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Different Exorcists (half Demon)

von -Mizuki
GeschichteAllgemein / P18 / Gen
24.01.2016
01.10.2019
64
79.074
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01.02.2016 1.294
 
Nachsitzen

Nachsitzen. An unserem ersten Schultag durfte ich nachsitzen. Und warum? Nur weil ich meinen und Akios Namen nicht verraten wollte. Akio stand auf meiner Seite, jedoch konnte ich seine große Klappe zum Schweigen bringen. Also musste ich allein nachsitzen, da ich meine Brüder nicht mit reinziehen wollte.
„Sicher dass du das allein machen möchtest?“, fragte Akio und sah mich dabei an.
„Sicher dass du noch freiwillig bleiben willst?“, stellte ich ihm als Gegenfrage, worauf er den Kopf schüttelte und grinste.
Wenigstens war er ehrlich.
„Gut. Bis später.“, verabschiedete ich mich von Dai und Akio.
„Jo, bis später.“, lächelte Akio und ging mit Daike nach Hause.
Daike war es schließlich, der unseren Namen der jungen Lehrerin verriet. So ein Verräter. Aber ein Verräter, den man einfach lieb haben musste.

Ich starrte nachdenklich auf den Plan und suchte nach der Zimmernummer, den mir meine Lehrerin – Akina Walker war ihr Name -, auf den Plan notiert hatte.
Die Schule war viel zu riesig, um sich überhaupt zurechtzufinden und irgendwie irrte ich eine gute viertel Stunde durch das Gebäude, bis ich ein blondes Mädchen umrannte. Ich sah sie an und half ihr wieder auf die Beine.
„Du gehst doch mit mir in eine Klasse, oder?“, erinnerte ich mich.
„Ja. Ich bin Shiemi. Und du warst Akira, richtig?“
Ich nickte bestätigend.
„Weißt du…, nur weil Akina in unserem Alter ist, solltest du sie nicht unterschätzen. Sonst wäre sie ja hier jetzt gar keine Lehrerin.“, rief sie mir ins Gedächtnis.
„Schon gut. Kannst du mir vielleicht sagen, wo ich dieses verfluchte Zimmer finde, wo ich nachhocken muss?“, bat ich sie um ihre Hilfe.
„Klar.“, lächelte die Blondhaarige und ging voraus. Ich folgte ihr. Sie war echt freundlich. Und das obwohl ich und mein Bruder so vorlaut waren. Trotzdem war sie auch zu mir stets hilfsbereit.
Die Haare von Shiemi gingen fast bis zu ihren Schultern. Sie waren so blond wie meine. Nur waren meine länger und zu zwei Zöpfen gebunden.
„So da wären wir.“, meinte Shiemi, als wir vor einer Tür standen.
Ich nickte ihr zu und bedankte mich bei ihr, ehe ich das Zimmer betrat.

„Hey Akira.“, begrüßte mich die braunhaarige Lehrerin freundlich.
„Hey…“, seufzte ich relativ lustlos.
„Selbst schuld.“, sagte Akina, die kein bisschen Mitleid mit mir hatte.
„Du bist doch genauso alt wie ich. So ungefähr zumindest. Da musst du doch selbst wissen, dass Nachsitzen total scheiße und öde ist.“, grummelte ich.
Akina zuckte darauf nur ihre Schultern. „Du und Akio habt in meinem Unterricht geschlafen.“, rief sie mir ins Gedächtnis, „Außerdem musste ich selbst noch nie nachsitzen.“
„Du meintest in der Geschichte über dich und deiner Vergangenheit…, oder so ähnlich. Das war halt nicht sonderlich spannend.“, erwiderte ich schulterzuckend und kratzte mich am Hinterkopf.
„Wenigstens bist du ehrlich.“, stellte die Braunhaarige fest.
Ich grinste vor mich hin. Aber das verging mir auch gleich wieder, als sie einen Stapel Bücher vor mir auf den Tisch knallte. Eine Weile starrte ich diesen Stapel wortlos an.
„Was zur…?“, mehr fiel mir darauf nicht ein.
„Du wirst einen Vortrag über Dämonen niedriger bis zur hohen Klasse stellen. Natürlich kannst du das eigentlich auch zu Hause tun, aber wenn du jeden Tag zwei Stunden lang, für je zwei Stunden nach dem Unterricht hier bleibst, kannst du mich bei Fragen jederzeit fragen.“, bot sich Akina freundlicherweise an.
„Oh. Das ist aber sehr nett von dir, nur für mich extra Überstunden zu schieben.“, gab ich sarkastisch von mir, „Streberin.“
„Nenn mich nicht so.“, mahnte sie mich, „Wenn dir die Theorie nicht so liegt, wie du sagst, dann eignen wir dir das eben an.“, erwiderte sie schließlich und lächelte freundlich.
Okay. Sie war schon nett, das musste ich zugeben, aber irgendwie war ich trotzdem ziemlich genervt.
Auch wenn ich überhaupt keine Lust hatte, machte ich mich – wie von Akira gewünscht – an die Arbeit.
Lustlos starrte ich die dicken Bücher an und seufzte leicht verzweifelt.

Nach einer Stunde sah Akina, dass ich meinen Kopf auf die Hände stützte und ich nichts mehr weiter tat, als aus dem Fenster zu starren.
Sie lief zu mir hinüber und musterte mich eine Weile. Sie stellte fest, dass ich noch immer nicht reagierte.
„Alles okay mit dir?“, fragte sie und war ein wenig besorgt um mich.
„Ja, alles okay.“, log ich.
„Hm. Okay. Brauchst du vielleicht irgendwas?“, bot sie sich an.
„Vielleicht eine Kleinigkeit zu essen.“
„Und was hättest du gerne?“
„Irgendwas.“, antwortete ich.
Ich sah, dass sie mir zunickte und daraufhin rausging. Sofort suchte ich in der Tasche nach meinen Tabletten, da ich schon wieder merkte, dass diese schon längst überfällig waren. Ich fand sie und entnahm eine aus der Packung. Ich schluckte das Medikament mit einem Schluck Wasser hinunter und steckte die Verpackung wieder in meine Tasche, ehe Akina zurückkam.
„Hier.“ Akina stellte mir einen Teller voller Salat hin, der ziemlich vielversprechend und dementsprechend gut aussah und auch so schmeckte.
Ich bedankte mich, während ich davon aß und arbeitete nebenbei weiter an diesem Vortrag, den ich in zwei Wochen vor der Klasse halten sollte. Darauf hatte ich echt keine Lust, aber ich konnte mir nicht leisten, gleich aus der Schule zu fliegen oder ähnliches. Ich musste einfach schaffen, was ich wollte. Und zwar Exorzistin werden. Auch wenn mir die Theorie nicht so lag, beziehungsweise nicht so viel Spaß machte.
Ich wollte niemanden sagen, was genau ich hatte. Es reichte schon, dass meine Brüder davon wussten, weshalb ich diese Tabletten benötigte.

Endlich waren die zwei Stunden vorbei und ich machte mich sofort auf den Heimweg. Dort liefen mir zwei Jungs entgegen und einer davon lief ohne überhaupt aufzupassen, in mich hinein, sodass ich mit meinem Hintern auf den Boden landete.
„Mensch! Kannst du nicht aufpassen, du Tölpel?!“ Ich war schon genervt genug, dass ich nachsitzen durfte. Dann auch noch dieser weißhaarige Typ, der nicht mal auf seinen Weg schauen konnte.
„Tut mir echt leid. Ich war im Gespräch mit meinem Bruder so vertieft, dass ich nicht auf meinen Weg geachtet habe.“, entschuldigte er sich lächelnd und half mir wieder auf.
Ich klopfte mir den Dreck von der Kleidung und sah ihn an. Dann musterte ich den Bruder des Tölpels, der braunes Haar hatte und war etwas kräftiger gebaut, als der Tölpel.
Der Weißhaarige trug eine ungewöhnliche Narbe über sein linkes Auge. Es sah aus wie ein blitzartiges Muster und das obere Ende, also über seinem Auge, sah die Narbe sternartig aus. Aber es war eine Narbe. Es sah so aus, als wäre sie absichtlich gezogen geworden.
„Wozu denn der Mantel und diese Handschuhe bei dem milden Wetter?“ Es hatte sicher gut zweiundzwanzig Grad. Vor allem war der Braunhaarige auch nicht so warm gekleidet. Zumindest hatte er wenigstens seinen Mantel über die Schulter geworfen.
Tatsächlich zog der Weißhaarige seinen Mantel und auch die Handschuhe aus. Den Blick von seinem linken Arm brachte ich nicht mehr weg. Der Arm war rot, sah irgendwie... ein wenig uneben aus und die Nägel waren schwarz. Sein rechter Arm war dagegen normal, wie bei jedem anderen Menschen eben auch.
„Alle starren mich so an, wenn sie das sehen.“, sagte der Weißhaarige lächelnd.
„Nein, nein.“ So meinte ich dass nicht mal, wie er vermutete und sah ihn in die Augen. „Ich finde das irgendwie bewundernswert und faszinierend.“, gab ich ehrlich zu.
Die Jungs sahen einander an und waren ziemlich überrascht, dass ich das nicht komisch oder gar unheimlich fand. Die meisten Leute reagierten darauf anders.
„Ich mag ungewöhnliche Dinge.“ Und genau das entlockte mir ein sanftes Lächeln. Ohne weiteres lief ich weiter.

Die beiden waren verwirrt. Erst reagierte ich so genervt. Und dann?
„Wir sollten Akina abholen. Das haben wir ihr immerhin versprochen.“, rief der Braunhaarige seinem jüngeren Bruder ins Gedächtnis.
Zustimmend nickte der Weißhaarige und machte sich mit seinem Verwandten auf den Weg zur Schule, wo Akina bereits auf die beiden wartete.
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