What have you done today to make you feel proud?

von kuyami
KurzgeschichteRomanze / P18 Slash
Ardy Taddl/Meatcake
11.01.2016
11.01.2016
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21.985
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11.01.2016 21.985
 
Titel: What have you done today to make you feel proud?

Fandom: Youtuber

Pairing: Ardy/Taddl (Tardy)

Rating: P-18Slash

Kurzbeschreibung:Am Anfang einer Beziehung ist es noch witzig und macht irgendwie Spaß: dieses kleine Versteckspiel, damit die Öffentlichkeit bloß nicht erfährt, dass man schwul ist. Doch irgendwann, nach so vielen Jahren, will man sich nicht mehr verstecken. Man will nicht mehr lügen müssen, wenn man nach seinem Partner gefragt wird. Und man will vor allem stolz auf sich seinkönnenund sich nicht mehr schämen müssen. An diesem Punkt sind Ardy und Taddl mittlerweile angekommen. Also Versteckspiel ade, auf ins Outing. Und mitten in dem ganzen Trubel treffen sie auch noch auf altbekannte Gesichter. (Ardy/Taddl – Tardy)

Anmerkung: 
Dieser „One-Shot“ spielt wie immer auf Grundlage von It’s okay, I know someday I’m gonna be with you. Kann man lesen, ist aber nicht zwingend notwendig :)
Und auch dieses Mal erwartet euch hier wieder eine Art Crossover- bzw.Geschwister-Story bei Ria, genau wie bei Von Cosplays, Kimonos und Dixieklos, die ihr aber mittlerweile nur noch auf einer anderen Plattform finden könnt – den Moralaposteln in diesem Fandom sei Dank *hust*

Dieaktuelle und hierzu gehörendeStoryvon der lieben Riafindet ihr hier, und sie trägt den passenden Titel‚Hello again‘. ;)
Würde mich sehr freuen, wenn ihr bei ihr vorbei schaut! :)

So, genug Gequatsche. Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und freue mich wie immer sehr über Rückmeldungen =)





What have you done today to make you feel proud?



I step out of the ordinary
I can feel my soul ascending
I'm on my way
Can't stop me now
And you can do the same

(Proud – Heather Small)




„Oh Gott...Hör nicht auf! Bitte hör nicht auf“, flehte Ardy mit einem heiseren Stöhnen und warf denKopf in den Nacken.
Er krallte sich in Taddls Haaren fest und die Erregung ballte sich heiß und drängend in seinen Lenden. Er wusste, dass er es nicht mehr lange aushalten konnte. Doch das musste er auch nicht. Denn Taddl ließ ihn kommen. Mit einer Hand an seinem Schwanz, den Mund fest um seinen Nippel geschlossen und immer noch so wunderbar tief in ihm.
So heftig wie gerade war er schon lange nicht mehr gekommen und er war heilfroh, dass Taddl da war, an dem er sich festhalten konnte und der ihn festhielt. So verlor er sich nicht vollkommen.

„Volltreffer“, hörte er danach Taddls leises Lachen und er öffnete schwerfällig die Augen um zu sehen, dass er dieses Mal nicht nur Taddls Bauch, sondern auch seine Brust bis hoch zum Hals erwischt hatte.
„Sorry“, murmelte er schwach und fand den Anblick dennoch erregend.
Doch Taddl schüttelte nur leicht den Kopf, bedeutete ihm damit, dass es nichts zu entschuldigen gab und leckte sich jetzt auch noch das Sperma von den Fingern, bevor er nach einem Taschentuch griff und ihre beiden Körper sorgfältig sauber wischte.

Zugegebenermaßen fiel es Ardy gerade schwer, die Augen offen zu halten und als Taddl seine Brust abwischte, schloss er die Augen wieder. Genoss lieber das Gefühl von Taddls Gewicht, das ihn in die Matratze presste und seine warmen Finger, die ihn streichelten.
„Soll ich noch bleiben?“, flüsterte Taddl leise in sein Ohr und sein stoppeliges Kinn kratzte über seine Wange. Und Ardy wusste genau, was er meinte. Es ging nicht darum, ob er über Nacht bei Ardy blieb. Es ging einzig und allein darum, ob er noch länger in ihm bleiben sollte.

Ardy liebte ihn für diese Frage, musste jedoch die Augen öffnen und schwach mit dem Kopf schütteln. Er wusste gerade nicht, wie er so viel Taddl noch länger aushalten konnte, ohne durchzudrehen. Der Orgasmus war einfach zu heftig gewesen und noch immer zitterte er leicht. Er wollte sich jetzt lieber halten lassen.

Und Taddl verstand, ohne dass er eserklärenmusste. Er zog sich nach einem letzten Kuss langsam aus ihm zurück und hinterließ dann eben doch diese Leere in ihm, die wohl nie besser werden würde.
Dann nahm er Ardys Beine von seinen Schultern, jedoch nicht, ohne noch auf jedes einen Kuss gegeben zu haben. Und während Taddl sich neben ihn in die Kissen sinken ließ, musste Ardy wieder einmal daran denken, dass er früher nie gedacht hätte, dass ihm diese Stellung überhaupt gefallen könnte - und dann auch noch so gut.

Aber natürlich war es wieder Taddls Idee gewesen und irgendwie schaffteeres tatsächlich, ihm so einiges schmackhaft zu machen. Selbst so etwas, wo er sich eigentlich in Grund und Boden schämte, weil er sich dabei so entblößt und ungeschützt vorkam, weil er so verdammt verfügbar war. Vermutlich schaffte es auch nur Taddl von allen Menschen dieser Welt, dass er sich dann trotzdem einfach nur wohl fühlen konnte. So gar nicht mehr entblößt und ungeschützt, sondern aufgehoben und geliebt und… aufreizend. Weil Taddl keinen Hehl daraus machte, wie gut es ihm gefiel, ihn so zu sehen.

Jetzt kuschelte er sich seitlich an ihn und zog ihn in seine Arme. Und Ardy drängte sich einfach nur dankbar an ihn, drehte sich dann doch auf die Seite und versteckte sein Gesicht an Taddls Brust. Weil einbisschen Rest-Scham danach wohl immer bleiben würde.

Taddl streichelte seinen Arm, seine Seite, seinen Rücken. Und erst unter der Berührung seiner Fingerkuppen wurde er sich bewusst, wie sehr er gerade zitterte und wie sehr Taddl ihn gerade geschafft hatte.
Taddl hingegen hatte sich schon wieder erholt, schien sogar regelrecht aufgeweckt und Ardy fragtesich, was er falsch gemacht hatte, dass Taddl nicht Mal halb so befriedigt schien wie er selbst gerade. Richtig fit und aufgeregt schien er zu sein, während Ardy jetzt auf der Stelle hätte einschlafen können.
Kurz überlegte er, wie er ihn darauf ansprechen konnte, ohne dass Taddl es wieder in eine Diskussion umwandelte, bei der es nur darum ging, dass Ardy sich damit schwer tat, ihm seine sexuellen Bedürfnisse zu gestehen. Dann fragte er gegen seine Brust genuschelt:
„Hab ich was falsch gemacht?“

Taddl stoppte plötzlich in der Berührung seiner Hände, die immer wieder über seine Wirbelsäule geglitten waren.
„Was?“, fragte er und als Ardy nicht sofort antwortete, drückte er ihn ein Stück von sich weg und hob seinen Kopf mit einer Hand an seinem Kinn an, so dass sie sich in die Augen sehen konnten.
„Was redest du?“

Etwas hilflos und jetzt doch sehr beschämt zuckte Ardy mit den Schultern und stammelte dann:
„Naja… ich dachte nur, weil… ich bin hier so fertig und du… so… weiß auch nicht.“

Taddl lächelte ihn kurz an und antwortete dann etwas, mit dem Ardy tatsächlich nicht gerechnet hatte:
„Sorry, ich hatte gerade wasanderes im Kopf.“
„Oh.“

Was sollte er dazu schon sagen? Er ließ sich hier so verdammt gut befriedigen wie schon lange nicht mehr und hatte es vorher aber scheinbar nicht Mal geschafft, dass Taddl so ganz bei der Sache war? Und das auch noch ohne es zu merken?
Aus einem Impuls heraus wollte er sich aus Taddls Arm zurückziehen und war gerade schon dabei, sich wieder auf den Rücken zu rollen, als Taddl ihn stoppte und ihn stattdessen wieder an sich zog.

„Sorry, das war mies“, lachte er leise und küsste seine Stirn.
„Ja… danke fürs Gespräch“, murrte Ardy und wollte sich wieder aus Taddls Armen befreien. Der hielt ihn jedoch immer noch fest.
„Boah Ardy… jetzt zick nicht rum! Meinst du wirklich, ich könnte beim Sex mit dir einfach an was anderes denken?“
„Scheinbar ja schon, ne?“, antwortete er und war sich durchaus bewusst wie zickig er sich gerade verhielt.
Aber ja verdammt, das kratzte gerade sehr an seinem Ego, vor allem an seinem sexuellen Ego. Das hatte Taddl zwar schon stark aufgebaut, aber es hatte immer noch seine Schwachstellen. Und genau die hatte Taddl gerade getroffen.

„Soll ich's dir erklären?“, fragte Taddl immer noch mit einem Grinsen und er wusste wirklich nicht, was es hier gerade noch zu grinsen gab. Eben war er noch so befriedigt gewesen, hatte sich so erfüllt gefühlt. Und jetzt fühlte er sich einfach nur noch mies. Weil er seinen Freund nicht befriedigen konnte und es nicht mal merkte. Ein toller Liebhaber war er.

„Ich glaub nicht, dass ich das hören will“, war dementsprechend seine trotzige Antwort und er befreite sich jetzt doch aus Taddls Armen. Immer noch erschöpftsetzte er sich auf und fuhr sich durchs Haar.
Dann rutschte er zum Bettrand und ließ seine Beine schon auf den Boden gleiten.
„Ich hol was zu Trinken“, nuschelte er nur und wollte gerade aufstehen, als Taddl von hinten an ihn heran rutschte.
Er zog ihn zwischen seine gespreizten Beine und umschlang ihn mit beiden Armen. Den Kopf legte er auf seiner Schulter ab, während er leise sagte:
„Du bleibst jetzt hier, packst die Zicke mal wieder weg und hörst mir zu. Es geht nämlich um dich, klar?“

Ganz wunderbar. Jetzt ging es eben doch wieder darum, dass er nicht offen über seine Bedürfnisse sprechen wollte.
„Scheiße, Taddl! Mir ist das einfach unangenehm zu sagen, was mich geil macht. Checkst du das Mal langsam? Ich hab da echt keinen Bock, ständig drüber zu diskutieren. Und außerdem geht’s hier um was ganz anderes!“
„Ja genau, es geht um was anderes“, brummte Taddl nur und küsste seine Schulter.
„Und wenn du jetzt endlich mal zuhören würdest, dann wüsstest du schon lange, dass ich den Sex gerade unglaublich geil fand, du sturer Esel.“

Taddl grinste jetzt wieder und verteilte einige Küsse auf seiner Schulter, während Ardy lieber gar nichts sagte, weil ihn irgendwie doch das Gefühl beschlich, dass sie eventuell aneinander vorbei redeten. Aber nur ganz vielleicht.
„Hast du gehört?“, fragte Taddl noch einmal nach und zog ihn noch etwas näher an sich.
„Du fandest es geil?“
„Hallo? Sag mir jetzt bitte nicht, dass man das nicht gemerkt hat“, antwortete Taddl gespielt entrüstet.

Und wenn Ardy so genau nachdachte… hatte er es eben schon gemerkt. Allein schon Taddls Blick, als er seine Beine auf seine Schultern gehoben hatte… sein absolut selbstvergessenes und tiefes Stöhnen, als er in ihm gekommen war. Ja, eigentlich war es nicht zu übersehen gewesen. Und sowieso hatte ihn das Gefühl gerade eben erst beschlichen, als Taddl so fit gewesen war.

„Doch“, grummelte er jetzt und lehnte sich leicht gegen die Brust seines Freundes und ließ sich auffangen.
„Gut, also spinn nicht rum. Meine Fresse! Ich bin nur jetzt nicht so fertig, weil ich was anderes im Kopf habe. Also was anderes als schlafen. Nämlich dich.“
„Mich?“, fragte Ardy verdutzt nach und kuschelte sich jetzt doch vollends in Taddls Arme und hielt sich an ihnen fest.
„Ja, ich will dich was fragen und da bin ich gerade n bisschen nervös“, gestand Taddl jetzt leise und Ardy konnte einfach nicht anders als zu murren:
„Jetzt mach hier bitte keinen Antrag draus“, bevor sie beide leise lachten.
„Nein, garantiert nicht. Aber jetzt komm ins Bett du Idiot, ich will hier nicht so blöd rumsitzen. Wird kalt“, forderte Taddl ihn auf und biss ihm noch kurz in die Schulter, ehe er sich von ihm löste.

Nachdem auch Ardy wieder aufs Bett gekrochen war,tat er es Taddl gleich, lehnte sich mit einem Kissen an die Wand und kuschelte sich unter seine Bettdecke.
„Also?“, fragte er Taddl auffordernd, griff aber im gleichen Atemzug nach Taddls Hand.
„Ich hab nachgedacht...“
„Oh ne, schon wieder? Sollst du doch nicht“, scherzte Ardy und Taddl knuffte ihm leicht in die Seite. Dann sprach er jedoch weiter:
„Ich will mich mit dir zeigen.“
„Hä?“
Ardy verstand nicht ganz und sah Taddl abwartend an. Gespannt, was der jetzt wieder für Ideen auf Lager hatte.
„Ich meine so öffentlich. Als Paar. Also… so richtig öffentlich“, druckste Taddl jetzt etwas herum.
„Wir zeigen uns doch zusammen“, gab Ardy zu bedenken und wusste wirklich noch nicht, worauf Taddl hinaus wollte.

„Schon aber… also… ach scheiß drauf. Ich hab ne Anfrage für den Webvideopreis gekriegt, ob ichda auftreten könnte, hab zugesagt und jetzt haben sie mich gefragt, ob ich jemanden mitbringen möchte. Und ich will dich mitbringen. Aber nicht einfach nur als Kumpel, sondern als meinen Freund. So richtig eben. Mit Küssen und Händchen halten auf dem roten Teppich und was halt dazu gehört“, brach es jetzt aus Taddl heraus.
„Sag mal… Thaddeus… hast du‘s mir ernsthaft grade deshalb so verdammt gut besorgt? Damit ich danach einfach nur so fertig bin, dass ich sofort ja sage?“
Das war der erste Gedanke, der ihm in den Kopf geschossen war und er hatte ihn jetzt einfach aussprechen müssen.

„Wenn du so ne Scheiße fragst, hast du keine Ahnung, wie geil Sex mit dir eigentlich ist und wie geil es ist, dich so fertig zu machen“, war Taddls Antwort, die ihn mal wieder dazu brachte zu erröten.
Und dann biss er ihm wieder leicht in die Schulter, ehe er einen Arm um ihn legte und ihn an sich zog.
„Also... was sagst du dazu?“

Ardy schmiegte seinen Kopf an Taddls Schulter und überlegte. Ja, was sagte er dazu?
Wenn er ehrlich war, bekam er bei dem Wort 'Öffentlichkeit' sofort wieder schwitzige Hände und ihm wurde ein bisschen schlecht. Vielleicht zitterten seine Hände auch ein wenig.

Klar, er zeigte sich mit Taddl mittlerweile fast überall als Paar. Aber eben doch nicht ganz so offensichtlich und nicht so... naja, so hochoffiziell wie es ein gemeinsamer Auftritt beim Webvideopreis sein würde. Wenn er mit ihm Hand in Hand durch die Stadt spazierte oder ihm einen Kuss gab, wenn Taddl ihn von der Uni abholte, dann war das eben was anderes.
Natürlich konnte es gut sein, dass Leute sie dabei sahen, sollten sie doch. Aber dann wurden sie eben nur von ein, zwei Leuten gesehen. Und er kannte das Internet – vermutlich würde so eine Information dort verbreitet werden. Aber es war immer schwer, Leute zu finden, die so etwas einfach glaubten.
Deswegen war das bisher einfach noch etwas anderes.
Sie versteckten sich nicht, machten es aber eben auch nichtsooffiziell.

„Alles gut?“, fragte Taddl besorgt nach und streichelte unablässig durch sein Haar, seineBrust, seine Arme.
Etwas unbeholfen zuckte Ardy mit den Schultern und war sich selbst nicht ganz sicher.
„Wenn du da irgendwie Angst vor hast ist das okay. Dann machen wir das nicht. Ichwollte dir nur klar machen, dass ich mich nicht für dich schäme und mich gerne mit dir zeigen würde.“
Taddl hatte ganz sanft geklungen und doch hatte es ihm nicht gepasst, was er da gehört hatte.
„Als ob ich mich für dich schämen würde!“, presste er jetzt zwischen zusammen gebissenen Zähnen hervor. Doch sofort war Taddl wieder zur Stelle und gab ihm einen beruhigenden Kuss auf die Stirn.
„Ich weiß, so war das auch nicht gemeint. Ich will dich nur zu nichts drängen, okay? Ich weiß ja, wie wenig Bock du auf Öffentlichkeit hast.“
„Ja...“

Dann überlegte er wieder und ließ sich von Taddl unablässig durchs Haar fahren, was tatsächlich dabei half, seine Gedanken ein wenig zu ordnen.
„Du musst nichts sagen und nichts machen. Einfach nur da sein und mit mir über den roten Teppich laufen“, murmelte Taddl und küsste ihn auf die Stirn. So, wie er sich jetzt gerade um ihn kümmerte, wollte er das scheinbar wirklich.
Als Ardy wieder eine Zeit lang nichts sagte, hörte er wieder Taddls leise brummende Stimme in seinem Ohr:
„Du musst echt nicht. Ich wollte dich nur fragen. Und wenn‘s dir zu früh ist…“
„Zu früh? Alter, wir sind jetztschon n paar Jahre zusammen! – Da hab ich mich schon lange dran gewöhnt, dass du so in der Öffentlichkeit stehst“, unterbrach er Taddl.
„Ich weiß, aber es könnte dir ja trotzdem zu…“
„Nein!“, unterbrach er ihn wieder.

„Wir machen das. Wir gehen da hin“, beschloss er jetzt und kuschelte sich näher an Taddl.
Zugegebenermaßen hatte der nämlich wirklich ganze Arbeit geleistet. Er war jetzt mehr als erschöpft und hatte nicht mehr sonderlich viel Energie übrig,um zu diskutieren.
„Dein Ernst?“, fragte Taddl verblüfft und ließ sich mit ihm zusammen nach unten in die Kissen gleiten, damit sie sich jetzt wieder bequem hinlegenkonnten.
„Wenn du dir so sicher mit uns bist, dass du mich sogar öffentlich mitnehmen willst, dann werd ich ja wohl diese paar Minuten Auftritt da hinkriegen“, nuschelte er gegen Taddls Brust und merkte, wie seine Lider immer schwerer wurden.
„Du hast kein Problem damit?“, fragte Taddl immer noch erstaunt und er bemerkte trotz geschlossenen Augen, wie Taddl ihn sorgfältig zudeckte.
„Solange ich nichts anderes machen muss, als deine Hand zu halten und dämlich in die Kamera zu grinsen,komm ich mit. Langsam muss ich mich da vielleicht auch mal wieder einkriegen.“
„Bullshit, du musst gar nichts, wenn du nicht willst! Ich will dich da zu nichts zwingen!“

„Tust du nicht. Aber die ganzen Arschlöcher da können ruhig wissen, zu wem der heiße Typ gehört, der da nen geilen Auftritt hinlegen wird.“

Er lächelte gegen Taddls Brust und fühlte sich augenblicklich noch ein wenig wohler, als der ihn jetzt mit beiden Armen umschlungen festhielt und seine Wange an Ardys Kopf schmiegte.
Seine Freude darüber, dass Ardy sich mit ihm zeigen würde, war wirklich nicht zu übersehen.
Und langsam kam er auch wieder besser mit dem Thema „Öffentlichkeit“ klar. Nach so vielen Monaten Beziehung mit Taddl, bei denen er ihn immer dabei beobachten konnte, wie er seine Öffentlichkeitspräsenz gepflegt oder auch begrenzt hatte,wusste er, dass er nichts andereswürde tun müssen, als einfachnur seine Hand zu halten und zu grinsen. Wenn Taddl ihm das versprach dann würde es auch so sein, dessen war er sich sicher. Und nur, wenn er sich mit seinem Freund zeigte, gab erja noch nichts von sich preis, außer, mit wem er zusammen war. Und das hielten sie eh schon sehr lange nicht mehr geheim. Also gab es eigentlich nichts, wovor er Angst haben musste.
Und Taddl würde da sein, dann würde er das schon hinkriegen.

„Du willst dich wirklich outen? Obwohl du Rapper bist?“, fragte Ardy als er schlaftrunken auf Taddls Brust lag und schreckte bei diesem Gedanken wieder hoch. Denn plötzlich wurde ihm klar, worum es hier wirklich ging und was hier eigentlich das problematische Thema war. Und das war bestimmt nicht seine Scheu vor der Öffentlichkeit.

„Mhm… ich hab schon lange Lust drauf, Mal meine Karriere zu zerstören“, antwortete Taddl bitter lächelnd und machte deutlich, dass er nur allzu gut wusste, was ihn wohl so nach einem Outing erwarten würde.

„Ich würde gerne sagen, dass das Quatsch ist, aber…“

„Wir wissen es beide besser“, ergänzte Taddl seinen abgebrochenen Satz und vergrub eine Hand in seinem Haar.

„Aber wirklich… ich halt das nicht mehr aus. Ich will mich einfach nicht mehr verstecken müssen. Nie darf man sagen, was Sache ist. Bei irgendwelchen Fragen muss man um den heißen Brei rumreden und wenn irgendwelche Events sind, kann jeder Idiot seine Model-Freundin mitbringen,aber ich dich nicht. Das ist doch einfach nur scheiße! Ich will das nicht mehr. – Ich will dich mitnehmen und mich mit dir zeigen können. Wie ein scheiß normales Paar halt.“

„Ich weiß… ist okay“, murmelte Ardy und küsste beruhigend Taddls Brust.

„Außerdem… wird doch Zeit, dass endlich Mal wieder was passiert in der HipHop-Szene, oder? Ist ja richtig langweilig geworden in letzter Zeit, so ganz ohne Skandale“, sagte Taddl und als Ardyseinen Kopf auf seinen Ellenbogen aufstützte konnte er sehen, dass Taddl den Mund zu einem halbseitigen Grinsen verzogen hatte.

„Wie mutig du bist…“, murmelte Ardy und streichelte TaddlsWange. Er meinte es vollkommen ernst.
„Mutig und ganz schön bescheuert“, grinste Taddl jetzt kurz, dann wurde sein Gesicht jedoch ernst.
„Aber ich… mach das nicht, wenn du was dagegen hast.“
„Wogegen?“, fragte Ardy verwirrt und besah sich aufmerksam TaddlsMimik.
„Outing“, war seine einsilbige Antwort und er hob die Decke an und deckte Ardy noch ein wenig mehr zu.
Ardy küsste Taddls Hand, dankbar für die liebevolle Geste und sah seinen Freund dann wieder einfach nur fragend an.
„Das… das wird kein Zuckerschlecken. Das wird bestimmt noch drei Mal beschissener als ich mir das eh schon vorstelle und wenn ich dich da mit rein ziehe – was sich ja nicht vermeiden lässt, wenn du mein Freund bist – dann hab ich einfach Angst, dass… dass uns das zu viel wird und wir das nicht schaffen“, seufzte Taddl.
„Du weißt aber schon, dass ich immer noch nicht vor habe, dich einfach so wieder gehen zu lassen?“, fragte Ardy, küsste Taddls Schulter und lehnte sich dann wieder zurück.
„Ich dich auch nicht, du Idiot. Aber das hat auch nichts damit zu tun.“
„Sondern?“
„Sondern damit, dass der ganze Druck und der ganze gesellschaftliche Scheiß uns vielleicht irgendwann einfach zu viel werden? Das will ich nicht.“
„Dann versteck dich lieber noch ewig lange, bis dirdaszu viel wird und dudasnicht mehr aushältst. Ist doch viel besser“, antwortete Ardy absichtlich provokativ.
Taddl sah ihn einen Moment schweigend an und schien zu überlegen.
„Ich meine damit, dass es so viele hundert Gründe gibt, wieso wir es irgendwann nicht mehr miteinander aushalten könnten – und ich hab wirklich nicht vor, mir von irgendwelchen fremden Leuten, der Gesellschaft oder HipHop-Deutschland diktieren zu lassen, ob wir nun zusammen sein dürfen oder nicht. – Das ist ne Sache zwischen uns, klar? Wenn wir irgendwann nicht mehr zusammen sein wollen,ist das eben so. Dann ist das okay. Aber nicht, wenn irgendjemand anderes was dagegen hat!“
Ardy hoffte, dass er seinen Punkt klar genug gemacht hatte und Taddl verstand, dass er sich von niemandem in ihre Beziehung würde reinreden lassen.
„Du meinst also wir schaffen das?“, fragte Taddl jetzt schon ein wenig sicherer und streichelte unter der DeckeArdysnackte Haut – wie um sich Sicherheit zu holen.
„Wie viele Jahresind wir jetzt schon zusammen?“
„Insgesamt oder seit dem zweiten Versuch?“, scherzte Taddl und Ardy boxte ihm leicht gegen die Schulter.
„Halt die Fresse!“
Es war vielleicht dämlich – na gut, es war mit Sicherheit sehr dämlich – aber er mochte es immer noch nicht, über die Zeit ohneeinander zu sprechen.
„Du weißt genau, was ich dir damit sagen will: wir haben mittlerweile eine echt gefestigte Beziehung, wir haben keine Probleme und es kriselt nicht. – Oder?“, fragte Ardy jetzt gespielt irritiert und Taddl grinste nur und knuffte ihm in die Seite.
„Wenn du dich outen willst,ist jetzt der perfekte Zeitpunkt würde ich sagen“,schloss Ardy seineErklärung ab und sah Taddl abwartend an.
Der sah einen Moment lang schweigend zurück, dann schlich sich jedoch ein breites Grinsen auf sein Gesicht und er meinte:
„Gut, dann lass uns HipHop-Deutschland Mal zeigen, wie schwul man als Rapper sein kann.“

~*~

Ganz aufgeregt stand Ardy vor Taddls Haustür und klingelte gleich mehrmals hintereinander. Als er drinnen nicht sofort Schritte hörte, klingelte er gleich noch ein paar Mal.
Verdammt, er hatte Taddl so vermisst. Jetzt konnte der doch wenigstens endlich Mal die Tür aufmachen.
Sie hatten sich jetzt fast zwei Wochen nicht gesehen, weil jeder so viel zu tun gehabt hatte und Taddl auch die meiste Zeit gar nicht da gewesen war. Aber heute ging es los nach Düsseldorf zum Webvideopreis. Sie mussten frühzeitig losfahren, weil Taddl noch Proben und Soundcheck hatte. Aber nichtsdestotrotz stand er hier trotzdem sogar eine Stunde vorderabgemachtenZeit vor Taddls Türe und klingelte. Weil er ihn endlich wieder sehen wollte und es nicht mehr aushielt.
Seine Tasche und seine Kleidertasche mit dem schicken und sogar gebügelten Hemd hatte er neben der Tür abgestellt, damit er Taddl gleich um den Hals fallen konnte, sobald der die Tür öffnete.

Kurze Zeit später hörte er drinnen endlich Schritte und Taddl öffnete die Tür. Scheinbar war er gerade eben erst aus der Dusche gekommen, denn seine Haare waren noch nass und standen ihm unkontrolliert vom Kopf ab und am Körpertrug er nur seine Jogginghose.
Noch kurz warf er einen sehr kritischen Blick aus zusammen gekniffenen Augen auf das Handy in seiner Hand, bevor er endlich aufsah und sein Blick sich sofort veränderte.
Ein kurzes Blitzen huschte in seine Augen und sein ganzes Gesicht hellte sich auf, als sich ein warmes Lächeln auf seine Lippen legte.

„Du bist schon da“, strahlte er ihn an und Ardy trat die zwei Schritte, die sie noch trennten, vor und ließ sich in Taddls Arme fallen, der ihn sofort auffing und fest an sich drückte.
Ohne etwas zu sagen vergrub er seine Nase an Taddls Halsbeuge und war so froh, dass er ihn endlich wieder hatte. Dass er ihn spüren und halten und riechen konnte.
Manchmal kam er sich dämlich vor, ihn nach so langer Beziehungszeit immer noch so sehr zu vermissen, wenn sie sich nicht sahen. Aber sobald er merkte, dass es Taddl genauso ging, dass er seine Nase in seinem Haar vergrub und tief einatmete, während seine Hände seinen Rücken streichelten und sich eine Hand unter sein Shirt schlich, da kam er sich überhaupt nicht mehr dämlich vor.
Er freute sich einfach nur noch und war glücklich, dass sie beide sich so sehr vermissten und sich so sehr liebten, dass sie ihre Anfangs-Verliebtheit nur sehr langsam, wenn überhaupt verloren.
Denn das war eigentlich nichts, das er anstrebte.

„Du hast mir gefehlt“, murmelte er gegen Taddls Hals und spürte Taddls Hände, die jetzt seinen Rücken nach oben zu seinem Gesicht wanderten und es festhielten, bevor er ihn endlich küsste.
Zufrieden seufzend drängte Ardy sich gegen ihn und hatte nicht den Plan, es bei nur einem Kuss zu belassen.

„Willst du vielleicht reinkommen?“, fragte Taddl ihn mit anzüglichem Grinsen, als sie sich kurz voneinander getrennt hatten. Und er liebte dieses Grinsen, weil er ganz genau wusste, was er jetzt bekommen würde.
Schnell löste er sich von Taddl und holte seine Tasche in die Wohnung, schmiss sie in irgendeine Ecke und hängteseine Kleidertasche dann an die Garderobe, bevor er Taddl wieder an sich zog für einen Kuss.
Während sie sich küssten drängte er ihn vor sich her zum Wohnzimmer. Doch noch bevor sie dieCouch erreicht hatten, hatte Taddl ihm schon sein Shirt über den Kopf gezogen.

~*~

Noch immer atmeten sie beide schwer und noch immer lag Taddl vor ihm. Er hatte Taddl fest umschlungen gehalten, nachdem er sich aus ihm zurück gezogen hatte und Taddl hatte sein Becken nur noch etwas mehr nach hinten, gegen Ardys gedrängt.
Glücklich streichelte er den Körper seines Freundes und war unglaublich froh,dass er ihn endlich wieder hatte spüren können.
Langsam beruhigte sich Taddls Atmung wieder und Ardy küsste sich seinen Rücken hinab, während er murmelte:
„Ich hab dich wirklich vermisst.“
Früher war es Mal irgendwie ein Problem gewesen, so etwas einfach zuzugeben. Weil es einen so weich und verletzlich erscheinen ließ. Aber jetzt, immer dann wenn sie alleine und ganz für sich waren, war das schon okay.
„Ich dich auch“, antwortete Taddl und er konnte hören, dass er lächelte.
„Und dein Arsch, was sagt der dazu?“, fragte Ardy weiter mit einem Grinsen und verteilte jetzt kleine Küsse auf Taddls Hintern, der sich eben noch so verdammt gut und eng angefühlt hatte.
„Der hat dich auch vermisst. Sehr sogar.“
Taddls Lachen klang genauso glücklich, wie er sich gerade fühlte und eine Spur aus Küssen auf Taddls Körper hinterlassend, wanderte er mitseinen Lippenwieder nach oben, schmiegte sich dann wieder von hinten an seinen Freund und legte einen Arm um ihn.
Mit einem genießerischen Seufzen schloss Taddl die Augen und drängte sich an ihn.

Eigentlich hatten sie wohl nicht mehr viel Zeit, bis sie los mussten. Aber ein wenig Kuscheln würde ja noch drin sein. Also griff Ardy nach der Decke auf Taddls Couch und deckte sie beide damit zu. Weil er es immer so machte.

„Gab's Stress vorhin?“, fragte Ardy nach und küsste Taddls Schulter.
„Hm?“
„Vorhin hast du so besonders kritischaufdein Handy gestarrt“, erklärte Ardy mit einem Grinsen und küsste wieder Taddls Schulter. Er konnte gar nicht genug von ihm bekommen.
„Ach… ne… ja… keine Ahnung.“
Mit einem Seufzen drehte Taddl sich auf den Rücken, schmiegte sich aber dennoch an ihn und starrte an die Decke.
Ardy stützteseinenKopf auf seinen Ellenbogen, um Taddl ansehen zu können und legte eine Hand auf seiner Brust ab. Für einen Moment sagte er nichts, weil er genau sehen konnte, wie Taddl überlegte und nach den richtigen Worten suchte.

„Das war mein Manager vorhin. Der macht grade n bisschen Stress.“
„Weswegen?“
„Weil ich mich angeblich nicht an meinen Vertrag halte.“
„Hä?“, fragte Ardy wenig intelligent nach und streichelte beruhigend über Taddls Brust. Weil er genau sehen konnte, wie sehr er sich innerlich aufregte.
„Naja, was heißt ich halte mich nicht an meinen Vertrag… er meinte, ich arbeite ihm und seiner Agentur entgegen.“
Ardy sagte lieber nichts, weil er sowieso noch nichts verstand.
„Ich hab ihm gesteckt, dass ich mich heute mit dir auf dem roten Teppich zeige. Und das… fand er nicht ganz so cool.“
Wieder seufzte Taddlund rieb sich mit zwei Fingerndie Augen.
Langsam zog Ardy seine Hand zurück. Wenn sein Manager das nicht so toll fand, hatte das garantiert etwas mit ihm zu tun. Und vielleicht hatte Taddl sich ja nun doch dagegen entschiedenund wollte ihre Beziehung nicht mehr öffentlich machen.

Als er merkte, dass Taddl nicht weiter sprach, fragte er nach:
„Wieso findet er das scheiße?“
Und schon wieder seufzte Taddl. Sein Manager musste ihm wohl wirklich Stress gemacht haben.
„Weil es ja seine Aufgabe ist, dass ich möglichstgut in der Öffentlichkeit da stehe, natürlich nur positiv für die Zielgruppe. Und er meint, ein schwuler Rapper würde eher negativ ankommen und 'sowas' bräuchte Deutschland nun wirklich nicht.“
„Hm...“
Mehr brachte er nicht raus. Was sollte er dazu auch sagen?
„Naja, auf jeden Fall hab ich ihm gesagt, dass mir das ziemlich egal ist, was er sagt. Ich will den ganzen Scheiß ja eh nicht mehr lange machen. Und wenn ich gehe, dann schon mit Paukenschlag – oder wie heißt das?“
Jetzt grinste Taddl wieder frech und er konnte erkennen, dass der Manager ihm zwar zugesetzt hatte mit seinem Gequatschte, dass es ihn aber so wenig interessierte, wie eh und je.
„Und das heißt...“
„Dass ich mit dir da heute auflaufen werde. Ganz gleich, was das für mein 'Image' oder meine Zielgruppe bedeutet. Ich versteck mich nicht länger. Keinen Bock mehr auf die Scheiße!“

Taddl drehte seinen Kopf und verteilte leichte Küsse auf Ardys Brustwarze.
„Dreht Oliver dir dann nicht den Hals um?“, fragte Ardybesorgt nach und strich durch Taddls feuchtes Haar.
„Juckt mich ehrlich gesagt nicht. Der Vertrag läuft in vier Wochen aus und ich weiß schon, wieso ich den nicht verlängert hab. Wenn er meint, er will mich in der restlichen Zeit nicht mehr vertreten, soll er mir erstmal zeigen, gegen welchen Paragraphen ich denn bitte vertragsbrüchig geworden bin, dadurch dass ich mich verliebt habe. Ansonsten bricht er nämlich die Vertragsklausel bezüglich beidseitiger Kündigungsfrist von drei Monaten. Die kann er jetzt bei knapp vier Wochen wohl eher nicht mehr einhalten. Also ja… mir egal.“
Taddl grinste noch immer, küsste sich jetztArdysHals nach oben zu seinen Lippen.
Auch Ardy musste lächeln als er fragte:
„Du hast dir den Vertrag schon genau durchgelesen, oder?“
„Natürlich! Bin ja nicht so dumm und lass mir da von dem irgendwas zu erzählen. Also wenn du dein gutes Hemd eingepackt hast und Mal für 15 Minuten die Finger von meinem Arsch lassen kannst, darfst du mit auf den roten Teppich.“
„Als ob!“
Wieder musste Ardy grinsen, einfach froh darüber, dass Taddl sich - wie schon so oft - für ihn entschieden hatte. Dann küsste er ihn wieder und genoss die letzten vertrauten Augenblicke, bevor Taddl ihn dann aufscheuchte, weil sie sich fertig machen und losfahren mussten.

~*~

„Was schaust du da?“
Taddl lief geschäftig im Zimmer auf und ab, ging kurz ins Bad und kam dann wieder zurück ins Hotelzimmer, wo er sein Deo in seinen Rucksack warf.
Ardy lag auf dem Bett, mit seinem Laptop auf dem Schoß, und sah sich einen Anime an.
Taddl war gerade damit beschäftigt, seine Tasche zu packen mit all den Dingen, die er für seinen Auftritt heute Abend brauchen würde. Er selbst würde nicht mehr als sein schickes Outfit brauchen – Gott sei Dank.
„Hm?“, grummelte er nur abwesend und schaute weiter auf den Bildschirm.
Als die Sexszene anfing, blieb Taddl im Raum stehen.
„Du schaust nen Porno? Ernsthaft jetzt? Ohne mich?“
Taddl hatte entrüstet geklungen und brachte Ardy dazu, jetzt doch aufzusehen.
Sein Freund sah ihn abwartend an und Ardy konnte nur grinsen.
„Kein Porno, nur'n Anime“, erklärte er und war nicht überrascht, als Taddl sich mit prüfendem Blick neben ihn aufs Bett fallen ließ und seinen Kopf kurz auf Ardys Schulter ablegte, um auf den Bildschirm sehen zu können.
„Mh, sieht aber geil aus. Was ist das?“
„Finder.“
Taddl brummelte nur irgendetwas gegen seine Schulter und strich dann über seinen Schritt.
„Verausgab' dich aber nicht, ich brauch dich heute Nacht noch, ja?“
Dann grinste er ihn noch einmal an, gab ihm einen kurzen Kuss und sprang vom Bett wieder auf, um in seinem Koffer zu kramen.
Mit einem Grinsen auf den Lippen kuschelte Ardy sich noch ein wenig tiefer in die Kissen und beobachtete Taddl kurz, wie der nochmal den Inhalt seines Rucksacks überprüfte. Sein Freund war eben doch interessanter als jeder Anime.

~*~

Gerade hatte Taddl ihm mitgeteilt, dass er fertig war und Ardy seinen Laptop ausschalten konnte, da klingelte Taddls Handy.
Mit einem Seufzen ließ Ardy sich wieder in die Kissen zurück sinken, schaltete den Laptop aber vorsichtshalber doch schon aus. Wer wusste, wie lang das Gespräch dauern würde.
Lange brauchte er nicht, um zu erkennen, mit wem Taddl da wohl gerade telefonierte. Das war ganz klar sein Manager. Scheinbar sprachen sie nochmal irgendwelche Details durch oder der Manager gab ihm einige Eckdaten bezüglich des Soundchecks oder Ähnlichem. Taddl schien ganz konzentriert und Ardy hörte nicht weiter zu, sondern beantwortete Maries WhatsApp-Nachricht, die ihn fragte, wo im Hotelzimmer sie es schon überall getrieben hatten. Unverbesserlich.
Als Taddls Tonfall sich jedoch plötzlich änderte, horchte auch Ardy auf. Taddl schiennämlichrichtig interessiert:
„Achja? Und wermacht das jetzt so kurzfristig?“
Ardy beobachtete seinen Freund und spürte wie das Handy in seiner Hand vibrierte. Das konnte jetzt kurz warten.
„Ha! Das ist ja interessant“, rief Taddl jetzt plötzlich triumphierend aus und hatte ein ganz besonderes Grinsen aufgesetzt, bei dem Ardy noch nicht so genau wusste, was er jetzt zu erwarten hatte. Aber er konnte nicht anders, als mit zu grinsen, denn es war auf jeden Fall positiv.
„Was? Nein nein, das nicht. Find‘s nur… äh, cool wie das Fernsehen sich immer mehr in die Youtube-Welt einmischt. Naja, hör zu, wir müssen jetzt los. Soundcheck.“

Noch immer grinste er breit und winkte Ardy zu sich heran.
Gespannt stand Ardy auf und verstaute sein Handy in seiner Hosentasche, ehe er auf Taddl zu ging, dessen Gesichtsausdruck sich jetzt plötzlich änderte.

„Ja, das hab ich immer noch vor! Bis dann.“
Undjählegte er mit zusammen gekniffenen Augenbrauen auf und schob sein Handy wieder in seine Hosentasche.

„Alles gut?“, fragte Ardy nach, weil er jetzt wirklich so gar nichts mehr verstand.

„Mehr als gut.“
Taddl hatte sofort wieder ein Grinsen aufgelegt, doch Ardy sah ihn nur zweifelnd an.
„Na gut. Oliver meint immer noch, dass es ne scheiß Idee ist, dass wir beide uns jetzt dann öffentlich zusammen zeigen.“
„Und du?“
„Ich? Ich will das! Und ich mache es auch – also wenn du das willst. Der Typ hält mich von garnichts ab. Vielleicht wird das eh mein letzter Auftritt, wer weiß das schon? Soll wenigstens jeder wissen, dass ich scheiße verliebt bin.“
Taddl hatte sich schon bei diesen wenigen Sätzen in Rage geredet, so dass Ardy jetzt ein Schritt auf ihn zu machte und sich einfach zu ihm lehnte für einen Kuss.
Erst einen kurzen, dann einen etwas längeren. Und schon schien Taddl nicht mehr ganz so angespannt zu sein.
„Ach, du bist also verliebt ja? In wen denn?“, fragte Ardy und bekam schon wieder das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht. So langsam wurde es doch wirklich lächerlich.
„So n heißer Typ… kennst du aber nicht.“
Taddl grinste genauso dümmlich zurück und packte ihm jetzt an den Hintern, um ihn an sich zu ziehen. Wieder küssten sie sich und diese Küsse, bei denen sie beide nicht aufhören konnten zu lächeln, waren eben doch immer noch die Schönsten.
„Ich will das machen, okay? Da hab ich mich jetzt schon drauf eingestellt, von mir aus können wir's durchziehen.“
Er kam gar nicht dazu, weiter zu sprechen, weil Taddl ihn schon wieder für einen Kuss an sich gezogen hatte. Das musste er aber auch nicht.

„Übrigens… wir treffen heute ein paar alte Bekannte“, lachte Taddl nach ihrem Kuss und wackelte vielsagend mit den Augenbrauen.
„Hä?“, fragte er nur zurück, weil er nicht wusste, was Taddl ihm damit jetzt sagen wollte. Schließlich wusste er ja schon, dass Felix und Simon und ein paar andere auch da sein würden.
„Die Moderations-Stelle musste kurzfristig neu besetzt werden.“
Noch immer grinste Taddl ganz besonders breit und Ardy sah ihn nur immer noch fragend an, kam sich langsam etwas dumm vor.
„Naja, das Ganze übernehmen jetzt Joko und Klaas“, platzte es nun doch voller Vorfreude aus Taddl heraus.
„Oh Gott...“
Ardy vergrub nur beschämt sein Gesicht an Taddls Schulter.
„Was denn? Das wird super!“, fragte Taddl leichthin.
„Klar. Wann wird man schonmal von jemandem anmoderiert, neben dem man schon im Gebüsch gevögelt hat, ne?“
„Eben!“
Taddl strahlte ihn an, küsste ihn dann noch kurz und gab ihm einen festen Klaps auf den Hintern, bevor sie endlich losfuhren zum Soundcheck.

~*~

Nachdem Taddl in seinem Backstage-Raum unten in den Katakomben seinen Rucksack abgelegt hatte, ging es weiter zur Bühne und Ardy konnte sich in der Halle umsehen.
Der Soundcheck an sich war nun wirklich nichts Spannendes, da musste er Taddl nicht die ganze Zeit im Blick haben.
Zuerst suchte er ihre Plätze, die siespäter am Abend besetzen würden und stellte fest, dass sie wohl einen ziemlich guten Blick auf die Bühne haben würden.
Nur als seine Augen dann weiter wanderten,auf die anderen Sitze um sie herum und die Namensschilder,die dort angebracht waren, wurde er wirklich nervös. Nur einige davon kamen ihm bekannt vor und ihm wurde erst jetzt so wirklich bewusst, wie lange er eigentlich schon aus dieser Szene draußen war. Irgendwann, vor Jahren, waren Taddl und er auch Mal hier eingeladen gewesen. Damals waren sie sich jedoch zu fein gewesen, hier wirklich aufzukreuzen. Sie hatten sich schließlich für was Besseres gehalten. Da ging man nicht auf so eine Preisverleihung, wo auch noch eine bestimmte Kleiderordnung gefordert war und man sich nicht gewohnt provozierend kleiden konnte.
Wie kindisch sie gewesen waren… darüber konnte er jetzt nur den Kopf schütteln, während erdurch die Reihen schlenderte.

Erleichtert hatte er festgestellt, dass man sie beide genau neben Felix und seiner Freundin platziert hatte, so dass er sich zumindest keine Gedanken über unangenehme Sitznachbarn machen musste. Gott sei Dank.
Das nahm ihm wenigstens ein wenig von seiner Nervosität.
Die anderen Menschen, die um sie herum saßen, taten das jedoch nicht. Viele waren dabei, mit denen er damals zu Youtube-Zeiten noch relativ regelmäßig Kontakt gehabt hatte und die sich dann, sobald er ausgestiegen war, keinen Deut mehr für ihn interessiert hatten. Vermutlich weil es keine Aufmerksamkeit und keine Abonnenten mehr zu holen gab.
Eigentlich war es verdammt traurig und zeugte nur davon, wie sehr die Gesellschaft mittlerweile nur noch auf Geld ausgelegt war. Das hatte er zwar durchaus begriffen, hatte sich damals jedoch trotzdem sehr lange und ausgiebig bei Taddl darüber beschwert.
Aber was half es ihm schon, sich jetzt wieder darüber Gedanken zu machen?
Ihm wurde lediglich ein wenig anders, wenn er an das Zusammentreffen mit all diesen Leuten später dachte. Weil er auch nicht wirklich einschätzen konnte, wie sie auf ihn reagieren würden. Ob mit sinnlosem Smalltalk oder doch eher mit Ignoranz, das wusste er nicht. Nur mit ernst gemeintem Interesse rechnete er nicht. Ansonsten war alles möglich.

Mit einem leisen Seufzen und schon jetzt vor Nervosität leicht schwitzigen Händen, ließ er sich auf seinen Platz für den Abend gleiten und sah Taddl beim Rest seines Soundchecks zu.

Wie professionell er dabei mittlerweile war...
Ardy erinnerte sich noch genau, wie aufgeregt und unsicher er zu anfangs immer gewesen war. Hatte sich sogar Sorgen gemacht, dass er das Mikro falsch halten oder es am Ende noch ausschalten oder fallen lassen würde.
Jetzt stand er souverän auf der Bühne und zog sein Pflichtprogramm durch.
Und während er ihn dabei so beobachtete, dachte er über Taddls Worte nach, dass das heute vielleicht sogar sein letzter Auftritt sein könnte.
Er wusste es schon, hatte es schon lange geahnt und schon seit längerer Zeit machte Taddl ja keinen Hehl mehr daraus, dass er nach seinen anderen Nebenjobs jetzt vielleicht auch noch die Musik an den Nagel hängen wollte. Nur warum genau, darüber hatte er sich noch nicht ausgelassen. Aber vielleicht erwischte Ardy ja heute den passenden Momentihn danach zu fragen.

Denn irgendwie hatte er das Gefühl, dass diesesOuting nicht der Grund dafür war,warumTaddl ans Aufhören dachte.
Vielleicht trug auch Ardy selbst etwas Mit-Schuld daran, ohne etwas gemacht zu haben.
Weil Taddl durch ihn erst gemerkt hatte, wie angenehm ein Leben sein konnte, wenn man nicht ständig erkannt und vor eine Kamera gezerrt wurde.

Ardy wusste, dass es ihm deswegen oft nicht mehr so viel Spaß machte wie früher, auf irgendeiner Bühne zu stehen oder erkannt zu werden. Bis zu einem gewissen Grad tat er es immer noch gerne, das konnte er nicht abstreiten. Aberdennoch war da irgendwas mit der Musik, das Taddl nicht so ganz schmeckte. Er musste nur noch herausfinden was.

Und sollte das heute Abend wirklich sein letzter Auftritt auf der Bühne, vielleicht sogar der letzte öffentliche Auftritt überhaupt sein, dann wollte Ardy für ihn da sein. Auch, wenn er dafür selbst mit in die Öffentlichkeit musste.

In so vielen Monaten Beziehung, in denen Taddl so bekannt gewesen und ständig erkannt und angesprochen worden war, hatte Ardy nach und nach wieder gelernt, damit umzugehen.
Er gab noch immer keine Informationen von sich preis und stellte sich selbst nicht in dieÖffentlichkeit. Aber er bekam bei Weitem nicht mehr soeinePanik wie noch am Anfang ihrer Beziehung.
Stattdessen hatte er gelernt, einfach ruhig und gelassen daneben zu stehen und zu warten, bis die Fans wieder abzogen. Oder aber auch sich einzuschalten und Taddl vor besonders aufdringlichen Exemplaren zu retten, wenn er genau sehen konnte, dass es ihm unangenehm war, er sich aber nicht traute, sie zurückzuweisen.
So war er in den letzten Monaten tatsächlich teilweise der Gelassenere geworden, was öffentliche Präsenz anging und das hätte er wirklich nie für möglich gehalten.
Das klappte allerdings wohl auch nur, weil er selbst sich so zurück gezogen hatte.

So in seine eigenen Gedanken und WhatsApp-Nachrichten mit Marie versunken, bemerkte er gar nicht, wie Taddl irgendwann seinen Soundcheck beendete und sich schließlich neben ihn auf seinen Platz fallen ließ.
„Mensch, ich muss wirklich atemberaubend gewesen sein“, seufzte Taddl mit einem spöttischen Lächeln und lehnte sich in seinem Stuhl zurück.
Mit einem Grinsen schaute Ardy von seinem Handy auf und ließ es in seine Hosentasche gleiten, bevor er sich nahe zu Taddl lehnte und ihm ins Ohr flüsterte:
„Weißt du, was atemberaubend ist? Das, was du mit mir anstellst, wenn du deine ganze Hand…“
Doch weiter kam er nicht, denn Taddl unterbrach ihn mit einem Lachen und einem schnellen Kuss, bevor er leise ein
„Pscht!“, zischte.
Mal zur Abwechslung schön zu sehen, wenn es Taddl unangenehm war, wenn sie in der Öffentlichkeit über Sex sprachen.

~*~

Das Restaurant, das Taddl ausgesucht hatte, lag weit weg von der Veranstaltungshalle und auch weit weg von ihrem Hotel.
„Falls die Stalker schon wieder unterwegs sind“, hatte Taddl den Umstand nur erklärt und dabei so gar nicht mehr glücklich ausgesehen.

Nachdem die Kellnerin ihre Teller vor ihnen abgestellt hatte und zwischen ihnen kurz Ruhe herrschte, damit sie essen konnten, kreisten Ardys Gedanken doch nur wieder um ein einziges Thema.
Also fragte er vorsichtig nach:
„Wird das heute wirklich dein letzter Auftritt?“
Taddl sah nicht gerade glücklich darüber aus, dass er die Frage gestellt hatte. So ließ er sich besonders viel Zeit, zu kauen und zu schlucken, bevor er dann schließlich antwortete:
„Keine Ahnung, Ardy. Ich weiß doch auch nicht...“
„Aber wieso? Hast du keine Lust mehr auf Musik?“
Die letzten Wochen hatte Taddl immer irgendwelche Ausflüchte gesucht, aber heute würde er ihn nicht damit davon kommen lassen. Schließlich schuldete er ihm etwas dafür, dass er ihn begleitete. Und das schien auch Taddl zu wissen, denn er verzog leicht das Gesicht bevor er antwortete:
„Natürlich hab ich Lust auf Musik machen. Das ist es nicht.“
„Aber?“, hakte Ardy wieder nach und wandte seinen Blick nicht von Taddl ab.
„Boah Ardy...“
Taddl klang nicht wirklich genervt, auch wenn er das vielleicht hatte erreichen wollen. Viel mehr wirkte er so, als wäre es ihm einfach sehr unangenehm. Ein Grund mehr, dass Ardy endlich wissen wollte, was dahinter steckte.

Schön auch, dass sie beide so ihre Probleme hatten, über gewisseAngelegenheitenzu sprechen. Taddl über die Dinge, die ihn wirklich beschäftigten – weil er früh gelernt hatte, alles irgendwie mitsich selbst auszumachen; und Ardy über seine sexuellen Bedürfnisse – weil es ihm immer noch manchmal peinlich war. Aber es half ja nichts. Genauso wie Taddl immer darauf pochte, dass Ardy ihm verriet, wenn er etwas ausprobieren wollte, drängte Ardy jetzt darauf endlich zu erfahren, was bloß los war.

„Ich kann das irgendwie einfach nicht mehr. Also nicht auftreten oder so, das mein ich nicht. Das ist geil. Aber… die Texte.“
„Was ist mit den Texten?Du hast doch letztes Mal erst Neue geschrieben, hast du erzählt. Oder nicht?“
Verwirrt schob Ardy sich einen großen Bissen von seinem Essen in den Mund. Als Zeichen dafür, dass Taddl ruhig ausführlich antworten konnte, weil er jetzt eh erst noch kauen musste.
„Schon…“
Taddl fuhr sich durchs Haar und legte sein Besteck jetzt beiseite.
„Die sind aber scheiße.“
„Wieso scheiße? Man Taddl, lass mich nicht so um jedes einzelne scheiß Wort betteln, okay? Ich will doch einfach nur wissen, was los ist.“
„Jaaa… sorry. Also ich schreib schon Texte gerade. Eigentlich auch nicht wenig. Aber… irgendwie kann ich das nicht mehr. Die sind nicht mehr so hart und so. Keine ordentlichen Rap-Texte halt.“

Aha… ehrlich gesagt verstand Ardy immer noch nicht mehr.

„Wieso sind die nicht mehr hart genug? Was ist anders?“, fragte er also interessiert nach und klaute Taddl ein Stück Fleisch von seinem Teller.
„Ach… die sind halt einfach alle zu weich. Ich kann nichts mehr Hartes schreiben. Das ganze scheiß Gangster-Statussymbol-Blabla interessiert mich nicht mehr, da will ich nicht mehr drüber schreiben. Also red ich eben von anderen Sachen und das… wird weich… wegen dir.“
„Wegen mir?“, fragte Ardy verwirrt und nahm lieber einen Schluck zu trinken.
„Ja, du verweichlichst mich, Alter!“, regte Taddl sich gespielt auf und konnte ein Grinsen doch nicht zurück halten.
„Was mach ich denn?“
Das interessierte ihn ja nun jetzt wirklich. Was er bitte soanstellte, dass Taddl dadurchweich wurde.
Taddl zuckte versucht unbeteiligt mit den Schultern, ehe er zum Sprechen ansetzte:
„Du bist da. Mehr musst du eigentlich gar nicht machen. Ich bin viel zu froh, dich wieder zu haben.“
Ardy wurde ganz warm und er konnte ein Grinsen nicht zurück halten.
„So'n wirklich schlechtes Gewissen hab ich ja jetzt nicht“, gab er zu und ging vor Taddls Schlag in Deckung, der ihn Gott sei Dank verfehlte.
„Wichser“, grummelte Taddl und lehnte sich trotzdem mit einem Schmunzeln in seinem Stuhl zurück.
„Ja, aber jetzt Mal im Ernst. Was ist denn das Problem mit den Texten?“
„Das war mein Ernst.“
Taddls Brummen war so leise, dass er es fast nicht verstanden hätte. Fast.
„Was zum Teufel? Ich mach doch gar nichts!“
Sofort hatte Ardy das Gefühl, sich verteidigen zu müssen. Schließlich wollte er es nicht auf seine Kappe schreiben, dass Taddl mit dem Rappen aufhörte.
„Weiß ich doch. Aber ernsthaft Junge… das, was ich da schreib… den harten Scheiß kauft mir keine Sau mehr ab. Schau dir Mal an, was ich da hingerotzt hab!“

Taddl regte sich wirklich auf und zog seinen Geldbeutel aus der Hose. Aus diesem holte er einige beschriebene und zusammen gefaltete Blätter und warf sie über den Tisch zu Ardy.
Stirnrunzelnd griff Ardy nach ihnen und faltete sie auseinander.
Es waren Taddls Textentwürfe. Und nachdem er sich noch eine Gabel voll mit Essen in den Mund geschoben hatte, las er sie einen nach dem anderen durch.
Schon nach der Hälfte wusste er, was Taddl meinte. Doch legte er die Blätter mit einem Grinsen zur Seite.
„Die sind gut.“
„Die sind verweichlicht!“
„Gut.“
Ardys Tonfall ließ keinen Widerspruch zu und Taddl trank grummelnd noch einen großen Schluck.
„Taddl… Das ist genau das, was ich immer meine. Die Texte sind gut! Sie sind ehrlich, sie sind gut formuliert und sie sind einfach… du. Natürlich ist das keine Großkotz-Schiene vonwegen'ööh, schau her wie dick meine goldene Uhr ist'. Aber wer braucht das schon? Das können so viele andere. Das hier“, er deutete auf die beschriebenen Blätter und schob sie wieder zu Taddl hinüber, „das kannst nur du.“
Taddl sah ihn prüfend an, bevor er ernst fragte:
„Du meinst das wirklich ernst, oder?“
„Schon. Also ich würde mir das echt nochmal überlegen. Vielleicht wird das ja dein letzter Auftritt. Aber mit eher oberflächlichen Texten. Und danach geht’s weiter mit diesem geilen Zeug!“
Wieder deutete er auf die Blätter, die Taddl jetzt wieder in seinem Geldbeutel verschwinden ließ.
„Und mit neuem Management“, fügte Taddl lachend hinzu und griff dann kurz über den Tisch, um seine Hand zu drücken. Dann lehnte er sich wieder zurück und hielt sein Gesicht in die Sonne, bevor er mehr zu sich selbst als zu Ardy sprach:

„Vielleicht hast du ja Recht. Vielleicht sollte ich das wirklich einfach probieren. Und das mit dem Management ist ganz gut so. Was bringt mir schon ein Manager, der nicht will, dass ich zeigen kann, wie ich wirklich bin?“
„Das heißt also… neue Texte, neues Management, neues Image?“, fragte Ardy und lehnte sich jetzt auch zurück.
„Mal sehen.“
Taddl blinzelte ihm im Sonnenlicht entgegen und Ardy wusste doch jetzt schon, dass Taddl nicht einfach so von der Musik ablassen konnte.

~*~

„Scheiße hey, bin ich aufgeregt.“
Ardy ballte seine zitternden Hände zu Fäusten und wischte sie dann noch einmal an seiner schwarzen Jeans ab.
Mittlerweile saßen sie im Auto, das sie zum roten Teppich fuhr. Wohlgemerkt vom Hintereingang der Halle zum Vordereingang.Absolut unnötig.Abernaja. Alles für eine gute Show. Auch 200 Meter mit dem Auto zurück legen.

Gleich würden sie ankommen und Ardy hatte einfach nur Schiss. So sicher wie er sich noch vor einer halben Stunde gewesen war, so sehr ging ihm jetzt der Arsch auf Grundeis.

Taddl griff nach seiner Hand und drückte sie; brachte ihn dazu ihn anzusehen.
„Ardy… du kannst das. Wir machen das zusammen, okay? Ich steig auf der Seite mit den Kameras aus, du auf der anderen. Du kommst einfach zu mir rüber und ab da lass ich dich nicht mehr los, okay?“
Ardy versuchte sich an einem Lächeln, scheiterte jedoch und ließ Taddls Hand wieder los, um sich seine eigenen Hände nochmal an seiner Jeans abzuwischen. Schwarze Jeans und schwarzes Hemd… hoffentlich war das schick genug.
Taddl trug auch eine dunkle Jeans und ein weißes Hemd, hatte darüber aber noch ein lockeres Jackett geworfen, das er offen trug. Natürlich waren wieder die obersten Hemdknöpfe offen, damitman seine Tattoos gut sehen konnte. Und es sah einfach nur heiß aus.

Dass er selbst gerade irgendwie heiß aussah bezweifelte er sehr stark. Wohl eher wie ein nervöser Typ, dem sofort der Schweiß ausbrechen würde, sobald er aus dem Auto stieg.
Hoffentlich würden seine Knie nicht nachgeben.
Eigentlich müsste er das ja alles noch kennen. Tat er ja auch.Irgendwie.Er war es Mal irgendwann gewohnt gewesen, dass die Leute wegen ihm stundenlang irgendwo anstanden, kreischten wenn sie ihn sahen und alles taten, um nur ein Foto mit ihm zu bekommen. Und auch bei Taddl bekam er es ja immer wieder mit. Aber das jetzt so zu sehen und nach all den Jahren, nachdem so viel passiert war und er so gar nichts mehr mit all diesen Dingen zu tun hatte, da fiel es ihm wirklich schwer, sich wieder darauf einzulassen. Auch früher war er schon nervös gewesen. Natürlich. Aber nicht so, wie gerade eben. Er hoffte einfach, dass irgendetwas von früher in ihm ansprang und er mit der Situation gleich genauso sicher umgehen konnte, wie er das früher immer geschafft hatte. Taddl würde ihm sicher dabei helfen.

„Hast du gehört?“

Taddls Stimme riss ihn aus seinen Gedanken und er war ganz dankbar dafür.

„Ja“, brummte er nur.
„Ich bin da, okay?“, hörte er Taddls tiefe Stimme plötzlich ganz nah an seinem Ohr. Er hatte sich zu ihm gebeugt und sah ihm jetzt fest in die Augen.

Der Wagen hielt an und Ardy wusste, dass es jetzt so weit war. Jetzt gab es kein Zurück mehr. Außer vielleicht er würde einfach im Auto sitzen bleiben und mit dem Chauffeur Runde um Runde um die Halle drehen. Das wäre doch vielleicht auch eine Möglichkeit.
Aber nein, so feige wollte er nicht sein. Und was hatte er schon zu befürchten? Er musste doch einfach nur an Taddls Seite stehen und sein Freund sein. Mehr verlangte er doch gar nicht von ihm.
Als Taddl sich schon zur Tür wenden wollte, bat Ardy ihn jedoch:
„Küss mich.“
Verwundert drehte Taddl sich zu ihm um, lächelte ihn dann jedoch an und nahm sein Gesicht in beide Hände, bevor er ihn küsste.
Ardy krallte sich an der Knopfleiste von Taddls Hemd fest und versprach sich davon, irgendwie Halt zu finden. Doch der Moment war zu schnell vorbei und er konnte sich nur noch einmal über die Lippen lecken, als Taddl sich schon wieder von ihm zurückzog.
Dann zwinkerte er ihm noch zu und sagte:
„Und jetzt… Lächeln, winken und einfach heiß aussehen.“
Dann stieß er die Tür auf und stieg aus.
Let the show begin.


Schnell stieg auch Ardy aus und eilte um das Auto herum zu Taddl. Der wartete schon auf ihn, zog ihn kurz an sich und drückte ihm noch einen Kuss auf die Schläfe. Um ja keine Zweifel aufkommen zu lassen, dass sie als Paar hier waren, bevor er schließlich nach seiner Hand griff und sie festhielt.
Dadurch bestärkt wurde Ardy jetzt endlich ein wenig sicherer und er erwiderte Taddls festen Griff. Gemeinsam traten sie nach vorne zu einigen Fans, die hinter einer Absperrung warteten und Taddl musste nun zwar seine Hand loslassen, um Fotos zu machen und Autogramme zu geben, aber er schien sich überhaupt nicht daran zu stören, dass Ardy währenddessen eine Hand an seinen Oberarm gelegt hatte. Einfach nur um zu wissen, dass er da war.

Wie verunsichert und verschüchtert das vielleicht nach außen hin wirken mochte, war ihm scheißegal. Und er würde es sowieso spätestens dann erfahren, wenn sie in der Halle waren und erdas Handy aus seiner Hosentasche ziehen konnte. Dort würden ihn dann mit Sicherheit schon Nachrichten von Marie und Elina und bestimmt auch von seiner Mutter erwarten, die natürlich alle ganz begeistert gewesen waren und gerade mit Sicherheit den Livestream verfolgten. Natürlich.

Aber jetzt konzentrierte er sich erstmal auf einen ihm unbekannten Interviewer, der bestückt mit einem Mikrofon und gefolgt von einem kleinen Kamerateam auf sie zukam.
Taddl schien ihn ebenfalls zu bemerken, denn er gab dem letzten Fan seinen Stift zurück, lächelte ein letztes Mal ineine Handykamera und griff dann wieder nach Ardys Hand. Er verschränkte ihre Finger miteinander und trat mit ihm zu besagtem Interviewer, dessen Blick Ardy ganz genau verriet, wie überrascht er war, dass Taddl hier mit seinem Freund zusammen auflief und der mit Sicherheit gerade so einige hektische Anweisungen über den kleinen Sender in seinem Ohr erhielt.

Taddl und der Interviewer, der sich als Steffen vorstellte, begrüßten sich und auch Ardy ließ sich zu einer kurzen Begrüßung hinreißen. Unhöflich sein wollte er schließlich nicht.
Als Steffensich kurz an den Sender in seinem Ohr griff wurde Ardys Vermutung bestätigt und er musste schmunzeln. Vor allem, als sein erster Satz an Taddl dann war:
„Ja Taddl… du bist heute hier und hast das erste Mal deinen Partner mitgebracht.“
Ardy spürte den festen Druck von Taddls Fingern und war sich bewusst, dass es das erste Mal an diesem Abend nichtdeswegenwar, weil er Ardy Halt geben wollte, sondern weil er selbst unglaublich aufgeregt war.

Schließlich ging es für ihn hier nicht nur darum, sich öffentlich als schwul und zu Ardy zu bekennen. Er outete sich damit auch noch als erster schwuler Rapper Deutschlands und gab seinem Image so eine ganz andere Richtung. Wenn das hier in die Hose ging, dann konnten Taddls nächste Songs noch so hart oder weich sein, er würde keinen Erfolg mehr haben. Denn hier ging es um Taddls Karriere.
Als ihm das bewusst wurde, drückte er beruhigend Taddls Hand, drängte sich so unauffällig wie möglich noch ein Stück näher zu ihm und legte ihm seine freie Hand auf den Oberarm.

Taddls Antwort kam mit einem professionellen aber auch irgendwie glücklichen Lächeln:
„Ja genau, das ist richtig.“
„Wie kommt es jetzt so plötzlich dazu? Ansonsten hältst du dich ja immer recht bedeckt, was dein Privatleben angeht.“
Unbemerkt strich Ardy mit seinem Daumen auf Taddls Oberarm hin- und her und hoffte, dass er seinen gewünschten Effekt erzielte.
„Naja, das tue ich auch jetzt. Ich bin ja heute nur wegen der Musik hier.“
Taddls Antwort machte ganz deutlich, dass er nicht hier war, um über seine Beziehung zu sprechen. Auch dem Interviewer schien das aufzufallen, denn er sprang sofort auf den Zug auf und stellte seine nächste Frage:
„Genau, die Musik. Das wird ja heute seit sehr langer Zeit dein erster Auftritt vor alten Youtube-Kollegen. Mit welchen Gefühlen geht man da so auf die Bühne?“

Ardy konnte fast spüren, wie mit seiner eigenen auch Taddls Anspannung nachließ, als es jetzt wirklich wieder nur um die Musik und nicht um ihre Beziehung ging.
Erleichtert drückte er noch einmal Taddls Hand und bemühte sich jetzt, einfach nur anständig neben seinem Freund zu stehen und zustimmend zu nicken und zu lächeln, wenn es angebracht war.

Erst als der Reporter sich wenig später schon wieder von ihnen verabschiedete, weil er den nächsten semibekannten Promi entdeckt hatte und Taddl wieder zu den Zuschauern trat, um noch ein paar Autogramme zu schreiben, ließen sie sich wieder los. Und Ardy bemerkte erst jetzt, wie verschwitzt ihre beiden Hände waren und wie verdammt nervös er eigentlich wirklich war.
Aber er hatte das Gefühl mit dem Interview nun das Schlimmste überstanden zu haben.

Taddl hatte ihm erklärt, dass es nun in einen abgetrennten Außenbereich gehen würde, wo sich alle geladenen Gäste zusammen stellen und kurz miteinander quatschen konnten, während sie sich einen Drink genehmigten. Danach ging es in die Halle, wo im Foyer dann vielleicht noch der ein oder andere Reporter warten könnte, aber Taddl ging nicht davon aus, dass viele da von ihm etwas wissen wollten. Schließlich ging es hier um die aktuellen Youtube-Stars.

Nachdem Taddl noch einige Autogramme gegeben, Fotos gemacht und Fragen zu Ardy gekonnt umgangen hatte, traten sie gemeinsam in den abgeschirmten Bereich. Taddl legte einen Arm um Ardys Schultern und zog ihn zu sich heran.

„Gut gemacht“, raunte er ihm ins Ohr und küsste wieder seine Schläfe, ehe er ihn an der Hand nahm und sie sich ins Getümmel stürzten.

Es war wirklich nicht schlimm gewesen. Nicht halb so schlimm, wie er befürchtet hatte. Vermutlich würde ihm sowieso erst morgen, wenn er seine Bilder im Netz sah, bewusst werden, was sie da gerade wirklich getan hatten.
Aber das war jetzt erstmal nebensächlich.Im Momentmusste er sich all den alten Youtube-Bekanntschaften stellen, vor denen er, wenn er ehrlich war, nicht weniger Angst hatte, als vor dem Auftritt auf dem roten Teppich gerade eben.

Doch so kitschig es vielleicht auch klingen mochte, aber mit Taddl an seiner Seite war es tatsächlich gar nicht so schlimm,die altbekannten Gesichter wieder zu sehen. Von Taddl wusste er, dass ein Großteil von ihnen auch nicht mehr mit ihm sprach – aus welchem Grund auch immer.
Das war jedoch eigentlich der große Vorteil. Denn hier waren kaum Leute mit Kameras unterwegs, so dass sich niemand gezwungen fühlen musste, gekünstelten Smalltalk zu halten, um den Schein zu wahren. Und da war er wirklich froh drum.
So konnten sie einfach kurz mit Felix und seiner Freundin plaudern, nachdem sie die beiden im Getümmel entdeckt hatten und Ardy war ein weiteres Mal froh, dass er heute Abend zwischen Taddl und seinen beiden Freunden sitzen konnte.

Lange konnten sie jedoch auch hier gar nicht bleiben, da Taddl lieber rein wollte, damit er noch einmal zu seinem Aufenthaltsraum in den Katakomben konnte.
Dort hatte er schon sein Outfit für den Auftritt gebunkert und das wollte er lieber gleich anziehen, bevor sie in die Halle und zu ihren Plätzen gingen.
Sein Auftritt war erst für ungefährin derMitte der Show gesetzt, aber Taddl meinte, wenn er sich jetzt schon umzog, bekämeer später mehr von der Show mit.
Eigentlich war Ardy sich sicher, dass Taddl ihn nicht so lange alleine da sitzen lassen wollte; abgesehen von Felix umzingelt von Leuten, in deren Gegenwart er sich sehr unwohl fühlte. Und er rechnete es ihm sehr hoch an, dass er genau das nicht aussprach.

Also war er ganz froh, dass sie – nun wieder mit ineinander verschlungenen Händen – durch den Außenbereich und das Foyer gehen konnten. Für ein kurzes Interview wurde Taddl noch aufgehalten, doch bei dem waren sie beide nicht mehr annähernd so nervös wie beim ersten. Zumal dieser Hobby-Reporter sich um einiges professioneller verhielt und Taddl lediglich wegen seiner Musik und wann denn ein neues Album geplant sei, ausquetschte.
Das waren Fragen, die Taddl hören wollte und die er gerne beantwortete.

Danach konnten sie endlich zwischen zwei Securitys hindurch in den komplett abgeschirmten Bereich schlüpfen und hatten ihre Ruhe.
Gemeinsam liefen sie die Treppe nach unten und suchten Taddls Garderobenraum.
Der Raum war wirklich nicht groß, aber es war genügend Platz für Taddl, um sich umzuziehen undihm waren Getränke bereit gestellt worden. Und netterweise ein Obstkorb. Nun gut. Dann konnte Ardy wenigstens etwas essen, während er Taddl dabei zusah, wie er sich umzog.
Noch immer beobachtete er Taddl viel zu gern – bei allem was er tat. Aber Taddl schien sich nicht daran zu stören. Er grinste ihn nur über seine Schulter hinweg an und klatschte sich dann selbst so aufreizend auf den Arsch, so dass Ardys fast sein Stück Birne aus dem Mund gefallen wäre.

Komplett angezogen stand Taddl dann noch kurz vor dem Spiegel und zupfte seine Klamotten alle an die richtige Stelle, band sich ein Lederarmband ums Handgelenk und drehte sich dann mit einem kurzen „Fertig“ zu ihm um.
Ardy stand auf und tat so, als würde er Taddl von allen Seiten begutachten, bevor er schließlich sagte:
„Ist genehmigt. So kannst du raus. Jetzt muss ich ja schließlich aufpassen, wie du dich so gibst in der Öffentlichkeit, fällt ja alles gleich auf mich zurück.“
Taddl lachte ein „Als ob“ und zog ihn dann am Hintern an sichheran.
„Ganz ohne Scheiß… das war heute wirklich richtig gut, da auf dem roten Teppich“, raunte Taddl ihm jetzt tief ins Ohr und verursachte damit bei Ardy eine leichte Gänsehaut.
„Ich fand‘s auch gut“, war Ardys ehrliche Antwort, während eine seiner Hände sich unter Taddls Shirt schlich, um wenigstens kurz seinen Rücken streicheln zu können.
„Also war‘s nicht so schlimm?“, fragte Taddl wieder besorgt nach und streichelte Ardys Gesicht.

Ardy schüttelte nur den Kopf und zog Taddl am Nacken an sich für einen Kuss. Natürlich reichte ihm einer nicht aus und so war es schneller passiert, als er gucken konnte, dass Taddls Hand schon wieder in seinem Haar gelandet war und es zerzauste, als sie Stimmen vor der Tür hörten und daran erinnert wurden, dass sie ja eigentlich nur ganz kurz hier unten sein wollten, damit Taddl sich umziehen konnte.
„Fuck“, seufzte Taddl gegen Ardys Lippen und stahl sich dann noch einen Kuss.
Als sie sich voneinander getrennt hatten und Ardy schon eine Hand an der Türklinke hatte, um diese zu öffnen und nach draußen zu treten, spürte er Taddls Körper, der sich von hinten an ihn presste und seine Hände auf seiner Hüfte.

Taddls geflüsterte Worte waren rau und trafen genau ihr Ziel.
„Ich bin wirklich stolz auf dich.“
Mit einem breiten Grinsen zu Taddl öffnete Ardy dann endlich die Tür und sie traten nach draußen auf den Flur.
Der ganze Gang war wie ausgestorben, nur an einem Ende erkannte Ardy schon von Weitem die beiden Männer, die dort standen und miteinander redeten. Zwar hatten sie ihnen den Rücken zugewandt, aber dennoch waren sie unverkennbar: Joko und Klaas.

Unwillkürlich schoss Ardy das Blut in die Wangen, da er sich durchaus bewusst war, wann er die beiden das letzte Mal persönlich gesehen hatte. Nachdem sie – ohne es zu wissen – quasi nebeneinander im Gebüsch gevögelt hatten. Super. Gar nicht peinlich.
Von Taddl neben sich hörte er ein belustigtes Schnauben, bevor er Ardy wieder an dieHand nahm und ihn mit zu den beiden Moderatoren zog.Das hielt Ardy allerdings für eine absolut beschissene Idee.
Und trotzdemwaresso klar, dass das kommen musste. Ardy hatte es schon befürchtet, als Taddl ihm erzählt hatte, wer hier auf die Schnelle eingesprungen war. Und er kannte seinen Freund einfach zu gut.Aber immerhin blieb er in relativ geringem Abstand zu den beiden stehen, bevor er fragte:
„Hey Sailor Moonund Pikachu, heute inkognito hier?“
Der Spruch an sich war schon blöd genug, da mussten das nicht auch noch alle möglichen Leute mitkriegen.
Kaum hatte Taddl die Worte ausgesprochen, drehten Joko und Klaas sich zu ihnen um. Joko saherst noch sehr überrascht aus, bevor er dann leicht nervös lachte. In Klaas‘Augenkonnte Ardy jedoch überhaupt keine Spur von Erkennen entdecken. Wusste Klaas gerade wirklich nicht mehr, wer sie waren? Zumindest fiel seine Antwort relativ neutral aus.
„Äh, ja, heute mal in zivil unterwegs. In unsere Kostüme werfen wiruns nur, um die Welt zu retten.“
Neben ihm veränderte Taddl seine Körperhaltung, so dass Ardy seinen Blick ihm zu wandte. Auf Taddls Gesicht legte sich ein freches Grinsen und er fragte:
"Dann haben wir heute wohl kein Date, bei dem wir nebeneinander im Gebüsch vögeln?"
Und Ardy hätte ihm am liebsten in die Seite geboxt. Musste er das ansprechen? Hatten sie gerade nicht schon genug Stress? Doch Taddl schien dabei natürlich wieder überhaupt kein Problem zu sehen, denn er zwinkerte Klaas nun auch noch zu. Sehr gut, Taddl. Der Preis der Zurückhaltung ging heute auf jeden Fall wieder an Ardys Freund.
„Nee… heute lieber nicht“, lachte Jokonervös und Klaas sagte noch immer nichts.
„Heute sind wirja auch inkognito“, warf Klaasdann doch nochein.Auch er lachte nervös undspielte mit seinen Fingern.
„Und ihr? Heute auf der Bühne unterwegs?“
„Er schon. Ich bestimmt nicht“, ergriff jetzt auch Ardy erleichtert grinsend das Wort und war froh, dass die beiden ihnen Taddls Spruch offensichtlich nicht allzu übel nahmen.
„Ihr dürft mich ansagen“, grinste Taddl immer noch und schien durchaus seinen Spaß zu haben.
„Wird uns ein Vergnügen sein. Aber ich schätze, wir erwähnen besser nicht, woher wir uns kennen.“
Klaas grinste jetzt auch und wirkte wesentlich lockerer, als gerade eben, als Taddl ihm klar gemacht hatte, woher sie sich kannten. Aber dennoch konnte Ardy die stumme Bitte heraus hören, die bei Klaas‘Worten mitschwang. Dasser und vor allem Taddl ihren Mund hielten. Dass sie ihr kleines Treffen für sich behielten. Und dass sie vor allem niemandem von Jokos und Klaas‘ Beziehung erzählten. War für Ardy absolut selbstverständlich und er kannte Taddl gut genug um zu wissen, dass es dem genauso ging. Und gerne hätte er Klaas das jetzt auch durch die Blume wissen lassen, doch er kam nicht dazu.
Dennhinter ihnenhörte erschnelle stapfende Schritte und ein lautes und so gar nicht lockeres „Thaddeus!“.
Augenblicklich zuckte er zusammen. Er wusste, zu dem diese Stimme gehörte. Oliver, Taddls Manager.

Auch Taddl schien die Stimme sofort erkannt zu haben, dennArdy konntesehen, wie sichdessenkompletter Körper sofort wieder anspannte, bevor er Ardys Hand los ließ und sich ruckartig umdrehte.
UndArdy tat es ihm gleich.
Oliver sah alles andere als erfreut aus. Ganz im Gegenteil. Sein Gesicht war leicht rot angelaufen und Ardy konnte erkennen, dass er sich wirklich Mühe geben musste, sachlich zu sprechen, als er bei ihnen angekommen war.

„Du hast dich jetzt gerade wirklich mitihmauf dem roten Teppich präsentiert? Musste das sein? Wie oft habe ich dir erklärt, was das jetzt für dein Image bedeutet?“
Bei dem kurzen 'ihm' wurde Ardy ein wenig anders. Oliver hatte es nicht abwertend oder ähnliches ausgesprochen. Aber dennoch so, dass klar war, dass Ardy da nicht hingehörte. Nicht auf den roten Teppich und schon gar nicht an Taddls Seite.
Doch genau den hatte Oliver jetzt definitiv auf dem falschen Fuß erwischt. Ardy wusste, dass Taddltrotz des fröhlichen Plausches gerade eben immernochtotal nervös und aufgekratzt war. Deswegen fuhr er seinen Manager sofort an:
„Und wie oft hab ich dir erklärt, dass mir das egal ist? Es istmeinscheiß Image, nicht deines. Und nur zu deiner Info, ja? Dieser Typ hier...“
Er ruckte mit dem Kopf in Ardys Richtung und er war sich nicht sicher, ob er das gut oder schlechtfinden sollte.
„...ist mein Freund, klar?“
Um seine Worte zu unterstreichen griff Taddl wieder nach Ardys Hand und verschränkte ihre Finger miteinander. Ganz wohl war Ardy wirklich nicht dabei. Schließlich legte sich Taddl hier gerade seinetwegen mit seinem Manager an. Mitten in den Katakomben des Webvideopreises, wo er wenig später noch auftreten sollte.
Und dann auch noch vor Joko und Klaas, die mit Sicherheit immer noch hinter ihnen standen.
Oliver schnaufte kurz tief durch und rieb sich mit zwei Fingern die Augen, ehe er antwortete:
„Thaddeus, darum geht es doch gar nicht. Aber du hast dich gerade öffentlich als schwul geoutet. Hast du eine Ahnung, was das bedeutet? Bei mir gehen jetzt schon die ersten Mails und Interviewfragen ein. Das war einfach eine schei… entschuldige bitte - ein sehr unkluger Schachzug. Du bist Rapper, nicht schwul. Ich als dein Manager hätte dieses Image gerne beibehalten.“
Wieder versteifte Taddl sich deutlich und zog Ardy scheinbar instinktiv noch ein wenig näher.
„Und ich als Rapper würde genau das gerne selbst bestimmen. - Weißt du Oliver, ich versteh das Problem nicht. Als ich dir das erste Mal vorgeschlagen habe, mich zu outen – zusammen mit Ardy! - da hattest du noch gar nichts dagegen. Da fandest du's super, hast dir doch schon irgendwelche Publicitiy-Strategien ausgedacht. Aber jetzt, wo's wirklich so weit ist, ist es der Untergang der Welt? Also sei Mal ganz ehrlich… geht’s wirklich noch darum, dass wir zusammen auf dem roten Teppich warenoder ist es einfach nur, weilich meinen Vertrag mit dir nicht verlängert habe?“
Aha…
Ardy musste schlucken und sah Taddl kurz verblüfft von der Seite an.
Er hatte also schonmal darüber nachgedacht, sich zu outen? Mit ihm zusammen? Und hatte das auch noch mit seinem Manager besprochen?
Das war wirklich höchst interessant, denn Ardy wusste davon überhaupt nichts.
Um ehrlich zu sein, hätte er nie gedacht, dass Taddl sich überhaupt outen wollen würde – und wenn schon, dann bestimmt ohne ihn.
Aber nein, scheinbar war er da schon immer eingeplant gewesen.
Und irgendwie machte ihn das ganz schön glücklich. Aber da das Gespräch hier gerade eigentlich verdammt ernst war, versuchte er sein Grinsen zu verstecken, streichelte nur kurz mit seinem Daumen über Taddls Handrücken und wandte sich dann wieder Oliver zu.
Dem schien es tatsächlich kurz die Sprache verschlagen zu haben und Ardy hatte das Gefühl, dass Taddl Recht gehabt hatte. Es ging nicht darum, dass sie sich geoutet hatten. Er war einzig und allein deswegen angefressen, dass er Taddl bald als geldbringenden Klienten verlor.
Wieder rieb Oliver sich die Augen. Dieses Mal kam es Ardy jedoch vor, als wolle er nur Zeit schinden.
Bestätigt wurde seine Vermutung, als Oliver jetzt einen kurzen Blick hinter sie beide warf – vermutlich zu Joko und Klaas – und dann betont ruhig an Taddl gewandt sagte:
„Hör zu, lass uns das wann anders besprechen, ja? Ich muss jetzt wieder hoch, mein Handy läuft heiß. Und du hast bald deinen Auftritt.“
Dann stockte er noch kurz, bevor er ein „Viel Erfolg“ hervor presste und sich mit einem letzten Blick auf ihre ineinander verschlungenen Hände umwandte und mit schnellen Schritten auf den Ausgang zu steuerte.

Einen Moment sahen sie Oliver noch nach, bis der verschwunden war. Dann hörte Ardy Taddls tiefes Brummen neben sich:
„Dieser Pisser!“
„Komm schon, der macht auch nur seinen Job“, versuchte Ardy ihn zu besänftigen.
„Nen verdammten scheiß Job macht der!“, schimpfte Taddl weiter.
Ardy seufzte kurz innerlich auf; hätte er sich ja denken können, dass Taddl das Thema jetzt erst Mal nicht mehr los lies. Aber eigentlich konnte er sich wirklich verdammt geehrt fühlen. Denn den größten Aufstand machte Taddl gerade tatsächlich, weil Oliver es nicht gefiel, dass er sich mit ihm gezeigt hatte. Taddl musste echt ganz schön verknallt sein, wenn er sogar seine ganze weitereKarriere für ihn aufs Spiel setzte.

Er versuchte, nicht zu verliebt zu grinsen, als er sich wieder zu Taddl umwandte und ihn zu sich drehte.
„Taddl bitte. Fahr dein Testosteron Mal wieder runter, ja? Ich hab keine Lust auf Stress den ganzen Abend“, bat er leise.
Und Taddl wollte gerade wieder ansetzen, sich vermutlich wieder aufregen, als Ardy kurzerhand beschloss, dass es ihn gerade nicht im Geringsten interessierte, dass sie hier immer noch nicht allein waren. Jetzt ging es um Taddl.

Also ließ er seinen Freund erst gar nicht zu Worten kommen, sondern griff ihm sofort in den Nacken und zog ihn an sich für einen Kuss. Weil er wusste, dass das immer funktionierte. Hatte es schon immer, würde es immer.
Als sie sich wieder getrennt hatten, murmelte Taddl zumindest ein kurzes „Sorry“ und biss sich auf die Lippe. Doch bevor Ardy noch etwas darauf erwidern konnte, wurden sie vonJoko unterbrochen, der sagte:
„Äh, ja, ich schätze, wir müssen dann. -Viel Glück beim Auftritt später. Das mit der Anmoderation kriegen wir hin.“
Dann schob er Klaas an ihnen vorbei und die beiden waren verschwundenundTaddl under standen alleine in diesem Gang.

„Hast du dich jetzt wieder so weit im Griff, so dass wir nach oben gehen können, ja? Ich würde gerne auf unseren Platz, bevor die Show anfängt“, fragte Ardy.
„Sorry“, murmelte Taddl noch einmal und gab Ardy einen Kuss auf die Schläfe.
„Und tut mir auch leid, dass du das mit Oliver so mitkriegen musstest. Der Typ geht mir gerade echt auf die Eier.“
Ardy setzte sich in Bewegung, wartete dass Taddl ihm folgte und schlenderte dann mit ihm gemeinsam Richtung Ausgang.

„Ach, ich fand‘s ja schon ganz sexy, wie du mich da verteidigt hast“, gab Ardy grinsend zu und steckte seine Hände in die Hosentaschen. Gut, dass er eine Jeans und keine von diesen dämlichen Anzughosen trug.
„Ja natürlich! Hallo? Er wollte nicht, dass ich mich mit dir zeige – ganz plötzlich! Weißte, erst noch'Oh ja, das wird super. Das ziehen wir ganz groß auf. Du wirst der erste schwule Rapper in Deutschland bla bla' und jetzt zieht er den Schwanz ein und redet noch so abfällig über dich!“
Wieder regte Taddl sich auf und Ardy stieß ihn nur grinsend mit der Schulter an, als sie an den beiden Securitys vorbei gingen und sich auf den Weg in die Veranstaltungshalle machten.
„Da müssen wir eh nochmal drüber reden… du wolltest dich schon mal mit mir zusammen outen? Das ist ja wirklich höchst interessant!“
Ardy grinste süffisant und sah, wie Taddl leicht rosa anlief.
„Jaja, da reden wir später drüber. - Da müssen wir lang.“
Schnell wechselte Taddl das Thema und schob Ardy in die richtige Richtung, damit sie ihre Plätze finden würden. Ardy sollte es recht sein. Er war auch so glücklich.

~*~

Zwei Stunden später bereuteArdy es fast, mit Taddl hierhergekommen zu sein. Natürlich nur fast. Sonst wären sie jetzt nicht geoutet und wären jetzt nicht im Taxi knutschend auf dem Weg zur After Show Party. Ja, zugegeben, gerade konnte er seine Finger wirklich nicht von Taddl lassen. Und der auch nicht von ihm. Zu sehr hatte ihm gefallen, wie Taddl an seiner Seite gestanden, seine Hand gehalten und ihn verteidigt hatte.
Außerdemhatteer schon immer Mal in einem Taxi rummachenwollen. Hatte definitiv auch seinenReiz, musste er zugeben.
Die Preisverleihung war eigentlich auch okay gewesen. Nicht das Spannendste vom Spannenden, weil er viele Leute und Preisträger einfach nicht mehr kannte. Zu lange beschäftigte er sich nicht mehr mit der Materie. Aber Felix neben ihm hatte sich immer wieder zu ihm herüber gelehnt und ihm kleine Anekdoten zu den einzelnen Nominierten erzählt.
Nur vor Taddls Auftritt hatte Ardy kurz die Luft angehalten, hatte Klaas' angespannten Blick bemerkt und war dann einfach nur dankbar gewesen, als Joko ihn mit den schlichten und professionellen Worten:
„Mit Youtube hat alles angefangen. Damals hat er noch mit dem Computer gespielt. Heute spielt er lieber mit Worten und ist mindestens genauso erfolgreich damit. - Hier ist Taddl!“
anmoderiert hatte. Gott sei Dank. Wenn es jetzt auch noch Probleme bei der Anmoderation gegeben hätte, wäre Oliver Taddl erst Recht aufs Dach gestiegen. Aber so war alles gut gegangen.
Auch Taddls Auftritt war souverän und gut wie immer gewesen. UndArdywar danach wirklich erleichtert gewesen.

Noch erleichterter war er allerdings erst geworden, als Taddl dann einige Zeit später – jetzt wieder in seinemAbend-Outfit– neben ihm gesessen und sich einen Kuss zur Belohnung abgeholt hatte.
Er hatte sich zwischen all diesen Leuten zwar nicht ganz so unwohlgefühltwie befürchtet, aber mit Taddls Hand auf seinem Oberschenkel und seinen abfälligen Kommentaren über irgendwelche Beauty-Youtuberinnen im Ohr, war alles noch viel leichter gewesen.

Als sie jetzt bei der Party-Location angekommen waren, staunte Ardy wirklich nicht schlecht, als er um das Auto herum lief. Die After-Show-Party fand im Düsseldorfer Fernsehturm statt und da es mittlerweile dunkel geworden war, konnten sie die bunten Lichter erkennen, mit denen der Turm in Szene gesetzt war. Das sah wirklich mehr alstollaus und er war ganz froh, dass sie immer noch ihre schicken Outfits trugen. So würde er sich nicht fehl am Platz fühlen.

~*~

Die Party war toll undedelund zumindest Ardy war mächtig beeindruckt. Aber er trieb sich nun auch nicht täglich auf solchen Veranstaltungen herum und allein schon der Ausblick über das nächtliche Düsseldorf verschlug ihm die Sprache.

Zuerst schlenderte er mit Taddl ein wenig herum und sie inspizierten die komplette Location. Überall war Musik zu hören, besonders natürlich auf der Tanzfläche. In den einzeln verteilten Bars kam sie ihm etwas leiser vor, so dass man sich hier besser unterhalten konnte. Auch ein paar Kleinigkeiten zuessen gab es.
Davon schnappten sie sich etwas und liefen dann damit weiter herum. Besonders schnell voran kamen sie jedoch nicht, da Taddl immer wieder angesprochen wurde.
Sie alle begrüßten Ardy nett und höflich, wenn sie ihn noch nicht kannten und soweit Ardy mitbekam, sprach Taddl niemand auf das Outing an. Das verbot einem bestimmt die Political Correctnessoder die Etikette oder worauf auch immer die Leute hier so Wert legten.

Auch Ardy wurde angesprochen, jedoch eher selten. Mit bösen Blicken taxiert wurde er jedoch schon. Von dieser einen Tusse, die damals immer versucht hatte, Taddl anzumachen.Von alten Youtube-Kollegen, ApeCrime zum Beispiel. Die es tatsächlich persönlich nahmen, dass er damals mit Youtube aufgehört hatte. Vielleicht ging es ihnen aber auch gegen den Strich, dass er schwul war, dass Taddl schwul war, oder dass sie beide zusammen waren. Schade. Er hatte sie damals offener eingeschätzt. Aber wenn sie nichts Besseres zu tun hatten, bitte. Darauf konnte er verzichten.

Als sich die Gelegenheit bot und Taddl sein Gespräch beendet hatte, nahm er ihn am Arm und zogihn weg von dem Dreiergespann, von dem er jetzt nun wirklich nicht beobachtet werden wollte. Er drängte ihn vor sich her, bis sie eine freie Stelle am Geländer erreichten, von wo aus man durch die Glasfront über ganz Düsseldorf sehen konnte.

Erleichtert lehnten sie sich mit dem Rücken dagegen und ließen ihre Blicke über die Partygesellschaft gleiten. Kurz schwiegen sie, hingen ihren eigenen Gedanken nach und verputzten ihre letzten Snacks.

Dann wurde die Stille zwischen ihnen jedoch von Taddl unterbrochen. Ardy hatte seinen abwertendenBlick schon bemerkt, mit dem er einige Leute hier bedacht hatte, hatte jedoch nichts dazu gesagt. Er hatte schon gewusst, dass Taddl selbst mit der Sprache herausrücken würde.

„Bei manchen Leuten, wenn ich die sehe, ne… denen würd ich gerne ins Gesicht spucken.“
Ardy verkniff sich ein Grinsen, weil er wieder einmal Recht gehabt hatte und murrte nur spöttisch zurück:
„Gut, dass du heute so gar nicht aggressiv und voll auf Kuschelkurs bist.“
„Sorry“, murmelte Taddl schon wieder, dieses Mal jedoch mit dem Gesicht an Ardys Halsbeuge versteckt. Und das machte es tatsächlich viel besser.
„Mit dir bin ich aber auf Kuschelkurs“, raunte er ihm ins Ohr und ließ hinter seinem Rücken eine Hand zu seinem Hintern gleiten.
Ardy lachte leise und lehnte sich an seinen Freund.
„Ja, das merk ich.“
„Mich pissen hier nur manche Leute an, die sich auf Youtube alle selbst verkaufen. Die geben sich und ihre Meinung her für ein paar beschissene Product Placements und die ganze Knete, die dafür rein kommt. Die verkaufen doch alle ihre Seele und denken, sie wären ja so 'echt'.“
Taddl regte sich schon wieder auf und Ardy lehnte sich bewusst noch ein wenig mehr gegen ihn, suchte seinen Blick, bevor er zu ihm sagte:
„Ich bin echt froh, dass du da mittlerweile auch raus bist.“
„Und ich erst.“
Taddl lächelte ihn an, küsste wieder seine Schläfe und streichelte von allen ungesehen seinen Hintern. So konnte er gerne bleiben. Solange er so liebesbedürftig bei Ardy war, durfte er so weiter machen.
„Und sorry nochmal, dass ich heute so n stressiger Typ bin. Ist nur alles bisschen viel mit dem Outing und Oliver undso.“
DochArdy lächelte ihn nur an, küsste kurz seine stoppelige Wange. Er verstand es ja, er verstand es wirklich.
Taddl ging der Arsch gerade einfach nur hart auf Grundeis, auch wenn er es nicht zugab. So ein Outing war nichts, was man einfach so aus dem Ärmel schüttelte – egal, wie lange man schon darüber nachdachte. Es wirklich durchzuziehen, war nochmal etwas ganz anderes.
Wenn Ardy nur darüber nachdachte, wie unsicher Taddl damals am Anfang ihrer Beziehung gewesen war, wie er sich fast schon geschämt und sich geziert hatte, irgendwem davon zu erzählen. Was für einen Terz sie beide daraus gemacht hatten, überhaupt ihren Freunden zugestehen, was Sache war.
Und jetzt stand er tatsächlich hier neben ihm, hatte sich geoutet und war trotz des ersten Sturms, der jetzt schon aufzog, an seiner Seite und machte keine Anstalten ihn hier alleine stehen zu lassen.

~*~

Die Party fing relativ ruhig an und es dauerte auch seine Zeit, bis überhaupt alle Gäste angekommen waren. Dennoch hatten sie nicht mehr wirklich lange ihre Ruhe. Zu viele Leute kannten sie.
Auch Ardy wurde jetzt mittlerweile von so einigen alten Bekannten angesprochen. War aber erstaunlich okay und mehr als ein wenig Smalltalk und „Schön, dich mal wieder zu sehen – wirmüssen unbedingt mal wieder was starten“, lief da sowieso nicht. Leere Floskeln, die Ardy an sich abprallen ließ. Das hatte er schon vor langer Zeit gelernt.
Zeit vertreiben konnte man sich damit jedoch trotzdem.

Als Taddl jedoch nun schon längere Zeit in ein Gespräch mit irgendwelchen Leuten vertieft war, die scheinbar auch Musik machten, da stahl Ardy sich lieber davon. Das war wirklich nichts, das ihn interessierte.
Viel lieberwollte er ihnen jetzt etwas zu trinken besorgen, damit der Abend richtig losgehen konnte. Also schlenderte er etwas ziellos umher, wich einigen neugierigen und noch mehr abweisenden Blicken aus und machte sich auf zu einer der kleineren und ruhigeren Bars.
Hier war es weniger voll und viel leiser als im Hauptraum. Schon viel besser.
Als er nach den ersten drei Schritten noch keine bekannten Gesichter entdeckt hatte, atmete er kurz erleichtert aus und machte sich dann auf den Weg zur Theke.
Dort sah er jedoch schon ein bekanntes Gesicht.
Joko lehnte am Tresen, nippte an einem Bier und als Ardy seiner Blickrichtung folgte erkannte er, dass er wohl Klaas beobachtete, der sich ein Stück entfernt mit einigen anderen Leuten unterhielt.
Ob er wohl wusste, wie verliebt er ihn manchmal ansah, wenn er dachte, keiner würde ihn sehen?
Eine Frage, die er sich lieber nur in seinen Gedanken stellte.
Kurzerhand beschloss er jedoch, sich den soeben frei gewordenen Platz neben Joko zu sichern. Irgendwie hatte er gerade das Bedürfnis, ein paar Worte mit dem Moderator zu wechseln. Vorhin in den Katakomben hatte er sich von ihm wirklich schon verstanden gefühlt. Und jetzt würde er ihm gerne für die neutrale Anmoderation danken. Auch, wenn ihm das Herz kurz in die Hose gerutscht war, nachdem Joko die Worte „Heute spielt er lieber mit...“ ausgesprochen hatte. Hatte er doch tatsächlich befürchtet, er würde jetzt eine abfällige Bemerkung überihn selbstmachen.
Aber Joko war ebenprofessionellund dafür wollte er ihm einfach nur kurz Danke sagen.

Als er nur noch wenige Meter von Joko entfernt war, stutze er jedoch und blieb kurz stehen. Hatte der sich gerade wirklich den Hals seiner Bierflasche in den Mund geschoben und Klaas vielsagend angesehen? Musste er wohl, denn er tat es schon wieder, dieses Mal noch ein wenig aufreizender, ein wenig eindeutiger und Ardy konnte sehen, wie er dann kurz schelmisch auflachte, nachdem er die Falsche wieder aus seinem Mund genommen hatte.
Na wenn Klaas das nicht gefiel… zumindest wusste er, was Taddl mit ihm anstellen würde, hätte er sich hier mit dem Flaschenhals vergnügt.
Ein breites Grinsen schlich sich auf sein Gesicht. Mit diesem lehnte er sich dann auch neben Joko an den Tresen und sprach ihn einfach an.
„Na, ihr habt heute Nacht aber noch was Schönes vor.“
Er hoffte, dass seine Worte bei Joko ankamen, wie sie gemeint waren.
Joko verschluckte sich an seinem Bier und fast schon tatArdy seinSpruchleid. Er hatte ihn ja wirklich nicht so erschrecken wollen. Aber er hatte wohl leider nicht bedacht, dass die Beziehung der beiden Moderatoren nicht öffentlich war. Da bekam man natürlich einen riesigen Schrecken, wenn man darauf angesprochen wurde, daswusste Ardy selbst ja noch zu gut.
„Äh... ja“, brachte Joko dann hervor, bevor er Ardy angrinste.
Okay, gut. Joko war nicht auf Krawall gebürstet und Ardy musste nicht extra das Peace-Zeichen auspacken um anzudeuten, dass er in Frieden kam.
„Wenn wir hier erst mal weg kommen“, schob Joko dann noch hinterher und sein Blick glitt schon wieder zu Klaas. Das beantwortete dann wohl auch Ardys Frage und Joko wusste scheinbar nicht, wie er sich so verhielt, wenn er sich unbeobachtet vorkam. Oder aber erwar sicheinfachsicher, dass er in Ardys Gegenwart nichts zu befürchten hatte.
Da Ardy nicht so recht wusste, was er darauf erwidern sollte und auch keine große Lust hatte, noch mehr sexuelle Anspielungen auszupacken, gab er dem Kellner hinter der Bar mit einem Deut auf Jokos Bierflasche den Hinweis, was er gerne trinken würde und lehnte sich dann wie Joko mit dem Rücken gegen den Tresen und sprach einfach das aus, weswegen er gekommen war:
„Danke übrigens. Wegen der Anmoderation meine ich. Das hätte nicht jedersoprofessionell hingekriegt, nachdem wir uns ja unter…ähm… etwas anderen Umständen kennengelernt haben.“
Wieder grinste Ardy und wollte sich lieber nicht vorstellen, mit welchen Wortensie seinen Freund stattdessen auf die Bühne hätten holen können.
„Kein Ding.“ Joko grinste Ardy über seine Flasche hinweg an. „Mit ner Andeutung, woher wir vier uns kennen, hätten wir uns ja selbst ins Knie geschossen.“
Ardy lachte, weil Joko verdammt Recht hatte, und der stimmte mit ein. Nachdem Ardy vom Kellner ein Bier entgegen nehmen konnte, stießen sie beide noch an und Joko fuhr fort:
„Aber du kannst Taddl noch mal grüßen und ihm sagen, dass sein Auftritt super war. -Und ich schätze, ihr könnt ein bisschen Glück gebrauchen in nächster Zeit. Also: Viel Glück.“
Und Ardy grinste nur. Konnte nur grinsen. Weil er Joko dankbar war und weil er aus diesen wenigen Worten schon heraus gehört hatte, dass sein Gefühl ihn nicht getäuscht hatte. Weil Joko sie beide und ihre Situation wirklich verstand.
Erleichterttrank ernocheinen Schluck Bier und bemerkte, wie Jokos Blick auch in dieser kurzen Zeit schon wieder zu Klaas glitt. Da mochte sich aber jemand sehr.
Schmunzelnd wandte er sich wieder an Joko:
„Du hast ihn wohl echt gern...“
Es war eine Feststellung, keine Frage. Denn das musste er nicht fragen, das konnte jeder hier sehen.
Noch bevor Joko etwas antworten konnte, sah Ardy, dass Klaas auf sie beide zu kam.
Ardy konnte deutlich sehen, dass er etwas sagen wollte, kam ihm jedoch zuvor:
"Ah, der zweite im Bunde. Dir sieht man's nicht weniger an, wie sehr ihr aufeinander steht", schmunzelte Ardy und wappnete sich innerlich gegen Klaas' Angriff.
Doch der kam nicht. Noch nicht. Denn noch war Klaas viel zu sehr damit beschäftigt, erst Ardy, dann Joko anzustarren, als könnte er es nicht fassen, dass Ardy das gerade wirklich gesagt hatte.
Dann lachte Klaas auf. Ganz falsch und humorlos und stammelte dann:
„Äh, also das… ich, wir…“
Und Joko sprang ein, vervollständigte den Satz mit einem
"Vögeln nur", das in Ardys Ohren irgendwie bitter klang.
Ardy konnte nicht anders, er konnte wirklich nicht anders. Er musste einfach die Worte aussprechen, die ihm als erstes in den Sinn gekommen waren:
„Also, nichts für ungut, ne? Aber für 'nur vögeln' schmachtet ihr doch n bisschen viel.“
Dann musste er ein Lachen unterdrücken; doch als er sehen konnte, dass sich auch ein wenig Furcht auf die Gesichter seiner Gegenüber schlich, schob er schnell noch hinterher:
„Sieht man aber nur, wenn man's weiß, kein Stress. Nicht jeder hat so viel von euch mitgekriegt wie wir.“
Schließlich kannte er die Angst entdeckt zu werden nur zu gut – und war umso erleichterter, dass das alles endlich ein Ende hatte.
Abwartend nahm er einen Schluck Bier und war immer noch gegen böse Worte aus Klaas' Mund gewappnet, sollten sie denn kommen.
Kurz schien Klaas zu überlegen, bevor er sich räusperte und erwiderte:
„Äh, ja... nun... gut zu wissen.“
Dabei klang er so unsicher, dass es Ardy schon wieder leid tat, die Worte überhaupt gesagt zu haben. Vermutlich hätte er sich damals, als ihre Beziehung noch geheim gewesen war, auch nicht sonderlich über solche Worte gefreut.
„Und euch auch noch viel Glück beim Outing und so. Ist vermutlich nicht grade leicht“, drangen jetzt plötzlich Klaas weitere Worte an sein Ohr und er wurde wieder überrascht.
Dass Klaas das Thema unangenehm war konnte er ja verstehen. Aber dass er dann ausgerechnet ihr Outing ansprach hätte er nun wirklich nicht gedacht. Rechnete er ihm irgendwie hoch an.
„Leicht isses nicht, aber irgendwann auch nötig. Man kann sich nicht ewig verstecken“, sprach er einfach seine Gedanken aus. Dann besann er sich jedoch eines Besseren, wurde sich wieder bewusst, dass das hier eigentlich für ihn fremde Menschen waren. Nur weil sie einmal im Gebüsch nebeneinander gevögelt hatten, machte sie das noch nicht gleich zu Blutsbrüdern.
Also beschloss er, sich zurück zu ziehen.
„Naja, ich wollte mich eigentlich auch nur für die professionelle Anmoderation bedanken. Und… keine Angst, von uns erfährt niemand was. - Auch nicht von Taddl. Er weiß,wie das ist.“
Dann hob er ein letztes Mal seine Bierflasche zum Gruß, wandte sich ab und ging.

~*~

Erst jetzt, nachdem von einem Außenstehenden das Thema 'Outing' so deutlich angesprochen worden war, wurden ihm auch all die Blicke so richtig bewusst… wie viele Leute ihn eigentlich gerade anstarrten.
Die Frage, ob ihr kleiner Auftritt vom roten Teppich wohl schon die Runde gemacht hatte, sparte er sich also lieber. War nur zu offensichtlich. Die teils hasserfüllten oder abwertenden Blicke war er eigentlich schon gewohnt. Passierte leider immer noch viel zu oft, wenn man sich irgendwo öffentlich als schwul zeigte. Sie jedoch so geballt alle auf einmal zu sehen, bereitete ihm wirklich kein gutes Gefühl.
Schnell drückte er sich also durch die Menschenmenge und war einfach nur froh, dass ihn niemand darauf ansprach. Als er Taddl schon von weitem erkennen konnte, fiel ihm jedoch auf, dass er nur seine fast leere Bierflasche in der Hand hielt. Also leerte er sie in einem Zug und besorgte ihnen an einer anderen Bar noch schnell einen Cocktail, bevor er damit dann wieder zu Taddl ging.

„Da bist du!“
Taddl klang richtig erleichtert, als er gleich einen Arm ausstreckte, um ihn an seine Seite zu ziehen, kaum war er wieder neben ihm angekommen.
Ardy drückte ihm seinen Cocktail in die Hand und bemerkte, dass Taddl seine Gesprächspartner gerade etwas nonchalant abserviert hatte, kaum dass Ardy zur Gruppe dazu gestoßen war.
„Hab uns was zu Trinken besorgt“, erklärte Ardy mit einem Grinsen und hob zur Erklärung nochmal sein eigenes Glas.
„So lange?“, fragte Taddl zweifelnd nach und zog ihn – ob nun absichtlich oder mehr aus Reflex – noch ein Stück näher zu sich.
Aber das passte ihm ganz gut. Denn um ehrlich zu sein, konnte er noch immer viele Augenpaare in seinem Nacken spüren und langsam fing es an ihn zu nerven. Da war er ganz froh, dass Taddl ihn so festhielt und noch immer keine Anstalten machte, sich irgendwie anders zu verhalten, nur weil sie jetzt öffentlich ein Paar waren und viele einen Blick auf sie hatten. Gott sei Dank.
„Hab mich n bisschen unterhalten“, antwortete er nur mit einem Grinsen und prostete Taddl kurz zu, ehe er einen Schluck von seinem Cocktail nahm.
„So? Kaum geoutet und schon gehst du mir fremd?“, scherzte Taddl und probierte jetzt ebenfalls seinen Cocktail – natürlich fructosefrei. Ardy war ja nicht dumm und wollte heute Nacht noch seinen Spaß haben. Hoffentlich.
„Jo, hab n bisschen mit Joko und Klaas gequatscht.“
Sofort veränderte sich Taddls Körperspracheetwasunderdrückte ihn jetzt ein Stück von sich weg, damit er ihm direkt in die Augen sehen konnte:
„Und, wussten sie irgendwas Interessantes?“, fragte Taddlneugierig.
„Nö. AberKlaas wünscht uns alles Gute fürs Outing.“
Taddl grinste, trank nochmal einen Schluck und zog Ardy dann noch ein wenig näher an seine Seite.
Ardy spürte genau, wie Taddls Anspannung langsam nachließ und das sagte ihm, dass Taddl hier, in Mitten all dieser Blicke, auch nicht einfach so locker gestanden hatte. Sondern dass er ohne ihn genauso nervös gewesen war wie Ardy. Irgendwie ein schönes Gefühl.
„Ich hoffe, davon werden wir nicht allzu viel brauchen“, sprach Taddl irgendwie bitter aus, ließ seinen Blick in die Ferne schweifen und Ardy merkte ganz genau, dass Taddl gerade nachdenklich wurde und sich Sorgen wegen den Folgen des Outings machte.
Das sollte er jetzt jedoch noch nicht tun. Wirklich nicht. Dazu war später noch genug Zeit. Morgenoder so. Wenn die Realität sie sowieso unweigerlich einholen würde. Lieber wollte Ardy jetzt noch seinen Spaß haben.
Alsforderte erTaddlauf:
„Trink!“
und als sie beide ihre Gläser geleert hatten, nahm er Taddl seines ab und stellte sie beidem auf einem kleinen Tischchen in der Nähe ab.
„Und jetzt?“, fragte Taddl, dem offensichtlich klar war, dass er etwas vor hatte.
„Jetzt mein Lieber… geben wir all diesen Gaffern hier“, er machte eine ausladende Geste und würde damit sicherlich keinen Falschen indirekt ansprechen, „wirklich was zu sehen. Komm!“
Dann nahm er ihn an der Hand und zog ihn mit auf die Tanzfläche. Da die Party mittlerweile schon ordentlich in Gange war, war die auch schon deutlich gefüllt. Umso besser.
Als er eine geeignete Stelle gefunden hatte blieb er stehen, zog Taddl am Hemd noch einmal an sich für einen nassen und intensiven Kuss, bevor er dann einen Schritt zurück machte, seinem Freund zu zwinkerte und anfing, sich im Takt der Musik zu bewegen.
Das konnte er;er wusste, dass er es konnte. Schließlich übte er es immer noch zwei Mal wöchentlich und das Breaken war nicht nur dazu gut, irgendwelche komplizierten Moves zu lernen.
Auch Taddl gefiel, was er sah. Das konnte Ardy deutlich erkennen, als er sich nach einiger Zeit mit kreisenden Hüften nach vorn beugte und Taddl dann über seine Schulter einen eindeutigen Blick zuwarf.
Der trat an ihn heran, ganz dicht, drängte seinen Schritt gegen Ardys Hintern und zog ihn an sich, seine Hände an Ardys Hüften.
Ardy lehnte sich nach hinten an seinen Freund, bewegten sich gemeinsam mit ihm im Takt der Musik und war sich der harten Beule, die sich da gegen seinen Hintern presste, nur allzu bewusst.
Taddl knabberte anArdysOhrläppchen, küsste sich einen Weg seinen Hals hinab, bis Ardy den Kopf so umwandte, dass er ihn richtig küssen konnte.
Und die ganze Zeit drängten sich Taddls Hüften immer noch im Takt gegen seine.
Als er es nicht mehr länger aushielt, drehte er sich zu Taddl um, presste ihre Hüften sofort wieder aneinander, dirigierte ihre kreisenden Bewegungen wieder so, dass sie im Einklang waren und ihre harten Erregungen ganz wunderbar vielversprechend aneinander rieben.
Taddls Augen sprachen eine deutliche Sprache, als er Ardy an seinem Hemd für einen Kuss an sich zog, in den er hinein seufzte, als Ardy kurz seine Hand zu Taddls Hintern gleiten ließ.
„Meinst du nicht, die haben jetzt genug gesehen? Der Rest von dir gehört immer noch mir allein“, raunte ihm Taddls tiefe, vor Erregung nur so triefende Stimme ins Ohr und er merkte, wie er noch ein wenig härter wurde. Er liebte es, wenn Taddl so besitzergreifend war.
„Wohin?“, war seine einzige Antwort, während er seine Hände immer noch an Taddls Hüften gelegt hatte. Er wusste, dass es jetzt nur noch eine Frage der passenden Lokalität war. Sie waren leicht angetrunken, hatten sich gerade gegenseitig ziemlich aufgegeilt und außerdem noch etwas zu feiern. So schnell wie möglich.
„Komm mit“, murmelte Taddl rau zurück und gab ihm noch einen nassen Kuss, bevor er sich dann enttäuschenderweise doch von ihm löste und ihn an der Hand hinter sich her zog.
Ooooh, und wie sie alle drein schauten. Sollten sie ruhig. Ja verdammt, er war schwul. Schwul und verliebt und es war ihm scheißegal, wer das alles wusste.
Taddl zog ihn mit auf die kleine Aussichtsplattform unterhalb der Partyarea. Hier war es wesentlich angenehmer, weil deutlich kühler. Aber immer noch zu voll. Sie brauchten kein Publikum, wirklich nicht. Das was sie sich jetzt voneinander geben wollten, gehörte nur ihnen.
Kurz blieb Taddl stehen, raunte ihm etwas ins Ohr und sie mussten beide lachen wie verliebte Teenager, blieben kurz stehen um sich noch einmal zu küssen. Dann führte sie ihr Weg einstimmig zum angrenzenden Treppenhaus. Eigentlich für Notfälle, aber diese ganzen Stufen würde kein Mensch freiwillig nehmen
Sobald sie sich ins Treppenhaus geschlichen hatten, schloss Taddl leise die Tür hinter ihnen, damit möglichst niemand mitbekam, dass sie gerade hier hin verschwunden waren.
Noch einmal küssten sie sich, bevor sie sich dann langsam und eng umschlungen einen Weg dieTreppen nach unten bahnten. Sie mussten ja nicht gleich vorm Eingang stehen bleiben, falls doch jemand auf die Idee kommen sein sollte, hier rein zu schauen.
Ihre Küsse wurden immer hitziger, Taddls Hand war schon in Ardys Haaren vergruben, hatte keinen Überrest seiner ehemaligen Frisur hinterlassen und Ardy hatte Taddl schon ungestüm das Hemd aus der Hose gezerrt, als er plötzlich stockte.
Hatte er da gerade etwas gehört? Nur ungern löste er sich von Taddl, der ihn mit vor Lust verschleierten Augen ansah und dann hörten sie wieder etwas. Gemeinsam glitten ihre Blicke die nächsten Stufen hinab. Dort unten, am nächsten Treppenabsatz, bot sich ihnen ein wirklich… ungewohntes Bild.
Schon wieder Joko und Klaas. Schon wieder. Dieses Mal jedoch in einer etwas anderen Situation als noch vorhin.
Klaas lehnte an der Wand und Joko kniete auf dem Boden vor ihm, hatte gerade schon den Mund geöffnet und Klaas Lippen verzogen sich schon erwartungsvoll zu einem Stöhnen. Dann bemerkten sie sie.
Klaas schien Joko nun etwas zu fest in die Haar gepackt zu haben, denn der beschwerte sich, ließ seinen Blick zu Klaas nach oben gleiten, der wiederum sie beide anstarrte, während er sich schnell seine Hose nach oben zerrte.
Gut, Klaas' Schwanz war nun wirklich nichts, was er hätte sehen müssen.
„Ihr seid ganz schönanhänglich“, grummelte Klaas ein wenig außer Atem.
Auch Taddl löste sich jetzt von ihm, oder nahm zumindest die Hand aus seinen Haaren. Blieb jedoch ganz dicht bei ihm stehen. Hätte er früher auch nicht gemacht.
„Wollte ich auch gerade sagen. Solltet ihr nicht n bisschen vorsichtiger sein, wenn ihrnoch n bisschen länger wie Teenies heimlich in der Ecke rummachen wollt?“
Prima, Taddl war auf Provokationskurs. Ardy ließ eine Hand auf seinen Rücken gleiten und strich dort hin und her.
„Vielleicht sollten wir uns beim nächsten Event einfach vorher absprechen, wer in welcher dunklen Ecke verschwindet.“
Klaas Worte hatten spöttisch geklungen, aber dennoch hatte er in ihnen einen leicht versöhnlichen Unterton erkennen können.
Ardy konnte beobachten, wie Klaas Joko vom Boden hoch half und ihm seine Brille wieder zurück gab.
Irgendwie berührte ihn diese kleine zärtliche Geste, mit der Klaas sie ihm vorhin abgenommen haben musste. Wie oft Taddl ihm schon die Brille von der Nase gezogen und sie aufs Nachtkästchen gelegt hatte, bevor er über ihn geklettert war…
Und genau dem gab er jetzt einen leichten Stoß in den Rücken; eine Aufforderung, Klaas' versöhnliche Worte nicht gleich abzuschmettern. Kurz spannte Taddl sich an, das schien ihm gar nicht zu passen. Aber dennoch hatte Ardy ihn wie immer in der Hand.
Taddl grinste jetzt sogar - das konnte Ardy deutlich erkennen - bevor er zu einer ernst gemeinten Antwort ansetzte:
„Keine schlechte Idee. Aber seid froh, wenn's nur wir sind, wir halten wenigstens den Mund.“
Na also, ging doch.
„Das wissen wir zu schätzen, dass ihr den Mund haltet.“
Diese Worte von Klaas zu hören kam wirklich unerwartet, aber angenehm ernsthaft und dankbar bei Ardy an.
„Und wenn doch was durchsickert, wissen wir ja, wer... gesungenhat“, scherzte Klaas weiter.
„Als ob“, lachte Taddl jetzt leise und Ardy war sich zwar nicht sicher, ob die anderen beiden ihre scherzhafte Formulierung verstehen würden, aber Taddls Leichtigkeit dürfte unmissverständlich ankommen. Gott sei Dank.
„Ja gut, jetzt wo das geklärt ist… ich denke es ist klar, dass wir eigentlich alle nur vögeln wollen – aber wer geht jetzt hier als erstes raus, damit's nicht so aussieht, als wär das hier n ziemlich kranker GangBang gewesen?“, fragte Ardy jetzt mit schelmischem Grinsen und versuchte, seine Haare wieder in Ordnung zu bringen, während er Taddl bedeutete, sein Hemd wieder ordentlich in seineHose zu stecken.

Joko lachte irgendwie befreit auf und fing sich dafür sofort wieder einen Stoß von Klaas ein. Der Kerl war aber auch manchmal ein ganz schöner Spielverderber.
„Alter! Geht's noch lauter? Gleich steht hier wirklich noch irgendwer mit ner Kamera in der Hand!“, zischte er ihm entgegen.
Stimmte ja, die beiden waren ja noch nicht geoutet. So oft, wie sie jetzt schon auf die beiden gestoßen waren, vergaß Ardy das immer wieder.
„Ich zeig dir gleich, wie laut ich werden kann“, gab Joko grinsend zurück und beachtete Taddl und ihn dabei gar nicht. Auch mal schön zu sehen, dass es nicht nur Taddl und ihm andauernd so ging.
„Ja, darüber reden wir dann später noch mal. Schönen Abend noch Jungs und äh... ja, alles Gute, so privat und beruflich“, ratterte Klaas nach einem Seitenblick zu ihnen herunter und schob Joko vor sich her die Treppen zum Ausgang nach unten.
„Und sexuell!“, rief Joko noch hinterher, fing sich dafür einen Klaps auf den Hintern ein und dann waren sie verschwunden.
Grinsend ließ Ardy einen Blick zu Taddl gleiten, der den beiden Moderatoren tatsächlich auch mit einem Grinsen hinterher gesehen hatte.
„Meine Fresse hat's die erwischt“, lachte er jetzt leise und richtete seinen Hemdkragen richtig hin.
„Ich sag‘s ja… die ganze Situation der beidensollte dir bekannt vorkommen.“
„Ja, is ja gut. Können wir jetzt schnell ins Hotel, ja?“, brummte Taddl tief zurückund schickteihm damit und mit dem festen Griff an seinemHintern einen Schauer über den Rücken.

~*~

„Oh scheiße, warum hat das Taxi denn so lange gebraucht?“, grummelte Taddl gegen Ardys Hals, nachdem er ihm ungestüm das Hemd ausgezogen hatte.
Ihre Schuhe strampelten sie sich von den Füßen, während sie sich aneinander festhielten, um nicht umzufallen. Mittlerweile waren sie Gott sei Dank endlich im Hotelzimmer angekommen. Allein, ungestört und verdammt scharf aufeinander.
„Sag mal, sollten wir nicht eigentlich echt n bisschen vorsichtiger sein jetzt. Also so in der Öffentlichkeit meine ich, jetzt wo du geoutet bist?“, fragte Ardy, während er konzentriert die Knöpfe von Taddls Hemd löste. Gerne hätte er es jetzt einfach aufgerissen, um diesen lästigen Stoff zu entfernen. Aber er hatte Angst, nicht kräftig genug zu sein und sich somit zu blamieren. Also öffnete er die Knöpfe lieber auf traditionelle Art und Weise.
Taddl stockte in seiner Bewegung, hielt inne und nahm Ardys Gesicht dann zwischen beide Hände:
„Ardy… nimm's mir nicht übel, ja? Aber wegen diesem Outing geht mir der Arsch gerade echt auf Grundeis. Ich hab keine Ahnung, was jetzt passiert und ob vielleicht alles zusammen bricht. Aber das kann es auch morgen noch – lass und heute einfach noch glücklich sein, okay?“
Ardy sah seinen Freund einen Moment aufmerksam an, erkannte die leichte Angst in seinen Augen, die er versuchte zu verdrängen. Also nickte er und lächelte Taddl breit an.
„Machen wir. Glücklich sein und Sex haben klingt nach einem perfekten Plan.“
Dann fasste er Taddl fast grob in die Haare und küsste ihn. Versuchte ihm ganz ohne kitschige Worte zu zeigen, dass er für ihn da war, egal was jetzt kommen würde.
Und Taddl verstand, drängte sich näher an ihn und murmelte ein letztes Danke, bevor sie sich wieder in einem Kuss verloren und sich ihre eigenen Hosen auszogen – ging eben einfach schneller.
Als sie sich endlich nackt gegenüber standen seufzte Ardy erleichtert in ihren Kuss, während seine Erregung an Taddls rieb. Viel zu lange hatte ihm das jetzt gedauert – er hätte Taddl doch am liebsten schon auf der Tanzfläche die Klamotten vom Leib gerissen.
Ardy ließ eine Hand zwischen sie gleiten, massierte Taddls harten Schwanz und stellte zufrieden fest, dass er schon lange bereit für ihn war. Und er wollte jetzt wirklich nicht mehr warten.
Nur kurz ließ Taddl von ihm ab, um das Gleitgel aus seiner Tasche zu holen. Dann kam er direkt wieder zu Ardy und wollte ihn mit zum Bett ziehen. Doch Ardy hielt ihn am Handgelenk zurück,zog ihn wieder an sich und schüttelte den Kopf.
Dann nickte er in Richtung der Couch, die mitten vor der großen Fensterfront stand, die sie noch nicht abgedunkelt und die Vorhänge noch nicht zugezogen hatten. Ganz im Gegenteil. Das Licht brannte hell und von außen würde jeder sie sehen können. Umso besser. Allein der Gedanke daran, jetzt gerade beobachtet zu werden, machte ihn schon ganz scharf.
Auch Taddls Augen blitzen vor Begeisterung und er nickte schnell, bevor er Ardy wieder nass küsste. Der drängte ihn vor sich her zur Couch und flüsterte Taddl dann ganz rau und von leichter Schamesröte geziert ins Ohr: „Setz dich hin, ich will dich reiten.“
Der Laut, der aus Taddls Kehle kam hatte weniger von einem Brummen,sondernmehr von einem tiefen Knurren und schickte ein heißes Kribbeln in Ardys Lenden.
Er sorgte außerdem dafür, dass er Taddl jetzt auf die Couch schubste und nicht lange fackelte, bevor er sich breitbeinig auf seinen Schoß setzte.
Sofort versanken sie wieder in einem Kuss und Ardy bekam eher am Rande mit, wie Taddl die Gleitgeltube aufklappte.
„Nur ein bisschen, ja?“, murmelte Taddl, ehe Ardy seine Lippen sofort wieder mit einem Kuss verschloss, nachdem er hastig genickt hatte. Taddl wusste nicht nur, dass Ardy es nicht mehr lange aushielt, er hielt es selbst schon kaum noch aus. Da war keine Zeit für ein langes Vorspiel. Und das brauchten sie auch nun wirklich nicht mehr, sie hatten oft genug Sex und wussten, worauf sie sich einließen.
Das Gel, das Taddl an seinem Eingang verteilte,war angenehm und kühl, ganz im Gegensatz zu seinem Finger, der sich nicht minder angenehm aber ganz heiß und vielversprechend langsam in ihn schob.
Ardy stöhnte leise auf und ließ eine Hand zwischen ihre Körper gleiten, massierte Taddls Schwanz, während er seinen Finger nun in ihm bewegte. Er passte seine Bewegungen Taddls Rhythmus an, musste jedoch schon bald aufhören, weil er genau spüren konnte, dass Taddl fast kam.
Doch das gönnte er ihm jetzt noch nicht. Das sollte er lieber heiß und tief in ihm tun. Da war es besser aufgehoben.
„Du darfst“, grinste Taddl ihn leicht atemlos an und positionierte seinen Schwanz an Ardys Eingang, nachdem er noch etwas Gleitgel darauf verteilt hatte.
Ardy nahm ihn jedoch selbst in die Hand und hielt ihn fest, während er sich langsam und vorsichtig auf ihn sinken ließ.
Immer weniger Zeit brauchte er mittlerweile, um sich an das Gefühl, an Taddl insich, zu gewöhnen. Und das war verdammt gut, denn so konnte er schneller damit anfangen, sich auf ihm zu bewegen.
Mit beiden Händen hielt er sich an Taddls Schultern fest und hob seine Hüfte, ließ Taddl fast aus sich heraus gleiten, bevor er sich wieder auf ihn setzte. Das tiefe Stöhnen Taddls war so wunderbar und jagte ihm einen angenehmen Schauer den Rücken hinab, während er sich schneller auf ihm bewegte.
Das nächste, das er von Taddl hörte, war jedoch enttäuschenderweise kein Stöhnen. Es war ein etwas entgeistertes:
„Was zum Teufel?“
Und Ardy hielt nach Luft ringend inne, fragte sich, was er denn jetzt bitte falsch gemacht hatte. Seit so langer Zeit ritt er Taddl schon, da hatte er sich noch nie beschwert.
„Was?“, fragte Ardy nur immer noch atemlos und konnte sich nicht zurück halten, musste seine Hüfte zumindest ganz langsam wieder heben undsenken.
„Hörst du das? Was ist das?“, fragte Taddl immer noch irritiert und hielt Ardy mit festem Griff auf seinen Schoß gedrückt.
Nach einem frustrierten Seufzen lehnte Ardy seinen Kopf an Taddls Schulter und lauschte ebenfalls. Obwohl es ihn gerade herzlich wenig interessierte, was man denn hier so hören konnte. Das einzige, das er jetzt hören wollte, war Taddls Stöhnen.
Dann hob er jedoch abrupt selbst den Kopf und sah Taddl irritiert an. Okay, er hatte es gehört. Aber was war das bitte?
„Das klingt gruselig“, stellte er fest und horchte dann noch ein wenig genauer hin.
Das einzige, das er mit Sicherheit sagen konnte war, dass da im Zimmer nebenan jemand laut stöhnte – und ganz sicher nicht vor Schmerzen. Immerhin hatten die Glücklichen Sex.
Taddls Gesicht hellte sich auf und er prustete leise los.
„Da hat aber jemand seinen Spaß.“
„Schon, aber was treiben die da?“
Ardy runzelte ratlos die Stirn und fragte sich wirklich, was das für ein lautes Poltern und Gewummer an die Wand war. Bis ihm ein Licht aufging.
„Rammeln die da gerade das Bett an die Wand, oder was?“, lachte er leise auf. Taddl lachte ebenfalls, stimmte ihm zu und schien sich dann jedoch wieder auf das Wesentliche zu besinnen.
„Apropos Rammeln...“, grinste er Ardy dreckig an und forderte ihn mit einem festen Klaps auf den Hintern auf, weiter zu machen. Einem sehr festen Klaps.
Ein brennender Schmerz durchfuhr ihn und er stöhnte leise auf.
„Sorry. So fest wollte ich eigentlich nicht“, murmelte Taddl sofortinsein Ohr und küsste seine Schläfe.
Ardy musste sein Gesicht kurz an Taddls Halsbeuge verstecken, um sich eingestehen zu können,dass es Taddl nicht leid tun musste. Dass sich dasverdammt gut angefühlt hatte.
„Solltest du aber“, murmelte er leise und beschämt zurück.
Taddl lachte nur.
„Dein Ernst Ardy? Das hat dir doch noch nie gefallen.“
„Haben wir ja auch noch nie ausprobiert“, gab Ardy zu bedenken und wagte es immer noch nicht sein gerötetes Gesicht von Taddls Halsbeuge zu heben. Viel lieber wackelte er aufreizend mit seinem Hintern und ließ seine Hüfte ein wenig kreisen. Taddl liebte es, wenn er noch in ihm war und Ardy das tat.
„Also Ardy...“, antwortete Taddl gespielt entrüstet und er streichelte kurz über seinen Hintern, bevor er einen erneuten festen Klaps darauf platzierte.
Wieder entwich Ardy ein Stöhnen und er hielt sich an Taddl fest, genoss den brennenden Schmerz und schämte sich trotzdem dafür. Scheiße, er war doch kein SM-Trottel, den sowas scharf machte.
Aber Taddls gut platzierte Schläge mit seinen großen Händen hatten doch irgendwie einen ganz besonderen Reiz.
„Das macht dich ja wirklich geil“, hörte er Taddl erstaunt an seinem Ohr und spürte, wie er seinen Rücken streichelte, bevor er ihm ein weiteres Mal auf den Hintern klatschte, dieses Mal noch ein wenig fester.
Ardy krallte sich an Taddls Schulter fest und mühte sich vergeblich, ein Stöhnen zu unterdrücken.
Taddl seufzte zufrieden in Ardys Ohr und streichelte dann vorsichtig über die Stelle, auf die er gerade eben geschlagen hatte.
„Also weißt du, wenn dir das so gefällt… dann mach ich das natürlich gern. Da würde ich ja sogar Mal übers Knie legen, wenn du das willst“, lachte Taddl an seinem Ohr.
„Halt die Fresse!“, brummte Ardy nur zurück und versuchte sich jetzt wieder so weit zu beherrschen, dass er sich auf Taddl bewegen konnte. Schließlich liebte er es, Taddls Schwanz tief in sich zu spüren und selbst bestimmen zu können, wie schnell und tief er in ihn eindrang.
Jetzt musste auch Taddl stöhnen und Ardy hatte das Gefühl, als wäre es noch ein wenig härter geworden. Gut so, konnte er ruhig sein. Denn Ardys eigene Erregung rieb schließlich auch vollkommen hart an Taddls Bauch, als er sich wieder auf ihm bewegte.
Doch bevor er noch mehr darüber nachdenken konnte, wer von ihnen beiden denn härter war, traf Taddls nächster harter Schlag nun seine andere Backe und vor Lust stöhnend, krallte er sich noch ein wenig fester an Taddls Schulter.
Jetzt war nicht nur nicht die Zeit darüber nachzudenken, er konnte es auch schlichtweg nicht.
Diese Erfahrung hier war so neu für ihn. Er musste erst einmal damit klar kommen, wie viel Lust ihm denn solch kontrollierter Schmerz bereiten konnte.
Das merkte er auch, als Taddls nächster fester Klaps seine bereits beanspruchte Haut traf und er wusste, er würde nicht mehr lange durchhalten.
Die Rechnung hatte er jedoch ohne Taddl gemacht. Denn ohne es wirklich bewusst getan zu haben, hatte er sich doch immer schneller auf seinem Freund bewegt, hatte ihn immer schneller und heftiger aus und wieder in sich gleiten lassen und wurde dafür jetzt von Taddls lautem Stöhnen und seinem heißen Sperma in ihm belohnt.
Zufrieden bewegte er sich noch kurz, genau so lange wie er wusste, dass Taddl es noch angenehm fand. Bis wirklich der letzte Tropfen in ihm war, dann hielt er inne, blieb auf Taddls Schoß sitzen und nahm Taddls verschwitztes Gesicht zwischen beide Hände, küsste ihn atemlos und hielt ihn danach kurz fest.
Einen Augenblick brauchte Taddl, hielt sich nur an seinem Rücken fest und wartete vermutlich darauf, dass er nicht mehr so sehr zitterte. Dann hob er Ardys Hüfte leicht an, zog sich aus ihm zurück und ließ es dann aber doch wieder zu, dass Ardy sich auf seinen Schoß setzte.

„Soll ich nochmal?“, fragte Taddl immer noch leicht atemlos und tätschelte wieder Ardys Hintern. Auch wenn es ihm fast etwas unangenehm war, nickte er nur. Wollte noch mehr von diesem unfassbar guten Gefühl, das er noch nie erlebt hatte.
Mit Taddls Hand, die immer wieder auf seinen Hintern klatschte und seiner anderen Hand, die sich dabei fest um seinen Schwanz gelegt hatte, immer wieder mit ihrem Daumen Kreise auf seiner Eichel zog, hielt er es kaum noch eine Minute aus. Dann kam er. Laut und so verdammt heftig, dass er froh war, dass Taddl ihn festhielt.
Einen solch intensiven Orgasmus hatte er schon lange nicht mehr erlebt, wirklich nicht. Denn dieser Höhepunkt war anders gewesen. Der Nervenkitzel, weil ihn tatsächlich das erste Mal in seinem Leben Schläge geil gemacht hatten, hatte dem Ganzen nochmal einen besonderen Kick gegeben.
„Alles gut?“, fragte Taddl jetzt, wo die Erregung abgeflaut war, wieder ganz besorgt wie eh und je. Vielleicht noch ein wenig besorgter,weil er sich bewusst war, dass er Ardy gerade Schmerzen bereitet hatte. Die geilsten Schmerzen seines Lebens.
Schwach und atemlos nickte er gegen Taddls Schulter, auf der er seinen Kopf abgelegt hatte.
„Sollen wir in's Bett? Ein bisschen kuscheln?“, fragte Taddl besonders einfühlsam und er streichelte seinen verschwitzten Nacken besonders zärtlich. Ardy wusste genau, dass ihn das schlechte Gewissen plagte. Taddl wäre einfach nicht Taddl, wenn es anders wäre.
Doch er fühlte sich nicht dazu in der Lage, jetzt diese wenigen Meter bis zum Bett zurück zu legen. So sehr wie seine Knie zittern wollte er sich das nicht einmal vorstellen. Also brummte er nur etwas Unverständliches.
Noch kurz blieb Taddl sitzen und streichelte ihn, dann forderte er ihn auf:
„Halt dich fest!“
Und Ardy schaffte es tatsächlich, beide Arme um Taddls Hals und dann auch seine Beine um seine Hüfte zu schlingen, als Taddl gemeinsam mit ihm von der Couch aufstand und ihn die paar Schritte bis zum Bett trug.
Eine beachtliche Leistung bei Taddls nicht vorhandenen Muskeln und dem wunderbaren Höhepunkt, den er eben noch gehabt hatte.
Vorsichtig legte er Ardy auf der weichen Matratze ab und der ließ Taddllos. Taddl eilte auf die andere Seite des Bettes, nahm im Vorbeigehen noch schnell ein paar Tempos aus seiner Tasche und wischte sich Ardys Sperma ab. Erst jetzt fiel Ardy auf, dass er davon heute wohl ganz besonders viel gehabt hatte. Obwohl das nicht sein erster Höhepunkt an diesem Tag gewesen war.
Dann krabbelte Taddl schnell zu ihm ins Bett, schlüpfte unter die Decke und hielt sie für ihn nach oben.
„Komm her“, murmelte er und streckte einen Arm für ihn aus.
Das ließ Ardy sich nicht zwei Mal sagen. Schließlich brannte sein Gesicht noch immer vor Scham und er war froh, als er es endlich wieder an Taddls Brust verstecken konnte.
„Das war...unerwartet“, grinste Taddl dann, nachdem Ardy sich wieder an ihn gekuschelt und er sie beide zugedeckt hatte.
Ardy sagte lieber nichts, wollte wie immer am liebsten nicht darüber sprechen und schlang nur einen Arm um Taddls Oberkörper, damit er ihn noch ein wenig näher ziehen konnte.
„Aber… das hat doch echt scheiße weh getan, oder? Ich war bestimmt zu heftig“, sprach Taddl mehr mit sich selbst als mit Ardy. Jetzt ließ er wieder eine Hand an seinen Hintern gleiten und streichelte vorsichtig darüber.
„Der ist ja ganz heiß“, hörte er Taddls heiseres Flüstern und Ardy zuckte nur mit den Schultern. Natürlich war sein Arsch jetzt heiß. War ja wohl logisch bei so vielen Schlägen, wie er darauf bekommen hatte.
„Scheiße Ardy, das tut mir...“
Doch Ardy hob abrupt den Kopf und legte einen Finger auf Taddls Lippen; hielt ihn damit vom Weitersprechen ab. Er wollte jetzt wirklich nicht von Taddl hören, wie der sich dafür entschuldigte, dass er ihm so viel Lust bereitet hatte.
„Taddl, ich fand's geil, okay! Ich wollte das! Das… das können wir gerne wieder machen und scheiße… ich glaube, ich fänd's sogar wirklich geil, wenn du mich Mal übers Knie legen würdest.“
Kurz nachdem er die Worte ausgesprochen hatte, wurde ihm erst so richtig bewusst, was er da gerade gesagt hatte und augenblicklich lief er wieder rot an.
Gerade wollte er sein Gesicht wieder an Taddls Brust vergraben, als der ihn davon abhielt.
„Hey… ne ne, jetzt nicht wieder verstecken und schämen, okay? Es gibt nichts zu schämen. Überhaupt nichts! Ich hatte nur Angst, dass es irgendwie mit mir durchgegangen ist und dass ich dir zu sehr weh getan haben. Aber wenn du's geil fandest… dann machen wir das gerne wieder.“
Taddl grinste ihn an, streichelte sein Gesicht und strich ihm eine nasse Strähne aus der Stirn.
„Du überrascht mich ja immer wieder“, flüsterte Taddl und küsste seine Schläfe, seinen Wangenknochen, seine Nase.
„Bist du jetzt auch so fertig wie ich?“, fragte Ardy nur, wollte am liebsten vom Thema ablenken. Taddl schien das ganz genau zu merken, denn er streichelte wieder vorsichtig über seinen Hintern und murmelte dann:
„Allerdings. War ja auch ein langer Tag. Lass uns pennen! - Aber vielleicht… schläfst du heute lieber auf der Seite, nicht auf dem Rücken.“
Wieder grinste Taddl und noch immer streichelte erArdysbeanspruchte und glühende Haut.
„Bullshit!“, protestierte Ardy nur und drehte sich auf den Rücken. Denn er wollte sich selbst und Taddl beweisen, dass es nun wirklich nicht so schlimm gewesen war.
Doch sobald er sich gedreht hatte, merkte er, dass es eben doch unangenehm war. Sein Hintern brannte heiß und selbst das weiche Laken unter ihm schien seine beanspruchte Haut zu reizen.
Seufzend drehte er sich also wieder auf die Seite, in Taddls Arme und nuschelte gegen seine Brust:
„Vielleicht schlaf ich heute Nacht doch lieber bei dir.“
„Besser ist das.“
Taddl lachte leise, streckte sich dann, um das Licht im Zimmer zu löschen und ließ wieder eine Hand zu seinem Hintern gleiten. Erst streichelte er darüber, legte seine Hand kurz darauf ab und als er vermutlich Ardys leichtes Zusammenzucken bemerkte, weil die Hitze von Taddls Hand auf seiner brennenden Haut wirklich nicht gut tat, legte er sie auf seiner Hüfte ab.
„Weißt du, ich hab sowieso gelesen, dass es super ist, wenn beide Partner nackt schlafen und kuscheln – stärkt die Paar-Bindung.“
Ardy seufzte leise.
„Halt einfach die Fresse, ja?“
Er hatte jetzt wirklich keine Lust mehr, auf irgendwelche Pseudo-Weisheiten die Taddl weiß Gott wo aufgeschnappt hatte.
„Gute Nacht, Ardy.“

~*~

Am nächsten Morgen fühlte sein Hintern sich schon wieder viel besser an. Zumindest hatte er nichts gespürt, als er – immer noch auf der Seite liegend und in Taddls Armen – aufgewacht war. Entweder Taddl hatte ihn die Nacht über ganz schön festgehalten oder er hatte wirklich Schmerzen gehabt und hatte gar nicht auf dem Rücken liegen wollen. Normalerweise rollte er sich doch immernachts von Taddl weg – oder er von ihm, wie man es nahm.
Taddl schien jedoch auch schon hellwach zu sein, zumindest konnte er sehen, wie er sein Handy in der Hand hielt und scheinbar irgendwelche E-Mails las.
Ardy streckte sich und hob den Kopf von Taddls Brust.
„Morgen“, nuschelte er und ließ sich neben Taddl, jetzt wieder auf den Rücken fallen.
Schnell schaltete Taddl das Display seines Handys wieder aus, lächelte ihn mit einem „Hey“ an und legte sein Handy dann zurück auf den Nachttisch.
„Alles gut?“, fragte Ardy gähnend und rieb sich über die Augen.
„Jo, war nur schon wach und wollte dich nicht aufwecken“, erklärte Taddl und stütze sich jetzt seitlich auf seinem Ellenbogen auf.
„Wie geht’s deinem Arsch?“, war sofort seine nächste Frage, während er über seine Brust streichelte.
„Keine Ahnung.“
„Ist er noch rot?“, fragte Taddl weiter neugierig und mit einem leichten Grinsen nach.
„Keine Ahnung, Taddl“, seufzte er genervt.
„Hm… dreh dich auf den Bauch.“
„Was? Boah Taddl, ich bin gerade erst aufgewacht. Lässt du mich vielleicht noch wach werden, bevor du mich das nächste Mal fickst?“
Taddl schüttelte grinsend den Kopf und rückte näher.
„Erstens hattest du gegen schönen Guten-Morgen-Sex noch nie was einzuwenden und zweitens will ich mir doch einfach nur deinen Arsch anschauen.“
Ardy rollte mit den Augen.
„Vergiss es!“
„Komm schon, Ardy. Ich will nur sehen, was ich angestellt habe.“
Taddl piekte ihn so lange in die Seite, bis er sich freiwillig auf den Bauch drehte.
„Zufrieden jetzt?“, murrte er in sein Kissen und sein Blick glitt zu der Couch, die sie gestern Nacht etwas zweckentfremdet hatten.
Dann weiter zu der großen Fensterfront, von der aus man sie… scheinbar von überall aus hatte sehen können. Ganz super.
Gegenüber stand ebenfalls ein Hotel, beste Voraussetzung also, dass ihnen gestern jemand zugesehen hatte, wie er Taddl geritten hatte, während der ihm auf den Arsch geklatscht hatte…
Augenblicklich lief er wieder rosa an und Taddls Murren
„Ne, so seh ich nichts“, mit dem er die Decke zurück schlug, so dass Ardy nun komplett nackt auf dem Bett lag, machte es nicht besser.
Taddls Fingen fuhren seine Wirbelsäule hinab, bis zu seiner Poritze, wo sie dann zu seinen Backen wanderten. Vorsichtig strichen sie darüber und Ardy merkte, dass es nicht mehr brannte und nicht mehr unangenehm war.
„Mhhh, sieht gut aus“, schnurrte Taddl und küsste sich über seinen Hintern.
Ardy kam es vor als würde er keine Stelle auslassen und als würde er sich mit jedem Kuss für einen Schlag von gestern Nacht entschuldigen.
Ardy wollte ihm gerade sagen, dass das unnötig war, als er etwas hinter sich hörte. Es klang wie eine Tür. Dann kurz Pause, wieder die Tür.
Sein Kopf fuhr herum.
„Was war das?“
„Nur die Putzfrau“, nuschelte Taddl gegen seine Pobacke und verteilte weiter unzählige Küsse darauf.
Ardy stütze sich auf seine Ellenbogen.
„Nur die Putzfrau? Spinnst du eigentlich? Diehat jetzt meinen rot geschlagenen Arsch gesehen! Weißt du, wie scheiße peinlich das ist?“
Obwohl die Situation eigentlich schon vorbei war, schämte er sich nachträglich gerade zu Tode und vergrub das Gesicht in seinem Kissen.
„Hat sie nicht“, murmelte Taddl und ließ sich gar nicht beirren, küsste nur munter weiter.
„Alter! Die kam doch hier rein, oder nicht?“, sagte Ardy zu seinem Kissen und jetzt war es ihm plötzlich schon unangenehm, dass Taddl sich gerade so ganz genau mit seinem Hintern beschäftigte.
„Schon, aber… sie kann deinen rot geschlagenen Arsch gar nicht gesehen haben, der ist nämlich gar nicht mehr rot.“
Er konnte deutlich hören, dass Taddl grinste; fand sich gerade wohl besonders witzig.
Beschämt griff Ardy nach der Decke und zog sie wieder über sich, deckte damit auch Taddls Kopf zu.
„Hey“, protestierte der und tauchte kurze Zeit später wieder unter der Decke auf.
„Ach Ardy...“, murmelte er dann sanft und küsste seine Schläfe.
„Das ist ne Putzfrau in nem Hotel… was denkst du, wie viele Dinge die schon gesehen hat, die sie niemals sehen wollte? Außerdem ist sie gleich wieder raus, ich weiß nicht mal, ob sie überhaupt was gesehen hat. Normalerweise hauen die doch gleich wieder ab, wenn sie merken, dass da noch jemand im Zimmer ist.“
Ardy murrte nur und kuschelte sich dann wieder in die Decke, die er sich bis zum Kinn hochgezogen hatte.
„Ich bleib jetzt erstmal so.“
„Das ist aber schade, dann verpasst du das Frühstück“, grinste Taddl ihn an und küsste ihn noch auf die Nase, bevor er aus dem Bett aufstand.

~*~

„Boah Ardy, jetzt reiß dich Mal zusammen! Das war nur eine scheiß Putzfrau, nicht der Papst“, brummte Taddl und schob Ardy vor sich her zur Tür.
„Ich geh da nicht raus! Wenn dann… dann musst du zuerst den Gang abchecken, ob sie noch da ist. Die hat meinen nackten Arsch gesehen!“, protestierte Ardy und lehnte sich mit verschränkten Armen gegen die Wand.
„Dann hat sie wenigstens auch einmal in ihrem Leben nen geilen Arsch gesehen“, grinste Taddl, klopfte ihm dann nochmal auf seinen Hintern und zog die Key Card aus ihrer Halterung.
Dann schien er aufgegeben zu haben, öffnete die Tür und trat ohne Umschweife einen Schritt nach draußen in den Gang.
Langsam löste Ardy sich von der Wand und trat hinter Taddl.
„Das ist jetzt n Witz, oder?“, hörte er Taddl plötzlich sagen.
Okay, das klang nicht nach einer Putzfrau. Und die Antwort, die Taddl bekam erst recht nicht.
„Leider ist das kein Witz.“
Oh Gott, bitte nicht! Die Stimme kannte Ardy doch. Hastig folgte er Taddl auf den Flur und sah sich tatsächlich Joko Winterscheidt gegenüber. Schon wieder? Taddl hatte Recht, das konnte nur ein Witz sein.
„Hast du die Karte, Joko? Dann können wir...Oh.“
Ahja… Auftritt Klaas von links. Natürlich. Für die volle Runde Peinlichkeit durfte der kleine Giftzwerg selbstverständlich nicht fehlen.
Einen Augenblick lang starrte Ardy noch Joko an, wusste nicht direkt, was er jetzt machen sollte,bis ihm bewusst wurde, was das hieß, dass ausgerechnet diese beiden das Zimmer neben ihnen hatten. Und das bedeutete dann wohl, dass…
„Sieht so aus, als würden wir die beiden jetzt nie wieder los werden. Die müssen wir jetzt behalten.“, grinste Joko Klaas über die Schulter hinweg an und der grinste und wandte sich dann immer noch mit Grinsen im Gesicht zu Taddl und ihm um mit den Worten:
„Na, gut geschlafen?“
„Hätten wir gerne. Aber so fleißig und laut wie ihr das Bett gegen die Wand gerammelt habt…“
Taddl ließ den Rest des Satzes unausgesprochen und grinste die beiden Moderatoren nur wieder frech an.
„Wieso Bett? Das war der Schreibtisch“, antwortete Joko perplex und fing sich dafür sofort einenStoß in die Seite von Klaas ein.
„Ey!“
„Nix, ey!Das geht die doch gar nix an.“
„Was soll's. Wir haben sie doch auch gehört.“ Joko zuckte die Schultern und grinste sie breit an. „Klang nach ner Menge Spaß.“

Gut, jetzt würde er sich gerne einfach gleich wieder verstecken. Man hatte sie auch gehört? Nein, er musste sich allein schon in Gedanken verbessern: man hatte ihn gehört? Joko und Klaas hatten ihn gehört, als er so verdammt heftig gekommen war, weil Taddl ihm den Arsch versohlt hatte?
Wunderbar… das war ja wirklich ganz wunderbar.
Fand auch sein Gesicht, das sofort knallrot anlief und das er beschämt an Taddls Schulter versteckte.
Mochten die anderen beiden doch jetzt von ihm denken, was sie wollten. Das war ihm egal. Er konnte ihnen jetzt einfach nicht in die Augen sehen.
Erst das Desaster mit der Putzfrau und jetzt auch noch das.
„Oh, war‘s auch, kannst du mir glauben. Aber naja… geiler Typ, geiler Sex, ne?“
Ardy sah es nicht, aber konnte sich durchaus vorstellen, wie breit Taddls Grinsen gewesen war, als er gesprochen hatte.
Passenderweise wanderte eine Hand jetzt auch wieder zu seinem Hintern und tätschelte ihn dort.
Genau… jetzt packte er ihm auch noch vor diesen beiden an den Arsch. Perfekt.
„Taddl!“, jammerte er. Doch Taddl zog ihn nur an der Hüfte noch etwas näher an sich und sagte dann, nur an ihn gewandt:
„Was denn? Ich hab dir doch gesagt, dass du aufhören musst dich ständig zu schämen.“
Mit einem Finger unter seinem Kinn hob er Ardys Kopf an und der lief augenblicklich noch röter an – falls denn möglich – weil es ihn sofort wieder an letzte Nacht erinnerte.
„So, wir gehen dann jetzt mal Frühstücken. Kommt ihr mit oder wollt ihr den Schreibtisch in eurem Zimmer auch ausprobieren? Kann ich empfehlen, wirklich“, drang Jokos Stimme an ihre Ohren und unterbrach sie. Gott sei Dank. Bloß ablenken von diesen unfassbar peinlichen Themen.
Sie stimmten also zu und reden auf dem Weg zum Fahrstuhl glücklicherweise nur über irgendwelche Belanglosigkeiten. Über die Party gestern, ob die Getränke gut gemixt und der DJ noch ganz bei Trost gewesen.
Im Fahrstuhl angekommen warf Joko Ardy ein leichtes Grinsen zu, das der erwiderte. Er mochte Joko. Er mochte ihn wirklich. Außerdem kam ihm die Situation von Klaas und ihm so bekannt vor, dass es fast schon ein wenig weh tat.

Als die Aufzugtüren sichdannöffneten tratensiezu viert hinaus. Ardy griff nach Taddls Hand, erinnerte sich an seine Bitte von letzter Nacht, die letzten Stunden einfach nur glücklich zu sein, bis das große Drama los brach, und ging mit ihm zusammen in Richtung Frühstücksraum.
Auch Joko und Klaas schlugen die selbe Richtung ein und nachdem sie dort angekommen waren und sehen konnten, wie groß der Saal war, schlug Ardy erleichtert vor:
„Vielleicht setzt ihr euch einfach in die eine Ecke und wir in die andere? Ich hab jetzt echt keine Lust auf peinliche Frühstücksgespräche.“
Joko lachte und antwortete laut:
„Ich schätze, man sieht sich irgendwann noch mal.“
Dann lehnte er sich zu ihm, zwinkerte ihm zu und flüsterte leise, so dass nur er und vielleicht Taddl es hören konnte:
„Und wäre super, wenn wir dann alle Hosen an hätten!“
Ardy entwich ein Lachen und er hob noch grüßend die Hand, ehe er mit Taddl in die eine Richtung ging und Joko und Klaas wie besprochen in die andere.
Diese peinlichen Aufeinandertreffen mussten wirklich aufhören, da hatte er verdammt Recht.
„Schau mal Ardy, da gibt’s Bacon!“, strahlte Taddl ihn an und sie beeilten sich, sich einen Tisch zu reservieren um sich dann mit ihren Tellern an den unzähligen Buffets anzustellen.

~*~

Ardy war gerade dabei, Taddl von dem Blockseminar am letzten Wochenende zu berichten, das ihn wirklich so einiges an Nerven gekostet hatte, als Taddls Handy klingelte.
„Moment“, schnaubte Taddl unbegeistert und ließ seine Waffel wieder auf den Teller fallen, ehe er das Handy aus seiner Hosentasche zog.

Mit ernstem Blick schaute er auf das Display und schien nervös zu schlucken.
„Waf ifft?“, fragte Ardy mit vollem Mund und beeilte sich, sein Marmeladenbrötchen zu kauen und herunter zu schlucken.
„Oliver“, antwortete Taddl bitter.
„Ich schätze, das Drama geht los.“
Ardy konnte sehen, wie Taddl schluckte und drückte kurz seine Hand. Um ihm zu zeigen, dass er da war, egal was jetzt passieren würde.
Taddl lächelte ihn dankbar an dennoch sehr nervös an und verließ dann den Frühstückssaal, um das Gespräch anzunehmen.

Ja, jetzt fing das Drama wohl an…
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