My Secret Boyfriend

GeschichteRomanze, Thriller / P18 Slash
Candace Gertrud Flynn Ferb Fletcher Isabella Garcia-Shapiro Perry / Agent P. Phineas Flynn
04.02.2016
04.02.2016
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Sein sanftes Schnarren weckte Phineas an diesem Morgen auf. Vorsichtig öffnete er seine Augen und rappelte sich hoch. Er setzte sich auf und blickte zu ihm hinüber. Wie jeden Tag saß er an der Bettkante und lächelte. Dieses einzigartige, gewinnende Lächeln, das nur er lächeln konnte. Dieses Lächeln, das Phineas auch ohne Worte sagte, wie glücklich er war. Das ihm jeden Tag aufs Neue bestätigte, dass er sich damals richtig entschieden hatte.
Phineas warf einen flüchtigen Blick auf den Digitalwecker, der auf seinem Nachttischchen stand. 10:30 Uhr. Er gähnte herzhaft und schwang sich schließlich mit einem Ruck aus dem Bett. Sofort spürte er seine Hand und wandte sich ihm zu. Er lächelte und stieß erneut ein Schnarren aus, so als fragte er ihn, ob er gut geschlafen hatte. Phineas nickte nur und rutschte ein Stück näher zu ihm heran. Er legte seine Arme um ihn und streichelte ihm sanft über den Kopf. Dann blickte er in seine Augen. In diese strahlenden, wunderschönen Augen, die Phineas so zärtlich und innig ansehen konnten. Diese Augen, die manchmal so schüchtern und verlegen wirkten und doch immer klar und deutlich erkennen ließen, was er wollte. Was er fühlte und was er brauchte. Ohne jede Geste. Ohne jedes Wort. Ein einziger Blick in diese verzauberten Augen genügte, damit Phineas wusste, was sein Engel von ihm erwartete. Sein kleiner, zärtlicher Engel. Sein Baby.
So nannte Phineas ihn immer. Baby. Nur noch selten benutzte er seinen richtigen Namen, obgleich er fand, dass es der schönste Name war, den er jemals gehört hatte. Der Name, den Ferb damals für ihn ausgesucht hatte. An diesem einen Tag. Diesem einen, heißen Sommertag, als sie ihn bekommen hatten. Als seine Mom ihn aus der Tierhandlung geholt hatte. Damals hatte Phineas natürlich noch nicht gewusst, dass ausgerechnet er eines Tages sein Freund sein würde. Damals hatte er sich so etwas nicht einmal vorzustellen gewagt.
Aber heute war alles anders. Heute war er fest mit ihm zusammen. Mit Perry, seinem Baby. Seinem kleinen, süßen Agenten. Heute teilte er dieses aufregende Geheimnis mit ihm, das ihre Beziehung zu etwas Außergewöhnlichem machte.
Obgleich es ohnehin außergewöhnlich war, sich in ein Schnabeltier zu verlieben. Aber es war passiert. Es war einfach so passiert. An jenem Nachmittag in seinem Elternhaus.
Dem Tag, als ihm klargeworden war, was er wirklich für Perry empfand. Dass es nicht mehr nur Faszination war, die er für ihn fühlte. Nicht mehr nur die Begeisterung darüber, dass sein Haustier ein Geheimagent war. Es war Liebe. Es war ohne jeden Zweifel echte Liebe daraus entstanden. Eine Liebe, die ihm anfangs so verrückt und falsch vorkam, dass er es zuerst nicht glauben konnte und dagegen angekämpft hatte.
Er hatte versucht, es zu verdrängen. Es einfach zu verdrängen. Dieses sehnsüchtige Verlangen, wenn er in Perrys Nähe war. Das Verlangen danach, ihn zu berühren. Ihn zu streicheln. Zu küssen. Er hatte sich gewehrt. Er hatte nicht wahrhaben wollen, was mit ihm geschah. Hatte nicht einsehen wollen, dass er verschossen war. Dass er heftig in Perry verschossen war. Ihn begehrte. Sich nach seinen Berührungen, seiner Nähe sehnte. Er hatte gekämpft. Er hatte so lange gegen dieses Gefühl angekämpft. Hatte gefleht, geweint, geschrien.
Weil es nicht sein durfte. Nicht sein konnte. Es konnte einfach nicht wahr sein, dass er Perry auf diese Weise liebte. Es war falsch. Verboten. Es war ganz klar verboten, so etwas zu tun. Es verstieß nicht nur gegen sämtliche moralischen Grundregeln, die er im Laufe seines Lebens gelernt hatte, sondern mit Sicherheit auch gegen das Gesetz.
Ein Mensch und ein Schnabeltier. Das war doch tabu. Das war ohne jeden Zweifel völlig tabu. Er wusste, dass es nicht ging. Sein Verstand sagte ihm, dass es gegen alles verstieß, woran er einmal so fest geglaubt hatte. Dass es das Schlimmste war, was ihm überhaupt passieren konnte. Dass er es nicht zulassen durfte.
Aber sein Herz hörte nicht auf ihn. Sein Herz sagte, dass er Perry liebte. Dass er dieses kleine Schnabeltier wirklich voll und ganz liebte. Mit ihm zusammen sein wollte. Seine Nähe spüren wollte. Seine Berührungen – seine Streichler – seine Küsse. Er wollte ihn lieben. Ihn heiß und innig lieben. Ohne irgendeinen Gedanken daran, ob es richtig war oder nicht. Ohne sich um irgendein Verbot zu kümmern. Sein Herz sagte ihm ganz klar, dass Liebe kein Verbot kannte. Dass Liebe nicht fragte, ob es moralisch in Ordnung war. Sich nicht darum kümmerte, ob sie gegen irgendein Gesetz verstieß.
Und so beschloss Phineas, es einfach geschehen zu lassen. Seine ganzen Ängste und Zweifel über Bord zu werfen und auf sein Gefühl zu vertrauen. Auf seine Sehnsucht. Seine tiefe Sehnsucht nach Perry. Er beschloss, nicht länger dagegen anzukämpfen, weil ihm ohnehin klar war, dass er den Kampf verlieren würde. Früher oder später würde sein Verlangen die Oberhand gewinnen und ihn mit Tatsachen konfrontieren. Früher oder später würde es sowieso nichts mehr bringen, sich etwas einzureden und so zu tun, als wäre nichts. Er wusste, dass er verliebt war. Er wusste, dass dieses Gefühl nicht verschwinden würde, nur weil er sich dagegen sträubte. Also warum gab er es nicht einfach zu? Warum gestand er sich nicht einfach ein, dass sein Herz für Perry schlug? Dass er in ihn verschossen war? Warum suchte er nach anderen Erklärungen, wo ihm doch ohnehin bewusst war, dass es nur eine einzige logische Erklärung gab? Was versprach er sich davon, sein Verlangen zu verleugnen und Perry gegenüber so zu tun, als wäre alles in Ordnung? Er hatte doch mit Sicherheit sowieso schon den Verdacht, dass etwas nicht stimmte. Warum ihm also nicht einfach die Wahrheit sagen? Wozu noch warten?
Schließlich fasste Phineas all seinen Mut zusammen und gestand Perry seine Gefühle. Er gestand ihm, wie verliebt er war. Wie sehr er sich nach seiner Zuneigung sehnte. Wie oft er sich intime Gedanken mit ihm ausmalte. Wie sehnsüchtig er ihn begehrte. Dass er ihn als festen Freund haben wollte. Mit ihm zusammen sein wollte.
Natürlich war Perry zunächst geschockt gewesen. Bestimmt hatte er mit allem gerechnet, aber nicht mit so etwas. Er hatte anfangs gar nicht richtig begreifen können, was sein Herrchen da überhaupt sagte und wie er es meinte. Wie sollte er nur damit umgehen, dass Phineas verliebt war – ausgerechnet in ihn? Wie sollte er es deuten, dass er ausgerechnet jetzt mit der Sprache herausrückte? Warum hatte er nicht schon früher etwas gesagt?
Perry schien mit der Situation komplett überfordert zu sein. Was konnte er auf dieses Geständnis nur erwidern? Wie sollte er darauf jetzt reagieren? War er überhaupt in der Lage, damit umzugehen? War er in der Lage, die Tatsache zu akzeptieren, dass sein Herrchen ihn auf diese Art und Weise liebte? Und viel wichtiger: War er in der Lage, es zu erwidern? Perry wusste es zu diesem Zeitpunkt nicht. Er konnte lediglich versuchen, irgendwie damit fertig zu werden. Es zu akzeptieren. Denn er wusste, dass er an den Gefühlen seines Herrchens nichts ändern konnte. Er wusste, dass er nicht tun konnte, als wäre es okay und die Welt damit wieder völlig in Ordnung. Er wusste nur, dass er ihm den Versuch schuldete, damit klarzukommen. Den Versuch, es für sich zu akzeptieren. Vielleicht auch den Versuch, die Liebe seines Herrchens zu erwidern. Aber konnte er das? War er dazu fähig? War er fähig, gegen sämtliche Regeln zu verstoßen, seine Vernunft beiseitezuschieben und sich auf eine Liebe mit Phineas einzulassen?
Ja, hatte Perry entschieden. Ja, das war er. Er wusste sowieso, dass nach dieser Offenbarung nichts mehr so sein würde wie vorher. Und wenn er ganz ehrlich zu sich selbst war, dann hatte er Phineas schon immer bewundert. Für seine offene und herzliche Art. Für seine grenzenlose Fürsorge. Und für seinen Mut. Perry war klar, dass es Phineas mit Sicherheit eine Menge Überwindung gekostet hatte, ihm einfach so die Wahrheit zu sagen. Dass er viel Kraft dazu gebraucht hatte, ihm zu gestehen, was er empfand.
Wenn Perry sich all das vor Augen führte, schuldete er ihm dann nicht wenigstens den Versuch, seine Gefühle zu erwidern? Egal ob es nun tabu war oder nicht? Konnte er es nicht zumindest mit ihm versuchen, auf gut Glück – wie man so schön sagt – und dann sehen, was sich daraus entwickeln würde?
Doch, sagte Perry sich. Doch, er konnte es versuchen. Denn er musste sich eingestehen, dass auch er Phineas schon seit langem nicht mehr im selben Licht sah wie früher. Er hatte schon oft nachts wachgelegen und zu dem schlafenden Jungen hochgeschaut. Hatte darüber nachgedacht, was genau er eigentlich für ihn fühlte. Und er war zu dem Schluss gekommen, dass er ihn sehr mochte. Wirklich mochte. Darüber hinaus konnte er nicht verleugnen, dass er ihn süß fand. Richtig süß. Nicht wie einen guten Freund, von dem man einfach nur begeistert ist. Vielmehr sah er ihn als seinen Seelenverwandten. Seinen Partner, dem er ohne Scham alles anvertrauen konnte, ohne dabei Angst zu haben, dass dieser sich darüber lustig machte.
Perry musste es zugeben: Auch er hatte sich ein bisschen in den rothaarigen Jungen verguckt. Lange schon hatte er gespürt, dass ihr Verhältnis noch enger, noch viel inniger geworden war als früher. Bis zu diesem Tag hatte er sich darüber auch keine weiteren Gedanken gemacht und angenommen, es käme daher, dass Phineas jetzt alles über ihn wusste. Aber in dieser Nacht hatte er gespürt, dass da weitaus mehr war als nur das. Er war verliebt. Er war mit Leib und Seele in Phineas verliebt.
Als dieser ihm dann auch noch gesagt hatte, dass er wohl ähnlich darüber dachte, hatte Perry den Entschluss gefasst, es einfach zu tun. Sich einfach – jeglicher Zweifel zum Trotz – auf eine Beziehung mit ihm einzulassen. Was sprach auch dagegen? Schließlich empfanden sie beide dasselbe füreinander. Perry war sich zwar nicht sicher, ob es gutgehen würde, immerhin war es eine mehr als ungewöhnliche Liebe. Aber schließlich sagte er sich, dass er das nur herausfinden würde, wenn er sich darauf einließ. Egal, was sein Verstand dazu sagte. Perry beschloss, nur noch auf sein Herz zu hören. Und sein Herz sagte ihm, dass es die richtige Entscheidung war. Eine Entscheidung, die er bis heute nicht bereute.

Nachdem Phineas sich umgezogen hatte, verschwand er im Badezimmer und überlegte sich, womit er sich am besten den Tag vertreiben konnte. Er hatte Semesterferien und somit genügend Zeit. Zeit, die er mit Perry verbringen wollte. Am liebsten jede einzelne Sekunde.
Seit er vor einem Jahr zu Hause ausgezogen war, hatten sich so viele Dinge in seinem Leben verändert. Nicht nur, dass er jetzt aufs College ging und neue Freunde gefunden hatte, auch seine praktische Führerscheinprüfung, der er stets mit diesem flauen Gefühl im Magen entgegenblickte, hatte er vor zwei Monaten mit Bravour bestanden. Im Nachhinein konnte er gar nicht glauben, dass er deswegen so aufgeregt gewesen war, denn so schwierig, wie er sich ausgemalt hatte, war es bei weitem nicht gewesen. Es war alles gelaufen wie am Schnürchen. Lediglich einmal hatte er beim Rechtsabbiegen vergessen, den Blinker zu setzen. Da er ansonsten aber tadellos gefahren war, hatte er die vorläufige Fahrerlaubnis und später seinen Führerschein erhalten.
Natürlich hatte er diese Neuigkeit sofort jedem auf die Nase gebunden, den er kannte. Er hatte sämtliche Freunde und Bekannte, sowie natürlich seine Familie angerufen und regelrecht ins Telefon gekreischt, so aufgeregt war er deswegen gewesen. Und natürlich hatte er auch Perry direkt die frohe Nachricht verkündet, noch ehe dieser überhaupt dazu kam, ihn danach zu fragen. Er hatte ihn vom Sofa hochgezerrt und war dann mit ihm singend und tanzend durch die ganze Wohnung gehüpft. Nach unzähligen Glückwünschen und Küssen von Perry hatte er seinen Schatz schließlich zu einer kleinen Spritztour eingeladen und war mit ihm zu ihrem Lieblingsplatz am Meer gefahren. Ein ruhiges, beschauliches Fleckchen am Lake Danville, an dem die beiden immer völlig ungestört waren und die friedliche Idylle genießen konnten. Perry hatte ihn noch mehrfach beglückwünscht und ihm mitgeteilt, wie unglaublich stolz er auf ihn war. Und natürlich hatte er auch ein kleines Geschenk für ihn gehabt: Eine silberne Halskette mit einem Anhänger in Herzchenform, in dem ein Bild der beiden steckte. Ein schon älteres Foto, das sie kurz nach dem Einzug in die neue Wohnung aufgenommen hatten, auf dem sie Arm in Arm auf dem Sofa saßen und schmusten. Phineas trug den Anhänger stets bei sich, weil er ihn immer daran erinnerte, was er an Perry hatte. Wie glücklich sie zusammen waren.
Während er seine Gedanken umherschweifen ließ, kamen ihm unweigerlich auch seine Eltern in den Sinn. Er hatte den beiden fest versprochen, sie in den Semesterferien zu besuchen. Seit seinem Auszug hielten sie zwar Kontakt und telefonierten in regelmäßigen Abständen miteinander, jedoch sahen sie sich nur noch sehr selten. Auch am Telefon sprach er nur das Übliche mit ihnen und wich stetig auf ein anderes Thema aus, wenn sie ihn darauf ansprachen, ob er denn nun schon eine Freundin gefunden habe. Phineas vermied es nach Möglichkeit, darüber zu diskutieren, obgleich vor allem seine Mom in diesem Punkt sehr hartnäckig sein konnte. Sie verstand es wirklich, ihn mit dutzenden von Fragen zu löchern, auf die er ihr keine vernünftige Antwort geben konnte. Denn selbstverständlich wollte er um jeden Preis vermeiden, dass sie hinter sein Geheimnis kam. Niemals durften seine Eltern herausfinden, dass er sehr wohl einen festen Partner hatte. Und dass dieser Partner ausgerechnet Perry war. Phineas wusste, dass sie es niemals verstehen, geschweige denn akzeptieren würden. Darüber hinaus wollte er auch nicht, dass sie herausfanden, dass er homosexuell war. Zwar würden sie das mit Sicherheit akzeptieren, daran bestand kein Zweifel. Aber was sollte er ihnen dann auf die Frage nach einem festen Freund antworten? Das lief doch dann auf dasselbe Spiel hinaus.
So oder so – er konnte ihnen nicht sagen, dass er mit Perry zusammen war. Da blieb es sich völlig gleich, ob sie nun wussten, dass er schwul war oder nicht. Das spielte überhaupt keine Rolle. Deshalb hatte Phineas sich schon lange dazu entschlossen, ihnen zu sagen, dass er noch keine Freundin hatte. Denn er wusste, das war das Beste. Für alle Beteiligten.
Hin und wieder wünschte er sich allerdings, dass er mit seinen Eltern genauso offen über seine Liebe reden könnte wie mit seinen Geschwistern. Ferb und Candace. Sie beide wussten um seine geheime Beziehung mit Perry. Sie kannten alle Fakten, die damit zusammenhingen. Sie waren in die ganze Sache eingeweiht. Und sie standen hinter ihnen. Sie standen beide völlig hinter ihnen und ihrer Liebe.
Dabei war alles nur ein blöder Zufall gewesen. Nur durch ein dummes Missgeschick hatten Ferb und Candace herausgefunden, wer Perry in Wirklichkeit war und in welcher Beziehung er neuerdings zu Phineas stand. Seit diesem einen Samstag vor drei Monaten kannten die beiden jetzt ihr kleines Geheimnis. Weil Phineas vollkommen vergessen hatte, dass sie ihn an diesem Tag besuchen wollten. Dass sie vorbeischauen und nachsehen wollten, wie es ihm ging.
Phineas hatte auch alles perfekt vorbereitet. Er hatte sich extra ins Zeug gelegt und trotz seiner kulinarischen Ungeschicklichkeit einen Kuchen für die beiden gebacken. Um genau zu sein eine Sahnetorte, Ferbs absolutes Lieblingsdessert. Perry hatte ihm dabei auch so gut er konnte geholfen, leider war auch er in Sachen Backen nicht gerade das, was man ein Naturtalent nennt. So hatten die beiden also den ganzen Vormittag damit zugebracht, eine halbwegs essbare Torte auf den Tisch zu zaubern und nach einigen Startschwierigkeiten hatte Phineas den Dreh schließlich raus gehabt. Danach war er noch kurz in die Stadt gefahren, um ein paar Kleinigkeiten, darunter zwei Schachteln Pralinen als kleines Präsent, zu besorgen. Im Anschluss daran hatte er die letzten Vorbereitungen für den anstehenden Besuch getroffen und sich mit Perry aufs Sofa gesetzt, um auf seine Gäste zu warten. Es war ein unheimlich schwüler Sommertag gewesen, sodass er kurzerhand beschloss, noch etwas durchzulüften. Er hatte sowohl die Balkontür als auch die Wohnungstür sperrangelweit aufgerissen, um die drückende Hitze, die in seiner Wohnung herrschte, hinauszulassen. Dann hatte er wieder neben Perry Platz genommen und, in der Annahme, dass sie noch genügend Zeit hatten, bis ihr Besuch eintraf, ein bisschen mit ihm rumgemacht.
Zuerst waren es nur ein paar Streichler gewesen, die sie austauschten, bis Perry ihm schließlich mit einem Ruck das T-Shirt über den Kopf gezogen hatte. Phineas überlegte nicht lange und drückte ihn sanft aufs Sofa, dabei vollkommen vergessend, dass die Wohnungstür noch immer sperrangelweit offenstand. Die beiden lehnten sich kurzerhand zurück und starteten eine spontane Schmuse- und Kussrunde. Phineas verlor dabei die Zeit völlig aus den Augen, war zu sehr auf das zärtliche Spiel mit dem Schnabeltier fixiert, sodass er gar nicht bemerkte, dass seine zwei Gäste bereits eingetroffen waren und ungläubig in der Eingangstür lehnten.
Erst, als Ferb sich durch ein irritiertes Räuspern bemerkbar machte, fuhr er mit einem Ruck hoch und sah zu ihnen hinüber. Die beiden starrten ihn teils verwundert, teils völlig durcheinander an, sagten allerdings keinen Ton. Phineas warf Perry einen unmissverständlichen Blick zu, denn ihm war klar, dass er die beiden jetzt wohl oder übel einweihen musste. Auch Perry schien die Sache unglaublich peinlich zu sein, denn er lief blutrot an und senkte den Blick zu Boden.
Noch immer ungläubig starrend standen Ferb und Candace in der Tür, schienen wie eingefroren zu sein. Phineas erhob sich mit einem Seufzen schließlich vom Sofa und ging auf die beiden zu. Er begrüßte sie mit einem scheuen und unsicheren „Hey“, wohlwissend, dass sie ihn gleich mit tausend Fragen bombardieren würden. „Hey“, erwiderte Ferb zögernd und räusperte sich erneut. Candace starrte ihn weiter unverwandt an. „Ich... ich glaube, ich muss euch da einiges erklären“, begann er unsicher und sah sich zu Perry um, der noch immer auf dem Sofa saß und den Blick schuldbewusst zu Boden gesenkt hatte. „Was...?“, setzte Candace endlich an und hielt inne, als Phineas sie bat, einzutreten. „Ich... also ich... ähm... wir... wir haben nur...“. Phineas konnte keinen vernünftigen Satz formulieren. Noch immer saß ihm der Schock darüber, dass sie erwischt worden waren, tief in den Gliedern. Er hatte keine Ahnung, wie er den beiden schonend beibringen konnte, was sie da gerade gesehen hatten. „Du hast Perry... ihr... ihr habt euch...“, stammelte Candace verwirrt und trat schließlich zögernd ein. Ferb folgte ihr, nach wie vor schweigend. „Wir... wir wollten nur...“, erwidere Phineas unsicher, hielt jedoch inne, als Perry ihn durch ein lautes Schnarren unterbrach. Hastig wandte er sich zu ihm um und blickte ihm in die Augen. Darin schien sich ein einziger Satz zu spiegeln: >Wir müssen ihnen die Wahrheit sagen<. Phineas wusste, dass er Recht hatte und stieß einen Seufzer aus. „Bitte“, sagte er schließlich. „Setzt euch. Wir haben euch da wohl einiges zu erklären“.
Candace und Ferb folgten ihm zögernd zum Sofa hinüber und nahmen vorsichtig Platz. Phineas setzte sich wieder neben Perry und legte ihm in einer Reflexhandlung den Arm um die Schultern. Dann sah er ihn kurz an und Perry nickte schweigend, als wollte er sagen: >Jetzt oder nie<.
„Also, Leute“, begann Phineas und atmete tief durch. „Ich weiß, dass ihr über das, was ihr gerade gesehen habt, ziemlich schockiert seid“. „Warum trägt Perry einen Hut?“, unterbrach ihn Candace und deutete mit der Hand auf das angespannte Schnabeltier. „Das erkläre ich euch gleich“, antwortete Phineas und nahm Perrys Hand, um ihn zu beruhigen. „Zuerst muss ich euch sagen, dass Perry kein gewöhnliches Schnabeltier ist. Er ist ein Geheimagent“, setzte er dann seine Erklärung fort. „Ein was?“, fragte Candace überrascht und starrte ihn an. „Ein Geheimagent“, wiederholte Phineas ruhig. „Er arbeitet für eine streng geheime Organisation“. „Aber... aber... aber...“, brachte Candace hervor. Phineas holte noch einmal tief Luft und fing schließlich an, den beiden alles zu erzählen. Wie er Perrys Geheimnis entdeckt hatte. Wie er ihn an diesem Tag im Keller erwischt hatte. Wie verwirrt er anfangs gewesen war. Wie sie sich unterhalten und er versucht hatte, damit umzugehen. Wie sie den Sender in Perrys Hut manipuliert hatten.
Er bemühte sich, wirklich kein Detail auszulassen und schilderte ihnen die ganze Sache haarklein von A bis Z. Als er schließlich alles erzählt hatte, was es zu erzählen gab, warf er den beiden einen Blick zu und zog Perry, der noch immer unter Anspannung zitterte, näher an sich heran. „Das ist die ganze Geschichte“, sagte er und streichelte das ängstliche Schnabeltier. Ein lang gezogenes „Uff“ war alles, was Candace in diesem Moment zustande brachte. Ferb schwieg nach wie vor. „Ich weiß, das war ziemlich viel auf einmal“, fügte Phineas hinzu und räusperte sich angespannt. „Also... dann... dann ist Perry gar kein Schnabeltier?“, fragte Candace schließlich nach einigem Schweigen. „Doch“, antwortete Phineas ihr. „Aber kein gewöhnliches Schnabeltier“. „Ich... ich begreife das nicht“, setzte sie verwirrt hinzu und wandte sich an Perry. „Du... du bist also ein... ein Geheimagent?“, wollte sie von ihm wissen, noch immer darum bemüht, das, was Phineas ihr gerade erzählt hatte, auf sich wirken zu lassen. Perry nickte und stieß ein leises Schnarren aus, als wollte er sagen: >Ja, das bin ich<. „Aber...“. Candace brach ab und holte tief Luft. Dann herrschte für einige Zeit bedrückende Stille.
Schließlich ergriff Phineas das Wort und schaute die beiden mit ernstem Blick an. „Da ist noch etwas“, sagte er, darum bemüht, möglichst sachlich und ruhig zu klingen. Er schluckte schwer und fuhr dann fort. „Ihr habt sicher gesehen, dass wir uns geküsst haben“. Die beiden nickten zögernd. „Nun, auch dafür gibt es einen bestimmten Grund“, setzte er hinzu. „Ich weiß, das hört sich bestimmt noch verrückter an, aber Perry und ich... wir sind zusammen“. „Zusammen?“, wollte Ferb überrascht wissen. Es war das erste Mal an diesem Tag, dass er sich am Gespräch beteiligte. Phineas nickte. „Ja“, antwortete er. „Perry ist mein Freund. Wir beide haben uns ineinander verliebt“. Wieder stieß Candace ein lautes „Uff“ aus und Ferb räusperte sich unsicher. „Ihr... ihr habt euch...?“, setzte er an, was sowohl Phineas als auch Perry mit einem Nicken bejahten.
Dann erzählte Phineas ihnen den Rest der Geschichte. Wie er sich in Perry verliebt hatte. Wie sehr es ihn selbst schockiert hatte, dass er so empfand. Wie er Perry die Wahrheit gesagt hatte. Und wie sie schließlich zusammengekommen waren. Wieder ließ er kein Detail aus und berichtete ihnen die ganze verrückte Geschichte. Er schloss mit den Worten „Es ist einfach passiert“ und atmete tief ein, darauf gefasst, dass seine Geschwister ihn deswegen ausschimpfen würden.
Doch entgegen seiner Erwartung fing Ferb plötzlich an zu lächeln. Ein ehrliches, euphorisches Lächeln, so als freute er sich wirklich über das, was er gerade erfahren hatte. Diesmal war Candace diejenige, die einige Zeit schwieg, ehe sie Phineas fragte: „Bist du deshalb so überstürzt ausgezogen?“. Phineas nickte nur. „Ich konnte nicht mehr zu Hause bleiben“, antwortete er. „Wenn uns jemand erwischt hätte...“. Er unterbrach sich und wartete. Wartete, was die beiden dazu sagen würden. Würden sie sehr böse mit ihm sein? Würden sie es Mom und Dad erzählen? Würde jetzt endgültig alles rauskommen? Würde er... Perry verlieren?
„Also...“. Candace ergriff nach einiger Zeit des Schweigens schließlich das Wort. Wahrscheinlich musste sie erst einmal in Ruhe über die Sache nachdenken. „Nur noch einmal zur Wiederholung: Perry und du, ihr habt euch verliebt?“. „Ja“, antwortete Phineas und nickte bestätigend. „Wir haben uns richtig verliebt“. „Das... das ist gerade etwas viel“, meinte sie und schüttelte heftig den Kopf, so als könnte sie dadurch das eben Erfahrene wieder abschütteln. „Ich weiß“, erwiderte Phineas. Er spürte Tränen in sich aufsteigen und versuchte, dagegen anzukämpfen. Doch er schaffte es nicht. Er fühlte, wie ihm die eisigen Tränen über die Wangen kullerten und unterdrückte mit Mühe ein Schluchzen. Perry drückte fest seine Hand und streichelte sanft seine Schulter.
„Phineas?“. Candace sprach ganz leise, flüsterte fast, als sie bemerkte, dass der Rothaarige weinte. „Phineas, was ist denn los?“. Sie erhob sich und setzte sich neben ihn auf die Sofalehne. „Jetzt hasst ihr mich, oder?“, entgegnete Phineas mit einem Schluchzen und vergrub seinen Kopf in den Händen. „Ihr hasst mich, weil ich etwas so Widerliches tue. Weil ich verrückt bin“. „Phin“. Candace griff vorsichtig nach seiner Hand und der tränenblinde Junge sah kurz zu ihr auf. „Wir hassen dich nicht, Phineas“, wisperte sie beruhigend und streichelte seine zitternde Hand. „W-was?“, fragte er mit einem Schluchzen und sah ihr in die Augen. Ein unsicheres Lächeln lag auf ihrem Gesicht, während sie ihren Arm um seine Schulter legte. Sie rutschte ein Stück näher zu ihm heran und drückte ihn sanft an sich. „Phineas, wir hassen dich nicht“, wiederholte sie tröstend. „Aber... aber... Perry und ich...“, erwiderte er und wischte die Tränen aus seinen Augen. „Ihr liebt euch“, flüsterte sie sanft. „Ihr habt euch ineinander verliebt“. „Ja“, schluchzte er aufgelöst. „Und deswegen verabscheut ihr mich jetzt. Weil ich krank bin. Weil ich total krank bin“. „Du bist nicht krank“, erwiderte Candace und fuhr mit den Fingern durch seinen roten Haarschopf. „Du bist nur verliebt“. „Ja... aber...“, setzte er an, als auch Ferb sich erhob und neben ihm Platz nahm. Auch er streichelte ihn sanft und schloss ihn fest in seine Arme. „Liebe kann man sich nicht aussuchen“, wisperte er mit einem verständnisvollen Lächeln. „Liebe passiert einfach“. „Ja... ja aber...“, erwiderte der Rothaarige überrascht. „Phineas“, entgegnete Ferb. „Weißt du noch, was ich früher immer zu dir gesagt habe?“. „Nein“, antwortete er. „Was?“. „Sei offen für alles“, antwortete sein Stiefbruder sanft lächelnd.
Dann wandte er sich zu Perry um und streichelte auch ihm vorsichtig über den Kopf. „Wenn ihr euch liebt...“, sagte er zu dem verunsicherten Schnabeltier. „...dann lasst es zu“. „Ferb hat Recht“, stimmte Candace ihrem Stiefbruder zu. „Wenn ihr glücklich zusammen seid, dann kümmert euch nicht darum, was andere darüber denken“. „Aber...“, setzte Phineas an. „Das ist doch... verboten“. „Liebe kennt kein Verbot“, wisperte Candace tröstend. „Liebe hält sich an keine Regeln, kennt keine Grenzen, kein Tabu. Egal, was andere darüber denken. Liebe sucht sich immer ihren Weg“. „Ihr liebt euch“, fügte Ferb hinzu. „Ihr seid glücklich zusammen. Das ist das Einzige, was zählt“.
Phineas schluchzte, als die beiden ihre Ansprache beendet hatten. „Heißt... heißt das... ihr seid nicht sauer?“, fragte er, nachdem er sich ein bisschen beruhigt hatte. „Nein“, antwortete Ferb und Candace schüttelte verneinend den Kopf. „Ihr seid verliebt. Ihr seid glücklich. Also werden wir auch hinter euch stehen, egal was kommt“. Phineas fiel ihm glücklich um den Hals und hätte am liebsten vor Freude geschrien.
Sie standen hinter ihnen. Hinter ihrer Liebe. Sie verurteilten sie nicht dafür, sondern akzeptierten es. Sie warfen ihm nicht vor, dass er verrückt war und etwas Verbotenes tat. Sie schimpften ihn nicht dafür aus, hielten ihm keine ewig langen Predigten darüber, wie falsch und abstoßend die ganze Sache war. Sie nahmen es hin. Einfach so. Ohne weiter zu hinterfragen, warum und weshalb. Phineas konnte es nicht fassen. Er hatte ihnen die ganze Geschichte erzählt. Und sie standen trotzdem noch hinter ihm. Waren für ihn da.
„Ist ja gut“, wisperte Candace ihm zu, als sie ihren Arm auf seine Schulter legte und ihn sanft anlächelte. „Ist ja schon gut“. Noch einmal schloss sie ihn fest in die Arme und er blickte ihr mit Freudentränen in den Augen ins Gesicht. „Du... du bist wirklich nicht böse auf uns?“, fragte er noch einmal. Abwehrend schüttelte sie den Kopf. „Natürlich nicht“, wisperte sie ihm ins Ohr. „Die Hauptsache ist doch, dass ihr glücklich seid“. „Genau“, stimmte Ferb rasch zu. „Das ist das Wichtigste“.
Nachdem sie sich noch eine Zeit lang ausgiebig über alles unterhalten hatten, verabschiedeten sich die beiden schließlich und wandten sich zum Gehen. Während Ferb bereits vorausging, blieb Candace in der Tür stehen und drehte sich noch einmal zu Phineas und Perry um. „Wir besuchen euch bald wieder“, sagte sie zu dem Paar und ging noch einmal auf die beiden zu. Sie schloss zuerst Perry, danach Phineas erneut in die Arme. „Viel Glück, Bruderherz“, wisperte sie dem Rothaarigen ins Ohr. „Und bitte denk immer daran: Folge deinem Herzen“. „Danke“, erwiderte Phineas bewegt und drückte sie noch fester an sich. Dann blickte er sie mit flehenden Augen an, ehe er hinzufügte: „Ähm, Candace... ich hätte da noch eine Bitte an dich“. „Nur raus damit“, entgegnete sie erwartungsvoll. „Nun, also... es... es wäre nett, wenn ihr Mom und Dad nichts davon sagt“, antwortete Phineas schließlich nach kurzem Zögern. „Ich habe Bedenken, ob sie es genauso locker auffassen würden wie Ferb und du“. „Natürlich nicht, Phin“, sagte Candace beruhigend. „Wir verlieren kein Wort darüber, versprochen. Das bleibt unser kleines Geheimnis, okay?“. „Okay“, erwiderte Phineas und lächelte schüchtern. „Danke“. „Keine Ursache, Bruderherz“, sagte sie und lächelte verständnisvoll. „Dann macht's mal gut, ihr beiden“, setzte sie nach einer Pause hinzu. „Wir kommen bald wieder, versprochen“. „Danke“, wiederholte Phineas bewegt. „Ich hab dich lieb“. „Ich dich auch, Bruderherz“, antwortete sie lächelnd. „Ich dich auch“.
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