Corpse Party : Destroyed destinies

GeschichteAngst / P16 Slash
OC (Own Character)
16.01.2016
11.02.2017
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16.01.2016 1.935
 
„Autsch!“ Leise fluchend pustete ich auf meine Finger. Mein Feuerzeug hatte so lange gebrannt, dass es glühend heiß geworden war. Und jetzt hatte ich es fallen gelassen… Hoffentlich nicht direkt in eins der Löcher im Boden. Vorsichtig tastete ich über das Holz. Alte Dielen, zerbrochene, lose und intakte, verstreutes Papier und… die Teile der Leichen die hier ebenfalls überall herumlagen…
Jedesmal wenn meine Finger gegen etwas Weiches stießen, zuckte ich zurück. Ich wollte wieder Licht… Nach ein paar Minuten fand ich endlich mein Feuerzeug. Es lag direkt neben der Hand eines Toten, wie ich feststellte, als es wieder brannte. Der Körper war schon so stark verwest, dass ich nicht mal sagen konnte ob es ein Junge oder ein Mädchen gewesen war. Wie lange lag er oder sie wohl schon hier? Ob wir auch so enden würden… Von allen vergessen…
Ich schüttelte  mich kurz um die trübsinnigen Gedanken loszuwerden. Es musste einen Ausweg geben. Es musste! Schließlich waren wir ja auch irgendwie in diese Schule reingekommen. Ich umklammerte krampfhaft den Papierschnipsel in meiner Tasche. Ewige Freundschaft… sich nie aus den Augen verlieren… Seufzend setzte ich mich wieder in Bewegung. Möglichst ohne auf Organe, Maden oder ähnliches zu treten. „Das ist so… widerlich…“ Und das war respektlos gegenüber den Toten. Gut gemacht, Cyrus. Du hast grade die Toten auf denen du rumtrampelst noch mehr verärgert. Und ich rede mit mir selbst… Ich blieb stehen und sah mich um. Nichts als menschenleere Flure. Naja… zumindest waren keine lebenden Menschen anwesend. Außer mir… Ganz allein mit den Leichen. Von denen einige offensichtlich ermordet worden waren!
Es war echt ein Fehler, sich hier zu trennen. Effektivität hin oder her. „Die Zeit ist jetzt wohl sowieso um…“ murmelte ich in die Stille, um wenigstens ein Geräusch zu hören. Es war zwar schwer die Zeit ohne Uhr zu kennen aber ich stolperte hier jetzt schon seit mindestens einer Stunde durch die Gegend. Das war eindeutig lange genug! Außerdem… machte ich mir Sorgen um Akaito…
Deshalb machte ich mich schnellstens auf den Weg zurück zu unserem Treffpunkt, einem Klassenzimmer im ersten Stock mit mehr Löchern als Boden. Aber wenigstens lagen dort keine Toten herum. Während ich zurücklief sah ich mir den Schülerausweis den ich vorher gefunden hatte genauer an. „Minami Hokaido…“, flüsterte ich „Sie war sechzehn…“ Und in der Hülle des Ausweises klemmte ein Stück Papier. „Hat sie auch mit ihren Freunden den Sachiko-Ever-After-Charm benutzt?“ Merkwürdig… Ich steckte den Ausweis wieder in meine Tasche. Hoffentlich hatte Akaito was Brauchbareres gefunden…
Als ich bei dem Klassenzimmer ankam war niemand da. „Verdammt… Wo bist du, Akaito…?“ Ich lehnte mich gegen die Wand neben der Tür und ließ mich daran herunterrutschen bis ich auf dem Boden saß. Wenn er nicht bald kam würde ich ihn suchen müssen… Aber wenn er währenddessen zurückkam? „Ach Mist…“
Der Regen trommelte gegen die Fensterscheiben. Das einzige Geräusch abgesehen vom gelegentlichen Donnergrollen. Und auch wenn das eine Schule voller Leichen, von Leuten die nicht viel älter oder jünger waren als ich war, es war irgendwie einschläfernd…

„Cyrus! Wach auf!“
Ich fuhr erschrocken hoch als mich jemand an den Schultern rüttelte und stieß daraufhin mit meinem Kopf gegen Akaitos. Der stolperte zurück und rieb sich die Stirn und ich landete wieder auf dem Boden. „Au…“ Ich hielt mir den Kopf. Das würde eine Beule geben… aber das war eine kläglich kleine Sorge im Gegensatz zum ganzen Rest. Mit leichten Tränen in den Augen, wegen dem plötzlichen Schmerz, schaute ich zu ihm hoch. „Akaito…“, ich rappelte mich auf und fiel ihm reflexartig um den Hals „Wo warst du so lange?“ „Äh… Auf der Suche nach dem Ausgang?“ kam die leicht perplexe Antwort zurück.
Ich errötete als mir richtig bewusst wurde was ich grade machte und ließ ihn hastig los „U-und was gefunden?“ Mein älterer Mitschüler schüttelte lediglich den Kopf „Die Eingangstür hab ich zwar gefunden aber sie lässt sich nicht öffnen egal wie stark man dran rüttelt. Als wäre sie lediglich ein Stück der Wand…“ „Aber… Wir müssen doch auch irgendwie hier rein gekommen sein. In diese verfluchte Schule…“, ich sah zu Boden „Diese Schule voller Leichen“ „Heavenly Host Elementary“, flüsterte Akaito „An den schwarzen Brettern hier hängen überall Ankündigungen einer Schließung die über 30 Jahre zurückliegt. Und über grausame Morde an ein paar Schülern…“
Ich runzelte die Stirn „30 Jahre?“ Die Toten in den Fluren wirkten nicht alle als lägen sie bereits mehr als ein paar Monate dort… geschweige denn 30 Jahre. Und wir Grundschüler sahen die Überreste auch nicht aus. Ich zog Minamis Schülerausweis heraus und schaute auf das Datum. Das lag zwei Jahre zurück. „Was ist das?“ Ich zuckte kurz zusammen als Akaito plötzlich nach dem Papierfetzen griff der oben aus der Ausweishülle herausragte. „Das sieht aus wie ein Teil dieses Sachiko-Charms, findest du nicht auch?“ Ich nickte zögerlich. „Aber es kann alles Mögliche sein“ „Stimmt…“ Er gab mir den Schnipsel zurück und ich steckte ihn zusammen mit dem Ausweis wieder weg.
„Ich glaube die anderen sind auch hier…“ „Was?“ Ich sah ihn verwundert an. Zwar war das letzte woran ich mich erinnerte die Durchführung dieses Rituals zusammen mit meinen Freunden gewesen aber… Hieß das denn automatisch dass sie auch an diesem schrecklichen Ort gelandet waren? Draußen zuckte ein greller Blitz über den Himmel und erhellte das Zimmer für einen kurzen Moment. Akaitos rote Haare wirkten fast weiß in diesem Licht und die umgeworfenen Möbel warfen lange Schatten an die Wände.
„Wieso denkst du dass sie hier sind?“ Das Licht des Blitzes war verschwunden und meine Augen hatten sich noch nicht wieder an die Lichtverhältnisse gewöhnt, so konnte ich seinen Gesichtsausdruck nicht sehen. Aber ich hörte wie er einmal tief durchatmete bevor er antwortete „Weil… ich ihre Stimmen gehört habe. Es hat sich angehört als hätten sie… unglaubliche Angst“ Ich biss mir auf die Lippe. Das konnte ich gut nachvollziehen… „Hast du… auch Angst, Akaito?“ „Wie sollte man hier keine Angst haben?“ Schweigend blieb ich stehen bis zum nächsten Blitz. „Vielleicht… sollten wir weitersuchen… Aber zusammen“ Hier wollte ich nicht mehr alleine herumlaufen…

„Akaito!“ Mit Tai-Lee im Schlepptau stürmte ich ins Klassenzimmer. Es war schon fast halb sieben Uhr und eigentlich hatte ich erwartet außer Akaito niemanden mehr anzutreffen. Als ich bemerkte dass dem nicht so war blieb ich abrupt stehen. Auf den herumstehenden Tischen und dem Boden saßen außer Akaito noch Gakupo, der älteste und größte der Gruppe, der schwarzhaarige Felix, Yu, der jüngste, und Tama….
„W-was macht ihr denn noch alle hier?“ „Wieso? Wolltest du etwa mit deinem ´Senpai´ ganz alleine sein?“ Tamas grüne Augen blitzten als er schadenfroh grinste. Ich errötete leicht und hoffte dass es niemand bemerkte… „G-gar nicht… Ich wollte nur dich nicht dabei haben!“
Tai-Lee neben mir seufzte und trat vor „Aber es ist gut dass wir euch alle noch erwischt haben. Wir haben da was gefunden“ Yu schüttelte sich den widerspenstigen Pony aus dem Gesicht und sah dann mit großen Augen zu ihr hoch „Was denn, Aruba-Senpai?“ Ihre dunklen blauen Augen strahlten wie immer eine leicht ehrfurchtgebietende Macht aus als sie zu sprechen begann „Den Sachiko-Ever-After-Charm. Bei korrekter Durchführung wird uns ewige Freundschaft gewährt“ „Ein Charm für ewige Freundschaft?“, mit hochgezogenen Augenbrauen betrachtet Felix skeptisch die Papierpuppe in meinen Händen „Ich seh nur ein Stück gewöhnliches Kopierpapier“
„Ewige Freundschaft bei richtiger Durchführung? Was passiert wenn wir was falsch machen?“ Gakupo ignorierte Felix Zweifel vollkommen. „Nichts Schlimmes jedenfalls“ sagte ich schnell aber mich ignorierte er ebenfalls. Er wartete offensichtlich auf eine Antwort von unserer Spezialistin in diesen Dingen. Dabei wusste ich über diesen Charm genauso viel wie Tai-Lee!
„Es wird nichts passieren. Aber vielleicht sollten Zweifler wie du“, sie warf Felix einen Seitenblick „lieber nicht mitmachen. Du nimmst das Ganze doch eh nicht ernst und bist deshalb nicht fähig diesen Charm zu benutzen“ „Bin ich wohl!“, fuhr der Schwarzhaarige sie an. „Diese Dinger sind doch kinderleicht!“ „Wie funktioniert der Charm eigentlich?“ mischte sich jetzt Akaito ein bevor Tai und Felix sich noch richtig stritten. Weil das einzige Mädchen unserer Gruppe noch mit Felix beschäftigt war erklärte ich es. Ich hielt die Papierpuppe hoch sodass sie alle sehen konnten. „Wir halten uns alle an der Papierpuppe fest und jeder wiederholt siebenmal die Worte ´Sachiko we beg on you´ in seinem Kopf. Einmal für jede anwesende Person. Danach zerreißen wir die Puppe und das war´s dann schon. Ihr dürft den Teil des Sachiko-Charms dann aber nicht verlieren. Sonst verliert er wieder seine Wirkung“ „Also werden wir uns dann nie aus den Augen verlieren?“, hakte Yu nach „Immer Freunde bleiben?“
Ich nickte und fügte in Gedanken „Und vielleicht noch mehr…“ hinzu und blickte verstohlen zu Akaito. Tama warf einen Blick auf die Uhr „Dann machen wir es am besten so schnell wie möglich. Ich muss in ner halben Stunde eigentlich zu Hause sein“ Dann geh doch… Auf ewig währende Freundschaft mit meinem Cousin was-weiß-ich-wievielten Grades konnte ich getrost verzichten. Doch Tai-Lee nahm mir schon den Charm ab und hielt ihn den anderen hin. Nacheinander griffen wir alle nach dem Papier. Ich stand zwischen Akaito und Tai und hörte kaum zu wie sie alle ermahnte sich richtig festzukrallen. Ich bohrte ganz automatisch meine Fingernägel neben Akaitos in das weiße Druckerpapier. „Auf drei fangen wir an. Denkt dran es wirklich sieben Mal zu wiederholen sonst schlägt es fehl. Alle bereit?“
Alle nickten und sogar Felix starrte hochkonzentriert auf den Charm zwischen uns. „Okay. Dann eins, zwei und drei“
Stille kehrte ein.
Sachiko we beg on you
Sachiko we beg on you
Sachiko we beg on you
Aus dem Augenwinkel nahm ich wahr dass Tai die Augen geschlossen hatte.
Sachiko we beg on you
Sachiko we beg on you
Yu bewegte lautlos die Lippen und Gakupo hatte die Stirn in Falten gelegt.
Sachiko we beg on you
Regen klatschte gegen die Fensterscheiben.
Sachiko we beg on you
„Alle fertig?“ flüsterte Tai ein paar Sekunden später. Ich nickte und musste mich schon schwer zusammenreißen es nicht noch ein achtes Mal zu denken… Sie blickte noch einmal prüfend in die Runde „Gut. Dann ziehen wir jetzt solange an der Puppe bis jeder ein Stück hat. Los“
Ein paar Sekunden zerrten wir alle am Sachiko Charm bis er auseinanderriss. In diesem Moment krachte draußen ein Donnerschlag und ein greller Blitz zuckte über den pechschwarzen Himmel. Daraufhin fielen alle Lichter aus.
Jemand stolperte, schrie kurz auf als er hinfiel. „Yu?“
Es war schwer etwas zu erkennen und während ich darauf wartete dass sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnten und Gakupo sich anscheinend um Yu kümmerte, begann der Boden plötzlich heftig zu wackeln.
„Ein Erdbeben?!“ Tais Stimme war hoch und panisch, wie ich sie noch nie gehört hatte. Mit lautem Klirren fiel eine Lampe dicht neben mir zu Boden. Dahin wo Sekunden zuvor noch ein Mädchen stand. Ich wich erschrocken zurück und stieß gegen Akaito.
Das Beben war heftig aber kurz. Genau wie die Ruhepause danach. Wir alle hatten das Gleichgewicht verloren und saßen oder knieten auf dem Boden. Tai klammerte sich mit weit aufgerissenen Augen an Felix, Tama kniete neben den beiden. Gakupo hatte Yu offenbar unter einem der Tische geschoben und starrte jetzt zur Decke deren verbliebene Lampen wieder schwaches Licht abgaben. Und ich lag fast auf Akaito… Hastig setzte ich mich auf rückte aber nicht von ihm weg.
„Ist… Ist es vorbei?“ Tais hohe leise Stimme durchschnitt die Stille wie ein Peitschenhieb. Bevor ihr jemand antworten konnte zerbrach er plötzlich. Der Boden auf dem wir saßen zersplitterte in tausend Stücke und darunter… war nichts als Finsternis.


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Cyrus, Yu, Tai-Lee, Tama - Schattenschreiberin
Felix, Akaito (charakterliche Auslegung), Gakupo (charakterliche Auslegung - Unicwolf
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