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I still hope for you - Minho und Cassy (3)

GeschichteAbenteuer, Drama / P16
Gally Minho Newt OC (Own Character) Thomas
09.01.2016
23.03.2016
65
222.755
31
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
13.03.2016 3.197
 
CasseyCass ist wieder am Start :)
Ich hatte ein super Wochenende mit meiner Family - Danke, dass ihr den einen Abend so super überstanden habt ohne mich :D
Tja und da meine Family ja aus Frankfurt kommt und sie in einer Woche in den Urlaub fahren, habe ich nun einen Hasen zum Babysitten. Er ist ja schon süß und super neugierig und leckt einem die Finger ab, wenn er einen mag. Aber... Naja, in meinen Augen hat meine Familie genügend andere Tiere zu versorgen bzw. Dinge zu erledigen, als sich noch einen Hasen anzuschaffen. Aber gut. Dafür bin ich jetzt nicht allein :D
Ansonsten haben wir erstaunlich wenig gemacht :D Also viel gequatscht, viel zu viel Kaffee getrunken und viel zu ungesund gegessen. Was auch mal sein muss :)

Vielen Dank - erneut - für eure lieben Revis :) Ich habe mich super darüber gefreut und meine Schwester fand das alles sehr süß :) Ihr seht: meine Familie mag euch auch :D
Heute das Kapi ist eine 4. Ich brauchte einen Übergang zum Hopp-on-Hopp-off Kapi morgen. Wo ihr übrigens noch immer eure Votes für abgeben könnt :)
Ja, aber Newt und Cassy mussten sich ja wiedersehen. Ich dachte nur, dass es bestimmt kompliziert und komisch ist. Klar, die beiden freuen sich, auf der anderen Seite haben sich beide sehr verändert und ganz unterschiedliche Dinge erlebt. Abgesehen davon, dass Newt mit seiner quasi Wiederbelebung nicht sooo zufrieden ist :D Daher ist das Kapi doch irgendwie komisch geworden, weil Newt seine Emotionen noch nicht so gut im Griff hat. Und es wird das Rätsel um die letzten wertvollen Minuten auf dem Chip gelöst ;)

Also viel viel Spaß mit dem neuen Kapi, morgen kommt das Hopp-on-Hopp-off Kapi :)
Küsschen und Drücker,
CasseyCass *-*

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"You raise me up so I can stand on mountains
You raise me up to walk on stormy seas"
(Westlife – You raise me up)




Kurz bevor ich bei Newt ankam, drosselte ich mein Tempo stark, um ihn nicht umzurennen. Trotz allem brachte ich ihn etwas aus dem Gleichgewicht, als ich meine Arme um seinen Hals schlang. Er roch nach dem Duschzeug des Hotels und nach der Kleidung meines Bruders. Aber seine viel zu langen, blonden Haare kitzelten wie immer mein Gesicht und dieses Gefühl meinen besten Freund wieder umarmen zu können, war einfach so gut. Es fühlte sich richtig an.
Ich hatte nicht weinen wollen. Es war mir bewusst gewesen, dass ich weinen würde, aber jetzt und hier... Nach und nach spürte ich die Tränen hinter meinen geschlossenen Augenlidern brennen, bis sie mir, eine nach der anderen, über die Wangen liefen. Newt befreite sich von Minhos und Thomas' Armen und legte mir seine Arme in den Rücken. Ganz fest zog er mich an sich, legte seinen Kopf an meinen und flüsterte: "Ich habe dir doch ein Versprechen gegeben."
In diesem Moment wurden meine vereinzelten kleinen Tränchen zu regelrechten Sturzbächen. All die vergangenen Monate fielen von mir ab. Die Ungewissheit während meines Kampfes um den Chip, wer überhaupt den Brand hatte. Dann die Fassungslosigkeit und Ohnmacht, als ich herausfand, dass es mein bester Freund war. Die Schmerzen, die ich durchlebt hatte, um alles zu tun, um Newt bei uns zu halten. Die schrecklichen Momente, wo auch ich kaum mehr Zugang zu Newt hatte und der Crank in ihm mich umbringen wollte. Das Gefühl versagt zu haben, als ich weder den Chip besaß, noch Newt im Crankpalast helfen konnte. Die Erleichterung, als ich ihn endlich aus Denver herausgeholt hatte. Und nun die pure Freude, dass dies alles nicht umsonst gewesen war und mein bester Freund bald wieder gesund sein würde. Dieses Gewusel an Emotionen packte ich in meine Umarmung und meine Tränen.
"Ich habe dich so vermisst", wisperte ich schließlich mir kratziger Stimme.
"Ich bin wieder da", erwiderte Newt und strich mir beruhigend über den Rücken und den Hinterkopf. "Es ist alles gut."
Es ist alles gut. Ich hatte diesen Satz gefühlte eintausend Mal zu ihm gesagt. Immer und immer wieder hatte ich ihm versprochen, dass alles gut werden würde, dass alles nur halb so schlimm sei, dass es noch Hoffnung gäbe. Hier waren wir nun. Und alles war gut. Ich löste mich etwas aus seiner Umarmung und merkte, wie Newt etwas wankte. Augenscheinlich hatte ich ihn mehr gestützt als angenommen. Ich wollte etwas sagen, mehr als nur ein Ich habe dich vermisst. Ich wollte meine Emotionen in Worte packen und sie an Newt abgeben, so wie ich es tausende Male zuvor getan hatte. Doch es ging nicht. Dafür war zu viel passiert und dafür war ich selbst nicht bereit dazu, gewisse Dinge zu verarbeiten. Daher stellte ich mich auf die Zehenspitzen und drückte Newt einen langen Kuss auf die Wange. Fester als das letzte Mal, schließlich zogen sich keine entzündeten Adern mehr über seine Haut. Newt erwiderte die Geste; ich spürte seine Lippen an meiner Schläfe. Leicht errötend wischte ich mir endlich die Tränen von den Wangen und überließ Newt wieder Thomas, der doch mehr Kraft besaß ihn zu stützen, als ich.
"Wir essen jetzt etwas, du wirst von den anderen ebenfalls abgeknutscht werden und dann wird geschlafen, bis die Flieger zum Sicheren Hafen gehen", ordnete Minho an und nickte zum Tisch, wo die anderen auf heißen Kohlen zu sitzen schienen. Thomas und Newt schneckten förmlich in die Cafeteria, doch als Minho ihnen folgen wollte, hielt ich ihn kurz zurück.
"Danke", sagte ich leise und lächelte. Wenn ich Newt meine Gefühle schon nicht auf dem Silbertablett darlegen konnte, so war ich mir bei Minho ziemlich sicher, was ich fühlte. Komische Situation vorhin hin oder her, ich liebte ihn. "Ohne dich hätte ich das nicht geschafft, Läufer."
Minho blinzelte mich überrascht an und schien keine Antwort parat zu haben.
"Ich meine es ernst", redete ich weiter. "Seit der A2-Einrichtung konnte ich nur sehr selten ehrlich zu dir sein und habe dein Vertrauen in mich und deine Geduld stark ausgereizt. Und trotzdem bist du noch hier, baust mich auf und egal was ich auch mache, ich weiß, dass ich am nächsten Morgen wieder in deinen Armen aufwachen darf."
"Das ist doch selbstverständlich", murmelte Minho.
"Nein, ist es nicht. Eine Beziehung besteht aus geben und nehmen und ich habe in der letzten Zeit viel genommen und nur wenig gegeben." Ich legte ihm eine Hand an die Wange und seine dunklen Augen bohrten sich in meine. Noch immer mit meinem Lächeln auf den Lippen küsste ich ihn und ließ meine Hand auf seiner Wange in seinen Nacken gleiten. Ich spürte Minho leicht schaudern und genoss diesen absolut zärtlichen Kuss, in den ich all meine Liebe legte. Ein Arm spannte sich in meinem Rücken und Minho zog mich näher an sich heran. Die Erleichterung darüber, dass Megan mir diese Küsse niemals wieder rauben würde, ließ mich beinahe in eine Hochstimmung verfallen. Wie glücklich konnte ich mich schätzen, dass ich jemanden wie Minho als meinen Freund bezeichnen konnte. Noch etwas benommen, lösten wir uns voneinander und ich sein Herz unter meinen Fingern schlagen. Stetig und regelmäßig wie immer.
"Ich liebe dich", sagte ich an seinen Lippen.
Zu meinem Erstaunen stockte sein Herzschlag für eine Millisekunde und Minho holte zu einer Antwort Luft. Bevor er antworten konnte, ließ ein Pfiff uns zur Cafeteria blicken, wo Thomas uns ungeduldig zum Tisch winkte.
Schmunzelnd zog ich eine Augenbraue hoch und nickte zum Tisch. "Dann mal los."
Minho schloss kurz die Augen und Hand in Hand gingen wir zu den anderen. Dass Minho mir noch eine Antwort schuldete, hatte ich schon wieder vergessen. Ich setzte mich neben Newt – natürlich – nach außen an den Rand und fing den Apfel, den Rick mir zuwarf dankbar auf. Ich war im Grunde nur noch am Essen, aber ich konnte es mir leisten. Im Hinblick auf meine Gesundheit und im Hinblick auf die Tatsache, dass wir zum ersten Mal seit Monaten nur ein paar Stunden von einem ruhigen, sicheren Leben entfernt waren. Ich konnte endlich eine junge Frau sein, die ihr Leben aufbaut, statt von einer Organisationen durch tödliche Versuche gejagt zu werden. Minho saß gegenüber von mir und ging leise raunend mit Jorge die weiteren Tage durch. Musste ich ihm sagen, dass Megan tot war? Ich könnte lügen, wie das letzte Mal auch, und behaupten, wir hätten sie in Denver gefunden. Andererseits sollte sie Minho nicht so viel bedeutet haben, dass er sich um sie sorgte. Sie war weg, hatte uns mal wieder verraten, wen sollte es kümmern? Wahrscheinlich musste ich einfach abwarten und hoffen, dass ich mit meiner Theorie richtig lag. Schnell griff ich über den Tisch und ergriff Minhos Hand. Er lächelte mich leicht an, saß entspannt zurückgelehnt auf seinem Stuhl. Die Position war verdammt unbequem, aber ich hatte das Bedürfnis Minho bei mir zu haben.
Ich runzelte über mich selbst die Stirn. Cassy, reiß dich zusammen! Du hörst dich an, als würdest du jeden Moment erwarten, dass Minho verschwindet. Sich wortwörtlich vor deinen Augen in Luft auflöst. Das wird nicht passieren! Ich nickte mir selbst zu. Nein, würde es nicht.
"Ihr seid kitschig", murmelte Newt neben mir und ich streckte ihm die Zunge heraus.
"Pass auf, wenn du verliebt bist, werde ich dich darauf hinweisen." Oh verdammt. Ich bemerkte meinen Fehler in dem Moment, wo Newts Finger sich krampfhaft um die Gabel schlossen. Nur weil Newt den Chip hatte, bedeutete dies nicht, dass alles wieder wie vorher war. Im Gegenteil, viel hatte sich verändert. Newt schluckte krampfhaft und bemerkte die zur Faust geballten linke Hand, die auf seinem Oberschenkel ruhte. Mary, die auf der anderen Seite aß, um Newt zu erklären, was er wie viel essen sollte, um möglichst schnell wieder sein Normalgewicht zu erreichen, bemerkte es und legte ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter.
"Tut mir Leid", sagte ich aufrichtig. "Ich... Ich muss mich erst daran gewöhnen, dass sich doch einige Dinge geändert haben."
"Dinge geändert?", wiederholte Newt und sah mich aus Augen an, die vor Schmerz nur so glänzten. "Sonya ist tot! Sie war keine Ursache, deren Wirkung nun nicht mehr wichtig ist. Sie ist weg und ich bin der Grund dafür."
Ich senkte den Blick und fühlte mich verdammt unwohl in meiner Haut. Ach verdammt, es hatte so gut angefangen! "Wirklich Newt, das nicht beabsichtigt gewesen. Tut mir Leid."
Ohne weiter auf meine Worte einzugehen, wandte Newt sich wieder seinem Teller zu und stach in Zeitlupe seine Kartoffel an.
Wir alle hatten viel zu verarbeiten und Newt in einer Weise, die wir nicht nachvollziehen konnten. Er war ein Crank gewesen. Er hatte gemordet, andere dazu angestiftet und sich selbst aufgegeben. Er würde uns nie Einblick in diese Zeit geben, weil sie ihn auf sehr schreckliche Art verändert hatte. Ich hatte nicht das Recht mir anzumaßen, die alten Zeiten herbeizuwünschen. Langsamer als zuvor aß ich meinen Apfel weiter und hielt den Rest der Zeit den Kopf gesenkt. Ein paar Mal versuchte Minho mich mit einem Lächeln aufzubauen, was nur minder gut funktionierte. Die anderen unterhielten sich untereinander oder quetschten Mary aus, was Newts weitere Behandlung anging. Der Ärmste musste sich total übergangen fühlen. Er saß hier vor uns, doch alle redeten bloß über und nicht mit ihm. Am liebsten wäre ich aufgesprungen und dieser Situation entflohen, doch so einfach konnte ich es mir nicht machen. Stattdessen klammerte ich mich an Minhos Hand und versuchte nicht allzu gescholten zu wirken.
"Das heißt", riss Rick mich aus meinen deprimierten Gedanken, "dass wir heute Abend Etage für Etage einen Berk zugeordnet werden und dann in den Sicheren Hafen geflogen werden. Und wie geht es dort weiter?"
"Das wissen wir noch nicht", sagte Vince entschuldigend. "Wir werden in ein Hotel eingewiesen werden und dann wird uns alles weitere erklärt werden. Wichtig ist nur, dass wir zusammenbleiben, ansonsten landet der eine im Norden und der andere im Süden."
"Norden und Süden?", fragte ich leise und hob vorsichtig den Blick.
"Der Sichere Hafen zieht sich am nördlichen Rand der Welt entlang. Korrekt hieße es West und Ost, aber die Leute dort nehmen den Sicheren Hafen längs wahr und nicht waagerecht, daher Norden und Süden. Der Norden ist kühler und regnerischer, mit tollen Wäldern. Der Süden ist wärmer, hat einen riesigen See als natürliche Grenze und weite Grasebenen."
Ein riesiger See. Ich hatte immer schon das Meer sehen wollen, die jedoch nicht mehr existierten, so viel wie ich wusste. Aber wenn der See wirklich so groß war, dann könnte ich mir vielleicht vorstellen, dass es ein Meer war. Ich sah Minho an, der nur leicht mit den Schultern zuckte. Wenn es ihm wirklich egal war, ob wir den Süden oder den Norden wählten dann käme absolut der Süden für mich in Frage. Meine Mundwinkel hoben sich etwas und Rick seufzte theatralisch.
"Missy, plant eure Flitterwochen, wenn ihr dort seid. Nur weil der Süden warm ist und einen See besitzt, muss es dort nicht schöner als im Norden sein. Immer schön offen für Neues sein. Und für neue Menschen." Zwinkern in meine Richtung.
Erstaunlicherweise war es Newt, der Minho noch zuvorkam, was eine wütende Antwort betraf. "Rick, richtig?", fragte er und seine Stimme klang nahezu tödlich vor Verachtung. "Wenn ich ein Pärchen kenne, dass Flitterwochen für den Rest seines Lebens verdient hat, dann sind es Cassy und Minho. Das zum Ersten. Und zum Zweiten: Vielleicht hast du einen anderen Weg eingeschlagen, als es mit deinem miserablen Leben noch weiter bergab ging, aber die beiden haben sich gegenseitig durch die Hölle der vergangenen Monate gezerrt, das letzte, was sie tun würden wäre sich einen neuen Partner zu suchen, nur weil sie jetzt die Möglichkeit dazu hätten. Liebe bedeutet mehr, als nur Flitterwochen."
Perplex sahen wir Newt an, der die Augen unverwandt auf Rick gerichtet hatte. Die Ruhe, die von ihm ausging war erschreckend. Als würde er ohne zu zögern ein Messer auf Rick werfen, wenn er noch einmal ein Wort gegen mich sagte. Dies geschah auch wahrscheinlich nur deshalb nicht, weil Rick sich erhob und Newt ebenso eisig ansah.
"Wir unterhalten uns noch einmal über miserable Lebensstile", knurrte er. "Ich wette, ich kann von dir mehr lernen, als du von mir." Er steuerte auf den Ausgang zu und ich hing mich an Newts Arm, bevor dieser aufspringen und Rick doch noch verletzen würde.
"Ignorier ihn", sagte ich. "Er ist nun mal so."
Newt bebte vor Zorn. Hatte der Kerl sich in den letzen Wochen nicht genug geprügelt? Seine Muskeln im Unterarm waren zum Zerreißen gespannt und wie sonst auch begann ich vorsichtig die Stellen zu massieren, bis seine Fäuste sich öffneten und die Anspannung etwas von ihm abfiel. Mittlerweile war Rick hoffentlich weit genug entfernt, dass Newt ihn so schnell nicht mehr einholen würde. Minho beobachtete uns zögerlich lächelnd. Irgendetwas stimmte nicht mit ihm, ich musste dringend mit ihm reden. Auf der einen Seite war er fürsorglicher und ruhiger als jemals zuvor in seinem Leben, auf der anderen Seite hatte ich das Gefühl unaufhörlich von ihm wegzudriften. Wie jetzt auch. Er sah so zufrieden aus, dass ich wieder Newt bemuttern konnte und gleichzeitig glomm eine Wehmut in seinen Augen, als würde er uns zum letzten Mal für eine sehr lange Zeit so beobachten.
Als Newt leise aufseufze und ich meine Aufmerksamkeit wieder auf ihn richtete, verschwand meine innere Unruhe.
"Danke, Blume", sagte Newt. "Ich fühle mich, als würde ich unter Strom stehen und jeden Moment explodieren."
"Oh nein, das weiß ich zu verhindern", grinste ich und verschränkte meine Finger mit seinen. Für einen kurzen Augenblick war es wie früher. Newt und ich hatten uns in unser eigenes kleines Universum zurückgezogen, wo wir in unseren besonderen Beziehung nicht gestört werden konnten. Ich wusste, dass es eigentlich ziemlich unfair den anderen, gerade Minho, gegenüber war, aber ich hatte das Gefühl Newt nie wieder aus den Augen lassen zu dürfen, ohne dass er mich einfach so verlassen würde. Er hatte es bereits einmal fast getan. Er würde es auch ein zweites Mal tun.
Ein Räuspern riss uns aus unserem intensiven, emotionalen, in unseren Köpfen stattfindendes Gespräch und mein Kopf ruckte zu Minho, dem seine Eifersucht mal wieder klar anzusehen war. Vielleicht würden doch ein paar Dinge bleiben.
"Wie viel Zeit hast du noch?", fragte er geradeheraus und ich stöhnte auf.
So ein unsensibles Etwas. Mich interessierte die Frage zwar auch brennend, aber ich hatte Netw Zeit lassen wollen, bis er es uns sagt.
"Ich weiß es nicht", antwortete Newt und nahm ein paar tiefe Schlucke Wasser. "Mehr als einen Tag laut Hans."
Super. Das war ja die beste Antwort, die man bekommen konnte. Mehr als einen Tag. Wenn ich die letzten Monate durch die Hölle gegangen war, um Newt für mehr als einen Tag zurückzubekommen, würde ich... Ja, würde ich was? Ich wusste es nicht. Aber die Angst fraß sich langsam in mein Herz und ich konnte nicht verhindern, wie sich nun meine Hände zu Fäusten ballten.
"Hey, Cassy." Newt drückte meine Hand. "Es wird nichts umsonst gewesen sein."
"Nein, natürlich nicht", sagte ich leise. "Aber... Nenn es egoistisch, aber ich will dich nicht nur für einen Augenblick zurück..."
Er runzelte leicht die Stirn. "Magst du dann nachschauen?"
"Ich?!"
"Ja. Du hast ein Recht darauf, finde ich. Ich brauche noch etwas um das Chaos in meinem Kopf wieder gerade zu biegen, aber ich... Ich weiß, dass du das alles nur für mich getan hast und all deine anderen Beziehungen für mich aufs Spiel gesetzt hast und..." Newt kam mit der Atmung nicht hin und musste nach Luft schnappen. Wer wochenlang nur kurze, abgehackte Hauptsätze gesprochen hatte, musste mit längeren Sätzen echt überfordert sein. "Sieh nach", beendete er seinen wirren Dialog. "Bitte."
Noch immer etwas unsicher sah ich zu Minho, der mir leicht zunickte. Ich zog die Finger aus Newts Griff und beugte mich zu seinem Nacken. Seine Haare waren wirklich viel zu lang, es wurde Zeit, dass ich mal wieder Vokuhila und Volahiku spielte. Mit eiskalten Fingerspitzen strich ich die Haare zur Seite und ertastete das Tattoo, worunter sonst eine Digitaluhr  mit extrem wenig verbliebener Zeit gestanden hatte. Ich fuhr mit dem Finger darüber, Newt beka meine Gänsehaut und dann sah ich auf die neue Digitaluhr, die nicht rot sondern grün leuchtete. Immerhin. Dann setzte die Zeit, die uns noch blieb, keine so große Verzweiflung in mir frei. Könnte natürlich sein, dass sie ab einem gewissen Punkt rot werden würde...
"Cassy, wie viel ist es?", fragte Minho und beugte sich neugierig vor.
Ohne es zu bemerken, hatten sich meine Lippen zu einem zaghaften Lächeln verzogen. Als ich nun aufsah und meiner Erleichterung kaum Einhalt gebieten konnte, schien auch von den anderen eine kleine Last abzufallen.
Grün, unschuldig blinkend, wie ein Zeichen der Hoffnung für die nächsten Jahre, zeigte die Uhr in Newts Nacken eine fünfgliedrige Nummer an.

61:259:14:33:54
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