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long way to heaven

von Lilli
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
21.01.2016
20.02.2016
5
7.233
2
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3 Reviews
Dieses Kapitel
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24.01.2016 1.619
 
Connor blickte auf Amy. Seine Finger berührten ihren Handrücken, unsicher ob die Geste bis in ihr Unterbewusstsein hervordrang.

Sie war noch immer bewusstlos. Auch wenn ihre Testergebnisse besser schienen,  wirkte sie deutlich mitgenommen. Rhodes drückte ihre Hand, drehte sich um, als er hinter sich Schritte vernahm.
Es war seine Kollegin, Dr.  Natalie Manning, die mit ernster Miene in die Richtung des bewusstlosen Mädchens sah, nachdem sie das Zimmer im Intensivbereich betreten hatte.
Connor strich sich über die Wange und schniefte.  Er fühlte sich unwohl in dieser Situation gesehen zu werden.

„Es ist gut, dass du bei ihr bist.“

„Zu spät“, zuckte der dunkelhaarige Arzt mit den Schultern, was Natalie verneinte.

„Nein.“
Sie schnappte nach einem Stuhl, setzte sich neben ihn.

„Weißt du, als Owen geboren wurde und ich ihn zum ersten Mal auf dem Arm gehalten habe, da habe ich mir geschworen alles zu tun, damit aus ihm der Mann wird, den sich sein Vater immer gewünscht hätte. Als er anfing zu laufen, gab es diesen eigenen Tag, als er mich beim Einkaufen begleitet hat. In dem Moment, als ich ihm den Rücken zudrehte, ist er weggerannt. Ich fing an, überall nach ihm zu suchen. Als ich ihn am Eingang wieder gefunden habe, war ich völlig mit den Nerven am Ende. Was ich damit sagen will: Auch als Elternteil, hast du nur einen begrenzten Einfluss. Ich habe ständig Angst, dass mein Job als Ärztin für uns zum Hindernis wird und fürchte mich jetzt schon davor, wie sich unsere Beziehung entwickelt, wenn Owen zum Teenager wird. Hör auf mit den Selbstvorwürfen, Connnor. Es gibt immer Wege, um eure Probleme zu lösen. Auch wenn ihre Gesundheit momentan oberste Priorität hat.“

Rhodes nickte, dankbar für ihre Worte.

„Wenn sie aufwacht, wird sie dich brauchen. Glaub mir“, zwinkerte ihm Natalie zu, bevor sie aufstand da ihr Pieper Alarm geschlagen hatte.
Connor konnte nicht lange über ihre Worte nachdenken.
Er wollte sich bereits auf den Weg zum Flur machen, in dem es einen Kaffeeautomaten gab, als er an seiner Hand eine leichte Bewegung spürte.

„Amy?“

Die 14 jährige begann sich hin und her zu wälzen, fasste reflexartig auf den Schlauch in ihrer Nase, der sie mit Sauerstoff versorgte.

„Amy!“, wiederholte Rhodes mit klarer Stimme und entfernte die zusätzliche Beatmung, während sie die Augen öffnete.

„Dad?“
Connor lächelte traurig, während ihr bereits die ersten Tränen aus den Augen rollten. Offensichtlich kamen die Erinnerungen zurück.

„Es tut mir so leid. Was da passiert ist…“

„Shhh… Darüber reden wir später, okay?“

Das Mädchen nickte, während es zu schluchzen begann.
Im Gegensatz zu den vorherigen Stunden, die Connor Hand haltend an ihrem Bett verbracht hatte, zeigte er in diesem Augenblick keine Regung. Sein Blick schweifte zum Fenster. Auch wenn es so leicht gewesen schien, Emotionen zuzulassen, während sie bewusstlos gewesen war, schien er nahezu unfähig sie nach dem Aufwachen zu trösten…

_________________


Die Tage vergingen. Während sich Amys Ergebnisse verbesserten und die Ärzte im Chicago Med ihr Geheimnis hüteten, näherte sich der Moment, in dem sie aus dem Krankenhaus entlassen werden sollte.

Trotz allem änderte dies nichts an der angespannten Atmosphäre zwischen der 14 jährigen und ihrem Vater. Connor vermied längere Besuche und übernahm im Vergleich zur bisherigen Alltagsroutine zusätzliche Schichten. Er sah lediglich nach seiner Tochter, wenn sie bereits schlief, auch wenn er ein strenges Auge auf sie hatte, besonders was die Veränderung ihrer Blutwerte anbelangte.
Am Tag ihrer Entlassung, entschloss er sich für das klärende Gespräch über das bisherige Geschehen.
Müde nach einer der unzähligen Nachtschichten, klopfte er an der Zimmertür. Ein zugehöriger ernster Blick blieb nicht aus.
Amy sah von ihrem IPhone nach oben auf, schaute ihn überrascht an.

„Heute ist der Tag der Tage, junge Dame.“

„Wo bist du gewesen?“, fragte die 14 jährige sarkastisch, nicht ohne eine dementsprechende Antwort zurück zu erhalten.

„Ich habe Geld verdient, um dir deine Alcopops zu finanzieren

Das Mädchen lachte ironisch.

„Wie witzig.“

„Nicht so witzig wie meine Tochter, die sich ihre Aufmerksamkeit eher durch Russisch Roulette verdient. Tipp von einem Experten:  Beim nächsten Mal mischt du am besten Heroin bei. Das ist weniger schmerzvoll und garantiert einen schnelleren Tod“, hielt ihr Connor das Widerspiel.

„Nichts lieber als das. Wenn es nach dir ginge, wäre ich am liebsten tot.“

„Ja, natürlich. Deshalb habe ich 12 Stunden an deinem Bett gesessen und gehofft, dass du die Nacht überlebst!“, schrie er sie an und verschränkte frustriert die Arme vor der Brust.

„Hast du eigentlich ansatzweise eine Ahnung davon, was du mir durch dein Verhalten antust? Ich war
einer der besten Chirurgen, bis sie dich mitten in der Nacht in die Notaufnahme gebracht haben. Du kannst dich glücklich schätzen, dass sich Halstead auf diesen Deal eingelassen hat. Andernfalls würdest du jetzt im Jugendknast sitzen. Ist dir das ansatzweise bewusst?“
Aber das wollte die 14 jährige nicht auf sich sitzen lassen.

„Ich, ich, ich. Alles dreht sich nur um dich und deine Arbeit. Sei doch einmal ehrlich. Am liebsten wäre es dir, wenn ich jetzt tot wäre. Ich bin doch nicht mehr als eine Last für dich. Du wolltest mich nie haben und jetzt behaupte bloß nicht, dass ich ein typisches Wunschkind war. Du warst noch auf dem College, als du Vater geworden bist. So sieht die Realität aus.“
Sprachlos sah Rhodes dabei zu, wie Amy die Kanüle aus ihrem Arm entfernte. Das Blut spritze förmlich heraus, bildete Flecken auf Natalie Mannings weißem Kittel, da diese gerade den Raum betrat.  Völlig schockiert sah die Kinderärztin auf Amy.

„Was machst du da?“, versuchte sie die 14 jährige zurück zu halten, die bereits aufgesprungen war.

„Lass mich sofort los! Ich hasse euch! Alle“, begann Amy zu schreien und um sich zu schlagen, woraufhin sie von Natalie und ihrem Vater zurück gehalten wurde.

Der Teenager rastete komplett aus. Erst eine von Dr. Charles verabreichte Injektion mit Beruhigungsmitteln konnte sie zurück halten. Das Benzodiazepan wirkte schnell. Innerhalb weniger Minuten war sie eingeschlafen. Auch wenn dies keineswegs das eigentliche Problem löste.

„Bist du eigentlich verrückt geworden?“, schrie Manning Connor entgegen und erhaschte verständnislose Blicke von seiner Seite.
Rhodes reagierte wie es für ihn typisch war, schüttelte nur verständnislos mit dem Kopf und ergriff dann reflexartig die Flucht.

„Du hast doch keine Ahnung“, verließ er aufgebracht den Raum, während ihm seine Kollegen verwundert hinterher sahen…

____________


„Ihr zwei habt ein ernsthaftes Problem und es wird größer werden. Mit jedem weiteren Tag“, stellte der Psychiater und Seelsorger Dr. Charles zwei Stunden später fest. Er war Connors Kollege im Krankenhaus. Auf Charles persönliches Anraten in Bezug auf seine Erziehungsprobleme hatte Connor den Berater kurzfristig konsultiert.

Daniel Charles nahm seine Brille von den Augen, spielte nervös mit dem Kugelschreiber in seiner Hand.

Connor stöhnte und trank einen weiteren Schluck aus seiner Kaffeetasse, die er anschließend auf dem Schreibtisch abstellte. Er hatte Daniel Charles Einladung gerade einmal 5 Minuten eingelöst und war schon jetzt dafür bereit, sein Büro zu verlassen.

„Und?“

„Du wirst sie verlieren. Wenn es nicht Drogen oder ihr riskantes Verhalten sind, dann wird das Jugendamt früher oder später auf sie aufmerksam werden. Es sei denn, ihr arbeitet an eurer Beziehung.“

„Aha, also ist das jetzt meine Schuld?“

„Das habe ich nicht gesagt. Außerdem, wer redet hier von Schuld. Wir sind nicht vor Gericht.“

Dr. Charles zuckte mit den Schultern.

„Hör mal, es ist keineswegs so, dass sie mir nichts bedeutet. Ich bin fast umgekommen, als ich sie in dieser Verfassung gesehen habe. Aber da ist immer dieses Gefühl, als ob etwas zwischen uns steht. Als ob sie mich hasst. Und mit allem was ich tue, wird es eher schlimmer als besser.“
Connor wirkte sichtlich verzweifelt, spielte nervös an seinem IPhone, mit dem er normalerweise zu Notfällen gerufen wurde.

„Ja, weil du Angst hast“, machte ihm der Psychiater klar, bekam jedoch ein demonstratives Kopfschütteln zur Antwort.

„Nein!“

„Du hast Angst Vater zu sein, weil dich dein eigener alter Herr im Stich gelassen hat.“

„Woher weißt du davon?“

„Das tut hier nichts zur Sache.“
Charles stopfte sich zwei übrig gebliebene Taccos in den Mund.

„Du denkst, dass es das beste ist, die Konfrontation zu vermeiden als mit deinen Ängsten umgehen zu müssen. Du willst keine Fehler machen, weil du nicht weißt wie ein guter Vater, da dich dein eigener Erzeuger vernachlässigt und es sich zur Aufgabe gemacht hat, deine Autorität zu
untergraben .“

„Komm schon, Daniel. Das ist doch verrückt.“
Connor war bereits aufgestanden, um zu gehen.

„Ich meine das nicht böse. Ich bin mir sicher, dass du deiner Aufgabe gerecht werden würdest, weil du tief im Inneren weißt, dass deine Vergangenheit nicht Amys Zukunft sein muss.“
Rhodes wusste nicht, was er erwidern sollte. Einen Moment den Charles nutzte, um seine Ausführungen fortzusetzen.

„Sie ist verletzt. Amy hat ihre Mutter verloren und war danach lange auf sich allein gestellt. Teenager sind in ihrem Alter ohnehin empfänglich für schlechte Einflüsse. Deshalb bräuchte sie ein Vorbild, das sie in den kommenden Monaten  an die Hand nimmt.“
Rhodes gab ein abwertendes Pfeifen von sich.

„Aha und was ist deine Idee? Soll ich meinen Job kündigen?“
Dr. Charles verneinte.

„Wie wäre es, wenn du dir ein paar Tage frei nimmst und ihr ein paar gemeinsame Tage verbringt? Nur du und Amy.“
Er öffnete seine Schreibtischschublade, holte einen Schlüssel hervor.

„Es gibt da eine alte Hütte im Wald, die ich von meinen versotrbenen Großeltern geerbt habe. In der Nähe zur kanadischen Grenze.“

Connor sah ihn ungläubig an.

„Willst du mich jetzt auf den Arm nehmen.“
Charles schüttelte mit dem Kopf.

„Nein, das ist mein persönliches Geschenk an besondere Patienten. Denk darüber nach“, gab er ihm die Schlüssel.
Connor bewegte ungläubig den Kopf hin und her, wollte bereits durch die Tür gehen, als ihn Daniel Charles mit seinen Worten zurück hielt.

„Sie hasst dich nicht.“

„Was macht dich so sicher?“

„Finde es heraus.“
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