Eine Frage der Menschlichkeit

von blaugrau
GeschichteAllgemein / P12
30.01.2016
30.01.2016
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Nachdem ich vor kurzem mit einer Freundin über Rassismus gesprochen hatte, kamen wir auf das Thema Feminismus zu sprechen. "Deshalb bin ich Feministin", sagte ich zu ihr und erntete einen schockierten Blick: "Rassismus ist doch kein Grund, Männer zu hassen." Und erneut musste ich meine Augen so sehr verdrehen, dass es mich fast schon wunderte, dass sie nicht stehen blieben und ich nicht erblindete. Leider ist das keine einzelne Meinung; ich begegne immer mehr Menschen, die absolut keine Ahnung vom Feminismus haben. Aus diesem Grund versuche ich nun einige Dinge aufzuklären.

Feminismus. Was ist das eigentlich?

Der Begriff selbst verrät, dass es sich hier vor allem um Frauen handeln könnte. Das ist hier nur teilweise der Fall. Tatsächlich beginnt der Feminismus im 17. Jahrhundert und jeder, der ein wenig Ahnung von Geschichte hat, weiß bereits, dass Frauen bis vor "kurzem" (in historischer Hinsicht) nicht besonders viel bis nichts zu sagen hatten. Es ging also anfangs zwar bereits um Menschenrechte, aber besonders in Hinsicht auf Frauenrechte. Daher stammt der Name.

Heutzutage gibt es mehr und mehr Dinge, die in Angriff genommen werden müssen. Es geht um mehr Dinge, als es auf Wikipedia steht oder viele Menschen behaupten. Tatsächlich behandelt der Feminismus Gleichberechtigung, Sexismus, Rassismus, Homophobie, respektvollen Umgang mit Kultur und und und. Im Grunde praktisch jedes denkbare Gesellschaftliche Problem, das man sich nur vorstellen kann. Wieso das? Nun, Feminismus bedeutet im Hauptsächlich eben Gleichberechtigung und das ohne auf Hautfarbe, Sexualität, Geschlecht, etc. zu achten beziehungsweise danach zu urteilen.

Wieso brauchen wir Feminismus? Ist denn unsere Welt nicht fortgeschritten genug? Frauen dürfen ja wählen und so...

Das höre ich auch öfters. Das Problem an der Sache ist, dass diese Menschen entweder gar keine Ahnung von ihrer Umwelt und ihren Mitmenschen haben oder es nicht als Problem ansehen. Und das ist mehr als nur traurig und schockierend.

In den Vereinigten Staaten haben sich Cops fast schon ein Hobby daraus gemacht, Dunkelhäutige zu erschießen. Donald Trump grenzt Menschen auf Grund ihrer Religion aus, hetzt gegen die "bösen" Mexikaner. In Ägypten, Somalia, Gambia, Sierra Leone und Eritrea werden fast alle Mädchen und Frauen verstümmelt, und das sind nur ein paar Länder von den zahlreichen, bei denen diese "Behandlung" praktisch Alltag ist. Frauen und Männern weltweit werden Standards vorgesetzt und Geschlechterrollen zugeteilt, die sie spielen müssen, ob sie wollen oder nicht. Angela Merkel besteht zwar auf die Gleichberechtigung, möchte aber nicht, dass gleichgeschlechtliche Paare sich das Ja-Wort geben dürfen. In den Vereinigten Staaten werden Schülerinnen nachhause geschickt, wenn man ihre Schultern sieht, weil das die männlichen Lehrer und Mitschüler ablenken könnte. In zahlreichen Regionen in Russland ist Homosexualität gesetzlich verboten. Transsexuelle Menschen werden diskriminiert. Gleichgeschlechtliche Paare dürfen in vielen Ländern keine Kinder adoptieren. In Pakistan und Arabien wird versucht Mädchen von den Schulen und somit auch von der Bildung fernzuhalten. Frauen werden erst als Objekte behandelt und dann verurteilt, falls sie doch mal Geschlechtsverkehr haben sollten. Mit der Flüchtlingsanzahl stieg auch die Fremdenfeindlichkeit, die Vorurteile und der Rassismus in Deutschland und ganz Europa. Stars wie Kylie Jenner und Beyoncé benutzen die Kultur anderer Menschen als Accessoires. Religiöse Menschen versuchen mit dem Motto "Pro Life" den Frauen die Möglichkeit, eine Abtreibung machen zu lassen, zu nehmen. Vergewaltigten Männern wird nicht geholfen, stattdessen werden sie nicht einmal ernst genommen und ausgelacht- sie könnten es ja genießen.

Das sind nur wenige Ausschnitte von dem, was momentan so alles in der Welt vor sich geht. Und? Brauchen wir immer noch keinen Feminismus?
Sicher, es mag ein paar glückliche Menschen zu geben, die von gar nichts davon betroffen sind. Keine Vorurteile, keine schlechte Behandlung von Mitmenschen, nichts. Glückwunsch, und nun? Einfach die Augen und Ohren verschließen? Damit ist man kein Stück besser als die Menschen, die das Leid verursachen.

Jeder von uns muss mithelfen. Jeder einzelne von uns. Glaubt keine Vorurteile. Verurteilt keinen Menschen (es sei denn, er hat jemandem Unrecht getan). Seht nicht weg, sondern helft.

Mir ist klar, dass es religiöse Menschen gibt und dass in vielen Religionen Dinge wie Sexualitäten, die nicht Heterosexualität sind, Abtreibungen und selbst die Stellung der Frau fest geregelt sind. Da ich sowieso kein Freund von Religionen bin, möchte ich dazu gar nicht viel sagen. Hasst keinen Menschen, nur weil es nicht zu eurem eigenen Glauben passt. Niemand zwingt euch, eines Tages eine Person eures Geschlechtes zu heiraten. Das bedeutet aber nicht, dass ihr einen anderen Menschen deswegen verurteilen, hassen, beleidigen, diskriminieren dürft oder ihm gar verbieten dürft, dass diese Menschen ihre Sexualität ausleben  oder das mit ihrem Körper machen dürfen, was sie wollen. Ja, das geht an die zahlreichen (hust) Politiker, die das hier lesen.

Was die meisten Menschen nicht verstehen, ist die Tatsache, dass Kultur kein Accessoire ist. Viele kulturelle und auch religiöse Elemente aus "fremden" Ländern werden heutzutage einfach so getragen. Ein religiöses Mal (Bindi) wird von Kendall Jenner und Vanessa Hudgens auf einem Fesitval getragen, Selena Gomez turnt damit auf der Bühne herum. Religion, Kultur? Nein, es dient nur zum Schmuck. Man missbraucht Dinge, die anderen Menschen viel bedeuten. An Fasching verkleiden sich zahlreiche Kinder und auch Erwachsene als Indianer, finden den edlen Stammesschmuck lustig. Was auf den ersten Blick als weniger schlimm wirkt, ist auf den zweiten Blick für viele Menschen diskriminierend, widerlich, beleidigend und traurig.

Also, zurück zum Titel dieses kleinen Aufsatzes: Eine Frage der Menschlichkeit.

Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch ein Feminist sein sollte. Selbst wenn man selbst nicht unterdrückt wird, sollte man sich doch rein aus menschlicher Hinsicht für das Wohl der übrigen Weltbevölkerung interessieren. Wer gegen den Feminismus ist, ist gegen die Gleichberechtigung, welche so gesehen der Grundbestandteil und -baustein unserer Gesellschaft ist. Wer gegen Gleichberechtigung ist, ist entweder Sexist, Rassist, Homophob oder ein Mitglieder einer der anderen Gruppen, deren Einstellung nicht nur dumm ist, sondern auch total widerlich.

Gerade hier auf FanFiktion.de herrscht eine (meiner Meinung nach) ziemlich feministische Atmosphäre. Viele haben kein Bild  von sich selbst als Profilbild, man weiß nur einen Namen und ein Geschlecht, welches allerdings gar nicht der Name und das Geschlecht sein muss, das bei der Geburt festgestellt wurde. Wir wissen alle kaum die Nationalität vom anderen, kennen seine Herkunft, seine Hautfarbe und seine Religion nicht. Wir wissen nicht, ob jemand mit vierzehn Mutter geworden ist, ob jemand jeden Abend mit drei verschiedenen Männern schläft oder an welchem Geschlecht/an welchen Geschlechtern ein Nutzer überhaupt interessiert ist. Wir kennen einander nicht, zumindest nicht, wenn wir nicht regelmäßig im Kontakt stehen und uns den anderen gegenüber öffnen.
Bisher habe ich hier noch keinen Hass mitbekommen und genau das ist das Gute an dem "Unbekannt-Sein". Der Fokus liegt auf den Werken des Nutzers oder auf seinen Reviews, aber eigentlich niemals auf seiner Hautfarbe, Sexualität, etc.

So sollten wir das auch auf das "wirkliche Leben" übertragen. Weniger Vorurteile, weniger Hass - mehr Akzeptanz, mehr Toleranz. Denkt daran, wenn ihr das nächste Mal etwas mitbekommt, was gegen die Menschlichkeit spricht.



Hier ist der Link zum YouTube-Channel einer wirklich guten amerikanischen Sendung. Die Videos, die ich euch am meisten ans Herz legen möchte, sind die Videos zu den Themen LGBTQ+ und Rassismus. Ihr findet diese sogar geordnet unter den Playlists. Überlegt euch einfach mal, welches Verhalten ihr richtig findet und wie ihr euch in dieser Situation früher verhalten hättet, bzw. wir ihr euch heute verhalten würdet.




Ich hoffe, dass ich einigen von euch die Augen öffnen konnte. Entscheidet euch für die Menschlichkeit- für den Feminismus.
Wenn ihr noch weitere Fragen habt, könnt ihr mir diese gerne in den Reviews stellen; Mails sind zwar auch in Ordnung, aber da vergesse ich leicht zu antworten c;
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