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Amnesie

von HalHal
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Agron Nasir
25.01.2016
28.01.2017
9
21.399
3
Alle Kapitel
8 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
25.01.2016 4.693
 
Die Geschichte ist schon etwas älter. Irgendwie fand ich es schade sie auf dem PC vergammeln zu lassen. Vielleicht gibt es da noch ein paar Nagronfans, die sich daran erfreuen.  FF folt...
~~~

Kapitel 1.

Agrons Körper war Adrenalin getränkt und angespannt. Seine Kiefermuskeln waren gehärtet und seine Zähne pressten sich unruhig aufeinander. Lediglich der Zahnschutz verhinderte, dass sie übereinander knirschten. Sein Gegner ein 2. Dan aus einem Dojo aus Texas nahm vor ihn die Stellung ein. Er war genauso groß wie der Deutsche selbst, jedoch mindestens doppelt so stämmig.

Die vier Ringrichter platzierten sich um sie herum und der Hauptrichter nahm vor ihnen die Stellung ein. „Agron Miller, Aka, Red Dragon Dojo. Jordan Marks, Shiro, Blue bulls Dojo. Begrüßt euch!“, sagte der Hauptrichter laut. Wie gewöhnlich verneigten sich beide Karateka vor den Richtern und voreinander bevor sie an den weißen Markierungen Stellung bezogen.

„Hajime!“, rief Richter und stellte sich an die Seite.

Zeitgleich schnellten sie nach vorn in Kampfstellung. Nur einen Sekundenbruchteil später schnellte sein Gegner nach vorn und setzte einen Mae-Geri Jodan an. Agron wich in letzter Sekunde zurück, jedoch übersah er den Uraken, der nun auf ihn zuraste. Überrascht versuchte Agron sein Gesicht zu schützen jedoch kam die Technik mit brachialer Gewalt durch seinen hastigen Block und erwischte ihn hart am Kiefer.

Mit einem Kiai setzte der Bulle einen Ura-zuki in seine Magengrube nach. Der Deutschte keuchte erschrocken auf und sackte leicht zusammen, da seine Bauchmuskeln nicht vollständig angespannt waren.

Ein Pfiff und ein „Yame!“, unterbrach sie.

Agron keuchte und rieb sich fluchend den Kiefer, während er Blut auf seinen Lippen spürte. Einen Moment lang wurde ihm schummerig vor Augen, als er sich wieder gerade aufrichtete. Er schüttelte sich leicht und richtete seinen Blick wieder nach vorn auf seinen Gegner der zufrieden auf die weißen Flaggen um sie herum sah, welche anzeigten, dass er einen Punkt erzielt hatte.

„Shiro Ippon!“, rief der Hauptkamfrichter.

„Aufstellung! Hajime!“, rief er.

Diesmal war Agron schneller und setzte mit einem Kizami-zuki direkt gegen das Kinn seines Gegners mit einem lauten Kampfschrei. Der Andere war darauf nicht vorbereitet und riss zu spät die Arme hoch, da saß die Technik bereits an seinem Kinn.

Sofort erklangen die Pfeifen der Seitenrichter und gleichzeitig die jubelnden Stimmen seiner Freunde, die den Kampf mit Eifer verfolgten.

Diesmal leuchteten die Flaggen rot und Agron bekam den Ippon.

„Aka, Ippon!“, sagte der Hauptrichter. „Nächster Ippon bringt den Sieg! Aufstellung!“

Wieder nahmen sie die Stellung ein.

Wenn Agron diesen Kampf gewann, stünde seinem Einzug in den World-Cup nichts mehr entgegen.

Sein Herz schlug nun völlig ruhig und seine Muskeln waren Kampfbereit.

„Hajime!“, rief der Richter aus.

Der sichtlich erboste Blue Bull schnellte mit einem Ushiro-geri nach vorn, den Agron im letzten Moment abfing und mit einem Fußfeger den Schwung seines Gegners ausnutze, den er zu Fall brachte. Der massige Körper des anderen konnte sich nicht abfangen und verlor das Gleichgewicht. Rückwärts sank er zu Boden. Sofort schnellte Agron nach unten und setzte einen kräftigen Guaku-Zuki nach, der ihn direkt auf die Brust traf.

Wieder ertönten die Pfeifen der Kampfrichter, zeitgleich rauschten ihre roten Flaggen nach oben.

„Yame!“
„Aka, Ippon! Aka gewinnt!“, rief der Hauptrichter aus.

Agron verneigte sich in Höflichkeit vor seinen Richtern und vor seinem Gegner. Dieser erhob sich grimmig drein blickend und verneigte sich widerwillig.

Wenige Augenblicke später war der erschöpfte und durch geschwitzte Schwarzgurt umzingelt von seinen Dojomitgliedern. Donar, Saxa, Gannicus und Lugo waren die ersten an seiner Seite. Sensei Oenomaus und Nasir folgten der jubelnden Gruppe.

„Du hast es gerockt, Alter!“, jubelte Donar und klopfte dem Deutschen, der es noch nicht ganz fassen konnte, dass er tatsächlich noch den dritten Platz erreicht hatte und somit für sich und ihr Team den Einzug in den World Cup gesichert hatte, der ihn für drei Monate nach Südafrika bringen sollte.

„Herzlichen Glückwunsch, Agron!“, sagte sein Sensei und klopfte ihm stolz auf die Schulter.
Agron grinste ungläubig und sein Blick fiel auf seinen besten Freund der glücklich vor ihm stand und ihn aus braunen Augen unter seinen schwarzen Locken anlächelte, bevor er ihm breit grinsend an sich zog.

„Ich hab dir doch gesagt, du schaffst es!“, murmelte der Jüngere gegen seinen Hals und küsste ihn sanft auf die Wange. Agron grinste breit und lehnte seine Stirn gegen ihn.

„Wir reisen nach Südafrika!“, jubelte Lugo und klopfte ihm kräftig auf die Schulter.

Nach der Siegerehrung war der American Cup des Shotokan Verbandes beendet. Ihr Dojo hatte erstaunlich gut abgeschnitten. Im Kata Einzel konnte sich Mira durchsetzen bei den Frauen. Im Kumite Einzel hatte Saxa glasklar jeden Sieg abgeräumt. Seine blonde Cousine hatte selbst ihn des Öfteren im Training alt aussehen lassen, weshalb er froh war, dass sie bei den Männern nicht antreten durfte. Bei den Männern konnte Gannicus durch seine Kata den ersten Platz abräumen. Im Kumite konnte Agron den dritten Platz abräumen und sein Kumiteteam hatte dank Lugos spektakulären Kampf sogar den zweiten Platz.

Dies feierten sie ausgiebig in ihrer Lieblingsbar, wo sie sich mit Spartacus, Crixus und den anderen trafen.

Spartacus hatte sich bei einem Arbeitsunfall auf der Baustelle den Arm gebrochen, weshalb er Crixus und Gannicus nicht als Team antreten konnten.

Umso mehr freute sich sein älterer Freund für ihn und beglückwünschte ihn herzlich. Als er hörte, dass seine Freundin ebenso nach Südafrika fahren würde, freute er sich zwar einerseits und küsste sie stürmisch, jedoch sah Agron etwas Trauer in seinen Augen, da er Mira dann ein Viertel Jahr nicht zu Gesicht bekommen würde.

Agron ließ die beiden schließlich für sich und sein Blick fiel nachdenklich auf Nasir, der sich soeben mit Naevia unterhielt. Der Jüngere bemerkte ihn nicht und lächelte seine Schwester leicht an, worauf sie schließlich beide in herzliches Gelächter verfielen. Sein Herz zog sich leicht zusammen bei dem Gedanken, dass Nasir ihn ebenso nicht begleiten würde, da er gegen Gannicus bereits in der Vorrunde ausgeschieden war im Kata Einzel.

Der Jüngere hatte noch nicht lange seinen ersten Dan und beherrschte die höheren Katas noch nicht zu gut, daher hatte er keine Chance gegen den dritten Dan. Gannicus konnte sich problemlos mit der Unsu durchsetzen.

Agron selbst hatte bereits seit 4 Jahren den zweiten Dan und würde im Winter seine Prüfung zum dritten Dan antreten. In ihrem Dojo trainierte er den Nachwuchs und vertretungsweise die Jugendgruppe, in der auch sein junger Freund und Duro sein jüngerer Bruder war.

Im Gegensatz zu Nasir hatte Oenemaus ihn noch nicht zur Dan-prüfung zugelassen, weshalb sein jüngerer Bruder bereits seit 2 Wochen das Training gemieden hatte, da er ihren Sensei in seiner Wut respektlos kam und Oenemaus drohte ihm wieder den 1.Kyu ab zu erkennen, wenn er seine Grenzen nicht erkennen würde.

Der Deutsche lächelte leicht, während er den Kleineren heimlich beobachtete. Er schien ein wenig enttäuscht zu sein, dass er so früh ausgeschieden war, doch seine Schwester tätschelte ihn aufmunternd und knuffte ihn leicht.

Dann fiel ihr Blick über ihre Schulter, als Crixus sich von hinten näherte und sie mit einem intimen Kuss begrüßte. Nasir lächelte wehmütig und wandte seinen Blick ab, der Agron einen leichten Stich ins Herz versetzte. Er seufzte leise und schnappte sich sein Drink um sich zu seinem besten Freund zu begeben.

„Ich verstehe noch immer nicht, was deine Schwester an Crixus findet?“, versuchte der Deutsche den Jüngeren in ein lockeres Gespräch zu ziehen, während er ihm sein Glas anbot.
Nasir blickte aus seinen Gedanken gerissen, kopfschüttelnd auf.
„Lass sie doch.“, sagte Nasir und nahm ihn den Cocktail ab um zwei kräftige Züge davon zu trinken.
Agron konnte dabei seinen Blick nicht von seinen Lippen abwenden und schluckte leicht in seiner Erinnerung der letzten Nacht. Das Gefühl seiner weichen Haut gegen seine hatte er deutlich vor seinem inneren Auge.

Unmerklich lehnte er sich gegen ihn, sodass sich ihre Schultern berührten. Deutlich roch er Nasirs Aftershave. Nasir reichte ihm sein Glas zurück, wodurch sich ihre Finger leicht berührten.

Der Jüngere zuckte leicht zusammen, als der Deutsche seine Finger sanft mit seinem Daumen berührte.
„Du warst gut gestern, Kleiner.“, lachte Agron unsicher und strich ihm zärtlich eine Strähne aus den haselnussbraunen Augen.

Nasirs Augenlider flatterten leicht aus Reflex, während sich eine leichte Gänsehaut in seinem Nacken bildete und ein schüchternes Lächeln seine Lippen umspielte.
„Es hat wohl leider nicht ausgereicht.“, seufzte er schließlich selbstkritisch.
„Aber dein Kampf war dafür umso besser.“, sagte er lächelnd und schmiegte sich leicht gegen seinen besten Freund.
„Danke.“, sagte Agron schluckend, während sein Herz ihm bis zum Hals schlug.
„Weißt du schon wer unser Training leiten wird, wenn du in Südafrika bist?“, fragte der 18-Jährige.
„Ach, siehst du das hätte ich fast vergessen. Onemaeus möchte, dass du mich und Gannicus vertrittst, da Spartacus ja ebenfalls verhindert ist.“, sagte er.

Nasir riss leicht die Augen auf. „Ich?“, fragte er ungläubig. Agron lachte leicht und knuffte den Jüngeren leicht. „Warum so überrascht? Du bist den anderen weit im Voraus und Trainingspläne kann ich dir auch geben.“
„Ich fühl mich geehrt, aber wann soll ich dann zum Trainieren kommen?“, fragte er unsicher.
Agron lächelte sanft. „Du kannst beim Kadertraining mitmachen. Ich habe schon mit Onemaeus gesprochen.“, fügte er grinsend an. „Er hält dich für bereit.“

Nasir sah ihn etwas verwirrt an. „Aber ich habe doch gestern völlig versagt.“, murmelte er verständnislos.
„Hey, das will ich nicht hören, hast du gehört kleiner Mann?“, sagte Agron nun ernst und blickte dem Jüngeren tief in die Augen.
„Nenn mich nicht so.“, sagte Nasir trotzig und stupste ihn mit seinem Ellbogen in den Bauch. Agron zuckte leicht zusammen, halb lachend, halb winselnd.

Nasir blickte entschuldigend auf und sah seinem Älteren Freund nachdenklich in die Augen, während er sich wieder leicht an ihn schmiegte.

Agron wusste nicht wie er den Blick des Kleineren deuten sollte. So viel hatte sich in dem letzten Jahr zwischen ihnen geändert.

Er kannte Nasir seit seinem 12. Lebensjahr und seit er und sein jüngerer Bruder gemeinsam in einer Gruppe trainierte. Agron war sechs Jahre älter und hatte ebenfalls mit 18 seinen ersten Dan gemacht. Seither trainierte er neben Gannicus und Spartacus die Jüngeren.

Duro und Nasir freundeten sich an und deshalb verbrachte der Junge bereits viele Abende bei den Brüdern. Mit 16. fand Duro heraus, dass sein Kumpel Männer liebte und berichtete völlig aufgebracht seinem älteren Bruder davon, bis ihm selbst einfiel, dass Agron ebenso noch nie eine Frau mit nach Hause gebracht hatte. Von jenem „traumatischen“ Tag, wie Duro es immer dramatisierte, verlor er kein abfälliges Wort mehr darüber.

Seither hatte sich Agrons Blick auf den introvertierten, schüchternen Jungen völlig gewandelt. Vor einem Jahr hatte der Syrier sein Coming-out vor seinen engeren Freunden, die ebenfalls aus dem Dojo stammten und wenige Tage später vor seinen Eltern. In jener Nacht hatte sich der Kleine völlig betrunken und hatte die Nacht kotzend auf ihrer Couch verbracht. Agron war es der den Jüngeren pflegte, tröstete und jedem noch so absurden Wunsch von den Lippen abgelesen hatte. Seither verband sie eine innige und brüderliche Freundschaft, worauf Duro sehr schnell eifersüchtig wurde.

Er behauptete bereits nach einem Monat, dass sie spätestens in einem halben Jahr übereinander herfallen würden. Jene Wette hatte er jedoch, sehr zu Agrons Bedauern, eindeutig verloren.

Agron bemerkte zunächst nicht wie er Tag für Tag ein Stück Herz an den Jüngeren verlor. Doch Nasir schien nicht mehr als Freundschaft für ihn zu empfinden, wovon er bis vor wenigen Wochen zutiefst überzeugt war.

Als er einen Abend bei dem Jüngeren verbracht hatte, was eigentlich ein DVD Abend unter Freunden werden sollte, waren sie plötzlich nur zu zweit, da Naevia überraschend zu Crixus eingeladen wurde und Mira lieber ihren Abend bei Spartacus verbrachte.

Alles hatte damit begonnen, dass sie in einen Streit über die Popcornschale verfielen und schließlich mit all dem Popcorn über den Boden rollten, dabei noch halb die teuren Vasen Nasirs und Naevias Pflegeeltern umwarfen.

Nasir lag kichern und giggelnd auf ihm, dabei bereits einige Flaschen Bier intus. Der Jüngere hatte ihn dann plötzlich so eigenartig angesehen und verfiel in ein unangenehmes intimes Schweigen. Noch ehe Agron etwas sagen oder tun konnte, hatte der Kleinere ihn aus dem Impuls heraus auf die Lippen geküsst. Agron hatte ihn nur überrascht und völlig verdattert angesehen. Dann, als wäre es das normalste der Welt, hatte Nasir ihn in seiner Trunkenheit zufrieden angelächelt und sich taumelnd erhoben.

Agron bekam den Rest der Nacht keine Auge mehr zu bekommen, da seine Gedanken rasten und ihn wach hielten.

Seither pochte sein Herz wie das eines Teenagers, wenn der Kleine ihn mit seinen verdammten langen Wimpern ansah oder mit seinen weichen Lippen anlächelte. Ihm wurde schmerzhaft bewusst wie sehr er ihn begehrte und weitaus mehr wollte als nur Freundschaft, doch zu jenem Zeitpunkt war der Jüngere noch minderjährig. Geredet hatte er über dieses Ereignis nie mit ihm.

Vor drei Wochen wurde der Teenager schließlich 18 und durfte seine Dan-prüfung genau einen Tag später ablegen.

Erst einen Tag zuvor hatten sie nach Nasirs Niederlage den Abend wieder zu zweit verbracht und ihr ohnehin vertrautes Verhältnis wurde völlig durcheinander gewürfelt, sodass Agron nicht mehr wusste, wo oben und unten war. Während sie Schulter an Schulter nebeneinander ebenfalls, Nasir leicht angetrunken, auf der Couch saßen, rutschte Nasir irgendwann halb in seinen Arm. Agron begann die Nähe zu genießen und kraulte den Kleineren geistesabwesend. Bis er beiläufig seinen Blick auf seinen Schoß senkte, wo der Kopf des Syriers lag, der ihn nachdenklich anstarrte und sich keineswegs auf den Film konzentrierte.

Agron hatte ihn fragend angesehen, bis der Kleinere sanft seine Hand an die stoppelige Wange seines Freundes gelegt hatte und verträumt über sein Kinn strich. Völlig gefangen in dem betäubenden Gefühl hatte er sich in die Berührung gelehnt und genießend die Augen geschlossen. Als er sie wieder öffnete, hatte sich der Dunkelhaarige zu ihm hoch gelehnt und war im Begriff schüchtern seine Wange zu küssen.

Irgendwann saß er plötzlich in seinem Schoß und hatte mit beiden Händen seine Wange ergriffen. Mit verschleierten, neugierigen und gleichzeitig verlangenden Augen hatte er ihn angestarrt und schließlich im Zeitraffer seine Lippen gegen die des Deutschen gepresst.

Der Kuss war unerwartet und süß zugleich. Agron konnte sich schließlich nicht zurück halten und umschlang die Taille des Kleineren und presste ihn sehnsüchtig an sich. Ekstatisch stöhnten sie in den intensiven Kuss hinein und schmiegten sich heißhungrig aneinander, bis schließlich der Schlüssel im Schloss von Agrons Wohnung klapperte und die beiden blitzartig auseinander stoßen ließ.

Völlig verdattert und verwirrt hatten sie einander angestarrt, während ein stirnrunzelnder Duro mit einem Mädchen in Begleitung ins Wohnzimmer taumelte. Die kleine Blonde, die sich mit Chadara vorstellte kicherte mit vom Alkohol geröteten Wangen.
„Oh, wir stören wohl“; hatte sie gemurmelt und ließ sich vom Kopf schüttelnden Duro in sein Zimmer führen.

Nasir verfiel plötzlich in Gelächter und sah den Älteren mit einem seltsamen Gesichtsausdruck an. Agron lächelte nur unsicher und sah den Jüngeren fragend an.
„Ich denke ich sollte dich nach Hause bringen.“, war sein letzter Satz den er an jenem Abend noch herausbrachte.

Im Auto schwiegen sie einander an, scheinbar jeder gleichermaßen verwirrt.
„Danke.“, murmelte Nasir noch und küsste den Älteren zärtlich auf die Wange.

Agron starrte ihm noch fast zehn Minuten völlig durcheinander hinterher, ehe er fluchend seine Stirn gegen das Lenkrad stieß und nach Hause fuhr.

„…“

„Agron?“, fragte Nasir schließlich schüchtern und riss ihn aus den Gedanken.
„Kannst du mich vielleicht wieder nach Hause fahren?“, fragte Nasir schließlich.
Agron sah ihn fragend an. „Was? Fahren? Oh, sicher, tut mir leid, ich war abgelenkt.“, stammelte der Deutsche.

Nachdem sie sich von den anderen verabschiedet hatten, schlenderten sie ruhig aus dem Club zu Agrons kleinem Van.

Die Fahrt war ruhig und die Straßen leer.

Es war beinahe unsinnig an der roten Ampel zu halten, dachte Agron sarkastisch.

„Agron?“, fragte Nasir schließlich  unsicher. „Das gestern, ich… ich habe nachgedacht.“, stammelte unsicher.
Agron fuhr los, da die Ampel nun grün zeigte.
„Hmm?“, war alles, was er aus seiner plötzlich völlig trocknen Kehle hervorbrachte.
„Ich…ich…frage mich, was du denkst.“, sagte er leise und sah den Älteren unsicher an.

Agron bog in die Seitenstraße ein und parkte vor dem kleinen Familienhaus.

Sein Blick wandte sich nun auf seinen jungen Freund, der ihn panisch und traurig anstarrte.
„Fuck…“, seufzte der Jüngere plötzlich und vergrub seine Gesicht an der kühlen Fensterscheibe.

„Tut mir leid, vergiss es bitte.“, raunte er und stürmte plötzlich aus dem Auto, ehe Agron auch nur seine wirren Gedanken und sein pochendes Herz unter einen Hut bringen konnte.

Panisch stürmte er ebenso aus dem Auto.

„Nasir, verdammt, warte doch mal!“, rief er dem Jüngeren hinterher.

„Danke fürs Fahren, komm gut nach Hause, ich ruf dich morgen an wegen des Trainings.“, rief Nasir hastig mit brüchiger Stimme über seine Schulter.

Agron sprintete nun dem Sturkopf hinterher und holte ihn schließlich an der Haustür ein. Ohne Vorwarnung schob er den Kleinen hinein in  das Haus schloss die Tür hinter ihnen und presste  den völlig verdatterten und überraschten Jungen gegen die gegenüberliegende Wand.

Ohne weiter Nachzudenken hob er zärtlich das Kinn des Kleineren und küsste ihn innig. Ein überraschtes Seufzen verließ Nasirs Kehle. Sein Protest erstickte der Deutsche ohne Gnade mit seinen weichen Lippen, die die des Jüngeren sanft auseinander drängten und ihn in einen ekstatischen Kampf verwickelte, die beiden nahezu den Atem raubte. Halt suchend schlangen sich Nasirs Arme um seine Taille und brachte sie beide enger zusammen.

Kurze Zeit später löste sich der Ältere von ihm und lehnte schwer atmend seine Stirn gegen ihn. Mit beiden Händen hielt er Nasirs Wangen fest und sah ihm tief in die unsicheren Augen.
„Ich denke ständig nur an dich.“, wisperte Agron schwer atmend und küsste ihn noch einmal hauchzart mit zittrigem Atem. Dabei spürte der Ältere deutlich den erhöhten Puls seines besten Freundes und die aufsteigende Hitze in seiner Haut.

Nasir brauchte einen Moment um zu realisieren, was soeben geschehen war und starrte den Älteren etwas überrascht an. Nach wenigen Augenblicken jedoch, in denen Agron bereits bezweifelte ob er das Richtige getan hatte, breitete sich ein unsicheres Lächeln auf seinen Lippen aus. Schließlich zog der junge Syrier seinen besten Freund zu sich herunter und nahm seine Lippen erneut ohne Scheu in Besitz.

Agron lächelte von Glücksgefühlen durchströmt in den Kuss hinein und vertiefte seinerseits die gierige Zärtlichkeit. Dabei begannen seine Hände leidenschaftlich über den Rücken des Teenagers zu wandern, auf der Suche nach seiner weichen Haut, die er unter seinem T-shirt fand. Nasir erschauderte deutlich unter der Berührung, was er an seinem leichten Zittern und seiner aufsteigenden Gänsehaut spürte.

Doch auch der Jüngere blieb nicht untätig, während seine Zunge bettelnd Einlass in seinen Mund fand, umschlingend, zärtlich beißend und saugend brachte er den Deutschen um den Verstand.

Dadurch durchbrachen sie endgültig die Grenzen der Freundschaft und begaben sich in ein völlig etwas völlig Neues, einem Spiel aus Verlangen, Leidenschaft und Hitze.

„Sind deine Eltern noch nicht zu Hause?“, artikulierte Agron zwischen ihrem hitzigen Liebesspiel.
„Nein.“, stöhnte der Jüngere und begann hungrig Agrons Hemd zu öffnen, bis er seine muskulöse Brust freilegte, die er nun als neues Objekt der Begierde mit seinen Lippen durchwanderte.

Agron riss den Kopf in den Nacken, dabei immer mehr den Verstand verlierend, durch das berauschende Gefühl, welches Nasir durch seine sanften Berührungen in ihm auslöste. Ein unkontrolliertes Wimmern entwich ihm, als sein Freund ihn auf seinem empfindlichen Narbengewebe direkt über seinem Herzen küsste.

Nasir verweilte einen Augenblick darauf und legte seine warme, vor Nervosität leicht feuchten, Finger direkt über Agrons Herz, welches verzweifelt gegen seinen Brustkorb hämmerte.

Was stellte der Jüngere nur mit ihm an, dachte er verzweifelt.

Seine bebenden Hände suchten Halt in den rabenschwarzen Locken des Jüngeren, der sich genießend in die Berührung lehnte, während Agron mit beiden Händen seinen Blick auf sich zog.

„Wenn wir an dieser Stelle nicht aufhören, ka…kann ich mich gleich nicht mehr zurück halten.“, raunte Agron mit erregter Stimme, dem Teenager dabei tief in die Augen blickend. Zunächst fürchtete der andere, Agron würde ihn ablehnen, doch als der Deutsche ihm seine Erregung spüren lies, verstand er, was er meinte.
„I..ich will nicht, dass du aufhörst.“, wimmerte er verzweifelt und presste seine Lippen hungrig gegen den älteren Mann, während er ihm das lose Hemd von den Schultern streifte.

Die Reste von seinem Zweifel und Zurückhaltung wichen mit jenen Worten, dafür war sein Verlangen inzwischen viel zu groß. Er wollte nur noch Nasir, mit seiner gesamten Seele verzehrte er sich nach ihm. Doch auch sein Körper verlangte begierig nach seinen Berührungen.

Ungeduldig nestelte Nasir an seinem Gürtel, den er irgendwie mit seinen zittrigen Händen öffnete und im Begriff mit seiner Hand in den Bund zu wandern,

Agron löste sich jedoch schwer atmend aus ihrem feuchten Kuss und zog den Syrier mit sanfter Gewalt das T-shirt aus. Dabei verfingen sich Nasirs Hände in dem Stoff, die nun von seinem Freund über seinem Kopf mit einer kräftigen Hand fixiert wurden.

Nasir sah ihn verwirrt und flehend an, doch Agron, dessen Brust sich pumpend hob und senkte, bohrte sich mit seinen grünen Augen nahezu tief in seine Seele, sodass der Kleinere sich nun nackter fühlte als in seinem gesamten Leben zuvor. Dann beugte er sich zu ihm hinunter und wanderte dicht über Nasirs Haut quälend langsam sein Kinn hinauf. Sie berührten sich nicht, doch allein das Gefühl des heißen, feuchten Atems an seiner Kehle, entlockte dem Syrier ein erregtes Winseln.

„Hast du Kondome da?“, hauchte der Ältere dann in sein Ohr und nahm sein Ohrläppchen spielerisch zwischen die Lippen.

„M…mein Zimmer…“, stöhnte Nasir leise.

Mehr Informationen brauchte der Deutsche nicht, befreite den kleineren, jungen Mann aus seiner ungeliebten Fessel, sodass er ihn mit beiden kräftigen Armen umfassen und anheben konnte.

Nasir umschlang erschrocken und reflexartig gleichermaßen mit Armen und Beinen seinen Liebhaber und vergrub beschämt sein heißes Gesicht in Agron Halsbeuge.

Agron taumelte mehr oder minder ungeschickt durch den langen Flur entlang direkt auf Nasirs Zimmer zu. Mit seinem Fuß schubste er die Tür auf und stolperte halb mit dem Jüngeren aufs Bett, der schwerer war, als er anmutete. Beiden entwich ein erschrockenes
Keuchen, als Agron Nasir unter sich begrub.

Nach einem kurzen Augenblick verfielen beide in amüsiertes Gekicher, welches Agron schließlich durch einen quälend innigen Kuss erstickte.

Nun konnte er Nasirs Härte deutlich gegen seine eigene spüren und stöhnte ekstatisch gegen sein Kinn.

„Verdammt du schmeckst so gut…“, keuchte er lächelnd.

Nasir grinste breit und sah ihn glücklich an, während seine Hand unauffällig über Agrons blanken Rücken hinab glitt bis in seine viel zu enge Jeans.

Nun rollte sich der Größere auf die Seite, sodass der Kleinere auf ihm lag. Dann setzte er sich auf, sodass er auf ihm sitzen konnte. Während er schließlich, inzwischen nahezu die Kontrolle verlierend, seine zarte Kehle in Besitz nahem, begann er die Hose seines geliebten Freundes zu öffnen.

Ungeduldig erhob sich der Jüngere aus seiner Liebkosung und entledigte sich hastig aus seiner Jeans. Agron nutzte die Gunst der Stunde um schlüpfte ebenso aus seiner halb geöffneten Hose.

Einen Moment lang hielten sie Inne und betrachteten sich schweigend, als wenn sie sich zum ersten Mal so gesehen hatten. Dieses Mal durfte der Deutsche seinen, kleinen Mann ansehen, ohne seine Blicke verbergen zu müssen. Nasir war genauso gefangen in dem Antlitz des anderen, wie er selbst. Behutsam ergriff der Ältere sein Kinn und sah ihm tief in die braunen Augen.

Er war wunderschön, dachte der Größere und küsste ihn sanft, während er mit ebenso zärtlichen Fingern seine Erregung umfasste und mit sachten Bewegungen den Jüngeren weiter in den Wahnsinn trieb.

„Agron…“, keuchte sein Freund mit rauer Stimme. „ich…ich will dich in mir…“, brachte er voller Mühe hervor.

Agron sah ihn zögernd an, schluckte leicht und nickte schließlich.

„Wo?“, fragte er mit feuchten Lippen gegen seine Kehle.

Nasir löste sich kurz von ihm küsste ihn flüchtig und krabbelte zu seinem Nachtschrank, wo er mit zittrigen Fingern eine Tube Gleitcreme und ein Kondom. Agron schmiegte sich von hinten an ihn und glitt mit seiner Hand sanft über seinen Bauch, während er mit der anderen die Gleitcreme aus Nasirs bibbernden Händen entnahm.

Das Gel fühlte sich kühl an seinen Fingern, ein völliger Kontrast du Nasirs enger, heißer Öffnung. Der Syrier wimmerte kurz auf vor Aufregung und leichtem Schmerz.
Nachdem der Jüngere sich unter seinen sanften Küssen und behutsamen Bewegungen an einen Finger gewöhnt hatte, begann er ihn mit zwei Fingern zu dehnen, bis nur noch wohliges Stöhnen die Kehle des Dunkelhaarigen verließ.

Bald spürte er, dass der Jüngere nahe seinem Höhepunkt war und er selbst allein durch seine Nähe, seine Stimme, seine Haut und seinen Geruch hätte kommen können, zog sich der Deutsche aus ihm zurück und streifte sich hastig das Kondom über seine pulsierende Erregung.

Nasir wandte sich zu ihm und vergrub schüchtern sein Gesicht an seiner breiten Brust. Agron sah ihn verwundert an und hob sachte sein Kinn. Besorgt und voller Zuneigung blickte er den Jüngeren an.
„Hast du Zweifel?“, fragte er heiser und küsste ihn mit bebenden Lippen, hart sein Verlangen zurück haltend.
„Nein…“, wisperte Nasir energisch den Kopf schüttelnd und küsste ihn zittrig zurück.
„Ich…ich liebe dich.“, keuchte er, während Tränen in seine Augen traten. „Du bist der Erste, der mir jemals so nah war…“, fügte er mit unsicherer Stimme hinzu und senkte beschämt seinen Blick.

Agron schluckte hart, während sein Herz sich nicht entscheiden konnte, ob es soeben zerreißen oder überschwellen wollte. Gerührt und besorgt zugleich umfasste er mit beiden Händen sein Gesicht und küsste ihn der Ohnmacht nahe, durch all seine verwirrenden Gefühle und getränkt in Ekstase.
„Ich liebe dich auch.“, erwiderte Agron kaum hörbar.

Nasir riss überrascht die Augen auf, lächelte glücklich in den Kuss und erhob sich über Agrons Schoß, ergriff seine Erregung und ließ sich soweit hinabsinken, dass er ihn fast in sich aufnahm.

„Dann will ich dein sein…“, keuchte er dem Älteren fest in die Augen blickend, während er ihn langsam in sich aufnahm.

Die Gefühle, die ihn bei seinem Höhepunkt durchströmten, übertrafen alles, was Agron jemals in seinem Leben gespürt hatte. Es kam ihm vor wie ein süßer, verbotener Traum. Nichts hätte ihn in diesem Moment glücklicher machen können, als das Gefühl Nasir vereint zu sein, seinen Anblick zu genießen als der Jüngre auf ihm kam.

Nasir brach nur noch erschöpft neben ihm zusammen und rollte sich betäubt von dem Nachbeben seines Orgasmus auf die Seite, schweißgetränkt und schwer atmend. Agron entsorgte rasch das Kondom und bereinigte die Überbleibsel von Nasirs Höhepunkte, ehe er sich an den Jüngeren schmiegte, der inzwischen völlig ausgekühlt war und sich nun Wärme und Nähe suchend an ihn schmiegte. Ein müdes, glückliches Lächeln umspielte seine Lippen, welche willig einen letzten sanften Kuss in Empfang nahmen, bevor er zufrieden stöhnend in Agrons Armen einschlief.

Agron wollte den Jüngeren am liebsten die ganze Nacht beobachten und wagte nicht an den kommenden Tag zu denken, an dem er für drei Monate nach Südafrika gehen würde und den Jüngeren so lange nicht sehen würde. Warum kamen die Dinge immer so, dass sie nie passten?

Bald schlief auch er tief und fest.

*

Beide bemerkten nicht, dass irgendwann mitten in der Nacht Naevia nach Hause kam in Geleit ihres Geliebten. Crixus steuerte schleunigst die Toilette an, da er in der Bar nicht auf die verstopften Klos gehen wollte.

Naevia wunderte sich über das Chaos. Überall lagen Nasirs Sachen herum. Doch dann bemerkte sie, dass unter den Klamotten auch ihr unbekannte Kleidung war. Verwundert faltete sie ein viel zu großes Hemd auseinander, welches eindeutig Agron gehörte.

Verwirrt folgte sie der Kleiderspur bis zu Nasirs Zimmer, dessen Tür weit offen stand. Der Raum war dunkel, doch durch die geöffneten Vorhänge trat helles Mondlicht auf das Bett ihres jüngeren Bruders. Doch zu ihrer Überraschung lag dort ein ineinander verschlungenes Bündel, bestehend aus Agron und ihrem Bruder. Der Jüngere hatte seinen Kopf an seiner Halsbeuge vergraben, während der Ältere seinen Arm um seine Taille geschlungen hatte. Sie runzelte die Stirn und brauchte einen Moment um zu realisieren, was sie dort eigentlich sah. Dann schüttelte sie lächelnd und ungläubig ihren Kopf.

Sie war gerade dabei den Raum zu verlassen, doch dann hielt sie inne, grinste verschmitzt und zückte ihr Handy. Leise schlich sie näher und machte schnell ein Foto von den beiden. Das würde sie dem Jüngeren bei Gelegenheit unter die Nase reiben, dachte sie frech.

Breit grinsend und glücklich für die beiden, schloss sie hinter sich die Tür.
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