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Alles bleibt, wie es nimmer war!

von Phaemonae
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P18 / Gen
Tiranu Yulivee
23.01.2016
15.03.2016
23
53.881
2
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27.01.2016 1.730
 
Verstohlen schlich Yulivee sich durch einen der Dienstbotengänge in den Rosenturm. Nachdem sie durch reinen Zufall erfahren hatte, dass Tiranu einen Ausflug mit einigen seiner Schnitter geplant hatte, war sie neugierig geworden. Vor allem, als auch Morwenna nichts darüber wusste. Gemeinsam hatten sie überlegt, was genau der Fürst im Schilde führte. Dass er es von sich aus preisgeben würde, stand außer Frage. Auch wenn die Fürstin ihr dies nochmals eindringlich erklärt hatte, war sie versucht es erneut zu tun. Morwenna hatte jedoch Recht, ihn darauf anzusprechen war der falsche Weg. Somit hatten die beiden Elfen sich auf die Lauer gelegt und versucht mehr über die geplante Reise zu erfahren. Da diese Mission offensichtlich streng geheim sein sollte, fingierte Yulivee ihre Abreise aus Langollion, da die beiden Elfen sich sicher waren, dass er vorher nicht aufbrechen würde.
Bis es soweit wäre, hatte die Heilerin sich entschieden ihre fast-Schwester in ihren Gemächern zu verstecken. Jeder der Geschwister respektierte größtenteils die Privatsphäre des jeweils Anderen und betrat dessen Zimmer nicht ungefragt. Meistens zumindest.

Wenige Tage nach Yulivees Aufbruch, erschien Morwenna frühzeitig in ihren Gemächern und holte ihr Reisegepäck, sowie dunkle Umhänge heraus. Dann zog sie ein bequemeres Reisegewand an und auch die Windsängerin machte sich rasch fertig. Wenn die drei Elfen durch die Albensterne reisten, sollte es nicht zu schwer sein der kleinen Reisegruppe nachzufolgen.
Ebenso verstohlen wie der Fürst und seine Eskorte, machten sich die zwei Magierinnen auf den Weg. Als sie die Halle, an deren Wand die verschiedensten Waffen hingen, durchquerten, wirkte es irgendwie so, als würde etwas dort nicht ganz stimmen, aber die Elfe konnte nicht den Finger darauf legen, was es war. Somit sprach die Erzmagierin es auch nicht an.

***


Ihr Weg führte sie von Langollion fort, irgendwo in den Teil Arkadiens, der in der Nähe des Meeres lag, das Tanthalia umgab. Sie waren nicht sehr weit von Lavianar entfernt. Was für Geschäfte ihr Bruder hier hatte, wusste Morwenna nicht. Eines war jedoch sicher: Hier stimmte etwas ganz und gar nicht. Es war nicht normal, dass ihr Bruder sie nicht in seine Vorhaben einweihte. Nur wenn er sie vor irgendwelchen –meist eingebildeten- Gefahren schützen wollte, hatte er so seltsames Verhalten an den Tag gelegt.
Ihren Zorn Tiranu gegenüber, hielt die Heilerin fest im Zaum. Sie durfte sich davon nicht beeinträchtigen lassen. Auch ihre Begleiterin wirkte alles andere als glücklich. Wenn sie angekommen waren, würde ihr Bruder sich ihren Fragen stellen müssen und das würde keinesfalls angenehm für ihn werden. Sie war nicht immer nur eine Heilerin gewesen und ebenso wie ihr Bruder auf den dunkleren Pfaden der Magie gewandelt. Und sie war stets begabter als Tiranu gewesen.
Die beiden Frauen achteten stets darauf genug Abstand zu halten. Zu ihrem Glück jedoch, erwarteten die drei Elfen nicht verfolgt zu werden, was es für sie umso einfacher machte. Die Sonne wanderte über den Himmel, während sie das Land durchquerten. Nach einiger Zeit nahm die kleine Gruppe Tempo heraus und es wirkte so, als suche ihr Bruder nach etwas. In der Nähe ragten kleine Bergketten auf und sie waren inzwischen in hügeligem Gebiet angekommen.
Irgendwann schien es so, als hätte Tiranu gefunden, was er gesucht hatte und er ging nun geradewegs auf einen Berg zu. Nach etwa zwei Stunden hielten die drei Elfen und der Fürst gab knappe Anweisungen. Daraufhin suchten alle den Boden ab und Morwenna und Yulivee verbargen sich hinter dem, überall wuchernden, Gestrüpp. Ihrer Begleiterin wurde das ständige Warten langsam überdrüssig, sie wollte Antworten verlangen. Es kostete die Heilerin viel Überzeugungskraft die Windsängerin davon abzuhalten, ihre Tarnung auffliegen zu lassen. Zu ihrer Hilfe kam auch, dass eine der Wachen etwas auf dem Boden gefunden hatte und Bewegung in die kleine Gruppe kam.
Die drei Elfen berieten sich kurz, bevor einer der Kämpfer ein langes Seil herausholte, es sorgfältig an einen nahen Baum knüpfte und dann in die Erde hinabließ. Nach kurzer Diskussion kletterte einer der Schnitter zuerst hinab in das Loch. Wohin es führen sollte, wusste Morwenna nicht. Aber sie war froh, dass die Kämpfer ihres Bruders ihn davon abgehalten hatten, zuerst hinabzusteigen. Der Abstieg wurde durch das, auf den Rücken geschnallte, Schwert, nicht wirklich vereinfacht. Ebenso wenig wie durch die Rapiere an der Seite. Jedoch mussten alle drei Schwertkämpfer sich diesem Problem stellen. Weshalb sie Schwerter mitgenommen hatte, fragte die Heilerin sich bereits den ganzen Weg lang.
Eine Bewegung am Seil signalisierte, dass es dort sicher war und nun ließen sich auch Tiranu und wenig später der zweite Schnitter hinab. Die beiden Verschwörerinnen warteten einige Herzschläge, bevor sie an das Seil herantraten. Ohne sich auf eine Diskussion einzulassen, stieg Morwenna zuerst in die Dunkelheit. Auch wenn drei meisterliche Schwertkämpfer höchst wahrscheinlich alle Gefahren aus dem Weg geräumt hatten, wollte sie die unbedarfte Magierin schützen. Schon allein ihrem Bruder zuliebe.
Die Röcke machten den Abstieg nicht unbedingt leichter, aber letzten Endes kamen beide Elfen unversehrt unten an. Jetzt war nur noch die Frage zu klären, wohin die drei anderen Elfen gegangen waren. Yulivee beschwor eine kleine Lichtquelle herauf und nun konnten sie deutlich Spuren im Staub erkennen, die sie verfolgten. Dieser lag so dicht, dass selbst Elfen nicht umhin kamen ihn zu stören.
Nach einigen Metern öffnete sich der Stollen, der auf keinen Fall natürlichen Ursprungs war, in eine große Höhle, die von einer weiten und tiefen Kluft zweigeteilt wurde. Nur an den Seiten gab es noch Pfade am Felshang. In der Ferne konnten sie eine Struktur erkennen, die womöglich eine Brücke darstellen sollte. Zumindest überspannte sie den Riss. Die Spuren führten in die Richtung der vermeintlichen Brücke. Auch konnten sie nun die kleine Gruppe erkennen, die allesamt Fackeln mit sich trugen. Aus Gründen der Geheimhaltung löschte Yulivee das magische Licht und sie und Morwenna tasteten sich vorsichtig vorwärts.
Auf dem Scheitel der Brücke blieben die drei Elfen stehen und warteten. Worauf, vermochte keiner der beiden Frauen zu sagen. Sie waren bereits wenige Meter vom Fuß der Brücke entfernt, als sich etwas in den Schatten regte. Kurz darauf trat eine elfisch wirkende Gestalt in den Lichtkreis der Fackeln. Es wirkte dennoch so, als würden die Schatten ihr folgen und an ihr haften.
Tiranu richtete sich noch stolzer als zuvor auf, während der Elf näher trat. Er war ebenfalls dunkelhaarig, so wie sie und ihr Bruder. Sein Blick fixierte den Fürsten und nichts geschah, bis Tiranu plötzlich und vollkommen unerwartet in die Knie ging. Sofort reagierten seine Wachen und zogen blank. Aber der Elf fing sich schnell wieder, richtete sich auf und bedeutete den beiden Elfen die Waffen, vorerst, wieder wegzustecken.
Yulivee neben ihr wollte sofort losstürmen, aber Morwenna griff augenblicklich nach ihr und verschloss ihren Mund, damit ihr kein verräterischer Laut entfleuchte.
„Warte!“, hauchte sie ihr leise ins Ohr. „Wir müssen erst herausfinden wer das ist und was das Treffen hier soll!“
Nur sehr langsam gab die Magierin ihre Gegenwehr auf.

***


Der Zorn über seinen fehlenden Gehorsam brannte sich tief in seine Gedanken und veranlasste ihn kurzzeitig in die Knie zu gehen. Tiranu stählte sich jedoch dagegen und richtete sich rasch wieder auf. Auch um seine Begleiter zu schützen. Auf sein Zeichen hin, verschwanden die Klingen wieder in ihren Scheiden. Selbst die Schwerter, die sie mitgenommen hatten, würden nichts gegen diesen Gegner ausrichten können.
Was er hier erwartet hatte, wusste der Fürst selbst nicht, jedoch nicht das Geschöpf, das vor ihm stand.
Es ist mir ernst damit, entgegnete Tiranu. Ich bin bei weitem nicht die geeignetste Person für diese Aufgabe.
Weshalb?
, flammte die zornige Frage in seinen Gedanken auf.
Meine Sippe hat eine negative Vergangenheit mit Drachen in den Köpfen der Albenkinder, erklärte der Elf zögerlich. Dies war nichts, über das er sehr gerne sprach.
Doch Ihr tragt die Seele meines Schwertmeisters. Und nur Euch kann ich vorerst wagen zu vertrauen.
Wenn
, begann Tiranu und zögerte bei der Anrede, die ihm zu förmlich und ungewohnt war, Ihr anderen Albenkindern Gehör schenkt, so würden die Meisten wohl behaupten, dass ich keineswegs vertrauenswürdig bin.
Ihr werdet mir gehorchen, Schwertmeister!
, befahl sein Gegenüber kalt und wütend zugleich. Und mich lehren, was sich verändert hat. Nur so kann ich mein Schicksal erfüllen, das mir gegeben wurde. Solltet Ihr mir nicht gehorchen, werde ich... Der Blick des Dunkelhaarigen ging an der kleinen Gruppe vorbei, in die Nähe des Fußes der Brücke. Ein fast schon grausames Lächeln umspielte die Lippen des ‚Elfen‘. Ein Wort der Macht kroch über dessen Lippen und die Höhle erstrahlte in hellem Licht. Auch Tiranu wandte sich kurz um und erstarrte. Es war unmöglich, dass dort Morwenna und Yulivee standen. Dennoch waren sie es äußerlich unzweifelhaft.
Ihr wollt doch die Sicherheit dieser zwei Elfen gewährleisten, ist dies nicht so?, fragte sein Gegenüber scharf.
Zorn wallte in dem Elfenfürsten auf und seine Hand wanderte instinktiv zu dem Rapier an seiner Seite. Glücklicherweise besann er sich rechtzeitig eines Besseren und ließ die Hand an die Seite fallen. Dennoch ballte er beide Hände zu Fäusten und funkelte seinen Gesprächspartner hasserfüllt an.
„Ich kann nicht glauben, so etwas je gedient zu haben!“, spie er aus. Als Antwort wusch wieder der Zorn Nachtatems über ihn hinweg, diesmal war er jedoch gegen dessen Macht gewappnet. Da der Drache aus seinen Gedanken ohnehin wusste, dass er ihm, vorerst, gehorchen würde, wandte Tiranu sich um. Er bedeutete seinen Begleitern ihm zu folgen. Was der Dunkle tat, war ihm egal. Von ihm aus könnte er schnellstmöglich wieder zurück in den Seelenhort verschwinden, wo er hergekommen war. Wie bei den Alben er die Rückkehr auch bewerkstelligt hatte. Allein war das keinesfalls möglich gewesen. Dies schrie förmlich nach einer Falle!
Am Fuß der Brücke angekommen, fixierte er die beiden wartenden Elfen streng, schnitt ihnen aber mit einer Geste brüsk die Worte ab. Jetzt war nicht die Zeit für solche Gespräche. Sie hatten ihm bereits genug Schwierigkeiten bereitet. Zu seiner großen Überraschung gehorchten sie ihm sogar.

Die Rückkehr zum Rosenturm war von einer drückenden Stille und wortloser Missbilligung geprägt. Ebenso wie von einem seltsamen, neuen Begleiter, der immer wieder die argwöhnischen Blicke aller Elfen, bis auf den Fürsten, auf sich zog. Niemand konnte verstehen, warum er sie begleitete. Und die Schnitter wunderten sich, was der zornige Ausspruch zu bedeuten gehabt hatte. Wem sollte ihr Fürst gedient haben? Und was war besprochen worden? Der Elf musste auf jeden Fall ein mächtiger Zauberweber sein. Außerdem war er in ihren Augen eindeutig eine Gefahr für ihren Herren. Solange Tiranu jedoch keine anderweitigen Anweisungen gab, durften sie keine Hand an ihn legen. Zumindest nicht legal.
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