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Der Wunsch, das richtige zu tun

von Av4l4rion
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12
Aramis Athos D'Artagnan OC (Own Character) Porthos
18.01.2016
24.11.2019
20
34.081
3
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21.11.2016 1.720
 
Aimée erwarteten in ihrem Zimmer gleich zwei Einladungen des Königs, eine für das königliche Bankett am Abend, die andere für einen Ausritt mit Picknick am nächsten Nachmittag. Eigentlich hätte Aimée gute Lust gehabt, beidem fern zu bleiben. Insbesondere nach ihrem Treffen mit der Königin an diesem Morgen, brauchte sie ein wenig Zeit für sich, um nachzudenken. Andererseits wusste Aimée, unabhängig davon, dass Mademoiselle Bruel nicht müde wurde, sie daran zu erinnern, dass sie niemals gute Kontakte knüpfte, wenn sie sich Tag für Tag in ihrem Gemach einschloss. Auch ein Ehemann würde schwerlich an ihre Tür klopfen und ihr einen Antrag machte. Da konnte sie noch so hoch in der Gunst des Königspaares stehen.
Somit ließ sie sich, nachdem sie einen Tee und ein paar Kekse zu sich genommen und ihren Magen besänftigt hatte, ankleiden. Ihr Abendkleid war eines der besten, die sie besaß und auch noch nicht aus dem letzten Jahrhundert, weswegen sie zuversichtlich war, dass man sie diesmal nicht wegen ihrer Kleidung verurteilen musste. Dennoch wusste Aimée, dass sie sich lieber bald einen Gönner anschaffte und sich von seinem Geld ein neues Kleid anschaffte. Dieser Gedanke widerte sie an, aber als mittellose Frau blieb ihr kaum eine andere Möglichkeit. Auch das Essen, die Kerzen und die Dienerschaft im Schloss wollte bezahlt werden und ewig würde Louis sie nicht umsonst da wohnen lassen.

Am Abend betrat Aimée mit gemischten Gefühlen den Bankettsaal des Louvre. Diesen Raum hatte sie noch nie gemocht. Die Wände waren von oben bis unten mit dunklem Holz vertäfelt und mit Wandteppichen behängt. Große Vorhänge an den Fenstern sperrten das letzte bisschen Licht aus, sodass der Raum selbst bei Tag mir Kerzen erhellt wurde, die dann für eine recht stickige Luft sorgten. An einer Stirnseite des Saales befanden sich die Tische, an denen das Essen eingenommen wurde. Sie waren in Form eines Eckigen Hufeisens aufgestellt und konnten bei Bedarf recht schnell zu Seite geschafft werden, um Tänzern Platz zu machen.
Der Raum war bereits gut gefüllt und alle schienen auf den König zu warten, weswegen Aimée sich einer Vielzahl an neugierigen Blicken ausgesetzt sah, als sie eintrat. Schnell senkte sie den Kopf ein wenig, nahm einen Becher mit Wein, den ein Diener ihr reichte und verzog sich an eines der Fenster, wo sie sich auf der Fensterbank niederließ und unbehaglich die Menschen beobachtete, die sich schnell wieder ihren Gesprächspartnern zuwandten.
„Duchesse de Rohan-Montbazon, wenn ich mich nicht irre? Guten Abend, Mademoiselle.“
Erschrocken sah Aimée auf und sah sich einem Mann im mittleren Alter entgegen, der nichts desto trotz eine gewisse Attraktivität besaß. Sein Haar war voll und mochte einmal schwarz gewesen sein. Nun ging es dem grau entgegen, was sehr gut zu seinen dunklen Augen, die umrahmt von tiefen Lachfältchen waren, passten. Sein Bart war sorgsam gepflegt und noch etwas dunkler, als sein Haupthaar. Er war recht groß und hatte hier und da bereits ein wenig angesetzt, ähnelte aber dennoch in keinster Weise dem Bild, dem die meisten wohlhabenden, älteren Männer entsprachen.
Aimée erkannte den Mann schnell. Kaum einer in Frankreich kannte ihn nicht, war er doch der engste Vertraute des Königs und verantwortlich für die guten Beziehungen der europäischen Staaten, besonders aber zwischen Frankreich und England. Als er ihre Hand nahm und einen sanften Kuss darauf hauchte, nickte sie leicht mit dem Kopf und sagte: „Bonsior Charles d’Albert, Duc de Luynes.“
Sie versuchte ein Lächeln, was ihr überraschend gut gelang, sodass der Herzog sich ihr gegenüber auf die Fensterbank setzte.
„Ich habe gehört, Ihr seid gestern in Paris eingetroffen. Hattet Ihr eine beschwerliche Reise?“
Aimée lächelte wohlwollend. Der Herzog war garantiert anwesend gewesen, als sie sich vor Louis vorgestellt hatte, sodass diese Frage nur höfliche Konversation war. Dennoch antwortete sie: „Nicht so, wie ich erwartet hatte. Frankreichs Straßen sind wirklich in einem bemerkenswerten Zustand.“
Charles lächelte wohlwollend. Anscheinend freute er sich über diesen Umstand.
„Das freut mich zu hören. Fiel es Euch leicht, Euch wieder in den Hofalltag einzuleben?“
„Es war ungewohnt, aber ich erinnere mich noch recht gut an vor fünf Jahren.“, sagte sie und lächelte leicht. Aimée fielen schon die Blicke auf, die man ihr zuwarf. Manche von ihnen sogar neidisch  und nicht besonders nett. Doch in dem Blick, mit dem der Herzog sie musterte, lag nichts feindliches und auch nichts berechnendes, was sie überraschte. Sollte er tatsächlich an ihr interessiert sein?
Er nickte wieder und lächelte.
„Seine Majestät ist sehr gut zu Euch. Kann ich davon ausgehen, dass Ihr morgen ebenfalls an dem Ausritt teilnehmt?“
„Oh, ich habe eine Einladung erhalten, bin mir aber noch nicht sicher, ob ich diese annehmen werde.“
„Oh, ich bin guter Dinge, dass Ich Euch morgen sehen werde. Ich erinnere mich nämlich noch recht gut daran, dass Ihr als junges Mädchen bereits große Freude am Reiten und der Jagd hattet und dass es Euch nie schnell genug gehen konnte.“
Aimée senkte den Blick und merkte, wie sie rot wurde. Das stimmte. Doch sie hätte nicht gedacht, dass er sie schon damals so beobachtet hatte, geschweige denn, dass er sich daran erinnerte.
„Natürlich...“, fuhr er fort, „... sind wir nun alle ein wenig älter und gesetzter. Dennoch fällt es mir schwer zu glauben, dass Ihr Euch in den Jahren Eurer Abwesenheit so verändert haben sollt. Zumal Ihr, wie es mir zu Ohren gekommen ist, auf dem Land gelebt habt.“
Er lächelte sie leicht an und erhob sich dann. „Die Majestäten werden in Kürze erscheinen. Erlaubt Ihr mir, Euch zum Bankett zu führen?“
Aimée traute ihren Ohren kaum und sah wie betäubt auf seine Hand, die er ihr auffordernd hinhielt, dann wieder in sein aufgeschlossenes Gesicht. Obwohl sie schon länger wartete, als üblich, sagte er nichts. Schnell schüttelte sie die Steifheit, die sie befallen hatte, ab und antwortete: „Äh... gern... Aber nur, wenn es Euch keine Umstände macht“.
Oder wenn er sie nur aus Mitleid fragte, aber das behielt sie lieber für sich.
Der Dúc lächelte noch breiter und antwortete, als er ihren Arm mit seinem verschränkte: „Vertraut mir, Mademoiselle. Wenn dem so wäre, hätte ich Euch nicht gefragt.“
Aimée spürte, wie sie rot wurde und sie senkte den Kopf, als Charles d'Albert sie in Richtung der Banketttische führte. Bevor sie dort ankamen, klopfte es jedoch und eine laute Stimme halte durch den Raum: „Der König und die Königin.“
Sofort löste sich Aimée von ihrem Begleiter und versank, ebenso wie die anderen, in einer tiefen Reverenz, wobei die Menschen im Raum eine Gasse für das königliche Ehepaar bildete.
Als die beiden sich auf ihren eigenen Pätzen, die natürlich am größten und geschmücktesten waren, niedergelassen hatten, setzte die Musik wieder ein und alle erhoben sich wieder und begannen zu plaudern. Gleichzeitig meldete der Herold, dass das Abendessen bald aufgetragen würde und man nun bitte seinen Platz aufsuchte.
Aimée hatte keine Ahnung, ob jeder frei seinen Platz wählen konnte,  oder diese vorgeschrieben waren, aber ehe sie diese Frage näher erörtern konnte, trat Charles d'Albert wieder an ihre Seite und nahm wieder ihren Arm.
„Mademoiselle, folgt mir!“
Damit geleitete er sie zu der Tafel und an den Tisch, an dem auch der König und die Königin saßen. Drei Plätze zu deren linken nickte er einem Diener zu, der einen Stuhl herauszog und ließ sie sich dort setzen. Dann setzte er sich rechts von ihr und befahl einem weiteren Diener, Wein einzuschenken.
Nachdenklich blickte Aimée auf das rote Getränk in ihrem Becher. Wein war nicht ihr Lieblingsgetränk. Die Vorstellung, die Kontrolle zu verlieren, ängstigte sie, sodass sie dem Alkohol bisher sehr selten zugesprochen hatte. Dennoch versuchte sie nun einen Schluck. Glückllicherweise hatte man den Wein mit Wasser verdünnt, sodass er nicht mehr so stark war. Der Geschmack ließ sie aber trotzdem ein wenig das Gesicht verziehen, was den Herzog, der sie beobachtet haben musste, zu einem Lachen verleitete.
„Ich trinke normalerweise keinen Alkohol.“, meinte sie entschuldigend.
„Was bevorzugt Ihr denn stattdessen?“
Aimée zuckte die Schultern. „Most. Oder Wasser. Was man auf dem Land eben zu trinken pflegt.“
Der Herzog gluckste leicht vor unterdrückten Lachen und meine dann mit betroffenen Gesicht: „Dann werdet Ihr Euch hier in der Stadt aber sehr umstellen müssen. Das Wasser ist... äußerst ungenießbar.“
Aimée nickte und beäugte den Wein in ihrem Becher. Sie hatte keine Ahnung gehabt, dass man das Wasser in der Stadt nicht trinken konnte. Aber nun erinnerte sie sich an die Zustände, die in den Straßen geherrscht hatten, als sie vor fünf Jahren vor ihrer Gouvernante geflohen war. Wenn sich diese nicht verbessert hatten, war es kein Wunder. Somit sollte sie sich wohl besser mit dem Wein anfreunden. Sie probierte noch einmal. Nun, man konnte sich alles schön trinken.

Nach dem Bankett, bei dem sie sich weiterhin mit dem Herzog unterhalten und festgestellt hatte, dass er ein sehr angenehmes Wesen hatte und ihr in vielerlei Hinsicht ähnlich war, wurden die Tische ab- und weggeräumt. In kleineren und größeren Gruppen verteilten die Menschen sich im Saal und der Herzog gab Aimée die Möglichkeit, die ein- oder andere Bekanntschaft der blasierten Hofdamen zu machen. Keine von ihnen schien sich auch nur ansatzweise für die kleine verarmte Landmaus zu interessieren, aber vor Charles d'Albert, der mehr als begehrt war unter den Junggesellen, taten sie zumindest so. Nur eine von ihnen war anders und erregte Aimées Interesse. Ihr Name war Louise de La Fayette. Sie war ebenfalls eine Freundin des Herrscherpaares und Aimée erinnerte sich, dass sie sie bereits oft in der Gesellschaft der Königin gesehen hatte.
Louise war anders, als die andere. Ihr Hauptinteresse galt nicht der neusten Mode oder dem Klatsch, der am Hof unweigerlich die Runde machte, stattdessen wendete sie sich anderen Themen zu. Politik beispielsweise. Schon nach wenigen Minuten Gesprächs erkannte Aimée, dass Louise sich sehr gut auskannte und sich auch nicht scheute, ihre Meinung zu sagen Gleichzeitig strahlte sie eine solche Herzlichkeit aus, dass Aimée sie sofort Sympathisch fand und sich mit ihr unbefangen unterhalten konnte.

Als Aimée spät in der Nacht zurückkehrte in ihr Zimmer, konnte sie es kaum glauben. Doch an diesem Abend, vor dem sie vorher ein so mulmiges Gefühl, um nicht zu sagen Angst gehabt hatte, hatte sie nicht nur einen Mann gefunden, der ihre Familie mit einem Fingerschnippen aus den Problemen helfen konnte und ihr auch selbst noch zusagte, sondern auch eine Freundin. Beides Dinge, die sie für unmöglich gehalten hatte. Mit einem euphorischen Gefühl ging sie daher an dem Abend zu Bett.
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