William kehrt zurück

von Elfirin
GeschichteDrama, Familie / P12
Dana Scully Fox Mulder William Mulder William Scully
02.02.2016
03.02.2016
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02.02.2016 2.075
 
Prolog:
Mulder und Scully haben endlich zueinander gefunden. Sie sind seit ein paar Jahren endlich ein Paar. Sie haben es sich in einem kleinen Haus im grünen gemütlich gemacht und versuchen ein normales Leben Abseits des FBI zu führen, wo beide nicht mehr arbeiten. Die drohende Regierungsverschwörung konnte durch Mulders und Scullys zutun aufgedeckt und verhindert werden, weswegen Mulder nicht mehr gesucht wird. Scully arbeitet wieder als Ärztin, während Mulder eine Art geheimen Nachrichtendienst in einem Schuppen in der Nähe des Hauses führt.
Zwar hat Mulder seine wenig Rationalen Ansichten nicht abgelegt, genauso wie Scully immer noch nach wissenschaftlichen Erklärungen sucht, aber wie schon immer arrangieren sie sich damit und wissen damit umzugehen. Ihren Sohn William haben sie nicht vergessen, auch wenn beide wenige Worte über ihn verlieren. Das einzige was sie von ihm noch besitzen ist ein eingerahmtes Baby Foto das auf einer Kommode nahe der Eingangstüre steht. Beide treibt eine unausgesprochene Sehnsucht nach ihrem Kind, die mit jedem Jahr das vergeht stärker wird. In Scully keimt der Wunsch auf nach ihm zu suchen, auch wenn sie weiß das sie erfolglos bleiben wird… doch was wenn William nach ihr sucht?


Kurzgeschichte:
Nach einem langen Arbeitstag in einer Doppelschicht, betrat Scully müde die Veranda ihres Hauses. Bevor sie eintrat gönnte sie sich einen Blick zurück, über das weite Feld welches sich gegenüber ihrem Haus auftat und sicher bald von einem Bauern bestellt werden würde. Die Sonne schien warm auf die Veranda und so musste sie sich die Augen abschirmen um nicht geblendet zu werden. Es war noch zu kalt um hier sitzen und die Ruhe genießen zu können, schließlich begann der Frühling gerade erst, aber Scully freute sich bereits auf die warmen Zeiten. Für die nächsten Tage war allerdings Regen angesagt.

Im Eingangsbereich ihres Hauses, welcher gleichzeitig Küche, Wohn- und Esszimmer in einem waren, legte sie ihre Schlüssel in die Schale auf der Kommode, die direkt neben der Türe stand. Wie jedes Mal wenn sie das tat fiel ihr Blick auf das Bild des kleinen Jungen. Und jedes Mal überkam sie dieselbe Sehnsucht. Heute war das besonders schlimm. Der Jungen den sie heute in der Klinik behandelt hatte, hatte sie sehr stark an William erinnert. Er war in etwa in seinem Alter und war ein aufgeweckter kleiner Kerl, der es verstanden hatte sie zum Lachen zu bringen. Sogar jetzt schmunzelte sie noch. Ob William das auch geschafft hätte? Natürlich hätte er.
Sie musste sich abwenden um nicht in Tränen auszubrechen. Was war denn nur los mit ihr? In letzter Zeit schwirrte ihr William ständig im Kopf umher und sie vermisste ihn mehr denn je. Doch was hatte sich geändert? Nichts, und doch so viel. Die Bedrohung die sie einst dazu veranlasste William zu seinem eigenen Schutz fort zu geben gab es nicht mehr. Niemand würde ihn je wieder bedrohen oder versuchen ihn zu holen. Nur das Scully keine Möglichkeit sah ihren Sohn zurück zu bekommen. Die Adoption war geheim gewesen.
Mit einem letzten sehnsüchtigen Blick auf den kleinen, süßen Jungen, wandte sie sich ab und ging in die Küche herüber. Von dort aus konnte sie den Schuppen sehen, in dem Mulder sich eine Art Büro eingerichtet hatte. Da dort Licht brannte wusste sie dass er dort war. Sie öffnete den Kühlschrank und fand dort einige Lebensmittel die zu einem leckeren Essen verarbeitet werden wollten. Schon vor einiger Zeit hatte sie am Kochen eine große Leidenschaft gefunden. Für Mulder hätte es womöglich auch gereich wenn sie etwas vom Imbiss neben dem Krankenhaus mitgebracht hätte, aber das musste ja nicht jeden Tag sein. Nach etwa vierzig Minuten köchelten mehrere Töpfe auf dem Herd. Die Küche war auch schon wieder aufgeräumt weswegen es sich Scully auf der Couch gemütlich machte und wartete dass Mulder nach Hause kam.

Das Funkgerät, welches er zum abhören sämtlicher Kanäle benutzte, war in den letzten Stunden still geblieben und so hatte Mulder sich damit beschäftigt einer der zahlreichen Ufo Zeitschriften zu lesen. Aber eigentlich war er heute sowieso nicht ganz bei der Sache. Das war er bereits seit einigen Wochen nicht. Und er wusste auch woran das lag. Zum einen war ihm aufgefallen wie Scully das Foto ihres Sohnes angesehen hatte. Das allein war noch nichts Ungewöhnliches. Manchmal standen sie beide einfach nur davor und betrachteten das Baby, welches er nur für so kurze Zeit in seinen eigenen Armen halte durfte. Doch wenn Scully glaubte sich unbeobachtet zu fühlen, dann warf sie immer wieder einen sehnsüchtigen Blick darauf und auch wenn sie es für sich behielt, wusste Mulder dass die Sehnsucht nach ihrem Kind in Scully in den letzten Wochen immer größer geworden war. Doch er konnte nur zusehen und nichts dagegen unternehmen. Es brach ihm fast das Herz.
Ohne das Scully etwas davon ahnte hatte er versucht die geheime Adoption in irgendeiner Weise rückgängig zu machen. Aber es gab keinerlei Unterlagen, keine Namen und keine Verzeichnisse in denen er hätte nachschlagen können um seinen Sohn zu finden. Jeder seiner Bemühungen war in einer Sackgasse gelandet. Es gab keine weiteren Möglichkeiten mehr. Er hatte jede Stelle und jeden bekannten Namen ausgenutzt um irgendetwas heraus zu bekommen, doch Scully hatte ihren Job richtig gemacht. Die geheime Adoption blieb auch geheim. Und wo sollte er mit der Suche beginnen? Das Land war groß und William konnte überall sein. Es war nicht Mulders Art aufzugeben, aber in diesem Fall hatte er bereits alle Möglichkeiten ausgeschöpft und er hatte gar keine andere Wahl. Nur das er noch nicht bereit war das auch zu akzeptieren.
Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück und verschränkte die Arme hinter seinem Kopf. Er hatte auch noch ein ganz anderes Problem. Und dieses Problem lag in einem kleinen viereckigen Kästchen, in seiner Schublade, welche keine Armlänge von ihm entfernt war. Vor Wochen hatte er es hinein gelegt und seither nicht wieder angesehen. Er hatte noch nicht den Mut gehabt…. Ruckartig stand er auf und begann auf und ab zu laufen um auf andere Gedanken zu kommen. Schließlich sah er auf die Uhr. Scully musste längst zu Hause sein. Also wurde es auch für ihn langsam Zeit sich ins Haus zu begeben. Scully hatte die nächsten Tage keinen Dienst und so konnten sie die Zeit gemeinsam nutzen. Bevor er jedoch den Schuppen verließ, warf er einen Blick auf die Schublade. Einen Moment lang war er gewillt die kleine Schatulle daraus hervor zu holen und sie endlich zu ihrem Zweck zu benutzen. Nein! Nicht heute. Scully war sicher müde. Das war nicht der richtige Zeitpunkt. Also verließ er den Schuppen ohne das Kästchen und schlenderte zum Haus herüber.

Nicht unbedingt leise betrat er das Haus. Sofort schlug ihm der Geruch nach frisch gekochtem Essen entgegen und er lächelte. Scully glaubte das er ihre Kochkünste nicht mochte, doch das stimmte nicht. Trotzdem zog er sie gerne damit auf und ließ sie das Gegenteil glauben. Er fand seine Partnerin auf der Couch. Vermutlich hatte sie es sich dort gemütlich gemacht um auf ihn zu warten und war dabei eingeschlafen. Er betrachtete sie eine Weile und sah ihr beim schlafen zu. Scully hatte eine Doppelschicht hinter sich, weswegen es kein Wunder war, das sie überhaupt die Muße gefunden hatte sich um das Essen zu kümmern. Sie sah einfach nur umwerfend aus. Leise ging er zu ihr herüber und strich ihr ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht. Sie spürte die Berührung und erwachte. Langsam richtete sie sich auf und rieb sich übers Gesicht.
„Guten Morgen Sonnenschein,“ sagte Mulder und lächelte ihr entgegen. Sie tat es ihm nach und sah zu ihm auf.
„Aber es ist doch gar nicht Morgen, Mulder,“ erwiderte sie, „wie lange habe geschlafen?“
„Nicht lange, aber du kannst dich gerne noch weiter ausruhen.“
„Nein, ich habe Hunger. Im Krankenhaus war so viel los das ich nicht eine Minute Zeit gefunden habe etwas zu essen.“
Besorgt sah Mulder sie an. Das war zwar nicht ungewöhnlich, kam ihm aber in letzter Zeit zu oft vor.
„Du musst besser auf dich Acht geben, sonst werde ich dir ins Krankenhaus folgen und dir dein Essen höchst persönlich vorbei bringen und erst gehen, wenn du es gegessen hast.“
Scully lachte und nickte. „Da hätte ich nicht mal was dagegen.“
Sie schob sich mit den Händen nach oben um seine Lippen zu erreichen. Sie hauchte ihm einen Kuss darauf und stand schließlich auf.

Nachdem sie gegessen hatten, kümmerte Mulder sich um den Abwasch, wofür Scully ihm dankbar war. Sie setzte sich derweil auf die Couch und nahm die Kopie der Akte des Jungen in die Hand, die sie mit genommen und den sie heute behandelt hatte. Es fehlten noch ein paar Notizen, die sie noch nachtragen wollte. Doch lange blieb ihr Blick nicht auf die Akte gerichtet. Dieser Junge erinnerte sie so sehr an William, das ihr Blick immer wieder zu dem Foto auf der Kommode huschte, bis er schließlich ganz daran hängen blieb und sie es Gedanken verloren ansah.
Mulder, der sie von der Küche aus beobachten konnte, sah es und er hielt kurz inne. Er spürte den Stich in seinem Herzen zu deutlich und er wünschte sich etwas dagegen tun zu können. Er räumte das gewaschene und getrocknete Geschirr in den Schrank und ging dann zu Scully hinüber. Er sah genau wie sie versuchte ihre Situation zu überspielen, indem sie so tat als beschäftige sie sich mit der Akte.
„Scully…“ begann Mulder sanft. Sie waren aus irgendeinem Grund dabei geblieben sich bei den Nachnamen zu nennen, was für keinen der beiden ein Problem darstellte. Nur selten benutzten sie ihre Vornamen.
„Ich war nur in Gedanken. Der Junge hier, er beschäftigt mich sehr. Er ist sehr krank, weißt du,“ betont geschäftig blätterte sie in der Akte, doch Mulder hielt seine Hand darauf und Scully hielt inne. Sie sah ihn absichtlich nicht an, sondern schloss kurz die Augen.
„Ich weiß ganz genau woran du denkst,“ sagte Mulder, nahm ihr die Papiere ganz aus der Hand und legte sie vor sich auf den Tisch. Dann griff er nach ihrer Hand und drückte sie. „Ich denke auch ständig an ihn.“
Jetzt blickte sie zu ihm auf und er erkannte Tränen in ihren Augen. Sie biss sich auf die Lippen, wollte nicht weinen und doch konnte sie es einfach nicht verhindern.
„Ich vermisse ihn so sehr.“
„Ich weiß.“
Sie legte ihren Kopf an seine Schulter und Mulder spürte wie die Stelle an seinem T-Shirt feucht wurde. Sein Blick ging gen Decke. Er hatte keine Worte um ihr den Schmerz zu nehmen den sie empfand. Er konnte sie einfach nur halten und bei ihr sein. Also schlang er seinen Arm um sie und drückte sie an sich. Vielleicht wäre es für sie beide einfacher geworden, wenn sie gewusst hätten noch ein weiteres Kind bekommen zu können, aber Mulder wagte nicht auf ein weiteres Wunder zu hoffen, wo William schon eines gewesen war.
Mulder brach das Schweigen nach einer Weile.
„Ich hab versucht ihn zu finden.“
Er sagte es einfach frei heraus und offenbarte damit, was er vor ihr verborgen hatte. Sie hob den Kopf. Ein erwartungsvoller Blick traf ihn und er lächelte erschöpft.
„Ich habe alle meine Beziehungen spielen lassen. Ich habe jeden Mann und jede Frau die mir noch irgendeinen Gefallen schuldig waren angerufen und um Hilfe gebeten, aber niemand konnte mir weiter helfen. Ich hab gelogen und ich hab die Wahrheit gesagt, doch es gibt keinerlei Unterlagen. Nichts. Gar nichts was uns helfen könnte ihn zu finden.“
Er spürte wie sie schluckte, aber nichts darauf erwiderte.
„Ich hätte ihn gern noch einmal gesehen. Nur ein einziges Mal. Damit ich weiß das es ihm gut geht.“ Mulder spürte wie sie leicht zu zittern begann und instinktiv drückte er sie wieder näher an sich.
„Ich auch…“ murmelte er und wusste doch das es ihrer beider Sehnsucht nicht tilgen konnte.
„Es tut mir leid, Liebling. Ich habs versucht…“ Jetzt war es seine Stimme die brach.
„Es ist schon gut. Ich hab es so gewollt. Er sollte nicht gefunden werden und das haben wir erreicht. Es wird ihm schon gut gehen. Das haben sie mir versprochen.“
Etwas anderes wollten sich weder Mulder noch Scully vorstellen. Mit einem anderen Gedanken als diesem hätten sie nicht leben können. Und so saßen sie schweigend auf der Couch, bis Mulder spürte das Scully eingeschlafen war. Erleichtert strich er ihr die Haare aus dem Gesicht. Zumindest für den Rest des Abends war sie von jeglichen Gedanken erlöst. Er hob sie hoch und trug sie nach oben ins Bett, wo er sie sanft zudeckte um sich dann neben sie zu legen.
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