Lilith & Lucifer- Gefährliche Leidenschaft

GeschichteRomanze, Fantasy / P18
18.01.2016
22.06.2019
50
129872
67
Alle Kapitel
67 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
Seufzend drehe ich mich zu ihm um, stütze mich mit dem Ellenbogen am Boden ab und lege meinen Kopf auf meine Hand.
Ich betrachte ihn forschend. Er wirkt nachdenklich und in sich gekehrt.
„Was ist los?“, frage ich.
„Wie kommst du darauf, das etwas mit mir los ist?“, will er wissen.
Eine Frage mit einer Frage beantworten.
Er will mir ausweichen.
„Du fragst mich ständig, worüber ich nachdenke. Jetzt möchte ich aber wissen, über was du nachdenkst.“
Mittlerweile hat er seine Augen geschlossen, weil er es nicht für angebracht hält, mich anzusehen, wenn ich mit ihm rede.
Doch dann öffnet er sie kurz und schaut mich an. „Ich denke, wir haben genug für heute geredet.“
Wie bitte? Mein Blick ändert sich schlagartig und ich ziehe meine Augenbrauen hoch, doch er hat seine Augen bereits wieder geschlossen. Lautlos schnalze ich mit der Zunge.
Typisch.
Ich warte einen Augenblick, bevor ich mich aufrecht hinsetze und mich nach meinem Bh ausstrecke.
„Schreib mir, wenn du wieder reden willst. Du hast ja meine Nummer.“
Als ich meinen Bh habe, ziehe ich ihn an und schaue mich kurz im Raum nach meinen anderen Sachen um, als plötzlich mein Bh aufspringt.
„Leg dich wieder hin.“, sagt er plötzlich.
„Nein, es ist schon spät und ich werde langsam müde.“, gestehe ich, auch wenn ich gern bleiben würde.
„Leg dich einfach zu mir. Nur für einen Moment.“
Er streichelt meinen Rücken, langsam und zärtlich, bevor er mir die Bhträger von der Schulter streicht und ich ihn wieder ausziehe. Jedoch verharre ich einige Momente in meiner sitzenden Position. Mir ist kalt.
Lucifer setzt sich ebenfalls aufrecht hin. Er streicht meine Haare zur Seite und küsst meine Schulter, bevor er aufsteht, um sein Hemd zu holen und es mir über die Schulter zu legen. Dann legt er sich wieder hin.
„Komm her.“
Verwirrt lege ich mich wieder hin und er zieht mich an sich.
Heilige scheiße!
Will er etwa kuscheln? Bilde ich mir das nur ein?
Nein, es passiert wirklich, dass Lucifer mich an sich zieht, ich meinen Kopf auf seine Brust lege und er meine Kehrseite entlang streichelt. Mein Herz klopft wie wild. Seins hingegen klopft gleichmäßig und entspannend, ich versuche mich auf dieses Geräusch zu konzentrieren.
„Die zwanziger hätten dir bestimmt gefallen.“, sagt er. „Ich habe gern in den zwanzigern gelebt.“, spricht Lucifer weiter, womit ich nicht gerechnet habe. „Ich habe 1923 das Luce eröffnet. Es war ein Geschenk von einem sehr alten Freund und seiner Schwester, Lucille.“
Lucille
Er hat sie bereits erwähnt.
„Lucius und Lucille waren nicht wirklich blutsverwandt. Lucille war die Tochter von zwei unbekannten Bauern, die in den Wäldern Salems wohnten. Ihr Vater starb vor ihrer Geburt an einem Fieber und die Mutter verstarb während der Geburt. Sie war also noch ein kleines Baby, als sie von einer wohlhabenden Familie aufgenommen wurde. Als Lucille 13 wurde, brachte ihr Vater einen jungen mit nach Hause. Er war voller Dreck und seine Kleidung war durchlöchert. Sie nannten ihn Lucius. Die beiden verbrachten jede freie Minuten miteinander. Er beschützte sie und sie kümmerte sich im ihn.“
Lucifer hält inne.
„Ist dir immer noch kalt?“, fragt er mich leise.
„Nein, rede weiter.“
Er zieht mich enger an sich und ich schließe meine Augen. Ich genieße seine Nähe. Mehr als mir gefällt.
„Die beiden waren anders. Lucius konnte Dinge bewegen, ohne sie anzufassen und als er dabei von seinen Eltern erwischt wurde, dachten diese, er sei vom Teufel besessen. Der Mann, der ihn einst von der Straße gerettet hatte, schlug nach ihm. Er schrie ihn an, bespuckte ihn, nannte ihn eine Ausgeburt der Hölle. Er schlug ihn beinahe zu Tode und Lucius wehrte sich nicht. Doch Lucille konnte es. Sie sprach Worte, die sie selber nicht einmal verstand und ihr Vater, sowie ihre Mutter zerfielen zu glühender Asche.“
„Was waren die beiden? Dämonen?“
Ich spüre, wie er seinen Kopf schüttelt. „Lucille war eine Hexe und Lucius ein Hexer. So würdet ihr sie nennen. Die richtige Bezeichnung lautet „Diener des Waldes“ oder „Schatten des Waldes“.
Lucille nannte sich selbst aber gern eine Künstlerin der Nacht.“
Ich stütze mein Kinn auf seiner Brust ab und sehe ihn an. Er hat die Augen geschlossen und lächelt. Aber er redet nicht weiter. Also lege ich meinen Kopf zurück auf seine Brust und schließe meine ebenfalls.
Das Lucifer gerade so mit hier liegt, eng umschlungen, kommt mir vor wie ein Traum. Er hat sich immer zurückgezogen nach dem Sex. Damit hatte ich mich abgefunden. Umso überraschter bin ich, jetzt mit ihm hier zu liegen. Doch noch überraschender ist, dass er mir etwas erzählt hat. Auch wenn er mir nichts über sich erzählt hat.
„Bist du betrunken?“, frage ich leise. Ich darf nicht einschlafen.
„Angetrunken“, gesteht er. „Aber nicht so sehr wie du.“
Ich verpasse ihm einen leichten Schlag in den Bauch. „Ich bin nicht... ein bisschen vielleicht.“
Er lacht leise und ich hebe meinen Kopf an, um ihm einen bösen Blick zuzuwerfen. Daraufhin stupst er meine Nase mit dem Zeigefinger an.
„Du bist süß“ Er lächelt. Und ich versuche nicht zu grinsen.
Wir sehen einander an. Er streicht mir einzelne Strähnen zärtlich hinter mein Ohr, bevor er aussieht, als würde er sich jeden Millimeter meines Gesichtes anschauen.
„Ihr beide seid ja wirklich zuckersüß“, ertönt Alice Stimme plötzlich und Lucifer räuspert sich, ehe er mich beinahe von sich schiebt und zu Alice an der Bar rüber schaut. Ich schlinge das Hemd fester um mich.
„Was tust du hier? Ich habe gesagt, ich möchte heute niemanden im Luce haben. Auch dich nicht.“
Er klingt wütend, doch Alice zuckt nur mit ihren Schultern. Ihre Gelassenheit hätte ich gerne.
„Ich wollte wissen wofür und jetzt weiß ich es. Für dich und deine Freundin also.“
„Hör auf!“, knurrt er und steht auf, um sich anzuziehen.
Ehe ich meine Sachen selbst hole, bringt er mir sie und ich ziehe mich an.

„Wieso denn? Sie ist doch deine Freundin oder etwa nicht?“
Auch wenn ich sie nicht anschaue, kann ich ihr provozierendes grinsen hören.
„Sie ist nicht meine Freundin.“
Seine Worte fühlen sich wie ein Stich ins Herz an, dabei war ich mir die ganze Zeit bewusst, dass Lucifer und ich kein Paar sind und das auch niemals sein werden. Doch die Art, wie er es sagt, so herablassend, trifft mich.
„Aber du bist in sie verliebt? Oder liege ich da auch falsch?“
Was wird das hier?
„Nein“, erwidert er ohne zu zögern. Und mir wird etwas schmerzhaftes bewusst. Etwas, was ich mir nicht eingestehen konnte.
„Das heißt, du empfindest rein gar nichts für sie?“
Ich will hier weg, doch ich bewege mich nicht.
Wieso stehe ich nicht auf und gehe?
„Nichts“
Das reicht. Ich stehe auf und gehe zur Bar, um meine Tasche zu holen. Alice wirft mir einen komischen Blick zu.
„Beweis es mir.“
Ich schaue sie an. Dann schaue ich zu Lucifer. Er wirkt kurz überrascht, doch dann scheint ihn eine Erkenntnis zu treffen. Eine, von der ich ahne, dass sie nichts gutes bedeutet.
„Warum tust du das?“, fragt er.
„Weil du wegen ihr alles andere vernachlässigst und ich kann mich daran erinnern, dass du zu mir sagtest, dass du nur eine einzige Nacht mit ihr willst und sie mehr nicht Wert ist. Und jetzt sagst du bereits Veranstaltungen ab, nur um mit ihr in Ruhe auf deinem scheiß Klavier zu vögeln? Merkst du etwa nicht, dass sie auch....“
„Du hast Recht.“
Was?
„Dann tut euch beide den gefallen - und mir- und trifft euch nicht mehr.“ Dann nimmt sie sich eine Flasche Vodka und verschwindet. Ich sehe ihr hinterher, bevor ich Lucifer anschaue, aber er sieht mich nicht an.
„Hörst du auf sie?“
Sag nein.
Doch er wird nicht nein sagen. Er sieht mich nicht mal an. Ein schreckliches Gefühl der enge macht sich in meiner Brust breit.
„Sie hat recht. Wir sollten uns nicht mehr sehen. Das Apartment kannst du behalten.“
Er klingt nicht überzeugend. Und ansehen kann er mich immer noch nicht.
„Tu das nicht“, bitte ich ihn.
Jetzt bin ich froh, dass er meinen Blicken ausweicht, denn er soll nicht sehen, wie verletzt ich bin. Gerade eben noch, liegen wir nackt und eng umschlungen auf dem Boden... Er hat mir Sachen erzählt, die etwas mit seiner Vergangenheit zu tun haben und jetzt beendet er es einfach. Ich könnte mich selbst Ohrfeigen, weil ich beinahe wirklich dachte, er könnte sich ändern. Und weil ich zugelassen habe, etwas für ihn zu empfinden.
„Was hast du erwartet? Das aus uns mehr werden könnte? Ich will dich nur ungern verletzen, aber...“
„Halt den Mund!“, brülle ich beinahe, obwohl ich nicht sauer bin. Verletzt und gekränkt, würde meine Gefühlswelt im Moment besser beschreiben.
„Tut mir leid“, ruft er mir hinterher, nicht sonderlich bemüht darum, es ehrlich klingen zu lassen.
Ich wende mich zum Gehen, doch kurz vor der Treppe drehe ich mich wieder um.
Ok, ich bin doch sauer. Ich bin stinksauer. Wieso hat er nicht einfach seine scheiß Klappe gehalten?
„Was tut dir leid? Dass du meine Zeit verschwendet hast? Das du ein verdammtes Arschloch bist, dass sich nicht eingestehen kann, dass er Liebe empfinden kann? Denn wir beide wissen, dass du Lucille geliebt hast. Du bist einfach nur...“
„Verschwinde!“, brüllt er.
„Du bist Feige!“, brülle ich zurück. „Du bist einfach nur ein feiges Arschloch!“

Plötzlich kommt er auf mich zu. Angst, dass er mir was antun könnte, packt mich und drehe mich um, um schnell zu verschwinden, doch dann packt er mich auch schon am Arm und wirbelt mich herum.
Vor Schreck stolpere ich und lande unsanft auf mein Hinterteil.
Lucifer beugt sich vor Schreck zu mir runter und will mir helfen, doch dann hole ich aus und verpasse ihm eine. Ich bin wahrscheinlich genauso überrascht über meinen Wutausbruch, wie er.
Lucifer fasst sich an seine Wange, ehe er mich anschaut.
„Ich würde dir nie wehtun!“, sagt er.
„Das hast du bereits.“, erwidere ich, richte mich auf und gehe, ohne ihn noch einmal anzusehen.

Review schreiben