Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Der Wunsch, das richtige zu tun

von Av4l4rion
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12
Aramis Athos D'Artagnan OC (Own Character) Porthos
18.01.2016
24.11.2019
20
34.081
3
Alle Kapitel
7 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
31.07.2016 1.464
 
Liebe Leser,

Dickes Dankeschön an dieser Stelle an Calcio und MarieSophie, die die ersten beiden Reviews hinterlassen haben. Ferner gilt mein Dank jenen 12 Lesern, die die Geschichte geliked haben. Es ging ein bisschen holprig los, aber ich freue mich jetzt umso mehr, dass ihr dabei bleibt und hoffe, das bleibt auch so :)
Sorry, dass ich im Moment nicht so schnell wie sonst Kapitel hochladen kann. Ich bin durch die Arbeit ziemlich lange außer Haus und Abends wirklich müde :)

--

Mit Mademoiselle Bruel als Anhang folgte Aimée den langen Gängen des Schlosses, bis sie durch jene Tür wieder nach draußen trat, durch die sie wenige Stunden zuvor mit Athos das Schloss wieder betreten hatte. Die Sonne schmerzte ihr in den Augen, doch als diese sich an die Helligkeit gewöhnten, blickte sie sich genauer um.
Da Sommer war, war es bereits seit Wochen sehr heiß und trocken. Die Wiesen des Parks litten eindeutig unter dieser Wasserknappheit. Sie waren inzwischen mehr braun als grün, obwohl sich die Gärtner seiner Majestät sicher die größte Mühe gaben, dem entgegen zu wirken. Zumindest die Beete waren sehr gepflegt und leuchteten in allen Farben mit der gleißenden Sonne um die Wette. Nicht weit von der Tür, durch die Aimée das Schloss verlassen hatte, sah sie einen Pavillon.  Die Einladungskarte ihrer Majestät hatte einen Pavillon als Treffpunkt angesprochen. Da es in solcher Nähe des Schlosses sicher nicht so viele dieser kleinen Holzkonstruktionen gab, strebte Aimée diesen zu und ließ sich neben dem Eingang auf einer schmalen, gepolsterten Bank nieder. Mademoiselle Bruel warf ihr einen missbilligenden Blick zu und blieb demonstrativ stehen. Aimée verdrehte die Augen. Wieder einmal nahm ihre Gouvernante Anstoß an dem Benehmen ihres ehemalligen Schützlings. Immerhin traute sie sich inzwischen nicht mehr, Aimée wegen jeder Kleinigkeit auszuschimpfen, doch wie sehr wünschte diese sich eine Gouvernante und Gesellschafterin, mit der sie sich besser anfreunden konnte, die alles nicht ganz so ernst nahm und ihr in Wesen und Charakter näher war.

Aimée hatte erwartet, dass die Königin mit einer großen Gesellschaft von Hofdamen gefolgt kommen würde oder zumindest, dass sich nach und nach noch einige mehr am Treffpunkt einfinden würden, kurz gesagt, dass sie nur eine von vielen war, die von Anne von Österreich eingeladen worden war. Doch als sich schließlich das Portal öffnete, war sie allein gefolgt von einer Zofe und einem Pagen, der ihr einen Schirm trug. Lächelnd trat sie auf Aimée zu, die inzwischen ein wenig unsicher vor dem Pavillon stand, nicht sicher, was sie davon halten sollte. Die Königin hatte ihr bereits am Vorabend ihre Gunst erwiesen, aber war das hier nicht ein wenig zu viel des Guten? Machte sie sich keine Sorgen um ihren Ruf?
Aimée versank in einer tiefen Reverenz, als Anne vor ihr zum Stehen kam.
„Eure Majestät..“, machte sie. Anne reichte ihr freundllich eine Hand und bedeutete ihr damit, dass sie sich erheben durfte.
„Ein wunderschöner Morgen, findet Ihr nicht?“, sagte sie und deutete mit einer  Hand um sich. Aimée nickte. „Ihr habt Recht, Eure Majestät.“
Die Königin ließ ein glockenhelles Lachen hören und beugte sich dann verschwörerisch ein wenig
vor.
„Ihr müsst nicht so förmlich daherreden und mir dauernd zustimmen. Wir sind hier draußen, um den strengen Regeln des Hofes ein wenig zu entfliehen. Ich denke, das liegt auch in Eurem Interesse.“, murmelte sie mit gesenkter Stimme und zwinkerte ihr zu. Danach sagte sie lauter: „Mademoiselle Bruel, Ihr könnt die Duchesse getrost mir überlassen. Ihr habt doch sicher noch wichtigeres zu tun?“
Für die ehemalige Gouernante war die Botschaft zu deutlich formuliert, um sie zu ignorieren. Obwohl sie wohl am liebsten etwas gesagt hätte – bei jedem anderen hätte sie das wohl auch getan, biss sie sich auf die Lippen, murmelte mühsam beherrscht ein „Wie Ihr wünscht, Majestät.“ und verschwand dann nach einer unbeholfenen Referenz.
Aimée hatte die Szene ein wenig sprachlos beobachtet, nun wandte sie sich an die Königin und sagte leise: „Danke! Ich kann mich kaum erinnern, wann ich mal eine Minute ohne die Mademoiselle verbracht habe.“
Anne lächelte.
„Glaubt mir. Solche Gesellschafterinnen kenne ich zur Genüge. Ich kann mir gut vorstellen, wie Ihr Euch fühlen müsst.“
Mit langsamen Schritten ging sie nun vorwärts, ohne den Pagen zu beachten, der mehr oder weniger Erfolglos versuchte, den Sonnenschirm permanent über sie zu halten, ohne dabei auf ihre Schleppe zu treten.
„Ja.“, machte Aimée, ratlos was sie sagen sollte. Sie fühlte sich immer noch ein bisschen überrumpelt von dem freundschaftlichen Verhalten der Königin.  „Manchmal gleicht sie mehr einem Gefängniswärter, als einer Gesellschafterin.“
Sie lächelte. Anne auch ein wenig. Doch ernster sagte sie dann: „Ich meine nicht nur das. Eure ganze familiäre Situation, der Grund, warum Ihr hier seid.“
Aimée atmete tief durch. So viel dazu. Die Königin war wohl nur nett zu ihr gewesen, um ihr Vertrauen zu erlangen. Nun entpuppte sie sich aber als eines der Klatschweiber, wie der Rest der Hofdamen.
„Ich glaube kaum, dass Ihr Euch das vorstellen könnt.“, sagte Aimée scharf und wurde etwas schneller. Die Königin hielt mühelos mit ihr Schritt, legte sanft eine Hand auf ihren Arm und sagte: „Versteht mich nicht falsch. Ich weiß, dass Eure Situation Hofgespräch ist. Ihr habt hier nicht viele wahre Freunde. Mich könnt Ihr aber dazu zählen. Ich möchte Euch gerne helfen.“
Aimée fühlte sich ein wenig ertappt. Sie verzog kurz das Gesicht, blieb aber stumm. Sie wusste nicht recht, ob sie der Königin trauen konnte.
Eine Weile schwieg die Königin. Sie schien auf eine Antwort zu warten. Als keine kam, seufzte sie kaum hörbar und sagte: „Ich verstehe. Ihr seid Euch unsicher, wem ihr trauen könnt. Ich hoffe, dass Ihr meine Freundschaft erwidern könnt. Ich bin immer für Euch da, wenn Ihr jemanden zum reden braucht.“
Damit war das heikle Thema beendet. Aimée begrüßte es sehr, dass Anne nicht weiter in sie drang und versuchte, ein Gespräch zu erzwingen. Vielleicht meinte sie das, was sie sagte, wirklich ernst. Aimée wünschte sich nichts sehnlicher, als eine wahre Freundin am Hof.

Weder Aimée,  noch die Königin kamen noch einmal auf das Thema zu sprechen. Für den Rest des Spaziergangs unterhielten sie sich über Belangloses: den typischen Hofklatsch eben. Für Aimée bildete das dennoch eine Möglichkeit, ihr Wissen aufzufrischen. Nach Jahren auf dem Land und abseits der höfischen Gesellschaft war sie nicht mehr im Bilde, wer nun mit wem verheiratet, wer verlobt und wer verwitwet war, wen sie meiden sollte und in wessen Gesellschaft sie vom Hof be- und geachtet wurde. Zum Abschluss sprach die Königin noch eine weitere Einladung aus, diesmal von ihrem Ehemann. König Luis lud Aimée zu einem Ausritt am Nachmittag ein. Dankbar senkte Aimée den Kopf und antwortete: „Ich nehme die Einladung mit Freuden an. Dann wollte sie sich schon in die Knie begeben, um der Königin zum Abschied ihre Demut zu demonstrieren, doch überraschend erfasste Anne ihre Oberarme und zog sie wieder in eine Aufrechte Position, lächelte ihr freundschaftlich und beängstigend einnehmend zu, ehe sie sich umwandte und zum Schloss zurückging. Einen Augenblick blieb Aimée mt fragendem Blick stehen. Tausend Fragen gingen ihr durch den Kopf, angefangen bei „Warum hat die Königin das getan“.
Was sollte die letzte Geste bedeuten? Unterstrich sie damit ihr Begehr, Freundschaft mit ihrer Untertanin zu schließen, stellte Aimée so auf eine gesellschaftliche Stufe mit ihrer eigenen Person? Für jeden am Hof und in Frankreich war das eine absolut absurde und unmögliche Geste. Aimée schüttelte ratlos den Kopf. Sie beschloss, dass sie sich ebenfalls ein wenig zurück ziehen sollte. Eigentlich hätte sie nun gerne jemanden zum Reden gehabt. Ihr Bruder hatte sich in der Vergangenheit nicht nur als Verschwörungs-, sondern auch als sehr guter Gesprächspartner entpuppt. Doch Francois schien nun Welten entfernt, obwohl er nicht einmal eine Viertelstunde  Fußmarsch von hier in der Kaserne der Musketiere saß.
Das brachte Aimée wieder auf andere Gedanken. Ihr fiel wieder ein, wie rätselhaft Francois sich verhalten, wie er von dem Kardinal gesprochen hatte. Ob es, überlegte sie, ratsam war, ihren Vater von der Gemütswandlung ihres Bruders zu erzählen? Oder zumindest ihrem älteren Bruder. Louis war im Begriff, den Landsitz und den Adelstitel zu erben, im Grunde unterstanden ihm die Ländereien bereits, da der gegenwärtige Duc de Rohan-Montbazon meist zu betrunken war, um sich selbst darum zu kümmern.
Doch es widerstrebte ihr, Louis zu schreiben. Sie fühlte sich, als verpetze sie Francois dadurch. Wenn er das herausbekommen sollte, war das Vertrauensverhältnis endgültig dahin. Vielleicht war es doch besser, wenn sie das selbst in die Hand nahm und zumindest mehr herausfand. Doch wie sollte sie das tun? Ihre Lage hier war sowieso schon schwer genug.
In dem Augenblick schlug die Glocke in der nahe gelegenen Kirche Notré Dame Elf. Als würde Gott zu ihr sprechen,wusste Aimée auf einmal, was sie tun musste.
„Scheint, als ist es Zeit für eine Beichte.“ , murmelte sie, während sie sich ebenfalls ins Schloss begab und zielgerichtet zu den Arbeitsgemächern des Kardinals ging.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast