Flauschwahn

KurzgeschichteHumor, Romanze / P12 Slash
Carlos Sainz jr. Felipe Nasr
11.01.2016
11.01.2016
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Kommentar: Hallo Ihr Lieben! Noch mal was Kleines für zwischendurch. Das wollte einfach so raus. Ich hoffe es gefällt Euch auch diesmal. :)

Disclaimer: Der Inhalt des Oneshots ist frei erfunden und entspringt lediglich meinen eigenen Gedanken. Ich kenne keine der hier beschriebenen Personen, verdiene kein Geld damit und möchte auch keinem zu nahe treten.





Flauschwahn



Budapest, Ungarn
23. Juli 2015


Anfangs hatte er sich noch nicht so viel dabei gedacht, dass Felipe ein bisschen... komisch war. Das war gar nicht so ungewöhnlich. Er war eben ein bisschen anders und das war auch gut so. Er mochte das. Er war froh, dass man bei ihm nie so genau sagen konnte, was er als nächstes anstellen würde. Es störte ihn nicht, dass sein Freund ein bisschen unberechenbar war und manchmal an das grenzte, was er selbst ziemlich durchgeknallt nennen würde. Genau deshalb hatte er sich ja auch so hoffnungslos in ihn verliebt. Allerdings nahm es langsam bedenkliche Ausmaße an, denn so kannte er ihn einfach nicht und dabei konnte er dieses Verhalten nicht einmal genau beschreiben.
Hatte er etwas angestellt? Es konnte doch nicht sein, dass der Brasilianer ihn schon seit sie hier waren so seltsam musterte. Als hätte er irgendetwas im Gesicht. Er war es ja gewohnt, dass Felipe ihn gerne ein bisschen anstarrte, ihn beobachtete, aber dass er dabei so seltsam guckte, das war ihm neu. Nur warum verzog er dabei so eigenartig das Gesicht? Er sah aus, als würde ihm irgendetwas nicht gefallen und das verunsicherte ihn mehr als er zugeben wollte. Es war kein schöner Gedanke, dass Felipe etwas an ihm nicht mögen könnte. Und wenn das so war, warum fiel ihm das erst jetzt auf? Das war doch... eigenartig!

Natürlich war ihm selbst schon in den Sinn gekommen, dass er ihn einfach fragen sollte, nur war es dazu noch nicht gekommen. Gerade als er den Mut dazu gefunden hatte, mussten sie los. Zum verzweifeln war das, wenn man keine ruhige Minute miteinander bekam, obwohl man sie doch so dringend brauchte. Er wollte unbedingt wissen, was mit seinem Freund los war. Doch es war ja nicht nur der Mangel an Zeit, der es ihm gerade schwer machte.
Er dachte auch wie üblich viel zu viel nach. Ob er mit der Wahrheit zurechtkommen würde, wenn es etwas Schlimmes war, ob er sich vielleicht doch zu sehr anstellte... So wie er Felipe kannte, war es gewiss wieder etwas, worüber er sich keine Gedanken machen musste und trotzdem wollten diese Bedenken nicht verschwinden. Schließlich musste doch irgendwann mal der Tag kommen, an dem Felipe ihm etwas zu sagen hatte, das ihm nicht so gut gefiel. Sie hatten noch nie wirklich gestritten und...


Es sollte nicht das letzte Mal an diesem Tag gewesen sein, dass Felipe seltsam war. Auch, als sie wenig später bei den Interviews nach dem Training nur wenige Meter voneinander entfernt standen, hatte er das Gefühl, als würde Felipes Blick ihn verfolgen. Da stimmte doch etwas nicht! Was war denn plötzlich mit ihm los? Und immer zog er die Augenbrauen so zusammen und sah aus, als würde er schmollen. Wie passte das zusammen? Er kapierte das einfach nicht, nur wollte er damit nicht schon wieder zu Fernando rennen. Er suchte sich so oft Rat bei ihm und außerdem wusste er doch, was der Ältere ihm raten würde.
Doch dann fiel ihm noch etwas auf, das ihn noch viel mehr beunruhigte. Bis hierher war er einfach besorgt gewesen und hatte sich wieder mehrfach gefragt, ob er irgendetwas falsch gemacht haben könnte. Als er ihn im Fahrerlager nun wieder so seltsam ansah, schlug es langsam aber sicher in Genervtheit um. Jedenfalls kam es ihm so vor und das wollte so gar nicht zu seinem Brasilianer passen. Was sollte er also tun?
Am besten würde es sein, wenn er sich überwand und seinen Freund endlich zur Rede stellte und genau das hatte er auch vor, als er sich in seine Richtung bewegte. Allerdings kam ihm da ein anderer Brasilianer in die Quere. Massa. Er hatte ja nichts gegen ihn, nur passte ihm das gerade nicht in den Kram, dass er einen Arm um seinen Landsmann legte und ihm irgendetwas auf seinem Smartphone zu zeigen schien.

Das bedeutete dann wohl, dass er bis heute Abend warten musste, wenn sie alle Termine abgearbeitet hatten und wenigstens ein paar wenige Stunden Zeit für einander hatten. Darauf freute er sich eigentlich immer nur fürchtete er heute, dass es eben nicht so locker werden könnte, wie sonst.
Er schüttelte entschieden den Kopf. Nein, er würde sich nicht wieder den ganzen Tag den Kopf zerbrechen, nur weil Felipe merkwürdig war. Das war unsinnig und außerdem musste er selbst noch ein paar Sachen erledigen. Allen voran ihr Meeting. Nachher würden sie Zeit haben und dann konnte er seinen Freund ganz einfach danach fragen.
Irgendwann musste er schließlich mal damit anfangen, ein wenig entspannter zu werden. Er konnte das. Felipe bestärkte ihn oft darin, dass er einfach mit ihm reden sollte, wenn etwas war und genau das würde er heute Abend auch tun. Das nahm er sich ganz fest vor. Viel länger konnte er nämlich nicht mehr darüber nachdenken. Er sah einen Teil seines Teams schon zum Motorhome gehen und das bedeutete wohl, dass das Meeting gleich anfing. Er sollte sich beeilen, das hinter sich bringen und dann seine privaten Angelegenheiten klären.



Er wollte sich lieber beeilen, entschied sich für die Treppe, statt für den Aufzug. Er mochte die Dinger sowieso nicht. Zum einen, weil man viel zu oft hörte, dass sie unsicher waren, nicht mehr gut liefen, Leute darin stecken blieben... Und das wollte er auf gar keinen Fall riskieren. Außerdem war es darin viel zu eng. Er bevorzugte es sich frei bewegen zu können und Aufzüge gaben ihm immer das Gefühl, genau das nicht zu können.
Viel wichtiger als das war aber der Faktor, Carlos endlich zu sehen. Sie hatten sich kaum gesehen und wenn er das richtig gedeutet hatte, sah sein Spanier wieder so nachdenklich aus. Kein Wunder. Der Jüngere dachte ständig über irgendetwas nach. Er wusste nur nie genau, wann es mit dem Job zu tun hatte und wann es um ihre Beziehung ging. Das war gar nicht so leicht, aber er würde das schon hinkriegen. Irgendwie.
Er war immer zuversichtlich, wenn es um seine Beziehung mit Carlos ging. Weil er kaum glauben konnte, wie gut es lief, wie leicht es ihnen fiel Kompromisse zu finden und überhaupt. Es gab nur selten Dinge, die ihn ein bisschen... nicht direkt störten, aber die er vielleicht ändern würde, wenn er konnte. Das war nichts Weltbewegendes, aber das, was ihm da zuletzt aufgefallen war...

Er grinste ein wenig in sich hinein. Wer hätte schon gedacht, dass er sich um so etwas mal Gedanken machen würde? Das war schon reichlich unsinnig, aber er konnte es nicht ändern. Seit es ihm aufgefallen war, musste er immer daran denken, wenn er Carlos sah und sich die Frage stellen, wie das sein konnte.
Gleich würde er sich noch mal davon überzeugen können, ob es immer noch so war oder ob sich das inzwischen geändert hatte. Vielleicht lag es ja nur an den unterschiedlichen Stadien, in denen sie sich in der Hinsicht gerade befanden. Dieses Phänomen musste sich schließlich irgendwie erklären lassen.

Jetzt stand er vor Carlos Tür, klopfte einmal an und...
Er hatte nicht damit gerechnet, dass der Spanier so schnell an der Tür sein würde. Eine Begrüßung blieb ihm direkt im Hals stecken, als er hineingezogen wurde und seinen Freund nur etwas perplex ansehen konnte. Nicht, dass es ihm nicht gefiel, wenn der Jüngere sein spanisches Temperament entdeckte und benutzte, aber das kam unerwartet.
Als er Carlos so musterte, wurde er auch das Gefühl nicht los, als würde irgendetwas nicht stimmen. Hatte er etwas falsch gemacht? Und seit wann war er derjenige, der sich das fragte? Für gewöhnlich meldete Carlos diese Bedenken an.

„Ähm... alles okay bei dir?“, fragte er also lieber nach. Es war schon ungewöhnlich, wenn er nicht einmal eine Umarmung bekam und als hätte Carlos seine Gedanken gelesen, holte er das schnell nach, allerdings nicht so, wie er es von ihm kannte.
Er drückte ihn nur kurz an sich, so als habe er eine Förmlichkeit vergessen und sah ihn dann mit zusammengezogenen Augenbrauen an. Das war ein bisschen wie im falschen Film zu landen und er war gespannt, was jetzt folgen würde.
„Nicht so richtig. Also... ich weiß es nicht“, begann Carlos unsicher und das klang schon wieder ein bisschen mehr nach ihm. Falls diese ganze Aktion dem Zweck diente, etwas mehr Selbstsicherheit zu zeigen, war es zumindest ansatzweise gelungen, mit seinen Worten aber hatte sich der Effekt irgendwie wieder verloren.

Doch dann schien Carlos sich wieder zu fangen, ballte die Fäuste und funkelte ihn fast ein bisschen böse an. Er musste sich wirklich zusammenreißen, dass er nicht vor ihm zurückzuckte. Was hatte er denn verbrochen?
„Warum guckst du immer so komisch?“, platzte es dann aus dem Spanier heraus und damit brachte er ihn dazu, ihn mit leicht offenstehendem Mund anzustarren. Er guckte komisch? Seit wann?
„Was, ähm-“, setzte er an, doch sein Freund ließ ihn gar nicht erst weiter sprechen. Was war denn plötzlich mit ihm los?
„Das geht schon die ganze Zeit so und ich weiß echt nicht, warum du das machst. Hab ich was im Gesicht oder so?“

Er konnte nichts dagegen machen, dass ihm ein wenig die Gesichtszüge entglitten. Wenigstens fühlte es sich so an. Nicht nur, dass es ihn überraschte, dass Carlos mit einem Mal so direkt wurde, sondern vor allem, dass er es eigentlich ziemlich richtig erfasst hatte.
Er biss sich schuldbewusst auf die Lippe. Es war nicht seine Absicht gewesen, dass Carlos davon etwas bemerkte, zumal ihm dieser Gedanke gar nicht so ernst war. Es war halt nur... Oh man, das war echt blöd, denn er hatte keine Ahnung, wie er das am besten erklären sollte. Himmel, war das wieder schief gelaufen.

„Versteh mich nicht falsch“, setzte er reichlich überfordert an. „Es ist halt nur... dein Bart...“
Wie sollte er sich vernünftig sagen, wenn Carlos ihm dauernd über den Mund fuhr? Aber das musste wohl an seinem selten dämlichen Anfang einer Erklärung liegen.
„Was?!“, kam es fast ein bisschen entsetzt über Carlos Lippen und nun sah er beinahe erschrocken aus. Das hatte er noch viel weniger gewollt. So ein Mist! „Findest du ihn so schrecklich? Ich... ich war nur nicht dazu gekommen, was dagegen... ich meine, ich könnte, aber... also wenn er dich so sehr stört, dann gehe ich gleich...“
„Nein!“, unterbrach er diesmal Carlos, schnappte sich seinen Arm und zog ihn zurück, bevor er ins Badezimmer abhauen konnte. „Man, so hab ich das gar nicht gemeint. Es ist nur... weißt du... deiner ist... irgendwie... flauschiger.“ Das letzte Wort nuschelte er so, dass Carlos ihn nicht verstehen konnte.
„Er ist was?“, fragte Carlos also nach und er bemerkte, wie ihm gerade die Hitze in die Wange stieg und er bestimmt knallrot wurde.
„Na, flauschiger. Viel flauschiger als meiner.“ Er konnte nicht verhindern, dass er leicht schmollte. Er wollte gar nicht, aber irgendwie...

Er nahm eigentlich an, dass Carlos ihm jetzt sagen würde, das er spinnen würde oder etwas in der Art. Stattdessen begann er allerdings nur zu lachen.
„Ist das dein Ernst?“, grinste Carlos. Er gestand es ihm zu. Das war schließlich wirklich etwas albern, aber er konnte ja nicht wissen, dass der Spanier sofort etwas bemerkte und ihn dann zur Rede stellen würde. „Man! Ich hab gedacht es ist sonst was. Warum erschreckst du mich immer so?“ Und mit diesem kleinen, nicht ganz ernstgemeinten Vorwurf, boxte Carlos ihm mit seinen verflucht spitzen Knöcheln gegen die Schulter.
„Aua“, schmollte er weiter, bevor er sich an einer Begründung versuchte. „Ich hab ja nicht gedacht, dass du das gleich mitkriegen würdest. Außerdem... naja, ich...“
„Du machst einfach aus allem einen Wettbewerb, stimmt's?“, brachte Carlos es erstaunlich leicht auf den Punkt. Wie machte er das nur? Scheinbar durchschaute der Jüngere ihn viel besser, als er jemals für möglich gehalten hätte. Das war ein wenig unheimlich, aber auch irgendwie schön.

Er nickte also. „Ja, scheint wohl so. Hast du mich trotzdem noch lieb?“
Carlos schmunzelte bloß über diese Bemerkung und nickte. „Ja, aber erschreck mich nicht wieder so.“ Das sollte er wirklich nicht riskieren. Er wusste schließlich, wie schnell Carlos dabei war, irgendetwas zu interpretieren.
Er schloss seinen Freund lieber schnell in die Arme und versprach: „Mach ich bestimmt nicht.“
Er spürte, wie Carlos Bart ein wenig an seinem Hals kratzte.
Immer noch flauschiger.
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