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Alles bleibt, wie es nimmer war!

von Phaemonae
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P18 / Gen
Tiranu Yulivee
23.01.2016
15.03.2016
23
53.881
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15.02.2016 1.767
 
Tiranu und seine Einheit wurden von feindlichen Truppen eingekesselt. Die Elfenkrieger kämpften tapfer und gut, doch Einer nach dem Anderen erlag der erdrückenden Übermacht. Zuletzt stand nur noch der Fürst selbst aber bald wurde auch er an einer kritischen Stelle getroffen und ging nieder.

Mit einem Schrei erwachte Yulivee. Der Morgen war bereits angebrochen und die Strahlen des ersten Tageslichts hatten ihren Weg durch das Fenster gefunden. Neben ihr regte sich etwas. Mit großer Erleichterung erkannte sie ihren Liebsten und zog ihn vorsichtig an sich.
All dies war nur ein schrecklicher Traum gewesen!
Nach und nach schüttelte auch der Elf den Schlaf ab. Mit Besorgnis bemerkte die Zauberweberin den leicht erschöpften Zug in seinem Gesicht, obwohl er geschlafen hatte. Einige Minuten verharrte er noch in ihren Armen, bevor Tiranu sich langsam aus ihnen löste.
„Wie ist die Schlacht ausgegangen?“, fragte Yulivee.
„Wir haben die Armee zerstreut“, erklärte der Fürst leise. „Aber sie werden sich wieder sammeln, wenn sie ihre Wunden zu Genüge geleckt haben.“
Er erhob sich aus ihrem Lager und gemeinsam mit ihm setzte auch Yulivee sich auf und versuchte ihr Bestes ihm dabei zu helfen sich fertig zu machen und die Kleidung anzulegen. Dies löste eine gewisse Erheiterung beim Fürsten aus. Neugierig musterte die Magierin das alte Schwert.
„Woher hast du es?“, fragte sie.
„Aus der Familiensammlung“, entgegnete der Fürst und nahm es ihr vorsichtig aus der Hand, um es umzuschnallen. Yulivee beneidete ihn darum, so viel von seiner eigenen Familie  zu wissen und auch so viele Erbstücke zu haben. Sie selbst hatte keine Erinnerungen mehr an ihre Eltern, auch wenn Giliath und die anderen Elfen aus Valemas ihr von ihrer Mutter Hildachi, der mächtigen Zauberin und Seherin erzählt hatten, aber das war nicht dasselbe. Ihre einstige Heimat war von den Ordensrittern zerstört worden. Es war zwar fraglich, wie gut es wirklich gewesen war Alathaia als Mutter zu haben und unter ihren dunklen Praktiken aufzuwachsen. Die beiden Nachkommen, die sie kannte, hatte sie auf jeden Fall zu schätzen und, in einem Fall, auch zu lieben gelernt. Und ganz grauenhaft waren ihre Erzählungen nie gewesen. Aber vielleicht hatten sie ihr auch manche Dinge unterschlagen. Das traute sie ihnen durchaus zu.
Rasch legte Yulivee einfache, weite Kleidung aus Valemas an und begleitete Tiranu dann zur Elfenkönigin, um ihren Urteilsspruch zu empfangen. Auf dem Weg flehte sie den Schwertmeister an, auf sich Acht zu geben und erzählte ihm von ihrem Traum.
Nachdenklich lauschte er und riet ihr dann an: „Du solltest vielleicht Emerelle davon berichten. Diese Träume können langsam nicht mehr von normaler Natur sein! Die Anordnung erinnert an die Schlacht deiner Rettung, nur der Ausgang ist verändert. Unsere Gegner haben größtenteils nicht überlebt.“

***


Im Thronsaal angekommen, empfing er sie erfreulich leer. Nur wenige Elfen, außer der Königin, befanden sich im Raum. Wie erwartet, streiften mehrere unwillige Blicke Yulivee, aber auch er zog einen Teil der unerfreulichen Aufmerksamkeit auf sich. Er müsste lügen, sollte er behaupten, dass dies nicht seine Absicht gewesen war. Er selbst war nach all den Jahrhunderten daran gewöhnt, seine Begleitung nicht. Und der Schwertmeister hätte es gerne gesehen, wenn es gar nicht erst soweit gekommen wäre.
Vor dem Thron Emerelles angekommen, verneigten sie beide sich. Er selbst mit weitaus mehr Widerwillen als seine Begleiterin.
Die Königin befahl ihn an ihre und Nachtatems Seite, bevor sie sich an die Magierin wandte: „Du hast den Albenkindern geschadet und der Gegenseite in einer Schlacht beigestanden! Doch hast du dies nur unter Zwang getan. Dies entschuldigt dein Verhalten jedoch nur zu einem kleinen Teil. Ich würde jedoch über keine Untertanen verfügen, könnte ich nicht auch manche Taten verzeihen. Deine Informationen zur Gegenseite waren hilfreich. Ich schenke dir hiermit dein Leben und du erhältst all deine Privilegien an diesem Hof zurück!“
Wie viel diese Ansprache helfen würde, blieb abzuwarten. Aber der Fürst erkannte, dass mehrere Blicke auf ihm ruhten. Es war ein geschickter Zug der Königin gewesen ihn an ihre Seite zu rufen. Damit verlieh sie ihren Worten noch einen äußerst subtilen Nachdruck. Sie hatte bereits eine größere Beteiligung an einer anderen Revolution vergeben, zumindest nach allem, was gemunkelt wurde.
Zwar gefiel es Tiranu nicht, so benutzt zu werden, war jedoch um Yulivees Willen etwas dankbar. Emerelle rief nun auch Yulivee zu sich und befahl die kleine Gruppe dann durch eine Tür in einen der Nebenräume, damit sie sich etwas privater beraten konnten.
Im Raum erwartete sie bereits die Silberschale. Dort folgte die Zauberweberin seinem Rat und berichtete der Elfenkönigin von ihren seltsamen Träumen. Tiranu vermutete, dass irgendjemand sie ihr schickte und fixierte Nachtatem äußerst genau. Der Drache war dazu in der Lage, aber er hatte auch etwas von seinem Bruder berichtet und Yulivee von einem seltsamen goldhaarigen Elfen. Der Elf ahnte, wer dieser Bruder war.
Als die Tür zum Raum aufging und Morwenna eintrat, schwante ihm nichts Gutes.
„Ich weiß, dass ihr beiden Aufzeichnungen eurer Mutter versteckt habt oder wenigstens wisst, wo sie sich befinden!“, begann dann auch die Elfenkönigin unverblümt, sobald die Tür hinter seiner Schwester geschlossen war. „Wir brauchen sie jetzt!“ Seine Schwester trat an seine Seite und blickte Emerelle ebenso verschlossen an, wie er.
„Weshalb?“, fragte die Heilerin.
„Weil wir die Karfunkelsteine brauchen“, eröffnete Emerelle überraschend. „Alle sieben.“
„Wir besaßen nur…“, begann Tiranu und wurde von der Elfenkönigin unterbrochen: „Drei, das ist mir bewusst. Und bei ihnen weiß ich auch wo sie sich befinden. Wir brauchen die restlichen vier Steine.“
„Aber es ist fast unmöglich sie zu finden!“, wandte Morwenna ein.
„Wir haben Anhaltspunkte, wo sie zu finden sein könnten“, erklärte Nachtatem. „Zwei müssen jedoch auf Daia oder in der zerbrochenen Welt gesucht werden. Sie hatte der eberhäuptige Devanthar in seinem Besitz.“
„Und wer soll sich auf diese wahnsinnige Suche begeben?“, fragte der Elfenfürst.
„Ihr drei, gemeinsam mit handverlesenen Gefährten“, erklärte Emerelle. „Morwenna und du werden jeweils eine Gruppe leiten. Einer auf Albenmark, einer in der Menschenwelt. Ich berufe die Elfenjagd ein, die auf Albenmark jagen wird. Und die zweite Gruppe wird im Geheimen nach Daia geschickt.“
„Wie soll die eine Gruppe die Menschenwelt erreichen?“, entgegnete Yulivee verwirrt. Tiranu ahnte es jedoch und nagelte Nachtatem mit seinen Blicken fest.
„Das werden wir noch herausfinden“, entgegnete der Drache ausweichend.
„Wäre es nicht an der Zeit die Wahrheit zu erklären?“, knurrte Tiranu und spürte die Hand seiner Schwester auf der Schulter, ebenso wie eine leise ins Ohr gewisperte Warnung sich zu beherrschen.
„Bitte, ich halte Euch nicht auf, Schwertmeister“, merkte Nachtatem, in der ihm weitaus angenehmeren Anrede, an. Emerelles mahnender und warnender Blick traf ihn. Tiranu beschloss es zu ignorieren, zu sehr hatte sich die Wut angestaut.
„Yulivee, ich stelle dir Nachtatem vor“, erklärte der Elfenfürst etwas gefasster. „Zu seiner ersten Lebzeit auch bekannt als ‚Der Dunkle‘ oder ‚Der Erstgeschlüpfte‘. Der erste Anführer der Himmelsschlangen, die einst den Alben als Statthalter dienten.“
Tiranu hörte noch ein Aufkeuchen von Yulivee, dann wandte sie sich um und verließ lautstark den Raum.

***


Tiranu trafen mehrere Blicke, die ihn regelrecht lobten, wie unglaublich reif sein Verhalten doch gewesen war. Doch für mehr war keine Zeit, da wichtige Dinge besprochen werden mussten.
„Die Gruppe für die Elfenjagd umfasst die Bogenschützin Nomja, den Kentauren Nelios, den Maurwan Vosanyth, Fürst Fenryl, König Wolkentaucher und Dorana, die Wolfsmutter“, zählte die Elfenkönigin auf. „Während wir nach Daia eine kleinere Gruppe schicken. Zu ihnen wird Luc zählen, da er die besten Informationen über die Tjuredkirche besitzt. Außerdem werden Fingayn und Obilee die Gruppe begleiten. Nach Yulivees Bericht über die Träume, möchte ich sie ebenfalls aus dem Bannkreis der Drachen wissen.“
Innerlich fluchte der Elfenfürst. Tiranu wusste genau, wer welche Gruppe anführen würde. Und die Elfenkönigin ließ auch nicht lange mit der Bestätigung auf sich warten: „Du wirst die Elfenjagd anführen, Morwenna. Die Gruppe nach Daia trifft sich nach der Einberufung heute Abend im Kartensaal. Ihr seid entlassen.“
Nach diesen Worten, wandten die beiden Geschwister sich um und verließen den Saal in Richtung Terrasse. Dort hielten sie an der Brüstung inne und seine Schwester fluchte ausgiebig. Er selbst starrte finster in die Dunkelheit.
„Ich lasse es nicht zu, dass sie dich mir nehmen!“, rief die Heilerin kampflustig.
„Morwenna, nein!“, ermahnte ihr Bruder sie und zog sie an sich. „Das ist mein Leben nicht wert. Außerdem hat dieses Gesindel es in all den Jahrhunderten nicht geschafft mich umzubringen!“ Die Abscheu und Verachtung in seiner Stimme war kaum zu überhören.
„Du kommst zurück, sonst beschwöre ich deine Seele persönlich aus dem Seelenhort, um dich dafür zur Rechenschaft zu ziehen, dass du dich hast umbringen lassen!“, drohte seine Schwester und zauberte damit ein schmallippiges Lächeln auf sein Gesicht.
„Dasselbe gilt für dich, Schwester.“, entgegnete der Elf. „Achte gut auf den Goldenen, wenn er es wirklich ist. Er war der engste Berater unserer Mutter.“
„Wer ist der Goldene?“, ertönte eine fordernde Stimme in seinem Rücken und wenig später erschien auch die Sprecherin in seinem Blickfeld.
„Der goldhaarige Elf, der dich in seiner Gewalt hatte“, erklärte Tiranu leise. „Wenn sich meine Befürchtungen bestätigen.“
„Ich werde dich nicht alleine nach Daia gehen lassen!“, eröffnete die Zauberweberin ihm. „Sonst gibt es dort niemanden, der dich kontrolliert. Egal, wie sehr Emerelle sich sträuben mag! Ich werde nicht das Risiko eingehen, dass du dort ein Gemetzel anrichtest!“
Offensichtlich war Yulivee entweder von einem Mitglied seiner Reisegruppe informiert worden oder sie hatte den Schluss selbst gezogen. Bei der Behauptung ihn kontrollieren zu können, hob der Elf abschätzig eine Augenbraue.
„Ich bezweifle, dass du das in die Tat umsetzen könntest“, behauptete Tiranu. „Außerdem haben sie es verdient!“
„Weshalb hasst du sie so sehr?“, fragte Yulivee traurig. „Ja, manche von ihnen haben schlimme Dinge getan, ebenso wie auch du!“
„Sie haben meinen Vater grausam zu Tode gefoltert“, erklärte der Elfenfürst frostig. „Und dafür lasse ich sie bezahlen! Seine Mörder habe ich nie gefunden, einer von ihnen muss ein Begabter gewesen sein. Die Fratze des Grauens auf seinem Gesicht lässt keine Zweifel daran. Außerdem sind sie daran schuld, dass unser Volk immer weiter dezimiert wurde und letztendlich die Albenmark von Daia getrennt wurde.“
„Rache bringt ihn auch nicht wieder zurück!“, bemerkte die Erzmagierin.
„Nein, aber es verschafft mir Genugtuung“, erwiderte Tiranu. „Du wirst nicht lange mit Emerelle diskutieren müssen, auf die Mission mitzukommen. Sie hat bereits entschieden dich mitzuschicken.“
Der Elfenfürst beobachtete, wie in Yulivees Gesichtszügen der Zorn aufloderte, nicht nach ihrer Meinung gefragt zu werden.
Doch anders als erwartet, stürmte sie nicht davon, sondern wandte sich an das Geschwisterpaar: „Ihr erklärt mir jetzt alles, was ich über Karfunkelsteine wissen muss!“
„Nicht hier“, bestimmte Morwenna und bedeutete Yulivee ihr zu folgen. Sie mussten auch noch die Aufzeichnungen ihrer Mutter aus dem Rosenturm holen. In ihrem geheimen Studierzimmer war alles gut genug abgeschottet, um über solche Dinge zu reden.
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