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Alles bleibt, wie es nimmer war!

von Phaemonae
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P18 / Gen
Tiranu Yulivee
23.01.2016
15.03.2016
23
53.881
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20.02.2016 2.088
 
Die geheime Reisegruppe für die Suche auf Daia hatte sich endlich erneut im Kartensaal eingefunden. Ein Elfenmagier würde später einen Pfad öffnen, über den sie ins Fjordland abgesetzt würden. Wie auch immer dies vonstattengehen sollte. Von dort aus würde Yulivee sie erst einmal zu dem Albenstern führen, an dem der Devanthar in der zerbrochenen Welt seine Sammlung eingerichtet hatte. Sie hofften, dass er dort vielleicht auch die Karfunkelsteine gelagert hatte. Leider standen ihnen die Albenpfade oder Magie dort, außer in Notfällen, nicht zur Verfügung. Die Albenpfade, da die Ordensritter die Albensterne mit ihren Bauwerken zerstört hatten und die Magie, weil diese sie als nicht von dieser Welt enttarnte.
Sie alle hatten Kleidung der Fjordländer erhalten und sollten sich auch als solche ausgeben, da alle Elfen der Gruppe diese Sprache am besten beherrschten. Gishild war noch immer wenig erfreut gewesen Luc fortzuschicken. Noch dazu mit dem Fürsten von Langollion. Wie auch immer Emerelle die Fjordländerin davon hatte überzeugen können, ihn ihnen an die Seite zu stellen.
Obilee hatte dafür durchaus Verständnis und sie war froh, dass sie Yulivee beaufsichtigen konnte. Und ihr beistehen konnte, wenn sie erkannte, dass der Fürst einfach zu düster und verdorben war. Die Kleidung war sehr einfach und grob gehalten. Sie hatten sich, nach langen Debatten, geeinigt, dass sie und Yulivee sich als Schwestern und Lucs Töchter ausgeben wollten, während Tiranu und Fingayn Brüder und Freunde der Familie waren, die sie, als Beschützer, begleiteten. Ihr ‚Vater‘ hoffte ein körperliches Leiden durch eine Pilgerreise kurieren zu können und seine Töchter begleiteten ihn dabei. Ihre Waffen hatten sie in ihren Bündeln verstaut oder gaben sie, wie im Fall des Maurawan, als Wanderstab aus.
Die Beratung hatte recht lange gedauert und immer wieder etwas hitzigere Diskussionen ausgelöst, doch letzten Endes konnten sie sich auf eine Hintergrundgeschichte einigen, mit der alle leben konnten. Dies musste stimmig sein. Allesamt trugen sie ein breites Stirnband, die Elfen, um ihre Ohren zu verbergen und der Menschensohn, um nicht aus der Gruppe herauszustechen. Niemand war mit der Wahl des Anführers wirklich glücklich, offensichtlich noch nicht einmal ihr Anführer selbst. Obwohl der Elfenfürst normalerweise immer einen eher finsteren Blick zur Schau trug, übertraf er ihn diesmal noch.
Als endlich Emerelle den Raum betrat, um sie an ihren Abreiseort zu bringen, erhoben sich alle und folgten der Elfenkönigin. Auf einer Lichtung, in deren Nähe einst die Feentanne gestanden hatte, erwartete sie der seltsame, dunkelhaarige Elf, der selbst Tiranu freundlich und fröhlich erscheinen ließ. In der Hand hielt er zwei einfache Ketten, von denen er eine Yulivee und eine ihr reichte.
„Die Anhänger sind so verzaubert, dass sie den Pfad nach Daia und nach Albenmark öffnen, wenn sein Träger in der Nähe ist“, erklärte er. „Verliert ihr diese Anhänger, gibt es keinen anderen Weg zurückzukehren! Diese Anhänger verlieren ihre Macht in den Händen von Menschenkindern, achtet gut auf sie!“
Dann trat er zurück und bedeutete ihnen voranzuschreiten. Tiranu schritt zuerst hindurch und Fingayn fiel ans Ende zurück. Yulivee folgte dem Fürsten, was dieser versuchte zu unterbinden, doch er war leider erfolglos. Der Magierin schloss sich Luc an und sie reihte sich hinter dem ehemaligen Ordensritter ein.
Vor ihr verschwanden die Reisenden und der nächste Schritt riss auch an ihr und verursachte Übelkeit bei der Magierin, obwohl sie mit den Albenpfaden bestens vertraut war. Wahrscheinlich lag es daran, dass dies die einzige Verbindung in diese Welt war. Sie und Yulivee hatten sich im Geheimen zusammengesetzt und beschlossen die Gelegenheit zu nutzen und nach dem Verbleib von Farodin, Nuramon und Noroelle zu forschen.

***


Die kleine Gruppe fand sich in der Nähe von Aldarvik wieder. Die Stadt hatte sich ausgebreitet und einigen Wald verschlungen. Es war eine kühle Frühlingsnacht und die Sterne standen klar am Himmel. Die Elfen nahmen den Menschen in ihre Mitte, damit er nicht unnötig stolperte, während sie sich der Siedlung vorsichtig näherten. Sie wussten nicht, was sich alles verändert hatte und aufzufallen könnte ihre Mission bereits beenden, bevor sie begonnen hatte.
Sie hatten sich beraten, wie nah sie sich an die Siedlung wagen sollten, entschieden sich letztlich dafür, dass es vielleicht hilfreich war, hier so viel über die neue Weltordnung zu lernen, wie möglich. Was bereits gewöhnungsbedürftig war, waren die Flaggen der Tjuredkirche, die überall gehisst waren, ebenso wie Kirchenmänner und sogar der ein oder andere Ordensritter.
Ihr Anführer leitete sie zu einer Schänke, wo sie sich einen Platz in der Nähe der Tür suchten, um im Zweifelsfall schnell und möglichst unauffällig verschwinden zu können. Bisher waren sie nicht sehr beachtet worden. Reisende schienen nichts Ungewöhnliches zu sein. Jeder von ihnen bestellte ein Getränk bei der Schankmaid und sie bezahlten mit Münzen, die die Elfenkönigin ihnen mitgegeben hatte. Sie wussten nicht, inwiefern sich die Prägung der Ordensritter verändert hatte, hofften jedoch, dass man es übersah.
Die Gespräche drehten sich hauptsächlich um die kommende Ernte und den harten Winter. Auch über die Steuern der Kirche beschwerten sich manche Fjordländer, die ein wenig zu tief in ihre Becher geblickt hatten.
Als der Abend immer weiter voranschritt, trat ein Mann in der Tracht der Skalden vor und stimmte Lieder aus alter Zeit an. Zuletzt besang er den Untergang des Königsgeschlechts von Firnstayn. Selbstverständlich war dies alles die Schuld der Anderen und ihrer schlechten Beratung.
Obilee bemerkte, wie sich ein abfälliges und spöttisches Lächeln auf die Lippen des Fürsten schlich, zu mehr ließ er sich jedoch glücklicherweise nicht hinreißen. Rufe des Unmuts kamen aus einer anderen Ecke, in der mehrere Fjordländer saßen, die gut während der Zeit der Tjuredkriege gelebt haben konnten und alt genug gewesen waren, sich an die Wahrheit zu erinnern. Rasch wurden sie von Umstehenden zum Schweigen gebracht.
Die Kirche duldete offensichtlich keine Stimmen, die die alten Zeiten verherrlichten oder zumindest nicht so düster darstellten, wie sie es wollte. Das verwunderte jedoch wohl niemanden in der kleinen Runde. Leise berieten sie alle sich, wo sie die Nacht verbringen sollten. Letztlich entschieden sie sich für eine möglichst preiswerte Unterkunft, da die Nacht versprach sehr kalt zu werden und sie keine unnötige Aufmerksamkeit auf ihre Gruppe lenken wollten, wenn sie in der Nähe einer Stadt an einem Lagerfeuer nächtigten.
Luc fragte das Schankmädchen, wo sie unterkommen könnten und sie wies ihnen eine Adresse. Mit viel Dankbarkeit verabschiedeten sie sich und machten sich dann auf den Weg. Alle Elfen wollten so wenig wie möglich sprechen, um sich nicht durch ihren Akzent und ihre melodische Aussprache zu verraten.

***


Am Morgen erwartete Morwenna die Mitglieder ihrer Elfenjagd bereits recht früh. Die Heilerin trug das Schwert aus den Drachenkriegen über ihren Rücken geschnallt. Ihr Bruder hatte Recht, sie musste auf den anderen Drachen Acht geben. Nach und nach trafen sie im Burghof bei ihren Reittieren ein. Nur König Wolkentaucher und Nelios würden keine Reittiere benötigen.
Bereits mehrmals hatte die Heilerin gesehen, wie die Elfenjagd auszog, sich aber niemals träumen lassen selbst einmal ein Teil von ihr zu sein. Nicht nach ihrer Vergangenheit. Und nun war sie sogar die Anführerin!
Zuerst erschien Dorana, danach Vosanyth. Als letztes erschien der Kentaur, der offensichtlich die Nacht durchgezecht hatte. Die Elfe schüttelte verständnislos ihr Haupt. Wie konnte man nur so unzivilisiert sein?
Sie selbst hatte einen großen Teil der Nacht über den Karten verbracht, um sich von der Abreise ihres Bruders abzulenken. Sie sorgte sich um ihn, aber auch um ihre Mission. Die Heilerin hatte sich auch mit Nachtatem und Emerelle beraten, wo sie die Suche beginnen sollte. Einen Stein vermuteten sie irgendwo in Manchukett und einen in Schurabad. Zuletzt hatten sie sich darauf geeinigt, dass sie im Reich der Lamassu mit der Suche beginnen sollten. Dort gab es viele Aufzeichnung und die Hoffnung auf Erfolg war am Größten.
Auf ihr Zeichen hin, setzte die Gruppe sich in Bewegung. Auch viele Besucher der Burg schlossen sich ihnen an. Es war ein vollkommen überwältigender Anblick, mit dem selbst Vahan Calyd während der Krönungsfeierlichkeiten nicht mithalten konnte. Als sie sich dem Alten Wald näherten, holte Dorana zu ihr auf und blies in eine kleine Holzflöte. Wenig später erschienen in der Ferne die Wölfe und ein erstauntes Raunen ging durch die Gesellschaft. Es waren sechs der stolzen, weißen Tiere, die sich der Elfenjagd anschlossen. Das war kein gutes Zeichen für sie. Sorge breitete sich weiter in der Heilerin aus. Versagen stand für sie außer Frage!
So machte sich die Jagdgesellschaft auf den Weg durch das Goldene Netz nach Schurabad. Dort erwartete sie alle ein, von hohen Temperaturen, gezeichnetes, karges Land. Die Kobolddiener der Lamassu mühten sich ab dem trockenen Boden etwas abzuringen, damit sie ihre Herren wenigstens etwas versorgen konnten, ohne vollständig auf die Handelskarawanen angewiesen zu sein. Überall hatten sie künstliche Bewässerungsgräben angelegt, in denen zu dieser Jahreszeit wenig Wasser stand. Regen wäre ein großer Segen und bald notwendig, wenn nicht alles vertrocknen sollte.
Die Heilerin holte eine Karte des Landes heraus und führte ihre Gruppe dann in die Richtung des ersten Lamassu, bei dem sie ihr Glück versuchen wollte.

***


Yulivee erwachte recht früh, was diesmal nichts mit einem Albtraum zu tun hatte. Eher mit dem Lärm der Stadt und der Qualität ihrer Unterkunft. Fingayn hielt Wache über ihnen. Der Maurawan blickte kurz zu ihr, bevor er sich wieder dem Geschehen vor dem Fenster zuwandte. Langsam trat die Magierin an ihn heran und blickte ebenfalls auf die Straßen Aldarviks hinab.
Die Nacht hatte gut verborgen, wie schmutzig die Stadt wirklich war. Jetzt in der Morgenstunde war der Gestank der geleerten Morgentöpfe beinahe unerträglich für die feinen Elfensinne. Angewidert wandte sie sich ab.
„Was treibt dich dazu mitzukommen?“, fragte der Elf sie schließlich.
„Ich weiß es nicht“, entgegnete die Erzmagierin wahrheitsgemäß. Es waren mehrere Dinge, die ineinander verflochten waren.
„Dies ist kein Ort für dich“, sagte der Elf. „Ebenso wenig wie für mich. Ich habe keinen Platz unter Helden. Ich wollte mein Leben nur noch ausschließlich in den Wäldern meines Volkes verbringen. Und dennoch bin ich hier. Ich habe den Befehlen meiner Königin gehorcht. Was ist deine Ausrede?“
„Dieselbe“, erwiderte Yulivee. „Auch mich hat sie auf diese Reise befohlen. Vielleicht um zu gewährleisten, dass alle in dieser Gruppe wirklich friedlich bleiben.“
Fingayn lächelte dünn.
„Eine schwierige Aufgabe“, bemerkte er.
Nach einer Weile erwachten auch die restlichen Mitglieder ihrer Reisegesellschaft langsam. Yulivee blickte zu Tiranu, der ihren Blick kurz erwiderte, bevor er wegsah. Die Reise versprach schrecklich zu werden, da sie sich so nah waren und doch nicht nah sein durften. Eine mögliche Verbindung zwischen ihnen war die Grundlage mehrerer Debatten gewesen, letztlich war sie jedoch überstimmt worden. Langsam trat sie neben Obilee und half ihr dabei ihre Habseligkeiten zusammenzupacken. Auch ihre Freundin hatte eine Klinge in ihrer Ausrüstung verborgen, jedoch kein Rapier, da sie damit nicht umgehen konnte.
Als alle endlich fertig waren, suchten sie sich an einem Stand etwas Essbares, das keinen Ekel in den Elfen auslöste. Wie die Menschen manche dieser Dinge essen konnten, war der Magierin schleierhaft.
Im Hafen teilten sie sich in zwei Gruppen auf, die sich nach einer möglichst günstigen Überfahrt erkundigten. Hier musste Yulivee zum ersten Mal Tiranu aus den Augen lassen und darauf vertrauen, dass er wirklich keinen Unsinn anstellte. Gemeinsam mit Obilee und Luc fragte sie die Kapitäne der verschiedenen Boote nach ihren Preisen.
Das Ergebnis war niederschmetternd. Die Meisten verlangten so viel von ihnen, dass sie kaum noch Reserven für den Rest der Reise hätten und an eine Überfahrt zurück gar nicht erst zu denken war oder sie fuhren erst in mehreren Tagen wieder zurück nach Drusna. Nur ein Seelenverkäufer war bereit einen annehmbaren Preis von der kleinen Reisegruppe zu verlangen. Aus Mangel an besseren Angeboten, entschlossen sie sich jedoch die Überfahrt mit dem Kahn zu wagen.
„Daneben sind ja selbst Koboldschiffe Prunkbarkassen!“, murmelte ihr Anführer in seinen nicht vorhandenen Bart und Yulivee musste leise lachen. „Jeden meiner Schiffsbauer, der mir so etwas präsentieren würde, würde ich eigenhändig die Hände abschlagen, damit er so etwas nicht mehr errichten kann!“ Das meinte er nicht wortwörtlich. Wenigstens war sich Yulivee dessen ziemlich sicher.
Der Menschensohn konnte die Bedenken seiner elfischen Begleiter nicht vollkommen nachvollziehen, das erkannte die Magierin an seinem etwas verwirrten Gesichtsausdruck. Aufmunternd klopfte sie seine Schulter und tat so, als würde sie ihn etwas stützen, während sie an Bord stiegen. Ganz, wie eine besorgte Tochter es bei ihrem Vater vielleicht tun würde.
Während der Überfahrt unterhielten sie sich gedämpft über den Sinn von Reittieren. Die Elfen konnten schnell vorankommen, doch von ihrem sterblichen Begleiter konnte man das nicht behaupten. Das Alter hatte bereits begonnen seinen Preis zu fordern. Wenn auch weniger, als bei anderen Menschen seines Alters. Und der Einzige, der wirklich schnell und ungesehen vorankommen konnte, war Fingayn. Daher entschieden sie sich letzten Endes, geeignete Reittiere zu kaufen.
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