Iron Knight

von elderini
GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16
03.02.2016
31.07.2016
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Biep. Biep. Biep
Im Halbschlaf schlug die junge Twi’lek auf den lärmenden Übeltäter. Unverzüglich schwieg er. Für ein paar Minuten. Dann legte er von neuem los und Jill ergab sich ihrem Schicksal. Mit einem eleganten Schwung erhob sie sich von ihrem Bett und tänzelte an alldem Zeug vorbei, welches ihren Fussboden bedeckte. Vor ihrem Schrank machte sie halt und kleidete sich in ihre hellblauen Arbeitskleider. Dann verliess sie das Zimmer. Sie ging in die Küche und erkannte dort ihren Gast. Oder besser gesagt, ihren Hausbesetzer. „Du hast dich tatsächlich mal aus dem Keller gewagt?“, fragte sie. Der Mann drehte sich um. Er fuhr sich mit der Hand durch das krause, schwarze Haar. Seine dunkelbraunen Augen strahlten wahrhaftige Müdigkeit aus, die auch sein gebräuntes Gesicht nicht verbergen konnte. „Nur kurz. Keine Sorge, ich verschwinde gleich wieder.“ Er versuchte, sich an ihr vorbeizuschieben. Sie versperrte ihm allerdings den Weg. „Was baust du da unten?“
„Ich habe es dir schon tausendmal gesagt, ich zeigs dir, wenn es fertig ist.“
„Das ist meine Wohnung, und es ist mein Keller. Ich will es sehen. Du verbarrikadierst dich da seit zwei Wochen. Schläfst du überhaupt noch?“
„Ich schlafe genug, und wenn du mich jetzt entschuldigst, ich muss weiterarbeiten.“
Er verschwand aus der Küche. Jill verwarf kopfschüttelnd die Hände, aber für weitere Diskussionen war jetzt keine Zeit. Sie verliess die Wohnung nach einem schnellen Frühstück, stieg in ihren Speeder und machte sich auf den Weg zur Arbeit. Nach ein paar Minuten in ihrem Speeder war sie an dem grossen Krankenhaus angekommen, und nochmal ein paar Minuten später war sie schon wieder voll im wunderschönen Arbeitsstress des medizinischen Alltages. Der Krieg betraf die republikanische Hauptstadt zwar nicht direkt, aber die indirekten Folgen waren verheerend. Besonders hier, an der Grenze zu den unteren Ebenen, waren sie deutlich sichtbar. Unzählige Opfer eines ganz anderen Krieges. Kriminelle Organisationen und Banden hatten die Macht an sich gerissen, und die lokalen Behörden waren einerseits Unter-, und beim noch vorhandenen Personal teilweise katastrophal Fehlbesetzt. Die guten Leute waren alle an der Front. Die Folge dessen war ein offener Bandenkrieg, dessen Kreuzfeuer die Betten in diesem Krankenhaus regelmässig überfüllte. Doch manchmal, ganz selten, kamen auch Besucher aus ganz anderen Gesellschaftsschichten vorbei. Ein piepsen auf ihrem Gerät verriet es ihr. Das Notfallsignal für Fälle mit besonderer Dringlichkeit. Besondere Dringlichkeit war Krankenhaussprache für: Besitzt so viel Geld, dass seine Verwandten uns in Grund und Boden klagen, wenn wirs vergeigen. Sie eilte zwei Stockwerke hoch, dann einen Gang entlang, und dann in das Zimmer B-515. Dort hatten sich bereits Doktor Brandon Reiko und zwei weitere Krankenschwestern eingefunden. Beide standen etwas unschlüssig daneben, und Jill erkannte, warum man sie dazu gerufen hatte. Es waren Neulinge, sie hatten nicht die Erfahrung, um Fälle dieser Dringlichkeit zu bearbeiten.
„Was haben wir, Doktor?“
„Unfall. Ein Speeder hat die Vortrittsregel missachtet und das arme Ding hier in ihrem eigenen zerquetscht.“
Jill sah sich die Patientin an. Es war eine junge Frau mit langen, braunen Haaren. Irgendwie war ihr Gesicht ihr vertraut. Sie war sich sicher, es schon einmal gesehen zu haben. Irgendwo. Sie schob der Patientin die verschwitzen Haarsträhnen aus dem Gesicht. Und plötzlich erkannte sie, wer vor ihr lag.
„Ist das..“
„Ja, das ist sie. Und wenn sie uns wegstirbt, haben wir ein mächtiges Problem am Hals“, unterbrach er sie, dann setzte er seine Arbeit fort. Der blau-silberne Stoff war auf der linken Seite über und über mit Blut übergossen.
„Haben wir keinen Medidroiden mehr?“
„Budgetkürzung, dafür steht jetzt irgendwo nutzlos ein Panzer herum.“
Mit einem Handscanner untersuchte er die Wunde. Bange Sekunden verstrichen. Dann piepte das Gerät. Der Arzt schlug wütend auf den Bettenrand. „Verdammt!“, fluchte er.
„Was ist los?“
„Metallsplitter sind ins Körperinnere gelangt. Wir müssen sie herausholen, bevor sie die inneren Organe beschädigen.“ Er wandte sich an die beiden anderen Krankenschwestern, welche nach wie vor nervös und unsicher im Raum standen. „Machen sie einen Operationstisch frei. Ich brauche das  volle Programm.“
Die beiden Schwestern eilten aus dem Raum. Eine der beiden kam kurz darauf mit den notwendigen Narkotikas zurück. Eine Infusion wurde gelegt. Jill machte das Bett transportbereit. Plötzlich meldete sich der interne Kommunikator. Genervt ging Reiko ran.
„Ist gerade mächtig ungünstig.“
„Doktor, schnell, ein Notfall. Sie müssen sofort kommen“, die Stimme am anderen Ende klang panisch, geradezu hysterisch. Der Doktor sah zu den Krankenschwestern.
„Bringt Sie in den OP. Jill, sie kommen mit mir.“
Die beiden eilten den Gang entlang. Einen Stockwerk nach oben, und dann wieder den Gang entlang zum Zimmer B- 715, aus dem der Anruf kam. Der Doktor wunderte sich, was denn das Problem sein würde. In diesem Zimmer hatte er die beiden anderen Insassen des Speeders einquartiert. Den Fahrer, und den Senator Bail Organa. Beide hatte es nur leicht erwischt, ein paar Quetschungen. Vielleicht war es eine gebrochene Rippe, die er übersehen hatte und die nun die Lunge verletzt hatte.Er und Jill betraten den Raum. „Was ist denn los?“, fragte er, bevor es ihm die Sprache verschlug. Die Krankenschwester, welche ihn angefunkt hatte, stand zitternd vor ihm. „Es tut mir leid, Doktor“, sagte sie. An ihrem Kopf den Lauf einer Blasterpistole.

„Was soll das?“Der Doktor sah sich blitzartig um. Der Mann, der die Pistole hielt, hatte sein Gesicht unter einer schwarzen Maske versteckt. Zwei weitere Maskierte hielten mit ihren Waffen den Senator und den Fahrer in Schacht. Der erste nahm seine Waffe vom Kopf der Schwester und richtete sie auf die Neuankömmlinge. „Doktor Reiko“, sagte er, „Sie haben einen Gast hier. Leider kann ich ihn nicht finden, wären sie also so freundlich, mich hinzubringen?“
„Ich werde gar nichts für sie tun, solange sie mit einer Waffe auf mich zielen“, gab der Doktor ruhig zurück.
„Auf sie zielen wir auch nicht.“ Die Waffe wanderte zurück an den Kopf der Schwester, welche vor Aufregung zitterte. Und dann heulte plötzlich der Alarm los. Irritiert sahen sich die Maskierten an. Der Doktor schielte hinüber zu Jill. Er sah gerade noch, wie sie ihren Kommunikator in der Tasche verschwinden liess. Der Anführer der Maskierten schüttelte genervt den Kopf und trat aus dem Zimmer. Auf dem Gang herrschte bereits reges Treiben. Aus allen Zimmern strömten die Leute heraus und schienen von dem Maskierten gar keine Notiz zu nehmen. Jedenfalls nicht, bevor er den Lautsprecher mit einem gezielten Blasterschuss zum Schweigen brachte. „Ich werd das jetzt nur einmal sagen!“, schrie er durch den Raum und alle Köpfe drehten sich zu ihm. „Alle an die Wand!“
Niemand rührte sich.„Na wird’s bald!“, schrie er, diesmal noch lauter. Er richtete seine Waffe auf die Person, die ihm am nächsten stand.  Langsam stellten sich alle an die Wand. Pflegepersonal und Patienten, glücklicherweise alle in gesundheitlich einigermassen guten Zustand. Seine beiden Komplizen kamen mit den restlichen vier aus dem Zimmer. Der Anführer richtete sich erneut an den Doktor.
„Wissen sie, wie eine Geiselnahme abläuft?“
Der Doktor schüttelte verwirrt den Kopf.
„In etwa zehn Minuten stehen Polizeidroiden an jedem Ausgang. In zwanzig Minuten werden Spezialkommandos aufmarschieren, mit uns verhandeln, keinen Erfolg haben und ihn einer Stunde stürmen sie hier rein und schiessen uns und grob geschätzt zehn Geiseln über den Haufen. Wollen sie das? Wenn nicht, dann haben sie jetzt acht Minuten, um mich zu Senatorin Amidala zu bringen. Sie haben zehn Sekunden, sich zu entscheiden.“
Der Doktor sah ihn verwirrt an. „Was soll das heissen?“, fragte er.
„Sieben, sechs, fünf.“
„Warten sie, was soll das heissen?“
„Drei, zwei, eins“, er hob die Pistole und erschoss die Schwester, die ihm am nächsten stand. Die, die ihn hergerufen hatte. Unter panischen Schreien der anderen fiel sie leblos zu Boden.
„WAS SOLL DAS?!“, schrie der Doktor entsetzt. Der Maskierte zeigte keine Regung. Er fing nur wieder an zu zählen. „Zehn, neun, acht, sieben, sechs,“
Der Doktor ergriff seinen Arm. „Bitte, hören sie auf.“
Der Maskierte hob erneut die Waffe. Diesmal richtete er sie auf Jill. „Vier, drei, zwei.“
„Ich bring sie hin“, sagte Reiko. Der Maskierte liess die Waffe sinken. „Hervorragend, Doktor. Warum denn nicht gleich so.“
„Aber lassen sie die anderen gehen“, ergänzte der Doktor. Dafür fing er sich eine kräftige Ohrfeige ein. „Ich bestimme, was hier abgeht. Und ihre Freunde bleiben solange hier, wie ich es für nötig halte.“ Er griff ihn an der Schulter. „Gehen wir, Doktor“, sagte er, bevor er sich an seine Komplizen wandte. „Ihr bleibt hier. Wenn jemand faxen macht, erschiesst ihn. Wenn ihr in fünf Minuten nichts von mir hört, erschiesst sie alle.“ Kurze Zeit später standen er und Reiko im Fahrstuhl und fuhren in die unteren Ebenen des Krankenhauses. „Was wollen sie von Senatorin Amidala?“, fragte der Doktor.
„Jemand bezahlt mir ein halbes Vermögen dafür, sie in Frühpension schicke.“
„Dann gratuliere ich. Der Aufprall hat die Schlagader an ihrem Oberschenkel durchtrennt. Sie ist verblutet, bevor ich etwas für sie tun konnte.“
Der Maskierte lachte. „Sie lügen furchtbar schlecht, Doktor. Ich weiss ja wohl, wie meine eigenen Missionen enden.“
„Sie haben den Unfall provoziert?“, fragte der Doktor schockiert.
„Ich hab ihren Fahrer ausgeschaltet und seinen Platz übernommen. Aber als sie sich entschied, bei Senator Organa mitzufahren, musste ich improvisieren. Und als das auch nicht hinhaute, kamen wir hier her.“
Angewidert schüttelte Reiko den Kopf. „Sie sind widerwärtig.“
„Alles eine Frage der Perspektive.“

Ein paar Stockwerke weiter oben patroullierten die beiden anderen den Gang entlang. Verängstigt kauerten die Geiseln auf dem Boden. Jill sass da und konnten ihre Augen nicht von der Leiche nehmen, sie vor ihr lag. Die leeren Augen starrten sie an. Sie hatte sie nicht persönlich gekannt, aber sie hatte sie jeden Tag gesehen. Wie sie aus einem Speeder stieg, und wie sie dem kleinen Jungen auf der Rückbank einen Kuss auf die Stirn drückte, bevor sie hineinkam. „Wie lange noch?“, fragte der eine Geiselnehmer mit deutlich hörbarer Unsicherheit in ihrer Sprache. „Bleib ruhig Frischling. Er hat noch eine Minute.“Praktisch in diesem Moment hörte man den Fahrstuhl halten. Beide wandten ihren Blick zur Tür. „Siehst du Frischling, schon ist er da.“ Die Tür ging auf. „Hey Boss, Frischling hat sich schon Sorgen um dich gemacht. Wir sollten..“
Er verstummte. Aus dem Fahrstuhl trat eine hochgewachsene Gestalt in einer schwarzen Rüstung. Beide hoben ihre Waffen.
„Lasst die Waffen fallen“, befahl eine elektronisch verzerrte Stimme aus dem Helm. Die beiden Geiselnehmer taten keinerlei Anstalten, dem Befehl Folge zu leisten. Der Mann in der Rüstung verwarf die Hände. „Kommt schon Leute, warum könnt ihr nicht einfach tun, was man euch sagt?“
Eine der Waffen wurde abgefeuert. Der rote Lichtblitz zischte wenige Zentimeter am schwarzen Helm vorbei und schlug in der Tür des Fahrstuhls ein. Die Gestalt machte eine kräftige Stossbewegung, die Macht riss  die beiden Widersacher von den Füssen und schleuderte sie gegen das Fenster am Ende des Ganges, welches einen bedrohlichen Knacks davontrug. Während der Frischling einen Moment lang benommen liegen blieb, ergriff der andere seine Waffe. Die Gestalt in der Rüstung zog einen Gegenstand von ihrem Gürtel, und einen Knopfdruck später flammte die blaue Klinge eines Lichtschwertes in seiner Hand auf. Der Geiselnehmer feuerte einen weiteren Schuss ab, dieser prallte an die blaue Klinge, kehrte auf seiner Flugbahn um und bohrte sich in die Brust des Schützen, welcher daraufhin zusammenklappte. Während die panischen Geiseln versuchten, sich so klein wie möglich zu machen und in der Wand zu versinken. Der Frischling sah seinen Partner. Dann seine Blasterpistole, die einen Meter vor ihm lag. Dann den Mann in der Rüstung. Keine der Geiseln machte einen Mucks. Nur das gleichmässige Surren des Lichtschwerts war zu hören. Der Frischling wandte erneut den Blick zu seiner Waffe. „Lass es“, sagte der Mann in der Rüstung. „Bitte.“
Frischling stürzte nach vorne. Er ergriff die Waffe. Richtete sich auf. Zielte. Dann warf ihn ein erneuter Machtschub gegen das Fenster. Dieses gab nach und der Frischling stürzte sieben Stockwerke in die Tiefe.

Mit ausgestreckter Hand verharrte der Mann in der Rüstung. „Verdammt“, murmelte er. Dann sah er sich um. Die Geiseln sahen entsetzt zu ihm auf. „Alles in Ordnung. Seien sie unbesorgt, ich, ich hab alles im Griff“, sagte er in einem verzweifelten Versuch, ihre Panik zu lindern. Plötzlich ergriff eine grüne Hand den Arm seiner Rüstung. „Da ist noch ein dritter Attentäter. Er ist in den unteren Ebenen, mit einem Arzt.“
„Alles klar, Ji-, ich meine, Lady, ich kümmere mich drum.“ Er eilte den Gang entlang und in den Fahrstuhl.

Ein paar Ebenen weiter unten traten Reiko und der Geiselnehmer aus dem Fahrstuhl. Vor ihnen eröffnete sich ein fensterloser Gang. Auf jeder Seite waren etwa zwanzig massive Durastahltüren. Der Geiselnehmer wurde misstrauisch. „Was ist das?“
„Das ist unsere Leichenhalle“, sagte der Doktor. Und zerschmetterte den Kontrollmechanismus des Fahrstuhls. „Und das tollste an diesem Raum ist, dass er nur einen Ein- und Ausgang hat.“ Der Geiselnehmer schrie zornig auf. „Das werden ihre Freunde da oben teuer bezahlen.“ Er ergriff sein Kommunikator. Doch er hörte nur rauschen.
„Zwecklos. Über uns liegt meterdicker Boden. Da kommen sie mit diesen Kommunikatoren nicht durch.“
Der Geiselnehmer richtete die Waffe auf Reiko. „Ihre Freunde sind in wenigen Sekunden tot, wenn sie nicht von mir hören.“ Der Doktor blieb ganz ruhig. „Ihre Rechnung hat einen Fehler. Nämlich den, dass Kanzler Palpatine darauf bestand, Wachmänner zu schicken, um die Senatorin zu beschützen. In wenigen Augenblicken werden ihre zwei Freunde da oben umzingelt sein. Und sie sahen nicht danach aus, als wären sie bereit, für diese Sache zu sterben.“ Das waren Reikos letzte Worte, bevor er zu Boden geschlagen wurde. „Wenn sie mich nicht zur Senatorin bringen, dann sterben sie an ihrer Stelle.“
„Runter mit der Waffe!“
Der Geiselnehmer hatte nicht realisiert, dass jemand die Fahrstuhltür gewaltsam aufgebrochen hatte. Ein Mann in schwarzer Rüstung trat heraus. Der Geiselnehmer sah ihn schief an.
„Wer zum Teufel bist du?“
„Ich bin Iron Knight.“
Der Geiselnehmer schüttelte lachend den Kopf. „Verzeihung, ich formuliers mal anders. Was läuft falsch bei dir?“
„Ich bin n Typ inner Rüstung, der dich gleich nach deiner Mutter winseln lässt.“
Jetzt krümmte sich der Geiselnehmer vor Lachen. Dann richtete er die Waffe auf den Neuankömmling. Zwei Schüsse wurden abgefeuert. Beide prallten an die Klinge des plötzlich gezückten Lichtschwertes und brannten sich in die Wand. Ein dritter Schuss wurde abgefeuert, kam geradewegs zurück und brannte sich in den Oberschenkel des Schützen. Er sank mit einem lauten Schrei in die Knie. „Jedi Abschaum“, presste er hervor. Der Mann in der Rüstung trat auf ihn zu. „Ich bin kein Jedi.“
„Was bist du dann?“
„Jemand, der Leute wie dich nicht ausstehen kann.“ Ein präziser Schlag gegen den Kopf des Maskierten liess diesen ins Land der Träume sinken. Dann richtete er sich an den Doktor. „Geht es ihnen gut?“Reiko richtete sich schwer atmend auf. „Alles in Ordnung. Was ist mit den anderen?“
„Es geht ihnen gut. Ich habe die anderen beiden Angreifer ausgeschaltet.“
Der Doktor atmete erleichtert auf. „Vielen Dank.“
„Nichts zu danken. Ich bin da, um zu helfen.“ Dann verschwand er. In den Fahrstuhlschacht, den er mit Hilfe eines Machtsprungs hinaufkletterte. Der Doktor sah ihm hinterher. „Dann wärs nett gewesen, wenn Sie mich noch mit rauf genommen hätten.“

Kurz darauf erstürmten die republikanischen Streitkräfte das Gebäude und nahmen den Anführer fest. Für seine beiden Gefolgsleute kam jedoch jede Hilfe zu spät. Und vom mysteriösen Mann in der Rüstung fehlte jede Spur. Trotz all der Aufregung bekam es Doktor Reiko irgendwie hin, die tödlichen Splitter aus Senatorin Amidala zu entfernen. Nun schlief sie seelenruhig ihren drogenindizierten Rausch aus. Am Abend dieses Tages verliess eine körperlich und seelisch total fertige Jill Kenten das Krankenhaus. Obwohl ihr Heimweg nur wenige Minuten dauerte, hätte sie beinahe drei Speeder vom Himmel geholt, weil ihre Gedanken stetig abschweiften. Wie durch ein Wunder schaffte sie es dennoch unbeschadet nach Hause. Das Haus, in dem sie wohnte, war wahrhaftig kein Schmuckstück, aber es bot ihr eine verhältnismässig grosse Wohnung zu einem erschwinglichen Preis. Und da sie das in den unteren Ebenen eher unbeliebte Erdgeschoss gewählt hatte, bekam sie noch einen Keller gratis dazu. Einen Keller, den sie jetzt erstmals seit zwei Wochen betreten würde. Sie klopfte gegen die massive Kellertür. Cato hatte sie Codegeschützt, sie selbst hatte das nie getan. Was vielleicht daran lag, dass sie den Keller eigentlich nie benutzt hatte. „Cato? Bist du da?“
Die Tür schwang auf und Cato Verrano trat heraus. Unter seinem krausigen, schwarzen Haar breitete sich ein dickes Grinsen aus. „Jill. Willkommen daheim, wie wars bei der Arbeit?“
Jill verschränkte die Arme. „Spar dir deine Floskeln, Cato. Oder, wie nennst du dich jetzt? Iron Knight'“
Catos grinsen verschwand. „So offensichtlich?“
Jill schob sich an ihm vorbei in den Keller. Cato schloss die Tür hinter den beiden und folgte ihr. Die junge Twi’lek staunte nicht schlecht ab dem, was Cato aus dem Keller gemacht hatte. Es sah aus wie ein kleines High-Tech-Labor. „Was ist das alles?“
Cato trat neben sie. „Computer, Datenbanken, Überwachungstechnik. Alles Mögliche.“
Jill runzelte die Stirn. „Wo hast du das alles her? Ich hab dir nicht einen Credit gegeben.“
Verlegen kratzte sich Cato am Kopf. „Ich habs mir auf unbestimmte Zeit ausgeborgt.“
„Du hast es also gestohlen.“
„Nicht direkt. Ich hab ihnen Credits dagelassen.“
„Und wo hattest du die her?“
„Ähm, es könnte vielleicht sein, das sich Iron Knight den einen oder anderen Drogendealer vorgeknöpft hat.“
Jill schüttelte den Kopf. „Cato. Als du vor zwei Wochen hier ankamst und gesagt hast, du könntest nicht zu den Jedi zurück, da habe ich das toleriert, weil du mir leid getan hast. Ich wusste, wie viel dir Cira bedeutet hat, und dass ihr Tod dich ziemlich mitgenommen hat. Aber das hier, was soll das?“
Cato setzte sich auf den kleinen Tisch. „Als ich hier ankam, da wollte ich eigentlich nur ein bisschen Abstand halten. Nur für ein, zwei Tage. Doch dann sah ich, was aus Coruscant geworden ist. Und mir wurde klar, dass ich eingreifen musste. Und dafür“, er setzte sich den schwarzen Helm auf, „muss man manchmal eine Grauzone betreten.“
Jill trat zu ihm und nahm ihm den Helm ab. „Wie beispielsweise jemanden aus dem siebten Stock werfen?“
Cato nahm ihr den Helm ab. „Das war ein Unfall, ich wollt ihn nur entwaffnen.“
„Er ist tot, und daran ändert die Absicht, dass du es nicht wolltest, rein gar nichts. Ausserdem, was genau versprichst du dir davon? Willst du jetzt etwa von Dächern springen und Jungfrauen in Nöten retten?“
Cato dachte nach. „Ich hatte eigentlich eher vor, mir das Gesindel so lange vorzuknöpfen, bis sie ihre Bosse verpfeifen, und mir dann diese auch noch vorzuknöpfen. Aber die Jungfrau in Nöten kann ich bestimmt noch irgendwo dazwischen quetschen.“
Ein kurzes Klatschen ertönte, als sich Jill die Hand gegen die Stirn schlug. Dann begann sie kopfschüttelnd: „Ich, ich, ich weiss nicht, es, es klingt einfach so, ich weiss nicht.“
Sie drehte sich von ihm ab. Cato legte ihr die Hand auf die Schulter. „Jill, bitte. Denkst du nicht, wir sind es den Leuten dieser Stadt schuldig, sie vor dem Würgegriff dieses kriminellen Abschaumes zu retten.“
Jill drehte sich hektisch zu ihm um. „Moment mal, schön langsam. Was soll das heissen, wir?“, fragte sie.
„Naja, da ich eigentlich auf Suskamad gestorben bin, kann ich mich ohne diese Rüstung relativ schlecht draussen blicken lassen, und am Tag sieht diese Rüstung doch relativ auffällig aus.“
„Hast du irgendwoher ein Déja vu-Erlebnis wenn ich dir von einem Kerl erzähle, der am helllichten Tag jemanden aus dem siebten Stock geworfen hat?“
„Das war eine Ausnahme. Ich konnte dich doch nicht mit diesen Kerlen allein lassen. Aber da ich das nicht jedes Mal machen kann, brauche ich jemanden, der für mich Augen und Ohren offen hält. Da fällt mir ein, ich hab was für dich.“Er fing an, in den herumstehenden Kisten zu wühlen. Jill legte den Kopf schief. „Wenn du für mich auch so ne Rüstung zusammengebastelt hast, vergiss es.“Cato hob den Kopf aus der Kiste. Er hielt eine goldene Halskette in der Hand. „Ein kleines Geschenk, das ich mir vom republikanischen Geheimdienst ausgeliehen habe.“
Jill beäugte den Gegenstand in seiner Hand. An einer goldenen Kette hing ebenso goldener Rahmen, welcher einen grünen Edelstein umschloss. „Ich dachte, der passt zu deiner Haut“, sagte er. „Der Rahmen ist gleichzeitig ein Kommunikator. Das Gegenstück dazu habe ich in meinen Helm eingebaut. Und solltest du in Schwierigkeiten stecken, kannst du einfach einmal auf Stein drücken und er aktiviert den Peilsender, der darin enthalten ist.“ Er hielt ihr die Kette hin. „Willst du meine Augen sein?“ Jill nahm den Anhänger. Sie lächelte.
„Nein. Aber den hier nehm ich gerne als Ersatz für die Miete, die du nicht zahlst.“
Sie verliess den Raum. Cato schüttelte den Kopf. „Wenn du es dir anders überlegst, Iron Knight ist immer für dich da, Süsse.“
Jill hielt in der Tür an und blickte über die Schultern zurück. „Iron Knight darf sich einen neuen Keller suchen, wenn er mich noch einmal Süsse nennt.“    

Gleichzeitig betrat in den oberen Ebenen von Coruscant Inspektor Tan Divo den Konferenzraum seines Präsidiums. Er wollte den üblichen Tagesbericht hören, bevor er nach Hause ging. „Also Leute, was ist denn heute so passiert in unserer schönen Stadt?“Am anderen Ende des Tisches nahm einer der Detektive seine Füsse vom Tisch. „Das übliche. Drogendelikte, ein paar Raubüberfälle, und n Durchgeknallter hat zwei Geiselnehmer umgenietet.“
Der Inspektor stutzte. „Was?“
ein Detectiv sprang auf. „Ich hatte gehofft, dass sie fragen.“
Er ging zur hinteren Wand, welche gleichzeitig ein riesiger Monitor war. Er legte seine Hand darauf und der Monitor erwachte aus seinem Schlafmodus. Das Bild eines Mannes in schwarzer Rüstung flammte auf. „Subjekt GL-1138. Nennt sich selbst Iron Knight. Hat heute Morgen eine Geiselnahme in einem Krankenhaus in den unteren Ebenen beendet.“
„Wie das?“
„Ist einfach rein spaziert und hat sich die Geiselnehmer einen nach dem anderen vorgeknöpft. Zwei sind tot, und der dritte liegt jetzt ironischerweise in genau dem Krankenhaus, mit ner Blasterwunde im Oberschenkel und ner hübschen Gesichtsfraktur.“
Der Inspektor nahm den Mann in der Rüstung genauer in Augenschein. „Wir haben es bislang verheimlichen können, aber es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis eine der Geiseln die Wahrheit ausplaudert“, ergänzte sein Detektiv. „Die haben alle ziemlich von ihm geschwärmt, es sein ein Held und son Blödsinn. Ich denke…“
Divo unterbrach ihn mit einer Handbewegung. „Held oder nicht, ich dulde keine Selbstjustiz in meiner Stadt. Geben sie einen Fahndungsbefehl raus. Subjekt bewaffnet und gefährlich.“
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