legt sich ein sanftes Lächeln auf ihr Gesicht, welches den kühlen Saal mit einer Wärme versieht, die nur wenige Menschen allein durch ein Lächeln auszustrahlen vermögen. Obwohl Moira zweifelsohne eine wunderschöne Frau ist und Lee verstehen kann, warum viele der Anwesenden ihren Blick nicht von ihr lösen können, liegt sein Blick doch inzwischen auf seiner Angebeteten.
»Warum heiratet so  eine Frau diesen Eisklotz von Eamon?«, hört Lee Felicitys Gedanken, sodass er sich ein Lachen verkneifen muss, ehe er, ob der Weiterführung ihrer Überlegungen, einen Stich in sein Herz fühlt. »Aber vermutlich würden alle so über Lee denken, wenn er und ich irgendwann wirklich heiraten sollten.«

Die Zeremonie geht an Lee, der nur noch über das Gehörte nachdenken kann, vorbei, sodass es einem Wunder gleicht, dass er die Ringe zum richtigen Zeitpunkt an das Brautpaar übergibt.
Just in dem Moment, als es allen erlaubt ist, aufzustehen, löst er sich von seinem zugewiesenen Platz und schließt zu Felicity auf, die sich unsicher, wohin sie gehen soll, umblickt.
»Kommen Sie, ich begleite Sie, wunderschöne Fremde«, bietet er ihr gestelzt seinen Arm an, wo sie sich sogleich lächelnd einhakt.
»Es war eine wunderschöne Zeremonie«, schwärmt sie, »wer ist diese Moira eigentlich?«
»Moira ist die Tochter eines wichtigen Beraters von Eamon. Er wurde in diese Stellung erhoben, nachdem Oberons gesamter Hofstaat entlassen wurde«, setzt Lee an, ehe sich ein triumphales Lächeln auf seine Lippen legt, »und stell dir vor, obwohl Eamon sonst so erhaben ist, hat er eben eine Frau geheiratet, die ihr Leben in der Menschenwelt verbracht hat, weil sie bei ihren menschlichen Großeltern – ihre Mutter war halb Mensch, halb Elfe – groß geworden ist.«
»Wo die Liebe hinfällt …«, kommt die verträumte und zugleich nachdenkliche Antwort von Felicity, die ihre Finger inzwischen in Lees Arm gekrallt hat.
»Oh Fay, du bist doch perfekt für mich«, will Lee eigentlich sagen, um ihr klar zu machen, dass sie ihre Sorgen, nicht gut genug für ihn zu sein, endlich ablegen muss, doch sie kommt ihm zuvor …


FELICITY

Es ist überwältigend, als sie in den Garten des Palastes, wo die Hochzeitsfeierlichkeiten fortgeführt werden sollen, hinaustreten. Felicity kennt den Garten bereits von einigen Besuchen, doch so, wie er heute geschmückt ist, gleicht er einem Sommernachtstraum.
Während der Mond bereits am Himmel steht, erleuchtet ein, mit rotem Licht unterlegter, Springbrunnen, um den eine Runde Tafel angerichtet ist, den gesamten Garten. Weitere Lichtquellen sind einzelne Leuchtkugeln, die an weißen und roten Bändern an die Äste der umstehenden Bäume gebunden sind, sowie die riesigen goldenen Kerzenleuchter auf der Tafel. Der Boden des Gartens ist auf dezente Weise mit vereinzelten weißen und roten Blütenblättern bedeckt und die Stühle sind in weißen Stoff gewickelt sowie mit roten Kissen bestückt.
Zielsicher führt Lee Felicity zu einem Stuhl, den er für sie zurückzieht, und vor welchem, auf dem Tisch, ein weißes Platzkärtchen steht, auf dem in geschwungenen goldenen Lettern Felicitys Name geschrieben ist. Vor dem Platz links neben ihr steht ein weiteres mit Rubys Namen und rechts von ihr eines mit einem fremden Namen.
»Wirst du nicht bei mir sitzen?«, fragt Felicity ihren Freund verwirrt.
»Leider nicht«, gibt er schulterzuckend zurück, ehe er sich zu ihr herunterbeugt. »Unsere Beziehung ist hier ohne Verlobung oder gar Hochzeit nichts wert«, erklärt er ihr, ehe er einen Kuss auf ihre Halsbeuge drückt, »wenn die wüssten …«
Mit diesen Worten lässt er Felicity zurück und sie ist sich sicher, sein Lächeln während des Kusses gespürt zu haben, kann seine Freude jedoch nicht einordnen, immerhin sind sie offiziell dazu verdammt, den Abend getrennt zu verbringen.

Immer wieder sucht Felicity Lees Blick, der leider in den meisten Fällen zu sehr in ein Gespräch mit Eamon oder Moira vertieft ist, um ihren verzweifelten Blick zu erwidern.
»Ich bitte um Ruhe«, verschafft sich Eamon mit klarer Stimme und dem Klingen seines Löffels, den er sanft gegen sein Sektglas schlägt, Aufmerksamkeit, ehe er sich zu Moira dreht und ihr eine Lilie ins Haar steckt, »ich möchte hiermit unsere Tradition des Blumenansteckens einläuten und meine wundervolle Frau zum ersten Tanz auffordern.«
Felicity, die keine Ahnung von den Traditionen der Anderwelt hat, versteht nur Bahnhof, fängt nun aber endlich einmal Lees Blick auf, als das frisch vermählte Paar die Tanzfläche, die zwischen der Tafel und dem Brunnen liegt, durch die einzige Unterbrechung in der Tafel betritt.
Der Klang eines klassischen Stückes, was zweifelsohne aus der Anderwelt stammen muss, weil es Felicity nicht bekannt ist, lullt sie schnell ein, sodass sie den zarten Klängen der Violinen verfallen ist, als neben ihr plötzlich eine Hand auftaucht.
»Darf ich bitten?«, säuselt Lee ihr zu, während er bereits ihre Hand ergreift und sie auf die Tanzfläche führt, wo er sie mit schnellen Griffen an sich zieht und im Takt mit ihr über den ausgelegten Teppich schwebt.
»Ich kann eigentlich gar nicht tanzen«, stellt sie fest, während sie sich einfach seiner Führung hingibt.
»Alles, was es braucht, ist ein guter Tanzpartner, der in der Lage ist, dich zu führen«, zwinkert ihr Gegenüber ihr zu, »und wer ist da besser geeignet als ich?«
»Eingebildet wie eh und je, Mr FitzMor«, seufzt Felicity, »was hat es mit diesen Blumen auf sich?«
Inzwischen ist die Tanzfläche von etlichen Paaren besiedelt, von denen fast alle weiblichen Tänzerinnen bereits Blumen im Haar tragen oder gerade welche angesteckt bekommen – bei älteren Pärchen sind es zumeist Lilien, während die meisten anderen Frauen Rosen im Haar tragen.
»Das ist sowas wie ein … Beziehungs-Statement«, erklärt Lee, während er seine Hand von ihrem Rücken löst, um in seiner Hosentasche zu wühlen, »Lilien sind für verheiratete Paare und Rosen für die, die nur  verliebt sind.«
Gerade, als Felicity fragen will, ob sie auch eine Blume bekommt, steckt Lee ihr ein Alpenveilchen, welches farblich perfekt mit ihrem Kleid und seiner Krawatte harmoniert, ins Haar, ehe er ihr liebevoll durchs Gesicht streicht und sie in einen sanften Kuss zieht.
Felicity ist zwar keine Expertin der Blumensprache, aber sie ist sich sicher, einst gelesen zu haben, dass das Alpenveilchen als Blumengeschenk mehr als verpönt sein soll, da es ein Symbol für Gleichgültigkeit dem Beschenkten gegenüber ist. Schmerzhaft zieht sich ihr Herz zusammen, da sie diese Blume in ihrem Haar nicht als Geschenk, sondern als Zeichen des Spottes betrachtet.


LEANDER

Als er Felicity küsst, ist sie steif wie ein Brett, weshalb Lee den Kuss, schneller als eigentlich gewollt, beendet.
»Was ist los, Fay?«, fragt Lee besorgt, erhält jedoch keine Antwort, da Felicity sich aus seinem Griff löst und von der Tanzfläche, aus dem Garten und zurück in den Palast stürmt. Er bleibt allein zurück, während sich die Blicke der Umstehenden auf ihn richten, was er jedoch ausblendet.
»Was ist nur mit dieser Frau los?«, murmelt er vor sich hin, als er sich ebenfalls aus dem Garten entfernt und im Palast auf die Suche nach ihr begibt. Er fragt sämtliche Gäste, die sich noch in den Gemäuern aufhälten, ehe er einen nutzbringenden Tipp erhält, der ihn in den Gang zu den Gästegemächern im zweiten Stock führt. Da steht seine Felicity, den Blick durch das Fenster nach draußen, in die Nacht, gerichtet, während sie ihre Arme um sich geschlungen hat. Leise tritt Lee an sie heran, wobei er sich sein Jackett auszieht, um es ihr nur einen Augenblick später um die Schultern zu legen.
»Was sollte das denn?«, fragt er sie verwirrt, bevor er sich an die Wand neben dem Fenster lehnt.
»Lass mich einfach in Ruhe, FitzMor«, murmelt Felicity, ohne ihn eines Blickes zu würdigen.
»Nein, Fay, du bist heute schon den ganzen Tag so eigenartig«, insistiert er, was ihr nur ein genervtes Stöhnen entlockt, »ich weiß, es ist blöd, dass die Regeln der Anderwelt uns heute so trennen, aber das ist doch kein Grund, sich so kindisch aufzuführen.«
»Ich bin nicht kindisch!«, stellt sein Gegenüber laut fest, ehe sie sich wieder runterfährt – zumindest, was die Lautstärke betrifft. »Ich habe nur keine Lust auf diesen ganzen Zirkus hier. Ich frage mich, was ich überhaupt hier mache … du hättest den Abend doch genauso gut mit irgendeiner dieser wunderschönen Elfen verbringen können, die dich ununterbrochen anstarren.«
»Das ist alles?«, lacht Lee, woraufhin er einen bösen Blick von Felicity erntet. »Was kann ich denn dafür, dass mich andere Frauen anstarren?«
»Es geht doch nicht darum«, seufzt sie nun, sodass es diesmal Lee ist, der aufstöhnt. Dieses Gespräch nimmt den typischen Verlauf eines Streitgespräches mit einer Frau an – egal, was man sagt, man kann nur falsch liegen, da man nicht mal eine Chance hat, zu verstehen, worum es tatsächlich bei der Auseinandersetzung geht.
»So, wie unsere Beziehung hier nichts wert ist, scheint sie es einfach allgemein zu sein, Lee.« Nicht nur die Worte, sondern auch der traurige Ton, den Felicity nun anschlägt, schmerzen Lee, sodass er näher an sie herantritt, um ihren Blick zu suchen.
»Warum sagst du sowas?«, fragt er, ehe er sich an die Worte, die er sie vorhin denken gehört hat, erinnert. »Du musst den Gedanken, nicht gut genug für mich zu sein oder nicht zu mir zu passen, endlich ablegen.«
»Das fällt mir bei deinem Verhalten sehr schwer!«, schreit Felicity ihm nun entgegen, nachdem sie ihm sein Jackett in die Hand gedrückt hat und von ihm zurückgewichen ist.
»Was soll das denn heißen?«, erhebt nun auch Lee seine Stimme, bevor er seine Lippen aufeinander presst und einen ruhigeren Ton anschlägt. »Ich liebe dich, Fay, und das zeige ich dir doch ständig. Die Blume zum Beispiel ist ein Symbol fü-«
»Danke, ich weiß, was sie symbolisiert! Gleichgültigkeit …« Obwohl Felicity sich schnell von ihm wegdreht, kann Lee das verdächtige Glitzern in ihren Augen noch sehen, jedoch nicht mehr darauf reagieren, da sie vor ihm davon läuft.
Lee vergräbt seine Hände in den Haaren. Wie konnte er nur so dumm sein? Er hätte ihr vorher erklären sollen, was das Alpenveilchen in der Anderwelt bedeutet …


FELICITY

Felicitys Weg führt sie gefühlt einmal quer durch den Palast, ehe sie endlich innehält und Luft holt. Diese Hochzeitsfeierlichkeiten haben zwar von Anfang an nicht versprochen, besonders schön zu werden, doch Felicity ist mit der Erwartung an sie herangegangen, dass sie mit Lee alles überstehen kann – dass nun gerade er sie so verhöhnt, fühlt sich an, als würde ihr Herz in tausend Stücke zersplittern. Hastig zieht sie sich das Alpenveilchen aus dem Haar und wirft es achtlos weg, als sie wieder hinaus in den Garten tritt und ihren Platz sucht, an dem Ruby bereits auf sie wartet.
»Feli, alles gut?«, fragt diese sie, als sie ihr verweintes Gesicht sieht, doch Felicity winkt nur ab, was ihre Freundin widerspruchslos akzeptiert.
»Guten Abend, die schönen Damen«, hört sie, nachdem sie sich gerade erst hingesetzt hat, hinter sich eine vertraute Stimme. Als wäre der Abend bis jetzt nicht schlimm genug, folgt nun also die gefürchtete Begegnung mit Eamon.
»Hey, Eamon. Wirklich eine schöne Feier, herzlichen Glückwunsch«, wird dieser von Ruby herzlich begrüßt, was Felicity nur mit einem Nicken bestätigt.
»Vielen Dank«, bringt er gestelzt wie immer hervor, ehe Ruby die Sprache auf seine frisch Angetraute bringt, was ihm doch tatsächlich ein liebevolles Lächeln entlockt.
»Ja, Moira ist wundervoll«, schwärmt er Ruby, die sich offensichtlich für ihn freut, vor, ehe sein Blick auf Felicity fällt, »ich hoffe, dass mein Cousin Lee ähnliches Glück erfährt.«
Felicity kann ein genervtes Seufzen nicht unterdrücken, woraufhin Ruby ihr in die Seite stößt, was sie jedoch nicht wirklich interessiert. Zu groß ist der Ärger über Lees Verhalten und nun auch noch über die gehässige Bemerkung vonseiten Eamons.
»Darf ich dich zum Tanzen bitten?«, setzt dieser seiner Frechheit nun noch die Krone auf, als er Felicity nach dem nächsten Tanz fragt und einen Blick aufsetzt, der kein Nein duldet.
»Natürlich … liebend gern«, stimmt sie daher gespielt freundlich zu, während sie die Augen verdreht, sich aber dennoch von ihm auf die Tanzfläche führen lässt.


LEANDER

Lee tritt genau in dem Moment wieder in den Garten hinaus, als sein Cousin Felicity auf die Tanzfläche führt. Auch ohne ihre Gedanken zu lesen, ist es mehr als offensichtlich, wie unwohl sie sich in diesem Moment fühlt, sodass er sie am liebsten aus den Armen seines Cousin retten würde, doch er ist sich nicht sicher, ob sie seine Gegenwart tatsächlich vorzieht.
Er setzt sich auf seinen Platz, ohne auch nur einmal den Blick von dem tanzenden Paar abzuwenden, wobei er abwiegt, ob er Gebrauch von seiner Fähigkeit machen und die Gedanken der beiden lesen soll, um herauszufinden, worüber sich diese so rege unterhalten.
»Unterstehe dich«, hört er jedoch Eamons strenge Stimme in seinem Kopf, bevor er eine Entscheidung treffen kann. Obwohl ihn der Befehl seines Königs – zumindest hier in der Anderwelt – eigentlich davon abhalten soll, missachtet er ihn und schaltet sich in Felicitys Gedanken, woraufhin er ein Lachen von Eamon, welches er in seinem Kopf schallen hört, erntet.


FELICITY

Eamon sieht aus, als müsse er sich ein Lachen verkneifen, als er Felicity für eine Drehung von sich stößt. Nur einen Augenblick später, als sie wieder in seinen Armen ankommt, ist der Anflug von Fröhlichkeit verschwunden.
»Was machen wir hier, es ist mehr als offensichtlich, dass du mich nicht magst«, unterbricht Felicity die Stille zwischen ihnen, »und keine Sorge, du musst dich nicht weiter bemühen, mich und Lee auseinanderzubringen.«
»Ich habe nie gesagt, dass ich dich nicht mag«, widerspricht Eamon ihr ohne eine Gefühlsregung. »Ich bin nur misstrauisch, weil ich dich nicht durchschauen kann. Du bist mir ein Rätsel, Felicity Morgan, aber ich habe nie versucht, dich und Lee auseinanderzubringen«, fährt er fort, ehe er tatsächlich grinst, »zumindest in letzter Zeit nicht.«
»Ehm … danke für die Ehrlichkeit?«, erwidert Felicity unbeholfen. »Aber wie auch immer, ob du mich nun loszuwerden versuchst oder nicht, du brauchst dich nicht mehr darum zu kümmern, Lee hat mir heute unmissverständlich klar gemacht, was er von mir will … oder eher, was er nicht will.«
»Wirklich?« Eamons verwirrter Blick ist für Felicity nicht zu deuten und, als er ihr durch die Haare fährt, quiekt sie erschrocken auf.
»Was soll da-«
»Wo ist deine Blume? Es war doch ein Alpenveilchen, nicht?«, unterbricht er sie unhöflicherweise.
»Ja, aber ich habe es weggeworfen, was soll ich auch damit?«, antwortet sie ihm patzig, da sie nicht mehr an dieses unliebsame Geschenk denken möchte.
»Felicity Morgan, ich hätte nicht gedacht, dass du so voreilig und dumm bist«, verspottet sie Eamon nun gelassen, ehe er ihr ins Ohr flüstert, was das Alpenveilchen in der Anderwelt bedeutet.

Felicitys Augen weiten sich, als sie versteht, und Lee, der sie, von seinem Platz an der Tafel aus, anstarrt, lacht, weil er in ihren Gedanken liest, dass sie begriffen hat, dass er mit dem Alpenveilchen keineswegs Gleichgültigkeit ausdrücken wollte.
»Rosen für Verliebte, Lilien für Verheiratete …«, beginnt Lee in ihren Gedanken zu sprechen, während Felicity sich von Eamon löst.
»… und Veilchen für Verlobte«, schaltet sich dieser noch ein letztes Mal ein, nachdem Felicity ihn allein auf der Tanzfläche zurückgelassen hat, um sich ihrem Lee in langsamen Schritten zu nähern.
»Willst du mich heiraten, Fay?«, fragt Lee sie in Gedanken.
»Möchtest du das wirklich?«, will sie sich mit zitternder Stimme versichern, da sie noch immer nicht glauben kann, dass Lee sie wirklich liebt … und noch weniger kann sie glauben, dass er sie heiraten möchte, obwohl er genau weiß, dass es vielleicht nur ihr erster Kuss war, der die beiden verbindet.
»Egal, warum ich es tue, ich liebe dich, Fay. Also?« Diese Worte hört Felicity um sich herum widerhallen, da Lee sie beide, nachdem sie bei ihm angekommen ist und ihre Finger mit seinen verschränkt hat, in Fays Grotte gebracht hat.
»Ja«, wispert sie, während sie sich denkt, dass sie wirklich dumm war, das Veilchen einfach wegzuwerfen.
Noch immer in ihren Gedanken verweilend, hört Lee diese Worte, die er mit einem kurzen Auflachen kommentiert, ehe sich die beiden in einen leidenschaftlichen Kuss vertiefen.


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* Sandra Regniers "Pan-Trilogie, Band 1: Das geheime Vermächtnis des Pan" - Seite 91
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