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Der Wunsch, das richtige zu tun

von Av4l4rion
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12
Aramis Athos D'Artagnan OC (Own Character) Porthos
18.01.2016
24.11.2019
20
34.081
3
Alle Kapitel
7 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
26.04.2016 1.675
 
Liebe Leser,

Schade, dass diese Geschichte nicht annähernd so viel Anklang findet, wie ich es mir erhofft und aufgrund des Genres auch erwartet hätte.
Trotzdem - ich lasse mir die Laune nicht vermiesen und versuche es weiter. Ich freue mich trotzdem sehr über die 7 Likes, insbesondere den einen mehr seit dem letzten Kapitel und vielleicht fühlt sich der ein oder andere Leser ja doch mal soweit von der Geschichte angesprochen, dass er mir ein nettes Review hinterlässt :)
LG Av4l4rion

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Aimée verwendete den Abend nicht mehr darauf, Kerzen zu verschwenden, indem sie sehr lange wach blieb, sondern kleidete sich kurz nach Einbruch der Dunkelheit um und schickte ihre Diener, sowie Mademoiselle Bruel hinaus. Doch als sie in völliger Dunkelheit in dem riesigen Bett lag und das große Fenster musterte, durch das das fahle Licht des Mondes fiel, wollte sie keine rechte Ruhe finden. In der Einsamkeit der Dunkelheit gingen ihre Gedanken auf Wanderschaft und bald, viel zu bald gelangte sie wieder bei ihrem Bruder und dessen Beziehungen zu Kardinal Richelieu an. Was nur konnte er mit diesem Diplomaten, der sie immer ein wenig an eine Ratte erinnerte mit seinem durchdringenden Blick, eine Ratte oder ein Greifvogel, zu schaffen haben? Aimée kannte Francois sein ganzes Leben. Von all ihren Geschwistern war er ihr immer der liebste und nächste gewesen. Ein Seelenverwandter, wenn man so wollte. Aber dieser Mann, den sie heute getroffen, hatte, den kannte sie nicht. Wenn sie es recht bedachte, war da etwas in seinem Blick gewesen, das sie an den Kardinal erinnerte. So etwas verschlagenes. Francois hatte immer Geistlicher werden wollen. Erhoffte er sich durch seinen Kontakt zu dem Kardinal diese Möglichkeit, eine einflussreiche Stelle in einem Kloster oder vielleicht im Haushalt Richelieus persönlich?
Aber warum gab der dann die Anweisung, Francois auf keinen Fall aus der Garde der Musketiere auszuschließen, egal wie schlecht er sich benahm?
Schwer seufzend wandte Aimée sich vom Fenster ab. Eigentlich war e völlig unsinnig, dass sie sich darüber den Kopf zerbrach. Nach nicht einmal 24 Stunden in dieser Stadt konnte sie nichts wissen und eigentlich hatte sie wichtigeres zu tun, als irgendwelche Intrigen aufzudecken. Doch wenn die Intrigen sie unmittelbar betrafen, sie oder ihre Familie, dann ging es sie sehr wohl etwas an. Gut möglich, dass der Kardinal ihren Bruder benutzte, um ihr oder ihrem Vater erneut zu schaden. Allein, Francois war nicht dumm. So gewitzt der Kardinal es auch vermochte, Menschen auf seine Seite zu ziehen, ohne dass diese genau wussten, was sie taten, Aimée war sich sicher, dass das bei ihrem Bruder nicht oder nur sehr schwer möglich war. Damit blieben nur noch zwei Möglichkeiten: Der Kardinal hatte etwas gegen Francois in der Hand, womit er ihn erpresste oder ihr Bruder half ihm wider besseren Wissens.

Da der Schlaf nicht recht kommen wollte, setzte Aimée sich frustriert auf und entzündete die Kerze, die neben ihrem Bett auf einem Nachtschränkchen stand. Dann stieg sie aus den Decken und ging zum Fenster. Die Stadt war in fahles, silbriges Licht getaucht. Ein altbekannter Anblick, der sich nichts desto trotz etwas verändert hatte, seit sie als junges Mädchen aus diesem Fenster geblickt hatte. Einer Eingebung folgend wandte sie sich um und schlüpfte wieder in den Rock und die Bluse, die sie am Abend getragen hatte und verließ das Zimmer. Über ihre Gedanken war es spät geworden. Das Schloss lag in tiefem Schlummer und als sie es durch eine kleinere Hintertür verließ, um ungesehen das Gärtchen der Königin zu erreichen, hörte sie aus der Stadt den Ruf des Nachtwächters herüber schallen: „Liebe Leute, lasst euch sagen, die Uhr hat eben 1 geschlagen.“
Das Gärtchen der Königin war ein kleiner Teil des großen Schlossparks, der sich in einer hinteren Ecke befand. Vor Jahrhunderten war er für die Ugroßmutter des jetzigen Königs errichtet worden, die die Natur sehr geliebt hatte. Auch Aimée hatte dieses Gärtchen schnell in ihr Herz geschlossen. Es war klein und idyllisch, teilweise urig verwachsen von wildem Efeu und tief hängenden Trauerweiden. Die wenigsten verirrten sich hier her und die meisten, die das Gärtchen kannten mieden es, da sie es als ungepflegt ansahen. Aimée liebte das Gärtchen, da es nicht so weitläufig und symmetrisch wie der Rest des Neu angelegten Parks war. Die neuste Mode war, dass alles, ob Gebäude, Kleider oder eben Parks genau Achsensymmetrisch sein mussten, als hätte man eine Hälfte gespiegelt, was die modernen Lustgärtchen hoffnungslos langweilig machte für ihren Geschmack. Sie war erleichtert zu sehen, dass das Gärtchen der Königin die Modernisierungspläne des Königs bisher unbeschadet überstanden hatte.
Aimée verlangsamte das Tempo etwas und atmete die Luft ein. Die Eigengerüche der Stadt waren unverkennbar. Exkremente von Mensch und Tier, Gerbstoffe, der Gestank nach Krankheit und Elend lag in der Luft. Immerhin hatte es am Abend geregnet, sodass die Luft etwas frischer war, als sonst. Dennoch verspürte Aimée einen Stich des Heimweh, der Sehnsucht nach dem Land, wo die Luft so viel frischer gewesen war. Sie setzte sich auf eine verwitterte Steinbank, die unter den Ästen einer Trauerweide beinah gänzlich verschwunden sah und atmete noch einmal tief ein. Ein leichter Wind strich ihr durch das offene Haar und strich ihr ein paar Strähnen ins Gesicht. Die idyllische Stimme wurde nur durch das leise Gurgeln der nahegelegenen Seine durchbrochen und durch die schweren Stiefel der Männer, die auch des Nachts um das Schloss herum patrouillierten.
Eine Weile saß sie, lauschte auf die Geräusche und ließ ihre Gedanken wieder wandern, bis diese durch eine laute Stimme gestört wurden: :
„Hey, Ihr, der königliche Palast ist für Unbefugte verboten!“
Erschrocken sah Aimée auf. Im Eingang des Gärtchens standen zwei Gestalten unterschiedlicher Größe, der rechte war größer als der linke und zudem sehr kräftig, beinah schon bullig gebaut. Der linke dagegen wirkte beinahe schmächtig gegen seinen Kameraden, obwohl er zweifellos ebenso viele Muskeln hatte. Sie erhob sich und die beiden traten näher.
„Das hier ist der Garten des königlichen Palastes. Wir müssen Euch bitten, uns zu unserem Hauptmann zu folgen.“, sagte der kleinere und schien vortreten und sie am Arm packen zu wollen. Aimée verzog das Gesicht. Wollten die beiden sie nun wirklich abführen wie eine Bauernmagd, die in den Palastgarten eingebrochen war? Und wie machte sie denen denn klar, dass sie sehr wohl die Berechtigung hatte, hier zu sein, auch wenn ihr Aufzug nicht gerade danach aussah. Nebenbei bemerkt fiel ihr nun auf, dass sie doch besser, als sie ihr Zimmer verlassen hätte, einen Mantel mitgenommen hätte. Die nächtliche Frühlingsluft war empfindlich kühl und so langsam spürte sie, dass sie zu frösteln begann.
Der andere räusperte sich nun und sagte: „Warte einen Augenblick, D’Artagnan. Dann trat er auf sie zu, nahe genug, um sie im Zwielicht des Mondes mustern zu können. Als Aimée das Gesicht erkannte, breitete sich Erleichterung auf dem ihren aus. „Guten Abend, Monsieur Porthos.“, sagte sie und erntete ein Lächeln. Mit einer kleinen Verbeugung sagte der Musketier: „Duchesse, welch ein außergewöhnlicher Aufzug, den Ihr da gewählt habt.“
„Und eine außergewöhnliche Stunde dazu.“, brummte D’Artagnan in seinen nicht vorhandenen Bart. „Duchesse?“
Aimée nickte und reichte ihm ihre Hand zum Kuss.
„Marie Aimée de Rohan-Montbazon. Freut mich, Euch kennen zu lernen.“
„Charles D’Artagnan aus der Gasconier, Musketier des Königs.“, antwortete ihr gegenüber. „Verzeiht meine Respektlosigkeit. Ich dachte…“
„…Ihr dachtet, ich wäre jemand anderes.“, antwortete Aimée freundlich lächelnd. „Das kann Euch keiner verübeln. Ich laufe nicht gerade wie eine Duchesse durch die Gegend.“ Sie wies auf den braunen Rock. Porthos nickte. „Um diese Zeit solltet ihr gar nicht mehr durch die Gegend laufen, wenn Ihr mich fragt.“
Ein wenig geknickt winkte Aimée ab, dann wandte sie ihre Aufmerksamkeit jedoch erneut dem Ausgang des Gärtchens zu, von wo sie Hufgetrappel eines einzelnen Pferdes vernahm. Vor der Hecke schien der Reiter das Tempo zu drosseln, erschien einen Augenblick später in ihrem Blickfeld und hielt dann neben ihnen.
„Porthos, D’Artagnan, ihr solltet längst von eurer Patrouille zurück sein.“
Aimée erkannte Athos, den Hauptmann der Musketiere und verdrehte kurz die Augen. Nicht nur dass man sie hier draußen in légerer Kleidung und zudem ohne Mieder erwischt hatte, nun musste auch noch der Hauptmann auftauchen. Dieser maß sie kurz mit dem Blick, ließ einen kurzen Laut des Erstaunens hören und sprang dann vom Pferd.
„Guten Abend, Duchesse. Euch hätte ich hier am wenigsten erwartet. Wollt Ihr wieder Euren Bruder besuchen?“
Aimée schüttelte den Kopf. „Nein, Monsieur. Wie ich Euren Musketieren gerade bereits erklären wollte: Ich konnte nicht schlafen und wollte daher einen kleinen Spaziergang an der frischen Luft machen. Und da ich das getan habe, werde ich mich nun zurück in meine Gemächer begeben. Gute Nacht.“
Sie hatte fest klingen wollen, doch ein kühler Wind pfiff, während sie das sagte, durch ihre dünne Kleidung und ließ sie mitten im Satz frösteln, was man deutlich hörte – sehr zum Ärger Aimées. Dennoch wollte sie sich beeilen, um endlich weg von den Musketieren zu kommen, doch Athos hielt sie auf.
„Ihr solltet um diese Zeit nicht allein herum laufen. Ich werde Euch begleiten.“
Aimée schüttelte den Kopf. „Vielen Dank für das A-a…“ Sie stoppte, als erneut ein Frösteln ihrerseits sie stoppte, Athos verzog das Gesicht zu einem Schmunzeln und reichte ihr dann seinen Mantel.
„Den könnt Ihr mir zurückgeben, wenn wir bei Euren Gemächern angelangt sind.“
Aimée riss die Augen auf. Wie er das sagte, klang das so gar nicht nach Ehrenvollen Absichten. Doch ein Blick in sein Gesicht sagte ihr, dass er keinerlei Hintergedanken hegte. Im Gegenteil schien er nicht sonderlich glücklich darüber zu sein, sie hier draußen anzutreffen und nun auch noch zurück ‚ins Bett‘ bringen zu müssen, wie ein kleines Kind, das nicht auf die Anweisungen der Eltern gehört hatte. Zähneknirschend nahm Aimée den Mantel, legte ihn sich um – über dieses Geste seinerseits war sie sehr froh, denn sofort wurde ihr angenehm warm – und wandte sich dann zum Gehen, nachdem sie Porthos und D’artagnan zum Abschied zugenickt hatte.
Dass Athos ihr zudem seinen Arm bot, ignorierte sie gekonnt, genauso wie die Tatsache, dass er zunächst nicht erwartet zu haben schien, dass sie noch eine Weile diskutieren wollte, weswegen er das Tempo für einige Meter anzog, um sie einzuholen.
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