HANLET

von Makeyon
GeschichteParodie, Romanze / P18 Slash
27.01.2016
14.07.2016
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HANLET

Kapitel 1

Pergament und Flöte



Es war einmal...

Ein wundervoller Tag,
Dieser brachte neue gülden Früchte.
Doch ob man an sie kommen mag,
Ward zu jenem Zeitpunkt noch Gerüchte...



„So ein Mist!“, fluchte er vor sich hin, warf den Federkiel weg und knüllte den Zettel zusammen.
„Immer dasselbe sinnfreie Gefasel... so wird man nie ein guter Dichter! Ich brauche mehr Inhalt! Ein Zeichen! Irgendetwas, dass meiner Dichtkunst einen Sinn gibt, den Versen Leben einhaucht und sie in warme Farben taucht~! ...!“ Erstarrt hielt er in seiner beschwingten Klage inne und begann über das ganze Gesicht zu strahlen. „Das...das war ein Reim! Ein ganz spontaner daktylischer Reim! Die Grundpfeiler sind gesetzt, alles was fehlt ist die Würze...“ Er blickte aus seinem einzigen Fenster, auf dessen Sims er saß und dachte nach.
Wie sollte er aber an Stoff kommen, wenn in seinem Leben tagtäglich immerzu dasselbe geschah? Er andauernd zwischen denselben Wänden saß, dieselben Bilder betrachtete, dieselben Bücher und Schriftstücke las und dieselbe strenge nervtötende Frau ihn besuchen kam um ihn immer wieder mit denselben Phrasen vollzuquatschen?
Er war dieses Alltags überdrüssig, um es direkter auszudrücken:
Er war beinahe schon genervt vor Langeweile!
Das Einzige, was ihm niemals zu langweilig wurde, war das musikalische Hantieren mit einem kleinen hölzernen Instrument: Sein Flötenspiel, in welchem er sich von Zeit zu Zeit immer geschickter anstellte und jede der neuen Melodien etwas Einzigartiges gewannen. Mit jedem Tag an Übung wurde sein Fingerwechsel schneller und sein Atem stabiler und länger, die Vögel stimmten diesem des öfteren mit motivierendem Gezwitscher zu. Doch auch dieses Hobby konnte er nicht den lieben langen Tag ausüben, wenn er nicht blöde werden wollte. Jedoch plätscherte sein bisheriges Leben auf diese Art und Weise dahin und es ging ihm währenddessen auch nicht schlecht. Immerhin hatte er Essen und Trinken und das meiste was ein gesunder Mensch zum Leben brauchte.
Ihm fehlte es an nichts und doch sehnte er sich ab und an nach... Ereignissen? Irgendwas, das anders war als gewöhnlich.
Oftmals machte ihn allein schon ein Gewitter glücklich. Eine Ironie, da die Menschen draußen dabei ums Leben kamen oder ihre Hütten unter Wasser oder in Flammen standen, so hängte er hingegen fasziniert am Fenster in seinem geschützten Turm und genoss dieses Naturspektakel. Insgeheim hoffte er, dass eines Tages mal ein Blitz in diesen einschlagen würde und ihn zum Einsturz brachte. Zwar schloss dies auch die Gefahr mit ein, dass er dabei sterben könnte, aber das verschaffte ihm eine seltsam angenehme Gänsehaut und er musste dann immer wie verrückt grinsen.

„Ach... viel zu spät schon. Wo sie wohl steckt?“ Er fasste es eigentlich kaum, was sein Mund da gerade aussprach, aber ab und an freute er sich über die Gesellschaft der Alten, eine andere Stimme als die seine zu hören tat seiner Psyche gut. Denn allein schon die Tatsache, dass er mit sich selbst sprach, machte ihn quasi zu einem Verrückten. Doch würde er garnichts sagen, würde er genauso wahnsinnig werden. Es war also gehüpft wie gesprungen, egal wie er es machte, er war und blieb wohl einfach seltsam.

Resigniert seufzend zog er seinen geflochtenen Zopf aus den Weiten des Zimmers und schüttelte ihn kräftig aus dem Fenster. Immer wieder verfingen sich eine Menge Staub und Krempel darin, wenn er ihn bei seinem täglichen Im-Zimmer-Auf-Und-Ab-Spazieren nur hinter sich herschleifen ließ. Und die Hexe konnte das jedes mal nicht mit ansehen, wenn sein ach so prachtvolles Haar derartig "missbraucht" wurde. Sollte sie doch mal mit einem turmlangen Zopf ihren Alltag bewältigen! Das war schwerer als es gedacht - vom Waschen ganz zu schweigen! Eine Katastrophe, die stundenlang dauerte - ein weiterer Zeitvertreib seines eintönigen Lebens, jedoch tat er dies nicht zum Spaß oder aus Langeweile, denn sein Haar hatte eine merkwürdige Konfiguration: Abgesehen von seinem außergewöhnlichen Farbverlauf von kräftigem Rot zu strahlendem Gold, hatte es die Beschaffenheit eines weiteren Gliedmaßes seines Körpers. Kurz gesagt, es fühlte sich an wie ein dritter Arm, nur noch ein Stück empfindlicher und nutzloser. Wenn er es wenigstens armartig bewegen könnte! Aber so wirkte es einfach wie ein lästiges Anhängsel, das ihm auch noch wehtat, wenn es im Raum irgendwo hängen blieb oder die Alte sich zu grob daran festklammerte, um sich in den Turm zu befördern. Bitte, wenn sie schon eine Hexe war, wieso schwebte sie nicht einfach hinauf? Oder flog auf einem Besen wie es Hexen üblich nachgesagt wurde? Oft vermutete er als Antwort auf solche Fragen, dass sie einfach bloß sadistisch veranlagt war und ihn gern an seinem handicap leiden ließ.
Dennoch empfand er sein Haar als...relativ schön? Ab und an posierte er vor seinem Spiegel und fand sich dabei unglaublich toll. Aber selbst das interessierte natürlich niemanden, da ihn niemals irgendwer zu Gesicht bekam...außer...
„Rapunzel!“
Da war sie endlich. Die Alte.
„Rapunzel, lass dein Haar herunter! Wird's bald!? Und wehe es ist schmutzig...“
Nun wurde klar, was zuvor gemeint war? Die Hexe war unglaublich anspruchsvoll.
Seufzend warf er das lange Zopfknäuel über hinaus ins Freie, wo es sich schnell auswickelte und in seiner vollen Länge beinahe den Erdboden berührte. Um unnötige Schmerzen zu vermeiden schlang "Rapunzel" einen Teil des Zopfes um einen Sockel am Fenster. Dies diente auch zusätzlich dem Zweck, dass er nicht selbst durch das Gewicht an seinem Haar aus dem Turm flog.
Dann lehnte er sich im Fensterrahmen zurück und wartete. Manchmal sogar nahezu eine Viertelstunde, bis die Alte endlich oben ankam. Sein Magen knurrte bestätigend.
„Du Dreckfink! Am Ende ist noch ganz viel Staub! Sieh zu, dass du dein kostbares Haar ordentlich pflegst!“, beschwerte sie sich schon, ehe ihr Kopf im Fenster auftauchte. Am liebsten hätte er sie ab und an einfach wieder heruntergeschubst, aber dies wollte er bei dieser Hexe nicht riskieren. Sie hatte im Übrigen auch einen Namen: Mora. Schwarzes Haar und kalte, strenge Augen machten sie aus, ebenso wie gigantisch große Brüste. Und genau darauf schien sie verdammt stolz zu sein. Und bloß weil er sie „Alte“ nannte, so sah sie noch lange nicht so alt aus wie sie wirklich war.
Eine echte Hexe wie sie im Buche stand.
Okay eigentlich nicht, da man sich Hexen eher alt und klapprig vorstellte, aber dann müsste er auch eine junge, schöne Prinzessin sein, die er eindeutig nicht war. Zumindest gab es Dinge, die ihn von solch einer unterschieden. Dinge, die man jetzt auch keineswegs nennen musste.
„Sei gegrüßt, Herrin!“, strahlte er sie aufgesetzt an. Die beiden hatten sich auf eine Mischung aus familiär und hierarchisch geeinigt. Somit war es auf seiner Seite bei „Du“ und „Herrin“. Mora hingegen nannte ihn immer nur Rapunzel, obwohl er von Geburt an einen anderen Namen hatte.
Jenen versuchte sie ihn aus irgendwelchen Gründen, die sie ihm nicht nannte, vergessen zu lassen. Doch er hatte Vorkehrungen getroffen ihn niemals vergessen zu können. Irgendwo in seinem Turmzimmer versteckt, sei es an der Wand hinter seinem Schrank, auf den Innenseiten von Buchumschlägen oder auf einem eigenen Stückchen Haut, das die Hexe niemals zu Gesicht bekommen würde, hatte er seinen wahren Namen geschrieben, als felsenfeste Erinnerung. Sie konnte ihm das Hirn verdrehen, Tränke und Zauber anwenden wie sie wollte, er würde den Namen früher oder später wiederfinden.
Der Name Rapunzel war einfach nur geschmacklos. Ihn so zu nennen wie den Salat, in ihrem ach so tollen Kräutergarten, umgeben von Pestiziden, damit ja kein Unkraut ihn berührte! Sie scherzte immer wieder, dass man den Salat immer fein säuberlich putzen musste, genau wie sein langes Haar. Sie fand diesen Vergleich ungemein witzig, aber er als Opfer kam er sich einfach nur... geopfert vor.

„Mein lieber Rapunzel... wenn du mich so frech angrinst, überlege ich mir gerade, ob ich die Naschereien nicht wieder mitnehmen soll?“ Sie war mittlerweile ins Zimmer gestiegen und hielt den Korb mit Essen nach oben, schwenkte ihn demonstrativ vor seiner Nase herum.
„Oh nein, Mo-...Herrin! Bittebitte, lass mir doch etwas Süßes da!“, bettelte er sie mit noch immer demselben Grinsen an. „Ich bin so allein, da werde ich ohne Schokolade noch tiefunglücklich!“
„Was du nicht sagst...“ die Hexe verdrehte die Augen und deutete nach draußen. „Dort singen die Vögel, hier stehe ich und notfalls hast du noch immer den großen Spiegel wenn garnichts mehr hilft. Siehst du? Du bist also keineswegs allein, Rapunzel! Also rede nicht so einen Quatsch daher.“
Manchmal konnte man ihr einfach nicht glauben, dass sie ihren eigenen „Quatsch“ wirklich ernst meinte.
Es war einfach lächerlich.
Sein ganzes bisheriges Leben war lächerlich.
Sie hielt ihn in diesem hohen Turm ohne Türen gefangen, jegliche Gründe waren ihm unbekannt. Nur die Tatsache, dass er zu seiner Vollährigkeit die Freiheit geschenkt bekommen würde. Vorher, sagte sie, werde er sterben wenn er den Turm verlassen würde.
So ganz glauben wollte er ihr das nicht, aber er wollte andererseits auch nichts riskieren. Insbesondere jetzt, wo er es schon so weit geschafft hatte, dass seine Volljährigkeit bald schon vor der Tür stand.
Somit stieg seine Vorfreude von Tag zu Tag immer mehr an – was auch zur Folge hatte, dass sein Gemüt immer genervter und ungeduldiger wurde.
„Herrin... Wie lange dauert es noch bis ich volljährig bin?“
Touché.
Die Alte holte tief Luft und donnerte: „Wie oft willst du mich noch damit nerven?! Es ist bald soweit! Ich treffe schon Vorkehrungen, in der Walpurgisnacht auf der Hexenfeier wird sich auch noch einiges klären...danach bist du ein freier junger Mann, Rapunzel! Frisch und frei für das harte Leben – und denk immer daran, so gut wie hier oben wirst du es niemals wieder in deinem ganzen Leben haben!“ Letztere Worte spie sie giftig aus.
„Ich weiß. Ich würde ja so gerne mit zur Walpurgisnacht gehen! Andere Hexen sehen...“ Dann fügte er noch leise murmelnd hinzu: „...ob die alle auch so streng und kleinkariert sind wie du?“
„Was hast du gesagt?“ Ihre Augen waren zu Schlitzen verengt.
„Garnichts, meine teuerste Herrin und Mutter, die ich so sehr liebe.“ Nicht! „Kann ich das Essen haben? Ich verdaue mich bald schon selbst...“
„Ein verzogenes Balg hab ich hier heranreifen lassen...“ Sie warf den Korb auf sein Bett, stolzierte einmal im Zimmer auf und ab, strich sich die Haare zurück, bevor sie sich umdrehte und ihn grimmig ansah. „Auch wenn du noch so hübsch sein magst, es wird dir nichts nützen, Rapunzel!“
Mit großen Augen starrte er sie an und beobachtete, wie sie sich aufs Fensterbrett klemmte und den langen Zopf wieder herunterkletterte. Diesmal griff sie besonders fest zu, um ihn natürlich wieder für sein Mundwerk büßen zu lassen. Doch er saß gelassen dort und konnte sich das Gelächter fast nicht mehr zurückhalten: „Sie ist eifersüchtig auf mich! Sie findet dass ich hübsch sei?!“ Er strich sich mit übertriebener Gestik das Haar zurück, so wie sie es kurz zuvor gemacht hatte. „Sie hat ja so Recht! Es nützt mir rein garnichts! Doch hat es meine Laune um eine Oktave erhoben!“ Kichernd wie ein kleines Mädchen sprang er nun vom Fenster und stolzierte im Raum umher, posierte anmutig vor dem Spiegel: „Ohhh du bist der Schönste hier! Der schönste Mann der Welt: Adlet!“


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Sooo !
Das hier war fast schon eine Art Prolog, der Adlet als Charakter dermaßen auf den Arm nimmt, und das tut mir echt unglaublich leid... nicht! Wenn er schon solche tollen Haare hat, müssen sie auch eine Rolle spielen! >D
Wer von euch konnte es sich vorher schon denken dass er Rapu ist? xD Tell me!
Im zweiten Teil geht es um... ihr wisst es bestimmt schon! neh? neeeeeeeh? :'D nyanyanyanyanyan Himbeertoast omnom! <3
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