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Alles bleibt, wie es nimmer war!

von Phaemonae
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P18 / Gen
Tiranu Yulivee
23.01.2016
15.03.2016
23
53.881
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14.02.2016 2.026
 
Langsam tauchte die Magierin wieder aus der Dunkelheit auf. Es dauerte etwas, bis die Erinnerungen an die jüngsten Ereignisse wieder präsent wurden. Die zwei Heere tauchten vor ihrem geistigen Auge auf und wie sie aufeinander getroffen waren. Sie hatte die falsche Seite beschützt. Nein, sie hatte sie beschützen müssen. Yulivee lag weich. Sie war nicht mehr auf dem Schlachtfeld. Eine Gruppe Elfen aus dem Heer Emerelles war bis zu ihr vorgedrungen und von da an erinnerte sie sich an nichts mehr. Panisch riss sie die Augen auf.
Neben ihr saß eine wohlbekannte Elfe und lächelte sie an, bevor Yulivee von einer Umarmung umfangen wurde.
„Du bist wieder wach!“, flüsterte Obilee glücklich, kurz bevor sie die Magierin wieder aus ihrer Umarmung entließ.
Sie war auf Burg Elfenlicht, soweit war Yulivee inzwischen bewusst. Die Burg kannte sie in- und auswendig. Sie war nicht mehr bei den Befehlshabern der feindlichen Streitmacht. Das hieß aber auch, dass...
Die Tränen ließen nicht lange auf sich warten und die Magierin versuchte auch gar nicht sie zu unterdrücken. Sofort umschloss ihre Freundin sie wieder und versuchte sie zu trösten, indem sie ihr zuraunte, dass alles jetzt wieder gut war. Aber es war eben nicht alles gut. Er war tot. Er konnte nur tot sein! Yulivee war keiner Worte mehr fähig, zu sehr überrollte der Schmerz des Verlustes sie. Nur am Rande vernahm sie, wie die Tür zu ihrem Zimmer geöffnet wurde. Kurz hob sie den Kopf um zu sehen, wer sie jetzt störte und erstarrte. Die Tränen in ihren Augen, gemeinsam mit ihren Wünschen mussten ihr einen Streich spielen. Angestrengt blinzelte sie die Flüssigkeit aus ihren Augen und wappnete sich gegen den Schlag, der ihre leise Hoffnung zerstören würde.
Doch auch jetzt noch hätte sie den Elfen, der im Rahmen stand und sie besorgt anblickte, überall erkannt.
„Du lebst!“, flüsterte sie leise und richtete sich auf. Diese Worte verursachten einen äußerst verwirrten Gesichtsausdruck auf dem Gesicht des Elfen. In wenigen, schnellen Schritten durchquerte der Angesprochene den Raum und setzte sich vorsichtig an die Bettkante neben sie, bevor auch er sie erleichtert in die Arme schloss.
Ohne dass die Magierin es verhindern konnte, wallten wieder Tränen in ihren Augen auf. Nur diesmal waren es Tränen der Erleichterung. Haltlos schluchzte sie und vergrub ihr Gesicht in der Brust des Elfen. Oder versuchte es zumindest. Die Rüstung die er trug half nicht wirklich dabei. Das Metall, das sie umfing, war kalt und unangenehm.
Nach und nach wurde Yulivee mehr an ihm gewahr. Er roch nach Erde und Blut. All das überlagerte den Geruch nach Waffenfett und den eigenen Geruch ihres Gegenübers. Äußerst ungewöhnlich nahm sie auch die Note von Schweiß wahr. Ganz so, als käme ihr Besucher direkt aus einem Kampf. Sanft löste sie sich aus den Armen des Elfen, der bisher geschwiegen hatte und musterte ihn genauer. Der Argwohn schlich sich langsam in sie ein. War dies wirklich die Person, die der Elf vorgab zu sein?
Ihr erster Blick wanderte zu den Augen. Er hatte ihr einst erklärt, dass man daran am besten jemanden entlarven konnte, der die Gestalt eines Anderen angenommen hatte, weil die Augen die Farbe nicht wechselten. Die Augen waren gewohnt dunkel und allertiefste Besorgnis, aber auch Erleichterung, stand darin geschrieben. Das Haar war zurückgebunden, um den Träger nicht beim Kampf zu behindern oder in der Rüstung gefangen zu werden. Alles vom äußeren Erscheinungsbild stimmte, aber sie hatte ihn dort gesehen! Oder war auch er befreit worden?
„Yulivee...“, sprach er nun endlich leise und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. In der Stimme schwangen viele Fragen, aber auch eine Menge kaum unterdrückter Gefühle mit. „Was ist los?“
„Ich habe dich gesehen!“, erwiderte die Magierin verwirrt. „Du warst... sie haben dich in ihrer Gewalt! Ich... du musst tot sein und ich träumen!“ Leise lachte der Elf, aber die Besorgnis blieb in seinem Gesicht.
„Viele sind der Meinung, dass ich tot sein sollte, das ist wohl wahr“, antwortete Tiranu leise und stolz. „Aber wer sollte mich gefangen genommen haben? Die Gegenseite? Das würden sie sich vielleicht wünschen, mehr nicht.“
„Aber ich habe dich gesehen!“, flüsterte Yulivee.
„Dann weiß ich jedoch nicht, welches Trugbild dir das vorgegaukelt hat“, begann der Elf mit wachsender Hitze in der Stimme. „Ich war die ganze Zeit hier, an der Seite der Königin. An der Spitze ihrer Armee. Stelle dir meine Verwunderung vor, dich auf dem Schlachtfeld zu sehen, wie du die gegnerische Seite beschützt! Die Königin will Antworten! Manche haben sogar dein Leben gefordert! Was hast du dir nur dabei gedacht? Für wie einfältig hältst du mich, dass ich mich einfach so überrumpeln lassen würde?“
„Es ist bereits einmal gelungen...“, begann die Magierin mit wachsendem Unmut.
„Und ich habe daraus gelernt!“, entgegnete der Schwertmeister. „Yulivee, ich bitte dich! Wie konntest du nur glauben, dass ich das war?“  Obilee verdrehte die Augen, ob der Diskussion, die sich schon wieder anbahnte.
„Du warst nicht mehr da!“, erklärte die Magierin. „Niemand war mehr da, als ich zurückgekehrt bin! Und dann kamen sie und sie haben mich dort hingeführt. Zu dir!“ Herablassend schnaubte der Elf.
„Offensichtlich nicht zu mir!“ Weiter kam Tiranu jedoch nicht, da nun eine Gruppe Elfen den Raum betrat, an der Spitze Emerelle selbst. Ausdruckslos musterte die Königin sie.
„Erkläre deine Taten!“, befahl die Elfenkönigin hart. Yulivee musste schlucken und griff unbewusst nach der gepanzerten Hand ihres Geliebten. Dann begann sie zu erzählen, was vorgefallen war, während sie die umstehenden Gesichter musterte.
Am Rand, tief in den Schatten stand ein weiterer dunkelhaariger Elf. Es war der seltsame und unliebsame Besucher, den sie und Tiranu versucht hatten irgendwie loszuwerden. Ihr Geliebter hatte darauf bestanden, sie möglichst aus allem herauszuhalten. Der Elf war ihr immer noch unheimlich mit seinen klaren, blauen Augen und der Neigung sich stets in der Dunkelheit aufzuhalten. Und er strahlte eine Macht aus, die sie nicht greifen konnte. Ganz so wie der Befehlshaber der anderen Streitmacht. Auch er hatte ihr Schauder den Rücken hinabgejagt.
Als Yulivee mit ihrem Bericht abgeschlossen hatte, ließ Emerelle sich noch immer nichts anmerken und Tiranu wirkte irgendwie etwas verletzt, dass sie nicht erkannt hatte, dass der Gefangene nicht er war. Oder dass sie es für möglich gehalten hatte. Vielleicht war es auch eine Mischung aus beidem. Tiranus Stolz war eine sehr heikle Angelegenheit, das wusste sie. Aber wenigstens war sie sich jetzt wirklich äußerst sicher, dass der Elf neben ihr wirklich der war, der er vorgab zu sein. Erschöpft lehnte sie sich an ihren Geliebten und nach wenigen Herzschlägen umfingen seine Arme sie. Die Rüstung war wirklich störend unangenehm. Prüfend bedachte die Königin das Bild vor sich, bevor sie ging. Die Meisten der Elfen folgten ihr. Nur der unheimliche Elf, Fenryl und Obilee blieben, ebenso wie Tiranu. Es war eindeutig, dass der Fürst von Carandamon und ihre Freundin noch einige Fragen mehr hatten, aber dazu hatte sie nach Emerelles Auftritt keine Muße. Wer konnte schon sagen, wie die Königin entschied und wie lange sie noch zu leben hätte, wenn sie gegen sie entschied. Besorgt betrachtete sie Tiranu. Er würde nicht tatenlos dabei zusahen. Egal wie besorgt er sonst um sein Auftreten war, das würde er nicht hinnehmen. Dafür kannte sie ihn zu gut. Er hatte bereits seine Mutter an die Elfenkönigin verloren.
Entschlossen ihre Zeit hier noch in vollen Zügen zu genießen, presste sie ihre Lippen auf die des verruchten Fürsten.
„Du solltest dich ausruhen“, entgegnete dieser, nachdem er sie von ihr gelöst hatte, aber in seinen Augen spiegelte sich derselbe Hunger, den auch sie verspürte.
„Ich glaube das habe ich bereits genug...“, wisperte sie leise und ihre Finger wanderten zum Schwertgurt ihres Geliebten. Jetzt erst bemerkte sie, dass er neben seinem Rapier auch noch ein äußerst alt anmutendes Schwert über der Schulter trug. Sie musste doch erschöpfter sein, als sie zugeben wollte, wenn ihr das nicht aufgefallen war. Zuerst löste sie den Gurt mit dem Rapier und wollte es einfach auf den Boden fallen lassen, als der Elf es ihr aus den Händen nahm und es säuberlich gegen eine Kommode stellte, während Yulivee nun auch das Schwert löste.
Die verbliebenen Zuschauer störten sie nicht, es war unverkennbar, wie unerwünscht sie nun waren. Während die Elfe mit den Verschlüssen der Glockenrüstung kämpfte, hörte sie die Tür, wandte sich aber nicht um. Sanft kamen ihr die kräftigen Finger ihres Liebsten zur Hilfe, bevor er aufstand und ihn ablegte. Wenig später folgte auch der Rest der Vollrüstung.
Die Elfe machte Anstalten ihn zurück auf ihr Bett zu ziehen, aber der Fürst entzog sich ihrem Versuch, ein leichtes Lächeln auf den Lippen.
„Ich komme direkt vom Schlachtfeld“, erklärte er leise. „Ich hatte nicht zu hoffen gewagt dich bei Bewusstsein vorzufinden. Morwenna war nicht begeistert, dass ich meine Wunden nicht ordentlich habe versorgen lassen.“ Dann bewegte er sich in Richtung Badekammer. Jetzt erst wurde sie sich des leicht abgekämpften Zugs im Gesicht Tiranus gewahr. In einer fließenden Bewegung stand sie zögerlich auf und trat neben ihn.
„Ich werde nicht das Risiko eingehen, dass du auf dem Weg zum Bad verloren gehst!“, erklärte Yulivee und hakte sich bei Tiranu unter. Ein Lächeln umspielte seine Lippen, aber er widersprach ihr nicht.
„Dann gehe ich nicht das Risiko ein, dass du aus deinem Bett verschwindest“, entgegnete der Elf leise und führte sie behutsam zum, dem Raum angeschlossenen, Wasserbecken. Rasch legte er seine dreckige Kleidung ab und befreite sein Haar. Dafür brauchte er ebenso lange wie Yulivee für ihre spärliche Kleidung. Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass sie noch nicht ganz erholt war. Seite an Seite stiegen sie in das Wasser und die Elfe küsste ihren Liebsten am Fuße der Treppen. Dann rümpfte sie kurz die Nase. Tiranu hatte Recht, der Geruch des Kampfes haftete ihm definitiv noch an. Umgehend schöpfte sie mit ihren Händen Wasser und entleerte es auf dem Schopf des Fürsten. Dieser tauchte daraufhin unter und zog ihr die Beine unter den Füßen weg. Wenige Momente später umfing ihre Lippen ein hungriger Kuss. Sanft löste Yulivee sich und nahm einen Schwamm zur Hand, mit dem sie langsam begann den wunderschönen, kräftigen Körper ihres Geliebten von den Strapazen des Tages zu säubern und dabei gleichzeitig die verbliebenen Wunden zu heilen. Als er soweit damit zufrieden war, nahm er ihn ihr aus der Hand und begann im Gegenzug sie zu waschen, während eine seiner Hände immer wieder ihre Haut liebkoste und dabei so viel mehr versprach. Und seine Lippen, die immer wieder ihren Nacken berührten, waren eine süße Qual.
Als Tiranu den Schwamm endlich wegwarf und seine beiden Hände ihrem Körper Aufmerksamkeit schenkten, seufzte Yulivee genussvoll auf und begann nun ihrerseits ihrem Fürsten Lust zu schenken. Wenig später fand sie sich am Beckenrand wieder und keuchte auf. Ihr gesamter Körper stand in Flammen. Und diese Flammen wollten gelöscht werden. Und das wurden sie. Die Magierin lag halb auf dem Beckenrand, während ihr Körper und der ihres Geliebten sich in einem ganz eigenen Tanz bewegten. Aber bei diesem einen Tanz blieb es nicht. Was auch immer der Grund war, anstatt sie weiter auszulaugen, gab es ihr mehr Kraft zurück.
Irgendwann saßen die beiden Elfen schwer atmend ineinander verschlungen auf einer der Sitzmöglichkeiten des Wasserbeckens. Es war unbedeutend geworden, was Emerelle entscheiden würde. Das Einzige was zählte war dieser Moment, dessen Glück alles Andere aus den Gedanken fegte.
Nach einiger Zeit erhob der Elfenfürst sich und hob Yulivee sanft hoch. Sie glaubte ihn dabei kurz wanken zu spüren. Langsam trug er sie aus dem Wasser. Dort hauchte er ein Wort der Macht, das den Südwind um ihre Körper spielen ließ, sodass sie trockneten. Dann erst kehrte er in Yulivees Schlafzimmer zurück und setzte sie langsam am Bett ab, sodass sie sich wieder etwas für das Bett anziehen konnte, was sie auch tat. Ebenso wie er. Dann legte er sich längs auf das Bett und stützte sich auf einem Arm ab, während die Zauberweberin unter die Decke kroch und sich an ihren Geliebten schmiegte. Sanft strich er über ihre Wange und dann begann er, zum ersten Mal, für Yulivee, zu singen:

Schattenweber, Träumegeber,
Wandern durch die Nacht,
Schleichen sacht, sacht, sacht...


Friedlich glitt die Windsängerin wieder in den Schlaf. Der Schrecken der letzten Tage geriet in Vergessenheit.



Das Lied stammt wortwörtlich aus den Werken Bernhard Hennens. Ich besitze daran keinerlei Rechte!
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