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Alles bleibt, wie es nimmer war!

von Phaemonae
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P18 / Gen
Tiranu Yulivee
23.01.2016
15.03.2016
23
53.881
2
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Dieses Kapitel
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18.02.2016 2.125
 
Über 100 Aufrufe! Danke euch! Das kann man am besten mit einem neuen Kapitel feiern, denkt ihr nicht auch?

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Sie erhielten die Erlaubnis den Albenstern im Thronsaal der Königin zu benutzen, um möglichst viel Zeit zu sparen. Die Lichtschlangen wölbten sich empor und wenig später standen die drei Elfen im Rosenturm.
Wortlos führten Morwenna und Tiranu sie in die Kellergewölbe hinab. Dort erreichten sie einen äußerst unspektakulären Lagerraum. Der Fürst trat an einen der vielen Fackelhalter heran und zählte von dort Steine ab. Als er an einem der Steine stehen blieb, trat seine Schwester neben ihn. Dann riefen die beiden Elfen ein Wort der Macht, das Yulivee einen Schauer den Rücken hinabjagte.
Langsam glitt ein Teil der Wand zur Seite und enthüllte einen Durchgang. Die Fürstengeschwister traten hindurch und die Erzmagierin folgte ihnen. Hinter ihr schloss sich der Durchgang und kurz zweifelte sie daran, wie klug diese Entscheidung gewesen war. Vielleicht hatten sie ihr doch nur alles vorgespielt und sannen auf ihren Untergang?
Als sie den Raum erreichte, erstarrte sie. Überall an den Wänden hingen grausige Skizzen von Opferritualen, die teilweise sogar mit Blut gezeichnet schienen. Bevor sie jedoch wieder panisch fliehen konnten, war Tiranu an ihre Seite getreten und stützte sie. Vorsichtig bugsierte er sie zu einem der Stühle.
„Ich neige dazu zu vergessen, wie dies auf andere wirken mag, die nicht von meiner Mutter erzogen wurden“, stand er ihr mit seinen Worten bei.
„Mit so etwas seid ihr aufgewachsen?“, fragte Yulivee abgestoßen.
„Und noch weitaus mehr“, antwortete Morwenna. „Mutter hielt wenig davon uns zu verhätscheln. Und umso mehr davon uns die Angst und die Abscheu zu nehmen.“
„Müssen wir uns hier aufhalten?“, wollte die Erzmagierin wissen.
„Wenn wir Emerelles Befehle befolgen wollen, ja“, enttäuschte Morwennas Antwort sie. „Schließe die Augen, dann musst du es nicht mehr sehen!“
Aber die Bilder hatten sich unauslöschlich in ihren Verstand eingebrannt. Währenddessen hatte Tiranu bereits damit begonnen Dokumente zu sammeln und in Taschen zu verstauen.
„Die Karfunkelsteine stammen aus den Schädeln der großen Himmelsschlangen“, begann der Fürst zu erklären. „Sie besitzen unglaubliche Macht für den Zauberweber, der sie zu nutzen weiß. Größere Macht noch als die der Himmelsschlangen selbst. Man kann mit ihnen viele Dinge erschaffen. Sie sind fast so mächtig wie die Alben selbst, die einst über Albenmark wanderten.“
„Doch äußerlich erscheinen sie wie normale Kiesel“, fuhr Morwenna fort. „Mit Magie sind sie nicht aufzuspüren, eher mit Glück und Wissen. Unsere Mutter besaß drei Karfunkelsteine, zwei davon hatte sie der Schlangenkönigin abgenommen. In ihrer Jugend hatte Emerelle sie mit einer Gruppe Elfen gegen diese Kreatur in den Mangroven bei Vahan Calyd geschickt. Dort, so erzählte sie stets, verstand sie, wie die junge Königin agierte. Dass sie geschickt wurde, weil sie abkömmlich war und womöglich in Zukunft eine Gefahr. Damals entschied sie, dass sie besser vorbereitet sein wollte, als ihre Feindin, wenn Emerelle ihre Meuchler schicken würde.“
Fassungslos betrachtete die Windsängerin die zwei Geschwister. Was sie ihr erzählt hatten konnte nicht sein! Ja, sie hatte manche grausame Entscheidungen der Elfenkönigin miterlebt, aber so etwas? Damit hob sie sich wirklich kaum von Alathaia ab!
„Ihr… das…“, stammelte die Elfe und erhielt mitleidige Blicke der zwei Elfen.
„Unsere Mutter war überzeugt davon, was sie uns erzählt hat“, entgegnete Tiranu mit einem Hauch von Mitgefühl. „Es lässt sich sicher darüber streiten, ob sie wahrhaftig die richtige Entscheidung in ihrem Vorgehen gewählt hat oder ob es auch andere Wege gegeben hätte. Aber sie wollte nicht wie ein hilfloses Lamm zur Schlachtbank geführt werden, sondern Emerelle die Stirn bieten können, wenn sie der Königin zu unbequem oder mächtig wurde.“
„Wir haben noch Zweitschriften ihrer Tagebücher?“, unterbrach Morwenna die Erklärung und ihr Bruder bejahte ihre Frage. Als alles eingepackt war, geleiteten die Geschwister sie vorsichtig aus dem schrecklichen Raum und kehrten mit ihr nach Elfenlicht zurück. Dort überreichten sie dem Haushofmeister Xern die Dokumente für die Königin, der sich auch sofort aufmachte sie ihr zu bringen. Yulivee war unschlüssig, ob sie ebenfalls zu Emerelle gehen oder die Geschwister begleiten sollte. Nach dem Gespräch mit den Geschwistern war sie eigentlich zu aufgewühlt. Letztlich entschied sie sich jedoch ihnen ein wenig Zeit für sich zu geben, dass sie sich voneinander verabschieden konnten. Sie wollte sich gar nicht ausmalen, wie es wäre Tiranu fortziehen zu lassen und selbst zurückzubleiben!

***


„Nein!“, rief die rotblonde, in die Jahre gekommene, Fjordländerin resolut, als sie den Thronsaal der Elfenkönigin betrat. Der Bote mit dem Brief der Königin hatte ihr den Albenstern geöffnet. Der Inhalt hatte ihren Zorn geweckt. Sie würde ihren Geliebten sicherlich nicht nach der Pfeife der Elfenkönigin tanzen lassen!
Gishild hatte sich in all den Jahren sehr an den Zauber der Lamassu gewöhnt, der es ihr ermöglichte zu ‚gehen‘, indem sie ein wenig über den Boden schwebte, ganz so, als besäße sie noch Füße. Dazu benötigte sie nur an beiden Beinen einen metallenen Ring, der den Zauber aufrechterhielt. Diesen Lamassu hatten sie durch eine glückliche Fügung auf der Lichtung des Mauslings getroffen. Vielleicht stimmten die Geschichten ja doch, wenn auch nicht ganz.
Erst jetzt nahm die Menschenfrau auf, wer sich alles mit im Raum befand. Yulivee bedachte sie mit einem leichten, verschmitzten Lächeln, während der düstere Elf an ihrer Seite so aussah, als wollte er irgendjemanden den Hals umdrehen. Emerelles Lippen waren fest zusammengekniffen und die Königin saß auf ihrem Thron. An der rechten Seite ihrer Lehne stand ein weiterer, dunkelhaariger Elf. Dessen Gesichtsausdruck kaum freundlicher war als der, des ihr bekannten Elfen.
„Ich lasse nicht zu, dass Luc ein Spielball deiner Machtspielchen wird und du sein Leben riskierst!“, fuhr Gishild dann fort. „Auch wenn ich gerne wüsste, wie du ihn zurück in unsere alte Welt schicken möchtest!“
„Das ist unwichtig“, entgegnete Emerelle. „Er wird nicht alleine reisen, sondern gemeinsam mit vier Elfen. Um in der Welt der Tjuredkirche zu bestehen, brauchen sie seine Hilfe.“
„Dann soll er sie hier lehren!“, forderte die Menschenkönigin resolut.
„Dazu ist keine Zeit“, wandte Emerelle, betont ruhig, ein.
„Wenn Luc geht, dann komme ich mit!“, bestimmte Gishild. Jetzt wandten sich ihr mehrere abschätzige Blicke zu.
Diesmal antwortete nicht die Königin, sondern Tiranu: „Es wäre langsam an der Zeit deinen kindlichen Trotz abzulegen. Wie willst du mitkommen und erklären, dass du ohne Füße gehen kannst? Oder soll einer meiner Mitreisenden dich tragen und uns noch weitaus mehr behindern, als es schon ein gesundes, gehfähiges Menschenkind tut? Ich werde nicht zulassen, dass ein kleines, unreifes Gör meine Mission verpatzt!“
Zornig und kurzzeitig sprachlos funkelte die Fjordländerin den Elfenfürsten an. Dabei war ihr nicht entgangen, dass Yulivee ihm ihren Ellbogen in die Seite gerammt hatte. Nur hatte der hochmütige Elf sich davon nicht wirklich beeindrucken lassen. So beleidigen lassen musste sie sich nicht! Und hieß das etwa, dass Luc gemeinsam mit dem Sohn Alathaias reisen sollte? Das wäre das Todesurteil für ihren Mann!
Er reist mit?“, fragte Gishild die Königin und deutete auf Tiranu, der sie herablassend anblickte. „Auf gar keinen Fall! Ich will Luc wieder in einem Stück zurückbekommen und mit ihm ist das unmöglich! Sollen deine Elfen sehen, wie sie überleben, sie haben lange genug Krieg gegen die Kirche geführt! Aber Luc haltet ihr dabei heraus!“
Mit diesen Worten verließ sie den Thronsaal und kehrte zu Luc und ihren Pferden zurück. Knapp berichtete sie ihm den Inhalt des Gespräches, aber anstatt gemeinsam mit ihr wieder zurück zu reiten, schüttelte der ehemalige Ordensritter seinen Kopf.
„Wenn sie dorthin reisen, brauchen sie alle Hilfe, die sie bekommen können!“, wandte er beschwichtigend ein. „Ich mag Tiranu auch nicht, aber einen gewissen Punkt hat er. Du kannst nicht mitkommen. Und wir beide sind die Einzigen, die von der Kirche aufgezogen wurden!“
„Jetzt fällst du mir auch noch in den Rücken!“, ereiferte sich Gishild verzweifelt. Sie wollte Luc nicht verlieren, verstand er dies denn nicht? Und ihre Welt hatte sich vermutlich zur Unkenntlichkeit verändert. Diese Mission war ein Selbstmordkommando!
„Rede mit Emerelle“, schlug Luc ruhig vor. „Privat. Von Königin zu Königin. Erkläre ihr deine Ängste und Sorgen. Vielleicht kann sie sie entkräften.“
Gishild überlegte kurz und nickte dann.
„Gut“, wandte sie ein. „Aber nicht sofort. Ich will sie warten lassen! Machen wir einen kleinen Spaziergang!“
Daraufhin übergaben die beiden Menschen die Zügel ihrer Pferde endlich den wartenden Faunen, die die Tiere in die Stallungen führten. Arm in Arm schlenderten die zwei Menschen in den ausschweifenden Palastgarten der Elfenkönigin.

Die Sonne wanderte über den Horizont, als Gishild glaubte ein zauberhaftes Flötenspiel in der Nähe wahrzunehmen. Auch wenn sie es sich nicht eingestehen wollte, ihre Sinne wurden langsam schlechter. Die Fjordländerin glaubte das Stück bereits in ihrer Kindheit gehört zu haben. Als es verstummte und ein glockenhelles Lachen ertönte, bestätigte sich ihr Verdacht. Das klang alles zu sehr nach Yulivee. Sie war eine Vertraute Emerelles und, seltsamerweise, die Geliebte Tiranus. Wie das funktionierte verstand sie bis heute nicht.
Mit der Erzmagierin konnte man normalerweise gut reden. Vielleicht konnte sie ihr ein wenig mehr erklären. Gishild beschloss sich zuerst an die Elfenmagierin zu wenden, bevor sie erneut mit Emerelle sprach und eine endgültige Entscheidung traf.
Als Gishild und Luc eine Hecke umrundeten, erblickte sie die Ermagierin, die zum Boden hin lehnte und sich mit beiden Händen abstützte. Ein leises, fast schon mädchenhaftes, Lachen erfüllte die Luft, bevor Yulivee sich ganz auf den Boden sinken ließ. Ihr Kopf kam auf der Brust einer weiteren Person zu liegen, die sie zuvor fast vollständig verdeckt hatte.
Die Fjordländerin lief, peinlich berührt, hochrot an und zog an Lucs Arm, um so schnell wie möglich Reißaus zu nehmen. Die zweite Person konnte nur Tiranu sein, die dort lässig auf dem Boden lag. Offensichtlich hatten sie jedoch zu viel Lärm für die beiden Elfen gemacht und Yulivee setzte sich auf. Wenig später folgte auch Tiranu ihrem Beispiel nach, der sich jedoch noch ihnen zudrehen musste. Kalt und emotionslos musterte er sie, bevor er sich der Elfe an seiner Seite zuwandte, ihr etwas zuraunte und sich dann erhob. Jedoch nicht, bevor er Yulivee einen flüchtigen Kuss auf die Lippen gehaucht hatte. Dann entfernte er sich von der Szenerie, in Richtung der Burg der Elfenkönigin. Yulivee blickte ihm hinterher, stand aber dabei auf und kam auf sie zu. Als die Erzmagierin sie erreicht hatte, blickte sie Gishild fragend und auch etwas vorwurfsvoll an. Die Menschenfrau konnte es sogar nachvollziehen. Sie würde sicherlich mehr toben, wenn man sie und Luc stören würde, wenn sie allein sein wollten. Aber ihre Beziehung kannte vermutlich auch mehr Leidenschaft, als diese unmögliche Verbindung.

***


Die Elfenjagd war einberufen worden und alle Albenkinder waren dem Ruf gefolgt. Es war lange her, dass die Elfenjagd ausgezogen war.
Emerelle hatte sie ausgeschickt, um mit König Wolkentaucher zu reden und ihn davon zu überzeugen teilzunehmen. Sie hatten die besten Erfolgschancen, behauptete die Elfenkönigin. Der größte Teil in ihnen stimmte Emerelle auch zu. Die Mitglieder der Elfenjagd waren auf Wolkentauchers Hilfe angewiesen, denn es mochte sein, dass sie an schwer zugängliche Orte in der Höhe reisen mussten. Dafür benötigten sie die Hilfe des Schwarzrückenadlers. Oder wenigstens die eines seiner Untergebenen. Von denen wollte der Herr der Lüfte aber, auf jeden Fall, niemanden den Intrigen der Elfenkönigin aussetzen.
Sie selbst besaßen keine Schwingen mehr. Sie hatten auch gezweifelt, ob sie wirklich erneut dem Ruf der Elfenkönigin folgen sollten. Letztlich hatte die mächtige Stimme des Elfen in ihnen gewonnen. Es war nicht einfach gewesen den König der Schwarzrückenadler zu überzeugen, noch dazu, da eine Elfe aus der Brut Alathaias die Elfenjagd anführen sollte. Doch mit genug Argumenten, dass sie so besser darauf achten konnten, dass sie nicht auf den Pfaden ihrer Mutter wandelte, ließ er sich überzeugen. König Wolkentaucher wartete auf einer der Zinnen von Burg Elfenlicht und sie leisteten ihm Gesellschaft. Hier oben gefiel es ihnen weitaus besser, wo sie den Wind an sich zerren lassen konnten. Ihre Augen betrachteten die Umgebung, als ihnen im Garten zwei dunkel gekleidete Elfen ins Auge fielen.
König Wolkentaucher sandte seine Sinne aus, um herauszufinden, was sie im Schilde führten und gab es an ihn weiter. So undurchsichtig konnte es fast nur die verderbte Brut sein.
Gib auf dich Acht, Bruder!, sprach die eine Elfe.
Und du auf dich!, entgegnete der Elf. Dies war, wie erwartet, diese verfluchte Brut der Blutmagierin! Am Ende hast du die schwierigere Mission und wir sind weit vor euch zurück!, fügte er noch aufmunternd an.
Lass dich nicht von Ordensrittern unnötig provozieren!, flehte die Tochter der Verräterin. Der Elf beugte sich zu ihr vor und löste sich dann von ihr.
Nur wenn sie es nicht übertreiben, lenkte der Fürst ein. Aber ich werde versuchen unsere Aufgabe nicht grundlos zu gefährden!
Bitte, kehre zu mir zurück!
, bat die Elfe. Ohne dich… Ihre Stimme brach voller Verzweiflung.
Hättest du noch Yulivee, entgegnete der Sohn Alathaias. Ich werde alles dafür geben, dass sie zurückkehrt!
Die Beiden kehrten wieder in die Burg zurück und ließen den Schwarzrückenadler und den Elfenfürsten verwundert zurück.
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