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"Bitte komm zurück"

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
EXO
13.01.2016
13.01.2016
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Heii~ :D
Die Idee für diesen OS trage ich schon eine ganze Weile mit mir herum. Und endlich habe ich es geschafft es nieder zu schreiben :3 Er ist für meine Freundin Mella geschrieben. Auch, wenn er spät kam, hoffe ich, dass du das ließt, und er dir gefällt :o Ich hab dich lieb~ >.<
So und jetzt ist gut, Viel Spaß beim Lesen :D
(Angelehnt an Alaska von Casper)


Baekhyun PoV

Es war ein sehr kalter Abend, kälter als die letzten Wochen. Kälter als ein anderer Tag in diesem Jahr es war. Doch ich spürte die Kälte von außen gar nicht. Die Kälte in mir war viel größer. Seit einem halben Jahr war ich jetzt schon alleine. Es ist nicht mehr ganz so schmerzvoll wie am Anfang, als er mich verlassen hatte. Konnte es auch gar nicht sein. Ich spürte keine Schmerzen mehr. Manchmal wäre es schön gewesen, zu wissen, dass man noch lebt, doch davon konnte ich nicht reden. Mit ihm war wohl auch dieser Teil in mir verschwunden. Von jetzt auf gleich, einfach so.

Der Wind blies mir über die Schulter und die Haare fielen mir ins Gesicht. Es machte mir nichts aus. So musste ich wenigstens das Lachen der Menschen um mich herum nicht sehen. Ich hasste ihre Fröhlichkeit. Seit einem halben Jahr hatte ich schon nicht mehr gelacht. Ob ich es überhaupt noch konnte? Wahrscheinlich war auch das mit ihm gegangen. Wie so vieles auch.

Ich lief ziellos durch die Straßen Seouls. Wo wollte ich auch hin? Ich hatte mich vor ein paar Wochen das erste Mal wieder auf die Straße getraut, nachdem was passiert war. Und hier draußen erging es mir so viel besser. Ich konnte frei atmen. Ich konnte den Stern besser sehen, Den hellen Stern am Nachthimmel, der seit dieser einen Nacht zu sehen war. Dieser Stern, der mich so an ihn erinnerte.

Ein kaltes Ziehen an meiner Wange zeigte mir, dass ich angefangen hatte zu weinen, während ich im Gedränge der Menschenmasse stehen geblieben war und in den Himmel geschaut hatte. Ich weinte schon wieder. Das war eines der wenigen Dinge, die er hinterlassen hatte. Trauer. Aber ich würde nicht mehr lange traurig sein. Das hatte selbst mein Therapeut versprochen, als ich bei ihm in Behandlung kam.

Ich dachte zurück an die alten Zeiten. Wir waren alle zusammen, wir waren ein guter Freundeskreis und immer offen und ehrlich zu den anderen. Und ich hatte ihn. ChanYeol. Die Liebe meines Lebens, mein ein und alles. Und er war gegangen. Kurz darauf ließen mich auch unsere anderen Freunde alleine. SuHo war derjenige, der es noch am längsten bei mir aushielt. Dann verbannte ich auch ihn aus meinem Leben.

Ich setzte mich wieder in Bewegung. Die komischen Blicke mancher Menschen waren mir herzlich egal. Was sollte es mich auch kümmern? Um mich kümmerte sich doch auch keiner.

Ich ging in eine enge und dunkle Gasse. Etwas unheimlich war es schon, gab ich zu. Aber vielleicht brauchte ich ja  genau das. Eine Art Adrenalinkick. Irgendetwas was mich wieder fühlen ließ. Also lief und lief ich, in der Hoffnung auf etwas oder jemanden zu stoßen, an dem ich vielleicht all meine verborgenen Gefühle und Emotionen rauslassen konnte. Ich fand jedoch niemanden.

Als ich um eine der unzähligen Ecken bog, sah ich ihn. Den großen Hinterhof eines alten und heruntergekommenen Hauses. Früher war es wahrscheinlich schön und gut anzusehen, doch dies war lägst vergangen. Der graue Putz bröckelte von den schiefen Wänden und die Farbe der Fensterläden blätterte schon ab.

Ich stapfte ein paar Meter durch den Schnee, in den Hof hinein. Ich ging die Abzäunung ab, an der Hauswand entlang und letztendlich zu den Mülltonnen, in der Hoffnung das zu finden, nach dem ich suchte, auch wenn ich keine Ahnung hatte, was es war. Doch da entdeckte ich es.

Es lag im Schnee. Seine silberne, scharfe Klinge spielgelte den dunklen Nachthimmel mit seinen hellen Sternen wider. Die kleinen Abflachungen an der Klinge ließen das Messer irgendwie bedrohlich, aber auch schärfer wirken. Ich bückte mich und griff nach dem schwarzen Griff. Er war eisig kalt, so wie diese Nacht. Ich schaute wieder auf die Klinge und sah, dass sich dieser Stern darin spiegelte. Ich schaute wieder hoch zu ihm. Das erste Mal seit Monaten huschte ein leichtes Lächeln über meine Lippen.

Auf einmal wusste ich ganz genau was zu tun war. Ich ging in eine Ecke des Hofs, den Griff meines Retters fest umklammert. Zielsicher steuerte ich diesen einen Punkt an. Ich setzte mich auf die Treppenstufen. Langsam ließ ich die Klinge das erste Mal über meinen Arm gleiten. Sofort quoll das Blut aus dem Schnitt. Ich fuhr mit dem Finger durch das Rinnsal. Dabei ignorierte ich den auf einmal ziemlich großen Schmerz in meinem Arm.

Mit meinem Blut begann ich die Worte auf die Wand vor mir zu schreiben. Die Worte, welche mich jeden Abend vom Schlafen abhielten, die Worte, die mir bei ChanYeol immer wieder zuerst in die Gedanken kamen. Diese, die alles beschrieben, was ich seit einem halben Jahr wollte. Die, für die ich wirklich alles getan hätte. Alles. „Bitte komm zurück“.

Ich merkte, wie das Blut langsam versiegte. Wieder nahm ich das Messer. Ich wollte erneut ansetzen. Die bekam ich Angst. Wieso? Ich hatte doch sonst nie Angst vor dem, was mich zu meinem Ziel brachte. „Ich schaffe es.“, sagte ich. „Ich habe den Mut“. Mit viel Kraft zu ich die Klinge noch einmal über meinen Arm. Wieder begann es so zu bluten, wie vorher schon. Scharf zog ich die Luft ein. Fast hätte ich das Messer fallen lassen, aber das konnte ich nicht. Dann wäre ich wahrscheinlich nicht mehr in der Lage es aufzuheben.

Ich schrieb weiter. Ich hatte „Bitte“ schon fertig und war dabei „komm“ zu schreiben. Es tat weh diese Worte zu schreiben. Physisch. Und es tat immer weh an diese Worte zu denken. Psychisch. Also mach dir nichts draus, Baekhyun, es ist alles wie immer. Alles wird gut.

Mein Zeigefinger und mein Mittelfinger waren voller Blut. Von meinem Arm wollten wir mal gar nicht reden. Doch ein Schnitt war noch nötig, um den Satz zu vervollständigen, der mir so am Herzen lag. Also schnitte ich noch einmal. Dieses Mal merkte ich nicht einmal mehr, wie die Klinge in mein Fleisch schnitt und mir mein Lebenselixier stiehl.

Zitternd schrieb ich auch noch das letzte Wort. „Zurück“. Zurück waren gerade alle Erinnerungen an ChanYeol. Die Guten, wie die Schlechten. Nur erkannte ich die schlechten nicht als solche. Es waren Erinnerungen mit ChanYeol, also konnten sie nur etwas Gutes sein. So wie alles was mit ihm zu hatte.

„Gleich bin ich bei dir, mein Schatz“, flüsterte ich unter Tränen. Es waren Freudentränen. Endlich hatte ich es geschafft, ich war ChanYeol so nah.

Ich legte mich in den Schnee. Hier werde ich also Sterben. In einem zugeschneiten Hinterhof in Seoul. Der Blutverlust machte sich langsam auch bemerkbar. Das war mein endloses Reich, hier würde ich wieder zu ChanYeol finden. Ich konnte es nicht mehr Erwarten und nahm das Messer ein letztes Mal in die Hand. Ich setzte es auf meine Brust, genau da, wo mein kleines tapferes Herz schlug.

„Ich liebe dich“, kam es von meinen zitternden Lippen. Dann beschloss ich mich, es nicht länger hinauszuzögern und tat es. Ich rammte mir das Messer mitten ins Herz. Es tat weh, es tat richtig weh. Aber ich war gleich bei ihm. Mein Puls raste. Aber nur noch für eine Sekunde. Das Blut lief aus meiner Brust, in den Schnee welcher mich umgab. Ich schaute in den Himmel. Der Stern schien heller denn je zu strahlen. ChanYeol freute sich auf mich. Tränen liefen meine Wangen hinunter. Ich hatte es geschafft. „Bis gleich“, dachte ich und schloss die Augen. Für Immer.

SuHo PoV

Ich ging zum Briefkasten, um die Post herein zu holen. Es war bereits dunkel geworden, und der Mond konnte kein Licht spenden, da es sehr bewölkt war. Seit ich diese neue Arbeit hatte, kam ich kaum nach Hause, bevor es dunkel wurde. Ich zog ein paar Rechnungen und eine Zeitung aus dem Briefkasten.

Als ich in meiner Wohnung ankam, schaltete ich das Licht an und legte die Post auf den kleinen Schrank in Flur. Ich zog meine Schuhe aus und nahm mir die Zeitung. Ich schmiss mich auf das Sofa und schaute auf die Titelseite.

SELBSTMORD IN DEN STRAßEN SEOULS. Niemand hatte etwas gesehen.

Ich schaute auf das Bild. Dort lag eine Leiche, welche mit einem weißen Tuch überdeckt worden war. An der Wand hinter den Ermittlern stand „Bitte komm zurück“. Ich begann den Text zu lesen, kam aber nicht weit. Als ich den Namen Byun Baekhyun las, lief mir ein eiskalter Schauer über den Rücken. Ich lief zum Fenster, die Zeitung umklammert. In der Hoffnung, die Wolken seien verschwunden, schaute ich in den Himmel, zu diesem hellen Stern, der seit ChanYeols Tod unseren Himmel zierte. Ich hatte manchmal das Gefühl, dass es ChanYeol war, der von dort oben über uns wachte.

Ich wollte ChanYeol erzählen, was mit Baekhyun passiert war. Doch als ich in den Himmel schaute, leuchtete neben dem Stern ein zweiter. Dieser war genauso hell. Sofort musste ich an Baekhyun denken.

„Da seid ihr zwei ja endlich wieder vereint.“, sagte ich und wischte mir eine Träne aus dem Gesicht.

Baekhyun hatte es so schwer gehabt, alleine hier im Leben. Er wollte nicht geholfen bekommen und ich verstand es. Es tat mir auch nicht leid, dass er Tod war. Das war es, was er die ganze Zeit wollte. Und er hatte es geschafft. Ich lächelte die beiden noch einmal an, dann wendete ich mich vom Fenster ab.
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