Juwel der Wüste

von Kay- kay
GeschichteRomanze, Freundschaft / P18
13.01.2016
24.04.2016
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Ihr Lieben!

Hierbei handelt es sich um eine Parallel Geschichte zu "In Deinen Ketten". Keine Sorge, die beiden Geschichten sind unabhängig voneinander. Hier wird ein wenig die Vorgeschichte erzählt bzw lernen wir hier die Personen, die später bei "In Deinen Ketten" dazu kommen besser bzw jünger kennen.

Viel Spaß beim lesen.

***




Es herrschte eine unangenehme Stille in der Großen Halle des Palastes. Der Sultan saß auf seinem Thron und starrte den Jungen so böse an, dass es ein Wunder war, dass der Kleine nicht bereits vor Schreck gestorben war. Er hatte solche Angst vor dem Sultan, dass er fürchterlich zu zittern begann. Seine Zähne klapperten so laut, dass man das Gefühl bekam, er würde gleich erfrieren. Niemand in der Großen Halle sagte etwas, kein Ton war zu hören. Der Soldat, der den Jungen gebracht hatte, stand einen Schritt hinter ihm und hatte dafür gesorgt, dass er auf die Knie fiel. Seit diesem Moment waren Minuten vergangen- Minuten in den der Kleine Angst um sein Leben hatte und Sultan Ismail nichts dagegen unternahm. Er sagte dem Jungen nicht, dass ihm nichts geschehen würde. Er schenkte ihm kein freundliches Lächeln, das ihm symbolisierte, dass er in Sicherheit war. Eigentlich tat der Sultan nichts.

Endlich kam Bewegung in das Geschehen, als der Kommandant des Sultans das Wort an den Jungen richtete: „Sag mir, wie alt bist du?“ Er sprach ruhig, doch wer ihn kannte, spürte, dass ihm nicht gefiel, wie man das Kind behandelt. Er musste Todesängste haben! Und niemand unternahm etwas dagegen!
Als der Junge nicht antwortete stieß ihn der Soldat, der hinter ihm stand mit der Lanze unsanft zwischen die Schulterblätter und kläffte ihn an: „Der Kommandant hat dich etwas gefragt, also rede gefälligst! Oder kannst du das nicht?“ Er grinste finster.
„I… ich kann… sogar… sch… schreiben“, er bemühte sich um Fassung, doch der Schmerz war groß. Dennoch hatte er nicht geschrien, als die Lanze ihn getroffen hatte. Der Kleine war frech, er setzte noch einen oben drauf: „Und d… du?“
„Was fällt dir ein?“, entfuhr es den Soldaten. Er bebte vor Wut und hob die Lanze wieder an. Grade als er ausholen wollte, erklang die Stimme des Herrschers: „GENUG!“

Seine Stimme donnerte nur so durch den Saal, obwohl er kaum die Stimme gehoben hatte. Jeder war unter ihrem Klang zusammen gezuckt, sogar der Kommandant, der rechts neben dem Thron stand. Der Soldat, der hinter dem Jungen stand, sah seinen Herrscher verwirrt an. Als der Kommandant ihm ein Zeichen gab, ließ dieser ganz langsam die Lanze sinken und trat zurück. Der Junge hatte die Augen zusammen gekniffen und auf den nächsten Schlag gewartet. Doch als nichts geschah, hob er den Kopf und sah den Sultan überrascht und dennoch dankbar an.
„Du kannst schreiben?“ Der Sultan klang überrascht, doch streng.
„Er lügt, mein Herr“, behauptete der Soldat.
„Und das weißt du, weil…?“ Der Sultan beachtete den Soldaten nicht weiter und beugte sich zum Kommandanten. Er flüsterte diesem etwas ins Ohr, der Krieger nickte und ging dem Jungen entgegen. Er winkte einem Gelehrten an sich heran. Papier und Feder, sowie Tinte wurden vor dem Jungen auf den Boden gestellt. Dieser beobachtete das Geschehen und Schluckte einige Male trocken.
„Schreib“, befahl der Sultan mit strenger Stimme.

Ohne zu zögern griff der Junge nach der Feder. Ein raunen ging durch die Anwesenden, als sie sahen, dass er die Feder mit der linken Hand gegriffen hatte. Der Sultan kniff die Augen einen Moment zusammen, dann nickte er und sprach: „Ich, Sultan Ismail. Herrscher über die Wüste rufe alle meine Scheichs zu mir.“
Der Junge hatte den Sultan angesehen, während dieser gesprochen hatte. Als er nichts mehr sagte, begann er zu schreiben. Der Kommandant beugte sich ein wenig über den Jungen, der Gelehrte nickte. Als der Junge fertig war, sah er den Kommandanten erwartungsvoll an.
„Bring mir das, was du geschrieben hast“, verlangte der Sultan.
Unsicher sah der Junge den Kommandanten an, dieser nickte und der Junge erhob sich. Er hielt den Zettel in der Hand und lief dem Sultan entgegen. Jeder beobachtete ihn genau dabei. Er hatte die Schultern durchgedrückt, obwohl er schreckliche Schmerzen haben musste, da er die Lanze abbekommen hatte. Als er die drei Stufen erreichte, neigte er kurz den Kopf und ging dann die Stufen hinauf. Er nahm das Papier in beide Hände und streckte die Arme aus. Er wusste nicht, wie er sich dem Herrscher der Wüste gegenüber verhalten sollte, also versuchte er es auf seine eigene Art und Weise. Er versuchte zu zeigen, wie viel Respekt er vor seinem Sultan hatte. Der Kleine überraschte den Kommandanten aufs Neue.
Ismail nahm das Papier in seine Hände und hob überrascht eine Augenbraue. Dann sah er den Jungen direkt in die Augen, der noch immer vor Angst zitterte: „Der Kommandant hatte dir eine Frage gestellt. Würdest du sie beantworten?“
Der Junge blinzelte, dann fiel ihm ein, was der Sultan meinte und antwortete so deutlich, wie er nur konnte: „Sieben.“

Wieder ging ein Raunen durch den Saal. Ismail nickte nur und erhob sich. Der Kleine senkte sofort den Blick und wich zurück. Ismail wendete sich an die Anwesenden der Großen Halle: „Dieser Junge ist ein Jahr jünger, als mein eigener Sohn. Er kann schreiben und weiß, was Respekt bedeutet. Seine Handschrift ist sauberer, als die meines Sohnes und der muss nicht um sein Leben fürchten. Es ist selten, dass jemand die linke Hand benutzt. Ich deute dies als Zeichen des Schicksals. Dieser Junge ist etwas Besonderes.“
„Mein Herr, er hat gestohlen“, gab der Soldat zu bedenken.
„Dann fragen wir ihn mal warum“, erwiderte der Sultan und wandte sich nach ihm um. Dieser hob den Blick und schluckte: „Ich hatte Hunger.“
Verwirrung breitete sich in der Großen Halle aus. Fragende Blicke wurden getauscht, Schultern wurden gezuckt. Es war der Kommandant, der den Jungen ansprach: „Hunger? Warum hast du deine Eltern nicht um Geld gebeten?“
„Ich habe keine“, die Stimme des Jungen war nur ein trauriger Hauch.
„Wo lebst du?“ Es war der Gelehrte, der diese Frage stellte.
„Überall in der Stadt.“ Der Junge sah ihn an, er hatte sich etwas besser unter Kontrolle. Er hatte begriffen, dass er vielleicht sein Leben retten konnte, wenn er jetzt keinen Fehler machte. Obwohl er nicht wusste, was das alles überhaupt zu bedeuten hatte.

Sultan Ismail kniff die Augen zusammen und ging dem Kommandanten entgegen, auch dieser trat dem Herrscher entgegen. Die Männer trafen sich in der Mitte der Großen Halle und sprachen so leise, dass niemand einen Hauch erhaschen konnte. Kurz schienen Herrscher und Kommandant zu Diskotieren, dann wurden sie sich einig. Der Kommandant nickte und Sultan Ismail wandte sich zu dem Jungen um.
„Ich möchte dir eine Frage stellen. Woher kannst du schreiben. Kannst du auch lesen?“
„Ich habe Beobachtet, mein Herr. Die Schilder an den Läden betrachtet und auf den Inhalt geachtet. Einige Waren sind… markiert?“ Er kannte das Wort nicht und sah hilfesuchend auf.
„Beschriftet. An einem Korb mit Äpfel steht der Name und der Preis. Daher kannst du auch lesen? Du hast den Händlern zugehört?“ Es war der Gelehrte, der ihm half.
„Ja“, antwortete der Junge selbstsicher.
„Er hat ein hervorragendes Gedächtnis, mein Herr“, flüsterte der Gelehrte und der Sultan nickte. Er ging dem Jungen entgegen, dieser ging ihm entgegen. Er hatte die Szene zwischen Sultan und Kommandant beobachtet und tat es ihnen gleich, obwohl er nicht wusste, ob es ihm zustand. Er hatte keinen hohen Rang, wie der Kommandant. Innerlich grinste der Krieger, der Kleine war erstaunlich!
Als sich Herrscher und Kind trafen, ging der Sultan in die Hocke und sah dem Jungen in die Augen. Der Kleine schluckte trocken, es verwunderte ihn sehr, dass der Herrscher der Wüste ihm auf Augenhöhe begegnete.
„Ich möchte dir ein Angebot machen, mein Junge. Was hältst du davon, hier zu bleiben. Im Palast? Du lernst hier schreiben und lesen. Außerdem hätte ich eine Aufgabe für dich, es wird dir hier sehr gut gehen. Was sagst du dazu? Kannst du dir das vorstellen?“

Irritiert blinzelte der Junge: „Welche Aufgabe?“
„Du hast dasselbe Alter wie mein Sohn. Als ich ein kleiner Junge war, wurde mir Kommandant Kadir von meinem Vater an die Seite gestellt. Kadir war der Sohn des Kommandanten meines Vaters. Es ist so brauch, dass der zukünftige Herrscher einen Vertrauten an die Seite bekommt.“
„Aber dann ist das die Aufgabe von Kommandant Kadirs Sohn, mein Herr“, erkannte der Kleine und sah verunsichert zu dem großen Krieger.
„Ich habe keinen Sohn. Ich werde dir beibringen, wie sich ein Soldat verhält. Du wirst den Platz meines Sohnes einnehmen und der Vertraute des Sohnes des Sultans werden. Auf dich warten anstrengende Sommer in denen du viel Arbeiten musst. Es ist ein großes Geschenk, was dir dein Herrscher macht. Du bekommst ein Bett, genug zu Essen, Kampfausbildung und eine wichtige Lebensaufgabe. Der Preis: Gehorsam bis in den Tod!“
Der Junge straffte die Schultern: „Ich nehme das Angebot an!“
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