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English Rose

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Erik - das Phantom der Oper OC (Own Character)
09.01.2016
26.01.2020
10
21.214
8
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27 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
09.01.2016 2.549
 
Hi :)
Eine neue Geschichte. Ich bin im Moment mal wieder im Phantom der Oper Fieber ;) Hoffentlich gefällt euch der Anfang. Ich würde mich über Rückmeldungen freuen.
Liebe Grüße
Sophie

English Rose


Kapitel 1
Eriks Part: London September 1883


Ehemaliges Orchestermitglied der Pariser Oper bietet

Lüge Nummer 1: Ich war niemals Orchestermusiker in diesem sogenannten Orchester. Ein Orchester das Musiker beschäftigte, die den Unterschied zwischen einem B und einem Kreuz nicht kannten. Immer wieder hatte ich die gleichen falschen Töne ertragen und Vorzeichenfehler tolerieren müssen. Fehler geschehen, aber in einem professionellen Orchester haben sie am Abend der Aufführung nichts zu suchen. Nein, ich wäre lieber tot als dieses Orchester als Referenz anzugeben.

Pianist und Gesangslehrer bietet

Lüge Nummer 2: Ja, bietet was? Ein erschreckendes Gesicht? Ein Talent zur Überemotionalität und Raserei? Die Gabe sich zu verlieben und das ganze in einem Desaster enden zu lassen?

Phantom braucht dringend Arbeit!

Verfluchter, verdammter Mist!
Ich beschwor mich den Füllfederhalter nicht gegen die nächstgelegene Wand zu werfen und dabei zuzusehen wie er in seine Bestandteile zerfällt. Ich drückte die Spitze erneut in Tinte und kritzelte meinen letzten Versuch auf das Blatt.

Musiker und Komponist bietet seine Dienste als privater Musiklehrer an.
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an
Erik Martin, 69 Margret Street, Room 2, London


Das war ich. Musiker und Komponist. Ohne Zweifel. Beide Qualitäten hatte ich überaus zu bieten und auch als Musiklehrer hatte ich mich behaupten können, auch wenn mein einziger Zeuge keine Stellung dazu nehmen würde.
Wie ich zu dem Familiennamen Martin komme? Simpel. Martin ist der häufigste Familienname in Frankreich. Meine künstlerischen Fähigkeiten erlaubten mir ein perfekt gefälschtes französisches Passdokument herzustellen und mich neu zu erfinden. Erik, das Phantom der Oper war tot. Niemand hatte mich je wiedergesehen und ich würde dafür sorgen, dass mein Geheimnis auf Ewig das Meine blieb.
Ich riss das gelungene Stück aus dem Blatt heraus und warf die armseligen Versuche in den Papierkorb. Den Schnipsel steckte ich mit Instruktionen und Geld in einen Umschlag und adressierte es an die Zeitung die die Annonce drucken sollte.
Ich stützte mich auf der Lehne des alten Holzstuhles auf als ich aufstand um den Brief zum nächsten Briefkasten zu tragen. Mein Körper fühlte sich an wie Ballast der nicht nach meinen Regeln spielen wollte. Doch wen wunderte das. Ein fremdes Land, eine fremde Sprache, schlechtes Wetter und Kälte.
Mein Zimmer lag im ersten Stock in einem der wohl ärmsten Wohnviertel von London. Der Wind pfiff durch die undichten Fensterdichtungen und der Regen tropfte durch ein kleines Loch in der Scheibe des einzigen Fensters meines Zimmers. Die Tropfen fielen auf die hölzerne Fensterbank die zu modern begann. Ein Geruch von feuchtem Holz und klammem Stoff lag im Raum, gemischt mit dem kleinen Ofen in der Ecke. Ein einsamer Kessel und ein Topf fanden auf dem Ofen platz.
Ein trauriger Anblick. In meinen Gedanken konnte ich noch die Edlen Stoffe fühlen von denen ich in Paris umgeben war und die trockene Kälte meines Hauses unter der Oper. Und so klar als wäre es gestern gewesen erinnere ich mich an das einzige, dass mein Herz erwärmte. Ein Lächeln von Christine.
Ich sah sie vor mir, wie ihr Haar über ihre Schultern fiel und ihre blasse Haut streichelte. Ihre braunen Augen strahlten während sie ihre Noten ein letztes Mal überflog um anschließend auf die Bühne zu treten.
An der Tür blieb ich stehen, die Hand lag bereits auf dem Griff. Doch mir war, als hätte ich mit dem heulenden Wind einen Hauch ihrer Stimme vernommen. Flüsternd und doch so klar. Meine Beherrschung drohte mir abermals zu entgleiten. Ich hatte keine Kontrolle mehr über mich. Alls was von dem einst so erhabenen Phantom übrig war, war ein alter und trauriger Narr der für die Erfüllung seiner Träume einst über Leichen gegangen war.
Wütend drehte ich den Türknauf und hastete die Treppe hinunter. Ich steckte den Brief in den Kasten vor dem Haus und lief ebenso schnell zurück in mein Zimmer. Nicht weil ich mich hier verstecken musste. Die Menschen akzeptierten in dieser Gegend jeden der zahlte. Man kannte sich nicht, man versuchte sich nicht kennenzulernen, denn morgen war der andere vielleicht schon tot. Ich war bloß ein furchtbarer Einzelgänger geworden über die letzten Jahre hinweg. Dort oben in diesem Raum war ich mit mir und meiner Dunkelheit allein und wenn ich noch länger so leben würde, wäre ich in einigen Wochen selbst tot. So sehr es mir widerstrebte eine Arbeit anzunehmen bei der ich angestarrt wurde, so sehr wollte ich doch auch meinen Tod vermeiden. Vielleicht ist es verrückt, aber mein Lebenswille existierte noch in mir, er hat immer existiert auch wenn die Zeiten noch so hart waren.
Zurück in meinem Zimmer schloss ich mich ein und setzte Tee auf. Nebenan hörte ich Eliza, eine Prostituierte, ihrer Arbeit nachgehen. Mich schreckte diese Stadt längst nicht mehr ab. Sie war anders als Paris. In Paris gab es diese dunklen Ecken ebenso, doch man wusste sie zu verstecken. London lebte seine Dunkelheit deutlicher. Wohin flüchteten die feinen Londoner Damen? Nach Paris.
Ich goss mir eine Tasse Tee ein und setzte mich zurück an den Schreibtisch vor das Fenster. Das Notenpapier lag unter meinem Schreibpapier. Ein angefangenes Stück für ein großes Orchester war darauf niedergeschrieben. Dunkle Melodien, eine melancholische Schönheit. Ich hörte alles in meinem Kopf, malte Bilder zu der Musik und meist malte ich Christines Blick als sie mir den Verlobungsring zurückgab. Diesen Mitleidsvollen und zugleich doch verachtenden Blick in dem die Angst und der Schrecken standen. Dieser Blick gab mir Stoff für meine eigene Verachtung und ließ mich die schönsten Melodien meines gesamten musikalischen Daseins erfinden.
Ich konnte sie nicht vergessen. Sie geisterte durch jeden Winkel meines Kopfes, ich spürte sie fast körperlich und ich spürte meinen aufsteigenden Hass gegen mich selbst. Ich ekelte mich vor dem, was ich bereit gewesen war zu tun. Ihre große Liebe töten oder sie zu einer Ehe mit mir zwingen. Dort unten in diesen Kellern hatte ich den Verstand verloren. Ich war zu dem Monster geworden, dass alle in mir sehen wollten.
Die Erkenntnis dessen hatte mir allen Wind aus den Segeln genommen. Christines Kuss war es gewesen der mich hatte aufwachen lassen. Als wäre alles bloß ein böser Traum war das Hirngespinst Phantom in sich zusammengefallen und hatte bloß mich übergelassen. Christine, die in der Lage gewesen war mich trotz allem zu küssen, hatte mich am Ende doch gerettet. Ich trug in meinem Herzen nur Liebe für sie, kein bisschen Zorn oder Hass. Jeden Tag wünschte ich sie mir herbei um mich selbst zu bestrafen und um die Zeit niemals zu vergessen die mir gezeigt hatte zu was ich fähig war. Ein Mörder, ein verachtenswerter Mann und ein schlechter Verlierer.

Lillies Part: Widdrington September 1883


Wenn ich in Gedanken schwebte wirkte alles um mich herum langsam und ich schien kein Teil mehr dessen zu sein. Die Wellen schlugen mit unendlicher Sanftheit an den Strand der Küste von Northhumberland. Die Gischt schäumte und das Wasser leckte an seinen alten Spuren, scheinbar nur daran interessiert sich selbst zu besiegen.
Die Möwen über mir trieben im Wind dahin, ihre Flügel weit gespannt schwebten sie auf dieser kraftvollen unsichtbaren Macht. Sie wirkten wie ein Spielzeug in den Klauen des Windes. Eine Böe kam und sie schwenkten nach Links, die Flügel streiften scheinbar die Sonne am Himmel.
Meine Hände hatte ich im Sand vergraben. Mit meiner rechten Hand hatte ich eine Muschel freigelegt. Ihre Kanten waren scharf und uneben. Sie war zerstört worden. Ich schnitt mir in den Finger, doch es machte mir nicht einmal etwas aus. Ich legte den Verletztendaumen in meine Handinnenfläche und schloss die andren vier Finger schützend darum.
Der Saum meines Kleides war durchnässt und ich hatte das Gesicht des Hausmädchens vor mir, wie es mich erhaben ansah und dennoch nicht fragte was ich getan hatte. Sie wusste es und ich wusste es. Dies war nicht meine Welt, nicht der Ort an den ich hätte geboren werden sollen. Wenn es überhaupt einen Ort auf der Welt gab, an den ich hätte geboren werden sollen. Manchmal fühlte ich mich wie ein Tropfen Regenwasser im Meer. Verloren, obwohl ich doch scheinbar von meines gleichen umgeben war.
Nun die Wahrheit über Lady Lilly Cornell von Cornell House war, dass sie sich auf keinem Fest zu benehmen wusste wie man es ihr vorschrieb, dass sie es nicht schaffte kurze triviale Gespräche zu führen und, dass sie schlicht unfähig war das Interesse der Männer länger als fünf Minuten auf sich zu ziehen. Meine Wahrheit. Mein Leben. Ein Vogel in einem goldenen Käfig, der dafür geboren wurde in einen neuen goldenen Käfig gesperrt zu werden und in diesem Käfig lebte ein weiterer Vogel.
Ich hasste es. Die Etikette, das Spiel der Gesellschaft, den Tanz der Fassaden den niemand durchschauen konnte. Jeden Tag wurde ich hübsch angezogen, mein Haar wurde zurechtgemacht und dann schickte man mich in endlose Stunden die sich erstreckten wie eine Ewigkeit.
Hier am Meer fand ich meinen Frieden. Ob bei Regen, Schnee oder Sonnenschein. Ich musste das Meer einmal am Tag sehen um zu erfahren, dass ich noch lebe und, dass es einen Grund gibt dieses Leben weiterzuführen.
Ich bin eine furchtbar melancholische Frau und ich kann es den Männern dieser Welt nicht einmal übelnehmen, dass sie mich nicht heiraten wollen. Doch wie so viele Frauen träume ich von jemandem dem ich irgendwann einmal nichts mehr erklären muss, weil er es versteht. Jemand der sich neben mich ans Meer setzt und mir diese Angst vor dem Leben abnimmt.
Ich verließ meine Traumwelt für die Realität. Mein Kleid war voller Sand und meine Hochsteckfrisur hatte sich längst in etwas Unbeschreibliches aufgelöst. Ich zog mir die Schuhe wieder an und zog meinen Wollmantel fester um meinen Körper um nicht allzu sehr aufzufallen auf meinem Weg zurück zum Anwesen meiner Eltern.
Ich warf den segelnden Möwen einen letzten sehnsüchtigen Blick zu und ging über den Feldweg zurück bis das Haus auftauchte. Es war nicht allzu pompös und doch reichte es aus um seine Aussage zu unterstreichen. Reiche Bewohner.
Das Tor zur Auffahrt quietschte schon seit ich klein war. Der Kiesweg hinauf zum Haus war frisch gehakt worden. Alles hatte seine Ordnung sogar der Boden unter den eigenen Füßen entsprach der Vorstellung.
Mr. Foster, der Butler, erwarte mich an der Tür. Er verbeugte sich höflichst und erklärte mir, dass mein Vater mich in der Bibliothek erwartete. Wie immer begab ich mich zuerst in mein Zimmer und läutete. Ein Mädchen kam herauf und half mir in ein neues Kleid. Mein Haar richtete sie ebenfalls und in ihren Augen sah ich diesen Blick. Sie war um einiges stolzer als ich und dafür beneidete ich sie sehr.
Wie neu geschaffen betrat ich die Bibliothek. Mein Vater saß mit einem Buch in seinem Sessel beim Kamin. Die Lesebrille saß schief auf seiner Nase. Es verlieh ihm den Schein eines Märchenonkels zu dessen Füßen sich die Kinder setzten um vorgelesen zu bekommen. Er hatte ein Bein über das andere geschlagen und der frei schwebende Fuß wippte ungeduldig auf und ab.
Der Boden unter meinen Füßen knarrte und verriet mein Eintreten. Mein Vater legte sein Buch auf ein kleines Tischchen neben dem Sessel und faltete seine Brille zusammen um sie auf das Buch zu legen. Er schenkte mir ein Lächeln und verwies mich auf einen zweiten Sessel ihm gegenüber. Ich genoss die Wärme des Kamins als ich mich setzte.
„Wo hast du dich bloß wieder herumgetrieben Lilly?“ er sah mich mit diesem verträumten Blick an, den nur liebende Väter besitzen.
„Am Meer, Papa.“ erwiderte ich. „Es ist ein wundervoller Tag.“
„Nun damit hast du recht. Ich habe selbst einen Spaziergang im Rosengarten unternommen. Die Sonne lässt sich blicken, das muss ausgenutzt werden.“
„Papa, weshalb wolltest du mich sprechen?“
Ihm schien wieder einzufallen, dass er mich herbeordert hatte. Er zog eine Zeitung neben seinen Beinen hervor und schlug eine Seite auf um sie mir hinzuhalten. Es war der Teil, in dem die Annoncen standen. Ich studierte sie, bis mir klar wurde, was er meinte.

Musiker und Komponist bietet seine Dienste als privater Musiklehrer an.
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Erik Martin, 69 Margret Street, Room 2, London


„Ein Musiker und Komponist.“ fuhr mein Vater fort. „Ich denke wir sollten ihm schreiben und seine Referenzen einfordern. Wie wäre das mein Kind? Wieder etwas Unterricht nehmen und dein Talent aufleben lassen.“
Ich ließ die Zeitung in meinen Schoß sinken und lächelte ihn an. „Ich bin eine gute Musikerin Papa. Meine Lehrer haben mir alles beigebracht was sie konnten. Warum sollte dieser hier etwas zu bieten haben, dass ich noch nicht kann?“
„Nun deshalb möchte ich ihn einladen und um ehrlich zu sein bezwecke ich noch etwas Anderes damit. Ich möchte, dass du wieder lachst und singst. Ich will dich fröhlich sehen und nicht so weit entfernt von jeglicher Realität.“
„Papa, ich bin mir sicher du meinst es gut doch ich glaube nicht, dass dieser Mann etwas ändern wird. Und warum er? Allein seine Adresse hätte dich früher abgeschreckt.“
„Nennen wir es einen Hoffnungsschimmer. Ein Musiker der Annonciert ist neu, hat noch keinen Namen der weiterempfohlen werden kann. Geben wir diesem Mann eine Chance und hoffen wir, dass er dich ablenken wird.“
„Wenn es dich glücklich macht Papa.“ ich reichte ihm die Zeitung und erhob mich um der Bibliothek den Rücken zu kehren. Doch mein Vater griff meine Hand. Ich drehte mich erneut zu ihm um und sah ihn an. Er war traurig. Sein Gesicht war in den letzten fünf Jahren sehr schnell gealtert.
„Lilly, wenn ich nur wüsste was dich so traurig macht.“
Ich entfernte meine Hand aus seiner und verließ ohne ein Wort den Raum. Wie tausendmal zuvor durchquerte ich den Eingangsbereich und widerstand dem Bedürfnis nach draußen zu rennen und mit jedem Schritt das Haus hinter mit zu lassen. Wenn ich einmal rennen würde, käme ich nicht zurück. Vielleicht hielt mich die Angst vor meiner eigenen Entschlossenheit an Ort und Stelle.
Der Flügel den ich seit zwei Monaten nicht mehr angerührt hatte stand im Musikzimmer. Die Fenster gingen nach Süden über unendliche grüne Wiesen hinweg. Ich hatte diesen Blick oft genossen und mich hingebungsvoll in der Musik verloren. Meine Finger spielten was mir in den Sinn kam und meine Fantasie trug mich davon. Heraus aus diesem Haus in eine andere Welt. Ich kann bis heute nicht wirklich erklären was geschieht, wenn ich Musik höre oder selbst spiele. Mir scheint, als durchlaufe mich ein Schauer voller Emotionen. Wenn ich die Augen schließe sehe ich bewegte Bilder vor mir. Musik kann meine Gefühle beeinflussen wie nichts Vergleichbares.
Ich schaute sehnsüchtig durch den Türschlitz ins Musikzimmer. Staub tanzte im Schein der Sonne die durch die Fenster drang. Dunkelgelbe Spätnachmittagssonne, die einem leeren Raum eine Seele einhauchen konnte.
Beinah schüchtern betrat ich das Zimmer, schlich über den Teppich auf den Flügel zu und setzte mich auf den Hocker. Meine Finger legten sich sanft auf die Tastatur. Ich liebte das Gefühl der Tasten unter meinen Fingern. Es war so selbstverständlich. Vor mir standen die Noten der Fantaisie-Impromptu von Frédéric Chopin.
Es ging mir so leicht von der Hand als wäre es gestern gewesen, dass ich es zuletzt gespielt hatte. Die schnellen Läufe suchten sich ihren Weg und ich versank. Mein Vater würde es nicht schaffen meine trüben Gedanken zu verjagen, doch vielleicht würde mir ein bisschen mehr Musik tatsächlich guttun.
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