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Alles bleibt, wie es nimmer war!

von Phaemonae
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P18 / Gen
Tiranu Yulivee
23.01.2016
15.03.2016
23
53.881
2
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28.01.2016 1.882
 
Diesen Teil gibt es doch schon recht bald, da ich versehentlich einen großen Abschnitt bereits fälschlicherweise in das vorherige Kapitel mit gepostet hatte. Daher bitte nicht wundern, falls einigen der Anfang bekannt vorkommt!

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Als der Gast in seine Räume gebracht worden war, verfolgten Morwenna und Yulivee den wichtigsten Elfen in ihrem Leben. Jetzt konnte er sich ihnen nicht mehr entziehen und musste ihnen die Antworten liefern, die sie von ihm forderten. Allen voran die Frage, wer das war, auf den sie getroffen waren, brannte der Heilerin auf den Lippen. Ihr Bruder hatte sich noch wortkarger und düsterer gegeben, als sonst. Und sie war entschlossen herauszufinden, wie der Neuankömmling dies geschafft hatte.
In seinem Studierzimmer stellten sie ihn letztlich zur Rede: „Was sollte das? Und wer ist der Besucher?“ Yulivee war gewohnt direkt und ungehalten. Glücklicherweise hatte Tiranu sich jedoch so weit im Griff, dass er den Ton mit einer hochgezogenen Augenbraue konterte.
„Dieser Ausflug war irrelevant für euch“, begann er kühl. „Und der Besucher ist ein entfernter Verwandter, seitens meines Vaters. Weshalb auch meine Schwester ihn nicht kennen dürfte. Er reist viel umher und bat mich, ihn hierher zu geleiten. Mein Verwandter hofft sich hier wieder in die Sitten  der Fürstenhöfe einzugewöhnen, da er ihnen lange fern geblieben ist. Und hier gibt es weniger Adlige, die er mit Fehlverhalten brüskieren kann.“
Wütend schnaubte die Windsängerin ob der Erklärung und auch Morwenna kam sie seltsam vor. Verwandtschaft von Seiten seines Vaters? Es gab sie ihres Wissens, jedoch waren die meisten Elfen dieser Sippe in den Schattenkriegen gefallen. Ebenso wie die Sippe ihres Vaters ausgelöscht war. Nein, diese Ausrede war mehr als nur fadenscheinig.
„Das ist doch Unsinn!“, entgegnete Yulivee. „Wenn du mir nicht genug vertraust die Wahrheit zu sagen, hab‘ wenigstens das Rückgrat mir das zu sagen. Wenn es soweit ist weißt du wo du mich findest!“
Mit diesen Worten wandte sich die Magierin wutentbrannt um und stürmte aus dem Raum. Sie ließ es sich auch nicht nehmen die Tür in die Angeln knallen zu lassen. Bei diesem Geräusch zuckte ihr Bruder kurz zusammen, folgte seiner Gefährtin aber nicht nach.
„Bist du wenigstens zu mir ehrlich?“, fragte Morwenna kühl und versuchte ihren Bruder nieder zu starren. Auch sie war wütend, nur im Gegensatz zu Yulivee beherrschte sie sich besser. Kalte Wut funktionierte bei Tiranu weitaus besser, das hatte sie in all den Jahrhunderten bereits gelernt.
„Es wäre mir lieber auch dich nicht unnötig in Gefahr zu bringen“, begann er ruhig.
„Und mir wäre es lieber die Gefahr zu kennen, als ihr unwissend ausgeliefert zu sein“, schmetterte die Heilerin die Aussage ab. Ihr Bruder lächelte zynisch und bedeutete ihr sich zu setzen, bevor er begann unruhig im Raum hin und her zu laufen. Etwas, das sehr ungewöhnlich für ihn war.
„Du erinnerst dich an die Geschichten über die frühe Geschichte Albenmarks?“, fragte er und Morwenna nickte bestätigend.
„Mutter hat uns viel über diese glorreichen Zeiten erzählt, als Drachen noch über Albenmark herrschten“, entgegnete sie. „Und die Himmelsschlangen bildeten Elfen aus, die ihnen dienten. Die Seele eines dieser Elfen trägst du in dir. Was hat das mit dem Besucher zu tun?“
„Der Besucher ist Nachtatem. Der Erstgeschlüpfte der Himmelsschlangen. Und er ist eigentlich seit mehreren Jahrtausenden tot.“
„Offensichtlich doch nicht. Oder er hält dich zum Narren.“
Ihr Bruder schüttelte nur den Kopf.
„So unwahrscheinlich es auch erscheint, er ist es“, entgegnete er. „Er war der Meister meiner vorherigen Inkarnation und er hat in Gedanken zu mir gesprochen. Ich erkenne ihn. Auch wenn ich ihn liebend gerne wieder in den Seelenhort zurückschicken würde. Doch dies wird nicht einfach. Wir brauchen die Gelegenheit und die passende Waffe dafür. Wenn Yulivee tatsächlich auf Burg Elfenlicht zurückkehrt ist dies ein Segen, dann hat er keinen so leichten Zugriff mehr auf sie. Und du solltest mit ihr mitgehen.“
„Er bedroht uns, damit du ihm dienst“, stellte Morwenna trocken fest. Der finster-wütende Blick ihres Bruders war Antwort genug. „Ich werde dich sicherlich nicht alleine lassen. Was will er überhaupt von dir?“
„In die Sitten und Gebräuche dieser Zeit eingeführt werden. Und vermutlich wird es auch noch in Geschichtsunterricht ausarten.“
„Prinzipiell klingt das nicht schlecht“, begann Morwenna und zog einen vernichtenden Blick auf sich.
„Sollte es dir entfallen sein, so erinnere ich dich daran, dass ein Drache hier, bei unserer Vorgeschichte, wohl äußerst problematisch ist“, merkte ihr Bruder an.
„Wie sollte Emerelle das herausfinden?“, fragte die Heilerin. „Und selbst wenn, wird sie wohl einsehen, dass du keine Wahl hattest. Du kannst sie ja sofort davon unterrichten!“
„Und entgegen den Befehlen unseres Besuchers handeln?“, wandte Tiranu ein. „Nein, ich glaube, dass ich den Drachen in meinem Haus lieber nicht verärgere, bis ich eine bessere Handhabe gegen ihn habe.“ Nun verzog auch Morwenna ihr Gesicht. Ohne zu zögern nahm sie ihren Bruder in die Arme und er ließ es geschehen. Im Gegenteil, er lehnte sich sogar noch in die Umarmung hinein.
„Ich hoffe du verstehst, dass auch du Stillschweigen über den Inhalt unseres Gespräches bewahren musst!“, wies der Fürst seine Schwester an. Morwenna spielte kurz mit dem Gedanken Emerelle zu informieren, aber dann würde der Drache seinen Zorn an ihrem Bruder auslassen. Möglicherweise sogar an ihrem Volk. Und das hatte bereits viel zu viel Leid ertragen müssen. Innerlich verfluchte sie ihre Mutter, die sie in diese prekäre Situation gebracht hatte.

***


Wohin geht Ihr, Schwertmeister?, ertönte die Stimme des Drachen in seinen Gedanken.
„Diese Stunden vergeuden meine Zeit unnötig!“, entgegnete Tiranu. „Suche dir einen anderen Lehrmeister!“
Der Drache und der Elf standen im Studierzimmer des Fürsten und hatten soeben mit der zweiten Lehrstunde begonnen.
„Das werde ich sicher nicht tun“, bestimmte Nachtatem kalt und trat zwischen Tür und Elf. Er verstand die modernen Elfen nicht. Sie waren weniger förmlich und bestanden weniger darauf sich durch Respekt in der Sprache voneinander abzusetzen. Das Duzen war Nachtatem vollkommen zuwider, schließlich war die förmliche Anrede für ihn eine Form des Respekts. Zwar trug dieser Elf die Seele Nodons in sich, aber dennoch wollte er ihm nicht so freiwillig dienen wie sein verstorbener Schwertmeister. Ihr Charakter ähnelte sich sehr. Vielleicht lag es daran, dass dieser Elf als Fürstensohn aufgezogen worden war und seit Jahrhunderten selbstständig herrschte. So etwas veränderte eine Person. Dieses Problem hatte er mit Nodon nicht gehabt. Auch wirkte es für ihn irgendwie, als hatte der Elf vor ihm Schwierigkeiten ihn wegen seiner Art hier zu akzeptieren. In den Gedanken blitzten immer wieder Bilder einer schwarz gewandeten, verschleierten Elfe auf, die ihm nicht unähnlich sah. Ebenso wie mehrere, unscheinbare Steine und Drachen. Auch sah er oft Bilder von Kämpfen, in denen die Albenkinder sich selbst bekriegten. Doch noch hatte er die gesamte Geschichte nicht entwirren können. Das wäre wohl nur noch eine Frage der Zeit.
„Ich gebe Euch… dir“, verbesserte der Dunkle sich, „die Möglichkeit mir zu erklären, weshalb du mich nicht aufnehmen willst. Solltest du dich weiter weigern, werde ich mir diese Information aus deinen Gedanken holen.“
Der Elf bedeutete ihm sich zu setzen und trat an eines der großen Fenster in diesem Raum. Er ließ sich Zeit die Landschaft dahinter zu betrachten, bevor er anhob zu sprechen: „Meine Mutter führte einen Revolutionsversuch gegen die Elfenkönigin Emerelle an. Dazu erweckte sie einige Drachen wieder zum Leben.“
Seine Stimme war kalt, doch beobachtete der Elf ihn sehr genau. Nachtatem unterdrückte den Impuls zornig aufzuspringen und den Elf für den Frevel seiner Mutter zur Rechenschaft zu ziehen. Nun erschloss sich ihm auch der Sinn der Bilder im Kopf des Elfen.
„Ich verstehe“, bemerkte der Dunkle mit kaum beherrschter Wut. „Dennoch entlasse ich dich nicht aus meinen Diensten. Lehre mich und dann führe mich zu Emerelle!“
„Ich bezweifle, dass deine Tochter von deinem Erscheinen begeistert sein wird“, entgegnete der Elf. Ein Bild Emerelles in der Wiege, gemeinsam mit ihrem Bruder erschien in den Gedanken seines Gesprächspartners. Der Drache verstand die unterschwellige Botschaft darin. Sein Gastgeber wusste ganz genau um sein früheres Leben. Dieser Elf würde sich vielleicht noch als Gefahr herausstellen und entfernt werden müssen. Das würde sich noch zeigen.

***


„Ich sage schon lange, dass diesem Elfen die Leber herausgerissen und an die Nestlinge verfüttert gehört!“, versuchte Fenryl sie zu trösten. Yulivee lächelte dabei traurig und schüttelte den Kopf.
„Das hilft mir auch nicht“, begann sie. „Ich brauche eher jemanden, der ihm seinen Sturkopf nimmt. Er ist wirklich weitaus besser, als jeder von ihm denkt!“
„Diesen Satz von dir zu hören!“, ereiferte sich der Fürst. „Was hat er nur mit dir angestellt? Schon alleine für seine Verstrickungen in den Schattenkriegen sollte er den Aasfressern vorgeworfen werden!“
„Ich glaube doch, dass er seine Loyalität mehr als genug unter Beweis gestellt hat!“, verteidigte Yulivee ihren Geliebten. Sie konnte es gar nicht glauben. Eigentlich war sie noch immer zornig auf ihn, aber dass alle ihn so schlecht machten, wollte sie nicht einfach so hinnehmen.
„Wer weiß was er im Schilde führt!“, bemerkte Fenryl. „Er entstammt einer schlechten Brut. So etwas bringt nur Kummer!“
„Und das soll Grund genug sein?“, fragte die Magierin enttäuscht. „Ich kann nicht glauben das von dir zu hören!“ Sie erhob sich und machte sich auf den Rückweg. Da bemerkte sie in den Schatten eine bekannte Gestalt. Rasch eilte sie auf die wartende Elfe zu, die ihr sogar ein sehr leichtes Lächeln schenkte.
„Morwenna!“, begrüßte die Windsängerin die Heilerin.
„Bevor du dir falsche Hoffnungen machst, nein, mein Bruder ist nicht hier, um dich um Verzeihung zu bitten!“, begrüßte sie sie. „Du kennst seinen Sturkopf. Ich teile seine Meinung zwar nicht und finde du solltest wissen, was los ist, trotzdem ehre ich seine Entscheidung, indem ich mich nicht darüber hinwegsetze. Es würde das Vertrauen zwischen uns zerstören.“
Yulivee verließ ein Teil ihrer Freude. Es waren bereits über zwei Monate vergangen, seit sie den merkwürdigen Besucher in den Rosenturm geleitet hatten.
„Seine Laune wird fast täglich schlechter“, eröffnete ihre fast-Schwester ihr.
„Und weshalb kommst du dann zu mir?“, erkundigte sich Yulivee. „Ich bin im Recht.“
„Das bist du“, bestätigte Morwenna. „Aber vertraue mir, in dieser Hinsicht wird er nicht nachgeben. Egal wie sehr es ihm schadet. Ich komme zu dir, um dich zu bitten, zum Fest der Rosen zu kommen. Dort feiern wir alle dreizehn Jahre unseren Bund mit unserem Land. Ebenso wie die Pflanze, der wir einen großen Teil unseres Reichtums verdanken.“
Yulivee war unschlüssig. Morwenna meinte es ehrlich. Doch Tiranus Launen wollte sie auch nicht nachgeben. Ja, sie akzeptierte, dass es Erlebnisse in seiner Vergangenheit gab, an der er sie noch nicht hatte teilhaben lassen. Doch sie hoffte auch, dass er ihr irgendwann soweit vertraute, dass er es tat. Konnte es vielleicht auch in dieser Situation dazu beitragen, sein Vertrauen in sie zu stärken, wenn sie zurückkehrte? Das Gespräch vorhin hatte ihr wieder deutlich vor Augen geführt, wie wenig Vertrauen ihrem Gefährten entgegengebracht wurde. War es da ein Wunder, dass er sich nicht auf andere verließ und oft sogar mit zornigem Trotz darauf reagierte?
„Wann findet das Fest statt?“, fragte sie schließlich. Bisher hatte sie noch nie davon gehört.
„In eineinhalb Monaten. Ich werde dir mit deiner Kleidung und dem Schmuck helfen und am Morgen des ersten Festtages reisen wir dann gemeinsam an.“
Das würde noch dauern. Sie hatten also genug Zeit sich vorzubereiten. Die Magierin freute sich nicht besonders sich extrem förmlich und fürstlich kleiden zu müssen. Vielleicht würde es aber trotzdem schön werden. Die Feste an sich hatten ihr stets gut gefallen.
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