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Alles bleibt, wie es nimmer war!

von Phaemonae
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P18 / Gen
Tiranu Yulivee
23.01.2016
15.03.2016
23
53.881
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06.03.2016 3.250
 
Dank Morwennas Wirken, war er rasch geheilt. Sie hatte ihn auf ihre Gemächer gebracht und dort die Schussverletzung geheilt. Währenddessen brachten ihr Kobolde etwas von seiner Kleidung. Bevor er sich jedoch dort hineinzwängte, wusch der Elf sich gründlich im angeschlossenen Bad. Es war ein so wundervolles Gefühl wieder sauber zu sein. Seine gut gearbeitete, feine und vor allem maßangefertigte, Kleidung rundete alles noch perfekt ab. Seine geschundene Haut jauchzte förmlich. Als er aus dem Baderaum trat, erwartete ihn dort auch schon Yulivee, neben seiner Schwester. Die Magierin hatte die Gelegenheit ebenfalls genutzt sich zu waschen und umzuziehen. Ihr Haar zierte zwar weiterhin ein breites Stoffband, aber es war sauberer und auch aus einem anderen Stoff. Ihre Kleidung war in kräftigen Gelb- und Orangetönen gehalten und dem Schnitt nach valemischen Ursprungs.
Breit lächelte sie ihn an und zog ihn in einen kurzen, aber leidenschaftlichen Kuss.
„Das Schwarz macht dich noch blasser, als du es ohnehin schon bist“, stellte sie kritisch fest. „Komm‘, die Königin wartet!“
Tiranu reichte der Zauberweberin seinen Arm und sie ergriff ihn wie selbstverständlich. Zwar gab die Magierin nicht das Bild einer Hofdame ab, dennoch sah es, überraschenderweise, nicht seltsam aus. Es passte zu der stolzen und wilden Elfe.
Im Thronsaal angekommen warteten bereits alle auf sie. Sie waren nicht die Einzigen, die die Zeit genutzt hatten sich frisch zu machen.
Emerelle hatte auf ihrem Thron Platz genommen und Nachtatem stand an der Lehne zu ihrer linken Seite.
„Hattet ihr Erfolg?“, fragte die Königin nach.
„Ja“, antwortete Tiranu und Fingayn trat vor und überreichte Emerelle das Kästchen mit den Steinen. Die Königin untersuchte sie und nickte dann zufrieden. Danach überreichten sie der Elfenkönigin die restliche Beute.
„Das habt ihr sehr gut gemacht“, lobte sie. „Ihr habt Albenmark einen großen Dienst erwiesen und dafür gesorgt, dass altes Unrecht ungeschehen gemacht werden kann! Die Alben mögen es euch danken!“
Die letzten Worte muteten Tiranu seltsam an. Von welchem alten Unrecht sprach sie? Und weshalb sollten die Alben ihnen dafür dankbar sein?
Doch die Elfenkönigin entließ sie nach ihren kryptischen Worten.
„Wir sollten nach Kjartan sehen!“, riet Yulivee leise.
„Weshalb?“, fragte Tiranu. „Niemand hat ihn gezwungen uns zu folgen. Wie auch immer ihm dies gelungen ist.“
„Weil er uns kennt“, erläuterte die Magierin. „Zumindest ein wenig. Und jetzt sei nicht so gefühllos!“
Ohne auf seine Einwände einzugehen, zog sie ihn mit sich mit, ihrer Freundin hinterher, die ihnen den Weg zeigte. Auch Fingayn und Luc schlossen sich der kleinen Prozession an.

***


Kjartan spürte, dass er sich in einem Bett befand. Er hatte also tatsächlich alles nur geträumt und befand sich noch irgendwo in Aldarvik und hatte verschlafen! Draußen zwitscherten die Vögel und seine Schlafstatt war so schön warm und weich und schmeichelte förmlich seiner Haut.
Schlagartig öffnete er die Augen und musste mehrfach geblendet blinzeln. Dann fiel sein Blick auf fünf Gestalten in dem seltsam anmutenden Zimmer. Alles war mit irgendwelchen Mustern verziert und sah unglaublich wertvoll aus. Wie in einem Palast. Dennoch wirkte es seltsamerweise nicht überladen. Alles harmonierte miteinander. So etwas hatte er noch nie gesehen.
Als er sich auf die Gesichter konzentrierte, glaubte er darin die Züge der Fjordländer zu entdecken, die er in Aniscans getroffen hatte und auf dem Weg nach Firnstayn geglaubt hatte zu sehen.
„Kvasir?“, murmelte er unsicher und ungläubig.
„Eigentlich heiße ich Luc“, antwortete der Angesprochene. „Luc de Lanzac. Aber ja, du kennst mich als Kvasir Thorvaldson.“
Kjartans Blick wanderte weiter zu der Person, die er als Solveig kannte. Und die ihm spitze Ohren enthüllt hatte, bevor er ohnmächtig geworden war.
„Obilee aus Alvemer“, stellte sich die blondhaarige Schönheit mit den wundervollen grünen Augen vor. Sie trug ein langes Kleid, das ihrer Figur schmeichelte. Es war in zauberhaften Grüntönen gehalten, die ihn an das Meer erinnerten, und besaß aufwändige Stickereien am Ausschnitt. Ganz leicht glaubte er die Enden der seltsamen Ohren aus dem Haar stechen zu sehen. Neben ihr stand eine weitere junge Frau in Gewändern aus kräftigen Orangetönen. Das war eindeutig Nanna.
„Yulivee aus Valemas“, beantwortete diese seine unausgesprochene Frage. Die Gestalt neben ihr hatte sich ausschließlich in Schwarz gehüllt und schien die Farben seiner Begleitung schlucken zu wollen. Einzig die blasse Haut stach strahlend hervor. Sein Blick war fast ebenso düster wie seine Erscheinung, aber dies kannte er bereits von Hjalmar. Die Kleidung war zwar eher schlicht gehalten, doch die Knöpfe oder Haken waren reich verziert und er hatte eine aufwändige Stickerei am Kragen, die ein verwirrendes Muster bildete. Nanna – nein Yulivee-, verbesserte er sich, rammte ihm einen Ellbogen in die Seite. Er stöhnte noch nicht einmal auf. Fast als wäre er eine Statue.
„Tiranu von Langollion“, sagte die dunkle Gestalt, nach der unsanften Aufforderung.
„Fingayn von den Maurawan“, erklärte der Letzte in der Runde. Er trug einfache Sachen aus Leder, die besser in einen Wald passten, als in diesen Raum. Es fehlte nur noch Bogen und Köcher, dann wäre er das perfekte Bild eines Jägers. Auch wenn er dafür fast etwas zu leicht angezogen war.
„Wo bin ich?“, fragte der Fjordländer unsicher, obwohl er wusste, wo er war. So seltsame Namen gab es nicht im Fjordland. Hjalmar hatte es ihm auch nach seiner Ankunft bereits gesagt. Nur da war er verwundet gewesen. Jetzt ging es ihm gut, wenn man einmal von der ungesund blassen Hautfarbe absah. Wie lange mochte er geschlafen haben?
„Du bist in Albenmark“, sprach diese Obilee leise. „Auf der Burg der Elfenkönigin. Du bist uns durch das Portal gefolgt und kurz darauf ohnmächtig geworden. Seitdem ist noch nicht einmal eine Stunde vergangen.“
„Aber Hjalmar war doch…“, stammelte Kjartan.
„Tiranu“, verbesserte die Person knapp, die er als Hjalmar kannte. „Meine Wunde wurde geheilt.“
Nanna-Yulivee murmelte Hjalmar-Tiranu neben sich etwas in einer wunderschönen, melodischen Sprache zu, dass wie eine Rüge klang. Dieser hob dabei nur abschätzig eine Augenbraue.
„Wie ist das möglich?“, fragte der Menschensohn.
„Durch Magie“, schwärmte Luc fast schon. „Die Elfen hier können wundervolle Dinge damit erreichen! Aber auch einige andere Völker sind in den magischen Künsten begabt. Doch am schönsten ist das Fest der Lichter alle achtundzwanzig Jahre, wenn die begabtesten Zauberweber Albenmarks den Himmel erstrahlen lassen!“
„Dann sind deine Töchter hier geboren?“ wollte er wissen. Ganz verstand er all dies nicht. Weshalb hatte Obilee so lange Ohren gehabt? Zwar hatte ihm sein Vater viel von den Elfen und den anderen Albenkindern erzählt, aber vieles hatte er einfach als Übertreibung abgetan. Dieser Name, Yulivee, klang auch ähnlich wie der einer mächtigen Elfenzauberin, von der sein Vater berichtet hatte.
Seine Frage hatte Erheiterung unter den Anwesenden ausgelöst und Kvasir - nein Luc, verbesserte er sich in Gedanken- schüttelte den Kopf.
„Das sind nicht meine Töchter“, entgegnete er. „Sie könnten vielleicht meine Urahninnen sein. Jeder hier im Raum, außer dir und mir, ist bereits mehrere Jahrhunderte alt.“
Erst jetzt fügte sich das ganze Puzzle zusammen. Deshalb hatten Hjalmar und Stian keinen Bart getragen, wie ordentliche Fjordländer. Deshalb waren alle außer Luc so schlank und von edler, jugendlicher Gestalt. Vor ihm standen leibhaftige Elfen. Dies erklärte auch diese seltsamen Namen Obilee aus Alvimer, Yulivee aus Vaylemas, Tiranu von Langollion und Fingayn von den Mauriwan. Als er sie genau musterte, entdeckte er überall die spitzen Elfenohren.
Plötzlich ging die Tür auf und eine weitere Frau kam herein. Ihr Haar war bereits größtenteils ergraut, an manchen Stellen schimmerte es jedoch noch ganz leicht rötlich. Sie ging auf Luc zu und umarmte ihn. Als Kjartan hinabblickte erschrak er zutiefst. Sie besaß keine Füße! Dort waren nur Stümpfe und sie schwebte eine Handbreit über dem Boden. War sie etwa ein Geist?
Beruhigend lächelte sie ihn an.
„Willkommen in Albenmark!“, begrüßte sie ihn auf Fjordländisch und ohne irgendeinen Akzent. „Ich bin Gishild Gunnarsdottir. Habe keine Angst! Ein Zauber der Lamassu ermöglicht es mir zu gehen, obwohl ich meine Füße verlor, als ich einen Teil meines Volkes hierher führte.“
Kjartan starrte die Frau vor sich aus offenem Mund an. Dieser Name! Vor ihm stand die letzte Königin des Fjordlands! Sein Gesichtsausdruck schien sie zu erheitern, denn sie lachte leise. Dann schlich sich Trauer in ihr Gesicht.
„Wie geht es meinem Fjordland?“, fragte sie voller Gram.
„Viele bereuen es ihrer Königin nicht ins Land der Albenkinder gefolgt zu sein. Die Geschichten sind noch lebendig, auch wenn die Kirche versucht sie zu unterdrücken.“
Bitter lächelte Gishild.
„Ich werde Emerelle ersuchen dir die Rückkehr zu ermöglichen, falls du es wünschst“, bot sie ihm an. „Aber du solltest dir deine Wahl gut überlegen und nicht zu rasch entscheiden, weil manche hier etwas… unheimlicher sind.“ Er folgte ihrem Blick zu Tiranu.
„Oh, der ist eigentlich ganz nett!“, entgegnete er. „Ich wette er tut nur so!“
Ungläubig rundeten sich Gishilds Augen.
„Ich bezweifle, dass die Meisten mich als ‚nett‘ beschreiben würden“, merkte der düstere Elf kühl an.
„Nur weil sie dich nicht kennen!“, wandte die Elfe Yulivee locker ein.
„Was ich nicht plane zu ändern“, erwiderte Tiranu abweisend. „Ich muss mich entschuldigen, es gibt wichtige Dinge für mich zu besprechen!“ Mit diesen Worten wandte er sich ab und auch Worte der Elfe an seiner Seite konnten ihn nicht zum Bleiben bewegen. Nach ihm entschuldigte sich auch Fingayn, der die ganze Zeit schweigsam gelauscht hatte.
Zurück blieben die beiden Elfenfrauen und die zwei Menschen. Bis auf Yulivee schienen alle im Raum froh zu sein, dass der dunkle Elf fort war. Kjartan berichtete der Königin mehr von den Verhältnissen im Fjordland und wenig später verabschiedeten sich auch die beiden Elfendamen.
Als sie einige Zeit fort waren, warnte ihn Gishild: „Nimm‘ dich vor Tiranu und seiner Schwester in Acht! Seit den dunklen Machenschaften ihrer Mutter ist dem Fürstengeschlecht von Langollion besser nicht zu trauen! Und er hegt den Menschen gegenüber keine große Liebe. Unter den Elfen ist er mit der kaltherzigste!“
Kjartan nickte, tat die Worte jedoch leichthin ab. Dies waren sicherlich Gerüchte und wie sehr man diesen trauen sollte, hatte er eben erst erfahren.

***


Obilee hatte eine Einladung zum Nachtmahl mit der Königin erhalten. Als sie den Saal betrat, bemerkte sie, dass sie nicht die Einzige war. Auch der mysteriöse, dunkelhaarige Elf, die Fürstengeschwister, Yulivee und Fenryl saßen an der Tafel. Ihre Freundin hatte, wenig überraschend, neben dem Fürsten von Langollion Platz genommen. Der Elf, über den sie nichts wusste, saß der Königin gegenüber. Fenryl saß gegenüber von Yulivee. Nach kurzem Überlegen, ließ sich die Magierin neben dem Fürsten von Carandamon nieder, gegenüber Tiranu. So hatte sie den zwielichtigen Elfen gut im Blick. Morwenna saß auf der anderen Seite ihres Bruders.
Der dunkelhaarige Elf, der noch zwielichtiger als die Kinder Alathaias wirkte, wandte sich an sie: „Berichte über deine Sicht der Dinge auf Daia. Die Berichte der Anderen haben wir in der Zwischenzeit erhalten.“
Fragend wandte die Elfe sich an ihre Königin, die ihr bedeutete dem Befehl Folge zu leisten. Somit begann sie zu erzählen und ließ ihre persönlichen Einschätzungen über die Berufung und das Verhalten eines gewissen Elfen in manchen Situationen dabei nicht außen vor. Es war fast ein Genuss dabei zuzusehen, wie die Mordlust im Blick Tiranus stetig zunahm. Unauffällig hatte Yulivee eine Hand auf seinem Arm platziert. Als ob sie ihn aufhalten könnte, wenn er endlich allen zeigte, was wirklich in ihm steckte und was für ein Monster er war!
Was sie jedoch traf war der verletzte Blick in den Augen ihrer Freundin. Als sie mit ihrem Bericht abgeschlossen hatte, musterte Emerelle sie lange.
„Ich kann verstehen, dass dir einiges nicht ganz klar ist“, begann die Königin langsam. „Vor allem, da du in den Schattenkriegen mitgekämpft hast. Dennoch solltest du deine Urteilskraft nicht von deinen persönlichen Gefühlen trüben lassen. Lass‘ dir gesagt sein, dass ich sehr gute Gründe habe, weshalb diese beiden Elfen, von all den Kindern Alathaias, noch leben. Ich wünsche nicht, dass du sie grundlos versuchst zu provozieren, dies sollte eigentlich unter deiner Würde sein.“
Mit dieser Rüge hatte die Elfe nicht gerechnet. Fassungslos blickte sie sich nach Unterstützung um. Wenigstens Fenryl musste ihr doch zur Seite stehen, er dachte ebenso über die Geschwister. Aber auch er wirkte etwas enttäuscht von ihrem Bericht. Wütend erhob Obilee sich und verließ den Saal. Weshalb hatten sich alle gegen sie verschworen? Was für Intrigen hatte Tiranu gegen sie gesponnen? Und warum unterstützte Yulivee ihn dabei? Eine Welt brach für die Elfe aus Alvemer zusammen.

***


Leise klopfte es an Obilees Tür, aber sie wollte niemanden sehen. Die Elfe hörte, dass die Person die Tür trotzdem öffnete und eintrat. Vielleicht verstand sie es, wenn sie sich nicht umdrehte.
„Obilee“, begann die Besucherin leise. „Ich möchte nicht, dass etwas zwischen uns steht!“
„Warum lässt du es dann zu?“, fragte die Elfe tief getroffen.
„Ich liebe ihn“, entgegnete ihre Freundin sanft. „Aber mir liegt auch viel an dir. Warum kannst du es nicht über dich bringen ihn zu akzeptieren?“
„Er ist grausam und herzlos!“, erwiderte Obilee hitzig. Dieses Gespräch wollte sie jetzt nicht führen.
„Etwas kaltherzig, ja, aber nicht herzlos“, wehrte die jüngere Elfe ab. „Aber das ist ein Fehler, den auch ich begangen habe. Du darfst jedoch nie vergessen, dass er ein Fürst Albenmarks ist und Schwäche dort sofort ausgenutzt wird. Besonders mit seiner Vorgeschichte.“ Sanft legte die Elfe eine Hand auf ihre Schulter. „Hast du ihn jemals wirklich objektiv beobachtet?“, begann sie. „Hast du gesehen, wie er sich inmitten seiner Leibwache im Rosenturm verhält, wenn er mit ihnen übt? Hast du wirklich beobachtet wie er sich bei Hofe gibt, unter Elfen, die ihm bestenfalls die Aberkennung seines Titels und schlimmstenfalls den Tod wünschen?“
Widerstrebend schüttelte Obilee den Kopf. Sie hatte den Fürsten oft in Gesellschaft gesehen, aber es war eher die letztere gewesen und sie war stets eine der Elfen gewesen, die ihm den Tod gewünscht hatte. Sie erinnerte sich an ihren einen Streit in dem Splitter der zerbrochenen Welt. Der Fürst hatte ihr mehr oder weniger gesagt, weshalb er ihr gegenüber absolut keine freundlichen Gefühle hegte, da sie ihn doch so deutlich verabscheute.
Er hasste die Ordensritter zutiefst, aber taten sie dies nicht alle irgendwie? Nur weshalb hatte er die Jungen in Aniscans abgeschlachtet? Nur um seinen Stolz zu schützen? Das war einfach nur äußerst verwerflich!
„Da du mir vorgeworfen hast, dass ich mich verändert habe“, flüsterte Yulivee leise, „erzähle ich dir die gesamte Geschichte über die Vorgänge in Aniscans. Die Jungen hätten vielleicht überleben können, ich hätte ihn womöglich dazu überreden können seinen Stolz herunterzuschlucken, aber sie waren dumm. Und ich habe einen Fehler begangen und ihn auf Elfisch angesprochen. Die größere Gruppe kam von vorne, die kleinere von hinten. Die vier Menschen haben mich gepackt und von ihm weiter weggezogen. Doch ihr endgültiges Todesurteil haben sie unterschrieben, als der Anführer befahl, dass sie Spaß mit mir haben sollten. Soweit kamen sie jedoch nie. Und Obilee: Ich war froh, dass er sie vom Angesicht ihrer Welt gefegt hat. Sie waren sich ihrer Macht zu bewusst und haben sie schamlos ausgenutzt. Vielleicht hätte sich dies mit der Zeit geändert, aber ich fürchte nicht. Sie waren die perfekten Diener für einen blutrünstigen Gott.“
In der Hälfte der Erzählung hatte Obilee sich entsetzt zu ihrer Freundin umgewandt und sie in den Arm genommen. Sie hätte wissen müssen, dass Yulivee nicht grundlos grausam war. Man musste sich nur in Acht nehmen, wenn man ihren Zorn beschwor und die Elfe ihm kurzzeitig freien Lauf ließ, so selten dies auch geschah. Normalerweise war sie im Nachhinein selbst über ihre Taten entsetzt, das Schiff der Ordensritter und die Vulkanglasflöte waren das beste Beispiel dafür. Yulivee selbst hatte geschworen nicht mehr mit ihrer Magie zu töten. Dies war zu böse und hinterhältig. Die Menschen konnten sich nicht dagegen wehren. Gegen einen Krieger jedoch schon. Auch wenn ein meisterlicher Elfenkrieger fast schon so unüberwindlich wie Magie war.
Sie hieß die Tat trotzdem nicht gut, sie hatte sie unnötig gefährdet, aber die Elfe schwor sich ihre Freundin besser zu unterstützen, so lange sie auch an der Seite dieses verruchten Elfen verbringen wollte. Auch wenn sie fand, dass auch Tiranu seine Macht schamlos ausnutzte.

***


Wir hatten einen schlechten ersten Start, Schwertmeister, ertönte eine Stimme in Tiranus Kopf, während er am Fenster seiner Gemächer stand. Dies bedauere ich, aber es war notwendig. Ich hoffe jedoch unser Verhältnis wieder zu verbessern, wenn Ihr zu mir in den Garten kommt.
Dort zwischen den Bäumen glaubte der Elf einen Schatten zu sehen, der etwas länger als gewöhnlich war. Nachtatem war in seinem Element. Und er keiner seiner Drachenelfen mehr! Kurz überlegte der Fürst, ob er weiterhin nach der Nase der Himmelsschlange tanzen sollte, da er nun ein eigenständiger Herrscher war. Letzten Endes entschied er sich jedoch auf das Friedensangebot einzugehen. Noch mehr Feinde konnte er sich wirklich nicht leisten. Vor allem nicht so mächtige.
Im Garten angekommen, trat er auf den langen Schatten zu und wurde in seiner Vermutung bestätigt. Dort stand der Dunkle und wartete auf ihn. Er hatte Tiranu den Rücken zugedreht und hielt irgendetwas in seinen Händen. Langsam drehte der Drache sich um und enthüllte einen großen, aber dennoch schlanken, Anderthalbhänder.
„Mir ist bewusst, dass ich Euch nichts befehlen kann“, begann der Drache und Tiranu dachte bei sich, wie aufmerksam es von der Himmelsschlange war, das zu bemerken, „aber dennoch bitte ich Euch dieses Geschenk anzunehmen, mit allem was es beinhaltet.“ Augenblicklich wurde der Elf hellhörig. „Ich bitte Euch eine Gruppe Elfen auszusuchen und gegen meinen Bruder zu ziehen.“
Zorn flammte in dem Fürsten auf. Gerade erst war er von einer selbstmörderischen Mission zurückgekehrt und nun sollte er erneut ausziehen? Wollte die Elfenkönigin ihn so dringend loswerden?
„Dies hat nichts damit zu tun, dass irgendjemand Euch loswerden will, Schwertmeister. Nur Ihr habt die beste Möglichkeit auf Erfolg. Jeder Versuch von mir oder jemand Anderem wird scheitern, dies konnte die Silberschale enthüllen. Eure Chance auf Erfolg ist gering, aber wenigstens besteht Hoffnung. Wenn wir meinen Bruder nicht stoppen, wird die Albenmark, wie Ihr sie kennt, zugrunde gerichtet werden. Und Euer Leben wird kaum länger andauern, als wenn ihr gegen ihn zieht und unterliegt.“
Das waren wahrhaftig rosige Aussichten. Ob der Drache dies nur sagte, damit er zustimmte, wusste Tiranu nicht. Einige Herzschläge überlegte der Fürst. Er hatte stets geglaubt für Großes bestimmt zu sein, nun sollte er sich auch nicht sträuben, wenn es endlich so weit war. In einer fließenden Bewegung ergriff der Elf die Waffe am Heft und vorsichtig an der flachen Seite der Klinge und nahm sie an sich.
„Ich habe sie während Eurer Abwesenheit erschaffen“, erläuterte Nachtatem. Eingehend betrachtete Tiranu die Arbeit und drehte sie etwas, bevor er die Klinge probehalber schwang. Sie lag gut in der Hand und es wirkte fast so, als wäre sie von dem Drachen nur für ihn erschaffen worden.
„Das wurde sie“, bestätigte Nachtatem. An dieses Gedankenlesen würde er sich in diesem Leben wohl nie gewöhnen.
„Wie viel Zeit habe ich, eine geeignete Gruppe zu finden und zu trainieren?“, fragte der Fürst.
„Zwei Monate, dann müsst Ihr aufbrechen“, entgegnete der Drache.
„Was geschieht sonst, in mehr als zwei Monaten?“, wünschte Tiranu zu wissen.
„Ihr sterbt“, erwiderte Nachtatem. „Irgendetwas lässt seine Macht erstarken und Ihr scheitert.“
Wie gut, dass er unter so wenig Zeitdruck stand. Nun musste er nur noch eine Scheide für seine neue Waffe finden. Offensichtlich hatte der Dunkle auch daran gedacht und präsentierte ihm eine passende Scheide samt Gurt für das Schwert. Beinahe zärtlich schob er das Schwert hinein und gürtete es sich an die Seite.
„Wenn Ihr erlaubt, entferne ich mich, meine Gruppe zu planen“, bat der Schwertmeister, die förmliche Sprache widerwillig annehmend. Er hatte gelernt, dass der Drache dies aus Respekt tat und diesen erwidert wissen wollte, wenn es die Umstände erlaubten.
„Geht nur“, erlaubte der Drache und der Elfenfürst eilte zu den Gemächern seiner Schwester. Es gab Einiges zu besprechen.
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