Star Trek - Department of Internal Affairs: 01 Tiefe Einschnitte - Teil 2: Geheimsache

von SF-IA
GeschichteThriller / P16
28.01.2016
16.03.2017
31
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Geheimdienstlogbuch
Vice Admiral Chris Bennett
Sternzeit 53095.5


"Seit vier Wochen suchen wir nun nach Hinweisen, die uns zu dem orionischen Schwarzmarkthändler Gelko führen, doch alle Spuren sind bisher im Sande verlaufen. Gelko scheint untergetaucht zu sein. Keiner meiner Kontakte hat in den letzten Monaten von ihm gehört. Auch wenn ich die Suche so schnell nicht aufgeben werde, so fehlen mir derzeit neue Anhaltspunkte, die auf Gelkos Aufenthaltsort hindeuten. Diese Zwangspause bei den Ermittlungen gibt mir jedoch die Möglichkeit, weiter an der Verbesserung der stationsinternen Strukturen zu arbeiten. Für meine Begriffe sind die Sicherheitsmaßstäbe dieser Station in den vergangenen Jahren extrem vernachlässigt worden. Ich werde diesbezüglich mit Sicherheitschef Janok Athun sprechen, um den Schutz der Sternenbasis 53 weiter zu erhöhen. Meinen ersten Eindrücken zufolge würde der Commander die eine oder andere Verstärkung der allgemeinen Sicherheitsvorkehrungen begrüßen."

Vice Admiral Chris Bennett lief schweren Schrittes den Teppichboden vor seinem Schreibtisch ab. Es war spät am Abend und er war bereits viel zu lange auf den Beinen. Aber seit der völligen Neubesetzung der Sternenbasis mit Spezialisten des Geheimdienstes gab es mehr als genug zu tun. Es war wohl nicht sonderlich klug, den gesamten Stab zu ersetzen. Mit Ausnahme von Chefingenieur Royna Kolrami wurde das komplette Team ausgetauscht. Doch es stand natürlich jedem Vizedirektor frei, nur die Offiziere seines Vertrauens in seinen Stab zu berufen. Langfristig war dies vermutlich die bessere Option, aber momentan bedeutete es eine Menge Mehrarbeit.

Admiral Bennett strich sich über die Stirn und kratzte sich vor Müdigkeit an der Schläfe. Wenn er den Logbucheintrag beendet haben würde, würde er auf direktem Weg sein Quartier aufsuchen und für ein paar Stunden schlafen. Bennett holte tief Luft und sammelte seine letzten Reserven.

"Ich bekleide den Posten als Admiral Kaibas Stellvertreter nun seit knapp einem Monat und habe das Gefühl, bisher verhältnismäßig wenig bewirkt zu haben. Die meiste Zeit verbrachte ich mit Besprechungen innerhalb des Geheimdienstes, die meiner Ansicht nach viel zu weit oben in der Rangstruktur angesetzt waren und unnötigerweise meine Kapazitäten beanspruchten. Zudem meldet sich mein Nachfolger beim Sicherheitsdienst der Sternenflotte, Admiral Horvath, täglich zwei- bis dreimal und bombardiert mich mit überflüssigen Fragen und Papierkram. Ich kann mich nicht daran erinnern, dies mit meinem Vorgänger auf dem Posten gleich getan zu haben, was mich die Frage stellen lässt, ob Admiral Horvath oder ich etwas falsch gemacht haben. Morgen werde ich mir die nötige Zeit freischaufeln, um den aktuellen Zustand der Sternenbasis zu betrachten, gleichgültig, ob der Sicherheitsdienst mit meinem Ablagesystem zurechtkommt oder nicht. Computer, Logbucheintragung beenden!"

Admiral Bennett schob seinen Sessel an den Schreibtisch heran und konsultierte noch kurz seinen Terminkalender. Erschreckend musste er feststellen, dass für morgen bereits fünf Besprechungen angesetzt waren. Kopfschüttelnd deaktivierte er das Computerterminal und läutete damit seinen offiziellen Feierabend ein.

Bennett war gerade dabei, sein Büro zu verlassen, als sein Kommunikator einen Doppellaut ausstieß, den der Admiral absolut nicht hören wollte. Widerwillig betätigte er das Insignia auf seiner Uniform. "Admiral Bennett hier."

"Cmrd. Athun hier, Sir. Sie werden dringend in Admiral Kaibas Quartier gebraucht. Es gab einen Angriff auf den Admiral."

Noch während der Saurianer den Satz aussprach, eilte Bennett bereits aus seinem Bereitschaftsraum und machte sich schnellen Schrittes auf den Weg. "Ich bin sofort da", bestätigte Bennett besorgt und durchquerte hastig den Korridor zum nächstgelegenen Turbolift. Der plötzliche Adrenalinschub in seinem Körper vertrieb seine Müdigkeit gänzlich.

Janok Athun wartete bereits vor Kaibas Quartier auf ihn. Flankiert wurde er von Kaibas Leibwächtern Mr. Nathro und Mr. Niemez. Die Stimmung des Trios passte zum hellgrauen Korridor, sie wirkten bedrückt und irgendwie deplatziert.

"Was ist passiert?", fragte Bennett, noch bevor er zum Stillstand kam.

Athun zögerte. "Nun Sir, das wissen wir selbst nicht so genau, aber offenbar hat jemand versucht, Admiral Kaiba umzubringen. Keine Sorge, er befindet sich bereits auf der Krankenstation. Dr. D'Riia tut, was sie kann, aber", der Saurianer machte eine Pause, "es sieht nicht gut aus."

Chris Bennett war baff. Er hatte so viele Fragen, dass er gar nicht wusste, welche er zuerst stellen sollte. Zumal der Sicherheitschef wahrscheinlich die wenigsten davon beantworten konnte.

Bennett hielt kurz inne. "In Ordnung. Was haben Sie sonst noch für Erkenntnisse?"

"Kommen Sie, ich zeige sie Ihnen", erwiderte Athun und betrat Kaibas Quartier. Zunächst sah alles ganz normal aus. Links neben dem Eingang stand ein Schreibtisch, auf dem nicht weniger PADDs lagen als auf Bennetts eigenem. Zumindest in dieser Hinsicht schienen sich alle Admiräle zu gleichen. Dahinter war ein großer Bildschirm. Am anderen Ende des Quartiers standen ein Sessel, ein blaues Sofa und ein Glastisch, der in etwa wie ein Regentropfen geformt war. Nichts wirkte ungewöhnlich, sondern friedlich. Bennett fiel ein Foto auf, das Kaibas Familie zeigte. Eine Frau und vier Kinder waren darauf zu sehen. Zwei der Kinder trugen eine Uniform der Sternenflotte; bei den Kaibas lag das wohl im Blut. Für Bennett war es allerdings ein komischer Gedanke: Seto Kaiba mit einer Familie, er wirkte bisher nicht unbedingt wie ein Familienmensch auf ihn. Dann fiel ihm ein, dass, sollte sein Vorgesetzter es nicht überleben, es seine Aufgabe sein würde, Kaibas Angehörige zu benachrichtigen. Schnell verdrängte der Admiral diesen schmerzlichen Gedanken. "Okay Sir, halten Sie sich bereit", sagte Janok Athun, der vor der Schlafzimmertür stand.

Als die Tür in beide Richtungen zur Seite glitt, bot sich dem Admiral ein schauriger Anblick. Am Boden war Blut, welches aber offenbar nicht nur Kaiba gehörte. Dort lag auch ein Mann, allem Anschein nach ein Mensch, komplett in schwarz gekleidet und mit einem Messer in der Brust. Er zeigte sichtbare Spuren eines Kampfes, Kaiba musste sich heftig gewehrt haben. Es herrschte eine, so kam es Bennett zumindest vor, endlose Stille. Er und Athun hatten erkennbar Mühe damit, die Situation zu verarbeiten und dem Tod so ins Gesicht zu blicken.

Doch irgendwann musste wieder jemand etwas sagen. "Benachrichtigen Sie alle Führungsoffiziere, Mr. Athun. Ich will wissen, wer das war, warum er das getan hat und wie er verdammt nochmal auf die Station kam", befahl Admiral Bennett, der, während er den Satz aussprach, immer wütender wurde. Das Letztere beunruhigte ihn am meisten. Er arbeitete zwar daran, die Sicherheit der Station weiter zu erhöhen, doch es war auch bei den jetzigen Sicherheitsstandards alles andere als einfach, unbefugt in das Quartier eines Admirals einzudringen.

"Aye, Sir", bestätigte der Sicherheitschef und machte sich an die Arbeit. Ihn beunruhigte das Geschehen genauso so sehr wie den Admiral, aber nun konnte er wieder das tun, was er am besten konnte: Befehle ausführen. Admiral Bennett würde die ganze Angelegenheit eigenständig regeln müssen.
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