Das Licht in Dir

GeschichteSci-Fi / P18 Slash
General Hux Kylo Ren OC (Own Character)
18.01.2016
16.01.2017
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18.01.2016 802
 
Prolog

Um ihn herum tobte ein weißes Inferno. Schneeflocken landeten auf seinem Gesicht und bissen in seine Haut wie kleine, blasse Insekten.

Der Geruch von verbranntem Fleisch stieg ihm in die Nase, und er brauchte nicht den glühenden Schmerz in seinem Gesicht, um zu erkennen, woher dieser kam.

Übelkeit stieg in ihm auf.

Auf seiner Brust saß ein unsichtbares Gewicht, ganz so als würde ihn jemand mithilfe der Macht in den Boden pressen. Kylo Ren fühlte den Planeten unter sich zittern wie eine sterbende Kreatur, und er war wie gelähmt. Er holte vorsichtig Luft und zuckte zusammen. Jeder Atemzug sandte einen stechenden Schmerz durch seinen linken Lungenflügel und er hatte das Gefühl, nicht genügend Sauerstoff zu bekommen. Schwarze Flecken tanzten vor seinen Augen. Er versuchte sich an seine Ausbildung zu erinnern, an die Lektion, den Schmerz anzunehmen anstatt gegen ihn anzukämpfen. Er versagte kläglich.

Kylo sah auf. Zwischen den zerfaserten Wolken waren kleine Stücke des Nachthimmels zu sehen, ein Flickenteppich aus Sternen und explodierenden Kampfschiffen.

Als der Planet unter ihm sich erneut aufbäumte, machte sich in ihm die leise Gewissheit breit, dass er sterben würde. Es kümmerte ihn nicht allzu sehr. Er hatte versagt. Lieber würde er hier sterben, bevor er als getretener Hund zu Snoke zurückkehrte.

Er driftete geistig ab. Vor seinem inneren Auge wiederholten sich die letzten Stunden in einem halbherzigen Versuch, etwas davon zu verarbeiten. Han Solo, die Brücke, wo er –

Es war fast ironisch. Dass er, nachdem er den letzten Schritt getan hatte, nachdem er das in sich verbleibende Licht mit einem einzigen Stoß seines Lichtschwertes niedergestreckt hatte, selbst sterben sollte.

Eine finstere Komödie, beendet von einem fallenden Vorhang, gewoben aus Schneeflocken.

Wer war dieses Gör überhaupt, dass sie so gegen ihn standhalten konnte? Wie hatte er in so epischem Ausmaße darin versagen können, gegen – ja, gegen wen? – zu kämpfen? Eine 19-jährige Schrottsammlerin, die nie in den Wegen der Macht unterrichtet worden war?

Er war eine Schande – für die Erste Ordnung, für seinen Meister, für sein Vermächtnis. Was würde Vader denken, wenn er ihn so sehen könnte?

Ein gewaltsames Beben warf ihn herum – eisige Kälte auf der Brandwunde in seinem Gesicht. Seine Finger krallten sich in den Schnee auf der Suche nach Halt, wo keiner zu finden war.

Kylo Ren keuchte auf, ein Geräusch, das als bloßes Röcheln über seine Lippen kroch. Irgendetwas Stimmte mit seiner Lunge nicht, er würde…

Plötzlich nahm er die Präsenz eines anderen menschlichen Wesens in seiner Nähe wahr. In einem normalen Zustand hätte er es weit früher gespürt. Die sich nähernden Personen – jetzt erst merkte er, dass es sich um mehrere handelte – waren schon fast bei ihm angekommen.

Kylo versuchte, nach seinem Lichtschwert zu greifen, doch es war nicht wie gewohnt an der Halterung an seinem Gürtel. Stattdessen griff seine Hand in blutdurchtränkten Stoff, dort wo ihm der Energiebolzen ein Loch in die Seite gerissen hatte.

Schmerz. Heller, gleißender Schmerz, der ihm für einen Moment die Kraft verlieh, sich vor der Bewusstlosigkeit zu retten.  

„Ren?“ Eine Stimme, die ihm vage bekannt vorkam, und dann eine Hand an seinem Hals, suchend nach einem Plusschlag. Kylo versuchte aufzustehen. Die Schwerkraft des kleinen Planeten schien sich auf einmal vervielfacht zu haben.

„Er ist am Leben. Bringt ihn zum Schiff. Schnell!“

Ja, er kannte diese Stimme. General Hux. Hux, mit dem er sich in ständigem Konkurrenzkampf befand, dessen reine Anwesenheit ihn bereits reizte. Ausgerechnet er sollte ihn in diesem Zustand am wenigsten sehen.

Ein Sturmtruppler hatte ihn halb auf die Beine gehievt, aber Kylo stieß den Soldaten von sich weg. Stolpernd machte er einige Schritte vorwärts, bevor er strauchelte. Selbst mit einem kollabierenden Planeten unter den Füßen würde man ihn nicht abführen wie ein waidwundes Tier, wie einen Krüppel…

Die anderen Sturmtruppler hielten sich von ihm fern; wahrscheinlich hatte er in der Vergangenheit einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Kylo strauchelte erneut, doch bevor er fallen konnte, wurde er aufgefangen. Hux hielt ihn fest und bewegte ihn in Richtung Schiff indem er ihn halb stütze, halb zerrte.

Die dunklen Flecken kehrten zurück und tanzten über sein Sichtfeld, ein Hinweis darauf wie nahe er einer Bewusstlosigkeit war. Widerwillig stützte er sich auf Hux. Ein Funken Überlebenswille kehrte in ihn zurück. Wenn er die Wahl hatte zu sterben, oder von seinem Kontrahenten gerettet zu werden, würde er sich doch für letzteres entscheiden.

Inzwischen war er jenseits jeden Schmerzes angekommen, sein einziges Ziel war es, einen Schritt nach dem anderen zu tun – eine ausreichend große Herausforderung in seinem jetzigen Zustand.

Fast war er dankbar, dass Hux nichts sagte, um seinem ohnehin schon schwer verwundetem Ego den Gnadenschuss zu verpassen. Wäre er an seiner Stelle, hätte er es vermutlich getan.

Das Raumschiff war bereits in Sichtweite, als er in sich zusammenbrach. Das letzte, was er hörte bevor er das Bewusstsein verlor, war Hux‘ leises Fluchen, als dieser ihn erneut auffing.
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