Wo der Zauber der Weihnacht beginnt

von - Leela -
KurzgeschichteFamilie / P12
Eddie Jake Kong sr. OC (Own Character) Spenser sr. Tracy
17.01.2016
17.01.2016
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Anm. d. Aut.: Dies war meine Geschichte zum offiziellen Weihnachtswettbewerb von Fanfiktion.de aus 2015, mit dem ich unter die ersten 10 gekommen bin – hier nun in der richtigen Formatierung ^^. Wer sich für den Hintergrund interessiert, kann hier im Blog nachlesen (10 Einträge): Der offizielle Weihnachtswettbewerb.

Die Vorgaben zum Wettbewerb:
● Aus den beiden folgenden Themen konnte man wählen: »Ein Weihnachtsessen« und »Komm, wir bauen einen Schneemann« (wobei ich das zweite gewählt habe).
● Als zweite Vorgabe sollte in irgend einer Form ein Beuteltier in der Geschichte vorkommen.

Und nun viel Spaß bei:


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Wo der Zauber der Weihnacht beginnt

„… Und dann hat er… Dann hat er wirklich…“ Der dunkelhaarige Mann wischte sich Lachtränen aus den Augen. „Dann hat er wirklich gesagt: ‚Dieser Geist hat mich dreißig Jahre meines Lebens gekostet!‘ Versteht ihr? Ich meine, hätte ich das gewußt! Dieser alte Schloßgeist, den wir gefangen haben, hätte doch die beste Gesellschaft gehabt.“
      Ein paar Leute am Tisch stimmten in das Lachen mit ein.
      Eddy verdrehte die Augen. Er hatte die Geschichten, die der beste Freund und ehemalige Partner seines Vaters zum besten gab, schon so unendlich oft gehört. Er konnte sie nicht mehr hören. Hinzu kam, daß er mittlerweile selbst genug Erfahrungen in seinem Beruf als Ghostbuster gesammelt hatte, seit Jake und er die Firma ihrer Väter vor einigen Jahren übernommen hatten. ‚Jahre? Jahrzehnte!‘ korrigierte er sich in Gedanken. Tatsächlich war es jetzt schon gute zehn Jahre her, seit sie offiziell die Abschlußprüfung abgelegt hatten, und die Firma allein weiterführten.
      Eddy seufzte. Es war nicht so, daß er die Geschichten nicht spannend fand. Doch wenn man sie immer und immer wieder hörte, verloren sie irgendwann den Reiz. Mittlerweile war er zu dem Schluß gekommen, daß er mit seinen inzwischen 33 Jahren genug eigene Abenteuer erlebt hatte, über die er hätte erzählen können, wenn ihm der Sinn danach gestanden hätte. Auf diese Art hätte er das aber ganz sicher nicht tun wollen.
      Der Brünette ließ den Blick über die Gesellschaft am Tisch schweifen. Keiner schien sich so zu langweilen wie er. Am Kopfende des Tisches saß Jack, Jakes Vater, der sich noch immer ausschüttete vor Lachen. Rechts neben Jack saß sein Vater, der alte Spenser, der hin und wieder einen trockenen Kommentar zu den Geschichten beisteuerte und damit die anderen zum Lachen brachte. Daneben saß das dritte Mitglied des früheren Teams, Tracy, der einzige, der in der Firma geblieben war und nun mit ihm und Jake weiter zusammenarbeitete. Tracy machte nicht viele Worte. Das lag wohl daran, daß er ein leibhaftiger Gorilla war. Aber hin und wieder nickte er beipflichtend.
      Auf der anderen Seite saß sein Partner und Freund seit Kindertagen, mit dem er praktisch zusammen aufgewachsen war. Jake schien sich köstlich über die alten Geschichten zu amüsieren, obwohl auch er sie schon zu wiederholten Male hörte. Offenbar konnte man ihn damit aber immer noch begeistern. Neben ihm saß seine Freundin, Futura. Auch sie hing gebannt an Jacks Lippen, als er die nächste Geschichte begann, obwohl sie selbst ebenfalls vom Fach war. Egal wohin er sah, entweder, die Leute amüsierten sich prächtig oder lauschten voller Faszination den Geschichten, so daß sich Jack darin bestärkt sah, eine nach der anderen zu erzählen. Eddy atmete tief durch. Das konnte ein langer Weihnachtsabend werden…
      Er sah sich bald hilfesuchend nach seiner Frau um. Anscheinend war Tasha aber zu ihrer Mutter in die Küche geflüchtet, gleich nachdem Arlene begonnen hatte abzuräumen, und das Festessen in einen sogenannten gemütlichen Abend überging. Wahrscheinlich war das ein weiser Entschluß gewesen. Ob er es ihr wohl gleichtun konnte? Nur mit Tasha und Arlene allein würde es mit Sicherheit ein anspruchsvollerer Abend, und vielleicht konnte er noch ein bißchen helfen!
      Gerade hatte er diesen Entschluß gefaßt, als Tashas Mutter es ihm zunichte machte. Arlene kam gerade in’s Wohnzimmer zurück und sah in die Runde. „Kann ich euch noch etwas anbieten?“
      Eddy sah sich suchend um. Von seiner Frau fehlte noch immer jede Spur. Arlene zählte gerade auf, was sie anbieten konnte. Er sah die schlanke Frau mit den gut schulterlangen blonden Haaren gedankenverloren an. Eine russische Schokolade wäre vielleicht nicht verkehrt. Daran konnte er sich festhalten, und sich damit beschäftigen, während die alten Abenteuer der Senior-Ghostbuster zum wiederholten Male über den Tisch dahinrieselten…
      Er hatte kaum den Gedanken gefaßt, als er Hände spürte, die sich sanft auf seine Schultern legten. Überrascht wachte er aus seinen Gedanken und registrierte im gleichen Augenblick, wie Tasha die Arme um ihn legte. „Komm, wir bauen einen Schneemann!“ flüsterte sie ihm zu.
      Obwohl sie wesentlich leiser sprach als Jack, dessen Stimme sich laut und dominant über den Tisch erhob, hatten ihre Worte wesentlich mehr Substanz, in einer so wunderbar erfrischenden Bedeutung, daß sich die einzelnen Silben klar wie Kristalle vor dem bunt verschwommenen Vorhang aus Ghostbustinggeschichten abhoben und wie sanfte Schneeflocken in seine Seele rieselten.
      Ein Blickwechsel genügte, sie tauschten ein Lächeln, dann sprang er auf und folgte ihr aus dem Raum, und nur wenige Minuten später stahlen sich die beiden in ihrer Winterkleidung aus dem Haus.
      Als die Haustür hinter ihnen in’s Schloß fiel, setzte eine so wohlige Stille ein, daß er erst jetzt richtig registrierte, wie laut es in dem Raum tatsächlich gewesen war. Erleichterung durchströmte ihn. Obwohl drinnen viel mehr Leute waren als hier, wo er nur mit ihr zusammen war, war er jetzt nicht mehr allein. „Hast du dich auch so gelangweilt?“ erkundigte er sich, wobei er einen Hauch von Dankbarkeit in der Stimme nicht hatte vermeiden können.
      „Es geht.“ erwiderte sie leichthin. „Ich mag die alten Geschichten. Aber ich habe gemerkt, daß du dich gelangweilt hast! Grund genug, um zu handeln! Und wenn ich ehrlich bin…“ Sie umfaßte ihn und sah ihm tief in die Augen. „Wenn ich die Wahl habe, dann bin ich viel lieber nur mit dir hier draußen, als mit der ganzen Horde da drinnen, in dem stickigen Wohnzimmer.“
      Er lächelte beseelt. Das war die Art von Antwort, die er sich ersehnt hatte. Jetzt fing der schöne Teil des Abends an. Einen Augenblick verlor er sich verträumt in den jeansblauen Augen seiner Frau, bis er leise sagte: „Wollen wir denn einen Schneemann bauen?“
      „Das habe ich nicht gesagt, nur um dich aus dem Haus zu bugsieren!“ lachte sie und nahm ihn mit zu der fast unberührten Schneedecke direkt vor dem Haus, die sich bis zu fernen Baumreihen erstreckte. „Ich würde sagen, wir bauen ihn direkt hierhin!“ Tasha deutete auf eine Stelle, von der aus man direkt durch das Wohnzimmerfenster hineinblicken konnte, wo gerade Jack wild und für sie lautlos gestikulierte, und offenbar einen erneuten Gelächtersturm erwirkte. „Laß uns mal versuchen, ihn so groß wie einen normalen Erwachsenen zu machen.“
      „So groß wie Jake oder wie mich?“ hakte Eddy nach, denn sein Partner war ein gutes Stück größer als er.
      Tasha lächelte süffisant. „So groß wie Jake, und mit deinem Umfang!“
      „Na, danke!“ lachte Eddy, dem genauso bewußt war, daß er ein gutes Stück korpulenter war als Jake. Er warf seiner Frau, die ebenfalls recht schlank war, einen Blick mit einem leichten Schmollen zu, bevor sie sich gemeinsam an die Arbeit machten.
      Einige Zeit später hatten die beiden drei verschieden große Schneekugeln zusammengerollt, und bemühten sich nun, diese aufeinanderzustapeln. Es ging besser, als sie erhofft hatten. Tasha begann, die Zwischenräume mit Schnee zu verstärken und die Rundungen sorgfältig mit den Händen nachzuglätten, und Eddy unterstützte sie dabei mit einem enthusiastischen Leuchten in den Augen. Nur wenige Minuten später nickte die junge Frau zufrieden. „Ich denke, das reicht.“
      Sie betrachteten ihr fertiges Werk ein wenig nachdenklich.
      „Wenn wir nur etwas hätten, womit wir den Schneemann auch wie einen richtigen Schneemann aussehen lassen könnten, anstatt nur wie drei übereinandergeschichtete Kugeln…“ sinnierte Eddy.
      Tasha schien über die gleiche Frage nachzudenken. Plötzlich schnappte die Blonde nach Luft. „Ich weiß was! Komm mit, das müßte gehen!“
      Er hatte zwar keine Ahnung, wovon sie sprach, folgte ihr aber neugierig zurück in’s Haus.
      Sie führte ihn einen Flur entlang in eines der hinteren Zimmer des Hauses, das anscheinend als Abstellraum genutzt wurde. „Mom bewahrt hier alte Sachen auf. Ich habe da vorhin etwas gesehen, das könnte funktionieren.“ Sie führte ihn zu einer großen Kiste. Eddy konnte bereits roten und weißen Stoff sehen. Seine Frau hob eine Weihnachtsmütze auf und drehte sich triumphierend zu ihm um. „Die müßte passen, oder?“
      In Eddys Augen leuchtete es. „Ja! Haben wir noch etwas?“
      „Ja, einen Mantel… Warte mal, hier ist ein alter Weihnachtsmannbart, und schau mal!“ Sie präsentierte ihm strahlend eine Brille mit einer dunklen Einfassung.
      Eddy lachte. „Das ist großartig! Brauchen wir noch etwas?“
      „Eine Nase vielleicht.“ überlegte sie und sah sich um. „Eine Christbaumkugel?“
      Eddy grinste. „Nehmen wir eine rote oder eine blaue?“
      „Rot paßt besser!“ entschied Tasha. Euphorisch machten sich die beiden mit ihren Fundsachen auf den Rückweg. Schnell huschten sie vorbei an dem Wohnzimmer, aus dem stickige Wärme und Stimmengewirr klang, das gerade wieder in lautes Gelächter ausartete, und liefen zurück in die Stille der Natur, die sie wie eine gute Freundin erwartete, bis sie ein wenig atemlos bei ihrem neuen Kameraden ankamen. In aufgedrehter Stimmung kleideten sie ihn ein, und stellten freudig fest, daß auch das besser gelang, als sie erwartet hatten. Die etwas rundliche Form des Schneemanns paßte erstklassig zu dem Mantel, die Mütze saß perfekt, und mit Bart, Brille und Christbaumkugelnase erhielt ihr Schneefreund den letzten Schliff.
      Ein paar Schritte entfernt schmiegten sich die beiden aneinander und betrachteten ihren Kameraden einen Moment liebevoll. Kurz darauf sah Tasha ihren Mann forschend an, strich sanft ein paar vom Schnee durchnäßte Strähnen seines sonst so wuscheligen Haares aus seiner Stirn und fragte: „Wollen wir wieder reingehen?“
      Er nickte, mit einem Lächeln, das anzeigte, daß ihm die Auszeit gutgetan hatte – und daß es ihm guttat, sie an seiner Seite zu haben.
      Ohne Eile schlenderten sie gemütlich über den stillen Hof, und kehrten Augenblicke später schließlich in den Trubel der Weihnachtsgesellschaft zurück.
      „Also, wir sitzen also da, in diesem kleinen tasmanischen Dorf, als plötzlich unheimliche Laute die Nacht durchzogen. Spense, Tracy und ich zucken im ersten Moment zusammen und sehen unseren Führer geschockt an, der aus dem Fenster blickt. ‚Das ist ein tasmanischer Teufel!‘ erklärt er uns. Und dann ging’s los! So schnell konnte ich Spense und Tracy gar nicht aufhalten, wie sie die Ausrüstung geschnappt hatten und aus der Hütte stürmten. Ich also hinterher, da verloren sie sich allerdings schon in der Dunkelheit. Ich habe Spense noch nie so euphorisch gesehen!“
      Der alte Spenser deutete ein Lächeln an, während Eddy und Tasha unbemerkt wieder ihre Plätze einnahmen.
      Jack erzählte unbeirrt weiter. „Nach gut zwei Stunden erfolgloser Jagd kehren wir in die Hütte zurück, Spense hier völlig außer Atem, und dem Führer erklärend, daß wir das Höllenwesen nicht einmal mit den Meßgeräten für übernatürliche Kräfte haben orten können. Ihr hättet Spenses Gesicht sehen sollen, als der Führer ihm erklärte, daß der tasmanische Teufel ein Tier ist, ein tasmanisches Beuteltier, und kein Spuk!“
      Die Gesellschaft lachte herzlich, und Spenser gleich mit.
      Selbst Eddy schmunzelte. „Aha, bei der Geschichte sind sie jetzt angelangt.“
      Bevor Jack seine nächste Geschichte beginnen konnte, stand Spenser auf. „So, ich muß eben noch eine wichtige Besorgung machen. Ich bin bald zurück, haltet mit also etwas von dem Sherry zurück.“ Damit ging er hinter der Reihe entlang zur Tür und legte im Vorbeigehen sachte die Hand auf Eddys Schulter, als wolle er seinem Sohn mitteilen, daß er wußte, wie er sich fühlte, und ihm ein wenig Mut zusprechen.
      „Am besten aber war die Geschichte, als wir Doktor Franckenstein getroffen haben!“ begann Jack von neuem.
      Eddy hörte kaum noch hin. Die kurze Geste von seinem Vater hatte gutgetan, und er widmete sich nun lieber der heißen Schokolade, die Arlene vor ihm hinstellte, und den Armen seiner Frau, die sich liebevoll um ihn schlossen.
      Es dauerte nicht lange, da kehrte Spenser in das Wohnzimmer zurück und stellte ein wenig aufgeregt Blickkontakt zu Arlene her, die seinen Blick irritiert erwiderte. Sachte zog er sie ein Stück beiseite. „Arlene, hast du nicht gesagt, das Weihnachtsmannkostüm läge in dem Abstellraum ganz hinten rechts?“
      „Ja, das ist richtig! Warum fragst du?“
      Er machte eine hilflose Geste. „Es ist nicht mehr da!“
      „Wie meinst du das? Es liegt doch ganz offen auf der Truhe!“ stellte sie verwundert fest.
      „Eben nicht!“ Der etwas Korpulentere sah sie verzweifelt an. „Ohne das Kostüm wird es heute Abend keinen Weihnachtsmann geben.“
      Arlene stockte, als ginge sie innerlich noch einmal alle Plätze durch, die in Frage kamen. Während ihr Blick gedankenvoll auf dem Fenster ruhte, stutzte sie plötzlich und ging ein paar Schritte, bis sie direkt davor stand und hinaussah. „Ich glaube, ich weiß, was damit passiert ist…“

Merry Christmas to you all!



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Bezüge zu Live Action-Episode »Dr. Whatsisname«
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