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Repeating History

Kurzbeschreibung
GeschichteThriller, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Lijanas Mordan
20.01.2016
17.10.2016
6
11.159
3
Alle Kapitel
6 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
10.02.2016 1.530
 
Kapitel 4


„Ich halte das immer noch für keine gute Idee.“, sagte Brachan. Er thronte hinter seinem altmodischen Schreibtisch, die Abrechnungen des Quartals vor sich ausgebreitet, ein Glas Scotch fest im Griff.

„Nicht du auch noch.“, knurrte Mordan.

Brachan schmunzelte. „Hatte mir fast gedacht das ich nicht der Erste bin der dir das erzählt. Aber das du dir nichts sagen lässt ist ja nichts Neues. Was willst du überhaupt mit ihr? Mannion schuldet uns noch ein halbes Vermögen.“

„Der Kerl ist ein Stümper. Hat er überhaupt je einen Abschluss gemacht?“

„Sie hat auch keinen.“

„Wird sie aber bald. Und wenigstens vergisst sie nicht ihren Flachmann in der Bauchhöhle.“

„Dann ist da Fell … Er hat Erfahrung, er macht praktisch alles -“

„- aber nur wenn er Lust hat. Außerdem ist er ein arrogantes Arschloch und verlangt horrende Summen.“

„Du finanzierst sie auch ziemlich gründlich.“, konterte Brachan und fuhr mit dem Finger über die entsprechenden Einträge. Ecren, der dezent für Nachfragen und Erklärungen neben Brachans Stuhl stand und bis jetzt erfolgreich so getan hatte, als höre er nicht zu, nickte verhalten.

„Eine Investition. Auf Dauer ist sie auf jeden Fall billiger als Fell.“

Ecren schnaubte. „Du zahlst ihr die Hälfte vom Üblichen. Wundert mich, das sie das überhaupt so lange mitgemacht hat.“

Levan stieß sich von der Wand ab und schlenderte zu ihnen herüber. „Ach ja? Ihr solltet ihr Gesicht sehen wenn ich ihr das Geld gebe – wie ein kleines Mädchen das ein Pony zum Fest der Göttin geschenkt bekommt.“

„Das ist eben das Problem. Sie weiß es nicht besser. Sie ist ein albernes kleines Ding das auch mal Big Tough Girl spielen will.“, sagte Ecren. „Wie lange geht das gut? Wie weit kann sie gehen, bevor sie abspringt?“

„Und dann ist da noch die Sache mit dem Ehemann.“, ergänzte Brachan.

Mordan knallte seinen Tumbler auf den Tisch. „Wenn mir noch einmal einer mit diesem Ehemann kommt ...“

„Ich glaube nicht, dass er ein wirkliches Problem ist ...“, warf Levan ein. Die anderen Männer drehten sich zu ihm um. Er schluckte. „Ich meine, nach dem was er letztens abgezogen hat. Ich würde ihn für die letzte Person halten, zu dem sie zum Ausheulen rennt.“ Er zuckte die Schultern. „So'n richtiges Arschloch halt. Und so kippelig ist sie gar nicht. Sie macht das alles für ihre Kinder … hat schon seine eigene Ironie.“

Alles was sie in ihrem ganzen Leben tun wird, tut sie nur für ihre Kinder.

Brachan seufzte und klappte die Abrechnungen zu. „Verschwindet, Jungs.“ Mordan tat nicht mal so als fühle er sich angesprochen.

Als die zwei anderen Männer die Tür fest hinter sich geschlossen hatten fuhr er sich müde mit der Hand übers Gesicht und kippte den Rest seines Drinks weg.

„Warum sie?“, fragte er schließlich.

„Sie ist gut.“

„Ja. Ja, das habe ich auch schon verstanden“, er winkte genervt ab. “Aber warum sie?“

Mordans Kiefer verkrampfte sich.

„Ich habe das Foto gesehen, und ich bin nicht blöd.“

Mordan knurrte ungehalten und drehte den Kopf weg. „Denkst du vielleicht, es geht darum?“

Brachan schenkte sich großzügig nach. „Dann erklär's mir. Warum sie.“

„Sie hat verdammt viel Potenzial. Willensstark, was ich bisher von ihr gehört und gesehen habe. Ecren denkt, sie testet nur mal das Wasser und steigt aus sobald es brenzlig wird. Aber ich glaube,“, ließ sich in einen der bequemen Ledersessel sinken, „sie wird genau das auf keinen Fall tun. Das hier, das ist ihr Freifahrtschein raus aus einer ätzenden Ehe und einem grauenhaften Leben, und was viel wichtiger ist, für ihre Kinder. Und ich denke, sie ist verzweifelt und entschlossen genug, bloß nicht wieder loszulassen. Außerdem,“, er holte sich sein Glas zurück, „muss sie sich selbst beweisen das sie das toughe kleine Mädel sein kann.“

„Du meinst, sie ist verdammt Dickköpfig.“, stellte Brachan fest.

Mordan schnaubte. „So kann man es natürlich auch sagen.“

***

Ahmeer knirschte mit den Zähnen und starrte angestrengt auf seine Akten. Er fragte sich, ob sie wohl einfach wieder verschwinden würde, wenn er sie nur lang genug ignorierte. Aber so, wie sie sich genau vor seinem Schreibtisch in Stellung gebracht hatte, unübersehbar und unbewegt, ließ da wenig Hoffnung aufkommen.

Schließlich sah er auf und musterte sie abschätzend. Sie konnte nicht viel älter sein als er, aber die dunkle Bluse und die Stoffhosen hatten etwas Uniformhaftes, das nach frisch von der Akademie aussah. Ihre Haare waren fest eingeflochten und ihr Gesicht schien noch nie etwas von Make-Up gehört zu haben. Dazu feste, flache Schuhe. Sie war wahrscheinlich noch nie besonders weiblich gewesen, und die Akademie und, was Ahmeer nur vermuten konnte, stundenlanges Krafttraining hatte dem den Rest gegeben.

Sie war nicht wirklich hässlich im klassischen Sinne. Trotzdem hätte er sie nicht mal sturzbetrunken angesprochen.

Er drückte seine Zigarette aus. „Was wollen Sie?“

Sie drückte den Rücken durch. „Sie haben Informationen über eine gewisse Lijanas Calder einholen lassen?“

Ahmeer seufzte innerlich. Wahrscheinlich hatte die Inneren Aufsicht sie geschickt weil man ja auch sie irgendwie beschäftigen musste.

„Ja, und?“

„Ihre Ehefrau.“, sagte sie trocken.

Er hob eine Braue und atmete betont genervt aus.

„Hören Sie, Miss, ich wüsste nicht was Sie das ang-“

„Sie haben einen der Techniker beauftragt, Ressourcen des Staats zweckzuentfremden um Ihrer Ehefrau hinterherzuspionieren. Ist das korrekt?“

„Es gab einen begründeten Verdacht.“

Für eine Sekunde zuckte ein kaltes Lächeln um ihre Lippen. „Den gab es in der Tat.“

Ahmeer starrte sie stutzig an. Sie beugte sich zu ihm vor und stützte sich auf seinem Schreibtisch ab. „Mr Calder, Sie täten gut daran, sich nicht länger in die laufenden Ermittlungen meiner Abteilung einzumischen.“

„Ihre Abteilung?“, fragte er. „Wie darf ich das verstehen?“

Kurz schien es als wolle sie mit den Augen rollen. „Meine Abteilung: Delphina Eliazanar, Organisiertes Verbrechen. Ich leite die Ermittlungen im betreffenden Unterbereich und möchte Sie deshalb im Namen meines Abteilungsleiters dazu auffordern, sich aus der Sache raus zuhalten.“

„Wollen Sie mich eigentlich verarschen?“, er lachte. „Lija und die Clans? Die kleine F... Sie hat noch nie auch nur falsch geparkt.“

„Nein, wir wollen Sie nicht verarschen. Ihre Ehefrau wurde wiederholt mit bekannten Familienmitgliedern gesichtet. Sie erhält unregelmäßige Zahlungen, aber das wissen Sie ja bereits.“

„Wollen Sie damit sagen ...“, er riss die Augen auf. „Dieser Typ, der da letztens bei ihr rumhing ...“

„... ist ein Mitglied einer der Kjer-Clans, ja, auch wenn er nur ein kleiner Handlanger ist.“, sie beugte sich noch weiter vor, sodass er nur zurückweichen konnte. „Ich sage es Ihnen noch einmal. Halten Sie sich da raus, oder ich sorge höchstpersönlich dafür das Sie für den Rest ihres Lebens Akten sortieren.“

„Hören Sie mal, wissen Sie eigentlich -“

„Nein, Sie hören mir zu! Wissen Sie eigentlich, wie egal mir Ihr Vater ist? Oder was für einen schicken Wagen Sie fahren?“ Sie hob nicht für eine Sekunde ihre eiskalte Stimme. Ihre Augen glitzerten gefährlich. „Ich weiß ja nicht genau, was Sie so alles kompensieren müssen, aber ich habe einen Job zu machen, und ich werde mir nicht weiter von so einem minderbemittelten Versager wie Ihnen dazwischenfunken lassen! Also halten Sie Ihre verdammten Füße still und scheuchen Sie sie nicht auf! Wir brauchen nicht Sie, wir brauchen Ihre Ehefrau, und zwar genau da wo sie gerade ist!

Halten. Sie. Sich. Raus. Haben Sie das verstanden?“

Er starrte sie nur überrumpelt an und drückte sich in seinen Bürostuhl. Sie zog ihn an seiner Krawatte zu sich her.

„Haben Sie?“

Er nickte widerwillig.

„Gut“, sagte sie und ließ ihn sitzen.

***

Lijanas stöhnte genervt, als das schrille Klingeln eines Telefons das Röhren des Mixers übertönte. Es war das Wegwurfhandy, das Levan ihr gegeben hatte. Ihre Hände waren voller Zwiebelsaft, weshalb sie umständlich mit dem Handballen abheben und sich das Handy zwischen Ohr und Schulter klemmen musste.

„Ja … Hi.“

Sie seufzte und lehnte sich gegen die Küchenzeile.

„Aber nicht jet- achso, okay … er will was? Warum? … Wunderbar.“, sagte sie sarkastisch. „Ich kann nicht ständig – was wenn ich keine Zeit habe? … Ja. … Nein.“

Du findest schon Zeitmi mi mi, äffte sie ihn in Gedanken nach während sie sich die Finger wusch um richtig reden zu können.

„Hör mal – nein, mir aber nicht?! … egal … ja, da habe ich Zeit … Er kann auch einfach anrufen, das ist ihm klar, oder? Ich habe ein Telephon. Es muss nicht unbedingt dies- … egal, vergiss es. Ja, ich komme. … Wie bitte? Wollt ihr mich verarschen!? Wage es bloß nicht jetzt einfach-“

Er legte einfach auf.

„Wichser“, fluchte sie. Raixa rollte sich gurgelnd auf ihrer Spieldecke zusammen.

„Das findest du wohl ganz besonders witzig, was?“, fragte sie und hob die Kleine hoch.

„Maaaaaaa-maa“, quengelte Cemi und streckte ihr flehend seine Ärmchen entgegen, kaum das sie wieder aufgestanden war. „Auf!“ Ob er tatsächlich Auf oder doch vielleicht Auch meinte schien ihm selbst noch nicht so ganz klar zu sein. Also erbarmte sie sich und wuchtete ihn auch in ihre Arme.

„Das sind alles Idioten“, erzählte sie den beiden kichernden Kleinkindern während sie sie zum Sofa bugsierte, „und wisst ihr was? Die Idioten haben einen Chef, und der ist der aller größte Idiot, der kann mich nicht mal selbst anrufen wenn er was mit mir besprechen will.“

Raixa zog an einer Strähne die ihr ins Gesicht hing.

„Autsch! Lass das bleiben, ja?“

Aber anscheinend gab es nichts faszinierendes als Mamas Haare. Sie seufzte.

***
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