Beyond the Horizon

von annamaria
GeschichteDrama, Romanze / P18
Emma Ludbrook Jared Leto Shannon Leto Tomislav "Tomo" Milicevic
07.02.2016
03.07.2016
21
42.879
7
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Dieses Kapitel
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07.02.2016 2.310
 
Es geht weiter mit Jared und Kathy!

Viel Spaß mit der Fortsetzung, ich hoffe, sie gefällt Euch!
Über Kommentare würde ich mich riesig freuen :-)



Disclaimer: 30 Seconds to Mars und alle anderen, die im wahren Leben damit zu tun haben (Jared, Shannon, Tomo, Jamie, Emma, Dai, Yasir, Stevie, Vicky, Shayla etc.) gehören immer noch alle sich selbst und sind als Charaktere nur von mir ausgeliehen.  Das gleiche gilt natürlich auch für Leonardo Di Caprio, Matthew McConaughey, Lupita Nyong’o oder ggf. andere Personen aus dem wahren Leben, die in dieser Geschichte vorkommen mögen. Kathrin, Jules, Nina und die anderen dagegen, gehören mir, evtl. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen wären hier rein zufällig.

Es handelt sich um eine frei erfundene Story, bei der mich zwar durchaus an Informationen aus dem Internet bedient habe, aber kein Geld damit verdiene und schon gar keinen Anspruch auf Wahrheitsgehalt etc. erhebe, sondern mir stattdessen die Freiheit herausnehme, mir die Timeline bezgl. Ereignisse, Konzerte etc. die ich mit einbaue, so anzupassen, wie es mir am besten auskommt.



Beyond the Horizon
 

Prolog  


NOW!
 
 
Klatschnass geschwitzt und völlig ausgepowert betrat Jared keuchend seinen Hausflur. Er war mindestens zwei Stunden durch die Hills gerannt, fast bis zur Erschöpfung, wie er es bereits seit Wochen tat, um nachts ein wenig zur Ruhe zu kommen. Jeden Tag brauchte es dabei ein bisschen mehr, jeden Tag musste er ein Stückchen weiter durch die Straßen seines Wohnviertels laufen. Seine Kondition war einfach zu gut und durch das viele Gerenne, wurde sie auch nicht gerade schlechter.

Flüchtig betrachtete er sein ausgemergeltes Gesicht, welches ihm aus dem kleinen Spiegel im Flur entgegenblickte. Schmal war er geworden, mit eingefallenen Wangen und dunklen Rändern unter den Augen, aber wenn er ehrlich war, interessierte es ihn eigentlich nicht wirklich. Sein Aussehen war ihm völlig egal, aber essen sollte er vielleicht tatsächlich mal wieder etwas. Er konnte sich nicht mehr so genau daran erinnern, wann er das letzte Mal etwas Handfestes zu sich genommen hatte. War es gestern gewesen? Oder vielleicht doch schon vorgestern? Er schüttelte den Kopf. Er wusste es nicht. Essen war für ihn zu einem notwendigen Übel geworden. Allein bei dem Gedanken daran, wurde ihm schlecht, aber er konnte es sich nicht erlauben schlapp zu machen.

Vielleicht sollte ich es direkt wieder mit Alkohol versuchen, dachte er zynisch, verwarf diesen Gedanken jedoch gleich wieder. Alkohol war für seine Familie noch nie eine gute Option gewesen. Andererseits, was war schon gut? Allerdings war sein letzter Absturz so lange nun auch wieder nicht her und definitiv nichts, was wiederholungsbedürftig war. Er zuckte kurz gleichgültig mit den Schultern und ging immer noch schwer atmend durch den Flur ins Wohnzimmer und weiter in seine Küche. Sein Blick fiel auf die kleine goldene Statue, die auf dem Fensterbrett stand und im Licht der Sonne aufblitzte. Kaum merklich schüttelte er den Kopf, bei dem Gedanken daran, was ihm diese Auszeichnung einmal bedeutet hatte. Eigentlich stand er nicht so auf Preisverleihungen, bei dem irgendwelche Juroren irgendetwas entschieden. Ihm war es wichtiger, was das Publikum über seine Arbeit dachte, nicht, was sogenannte Fachleute dazu meinten, ausgenommen dieser eine inzwischen schon leicht verbeulte Preis.

„Weißt Du...“, hatte er seiner Frau Kathrin einmal erklärt und es kam ihm vor, als wären seitdem Jahrzehnte vergangen. „...Jahrelang wurde meine Schauspielkarriere ignoriert. In den Augen der Kritiker war ich immer nur der ewig Talentierte. Es hieß, ich hätte zwar Potenzial für die ganz große Karriere, aber ich gehörte nicht hier hin.“ Er zuckte mit den Schultern. „Ich war immer das schwarze Schaf der Gilde... ein Außenseiter.... Und bin es auch heute noch irgendwie, trotz dieses kleinen Kerls... oder den ganzen anderen Staubfängern hier." Nachdenklich hatte er den Oscar von der Fensterbank genommen und mit der anderen Hand fahrig in die Richtung der anderen Awards gezeigt. Er hatte sich in Rage geredet und seine Augen hatten damals gefunkelt als er sie ansah. „Versteh mich nicht falsch“, war er fortgefahren. „Ich freue mich darüber, sehr sogar, aber mich ärgert es tierisch, wenn mir jetzt alle damit kommen, ich könne ja jetzt mit der Musik aufhören, ich wäre ja schließlich jetzt in Hollywood angekommen... Die tun alle gerade so, als ob Mars nur ein Zeitvertreib für mich gewesen wäre. Ich möchte beides machen, ich kann beides machen und ganz bestimmt werde ich die Musik nicht aufgegeben!“
Kathy hatte verständnisvoll genickt und ihn sich noch ein wenig austoben lassen, bevor sie sich ihm irgendwann bei seiner x-ten Runde durch das Wohnzimmer in den Weg gestellt, in den Arm genommen und damit langsam aber sicher von seiner Palme wieder heruntergeholt hatte.

Er lächelte und gleichzeitig zog sich sein Herz ein wenig zusammen, bei dem Gedanken daran, wie schnell Kathy immer wieder in der Lage war, ihn zu beruhigen, wie kein anderer Mensch. Meistens reichte ihre bloße Anwesenheit aus, um ihn Durchatmen zu lassen. Sie war einfach sein Ruhepol. Von Anfang an war es so gewesen. Selbst wenn sie stritten, strahlte sie für ihn gleichzeitig immer das Gefühl der Geborgenheit aus, so paradox es sich auch anhören mochte.

Nachdenklich hielt er auch jetzt die kleine Statue in der Hand. Sie sollte sein größter Triumph sein, aber wenn er es genauer betrachtete, hatten damit seine Probleme eigentlich erst angefangen. Er seufzte, während er weiterhin auf die goldene Figur starrte. Selbst heute regte ihn die Engstirnigkeit der Hollywood-Gilde immer noch auf, auch wenn er den Zweiflern inzwischen erfolgreich das Gegenteil bewiesen hatte. Er hatte die Musik selbstverständlich nicht aufgegeben und war trotzdem nun drei Jahre später erneut für einen Oscar nominiert worden. Den einen oder anderen Award hatte er für seine Darstellung des Jokers auch schon bereits für sich verbuchen können, aber wirklich freuen konnte er sich darüber nicht. Auch hatte er die Auszeichnungen, von einigen wenigen Ausnahmen einmal abgesehen, nicht selbst entgegengenommen. Meistens waren Shannon, seine Mom oder Emma für ihn zu diesen Veranstaltungen gegangen. Er fühlte sich nicht in der Lage dazu und war froh und dankbar, dass seine Freunde dies für ihn übernahmen. Er schluckte, es war schon merkwürdig wie sich die Prioritäten urplötzlich von einen auf den anderen Tag verschieben konnten. 

Jared amtete erneut leicht auf und ging weiter in seine Küche hinein. Vor dem Kühlschrank blieb er stehen, öffnete die Tür und holte sich eine Flasche Mineralwasser aus dem unteren Fach. Einen Moment lang hielt er sein immer noch erhitztes Gesicht in das Gerät und genoss die Kühle, die ihm entgegenschlug, bis der Eisschrank plötzlich anfing zu brummen. Fast erschrocken schloss er die Tür wieder und hielt sich stattdessen die kalte Flasche an die Stirn. Das Summen des Kühlschrankes erschien ihm unnatürlich laut in der ansonsten vorherrschenden Grabesstille, die ihn hier in seinen Räumen umgab. 

Wieder schüttelte er den Kopf. Früher hatte er sich geradezu danach gesehnt und war häufig in die Hills geflüchtet, um Ruhe vor dem ganzen Gewimmel in seinem Haus zu haben - Heute nicht mehr.
Die Stille in seinen eigenen vier Wänden erdrückte ihn. Ein Grund mehr, warum er sich kaum noch in diesen aufhielt. Wenn es nach ihm gegangen wäre, wäre er überhaupt nicht mehr hier, aber man hatte ihn mehr oder weniger höflich hinaus komplementiert und verordnet, dass er sich mindestens 8 Stunden am Tag außerhalb des Cedars Sinai aufzuhalten hatte. Um seiner Gesundheit, und vor allem der Nerven aller anderen Willens. Also hatte er widerstrebend wieder mit dem Laufen begonnen. Länger als eine Stunde hielt er es nicht allein zu Hause aus. Shannon hatte ihm zwar angeboten für eine Weile bei ihm unterzutauchen, aber das hatte er dankend abgelehnt. Erstens war gerade erst Jules dort eingezogen und er wollte das junge Glück nicht stören, zweitens ertrug er im Moment derer beider Glück aber auch nicht. Es war nicht so, dass er es ihnen nicht gönnte, eher das Gegenteil war der Fall. Er freute sich für seinen Bruder und die beste Freundin seiner Frau, hatten diese doch lange genug gebraucht, sich ihre Gefühle zueinander einzugestehen, aber es führte ihm seine eigene Einsamkeit nur noch mehr vor Augen.

Seufzend nahm er einen weiteren Schluck aus der Wasserflasche, stieg langsam und etwas schwerfällig die Treppe ins Obergeschoss hoch, öffnete die Schlafzimmertür und durchquerte hastig den Raum bis ins angrenzende Badezimmer, ohne auch nur einen einzigen Blick unnötigerweise nach links oder rechts zu werfen. Er ertrug den Anblick des leeren Bettes nicht, der Kleidungsstücke seiner Frau in ihrem gemeinsamen Kleiderschrank, oder ihrer Fotos auf dem Nachtschrank. Das Schlafzimmer nutzte er bereits seit Wochen nicht mehr, außer um durch den Raum ins Badezimmer zu gelangen, oder sich Klamotten aus dem Schrank zu ziehen, wobei die meisten seiner T-Shirts, Hosen und Pullover mittlerweile im ganzen Haus und im Lab verteilt waren. Er zog es vor auf der Couch im Wohnzimmer zu schlafen. Wenn man es denn überhaupt Schlafen nennen konnte. Es war eher ein Hin-und-wieder-weg-Dösen. Wirklich schlafen konnte er nicht, und das lag nicht nur am unbequemen Sofa. Sollte er wider Erwarten doch einmal einnicken, wälzte er sich unruhig hin und her, nur um kurze Zeit später panisch hochzuschrecken und nach Luft zu schnappen. 

Er seufzte erneut, entledigte sich flink seiner durchgeschwitzten Sportsachen und stieg unter die Dusche. Erschöpft stützte er sich mit beiden Händen an der Wand ab und ließ den warmen Strahl auf seinen steifen Nacken herab prasseln. Das Sofa bekam ihm eindeutig nicht. Wahrscheinlich wäre es wirklich sinniger zu seinem Bruder zu ziehen, oder wenigstens im Gästezimmer zu übernachten, aber selbst das brachte er nicht fertig. Zu viele Erinnerungen lebten in diesen Wänden. Vielleicht sollte er ins Anwesen ziehen, das er im Laurel Canyon gekauft hatte? Aber dort waren für seinen Geschmack einfach zu viele Leute unterwegs. So wenig er die Stille in seinem Haus ertrug, das Gewusel in der Firma und die vielen besorgten Blicke von Dai, Yasir und den anderen ertrug er noch viel weniger.

Gute fünf Minuten lang ließ er das viel zu heiße Wasser an seinem Körper herunterlaufen, bis seine Haut krebsrot war, sich seine Schulterpartie aber dafür langsam entspannte. Er atmete tief durch, schäumte sich ein, brauste sich kurz ab und verließ hastig wieder die Duschkabine. Er fröstelte trotz seines erhitzten Körpers in dem Luftzug, der durch die offene Tür ins Badezimmer hereinzog. Schnell rubbelte er sich mit einem Handtuch, das er am Abend vorher achtlos auf den Fußboden geworfen hatte, ab und schlüpfte in eine warme bequeme Jogginghose und seinen Hoodie, bevor er mit seiner Hand über den beschlagenen Spiegel wischte und sich abschätzend erneut musterte.

Er war immer noch erschöpft, aber das warme Wasser hatte seine Wirkung getan. Die Ränder unter seinen Augen waren etwas weniger geworden und durch die Hitze in seinem Körper, wirkte er nicht mehr ganz so blass im Gesicht. Er fühlte sich auch tatsächlich etwas besser, jedenfalls soviel, dass er es jetzt vielleicht doch mal versuchen konnte, etwas zu essen! Er war immer noch nicht hungrig, aber besser wäre es wahrscheinlich wirklich für ihn. Er nickte sich selbst im Spiegel aufmunternd zu, straffte die Schultern, während er erneut hastig das Schlafzimmer durchquerte und steuerte geradewegs wieder seine Küche an.

Skeptisch warf er einen weiteren Blick in den spärlich bestückten Kühlschrank. Erst jetzt realisierte er, dass Emma da gewesen sein musste, denn die Lebensmittel, die er in dem Gerät vorfand, hatte er nicht selbst dort hineingelegt. Ein leichtes Lächeln schlich sich auf sein Gesicht. Seine langjährige Freundin und Geschäftspartnerin machte sich Sorgen, aber anstatt ihn zu nerven, kümmerte sie sich einfach um die notwendigsten Dinge, ohne großartig zu fragen. Unsichtbar wie Geister wuselten sie und Jules in seiner Abwesenheit abwechselnd im Haus herum und sorgten so dafür, dass er nicht völlig verlotterte. The Show must go on und bislang war es ihm mit der Hilfe der beiden Frauen auch gelungen, nach Außen nichts durchdringen zu lassen. Suchend ließ er seinen Blick über die Lebensmittel schweifen, aber alles was er vorfand, löste einen leichten Würgereiz in ihm aus, obwohl Emma sich bei der Auswahl der Nahrungsmittel wirklich Mühe gegeben hatte. Letztendlich entschied er sich für einen Obstsalat über den er noch ein wenig Soja-Joghurt kippte. Obst ging irgendwie immer und es war immer noch besser als nichts. Seufzend schnappte er sich noch seine Wasserflasche und ging zurück ins Wohnzimmer. Vielleicht konnte ihn das Fernsehprogramm ja ein wenig ablenken. Er wollte gerade nach der Fernbedienung greifen, als er bemerkte, dass sein Anrufbeantworter blinkte. Sofort schrillten in seinem Kopf sämtliche Alarmglocken. Das hatte nichts Gutes zu bedeuten. Seine Festnetznummer hatte kaum jemand und selbst die wenigen Personen, die sie besaßen, riefen normalerweise auf dem Handy an. Zögernd drückte er den Knopf der Abfrage, während er gleichzeitig auf sein Mobiltelefon sah. 10 Anrufe in Abwesenheit von Shannon und seiner Mom.

„Jared? Hier ist Mom“, hörte er auch prompt seine Mutter aufgeregt auf seiner Mailbox. „Wenn Du das hier abhörst, dann ruf mich bitte sofort zurück.“ Jared schluckte und ihn beschlich sofort wieder ein ungutes Gefühl. Seine Mom? Sie hatte ihn doch gerade erst herausgeschmissen? Sein Magen krampfte sich zusammen, während er auf den Knopf des Telefons drückte. Unruhig lief er aus dem Wohnzimmer in den Flur und wieder zurück, während er dem Freizeichen lauschte. 
„Ja, Mom? Was gibt’s?“ Krächzte er nervös in den Hörer. Mehr gab seine Stimme vor lauter Aufregung nicht mehr her. Dennoch hegte er immer noch die leichte Hoffnung, sie würde etwas Anderes von ihm wollen, als das, was er befürchtete.
„Du musst sofort ins Krankenhaus kommen. Es ist soweit, bitte beeil Dich!“

Er wurde bleich, ihm wurde schlecht, seine Beine gaben nach und er verlor den Halt auf seinen Füßen. Er taumelte ein Stück zurück, bis er mit dem Rücken an die Wand stieß. Den Hörer immer noch in der einen, die Wasserflasche in der anderen Hand haltend, rutschte er an der Wand entlang, bis er auf dem Fußboden saß. Eine gefühlte Ewigkeit starrte er leer in die Luft, bevor er sich auf die Seite fallen ließ, verzweifelt die Hände vor sein Gesicht schlug und hemmungslos anfing zu weinen.
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