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Alles bleibt, wie es nimmer war!

von Phaemonae
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P18 / Gen
Tiranu Yulivee
23.01.2016
15.03.2016
23
53.881
2
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06.02.2016 1.548
 
Wir haben deinen Liebsten. Wenn du ihn nicht in Einzelteilen zurückbekommen möchtest, komme morgen nach Sonnenuntergang zum Albenstern vor Feylanviek. Und informiere niemanden oder er stirbt!

Yulivee fiel das Stück Papier aus den kraftlosen Händen. Es war nicht unterschrieben worden. Panisch stolperte sie nach hinten und ließ sich auf die nächstbeste Sitzmöglichkeit fallen. Wie war diese Nachricht hierhergekommen? Das konnte nicht sein! Das durfte nicht sein! Sie musste auf jeden Fall sofort aufbrechen und nachsehen!
Die Magierin machte sich sofort auf den Weg zu Felbion. Hastig zäumte sie den Hengst auf und stieg auf. Kurz überlegte sie, ob sie jemanden benachrichtigen sollte, wohin sie aufbrach, verwarf den Gedanken aber wieder. Zeit war nun essentiell und sie wäre bald wieder zurück.
Am Rosenturm angekommen, wurde sie von einem der Schnitter aufgehalten, die die Eingänge zur Fürstenresidenz bewachten.
„Wo ist Tiranu?“, fragte die Magierin aufgewühlt.
„Er ist bereits heute früh abgereist“, informierte sie die etwas verwunderte Wache. „Nach Elfenlicht.“
Von dort war sie gekommen und dort hatte sie ihn nicht gesehen. Sie befürchtete das Schlimmste. Freundlich bedankte sie sich bei dem Kämpfer und kehrte wieder zu ihrem Reittier zurück. Yulivee öffnete den nächstgelegenen Albenstern, um nach Elfenlicht zurück zu kehren. Zurück ließ sie verwirrte Schnitter, die sich diesen Auftritt nicht erklären konnten.
Vielleicht hatte sie den Fürsten nur knapp verpasst! Als sie aus dem Goldenen Netz herausritt, spürte sie einen kleinen Stich am Hals. Kurz darauf wurde ihr schwarz vor Augen und sie kippte von Felbions Rücken.

***


Seine Diener brachten ihm die Elfe, von der sie ihm erzählt hatten. Noch schlief sie. Beinahe wäre ihr Plan gescheitert, aber glücklicherweise konnten sie noch jemanden schicken, der die Zauberweberin abfing, bevor ihr Lügengerüst einstürzte. Es war eine gute Fügung gewesen, dass der amtierende Fürst von Arkadien sich seiner Sache verschrieben hatte und ihn unterstützte. Somit war es einfach gewesen Tiranu von Langollion dazu zu bringen, zu einem bestimmten Zeitpunkt zu verreisen. Der Krieger wäre auch eine gute Figur dieses seltsamen Falrachspiels auf ihrer Seite gewesen, leider war ihm nur jemand zuvorgekommen, seine Loyalität für sich zu verpflichten. Aber mit der richtigen Motivation ließ sich dies vielleicht noch ändern. Er würde sehen.
Noch hatten sie die Elfe in einem Zelt in Ketten gelegt, gegenüber ihres Faustpfands.
Als er spürte, dass sie langsam aus der Bewusstlosigkeit erwachte, die die Substanz an dem Blasrohrpfeil verursacht hatte, zog er sich aus dem Zelt zurück und beobachtete das Geschehen durch ein kleines Loch in der Außenwand.
Langsam richtete die Zauberweberin sich auf. So viel Macht in einer Elfe hatte er zuvor noch nie gespürt. Sie war wirklich etwas Besonderes. Zwei Wachen standen neben jedem der zwei Gefangenen.
Nach und nach wurde sie sich ihrer Umgebung und der Umstände, in denen sie sich befand, bewusst. Sie wob einen Zauber, der erfolglos an den Fesseln abprallte und sofort unterband eine der Wachen weitere Versuche. Jetzt erst fiel ihr Blick auf die Gestalt am anderen Ende des Raumes. Er hörte, wie sie scharf die Luft einsog und leise einen Namen hauchte.
Der Angesprochene hob seinen Kopf, der nicht mehr gut erkenntlich war, so zugeschwollen war das Gesicht von mehreren Schlägen und Tritten. Der Gefangene ächzte mit jeder Bewegung. An einigen Stellen hatte sich das Gesicht sogar verfärbt und die Haut war an besonders empfindlichen Stellen aufgeplatzt. Das Blut ließ alles nur noch schlimmer wirken. Die Augen konnte der Gefangene nicht mehr als zu kleinen Schlitzen öffnen.
„Yulivee“, keuchte er mit einer kratzigen, rauen Stimme. Der Beobachter merkte, wie die Zauberweberin merklich zusammensackte und er sah Tränen ihre Wangen hinabrollen. Jetzt war es Zeit seinen Vorschlag zu unterbreiten. Er trat in das Zelt hinein und stellte sich zwischen die zwei Elfen.
„Je nachdem, wie du dich entscheidest, erhält dein Freund hier eine Kostprobe unserer ganz speziellen Gastfreundschaft oder wir kümmern uns gut um ihn“, eröffnete er ihr mit einer sanften Stimme, die unzweifelhaft beinhaltete, dass ihm Letzteres natürlich weitaus lieber wäre.
„Was muss ich tun?“, wisperte sie unter tiefer Trauer und Resignation.
„Uns helfen und alles tun, was wir dir sagen“, erklärte der Verschwörer sanft. Seine Aura tat seine Wirkung. Er merkte, wie die kleine Elfe begann Vertrauen zu ihm zu fassen, dass er wirklich nur ihr Bestes wollte.
„Das verspreche ich!“, antwortete sie. „Bitte, verschont ihn und heilt ihn! Ich flehe euch an!“
„Das liegt ganz allein an dir“, erwiderte er. „Aber komm‘, ich erkläre dir alles, was du tun musst. Es ist nicht besonders schwer oder viel.“
Auf sein Zeichen hin lösten die Wachen die Fesseln und augenblicklich wusch eine rohe Macht über sie hinweg, die sie außer Gefecht setzte. Auch ihn erwischte der unerwartete Angriff kalt, doch war er viel zu mächtig für diese kleine Elfe, dass sie ihn zu sehr aus dem Tritt bringen konnte. Bevor sie zu dem Elfen gestürmt war, bellte er ein Wort der Macht und die Elfe erstarrte hilflos. Er gab den Wachen um den anderen Gefangenen herum sein Einverständnis mit einem knappen Nicken und sie zückten einen Stock, mit dem sie mehrfach auf den Gefangenen einprügelten, bis er bewusstlos zusammensackte. Panisch schrie die Zauberweberin auf und er gab das Zeichen das Spektakel zu beenden.
„Nun weißt du, was dein Ungehorsam bedeutet“, warnte er sie. „Ich hoffe nun versuchst du nicht mehr zu fliehen. Solltest du jemanden außerhalb dieses Lagers benachrichtigen wollen, wird die Bestrafung von soeben wie eine Streicheleinheit wirken. Zumindest gegen das, was deinem Freund dann blühen wird.“
Wortlos nickte die Elfe und folgte ihm an der Seite ihrer Wachen nach. Es war immer wieder eine Freude zu sehen, wie einfach man Liebende motivieren konnte.

***


Der Elf blickte kurz zu seinem Begleiter. Sie waren länger unterwegs gewesen, als es eigentlich geplant gewesen war. Glücklicherweise hatte sein Anhängsel dies gut aufgenommen. Innerlich war er zwiegespalten: Einerseits konnte er den unliebsamen Besuch endlich loswerden, andererseits begab er sich nun auf äußerst dünnes Eis und der Ausgang stand in den Sternen. Keinesfalls war es sicher, dass er dies hier überleben würde.
Als sie aufgebrochen waren, hatte sich ihr Zeitfenster etwas verzögert, da es sich als Herausforderung herausgestellt hatte ein Reittier zu finden, das nicht panisch wurde.
In Arkadien angekommen, hatten sich die Schwierigkeiten des Fürsten als unerhebliche Lappalie dargestellt. Eine Zeitverschwendung, die seiner Laune nicht zuträglich gewesen war. Diese Angelegenheit hätte wirklich mehrere Tage warten können. Nur das Verhalten des Fürsten auf seinen Begleiter war ungewöhnlich gewesen. Insgesamt war der Elfenfürst äußerst nervös und aufgekratzt gewesen, auch wenn er versucht hatte sich nichts anmerken zu lassen. Am Ende wirkte es fast so auf Tiranu, dass er ihn nicht mehr früh genug hatte loswerden können.
Kurz vor Burg Elfenlicht vernahm der Krieger ein tiefes Knurren neben sich. Sofort richtete der Elf seinen Blick auf seine Begleitung, dessen Gesichtsausdruck so aussah, als würde er gleich etwas zerreißen wollen. Was bei einem Drachen durchaus nicht gänzlich ungewöhnlich wäre.
„Ich wäre dir sehr verbunden, wenn du dich nicht vor dem Sitz der Elfenkönigin verwandelst und noch mehr Aufruhr verursachst als notwendig“, merkte er trocken an. „Außerdem wäre es um das Pferd schade.“ Nachtatems mörderischer Blick richtete sich auf ihn, aber der Elfenfürst erwiderte ihn ungerührt. Dies war nicht der erste Drache, mit dem er zu tun hatte. Und Nachtatem hielt es nicht für nötig ihm zu erklären, was sein vorheriges Verhalten sollte.

Im Hof von Burg Elfenlicht wurden sie bereits von zwei Bediensteten empfangen, der ihre Reittiere entgegen nahmen und sie dann zur Elfenkönigin führten. Emerelle empfing sie wie gewohnt in ihrem Thronsaal. Der Jahreszeit entsprechend, floss der Wasserfall die Rückwand hinab und alles war in sommerlicher Tracht.
„Was führt dich und deinen Begleiter her?“, eröffnete Emerelle das Gespräch. „Deine Nachricht war in dieser Hinsicht äußerst nichtssagend.“
Tiranu verneigte sich vor der Königin, bevor er antwortete: „Der Wunsch meines Begleiters sich mit dir zu beraten.“
Jetzt erst nahm Emerelle den Elfen an ihrer Seite genauer in Augenschein und zuckte dann zurück.
„Du wagst es…“, polterte sie, bevor sie von Nachtatem unterbrochen wurde: Ich sehe wir müssen uns keinen Illusionen hingeben, Tochter. Den Elfen an meiner Seite trifft keine Schuld, außer die Tatsache, dass er nach Möglichkeiten meines baldigen Ablebens gesucht hat. Der Sänger hat mir erneut einen Körper gegeben, um dich zu treffen. Doch ich fürchte nun, auch deinem Land droht Gefahr. Mein Bruder und ärgster Feind weilt ebenfalls hier. Ich habe seine Macht gespürt, als wir auf deinen Herrschersitz hinzugeritten sind.
Argwöhnisch betrachtete Emerelle Tiranu, was für den Fürsten aber nicht neu war. Nachtatem hatte auch ihn an seinen Worten teilhaben lassen. Es wunderte den Elfen, dass Nachtatem ihn hatte leben lassen, obwohl er wusste, dass er seine Vernichtung plante. Tief in Gedanken trat die Elfe an die Silberschale und blickte hinein. Von Moment zu Moment wirkte sie unglücklicher.
Als sie ihren Blick wieder auf ihn richtete, war ein Gewittersturm noch zahm gegen ihren Gesichtsausdruck. Der Elf erwartete bereits das Schlimmste, ließ sich aber nichts anmerken. Kalt und unnahbar harrte er dessen, was nun kam.
„Ruft Fingayn und alle Elfenfürsten!“, befahl sie. „Bittet auch König Orgrim und König Wengalf um Hilfe! Ein Heer bewegt sich auf das Herzland zu. Die Fürstentümer sollen all ihre kampffähigen Truppen schicken, damit wir ebenfalls ein Heer aufstellen können. Fürst Tiranu von Langollion erhält den Oberbefehl.“
Das war eine überaus überraschende Wendung. Die Königin entließ ihn, damit er seine Schnitter zusammenziehen konnte. Augenblicklich machte der Elf sich auf den Weg.
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