Die schwarze Wölfin und der goldene Löwe

GeschichteAbenteuer, Romanze / P18
07.02.2016
26.10.2016
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Begegnungen

„Mylady Julyne, soeben ist ein Rabe mit einer Botschaft für Euren Vater angekommen. Wisst Ihr wo ich ihn finden kann?“
„Schon gut Ser Rodrick ich werde sie ihm selbst überbringen.“
Ser Rodrick Cassel neigte sein Haupt vor Julyne Stark, der Tochter des Lords von Winterfell und übergab ihr die besagte Botschaft. Julyne machte auf dem Absatz kehrt und ging in Richtung Götterhain. Die pechschwarzen, lockigen Haare wehten im Wind und ihr hellblaues, figurbetontes Kleid streifte am Boden. Julyne war wirklich eine Schönheit. Ihre Haut war hell und makellos, ihre Figur schlank mit den richtigen Rundungen und ihre sturmgrauen Augen wunderschön und wachsam. Sie kam sehr nach ihrem Vater, nicht nur was das Aussehen betrifft, sondern sie hatten auch ähnliche Charakterzüge. Kämpferisch, leidenschaftlich, listig. Von ihrer Mutter hatte sie den Sanftmut, der aber nur selten hervorkam.
Julyne fand ihren Vater unter der alten Weide sitzend. „Vater eine Nachricht für dich, sie trägt des Königs Siegel.“
Ned blickte auf und legte sein Breitschwert Eis, dass er in der Hand hielt weg und nahm die Botschaft. „Danke mein Kind.“
Ihr Vater brach das Siegel und las die Nachricht während Julyne ihn erwartungsvoll anschaute. Neds Gesicht war auf einmal wie versteinert.
„Jon Arryn, die Hand des Königs ist tot.“ Julyne senkte den Blick. Sie wusste das Vater und er sich nahe gestanden haben. „Es tut mir leid, Vater.“
Sie schwiegen einige Minuten, bevor Ned erneut die Stimme erhob. „Der Brief enthält noch eine Nachricht. Der König kommt uns besuchen.“ Das Mädchen blickte überrascht auf. „Warum?“ Ned zuckte unwissend die Schultern. „Seine ganze Familie und sein Gefolge werden in ca. einem Monat hier eintreffen, das bedeutet wir haben noch vielvorzubereiten.“
Der Lord von Winterfell erhob sich und steckte Eis in ein Wolfsfell. Julyne wusste, dass er heute einen Deserteur der Nachtwache enthauptet hatte.
„Vater,“, fragte sie leise, „ stimmt es, dass der Deserteur einen Weißen Wanderer gesehen hat?“
Ned seufzte. „Ich glaube nicht. Er redete nur wirres Zeug und war nicht ganz bei Sinnen. Vermutlich war ein Wildlingüberfall der Auslöser dafür.“
Seine Tochter war nicht überzeugt von seiner Antwort, trotzdem beließ sie es dabei. Es machte keinen Sinn mit ihrem Vater darüber zu diskutieren, dafür waren sie einfach beide zu stur.
Nun war der Tag gekommen an dem König Robert Baratheon kam und alle waren in Aufregung. Vor allem ihre Schwester Sansa, denn sie wird vermutlich mit Prinz Joffrey verlobt werden. Julyne war froh, dass sie älter als der Prinz war, denn eine Verlobung mit dem zukünftigen König, hätte sie nicht ausschlagen können, sowie sie es sonst tat.    
Je länger sie darüber nachdachte, desto klarer wurde ihr, warum der König sie besuchte. Ned sollte die Rechte Hand des Königs werden. Seit jeher waren die beiden Männer gut befreundet und Ned würde sicher einen guten Dienst am Hofe leisten. Obwohl sie sich nicht sicher war, ob er sich in Königsmund wohlfühlen würde.

„Der König kommt! Er kommt!“ Ihr neunjähriger Bruder Bran kam angelaufen und war außer sich vor Aufregung. „König Robert hat viele Ritter dabei. Ein paar haben glänzende Rüstungen und einen weißen Umhang, das müssen die Ritter der Königsgarde sein.“ Julyne packte Bran an der Schulter. „Bran, komm runter und benimm dich. Hier, stell dich zwischen Arya und Rickon.“ Sie deutete zwischen ihre Geschwister und Bran stellte sich, wenn auch etwas widerwillig dorthin.
Die Kinder der Starks standen in einer Reihe neben Ned und Catelyn. Zuerst Robb, dann Julyne, Sansa, Arya, Bran und Rickon. Hinter ihnen standen noch Theon Graufreud, Neds Mündel und Jon Schnee, der Bastard von Ned.
Julyne liebte Jon wie einen richtigen Bruder und kann es nicht ertragen wenn ihn jemand Bastard nennt. Jon sah ihr sehr ähnlich – die beiden könnten Zwillinge sein.
Das älteste Starkmädchen wurde aus den Gedanken gerissen, als die Ritter durch das Tor ritten. Sie alle hatten eine prächtige Rüstung und die edelsten Pferde. Danach folgte der König und hinter ihm die königliche Kutsche.
Als der König abstieg, knieten sie alle nieder und warteten auf den Befehl sich wieder zu erheben. „Ned, mein alter Freund!“ Die beiden Männer fielen sich in die Arme. Danach begrüßte der König Cat und begutachtete uns Kinder.
„Du bist aber eine Hübsche. Ned warum hast du sie noch nicht verheiratet?“ König Robert musterte Julyne und Ned erwiderte grinsend: „Hätte ich schon versucht, aber dazu brauche ich einen Mann der sie zähmen kann!“ Robert brach in Gelächter aus. „Ein Wildfang also, schade, dass du schon zu alt für meinen Joffrey bist.“
Julyne verkniff sich ein Grinsen, Gott sei Dank ist sie zu alt für den Prinzen.
Sie betrachtete Joffrey auf seinem Pferd. Sein Blick war erhaben, arrogant und verächtlich. Aus den Augen sah Julyne, wie Sansa ihn anlächelte und wusste schon jetzt, dass dies nichts Gutes verhieß.
Hinter dem Prinzen stieg Königin Cersei aus der Kutsche und zog alle Blicke auf sich. Cersei Baratheon war wirklich die schönste Frau in ganz Westeros. Ihr langes goldenes Haar fiel ihr fast bis zu den Hüften, ihr Gesicht war ebenmäßig und makellos. Doch ihre grünen Augen blickten uns kühl an, beinahe schon verächtlich. Dieser Frau fehlte, ihrer Meinung nach, der gütige Blick einer Königin.
Julyne reckte den Hals um Cersei’s Brüder Jaime und Tyrion auszumachen, doch sie waren nicht hier. Die königliche Familie schritt in die Burg hinein und hinter ihnen die Ritter der Königsgarde und ein furchterregender Mann in schwarzer Rüstung. Durch seinen offenen Helm sah sie sein grausam verunstaltetes Gesicht.
„Robb, wer ist das?“, wisperte July ihrem Bruder zu. Er beugte sich zu ihr und flüsterte: „Das ist Ser Sandor Clegane, des Prinzens Leibwächter. Er wird auch Bluthund genannt.“ July erschauerte bei dem Gedanken diesen Mann immer um sich haben zu müssen.
Unschlüssig stand Julyne vor ihrem Kleiderschrank. Rot oder grün? Julys Schattenwolf Leah strich zwischen ihren Beinen umher und verlangte gestreichelt zu werden. Ihre Besitzerin kniete sich hin und streichelte den grauen Wolf. Vor 1 Monat hat Lord Stark allen seinen Kindern einen Schattenwolf geschenkt, denn es war das Wappen des Hauses Stark.
Fertig angezogen stellte sie fest, dass sie eine richtige Wahl gefällt hat. Das grüne Kleid umspielte locker ihre perfekte Figur und betonte das, was betont gehört.
Auf dem Fest verbrachte sie die meiste Zeit mit Jon und Onkel Benjen, wo sie erfuhr, dass Jon der Nachtwache beitreten würde.
„Jon, willst du das wirklich?“ Julyne sah ihn ernst an und Jon nickte zuversichtlich. „Ja Schwester, dort bin ich gleich gestellt mit allen anderen. Ich will nicht mehr Lord Eddard Starks Bastard sein und deswegen verachtet werden.“
Julyne wusste wen er meinte. Catelyn verabscheute Jon.
Schön langsam wurde Julyne müde und sie verabschiedete sich von der Gesellschaft.
Als sie auf den Ausgang zusteuerte, lief sie mit voller Wucht gegen eine harte Brust und wäre zu Boden gefallen, hätten zwei starke sie nicht gehalten. Erschrocken riss Julyne die Augen auf und ihr funkelten smaragdgrüne Augen entgegen.
„Entschuldigung Mylord.“, stammelte sie und musterte den Mann.
Er war recht groß, kräftig, hatte volles goldenes Haar, makellose Haut und diese grünen Augen starrten sie belustigt an. Der Mann konnte nur Jaime Lennister sein, der Zwilling von Königin Cersei.
„Ihr braucht Euch nicht zu entschuldigen Mylady. Verratet Ihr mir euren Namen, Schönheit?“
Julyne errötete und senkte den Blick.
„Mein Name ist Julyne Stark, ich bin die Tochter von Lord Eddard und Lady Catelyn.“ Julyne deutete eine leichte Verbeugung an.
„Lady Julyne, ich habe schon von euch gehört. Die Älteste der Stark Töchter und noch dazu keinem versprochen. Es heißt Eure Schwester Sansa heiratet bald meinen Neffen. Stimmt das?“ Jaime lächelte das Mädchen charmant an.
„Ja Mylord, das stimmt.“
„Das heißt sie heiratet vor Euch?“ Julyne hasste diese Frage.
„Ja Mylord.“
Jaime kam einen Schritt näher, was July erneut erröten ließ.
„Wieso heiratet Ihr noch nicht?“
Der gutaussehende Lennister hatte einen empfindlichen Nerv getroffen, aber sie zwang sich trotzdem zu lächeln und erwiderte kokett:
„Wisst Ihr Mylord, einige Männer hätten um meine Hand angehalten, doch sie waren alle gleich. Hirnlose, trinkende, machthungrige Hornochsen und wie mir scheint, ist es vielen Lords vorbestimmt irgendwann so zu werden. Ich wäre überrascht, wenn man mir einen Mann vorstellt bei dem dies nicht so ist. Und genau deswegen habe ich noch nicht geheiratet, Ser Jaime.“
Jaime stutzte einen Moment, lachte dann aber los.
„Wohl wahr, Mylady. Wenn Ihr mich entschuldigen würdet, ich muss mit meiner Schwester reden.“
Julyne drehte sich um und sah die Königin wie sie wütend ihr Gesicht verzog. Ser Jaime nahm ihre Hand und küsste sie etwas zu lange. July errötete wieder und erstarrte. Er lächelte ihr noch einmal zu und verschwand dann.
Julyne erwachte aus ihrer Starre und suchte so schnell wie möglich ihr Gemach auf. Ihr Herz klopfte immer noch wie wild, aber sie versuchte sich zusammenzureißen und Jaime Lennister aus ihren Gedanken zu verbannen.