Die schwarze Wölfin und der goldene Löwe

GeschichteAbenteuer, Romanze / P18
Cersei Lannister / Baratheon Jaime Lannister Joffrey Baratheon OC (Own Character) Sansa Stark Tyrion Lannister
07.02.2016
26.10.2016
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Königsmund war eine beeindruckende Stadt. Sie war voller Schönheit, aber gleichzeitig auch voll von Armut und Hass. Julynes wachsamen Augen entging nichts. Sie sah fröhliche Menschen, traurige Menschen und jene die ihren Vater und seine Eskorte nicht aus den Augen ließen. Sie waren gespannt wie die neue Hand des Königs sein würde und wie lange sie am Leben blieb.

Julyne kannte die Gerüchte die umgingen. Die Lennisters waren angeblich für Jon Arryns Tod verantwortlich, doch hier in Königsmund, konnte man es sich nicht leisten, dies laut auszusprechen. An jeder Ecke gab es Spione der Lennisters, sagte man etwas falsches – war man tot.

Julyne war froh als sie endlich angekommen waren und freute sich auf ein richtiges Bett. Ihre Reise nach Königsmund hatte fast einen ganzen Monat gedauert und nun waren sie alle erschöpft.

Kaum als ihr Vater vom Pferd gestiegen war, kam ein Mann auf ihn zugelaufen.
„Lord Stark, willkommen in Königsmund. Der kleine Rat wünscht sie jetzt zu sprechen.“
Ned seufzte und nickte dann aber.
„Jory, bring die Mädchen sicher in ihre Gemächer.“
Jory Cassel war der Anführer von Vaters Garde, er war ein ehrenwerter Mann, dem man vertrauen konnte.
„Ja, Mylord!“

Julynes Zimmer war groß und wunderschön. An der linken Seite des Raums war ein Schreibtisch angebracht mit einem Bücherregal. Daneben befand sich die Tür vom Bad. Gegenüber stand ihr Bett. Es war riesig und hatte gelb-orange Seidenvorhänge. Es gab auch einen Balkon. Julyne trat hinaus und ihr stockte der Atem. Der Ausblick war wunderschön, unter ihr erstreckte sich der königliche Garten und hinter den Mauern der Burg sah sie das Meer.

Schweißgebadet schreckte July aus einem Albtraum hoch. Joffrey hatte sie getötet. Sie und ihren Schattenwolf Leah.
Ihr war so unerträglich heiß, deswegen schlug sie die Decke zurück und stand auf. Die kühle Nachtluft schlug ihr entgegen als auf ihren Balkon hinausschritt uns sie atmete tief durch.

Der Albtraum kam nicht ohne Grund. Auf der Reise nach Königsmund, hatte man Sansas Schattenwolf Lady töten lassen, da er angeblich Prinz Joffrey angefallen hat. Dieser miese kleine Lügner. Arya hatte ihr später die Wahrheit erzählt und sie konnte es nicht fassen, dass dieser Unmensch die Wahrheit so verdreht hatte, nur um gut da zustehen.
Das schlimme war aber, dass man gegen Joffrey nicht viel machen kann, denn seine Mutter, Königin Cersei, verteidigt ihn wie eine Löwin und hörte sich nicht mal die anderen Stimmen an.
Seit dem letzten Gespräch mit ihrer Mutter ging July den Lennisters sowieso aus dem Weg und vermied jeglichen Kontakt mit ihnen. Besonders von dem Königsmörder hielt sie sich fern, was ihr schwer fiel, denn er schien immer in ihrer Nähe zu sein. Sie hasste diesen selbstgefälligen, süffisanten Blick mit dem er durchs Leben ging. Wie konnte man nur so eingebildet sein??

July wollte die Nacht nicht mit Gedanken an den verflucht gutaussehenden Jaime Lennister verbringen und atmete ein weiteres Mal tief durch.

Es war so eine schöne Nacht. Die Sterne strahlten und der Mond stand voll am Himmel und erhellte mit seinem himmlischen Licht alles. Der Garten lag ruhig unter ihr und sie beschloss spazieren zu gehen. Ihr Vater würde ihr eine Strafpredigt halten, weil sie so leichtsinnig ist, doch in den Gärten seiner Majestät würden wohl keine Gefahren lauern.

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Jaime stockte der Atem, dann breitete sich langsam ein Grinsen auf seinem Gesicht aus. Er war gerade auf dem Rückweg vom Königspalast zu seinen eigenen Gemächern, als er vor ihm jemanden gehen sah.
Der Mond schien zwischen den Blättern der unzähligen Bäumen hindurch und er erkannte die zierliche Gestalt vor ihm.

„Lady Julyne, es ist gefährlich hier draußen, vor allem in der Nacht.“
Erschrocken und gleichzeitig überrascht fuhr das Mädchen herum und sah aus wie ein kleines Kind, dass bei etwas Verbotenem ertappt worden ist.
Als sie ihn erkannte, verhärteten sich ihre Züge und ihr Blick wurde sofort kalt.
„Ser Jaime, es ziemt sich nicht eine Lady zu erschrecken.“
Jaime stieß ein leises lachen aus und verbeugte sich vor ihr.
„Mylady, es war nicht meine Absicht euch zu erschrecken. Ich wollte lediglich fragen, was ihr zu dieser späten Stunde hier draußen tut.“
Er trat nahe an sie heran und erkannte, dass sie auf einmal unsicher wirkte, doch einen Moment später hatte sie ihre kühle Miene wieder aufgesetzt.
„Dasselbe könnte ich euch auch fragen, Ser.“ Sie spuckte das „Ser“ voller Verachtung aus und Jaimes Grinsen wurde um noch eine Spur breiter, denn der kleine Wolf zeigte also wieder seine Zähne.

Er mochte Julynes aufbrausendes, wildes Temperament. Sie war meisten wie ein Schneesturm, ungezähmt und eiskalt. Ob sie eine andere Seite auch noch hat? Aber eigentlich gefiel ihm ihr vorlautes Verhalten.

Jaime konnte auch nicht verleugnen, dass er ihre Erscheinung anziehend fand. So wie sie jetzt vor ihm stand, war sie wunderschön. Ihre tiefschwarzen Locken, fielen ihr ungebändigt den Rücken hinunter, ihre tiefgrauen Augen hoben sich von ihrer hellen Haut ab und ihr leichtes Kleid schmiegte sich an ihren Körper.

Der Lennister deutete auf seine Rüstung und meinte verschmitzt:
„Wie Ihr seht, Mylady, trage ich noch meine Arbeitskleidung, was bedeutet, dass ich bis gerade eben noch im Dienst war.“
Julyne musterte ihn mit durchdringendem Blick, was er sichtlich genoss und zog dann spöttisch eine Augenbraue hoch.
„Was für eine…eindrucksvolle Rüstung, Mylord, mit nicht einem einzigen Kratzer, wie mir scheint.“

Julyne drehte sich um und ging ohne einen Gruß davon, Jaime konnte nicht anders und ging mit ihr mit.
„Nun ja, schon lange werden Schwerter nach mir geschwungen, aber trotzdem bin ich noch immer unversehrt.“
Das Mädchen blickte stur geradeaus und hob wieder mal spöttisch eine Augenbraue.
„Wollt Ihr jetzt Applaus dafür, dass jeder Eurer bisherigen Gegner vermutlich einfach nur zu dämlich gewesen ist ein Schwert zu halten und Ihr deswegen noch lebt?“
Sie war gut. Sie war wirklich verdammt gut.

„Aber Mylady, habe ich Euch Unrecht getan oder wieso seid Ihr heute so bissig?“
Sie fuhr zu ihm herum und funkelte ihn wütend an.
„Würdet Ihr mich nicht immer nerven, wäre ich vermutlich auch nicht bissig! Außerdem was macht Ihr hier? Ich kann alleine nachhause gehen!“
Jaime hob gespielt entschuldigt die Arme und grinste breiter denn je zuvor.
„Es tut mir leid, holde Maid, dass Euch mein Verhalten belästigt. Aber Ihr könnt mir nicht verwehren Euch nachhause zu begleiten, Mylady. Ned Stark würde mich noch mehr hassen, als er es jetzt schon tut, würde Euch etwas zustoßen, Lady Julyne.“
Julyne blickte ihn überrascht an, kniff aber dann abschätzend ihre hübschen Augen zusammen.
„Wenn es sein muss, Ser, dann begleitet mich, aber hört auf zu reden!“

Jaime konnte sich ein Lachen gerade noch so verkneifen und verhielt sich den restlichen Weg leise. Als sie vor dem Haus ankamen, nickte sie ihm kühl zu und wollte dann hineingehen. Aber Jaime packte sie am linken Arm und zog sie zu sich zurück.
Julyne riss erschrocken die Augen auf und er spürte wie unsicher sie in Wirklichkeit war. Dieses kühle, eiskalte Verhalten war also nur eine Fassade.
„Mylady, Ihr wollt doch nicht gehen ohne euch zu verabschieden? Das wäre nicht sehr ehrenhaft.“

Wie schon in Winterfell küsste er ihre Hand länger als es eigentlich nötig war. Es würde sie verrückt machen. Als er sich wieder aufrichtete sah er die Röte, die sich auf ihr Gesicht geschlichen hatte.
„Gute Nacht, Lady Stark.“
„Gute…gute  Nacht, S…Ser Jaime.“ stammelte sie und er ließ sie alleine.

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Du dummes Mädchen. Du dummes, dummes Mädchen! Warum ließ sie sich von Jaime Lennister so aufziehen??
Julyne ging wütend in ihrem Zimmer auf und ab, während sie sich selbst in Gedanken ausschimpfte. Am liebsten würde sie ihn nie, wirklich NIE wiedersehen. Jedes Mal schaffte er es ihre Barriere, die sie sich erbaut hatte um sich vor Leuten wie IHN zu schützen, zu durchbrechen. Sie hasste ihn. Dafür und auch weil er und die ganze Familie Lennister einem das Leben schwer machen.

„Lady Stark, habt Ihr einen Augenblick Zeit für mich.“
Ein paar Wochen waren seit dem nächtlichen Gespräch mit Jaime Lennister vergangen und Julyne war gerade auf dem Weg zu ihrem Vater, er hatte einen Brief erhalten aus Winterfell.

Die Stimme gehörte Lord Baelish und er holte sie ein.
Baelish war seit seiner Jugend in ihre Mutter verliebt und ihr Vater hasste ihn dafür. Trotzdem wollte Baelish ihm helfen und Vater musste ihm vertrauen. Julyne war er immer freundlich gesinnt und er war ein äußerst guter Gesprächspartner.

„Natürlich Lord Baelish, was kann ich für euch tun?“
Kaum hatte sie fertig gesprochen, zog er sie schon in einen leeren Raum.
„Hört mir jetzt gut zu, Mylady. Euer Vater will nicht, dass Ihr es erfahrt, doch Ihr müsste es erfahren.“
Verwirrt blickte Julyne ihn an und Baelish holte tief Luft.
„Die Lennisters haben Bran vom Turm gestoßen. Als sie hörten, dass er aufgewacht ist, hat jemand von ihnen einen Mann zu ihnen geschickt der Bran töten sollte und nun hat Eure Mutter, Lady Catelyn Tyrion Lennister gefangen genommen.“

In Julyne machte sich die Wut breit und sie konnte es einfach nicht fassen. Warum taten diese abscheulichen Menschen so etwas?

Baelish packte sie an ihren schmalen Schultern und zwang sie ihn anzusehen.
„Ihr müsst auf Euch Acht geben, Mylady. Habt Ihr mich verstanden? Der königliche Hof ist voll von Spionen und Lügnern. Vertraut keinem und lasst niemanden an euch heran, verstanden? Ich werde Euren Vater dazu bewegen, dass er Euch und Arya nachhause schickt. Dieser Ort ist nicht sicher. Er war es nie und jetzt ist er es noch weniger. Sansa muss hierbleiben, sie ist die Verlobte des Prinzen. Wenn die Lennisters erfahren was mit Tyrion geschehen ist, werden sie außer sich sein.“

Julyne nickte langsam und beruhigte sich wieder etwas.
„Lord Baelish…warum sagt Ihr mir das wenn Vater es nicht will?“
Der Mann senkte den Blick.
„Wegen eurer Mutter, sie sagte mir ich soll gut auf ihre Mädchen Acht geben. Dieses Versprechen werde ich auch halten.“

Nachdem Julyne sich bedankt hatte, dass er so ehrlich zu ihr war, machte sie sich auf dem Weg zu ihrem Vater. Unterwegs begegnete sie keinem, worüber sie außerordentlich froh war.

Das Arbeitszimmers ihres Vaters war leer, deswegen legte sie die Nachricht auf seinen Schreibtisch. Ihr fiel ein Buch ins Auge als sie vor seinem Schreibtisch stand. Es lag offen da und sie schaute es sich genauer an.
Die Seite, die aufgeschlagen war, zeigte alle männlichen Baratheons und ihre wichtigsten Eigenschaften.  
 
Sie las es sich durch und runzelte die Stirn. Erneut las July die Liste der Baratheons durch und die Erkenntnis durchfuhr sie wie ein Blitz.
Bei allen Baratheons war schwarz die Haarfarbe, nur bei Prinz Joffrey und Prinz Tommen nicht, die beiden letzten in der Liste. Die beiden Jungen hatten blonde Haare. Das typische Lennisterblond. Und auch sonst hatten sie mit ihrem Vater nichts gleich.
Das heißt sie konnten unmöglich seine Kinder sein. Aber wer war es dann?

Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und Ned Stark humpelte, gestützt von einem seiner Männer in den Raum.
„Vater, was ist geschehen?“ July sah voll Sorge an ihm hinab und erkannte eine Wunde am Fuß.
„Wer..“ Doch Ned kam ihr zuvor.
„Jaime Lennister und seine Männer haben mich überfallen. Er ist wütend über Tyrions Gefangenschaft.“
Julyne wusste nun was Lord Baelish gemeint hatte als er sagte, dass die Lennisters außer sich vor Wut sein würden.