Eine kleine Wette

GeschichteHumor, Sci-Fi / P12
04.02.2016
04.02.2016
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Eine kleine Wette

Es war eine blöde Wette. Er hätte sich nie darauf einlassen sollen, aber was hätte er machen können?
Dem selbstgefälligen Ertruser etwa recht geben? Niemals.
Es fing ganz harmlos mit einem Vergleich der Trefferquoten beim Schusstraining an und hatte hierher geführt. Nach Pyrsos IV.
Lemy Danger musste zugeben, das ein Jagdausflug mit Melbar Kasom nicht unbedingt etwas war, das er mit der verdammten Wette – wer von ihnen der bessere Schütze sei – verbunden hätte, aber Kasom hatte mit der Space Jet zielstrebig ein üppiges Tal auf der Nordhemisphäre angeflogen.
„Das wollen wir mal sehen, ob Sie einem ertrusischen Meister aller Klassen das Wasser reichen können“, rief der Gigant grinsend in unmöglicher Lautstärke.
Danger presste die Hände gegen die Ohren und schrie zurück: „Mäßigen Sie Ihr Organ, Sie Riesenrindvieh! Die Zentralekuppel fliegt ja gleich aus der Fassung!“
„Pah“, machte Kasom nur. Er hielt dem Siganesen die flache Hand hin, was dieser natürlich ignorierte und sich mit seinem Mikrograv in die Luft erhob. Kasom folgte ihm zum Antigravlift.
„Das gemeine pyrsotische Flugschwein ist flink und scheu“, erklärte Kasom, während sie zur Bodenschleuse sanken. „Daher ist es für einen Schützenschwer zu treffen. Nebenbei benötigt man mehr als nur einen glücklichen Zufallstreffer, so das auch das besondere Geschick eines Spezialisten, eine Schwachstelle zu finden und im richtigen Augenblick zu treffen, ausschlaggebend ist.“
„Was Sie nicht sagen, erwiderte Danger. „Vermutlich schmeckt es auch recht gut, wie?“
„Da werden wir ja herausfinden. Im Katalog altarkonidischer Jagdplaneten wird das nicht ausdrücklich erwähnt“, antwortete Kasom. Er betrat als erster den kleinen Hangar und schaute sich um. „Wo sind denn Ihre Freunde?“
„Leutnant Hulos?“ rief Danger. „Sind Sie bereit?“
„Ja, Sir“, erscholl ein siganesisches Piepsstimmchen, das Kasom kaum vernahm.
Dart Hulos, ein gutes Stück kleiner als der ältere Lemy Danger, der selbst nur 22,21 Zentimeter maß, stand in einer Ecke des Hangarraumes vor einer Antigravplatte, die ein ansehnliches siganesisches Waffenarsenal trug. Danger stöhnte, als er mindestens zwanzig verschiedene Strahlwaffen erkannte. Auch eine verschlossene Kiste lag auf der Platte. Ein Schild mit Hulos’ unverkennbarer Handschrift war zu lesen: „Finger weg!“ Kleiner stand darunter: „Ich meine es verdammt ernst!“
„Hulos“, stöhnte Lemy Danger. „Ich bat Sie um ein kleine Auswahl von jagdtauglichen Handfeuerwaffen. Aber das ist wohl der halbe Inhalt des siganesische Bordarsenals!“
„Oh nein, Sir“, verteidigte sich Hulos grinsend. Er salutierte zackig vor Oberstleutnant Kasom und wandte sich wieder Danger zu. „Ich habe bloß einiges aus meinem Reisewaffenschrank mitgenommen.“
„Reisewaffenschrank?“ echote Kasom.
„Natürlich nur der kleine“, erwiderte Hulos ungerührt. „Oh ja, und ich habe ein Spielzeug aus der Entwicklungsabteilung von Quinto Center dabei. Nur zur Erprobung.“
„Die Kiste?“ fragte Danger unheilahnend.
„Die Kiste. Ja, Sir“, nickte Hulos.
„Seid ihr bald fertig? Die Flugschweine schwärmen gleich“, drängte der Ertruser ungeduldig.
„Na schön, also los“, sagte Danger resignierend.
Dart Hulos pfiff vergnügt vor sich hin, als sie gemeinsam die Schleuse passierten. Er hatte im Großen Kosmo-Brehm eine Beschreibung des pyrsotischen Flugschweines gefunden und daraufhin beschlossen, die Kiste mitzunehmen. Er war sich ziemlich sicher, das Oberst Lemy Danger sie würde brauche können.
Der Abend dämmerte gerade. Die große rote Sonne Pyrsos berührte gerade die westliche Bergkette, als sich über den Wipfeln des Gebirgswaldes ein Kreische und Schnattern erhob. Dutzende fledermausflügeliger Kreaturen flatterten von ihren Nestern auf und stürzten sich schreiend auf alles, was sich im Tal noch nicht versteckt hatte.
Das pyrsotische Flugschwein war von Natur aus ein psychotischer Killer. Allein die Tatsache, das es nur vierzig Zentimeter groß war, hatte bisher verhindert, das sie ihren Planeten ausgerottet hatten. Da und ihre Angewohnheit, sich vorzugsweise gegenseitig umzubringen.
De Behauptung, es sei scheu, war eine glatte Lüge. Dutzende erspähten den riesenhaften Kasom und hielten ihn für genau das, was der Arzt verordnet hatte.
Kasom zog seinen gewöhnlichen Kombistrahler und holte mit zwanzig Schüssen ebenso viele Flugschweine vom Himmel.
„Sagenhaft“, stöhnte Dart Hulos, der sich nichts sehnlicher wünschte, als den Inhalt der Kiste in die Finger zu kriegen, ehe der zweie Schwarm auf sie niederstieß.
„Ziemlich beeindruckend, was, Danger?“ rief Kasom breit grinsend. Er deutete in die Ferne, wo sich eine zweite Gruppe zusammenrottete. Diese hatten es nun vor allem auf die durchgebratenen Überreste ihrer Artgenossen abgesehen.
Lemy Danger betrachtete die Flugschweine. Sie hatten ein festes Schuppenkleid und sahen ziemlich robust aus. Die meisten siganesischen Waffen waren naturgemäß viel weniger leistungsfähig als terranische oder ertrusische, daher musste er nun zu einem wirklich schweren Kaliber greifen.
„Was ist in der Kiste?“ fragte er Leutnant Hulos.
Der kleinere Siganese öffnete rasch das Schloss der Kiste und hob vorsichtig, jedoch unter beträchtliche Kraftaufwand etwas heraus, das er seinem Vorgesetzten auf die rechte Schulter wuchtete. „eine sollte reichen, Sir.“
„Eine was?“ fragte Danger, der unter der klobigen Kanone ein wenig in die Knie ging.
„Ja“, dröhnte Kasom misstrauisch. „Eine was?“
Dart Hulos hob ein armlanges Projektil aus der Kiste und lud die Waffe mit ihm. „Feuer, Sir! Die Bestien sind schon ganz nah!“ rief er beunruhigt, als die Schatten von anderthalb Meter breiten Flügel über ihn fielen. Ein dichtgedrängter Schwarm jagte m Zickzack heran.
„Moment mal!“ hub Kasom zu einem Protest an, als er in der siganesischen Spielzeugwaffe einen miniaturisierten Atomwerfer erkannte.
Danger drückte ab. Ein raketenbetriebenes Geschoss verließ die Mündung und traf nach zwei Sekunden eins der Flugschweine. Ein Blitz flammte grell auf.
Als der Feuerball sich verzogen hatte, erhob sich Kasom aus der Deckung und klopfte sich den Staub von der Uniform. „Das war unfair!“ rief er.
„Von wegen!“ schrie Dart Hulos, der ein kleines Freudentänzchen aufführte. „Das waren mindestens dreißig! Oberst Danger hat die Wette grewonnen!“
„Einspruch!“ brüllte Kasom so laut, das es die beiden Winzlinge von den Beinen riss. „Es war eindeutig von Handfeuerwaffen die Rede! Das hier war ja mit Spatzen auf Kanonen geschossen!“
Lemy Danger lächelte selbstsicher, beinahe schon überheblich und hob dozierend einen Zeigefinger. „Der tragbare Einmann-Atomgranatenwerfer Typ Siga-Inferno B ist vom Entwicklungsbüro von Quinto Center als superschwere Zweihandwaffe definiert. Ich habe gewonnen, Herr Oberstleutnant!“
„Ich fordere Revanche“, knurrte Kasom. „Nennen Sie Zewit und Ort, und ich werde Ihnen beweisen, das ich der bessere Schütze bin. Ich treffe alles, was Sie treffen können, nur besser!“
„So so“, sagte Danger. Er blickte in einer Art an dem Giganten von Ertrus hinauf, die dieser als von oben herab empfand. „Alles, sagen Sie? Wirklich alles?“
„Jawohl, Herr Oberst!“ donnerte Kasom erbost.
Das Grinsen seines langjährigen Teampartners gefiel ihm überhaupt nicht...

Drei Tage später auf dem Schießstand der CREST V versammelten sich alle Besatzungsmitglieder die gerade Freiwache hatten, um den finalen Schlagabtausch zu beobachten. Der Ausgang der ersten Wette war natürlich schneller als mit Lichtgeschwindigkeit in der CREST rundgegangen, und niemanden wollte sich entgehen lassen, wer von den beiden in der Rückrunde siegen würde.
Lemy Danger stand in einem kleinen Rund, von dem aus die Schütze normalerweise in einer Simulation auf robotische Ziele schossen. Kasom kam mit einem Präzisionsgewehr hinzu und grinste den Siganesen an. Der Riese hatte praktisch auf dem Trainingsparcours alle Rekorde gebrochen oder überhaupt erst welche aufgestellt. Es war ein Kinderspiel im Vergleich zu den einfacheren Übungen während der USO-Grundausbildung.
„Na schön“, röhrte Kasom belustigt. „Was ist Ihr Ziel?“
Lemy Danger gab jemandem einen Wink. Dart Hulos wetzte auf die Langdistanzbahn und hob seinen rechten Arm, so das jeder erkennen konnte, was er darin hielt.
Einen kleinen Kasten, kaum größer als ein Zuckerwürfel.
Kasom grinste. „Das treffe ich auf fünfhundert Meter ohne optische Hilfe“, sagte er und hatte damit einige Lacher auf seiner Seite.
Danger erwiderte gar nichts und winkte Hulos ein weiteres Mal zu.
Der junge Bordschütze des PALADIN-Roboters öffnete die Box. Ein Wölkchen winziger Partikel erhob sich in die Luft.
„Das, mein lieber Herr Oberstleutnant“, sagte Lemy Danger. „Sind siganesische Schwebfliegen. Es sind genau tausend Stück; ich habe sie höchstpersönlich gezählt. Die durchschnittliche Schwebfliege ist null Komma eins drei Millimeter lang, aber während des Transportes haben sie anscheinend Speck angesetzt, jedenfalls sind sie alle deutlich größer als null Komma eins fünf Millimeter.
Ich gebe Ihnen eine Stunde Zeit, um auch nur eine einzige zu schießen. Wenn Se es schaffen, erkenne ich neidlos Ihre Überlegenheit als Schütze an. Viel Glück, Herr Oberstleutnant.“
Kasom ließ die langläufige Waffe sinken und starrte vor sich. Nur zehn Meter entfernt war sein Ziel – tausend Ziele sogar – aber er konnte kein einziges erkennen. Sie waren viel zu winzig.
„Verdammt noch mal“, polterte er und gab sich geschlagen, ohne es auch nur zu versuchen. Es reichte ja, das er hereingelegt wurde.
Er musste sich nicht auch noch komplett zum Narren machen.




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