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Alles bleibt, wie es nimmer war!

von Phaemonae
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P18 / Gen
Tiranu Yulivee
23.01.2016
15.03.2016
23
53.881
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10.03.2016 2.763
 
... während er deine letzte Seelenqual einleitet. Nicht vor meiner Ankunft wirst du die natürliche Abgeklärtheit, die Welt zu verlassen, empfinden. Vernehme, wie meine Schwingen die Luft streicheln, vernehme meinen Schrei!



Bereits zwei Tage warteten die fünf Elfen in der Veste. Bisher hatte der Drache sich nicht blicken lassen. Es war jedoch nur noch eine Frage der Zeit, bis er endlich auftauchen würde. Da endlich meldete sich seine Schwester und informierte ihn darüber, dass der Albenstern geöffnet worden war. Auf Tiranus Zeichen hin, setzten die Elfen sich in Bewegung, um sich zwischen den Bäumen auf die Lauer zu legen und zu sehen, wer dort gekommen war.
Sie hatten Glück oder auch Pech, je nachdem, wie man es sehen wollte. Ein riesiges, geschupptes Untier bahnte seinen Weg durch die verwilderten Pfade. Er war deutlich größer als die Drachenform, die Nachtatem für gewöhnlich angenommen hatte. Die Überraschung war ihre beste Waffe. Falls der Drache nicht das magische Netz betrachtete, würde er sie nicht bemerken. Als er auf ihrer Höhe war, stürmten die Elfen vor.
Der Goldene schlug kräftig mit seinen Flügeln und die Elfen wurden von ihren Füßen gerissen. Seine Schwester wob einen Zauber, der das magische Netz um die Schwingen des Drachen legte und sie nutzlos zusammenpresste.
Der Zweitgeborene schlug mit seinem Schwanz und seinen Klauen und vorne schnappte er mit seinem Kiefer nach den Angreifern. Dennoch gelang es Fenryl und Gavalas dem Drachen eine kleine Wunde anzubringen, bevor sie vor einer der natürlichen Waffen des Drachen flüchten mussten.
Jede Wunde war für sie ein Gewinn. Sie hatten die Schwerter mit einem Zauber belegt, der die magischen Fähigkeiten des Drachen mit jedem Treffer schwächte. Die Urgewalt war auch ohne seine Drachenmagie bereits mächtig genug!
Mehrmals spie der Goldene ihnen seinen gleißenden Atem entgegen. Nur dank seiner Schwester hatte noch niemand von ihnen größeren Schaden, als leichte Verbrennungen, erlitten. Sie hatten den Drachen auch bereits mehrfach verwundet.
Wollt ihr alle wirklich hier sterben?, versuchte es der Drache mit einer anderen Strategie. Was ist mit dir, Schwertmeister? Weshalb dienst du meinem Bruder? Was hat er schon für dich getan? Spioniere ihn für mich aus und ich lasse dich und deine Schwester leben!
Das Angebot war verlockend. Die Erinnerung an eine ähnliche Bitte stieg in den Gedanken des Elfen auf. Sein Gegner brüllte vor Zorn auf.
„NODON!“, grollte er laut. „ICH WERDE DEINE SEELE VOLLSTÄNDIG VERNICHTEN, ELF!“
Seine heiße Wut wusch über die Gedanken des Elfenfürsten und versuchte seinen Verstand auszubrennen. Sofort murmelte Tiranu ein Wort der Macht, das den Schmerz etwas linderte und griff an. Damit hatte die Himmelsschlange nicht gerechnet und der Elf traf den Drachen an der linken Seite seines Kopfes.
Vor Schmerz und Zorn brüllte der Drache, doch der Bann war gebrochen. Wie auch immer er versucht hatte seine Mitstreiter zu lähmen, auch sie griffen erneut an. Sie hatten diesmal mehr Erfolg.
Als ihr Gegner sich an einem komplizierteren Zauber versuchte, bemerkte er erst die subtile Hinterhältigkeit ihrer Waffen. Wütend steckte er alles in seiner Umgebung in Brand, das nicht ohnehin schon Feuer gefangen hatte. Tiranu brach durch die Flammen und drang auf das Schuppentier ein. Immer wieder wich er den Klauen und Zähnen, sowie dem dornenbewehrten Schwanz tänzelnd aus. Wie lange ihr Duell nun schon dauerte, wusste er nicht. Anstrengend und kräftezehrend war es allemal.
Der Goldene schien langsam unter den zahlreichen Wunden zu leiden und auch die Magie, die damit aus ihm herausblutete, musste ihn schwächen. Es wirkte so, als würden sie immer mehr die Oberhand gewinnen und diesen Kampf wirklich recht unversehrt, wenn man von mehreren Schnitten und Verbrennungen einmal absah, überleben.
Die Elfen wurden immer kühner und mutiger, etwas, das der Drache vermutlich eingeplant hatte. In einem unbeobachteten Moment, schlug er kräftig mit seinem Schwanz und schleuderte Fenryl und Morwenna durch die Luft. Der Elfenfürst krachte mit dem gesamten Körper gegen einen Baum und seine Schwester überschlug sich mehrmals auf dem Boden. Beide Elfen rührten sich nicht mehr. Den Fürsten von Carandamon umspielte ein helles, weißes Licht und der Leib verschwand.
Gramvoll schrie Tiranu auf und attackierte den Drachen mit heißer Wut.
Deine Mutter wäre enttäuscht, was aus dir geworden ist!, beleidigte der Zweitgeborene ihn. Zornig knurrte der Elf. Sein Gegner lachte dunkel und spie ihm Flammen entgegen. Nur mit einem hastigen Sprung zur Seite konnte er dem Schlimmsten entgehen. Nun musste er selbst Zauber weben, was keineswegs so effektiv war, wie bei seiner Schwester. Bei dem Gedanken zog sich sein Herz schmerzhaft zusammen und Schuldgefühle überrollten ihn. Er hätte Morwenna nicht mitnehmen dürfen!
„Gib‘ Acht!“, vernahm der Elf einen warnenden Ausruf und Gavalas rammte ihn gerade noch rechtzeitig, um ihm aus der Gefahrenzone zu bringen, als die Himmelsschlange nach ihm schnappte. Doch leider schaffte es der Schnitter selbst nicht mehr auszuweichen und wurde somit selbst zum Opfer der starken Kiefer.
Innerlich schalt sich der Schwertmeister, dass er sich so hatte ablenken und provozieren lassen und damit einem guten Krieger das Leben gekostet hatte. Wenn er sie alle rächen wollte, ging dies am besten, indem er diese Bestie erlegte! Gemeinsam mit Leanel griff er an. Die Elfe hatte bereits sehr lange an seiner Seite gekämpft und kannte seine Handzeichen im Schlaf. Sie griff den Drachen frontal an und beschäftigte ihn so gut es ging, während der Elfenfürst einen Zauber um sich herum wob, der ihn verbarg und er sich an den Drachen heranschlich. Seine Kämpferin war äußerst effektiv und geschickt, er hatte gute Arbeit mit ihr geleistet. Sie beschäftigte den Drachen genug, dass er ihn oder seinen Zauber nicht bemerkte. An der Brust des Drachen angekommen, stieß er seine Klinge bis zum Heft in die Brust des Ungetüms. Laut brüllte der Goldene auf.
„Du kommst mit mir!“, fauchte der Geschuppte hasserfüllt und umklammerte den Elfen mit einer Klaue, als dieser sein Schwert aus seinem Herzen zog. Er setzte dazu an noch mehr zu sagen, soweit kam er aber nicht. Zu groß war der Blutverlust. Auch ein Zauber blieb ihm verwehrt. Langsam ging der mächtige Leib zu Boden. Leanel reagierte schnell. Sobald die Klaue kraftlos erschlaffte, zog sie an ihrem Fürsten, um ihn davor zu bewahren unter dem mächtigen Drachenleib zermalmt zu werden. Fast wäre es ihr gelungen, nur die Beine Tiranus waren noch unter dem Hals, als er auf den Boden traf. Schmerzerfüllt schrie der Elf auf, als die Knochen seiner Beine mehrfach nachgaben.
Als seine Kämpferin sich daran machen wollte ihn zu befreien, presste er unter Schmerzen hervor: „Morwenna!“
Sofort verstand sie, was ihr Fürst wollte und eilte zur Seite seiner Schwester.
„Sie lebt, mein Fürst!“, rief die Elfe aufgeregt. „Aber es geht ihr schlecht!“
„Bringe sie zurück!“, keuchte der Elf seinen Befehl. „Rette sie!“
„Und du?“, wandte sie ein.
„Kehre zurück, wenn sie versorgt ist!“, entgegnete Tiranu scharf. „Geh!“
Vorsichtig nahm Leanel die Fürstin auf und trug sie in Richtung Pyramide. Mit schmerzverzerrtem Gesicht erhob der Elfenfürst sein Schwert und hieb auf den Hals des Drachen ein, um ihn zu durchtrennen.

***


Yulivee kochte vor Wut. Wie hatten alle dies vor ihr verheimlichen können! Als sie gestern aus Valemas zurückgekehrt war hatte sie von Emerelle erfahren müssen, dass Fenryl, Morwenna und Tiranu auf Drachenjagd gegangen waren! Nur mit Mühen war es Obilee gelungen sie davon abzuhalten der kleinen Gruppe nachzufolgen. Seitdem wartete die Magierin darauf, dass die Drachentöter zurückkehrten. Tief in ihr war die Angst verwurzelt, dass niemand von ihnen den Weg zurück fand, aber dies durfte sie nicht zulassen. Tiranu behauptete immer großspurig, dass ihn nichts so leicht umbrächte, darauf musste sie einfach vertrauen! Auch wenn der Gegner ein Drache war! Die Königin und Nachtatem standen über die Silberschale gebeugt da. Ihre grimmigen Gesichter waren etwas weicher geworden, offensichtlich hatte sich etwas zu ihrer Zufriedenheit verändert. Vielleicht war der andere Drache tot? Aber wo blieben dann die siegreichen Drachentöter?
Wie, um ihre gedankliche Frage zu beantworten, öffnete sich der Albenstern im Thronsaal und eine Elfe trat hindurch. Sie wirkte betroffen und trug eine leblose Gestalt, mit langen, gewellten schwarzen Haaren, in den Armen. Die Zauberweberin glaubte sie unter den Kämpfern Tiranus gesehen zu haben und die Gestalt in ihren Armen war die Schwester ihres Geliebten!
„Der Drache ist tot“, eröffnete die Elfenkriegerin. „Doch ich erbete Hilfe bei der Heilung Morwennas. Sie schwebt zwischen Leben und Tod. Sie und Fürst Fenryl wurden vom Drachenschwanz getroffen und durch die Luft geschleudert. Der Fürst fand den Weg ins Mondlicht.“
Yulivee war geschockt. Fenryl war fort! Und dass die Elfe nur mit Morwenna gekommen war, musste heißen, dass sie die einzigen Überlebenden waren!
„Nein!“, schrie die Zauberweberin ihren Schmerz in die luftigen Hallen. Tränen wallten in ihren Augen auf. Yulivee wandte sich um und rannte aus dem Raum. Sie wollte die Elfe die schrecklichen Worte nicht aussprechen hören, dass auch Tiranu diesen Kampf nicht überlebt hatte. Wie konnte er es nur wagen sie nun einfach so zu verlassen? Wie konnte er es wagen?
Die Elfe sah alles um sich herum nur noch verschwommen, während sie in den Palastgarten rannte. Als sie an Rosenbüschen vorbeikam, beschleunigte sie ihren Lauf noch weiter. Sie musste weg hier! In den Tiefen des Palastgartens verbarg sie sich unter einer Baumgruppe. Yulivee dachte ihr Herz wollte vor Gram zerspringen, dabei hatte sie sich gefreut so wundervolle Nachrichten überbringen zu können! Und nun hatte sie einen guten, alten Freund und ihren Geliebten am gleichen Tag verloren.

***


Als Leanel in den Jadegarten zurückkehrte, erwartete sie dort ein schauderhaftes Bild. Die ganze Umgebung war von Blut getränkt, vor allem ihr Fürst. Es war fast so, als hätte er ein Blutbad genommen, wie manche es seiner Mutter nachgesagt hatten. Der Hals des Drachen war an zwei Stellen zerhackt worden. Überall lagen kleine Gewebsfetzen herum.
Sie hatte länger gebraucht, als sie es gewünscht hatte, aber die Elfenkönigin hatte sie nicht früher entlassen. Emerelle wollte zuerst einen ausführlichen Bericht des Kampfes haben, es vollständig ignorierend, dass Tiranu schwer verwundet zurückgeblieben war. Hatte sie jemals Zweifel gehegt, dass ihr Fürst der Königin egal war, nun wäre er ausgeräumt. Vielleicht hoffte sie sogar, dass Tiranu seinen Wunden erlag.
Das relativ dünne Halsstück lag etwas von dem Elfen fortgeschoben. Offensichtlich hatte er versucht es von seinen Beinen zu rollen und war gescheitert. Kalter Schweiß stand auf der Stirn des Schwertmeisters und, dank ihrer langjährigen Bekanntschaft und Erfahrung mit ihrem Heerführer, konnte sie den kaum unterdrückten Schmerz in seinen Zügen lesen. Wenn es so weit war, musste es wirklich schlimm um Tiranu stehen.
Sanft trat sie heran und trat an die Fleischscheibe heran. Mit einem kurzen Blick zu ihrem Anführer vergewisserte sie sich, dass er bei Bewusstsein war, dann rollte sie das herausgetrennte Stückchen Hals von den Beinen des Schwertmeisters. Dies rief einen stark unterdrückten Schmerzensschrei hervor und die Atmung des Elfen beschleunigte sich. Ruhig trat sie an die Seite des Elfen und kniete neben ihn nieder, um ihn aufzuheben und zurückzutragen. Sie hatte nie die Heilkünste gemeistert. Das lag ihr nicht, zu sehr war sie dem Schwert verschrieben.
Doch Tiranu wehrte ab. Streng blickte Leanel auf ihn hinab, entschlossen ihn trotzdem hoch zu heben. Die Elfe spürte, wie der entkräftete Fürst einen Zauber wob, bevor er versuchte sich schwerfällig zu erheben. Leise verfluchte die Kriegerin die Sturheit ihres Anführers und ließ es sich nicht nehmen, ihm beim Aufstehen zu helfen. Tiranus Lippen waren fest zusammengepresst und seine Schritte waren holprig und bar jeglicher Eleganz. Er musste sie gerade soweit geheilt haben, dass sie sein Gewicht trugen.
„Du solltest rasten, mein Fürst“, wandte die Elfe besorgt ein.
„Dafür ist später Zeit“, entgegnete Tiranu kühl. „Und ich glaube nicht, dass ich dich dazu ausgebildet habe, meine Befehle zu ignorieren und mich zu umsorgen. Berichte!“
Der Fürst löste sich brüsk von ihr und humpelte weiter, in Richtung Albenstern. Leise begann Leanel ihm zu erzählen, was alles vorgefallen war. Je weiter sie erzählte, desto weniger zufrieden war er, das spürte sie instinktiv. Die Jahrzehnte hatten sie die subtilen Regungen ihres Fürsten gelehrt.
Als sie den Albenstern durchschritten hatten, befahl Tiranu sie an die Seite seiner Schwester. Wohin er wollte, war kaum schwer zu erraten. Leanel war über die Beziehung zwischen ihrem Fürsten und seiner Gefährtin verwundert, niemals hätte sie erwartet, dass Tiranu dazu fähig war. Zu stur und abweisend war er. Und zu sehr hatte er sein Herz verhärtet und seinen Verstand regieren lassen. Er war nie ein Elf gewesen, den sie für die Liebe geschaffen hielt.

***


Leise Schritte, jedoch zu laut für einen Elfen, erklangen im Rücken der Zauberweberin. Yulivee wollte sich aber nicht umdrehen, vielleicht erkannte der Besucher, sicher irgendein Kobold, dann, dass er hier nicht erwünscht war. Er kam jedoch näher und ließ sich schwerfällig neben ihr nieder. Sanft legten sich Hände auf ihre Schultern.
„Es tut mir Leid, aber ich konnte nichts machen“, erklang hinter ihr eine sanfte, samtig-weiche Stimme. „Wir alle kannten das Risiko und haben es in Kauf genommen.“
Ungläubig drehte die Elfe aus Valemas sich um und blickte in das Gesicht Tiranus. Der Elf war äußerst bleich und wirkte abgekämpft und zutiefst müde. War dies eine letzte Geisterscheinung? Zögerlich griff sie nach dem Elfen und erwartete, dass ihre Finger durch die Gestalt neben ihr hindurchglitten. Als sie auf festes Fleisch trafen, warf sie sich an die Brust des knienden Elfen und umarmte ihn fest. Er stöhnte vor Schmerz auf, hielt sie jedoch fest an sich gepresst. Yulivee hörte einen leisen, aber kräftigen und regelmäßigen Herzschlag durch die Leinenrüstung hindurch.
„Wo warst du?“, hauchte die Elfe.
„Halb unter einem Drachenhals“, erwiderte Tiranu leise und trocken. „Ich kann es nicht empfehlen. Zwar ist es warm, aber doch sehr schwer. Zu schwer für Elfenknochen.“ Tränen der Erleichterung rannen Yulivees Wangen hinab, als sie ihren Elfenfürsten fest an sich presste. Die Rüstung störte sie im Moment wenig, zu sehr kreisten ihre Gedanken darum, dass wenigstens ihr Geliebter lebte! Doch dann kroch der Gedanke an Morwenna in ihr Bewusstsein. Tiranu musste zuerst sie gesucht haben, nachdem er zurückgekehrt war, obwohl es um seine Schwester so schlecht gestanden hatte, als sie geflohen war. Langsam löste sie sich aus der Umarmung und stand auf. Mit schmerzverzerrtem Gesicht erhob sich auch der Elf langsam. Jetzt erst bemerkte sie, dass er überall in Blut getränkt war. Besonders seine Hände hatten eine rote Farbe angenommen. Besorgt betrachtete die Zauberweberin ihn und griff nach ihrem Albenstein, bevor sie mit ihren magischen Sinnen nach ihm griff.
Erschrocken zuckte sie zurück. Seine Beine mussten zerschmettert gewesen sein! Die Knochen waren nur sehr notdürftig geflickt und konnten rasch wieder brechen. Dort war kein guter Heilkundiger zugange gewesen. Einige Knochensplitter waren noch nicht an ihrem Platz und befanden sich in den Gelenkshöhlen. Nicht nur hatte er sich zuerst um sie kümmern wollen, nein er hatte sich noch nicht einmal richtig heilen lassen! Dieser halsstarrige Idiot! Wenn sie zu lange warteten, könnte er vielleicht doch Schäden zurückbehalten, etwas, das es zu vermeiden galt. Wenn er nicht mehr kämpfen könnte, wäre er unerträglich!
„Setz dich!“, befahl sie brüsk und drückte den Elfen wieder Richtung Boden.
Behäbig leistete er ihrem Befehl Folge. Als er wieder saß, begann sie langsam, alles wieder an ihren Platz zu setzen. Sobald sie die Knochen so gut zusammengesetzt hatte, dass sie halten würden, unterbrach der Elf die Heilung, indem er die Verbindung brach.
„Das reicht“, entschied er und erhob sich weitaus eleganter und fließender. Eine gewisse Erschöpfung konnte er jedoch nicht verbergen. Vor allem, da sie ihn gerade geheilt hatte.
Er streckte ihr eine Hand entgegen und die Elfe ergriff sie und ließ sich hochhelfen. Gemeinsam gingen sie zu Morwennas Krankenlager.
Die Fürstin war geheilt worden, schlief aber noch. An der Tür erwartete sie die Elfe, die die Heilerin hergebracht hatte. Sie informierte sie darüber, dass mehrere Wirbel gebrochen gewesen waren, ebenso wie zahlreiche Rippen. Auch ihr Gehirnwasser hatte sich etwas gestaut, da ein Teil ihres Schädels gebrochen war und den Abfluss behindert hatte. Sie mussten nun abwarten, bis sie erwachte, um zu sehen, ob sie dauerhaften Schaden erlitten hatte.
Sanft ging der Fürst neben seiner Schwester in die Knie und strich ihr Haare aus dem Gesicht. Tiranu hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn.
„Ich hätte dich nicht mitnehmen dürfen!“, warf er sich leise vor. Zögerlich trat Yulivee näher. Sie mochte die Schwester des Fürsten. Wenn man Morwenna ohne Vorurteilen gegenüber trat, konnte man durchaus Späße mit ihr aushecken. Wie auch ihr Bruder verschloss sie sich vor den Vorurteilen, mit denen sie überall konfrontiert wurde. Nur sie nahm all dies mit mehr Ruhe und weniger Zorn hin, als Tiranu. Sie war die Vernünftigere der Beiden.
Mit der Trauer von Anderen konnte sie nicht so gut umgehen. Trotzdem setzte sie sich neben Tiranu und legte ihm seine Arme um die Schultern. Auch wenn er dies nie laut gestehen würde, er brauchte den Beistand jetzt.
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