Schattengewächs

GeschichteHorror, Übernatürlich / P18
22.01.2016
27.01.2016
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Geboren in Bedrängnis
und an eine Sau gelegt
den Zitzen zum Verhängnis
Milch in beiden Ohren
so offen Ärgernis erregt
gealtert in Vergängnis
Tod sei Dank nicht neugeboren
- Till Lindemann

Die Lungen blähten sich beim ersten Atemzug auf und ein rasender Schmerz betäubte den Brustkorb, sodass der ganze Körper verkrampfte und sich unkontrolliert schüttelte. Die Muskulatur trat deutlich unter der weißen Haut hervor und auch einzelne knöcherne Partien des Innenlebens konnten ohne große Mühe betrachtet werden.
Die Anwesenheit eines anderen Wesens war deutlich spürbar und auch die unverschämten, neugierigen Blicke auf den schmerzgeplagten Körper traten in das noch leere Bewusstsein als eine Tatsache ein. Bereits jetzt, in dem noch jungen Geist, entwickelte sich schon ein Ekel gegen die Artgenossen, ein Hass gegen die Menschen.
Obwohl noch nie zuvor mit diesem Kopf gedacht wurde, konnten sich einige Verhaltensweisen jetzt schon nachweisen lassen. Die Blöße des eigenen Körpers mitten unter ihnen war unangenehm, Scham würden sie sagen.
Das erste, was dieser Körper spürte war die Wärme von anderen Körpern auf einem kalten und nassen Untergrund. Hände, die nach ihm griffen und nach oben zogen. Oder drückten sie den Körper nach unten? Die Wahrnehmung der Welt war verschwommen, man konnte nicht erkennen, ob es nun nach oben oder unten ging, der Körper wusste nicht wo oben und unten sind.
Dann das erste Mal eine Stimme, die sich erhob. Der Körper hatte noch keine Augen, konnte nichts sehen, es war zu grell. „Sie müssen sich bedecken, sonst erfrieren Sie!“ drang die Stimme laut an die Ohren, viel zu laut.
Voller Zorn, einem menschlichen Gefühl, streckte der Körper das erste Mal seine Gliedmaßen und riss mit seinen Händen an den Körpern der Artgenossen. Ein warmes Gefühl überlief die Haut des Körpers und es folgte lautes Geschrei. Die Hände der anderen griffen nicht mehr um sich, sondern ließen los und verschwanden.
Der Körper erhob sich das erste Mal aus eigener Kraft und öffnete die Augen. Der Blick glitt nach unten auf die eigene Erscheinung und etwas warmes, flüssiges bedeckte die Haut an einigen Stellen. Der Körper der Stimme, die vorhin gerufen hatte, lag leblos auf dem Boden, ein Loch in der Brust.
In der eigenen, neuen Hand lag etwas, es war weich und auch mit diesem Flüssigen getränkt. Um sich herum immer noch das Geschrei. Der Körper wollte die ersten Schritte auf den eigenen Beinen gehen, doch fiel er hart auf den kalten Boden zurück.
Er lag stumm einfach da und irgendwann griffen wieder warme Hände nach ihm. Das, was in der Zwischenzeit passiert war, das nannte man wohl Zeit. Es war unangenehm das Vergehen der Zeit zu spüren.
„Wie kann man jemandem bitte das Herz herausreißen?!“ ertönte eine neue Stimme, die das noch so junge Gehör nicht kannte. Dann Schwärze.
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