Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Der Wunsch, das richtige zu tun

von Av4l4rion
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12
Aramis Athos D'Artagnan OC (Own Character) Porthos
18.01.2016
24.11.2019
20
34.081
3
Alle Kapitel
7 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
29.05.2017 1.437
 
Die Stimmung wurde ausgelassener und Aimée ließ sich davon mitziehen. Sie tat sich an dem Kuchen gütlich, spielte ein wenig Karten mit Louise und gesellte sich dann mit zu dem Königspaar, das ein Spiel begonnen hatte, bei dem man Kugeln mit Keulen durch kleine Tore stoßen musste. Aimée hatte es noch nie zuvor gespielt und stellte sich dementsprechend nicht halb so gut an, wie die anderen Spieler, doch man lachte nur heiter darüber und spielte weiter, als wäre es das normalste der Welt. Irgendwie war es doch gar nicht so schwer, sich in die höfische Welt einzufügen. Zumindest in der Ungezwungenheit, die hier draußen herrschte, fühlte sich Aimée beinah so wohl wie im Kreis ihrer Familie. Mit dem Unterschied, dass sie dort Fangen und Verstecken gespielt hatte, während die feine Gesellschaft sich nie schneller bewegte, als sie elegant bleiben konnte.
„Du fällst gar nicht mehr auf unter ihnen.“, riss sie eine Stimme aus ihren Gedanken, als sie ein wenig später unter einem Baum im Schatten saß, um sich etwas auszuruhen. Sie wandte sich ruckartig um und erkannte ihren Bruder. Sofort griff eine kalte Hand nach ihrem Herz und schien dieses zusammen zu drücken, während sich dessen Schläge verdoppelten. Was war das. Sollte sie tatsächlich Angst vor ihrem eigenen Bruder haben?
„Was machst du hier?“, fragte sie argwöhnisch und weiterhin bemüht, unbeschwert und normal zu klingen.
„Was schon. Ich tue Dienst. Ich rette deinen Hintern und den der feinen Gesellschaft, mit der du dich umgibst für den unwahrscheinlichen Fall, dass etwas passiert.“
Seine Stimmt triefte vor Ironie und Aimée zog sich augenblicklich noch ein Stückchen zurück.
„Und warum hast du dann deine Position verlassen?“, fragte sie weiter. Francois ließ sich neben sie ins Gras fallen und spielte angelegentlich mit seiner Muskete.
„Mir kann doch niemand verbieten, einen kleinen Plausch mit meiner Schwester zu halten.“, sagte er. „Im Übrigen ist dein Hintern mit Abstand der ansehnlichste der ganzen blasierten Damen hier. Ich bin sicher, dafür würde jeder Musketier gerne eine Kugel einfangen.... Besonders der Hauptmann!“
„Francois, halt den Mund!“, zischte Aimée mit so viel Authorität, wie sie zustande brachte. Doch Francois scherte sich gar nicht darum.
„Und dieser Graf erst Recht. Da hast du tatsächlich einen guten Fang gemacht, Schwesterherz! Vater wäre stolz auf dich. Sofern er überhaupt noch irgendwas fühlt!“
Aimée warf ihm einen zornigen Blick zu. „Und wenn nicht, dann ist damit wenigstens unseren Geschwistern geholfen, was dich ja nicht im Geringsten zu interessieren scheint.“
Sie rappelte sich auf, bis sie auf ihn herab sehen konnte.
„Ich weiß, dass Vater etwas für dich bestimmt hat, was du nicht wolltest. Mir geht es genauso. Und ich mache das Beste daraus, während du nur noch aus Hass und Abschaum bestehst und tagein, tagaus herumjammerst. Das ist nicht der Francois, den ich kenne. Ich rate dir, in dich zu gehen und diese … Karikatur zu zerstören!“
Sie wandte sich ab und wollte davon stürmen, als sie ein klicken hörte.
Aimée war oft genug mit ihren Brüdern Jagen gewesen und hatte auch ein paar Mal eine Muskete in der Hand gehabt, sodass sie wusste, wie es klang, wenn eine Schusswaffe geladen und entsichert wurde. Dieses Klicken hörte sich eindeutig danach an. Sie erstarrte.
„Umdrehen!“, befahl ihr Bruder kalt. Jegliche Ironie war aus seiner Stimme verschwunden. Aimée tat was er sagte und sah bestätigt, was sie bereits erwartet hatte: Francois hatte den Hahn seiner Steinschlossmuskete gezogen und die geladene Waffe auf sie gerichtet. Sie wollte ein paar Schritte nach hinten machen, doch der Blick ihres Bruders hielt sie davon ab. So blieb sie wo sie war.
„Francois, hast du nun vollends den Verstand verloren? Hast du vergessen, wer ich bin?“
Der Angesprochene erhob sich, ohne seine Muskete runterzunehmen und Aimée wagte einen Blick nach links und rechts. Sah denn keiner, was hier vor sich ging? Die Hofgesellschaft war ziemlich weit ab und bemerkte sie gar nicht, aber die anderen Musketiere. Entging ihnen tatsächlich, dass ihr eigener Bruder eine Waffe auf sie gerichtet hatte?
Ihr Blick fiel wieder auf Francois. Einen Augenblick veränderten sich seine Züge, wurden weicher und unsicher und es schien, als wolle er die Muskete wegwerfen und sie um Verzeihung bitten. Doch dann straffte er sich, wurde wieder hart und packte dann ihr Handgelenk.
„Du wirst jetzt genau tun, was ich sage. Du und ich, wir gehen ein Stück. Bis zu den Pferden!“
Er warf seinen Mantel über die Waffe, sodass er sie weiter auf sie richten konnte, ohne dass man es sah und zog sich den Hut in die Stirn. Dann bedeutete er ihr, loszulaufen.
Aimée tat, was er wollte, während sie sich den Kopf zermarterte. Was genau wollte er mit ihr tun? Was hatte er vor, wenn sie erstmal bei den Pferden angelangt war?
Gleichwohl man ihr ansehen musste, dass sie nicht aus eigenem Willen mit einem Musketier spazieren ging, schien diese Tatsache doch niemanden soweit zu verwundern, um ihr mehr als einen Blick zu schenken. Die meisten registrierten nur eine Hofdame, die vorbei ging, sodass sie – sehr zu Aimées Leidwesen – zu den Pferden gelangten, ohne aufgehalten zu werden.

Feuerteufel begrüßte Aimée mit einem Schnauben und schnoberte ihr durch Haar. Ihr Bruder betrachtete das Pferd derweil mit scharfen Augen.
„Ein prächtiges Tier hat dein Graf dir da geschenkt.“, brummte er. Aimée drehte sich langsam, um das Pferd nicht zu erschrecken, herum.
„Zum letzten Mal. Er ist nicht 'mein Graf'. Er ist Charles de Luynes. Und das Pferd hat er mir nicht geschenkt!“ Francois zuckte nur die Schultern.
„Wie dem auch sei. Den können wir nicht nehmen. Der ist zwar schnell, würde uns aber sofort abwerfen. Wir wählen lieber was ruhigeres!“
Er sah sich um zwischen den Pferden, als befänden sie sich auf dem Pferdemarkt und Aimée wurde eiskalt.
„Erstens: Wofür brauchen wir ein Pferd? Und zweitens: Willst du allen Ernstes eines stehlen?“
„Stehlen würde ich es nicht nennen. Wir borgen uns eines. Das hier sieht Vielversprechend aus.!“
Er trat ein einen großen Rappen heran, dasgelangweilt auf einem Strohhalm herumkaute und sie beobachtete. Sie erkannte es sofort und wollte Francois  zurück halten, doch schon spürte sie den Lauf der Muskete an ihrem Bauch. Beinah hätte sie die Bedrohung vergessen. So wich sie ein paar Schritte zurück und nahm die Hände hoch.
„Das ist das Pferd deines Hauptmanns. Damit brauchst du dich endgültig nicht mehr bei der Garnison sehen lassen!“
Streng genommen beging Francois gerade Hochverrat, denn er bedrohte ein Mitglied des königlichen Hofes und wollte sie wohl auch entführen.
Aber Aimée hatte bereits erwägt, ihn nicht öffentlich anzuklagen und Stillschweigen über die Sache zu wahren.
Aber ab einem gewissen Punkt konnte sie die Tat nicht mehr verschleiern. Wenn er das Pferd seines Hauptmanns entwendete und sie damit entführte, würde das auffallen. Man würde sie suchen und ihn festsetzen und vor Gericht bringen.
Francois reagierte gar nicht auf ihren Einwand, sondern verdrehte die Augen.
„Aimée, ich wollte dich schonen, weil du ja immer noch meine Schwester bist. Aber jetzt hab ich es satt.“
Damit steckte er die Muskete weg, packte ihre Arme und drehte sie auf den Rücken. Mit einem Seil, das er aus der Tasche gezogen hatte, fesselte er ihre Handgelenke, ohne auf ihre Proteste zu achten. Ehe Aimée denken konnte und auf die Idee kam, mit Schreien auf sich aufmerksam zu machen, hatte er ihr zudem einen Knebel in den Mund geschoben und unterdrückte so jeden Laut. Dann packte er sie an den Hüften und hob sie auf das Pferd.

Das musste ein Traum sein. Ein schrecklicher Albtraum. Sicher würde Aimée bald aufwachen und es war alles wieder normal. Vielleicht war sie unter dem Baum ja eingeschlafen?
Aber das grobe Seil, das ihr mehr und mehr die Haut an den Handgelenken aufrieb und der Knebel, der einen Würgereiz verursachte, waren zwei Indizien dafür, dass das leider kein Traum war.
Das war bittere Realität. Aber was bezwecke Francois damit, dass er seine eigene Schwester entführte? Hatte er einen Auftrag erhalten, womöglich vom Kardinal? Sollte er sie aus dem Weg schaffen, wegen ihres Auftritts neulich bei ebendiesem? Oder sollte sie als Druckmittel für irgendwas dienen?
Wie konnte das überhaupt passieren? Dieser Tag hatte so gut begonnen. Sie hatte gelacht und Kuchen gegessen und einige Kontakte geschlossen. Aber all das rückte nun in weite Ferne, während sie durch den Wald ritten. Als sie sich ein Stück von der Lichtung entfernt hatten auf der das Picknick stattfand, gesellten sich weitere Reiter zu ihnen, die wohl links und rechts im Wald zwischen den Bäumen verborgen gewartet hatten.
Aimée erkannte keinen von ihnen, auch trugen sie keine Uniformen oder andere Erkennungszeichen, die auf einen möglichen Auftragsgeber hindeuten konnten.
Ohne zu zögern ritten sie weiter durch den Wald einem unbekannten Ziel entgegen.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast