[Nebeldrabbles] Zerbrechlich wie der Nebel

DrabbleMystery / P6
10.01.2016
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Dies ist mein Beitrag zum Nebel- Drabble Wichteln von Nairalin. Hier nochmal der Link zum Projekt:
http://forum.fanfiktion.de/t/34792/34792

Es ist ein Wichtelgeschenk für Mina Malfoy, hier sind ihre Vorgaben:
Vorgaben:
Drabbleform: mind. 300, kann auch Drabblegeschichte sein
Max. erwünschtes Rating: P18
Fandom:  Harry Potter
Sonstiges: Luna Lovegood und tanzende Elfen im (Morgen-)Nebel... hm. (Die Hauselfen sind nicht gemeint, wobei ich natürlich für alles offen bin ;D.) Da Draco Malfoy mein Lieblingscharakter ist, darf er gerne auch drin vorkommen und ich habe auch nichts gegen (sentimentale) Romantik, aber das lasse ich dem Schreiber frei :)
alternativ: egal, Hauptsache Draco Malfoy *g* da er sowieso schon ein von ... negativen Erlebnissen geprägter Charakter ist, darf man der düsteren Jahreszeit gerne einen freudigen Anstrich verleihen :) || Leitgedanke für Alternative:
Die Logik der Verliebten ist wie eine Leuchtkugel
im Nebel. Sie leuchtet, aber sie löst nicht auf.
- Sir Francis von Verulam Bacon -
bei einer freien Arbeit kann man mit dem Zitat oder (und) den tanzenden Elfen im (Morgen-)Nebel machen, was einfällt :)


Liebe Mina, ich hoffe, es gefällt dir. Es ist eine freie Arbeit geworden, da ich mit den anderen Vorgaben leider nicht so viel anfangen konnte...
Es ist eine Dabblegeschichte mit 5x200 Wörtern.

~~~~~~

Feingliedrige graue Finger streckten sich nach mir aus, als ich das Fenster öffnete. Nebelfinger. Ich stieß das Fenster auf, beobachtete, wie sich feine Wassertröpfchen auf dem Glas absetzten. Sie wirkten so zerbrechlich, als könnte schon der leiseste Windhauch sie zerstören. Einige von ihnen perlten hinab, wie Tränen, in denen sich das Grau des Nebels widerspiegelte. Ich atmete kalte feuchte Luft ein, sie roch nach Wald, nach den letzten Blättern, die sich noch an den Bäumen gehalten hatten, nach Erde und einfach nur nach Herbst. Mich aus dem Fenster lehnend nahm ich einen weiteren tiefen Atemzug, genoss die Feuchte, die mich wachrüttelte und betrachtete staunend den Nebel, der sich wie ein großes Tuch über den Boden ausgebreitet hatte. Hellgraue Schlieren stiegen empor, kunstvoll miteinander verwoben, umwebten sich gegenseitig, bildeten ein sich stetig neu formenden Muster. Hier und da zwitscherte schon ein Vogel zu dieser frühen Stunde und ich beobachtete, wie ein Eichhörnchen über die Äste der Tanne vor meinem Fenster huschte. Es wirkte wie ein roter Blitz, ein Farbtupfer im Grau des Nebels, der wie Rauch die Äste der Tanne umschlang. Ich gähnte und atmete erneut die wunderbar klare Luft ein. Es war der perfekte Zeitpunkt für einen Spaziergang im Wald!

Der Weg war steinig unter meinen Füßen, die Luft kalt und der Nebel feucht; bereits nach kurzer Zeit war meine Kleidung klamm. Doch nichts davon störte mich, im Gegenteil, ich fand es wunderschön so im Morgennebel durch den Wald zu laufen und meine Gedanken schweifen zu lassen. Fasziniert beobachtete ich, wie sich feine Nebelschwaden zwischen den Bäumen hindurch wanden, fast wirkten sie zerbrechlich, als würde der nächste Lufthauch sie in Asche verwandelt auf den Waldboden regnen lassen. Tautropfen schimmerten auf den Grashalmen links und rechts von mir. Sie sahen grau aus. Überhaupt war es, als wäre die ganze Welt mit Asche bestäubt worden, alles war in etliche Schattierungen von Grau getaucht. Doch es wirkte nicht etwa trist, es war einfach nur… magisch. Alles war so ruhig, man könnte die Umgebung fast schon als mystisch bezeichnen, würden die dünnen Bäume nicht so licht stehen. Graue Äste ragten über meinem Kopf empor, ein hellgrauer Himmel, der durch den Nebel beinahe nicht zu erkennen war, dunkelgraue Blätter, die sich von keinem Windhauch gestört an den schon beinahe kahlen Zweigen festklammerten. Hier und da wanden sich Efeuranken um die langsam dicker und knorriger werdenden Stämme, die Bäume standen dichter, doch es störte mich nicht.

Ein Klang streifte mein Ohr, sanft wie der Wind selbst, es war, als würde der Nebel zu mir flüstern. Und ich hörte ihm zu, genoss den liebkosenden Ton, der ganz wie der Nebel über meine Haut zu streichen schien, zärtlich und lockend. Der Nebel lichtete sich ein wenig, nur um dann wieder zu einer einzigen undurchdringlichen grauen Masse zu verschmelzen. Ich hob den Kopf, versuchte auszumachen, woher die magischen Töne kamen, drehte ihn hin und her, lauschte angestrengt. Doch so sehr ich es auch versuchte, es gelang mir nicht, den Ursprung der Melodie zu finden. Mich fröstelte es plötzlich und ich schlang die Arme um meinen Körper. Kam es mir nur so vor, oder wurde der Nebel dichter? Langsam wurde es unheimlich. Ich sollte nach Hause gehen, hinaus aus diesem Nebel und mich mit einer Tasse Kakao vor der Heizung aufwärmen. Aber diese Melodie… Es war, als würde sie mich rufen, als wäre diese Musik nur für mich bestimmt, nur dazu da, mir zu gefallen und meine Ohren zu liebkosen. Sie zog mich unweigerlich an und obwohl ich ihren Ursprung nicht ausmachen konnte, so stolperte ich doch automatisch in eine Richtung voran, die ganz sicher nicht die nach hause war.

Tastend streckte ich die Hände aus, streifte hier und da einige Blätter und Ranken, von denen Wassertropfen wie Tränen fielen, es kam mir so vor, als würden sie mit einem leisen Pling auf dem Boden aufkommen, ihre ganz eigenen Melodie spielend, die sich jedoch an die geheimnisvolle Musik anpasste, die ich noch immer von überall und nirgendwo vernahm. Die beiden Melodien schmiegten sich aneinander, verschmolzen zu einer Einheit, als wären sie nur dazu geschaffen, zusammen gehört zu werden. Ich tastete mich über die feuchte raue Baumrinde einer Buche, als ich es sah. Als ich sie sah. Elfen. Wunderschöne tanzende Geschöpfe, die durch den Nebel tanzten. Ich zuckte automatisch zurück und suchte Schutz hinter der Buche. Aber die Musik… Sie kam eindeutig von hier. Ich wusste nicht, wie ich das bis jetzt nicht hatte bemerken können, aber die Töne kamen eindeutig von diesem Kreis aus Birken, in dessen Mitte die zerbrechlichen Elfen tanzten. Ich lugte hinter dem Baum hervor. Grau umspielte der Nebel die filigranen Gestalten der Elfen, ich meinte sogar, beinahe durchsichtige Flügel auf ihren Rücken ausmachen zu können. Ihre Haare fielen ihnen wie Vorhänge ins Gesicht oder ergossen sich wie Wasserfälle über ihre Rücken, nur geteilt durch ihre Flügel.

Mich vollkommen vergessend heftete ich die Augen auf diese bezaubernden Wesen, trat hinter dem Baum hervor und wiegte mich selbst im Takt der Musik. Welche der Elfen war für diese wunderbaren Töne verantwortlich? Keine von ihnen schien ein Instrument bei sich zu haben und es klang nicht wie etwas, was man mit einem banalen Instrument zu Stande bringen könnte. Es war mehr, es klang wie etwas Himmlisches, als würden die Wolken und der Nebel selbst diese Melodie singen. Oder nein, nein, der Nebel war die Musik. Überall wo das Grau war, war auch die Musik. Und wo die Musik war, tanzten die Elfen. Ich schloss die Augen, nicht ohne einen letzten Blick auf die fliegenden Füße der Elfen zu werfen, die über den Boden zu schweben schienen. Die Musik lullte mich ein, ich bewegte mich rhythmisch im Takt, drehte mich um meine eigene Achse, spürte etwas Warmes auf meinem Gesicht, Sonnenlicht… Die Musik verstummte. Meine Augen flogen auf. Die Elfen waren weg. Keine Spur von ihnen, keine Spur von ihrem faszinierenden Zauber. Sonnenstrahlen durchbrachen den Nebel und lösten die grauen Schwaden langsam in Nichts auf. Der Nebel war weg und goldenen Sonnenflecken wurden durch die Blätter auf den Boden geworfen.
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