Dead and gone

von Jazzpunk
GeschichteRomanze, Thriller / P16 Slash
der Schlüsselmeister Dr. Marcel Edna Konrad Harvey OC (Own Character)
11.01.2016
01.01.2018
11
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„Weißt du wie ich hier rauskomme?“
Die junge Frau erwartete nicht wirklich eine Antwort und hatte diese Frage nur gestellt, um wirklich alle Möglichkeiten auszunutzen. Doch der Mann, welcher hinter dem dicken Sicherheitsglas stand, hob den Kopf und sah sie durch seine dunklen Augen direkt an. Es wirkte ganz so, als wolle er erst abschätzen, ob sie die Informationen überhaupt wert war. Als Edna sich schon umdrehen und gehen wollte, hielt ein simples Wort seinerseits sie ab.
„Ja.“
„Was?“, die Frage war wie ein Reflex und kam von der Lilahaarigen und den blauen Stoffhasen in ihrem Arm gleichzeitig. Hatten sie richtig gehört oder sich diese Antwort nur eingebildet?
„Ja, ich weiß wie du hier rauskommst. Ich hatte lange genug Zeit, um einen Fluchtplan auszuarbeiten.“ Mit einer lässigen Geste verwies er auf die Gummizelle, in der er sich befand, bevor er die Frau leicht herablassend ansah. Vorsichtig machte diese kehrt und kam wieder näher an das Pult mit dem Mikrofon. Ein tiefer Atemzug, dann bat sie ihn, ihr den Plan zu erklären. Der Hase in Ednas schmaler Hand, dessen Stimme nur sie hören konnte, riet ihr ab, dem Mann zu trauen. Doch sie schnitt ihm in Gedanken das Wort ab.
So lange er in dieser Zelle sitzt, kann er uns nichts tun.
Allerdings hatte sie sich zu früh gefreut, denn die Bedingung dafür, dass er ihr den Weg nach draußen verriet war: ihn frei zu lassen. Laut ihm würde der zweite Teil seines Plans so oder so nicht ohne seine Wenigkeit funktionieren. Edna gab ihm nur widerwillig das Versprechen und lauschte dann gespannt seiner einzigartigen Stimme. So bedrohlich und gleichzeitig irgendwie beruhigend, mit einem Hauch Arroganz. Noch lange hallte sie in ihren Ohren nach.
„Ton, Gold, Abdruck …“, wie ein Mantra sprach sie sich die einzelnen Punkte vor, um ja nichts zu vergessen und lief runter in den Heizkeller.
Almo streckte neugierig den Kopf aus der Grube und betrachtete die Frau.
„Hast du einen Löffel mitgebracht?“
„Ich habe schon überall nachgeschaut, doch du hast schon alle benutzt …“, plötzlich fiel Edna ein, das sie nur nahezu überall nachgeschaut hatte. Hektisch und mit knapper Verabschiedung machte die Lilahaarige auf dem Absatz kehrt und stieg die Leiter hoch.
„Was hast du plötzlich, Edna?“
„Die Bar!“
Es dauerte nicht lange, bis sie in dem kleinen dunklen Raum ankam. Die Tür schloss sich unangenehm laut hinter ihr.
„Was kann ich für dich tun, Kleine?“
Ednas dunkle Augen fixierten nach kurzem Umschauen eine Schaufel, die sich in einer Tonne mit bedrohlich leuchtender Flüssigkeit befand. Sicher ging sie auf das Objekt ihrer Begierde zu und wollte es an sich nehmen, als der Barmann sie grob am Arm packte und zurückzog: „Pfoten weg! Ich brauche den Löffel um die Zutaten umzurühren. Wenn du nichts bestellen willst, dann verschwinde!“
Dann musste sie halt ihre Taktik ändern: „Ok, dann einen Kaffee, bitte.“
„Steht nicht auf der Karte.“
Leicht perplex starrte die Lilahaarige zu dem Mann hinter der Theke und verschwand dann wortlos aus dem Raum.
„Mist, was machen wir den jetzt Harv?“
„Wie wär‘s, wenn wir es einfach auf die Karte schreiben, du hast doch den Kugelschreiber noch.“ Die junge Frau nickte zum Zeichen, das sie verstanden hatte und zückte Karte wie Stift hervor. Fast schon übervorsichtig machte sie sich daran, einen Cocktail aufzuschreiben und dabei möglichst nahe an die Schrift des Barkeepers heranzukommen. Hoffnungsvoll ging sie wieder zur Bar und fragte den Mann abermals, als er wieder sagte, dass ihr Getränk nicht auf der Karte stand hielt sie ihr den Zettel hoch.
„Das ist nicht meine Schrift. Willst du mich verarschen?!“ Zügig trat Edna den Rückzug an und stolperte genervt in den Raum für die Beschäftigungs-Therapie. Gegenüber dem Bienenmann, der sie freundlich grüßte, saß ein neues Gesicht, dass die junge Frau noch nicht gesehen hatte. Beziehungsweise, das bis eben noch nicht da war. Die Person hatte definierte athletische Arme, allerdings lange, glatte dunkelblonde Haare, die in einem Pferdeschwanz steckten. Mit der Schere schnitt sie an etwas herum und ließ den Kopf dabei so hängen, das Edna keinen genaueren Blick auf das Gesicht werfen konnte. Gerne hätte sie den anderen Patienten begrüßt, doch noch war keine Zeit dafür. Als sich Edna missmutig auf den Weg zu Alu begab, nahm sie sich vor, nachher nochmal zurückzukehren und den Neuling zu fragen, ob er mitkommen wollte bei ihrer Flucht. Schon einmal hatte sie mit dem älteren Mann über König Adrian gesprochen und hoffte, dass dieser ihr nun auch helfen konnte, an die goldene Medaille zu kommen. Droggelbecher knurrte sie an wie ein Wachhund, als sie nahe an ihm vorbei schritt. Harvey begann auf der Stelle vor sich hin zu meckern.
„Hey Alu alte Socke, kannst du mir helfen?“
„Natürlich Edna, was kann ich für dich tun?“
„Ich brauche Adrians Goldmedaille.“
„Wieso das denn?“
Die Lilahaarige erklärte ihm den Plan des Schlüsselmeisters und fragte ihn sogleich, ob er mitmachen wollte. Alu zögerte bei dem Risiko, das alle Beteiligten dabei eingehen würden und wandte sich an Edna, ob sie sich sicher war, wie gefährlich es werden würde. Doch die junge Frau sprühte nur vor Tatendrang und brauchte keine fünf Minuten, um den von ihm verlangten Bügel zu holen, damit sie eine Elektroschock-Therapie an der Lilahaarigen durchführen konnten, die ihr die gleichen Kräfte wie König Adrian verleihen sollte.

Nervös saß sie auf dem Stuhl und sah flehend zu Alu, immer wieder fragend, ob er wusste, was er tat. Sie war so von dem Drang nach Freiheit getrieben, dass sie in eine Art Trance verfallen war …bis zu diesem Moment. Doch es war bereits zu spät, um einen Rückzieher zu machen, denn gerade in dem Moment, indem Edna ein Veto einlegen wollte, drückte der alte Mann den Schalter runter und röstete seine Mitgefangene. Es war, als würde sie für einem Moment wirklich klar denken können.
„Hat es funktioniert?“
„Lass es uns ausprobieren. An was denke ich gerade?“
Edna dachte nach und öffnete zögernd den Mund, um etwas zu sagen: „Etwas zu essen?“
Alu lächelte sie freundlich an und nickte: „Nahe genug dran.“
Mit neuer Hoffnung und ziemlich verstrubbelten Haar, rannte die Lilahaarige Richtung Ausgang und ließ sich zurück in den Aufenthaltsraum bringen. Mit einem Kriegsschrei von sich brüllenden blauen Stoffhasen in ihrer Hand begab sie sich zur Kissenburg, vorbei an einem meckernden Droggelbecher.
„Ah, was sehe ich denn da. Ein Bürger, der sich in meine Burg wagt. Was wollt Ihr hier in meinen heiligen Hallen?“
„Ich will deine Medaille.“, ihre dunklen Augen leuchteten nur so von Willenskraft und ließen sogar König Adrian für eine kurze Sekunde verstummen. Mit einem übermütigen Grinsen schüttelte er den Kopf und sah sie herausfordernd an: „Nun gut! Wenn Ihr mein Gold haben wollt, so müsst Ihr mich in einem geistigen Wettstreit schlagen.“
„Was immer du vorschlägst.“
Immer noch siegessicher zog der Braunhaarige eine Münze aus seine Hosentasche und hielt sie hoch: „Zahl ich gewinne, Kopf du gewinnst.“
Edna und Harvey antworteten lediglich mit einem Nicken und das Spiel begann. Adrian warf die Münze geschickt hoch und hielt der jungen Frau dann seine geschlossene Faust hin. Sie betrachtete die Hand einige Sekunden, bevor sie sich für ‚Kopf‘ entschied.  Er lag mit seiner Vermutung tatsächlich falsch. Doch als die Frau mit dem violetten Haar zum zweiten Mal dran war, tippte sie daneben. Irritiert verließ sie die Kissenburg und sah nachdenklich aus dem Fenster. Nun war sie zwar besser als vorher, aber immer noch nicht gut genug.
„Was soll ich jetzt machen Harvey?“
„Ich hab keine Ahnung …vielleicht versuchen wir unser Glück nochmal beim Barkeeper?“
„Hm. Ich glaube da kommen wir auch nicht weiter. Aber hat der Schlüsselmeister nicht etwas von Dr. Marcels Polotrophäen aus Gold erzählt?“
„Ja, das sie zu gut weggesperrt sind und wir da nicht drankommen.“
Bockig warf sich die junge Frau gegen die nun freie Fensterbank und verschränkte stur die Arme vor der Brust. Es konnte doch nicht jetzt schon vorbei sein? Irgendwie musste man hier doch an Gold und einen verdammten Klumpen Ton kommen. Als sie den Blick nach draußen wandern ließ, flammte wieder ihr alter Kampfgeist in ihr auf und brachte sie dazu sich energisch von ihrem Sitzplatz abzustoßen. Dabei flogen ein paar Zettel runter und weckten ihre Aufmerksamkeit. Vorsichtig klaubte sie den Umschlag und den mageren Inhalt wieder auf. Auf dem Ordner stand ‚Adrian‘. Schnell warf sich Edna ihr violettes Haar nach hinten und besah sich den Inhalt der Akte.
König Adrian
erstes Haustier: rote Katze
Besonderheit: wurde beim Sport immer als zweites gewählt
„Was soll das?“, Harvey quietschte genervt. Auch Edna war reichlich irritiert. Vorsichtig verstaute seine Begleiterin die Akte und ging vorwärts Richtung Wäschelift. Sie musste herausfinden, was es damit auf sich hatte, doch nun wollte sie erstmal an den Ort allen Übels, um dort Hinweise auf weitere Hilfsmittel für ihre Flucht zu finden.
Dr. Marcels Büro.
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