Meine Pechsträhne

von Nyrandil
GeschichteRomanze / P18 Slash
Dr. John Michael "J.D." Dorian Dr. Percival Ulysses "Perry" Cox
02.02.2016
02.02.2016
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Das Rating ist ernstzunehmen. In dieser Geschichte kommt es zu se*uellen Handlungen zwischen zwei Männern*. Wer das nicht mag, sollte nicht weiter lesen.

~

Meine Pechsträhne

An manchen Tagen weiß man schon beim Aufstehen, dass alles funktionieren wird.
Es sind die seltenen Momente, in denen man nicht neben den Wecker schlägt beim ersten Versuch. In denen man nicht in der Dusche über die Seife stolpert, die Rowdie schon wieder in der Nacht dort so fies mitten in den Weg gelegt hat, dass man fast meinen könnte, er wäre mit einem gewissen Hausmeister bekannt.

Was nebenbei gar nicht mal so unwahrscheinlich war, wenn man bedenkt, dass der Hausmeister auch die Krähe, die einmal in der Klinik ihr Unwesen getrieben hatte, ausgestopft hatte. Vielleicht hatte er ja tatsächlich irgendwo seine Armee aus ausgestopften Killer-Eichhörnchen und wartete nur darauf, damit die Weltherrschaft zu übernehmen…
Nein, das war selbst in meinem Kopf zu verrückt. Der Hausmeister hatte zwar eine Schraube locker, aber – nein.

Heute war auch endlich wieder einmal ein Tag, wo mir kein einziger Pancake anbrannte, wo ich ausnahmsweise einmal keinen Socken an die Waschmaschine verlor und ich trotz Stau fünf Minuten vor Schichtbeginn in der Klinik angekommen war. Ein Hoch auf Sasha, sie schaffte es auch durch die engsten Abkürzungen.

Pfeifend marschierte ich durch den Korridor, wich elegant dem über seinen eigenen Leichensack stolpernden Doug aus, schlidderte ausnahmsweise einmal im Stehen über den frisch gewischten und gebohnerten Linoleumboden und kam mit immer noch perfekt sitzenden Haaren an der Schwesternstation an.
„Grins nicht so dämlich, Giselle. Lässt du deine Haare auch deine Arbeit machen? Das würde zumindest den Zustand von Mrs. Milton erklären.“

Natürlich. An jedem Glückstag gab es auch einen Spielverderber. Und wenn das nicht der Hausmeister gewesen war, musste es natürlich Doktor Cox sein, der jetzt mit einer Patientenakte vor meiner Nase herumfuchtelte. Ich schnappte sie mir und marschierte zu den Patientenzimmern auf der anderen Seite des Ganges.

Erst mit einiger Verspätung fiel mir auf, dass er gerade direkt auf meine Gedanken reagiert hatte. Seit wann machte er denn sowas? Das konnte normalerweise nur Turk…

Ich klappte im Laufen Mrs. Miltons Akte auf. Und fluchte. Verdammt, gestern hätte ich ihr doch um ein Haar versprochen, dass sie diese Woche noch entlassen werden könnte, wenn Cox nicht wie ein Wachhund hinter mir gestanden hätte… Wo war das Fieber hergekommen? Ich beschleunigte meine Schritte.

~

Drei Stunden später saß ich teilnahmslos auf dem Sofa im Pausenraum, hatte eine Patientin weniger und einen Leichensack für Doug mehr, und starrte in meinen Kaffee. Wann waren die Dinge nur so aus dem Ruder gelaufen? Heute war doch mein Glückstag!

Wenig später gesellte sich Elliot zu mir, die – weinte? Ich blinzelte.
„Was ist denn mit dir los?“
„Ach, JD! Meine Assistenzärzte haben schon wieder beschlossen, dass ich Keath bevorzuge, bloß weil ich mit ihm schlafe und ihm deswegen am gleichen Abend freigegeben habe, an dem ich frei habe und ihm den Patienten mit der neuen Interferonbehandlung gegeben habe und jetzt erpressen sie mich wieder damit, zu Kelso zu gehen und Carla ist sauer auf mich und Cox auch und-“
„Reg dich ab, Barbie!“, schnappte selbiger.

Mein Blick zuckte nach oben. Cox stand direkt vor unserem Sofa und hatte wie üblich die Arme verschränkt, während er höhnisch auf uns herab sah. Ich bereitete mich für ein Donnerwetter vor, ich konnte es schon am Rand seiner Mundwinkel zucken sehen. Dem Augenblinzeln nach zu urteilen war es ein mittelschweres. Ich tastete vorsichtig nach meinen Taschentüchern in der Hosentasche. Mich würde Cox damit nicht aus der Fassung bringen können, doch Elliot hatte gerade erst mit dem Weinen aufgehört, es bestand die Chance, dass sie gleich wieder damit anfing.

„Ich bin nicht sauer auf dich, ich frage mich nur zum hundertsten Mal, wie du es schaffst, den Job als Oberärztin zu behalten, wenn deine Assistenten so viele Fehler machen, dass dir die Patienten noch schneller wegsterben als bei Flachzange.“
Elliot schnappte nach Luft.
„Seit drei Wochen ist keiner meiner Patienten mehr gestorben!“

Cox schnaubte und hielt ihr die Patientenakte hin, die er hinter seinen Armen an seine Brust gepresst gehalten hatte.
„Glühühühückwunsch, damit wäre die Schonfrist beendet. Todeszeitpunkt vor zwanzig Minuten, und niemand war bei ihm, weil du wohl wichtigeres zu tun hattest, Barbie.“
Elliot schnappte sich die Akte mit zitternden Fingern, klappte sie auf und brach erneut in Tränen aus.

Ich hielt ihr so unauffällig wie möglich ein Taschentuch hin, aber wohl nicht unauffällig genug.
„Und du, Mary, was sitzt du hier so untätig herum? Der Katheter bei Mr. Smith muss erneuert werden, die Blutproben von Mrs. James und Mr. Stintson dürften durch sein und, ach ja, du übernimmst meine Patienten für den Rest des Tages.“

Ich sprang auf. Es war nicht das erste Mal, dass er mir ungefragt einfach seine Arbeit aufhalste, aber ich war inzwischen Oberarzt. Ich musste mir das nicht mehr bieten lassen!
„Ach ja? Und was haben Sie solange so unaufschiebbar wichtiges zu tun?“
Cox lächelte süßlich.
„Hattest du etwas gesagt, Flachzange? Ich glaube nicht, dass ich dir eine Frage gestellt oder dich zum Sprechen aufgefohohordert hätte. Zieh dir die Pippi-Langstrumpf-Zöpfe aus dem Hintern und mach dich an die Arbeit!“

Er wirbelte mit wehendem Kittel herum und stürmte nach draußen. Elliot und ich warfen uns einen missmutigen Blick zu und folgten ihm. Ein schöner Glückstag war das.

~

Während ich gerade aus dem Treppenhaus kam, weil der Hausmeister den Aufzug blockiert hatte und ich eigentlich nur schnell zur Schwesternstation und Cox‘ – ach nein, MEINEN – restlichen Patientenakten wollte, ertönte ein durchdringendes Splitten, Krachen und Brüllen zu meiner Rechten.
Ich machte ganz bestimmt keinen Sprung rückwärts, bevor ich mich vorsichtig durch den Spalt der angelehnten Tür schob, um zu sehen, was los war.
Und erstarrte.

Verdammt. Wie hatte ich das nur vergessen können? Wie hatten wir alle das nur vergessen können?
Doktor Cox stand mitten im Labor und zerschmetterte den Computer, die Blutbild-Analyse-Maschine, die sündhaft teure Serums-Maschine, und jetzt ging er auf den Urinanalysator oder wie das Gerät hieß los. Eigentlich hatte ich keine Ahnung, wie man die Geräte offiziell nannte, ich wusste nur, wozu sie gut waren. Jetzt nämlich nicht mehr zu allzu viel.
War wirklich schon wieder ein Jahr vorbei?

In diesem Moment ging mein Pager los. Cox sah, irritiert von dem Geräusch, auf und traf meinen Blick. Rasch senkte ich den meinen und sah auf meinen Pager. Krampfanfall bei einem Patienten mit Herzproblemen. Mist.
Ich rannte gerade los, als Cox‘ Pager ebenfalls piepte. Nur beiläufig stellte ich fest, dass sein Notfall wohl auf einem anderen Stockwerk sein musste, er folgte mir nämlich nicht. Egal, ich hatte zu tun.

Erst, als ich zehn Meter weiter war, hörte ich etwas aus dem Labor. Er hörte sich fast an wie das Jaulen eines getretenen Wolfes. Das Bild, wie Perry Cox auf allen Vieren auf einer Klippe saß und den Vollmond anheulte, verschwand allerdings augenblicklich, als ein weiteres lautes Krachen das Ende der Urin-Untersuchungen für den heutigen Tag einläutete.
Danke auch. War ja nicht so, als hätte ich noch zwei dringende Proben gehabt, auf deren Ergebnisse ich wartete…

Mit einer brodelnden Wut im Bauch rannte ich schneller, nur weg von diesem Inferno.

~

Das zweite Mal an diesem Tag saß ich starr im Pausenraum, diesmal mit einem großen Schokoeis vor meiner Nase, doch ich konnte mich nicht überwinden, etwas davon zu essen. Es schmolz munter vor sich hin, doch ich bemerkte es nicht.
Mein Patient hatte es nicht geschafft. Grandioser Glückstag, wirklich.

Diesmal war es Turk, der ebenso niedergeschlagen neben mir landete.
„Hey Vanillebär“, brummte er mehr aus Gewohnheit als aus Begeisterung.
„Isst du das noch?“
Ich hielt ihm den Becher kommentarlos hin. Er schaufelte das Eis relativ mechanisch in sich hinein.

„Was ist los?“, fragte ich, auch wenn ich mir nicht sicher war, ob ich die Antwort wissen wollte.
„Heute war Schau-OP. Hast du eine Ahnung, wie bescheuert es ist, wenn dir ein Patient unter den Händen wegstirbt, während seine Familie zusieht und sich seit Beginn der OP die Augen ausheult?“
„Mir sind heute schon zwei Patienten gestorben“, erwiderte ich nur. Wir sahen uns einen Augenblick an und umarmten uns fest.

„Ohohoho, was sehe ich denn da? Sind das zwei Oberärzte, die einen Fehler gemacht haben? Oder sind das zwei kleine Heulsusen, die gerade merken, dass sie nicht halb so männlich sind, wie sie sich gerne geben? Nebenbei, Sally, du weißt nicht zufällig, wer Mr. Collins die Überdosis Insulin verpasst hat, an der er gerade beinahe gestorben wäre?“

Verdammter Mist. Mr. Collins war in dem Stapel der Patientenakten gewesen, die Carla mir mit einem „Wenn der Idiot seine Arbeit schon nicht selbst machen will“ auf den Tresen der Schwesternstation geschmissen hatte. Und er war auch in dem kleineren Stapel gewesen, die ich Elliot in die Hand gedrückt hatte, als sie mir ihre Hilfe angeboten hatte.

Ich konnte Elliot oder ihre Assistenten nicht verpetzen! Nicht, nachdem sie vorhin schon so aufgelöst gewesen war – aber die Alternative war, es selbst zuzugeben, und Cox wusste, dass ich solche Anfängerfehler eigentlich nicht mehr machte.
Schnell, JD, denk nach! Cox oder Elliot enttäuschen? Cox oder Elliot? Cox oder Elliot?
Ach, verdammt. Elliot wusste mehr peinliche Sachen über mich. Und Cox gab mir sowieso schon Mädchennamen und beleidigte mich. Schlimmer konnte es nicht werden.
„Das muss mir passiert sein. Es tut mir leid.“

Cox sah mich einen langen Augenblick schweigend an. Einen Moment lang fürchtete ich, er könnte mir nicht glauben, doch seine Stimme klang eindeutig enttäuscht und müde, als er wieder sprach.
„Geh nach Hause, Flachzange. Du kannst offensichtlich im Moment sowieso nichts anderes als Leute umbringen.“

Er wurde nicht laut, das war das gruseligste. Ich schluckte, um den Kloß in meinem Hals loszuwerden. Wieso tat es auch nach all den Jahren noch so weh, ihn zu enttäuschen? So langsam sollte ich es doch gewöhnt sein, es ihm niemals recht machen zu können. Außerdem, welches Recht hatte er, ausgerechnet heute, mir so etwas vorzuschreiben?
„SIE sollten nach Hause, Sir. Sie haben das gesamte Labor in Schutt und Asche gelegt!“

Cox schnaubte. Eine Ader an seiner Stirn pochte gefährlich, als seine Wut wie auf Knopfdruck zurückkam.
„Flachzange, du weißt genau, dass ich das einmal im Jahr mache und danach weiter arbeite. Zisch ab, bevor ich dich über die Schulter legen und wie ein heulendes Mädchen von seiner ersten Party abholen muss.“

Natürlich wusste ich das, und doch – heute schien es anders zu sein. Sonst war er nach seiner jährlichen Zerstörungswut immer bester Laune, diesmal jedoch konnte ich kaum einen Unterschied zu vorher feststellen. Entschlossen erhob ich mich. Jetzt war es sowieso schon egal.
„Hören Sie auf, mich anzulügen, Perry. Wir wissen beide, dass Sie im Moment eine viel größere Gefahr für Ihre Patienten sind, als ich es sein könnte, also tun Sie uns allen den Gefallen und regen Sie sich zu Hause ab – mit – mit was auch immer Sie sich zu Hause eben abregen, wo Sie niemanden in Gefahr bringen können!“

Dröhnende Stille trat auf diese Worte hin ein. Ich zwang mich mit aller Macht, nicht den Blick zu senken oder einen Schritt zurück zu machen – oder in das Wimmern meines Schokobärs hinter mir einzustimmen. Perry stand da wie eine Bombe mit Zeitzünder, atmete schwer, blähte seine Nasenflügel und bebte regelrecht.
„Ghandi, RAUS!“
Als Turk sein Heil in der Flucht suchte, wimmerte ich tatsächlich leise.

Kaum war er außer Sichtweite, schnellte Perry nach vorne wie eine Schlange, und ehe ich reagieren konnte, hatte er mich gegen die Wand gepresst, einen Unterarm quer über meine Kehle gelegt, und drückte mir die Luft ab. Ich japste, mein Herz machte einen Satz und galoppierte davon. Perry beugte sich dicht zu meinem Ohr.
„Hast du mich gerade Perry genannt? Und mich herumkommandiert?“
Seine Stimme war ruhig und freundlich. Zu freundlich.
„Ich soll mich also abregen, womit ich mich zu Hause normalerweise abrege?“

Ich wagte es, zu nicken. Es konnte schließlich nicht schaden, meinen Standpunkt zu bekräftigen, oder? Leichter gesagt als getan, die Bewegung schnürte mir die Luft noch weiter ab. Und komischer Weise beschleunigte sich mein Herzschlag daraufhin nur noch mehr. Ich hätte es gerne medizinisch korrekt damit begründet, dass ich in einen Schock rutschte, aber ich wusste, dass das nicht der Fall war.

In einem Schock stellten sich nicht bei den Worten desjenigen, auf dessen Umarmung man Jahre vergeblich gewartet hatte, sämtliche Nackenhaare auf. Genauso wenig wie man plötzlich an Dinge dachte, die die immer unerreichbar erschienene Umarmung regelrecht harmlos aussehen ließen.
Verdammt, was war nur los mit mir? Erstens, seit wann dachte ich bitte bei Perry an sowas? Und zweitens – seit wann stand ich darauf, dass mir der Kehlkopf zerquetscht wurde?

Perry lächelte so falsch, dass es fast in ein Zähnefletschen ausartete.
„Dann hast du auch sicher nichts dagegen, mir dabei Gesellschaft zu leisten, oder, Betty?“
Er drückte noch ein wenig fester zu, sodass ich Sterne zu sehen begann und garantiert nicht mehr fähig war, auch nur ein Wort zu sagen oder meinen Kopf irgendwie zu bewegen.
„Kein Widerspruch? Gut, dann komm mit. Und wage es ja nicht, davonzulaufen!“

Er ließ mich so abrupt los, dass ich beinahe in die Knie gegangen wäre, packte mein Handgelenk und zog mich dann in einem irrwitzigen Tempo hinter sich her durch die Flure. Mistkerl. Ich konnte Lonny gerade noch mit heiserer Stimme zurufen, dass er meine Schicht übernehmen sollte, dann hatte Perry mich auch schon nach draußen auf den Parkplatz geschleift und bugsierte mich zu seinem Porsche.

„Einsteigen. Keine Widerrede.“
Er klang so scharf, dass ich nicht einmal daran gedacht hatte. Im Gegenteil, noch immer glaubte ich, Sterne zu sehen, der Kehlkopf drückte weiterhin unangenehm, doch die Gänsehaut verschwand nicht, und mein Herzschlag dröhnte immer noch viel zu laut in meinen Ohren.

Die Fahrt zu Perrys Wohnung verlief stumm. Interessiert beobachtete ich, wie die Ader an seiner Schläfe immer noch unheilverkündend pulsierte und wunderte mich dabei, warum ich nicht mehr Angst vor ihm hatte. Er hatte mich effektiv gerade direkt von der Arbeit entführt.
Doch etwas in mir war sich sehr sicher, dass er mich niemals ernsthaft verletzen würde. Es war zwar neben meinen Halsschmerzen leise, doch nicht stumm zu kriegen. Ich massierte vorsichtig meine Halsmuskulatur.

Perry schnitt eine Grimasse, als er das bemerkte.
„Sei nicht so ein verdammtes Mädchen, Flachzange.“
Beruhigende innere Stimme hin oder her, er wusste, wie er mich in Sekundenschnelle wieder auf hundertachtzig bringen konnte.
„Sagt der, der mich halb erwürgt hat.“
„Oh bitte. Du warst noch nicht einmal ansatzweise nahe an einer Ohnmacht, also erzähl diese Märchen jemand anders.“

Er parkte den Porsche vor einem weitläufigen Mehrfamilienhaus.
„Aussteigen.“
Während wir durch das Treppenhaus gingen, schwieg er, also schwieg ich auch. Meine Nervosität kehrte mit aller Wucht zurück. Langsam fragte ich mich doch, was er bitte vorhatte und wozu er mich dafür brauchte.

Ich hatte kaum Gelegenheit, einen Blick in seine Wohnung zu werfen, als er mich hinein schob. Kaum war die Tür hinter uns beiden ins Schloss gefallen, schubste Perry mich grob mit dem Rücken dagegen und pinnte mich an meinen Schultern fest.
„Was-“, begann ich doch etwas verwirrt, doch er schnitt mir das Wort ab, indem er mich brutal küsste.

Es war nicht das, was ich mir vorhin unter Luftmangel vorgestellt hatte. Es war nicht einmal das, was ich bisher überhaupt unter einem Kuss verstanden hatte. Es war ein Kampf. Seine Lippen krachten regelrecht gegen meine, genauso wie seine Zähne. Seine Zunge schien mich förmlich zu ersticken, und doch hätte ich es nicht anders haben wollen.

Es war erstaunlich, aber ich hatte bis zum heutigen Tag kaum geahnt, dass ich mir das gewünscht hatte. Geschweige denn, wie sehr. Doch das machte diesen Moment nur noch besser. Ich schob sämtliche Fragen, die ich ihm am liebsten um die Ohren gehauen hätte, ganz weit weg. Ich durfte es jetzt nicht versauen.

Als er mich fest in die geschwollene Unterlippe biss, wimmerte ich und krallte meine Hände in sein T-Shirt. Er zischte, als meine Fingernägel sich durch den Stoff hindurch in seine Rückenmuskeln bohrten, doch er beschwerte sich ebenso wenig.  
Stattdessen presste er mich mit seinem Körper so fest gegen die Tür, dass ich seine Erregung deutlich an meiner Hüfte pulsieren spürte – direkt neben meiner. Wo war die denn auf einmal hergekommen?

Er löste eine Hand von meiner Schulter und legte sie fast sanft um meinen Hals.
„Das hat dir gefallen, nicht wahr, Pricilla?“
Ich schluckte. Mein Kehlkopf drückte deutlich gegen seine Finger, doch noch drückte er nicht zu. Noch.
„Meinst du den Kuss oder das Luft abdrücken – Perry?“, brachte ich heiser heraus, wobei ich seinen Vornamen besonders betonte.

Er knurrte, und seine Hand drückte zu. Fest genug, um das Blut noch schneller in meine Lenden schießen zu lassen, aber nicht so fest, dass die Luft ernsthaft knapp wurde.
„Beides. Und was habe ich dir darüber gesagt, mich Perry zu nennen?“
Ich lächelte. Ich musste irgendwann in den vergangenen Minuten wahnsinnig geworden sein, doch ich lächelte.
„Es nicht zu tun. Perry.“

Jetzt wurde mir die Luft tatsächlich knapp, doch gleichzeitig schienen alle anderen Empfindungen mit einem Mal viel intensiver zu werden. Seine Hüfte, die ungeduldig gegen meine stieß, seine zweite Hand, die meinen Arztkittel mit einem schnellen Ruck einfach auseinander riss, und seine Zähne, die sich in mein Ohrläppchen gruben. Ich stöhnte auf und presste mich noch näher an ihn.

Er grollte, als er meinen Hals schließlich losließ und mir das Shirt auszog.
„Du weißt, dass du damit jedes Recht auf Rücksicht in den Wind geschossen hast, Flachzange?“
Ich griff nach seinem T-Shirt und zog es ihm genauso schnell über den Kopf.
„Ist mir egal.“

Ich hatte kaum Gelegenheit, seinen Oberkörper zu betrachten, da hatte er mich auch schon gepackt, herumgewirbelt und mit dem Gesicht voraus gegen die Tür geworfen. Ich konnte mich gerade noch abstützen und den Kopf drehen, dann war er hinter mir. Er presste sich mit seiner gesamten Länge gegen mich, dass seine Erektion sich fest gegen meinen Hintern schob, und biss mir in den Hals.

Ich japste, doch das Japsen wurde unversehens zu einem langgezogenen Stöhnen, als seine Hand in meiner Hose verschwand und sich fest um meine Erregung schloss. Er fuhr mit schnellem, festem Griff auf und ab, so fest, dass ich schon nach wenigen Minuten das Gefühl hatte, ich konnte nicht mehr. Nur noch ein bisschen, ein klitzekleines bisschen…

In diesem Moment ließ er komplett von mir ab und ließ mich gegen die Tür taumelnd stehen.
„So einfach kommst du mich nicht davon, Julie“, knurrte er. „Ich bin noch lange nicht fertig mit dir. Hose runter und sonst nicht rühren.“
So schnell mein lustvernebeltes Hirn begriffen hatte, was er vorhatte, gehorchte ich – in der Hoffnung, nicht umzukippen. Der Drang, sich umzudrehen, war fast unwiderstehlich, doch ich beherrschte mich.

Das hier war Perrys Spiel. Ich hatte beschlossen, mitzuspielen, jetzt musste ich auch nach den Regeln spielen. Moment mal, seit wann sah ich das hier denn als Spie- doch jeder logische Gedanke entschlüpfte mir, als sich Perry wieder gegen meine Rückseite presste und mich gegen die Tür drängte.
Ich hatte wie befohlen meine Hose ausgezogen, samt den Shorts, wohl wissend, dass sie sonst ähnlich enden würden wie mein Arztkittel. Er hatte sich ebenfalls komplett ausgezogen, und das Gefühl seiner nackten Erektion direkt an meinem Hintern alleine brachte mich bereits wieder in Fahrt.

Perry presste seine Lippen an meinen Hals, direkt unter meinem Ohr, und umschlang meinen Oberkörper mit beiden Armen.
„Kann es sein, dass du leicht zu beeindrucken bist?“
Er summte, und die Vibration schoss durch meinen Körper, um sich in meiner Mitte zu sammeln und mich in den Wahnsinn zu treiben.
„Halt die Klappe, Perry“, japste ich, griff mit einer Hand rücklings um ihn herum und presste seine Hüfte noch fester an meinen Hintern.

Er knurrte unwirsch und biss mich wieder. Ich wusste selbst nicht, wieso ich auf einmal so auf Bisse stand, das hatte ich sonst nie getan. Aber Perry war schließlich auch… anders.
Jedenfalls jaulte ich auf, und meine Erektion zuckte. Doch der Mistkerl kümmerte sich diesmal einen Dreck darum.

Stattdessen hatte er mich beinahe komplett losgelassen, bis – bis seine Hände auf meinen Pobacken lagen, sie drückten, kneteten und auseinander zogen, während er mit der Zunge die Stelle an meinem Hals liebkoste, wo er mich gebissen hatte, weiter nach oben wanderte und mein Ohrläppchen verwöhnte. Ohhh, dieser Mistkerl. Er hatte verdammt schnell herausgefunden, dass Ohrläppchen eine meiner Schwachstellen waren.

Ich nahm nichts mehr wahr außer dieser verflucht geilen Zunge, bis einer seiner Finger, eigentlich viel zu kalt und feucht für Finger, klammheimlich zwischen meine Pobacken schlich. Ich seufzte. Das Gefühl war seltsam, aber definitiv angenehm. Der Finger strich in immer engeren Kreisen herum, bis er schließlich in mich eindrang. Ich keuchte auf. Das war jetzt mehr als seltsam.

„Entspann dich, Flachzange“, knurrte Perry eindeutig im Befehlston, doch genau dieser Tonfall half mir dabei tatsächlich. Wenn man sich einmal daran gewöhnt hatte, war es beinahe angenehm. Testweise bewegte ich meine Hüften einmal vor und zurück und musste seufzen. Jaa, daran konnte ich mich tatsächlich gewöhnen.

Perry gluckste gegen mein Ohr, drehte mit seiner freien Hand meinen Kopf und fing meine Lippen zu einem heftigen Kuss ein. Meine Gedanken purzelten durcheinander und verabschiedeten sich immer weiter, während er mich küsste und gleichzeitig erst mit einem, dann mit zwei Fingern in mich stieß. Schließlich nahm er einen dritten Finger dazu und dehnte mich damit so weit, dass es schmerzhaft wurde. Ich riss mich aus dem Kuss los und wimmerte.

Perry hielt sofort still. Seine zweite Hand schlängelte sich um meine Hüfte und griff nach meiner Erektion. Ich stöhnte auf und ließ meinen Kopf nach hinten auf seine Schulter fallen, der Schmerz erst einmal vergessen. Perry massierte mich nicht so fest wie beim ersten Mal, aber doch gründlich genug, dass ich erst bemerkte, dass seine Finger sich wieder bewegten, als sie tief in mir einen Punkt berührten, der mich ganz ohne Luftknappheit Sterne sehen ließ.

Ich japste laut.
„Komm schon, Perry, worauf wartest du noch?“, brachte ich heiser und ungeduldig hervor. Perry grollte, die Vibrationen wanderten von seinem in meinen Körper und stachelten meine Ungeduld nur noch weiter an.
„Womit wir auch geklärt hätten, WIE ich dich nehmen werde, Joanna“, knurrte er gegen meine Ohrmuschel und entzog mir sämtliche Finger.

Ich wimmerte ob dieses Verlustes, ich fühlte mich auf einmal viel zu leer. Zumindest, bis Perry mit einem einzigen, harten Stoß in mich eindrang.
Ich schrie.

Es tat viel mehr weh als die Finger, und es hörte auch nicht auf, als er einen Moment lang still dastand und für mich deutlich spürbar jeden Muskel anspannte, um sich nicht zu bewegen. Ich bemühte mich, tief durchzuatmen. Das war es doch, was ich provoziert hatte! Wieso tat es dann so weh?
„Wie sollst du mich nennen?“, fragte Perry hinter mir scharf, doch in seinem Worten lag eindeutig ein Unterton, der mir die Hand reichte. Ich seufzte schwer, lehnte mich gegen ihn und meinte kleinlaut: „Nicht Perry.“

Sofort waren seine Lippen wieder an meinem Ohr, und seine Hände strichen über meinen gesamten Körper, viel sanfter und ruhiger, als ich es mir je hätte träumen lassen. Ich atmete tief durch und schloss die Augen, entspannte mich zusehens unter seinen Berührungen.
Der Schmerz ließ nach, und ich bewegte mich erneut testweise. Perry nahm die Bewegung langsam auf und stieß vorsichtig in mich.

Es tat immer noch weh, ja, aber jetzt mischte sich eindeutig Lust mit in den Schmerz und machten ihn wie Perrys Küsse und die Hand um meinen Hals zu einer Mischung, die mich wahnsinniger machte als irgendetwas davor. Und ich wollte mehr davon. Ich wollte alles.

Jede Vorsicht in den Wind schießend, holte ich tief Luft und fragte: „Mehr hast du nicht drauf, Perry?“
Perry knurrte unheilvoll, seine Finger gruben sich tief in meine Hüften.
„Das wirst du noch bereuen, Cindy.“
Bei seinem nächsten Stoß schrie ich wieder. Doch diesmal war es nicht nur Schmerz gewesen, er hatte wieder genau diesen Punkt in meinem Inneren getroffen, der mich zu Wachs in seinen Händen machte.

Ich war froh, dass ich mich mit den Armen an der Tür abstützen konnte und er mich so fest gepackt hatte, ich glaubte nicht, dass ich noch stehen könnte. Perry stieß wieder und wieder hart und schnell bis zum Anschlag in mich, und es war das Beste, was mir je passiert war. Ich keuchte, stöhnte und schrie, was genau, wusste ich nicht.

Hauptsache, ich konnte irgendwo hin mit diesen Empfindungen, die mich regelrecht überrollten, platt wälzten und mich schließlich, als er mich gleichzeitig in die Schulter biss und mit einer Hand meine Erektion packte, fast umkippen und Sterne sehen ließen. Er hatte mich kaum angefasst, da ergoss ich mich über seine Hand.

Mit leichter Überraschung stellte ich fest, dass meine Muskeln sich um ihn verengten und zuckten, und in diesem Moment fühlte ich mich unheimlich mächtig. Es war berauschend. Er stöhnte kehlig auf, stieß noch zweimal abgehackt in mich und lehnte sich dann zuckend gegen mich.
Wir atmeten beide schwer und rührten uns nicht mehr, als würde etwas zerbrechen, wenn wir es täten.

~

An manchen Tagen hat man das Gefühl, alles geht schief. Egal was man beginnt, es ist dazu verdammt zu scheitern. Man verliert Patienten, streitet sich mit Freunden, muss die Fehler von anderen gerade bügeln… und doch beschlich mich das Gefühl, dass jeder Tag etwas Positives besaß, ganz egal, wie mies er begonnen hatte. Man musste es nur sehen und zupacken, solange es da war.

Egal, ob das nun so zufällig zustande kam wie ein Kollege, der einem wegen privaten Unpässlichkeiten das erste Mal die Verantwortung über einen ganzen Flur übertrug, oder so schwierig wie ein anderer Kollege, dem man nur helfen konnte, indem man ihn zuerst absichtlich zur Weißglut trieb.
Letztendlich zählt nur das, was wir daraus machen.

Ein scharfer Pfiff riss mich aus meinen Gedanken.
„Träumst du schon wieder, Flachzange?“

Ich schreckte aus meinen Gedanken auf und blickte hoch. Ich lag, in Perrys Bademantel gehüllt, auf seinem Sofa, die Arme hinter dem Kopf verschränkt. Er selbst hatte sich nur in Boxern direkt neben meinen Kopf gesetzt, ein Glas Scotch in der Hand, und blickte spöttisch auf mich herab. Ich grinste.

„Interessante Art der Stressbekämpfung“, brachte ich, immer noch etwas heiser, heraus. Er erwiderte das Grinsen.
„Und äußerst effektiv, meinst du nicht?“
Ich nickte. Doch dann holten mich die Zweifel wieder ein, die unterschwellig immer irgendwo lauerten, wenn es um Perry ging.
„Schon, aber… ich warte auf den Moment, an dem du aufwachst und mich rauswirfst.“

Er zog lediglich die Augenbrauen hoch.
„In meinem Bademantel? Ich glaube kaum, Lizzie. Und nachdem ich dich nicht wie ein Baby selbst anzuziehen gedenke, musst du wohl oder übel hier bleiben, bis du dich wieder richtig bewegen kannst.“
Ich schnitt eine Grimasse, war jedoch mehr als erleichtert. Egal, was er sagte, er hatte mich nicht hinaus geworfen, und das war eindeutig.

„Ich stelle mich nächstes Jahr freiwillig zur Verfügung. Das Labor kann schließlich nichts für deine Laune.“
Ich wusste nicht, wo das so plötzlich hergekommen war, aber als ich ihn ansah, wusste ich, dass ich es jederzeit wieder tun würde. Tun wollte. Das war einfach zu gut gewesen. Perry musterte mich durchdringend und beugte sich dann über mich.
„Tust du das?“ Seine Lippen kräuselten sich.

„Ich werde darauf zurückkommen. Wusstest du übrigens, dass ich auch alle paar Monate meine Küche zerlege vor Wut?“
Ich lachte, als mir aufging, was das für Perry-Verhältnisse in diesem Gespräch bedeutete. Ich wagte es, ihn aufzuziehen.
„Und ich vermute, über die restlichen Räume dieser Wohnung wollen wir gar nicht reden?“
Perry grinste selbstzufrieden.
„Du bist gar nicht dumm, Flachzange.“
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