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...Unverhofft kommt oft...

GeschichteAllgemein / P16 / Gen
16.01.2016
14.07.2016
4
3.459
 
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Dieses Kapitel
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16.01.2016 1.031
 
Prolog.

Es war ein stürmischer Tag auf See, wie es eigentlich oft der Fall war. Allerdings war heute einiges noch furchteinflößender als die Unberechenbarkeit des Wetters auf hoher See. Die Crew war am jammern, niemand hatte Lust sich viel zu bewegen, alle froren durch bis auf die geschundenen Knochen. Der Captain sagte nichts zu alledem. Seine Narben taten so weh, dass es ihm Angst machte, weshalb er auch nichts davon erzählte, damit er Niemanden beunruhigen konnte. Er litt im Stillen vor sich hin und heiterte die Crew mit Witzen und Erzählungen auf. Adé kam die Idee, nach Nassau zu segeln um ein wenig Ablenkung zu erfahren. Edward und er wollten schließlich, dass sie eine gesunde und zurechnungsfähigere Crew haben würden, die man auch auf hoher See gebrauchen konnte. Also brachten sie die Segel in den Wind und schossen los in Richtung der Hafenstadt Nassau. Vielleicht könnte auch Edward sich dort mit einem Bier etwas ausruhen und wieder zu alter Kraft gelangen, was ihn antrieb, schneller an den feindlichen Schiffen vorbeizusegeln. Er brauchte nun wirklich keine Konfrontationen ! Schließlich waren sie angekommen, und alle waren völlig abgerissen und durchnässt von dem Hurricane, an dem sie nur knapp vorbegigesegelt waren und nun wirklich nicht sehr glücklich aussahen. Adéwale musste leicht grinsen, als er sah, wie auch Edward taumelnd seine Jackdaw verließ und sich an der Reling festhielt, um nicht gleich über Bord ins Meer zu fallen. Was für ein Tag … nun ja, eigentlich sollte es kein Problem sein, einen Sturm zu meistern, aber dennoch: heute war der Wurm drin.


"Ein Bier bitte." murmelte der Captain mehr für sich selbst vor sich hin als dass der Barkeeper es wirklich verstehen konnte. Er nahm die Kapuze ab, was er immer aus Höflichkeitsgründen bei einer Unterhaltung machte, denn gerade gesellte sich Hornigold neben ihn. "Für mich auch ein Bier." schrie er den Barkeeper an, wie es eben so seine seltsame Art war. "Und? Kommst du gut klar mit deinem Schiff ?" Edward hörte ihm nicht gut zu, seine Narben brannten mal wieder, und zwar heftiger als an Bord der Jackdaw. Es fühlte sich so schmerzhaft an, als wäre er durch ein brennendes Wrackteil gelaufen.  Eine dementsprechend schmerverzerrte Maske setzte er auf. "Was ist dir denn über die Leber gelaufen?" ,,Oh Mist, entschuldige Ben. Ich bin nur kurz eingedöst. Der Alkohol, vermute ich, passiert mir schon mal des Öfteren." Nicht zufrieden mit dieser Antwort trank Ben einen Schluck und musterte Captain Kenway aus dem Augenwinkel. Plötzlich kam erneut ein heftiger Regenschauer. Gott sei Dank konnte man die Taverne auch betreten., was sie auch umgehend taten. "Es wird heute Nacht noch schlimmer, das spüre ich. Also das Wetter, meine ich." murmelte Hornigold zu Edward. Dieser nickte nur. Meistens taten die Narben nur weh, wenn sich eine Gefahr anbahnte, und das gefiel ihm ganz und gar nicht gut. Er wollte keine einzige Person aus seiner Crew missen! Kein Schwert und keine Kugel sollte ihren Namen tragen. Alle sollten sie munter ans neue Ziel gelangen und dort mit ihm gemeinsam die Beute beschaffen. Plötzlich spürte er den markanten Duft eines Frauenparfüms hinter sich, und vermutete natürlich sofort es sei Mary.

Dann verschwand die Duftwolke wieder so schnell, wie er sie plötzlich gerochen hat. "Noch ein Bier bitte!" schrie Edward zum Barkeeper, der es nickend zur Notiz nahm. Mittlerweile füllte sich die Taverne immer mehr. Es wurde eng und es begann nach Fusel und ekligem Mundgeruch zu stinken, egal wohin man den Kopf drehte. Nun wünschte er sich den penetranten Frauen-Parfümgeruch tatsächlich wieder zurück. Ben wollte gerade sein Bier absetzen und aufstehen, während er sich mit einem müden Lächeln verabschiedete, doch Edward sagte laut: "Ben, ich glabe, ich habe große Probleme... na du weißt schon. Gesundheitlicher Natur. Ich bin nicht mehr so gut in Form." Ben setzte sich wieder auf seinen Platz und hörte interessiert zu. Dies verleitete Edward zum Weiter-Erzählen. "Nun ja, alles beginnt zu schmerzen. Der Rücken, der Nacken, der Bauch, alle Stellen wo ich tiefe Narben trage, verstehst du ? Normalerweise würde ich es auf das Wetter schieben, denn meine Crew..." Er warf seinen Kopf mit einem Kopfnicker hinter sich zu seiner Crew, die bereits völlig betrunken am Tresen hing. "ist natürlich auch in Mitleidenschaft gezogen worden. Aber..nun ja, ich habe es schon seit Wochen. Genauer gesagt seit, seit ich diesen seltsamen Fund bei mir an Bord gemacht habe. Ich glaube, ich weiß nicht, ob es so ist, aber ich glaube, dass es der Auslöser für meinen Wahnsinn ist. Und für meine Schmerzen. Es befand sich ein weiteres Bett in der Kajüte bei mir an Bord. Nun ja, es war eigentlich nur ein fremder Mantel und ein wenig Stoff-Fetzen als Kissen. Aber es war fremd. Meiner Crew konnte es nicht gehören. Ich war an diesem Tag völlig alleine, IN meiner Kajüte. Niemand hat einen Schlüssel dafür. Ich betrachte es als Provokation ... oder als düstere Botschaft. Was meinst du dazu ?" Hornigold begann zu grinsen. "Hast du vielleicht ein Problem mit einer aufgebrachten Frau ? Die kriegen überall ihre Hände ins Spiel, glaube mir." "Nein, Ben, du weißt, dass ich so etwas nicht mache. Ich warte auf meine Frau, zuhause in England, bis wir uns wieder sehen können." "Nun gut, dann solltest du es vielleicht auf sich beruhen lassen, wenn du magst, segle ich morgen mit dir, um dem Problem ein wenig Abhilfe zu schaffen." "Dankesehr, Ben."

Edward bemerkte, dass die Sonne herauskam und der Regen sich nun wohl endgültig verzogen hatte. Er ging hinaus an die Luft um wieder klarer zu werden. Das Wetter war wirklich heimtückisch. Hoffentlich blieb es die Nacht über trocken und am nächsten Morgen auch, denn er schlief lustigerweise gerne draußen auf einer Palme, denn dann war er am nächsten Morgen immer bei bester Laune. Edward ging schnurstracks zu seinem Schiff, um mit Adéwale zu sprechen, den er dort wie immer als fleißigen Arbeiter als ersten vermutete. Doch es war Niemand da. Einzig und allein dieser seltsame Duft war wieder da. Plötzlich lief es Edward eiskalt den Rücken hinunter. Was, wenn wirklich ein Fluch auf ihm läge ?
 
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