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The Paperhearted Ghost

KurzgeschichteDrama, Schmerz/Trost / P12 / Gen
Dr. Alan McMichael Edith Cushing OC (Own Character)
08.01.2016
08.01.2016
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08.01.2016 2.772
 

Ich habe keinerlei Rechte an sämtlichen vorkommenden Charakteren des Originals


* * *

Ich habe keine Ahnung, woher diese Geschichte kam, aber plötzlich war sie einfach da.

Sie ist einfach ein „Was wäre wenn?“-Gedanke, eine Überlegung, wie es nach den Ereignissen des Films weitergehen könnte …


Titel: von ASP & Chamber



* * *


The Paperhearted Ghost




Sie wusste nicht, wie lange sie geschlafen hatte, aber es war, als wache sie erst sehr langsam aus einem tiefen Traum aus, ja, vielleicht sogar aus einem Winterschlaf.

Sie konnte nicht länger schlafen und doch fühlte sie sich müde, schwach, als sie langsam die Augen öffnete – und sie gleich darauf wieder schloss, da alles um sie herum viel zu hell schien.
Alles hier schien weiß zu sein, nicht die dunklen, baufälligen Wände des Hauses, das ihr in den letzten Wochen ein Heim gewesen war.

Wo war sie?

Und … langsam begann sie sich wieder zu erinnern … und …

„Du musst keine Angst haben. Alles ist gut.“ Sie fühlte, wie eine große Hand ihre ergriff, sie beruhigend drückte. Sie hatte zwar die Augen geschlossen, so als könne sie so die Realität verweigern, doch wusste sie sehr genau, wer das war. Sie kannte diese Stimme.

Alan.

„Ich meine … alles wird wieder gut“, korrigierte er sich, so als sei ihm etwas Entscheidendes eingefallen – und jetzt klang er wieder wie der kleine Junge, der sie früher nach dem Tod ihrer Mutter zu trösten versucht hatte; der beste und treuste Freund, den sie je gehabt hatte.
„Ich bin bei dir, Edith, und ich werde nicht zulassen, dass dir jemand etwas tut ...“

Sie blinzelte, zwang sich, die Augen zu öffnen, wollte sie am liebsten gleich wieder schließen, weil all das Weiß sie noch immer blendete.
„... Alan“, brachte sie hervor; ihre Stimme klang kratzig, heiser, so als habe sie gerade eine lange Erkältung überwunden- und ihr Mund fühlte sich ausgetrocknet an, wie Papier.

„Du bist wach“, er lächelte; er versuchte, unbesorgt zu wirken, aber es gelang ihm nicht – es waren nicht nur die dunklen Ringe unter seinen Augen, so als habe er in der letzten Zeit wenig geschlafen, sondern auch einfach sein Blick. Alan war noch nie ein guter Lügner gewesen, dachte sie, schaffte er es doch noch nicht einmal, Geburtstagsüberraschungen geheim zu halten.
Und auch die Verbände, die er noch immer trug, auch wenn seine Verletzungen schon am Heilen waren, sprachen eine sehr direkte Sprache.

„Ja“, sie hustete, nahm dankbar das Glas Wasser entgegen, das er ihr reichte, trank hastig– dann hielt sie inne, erinnerte sich plötzlich an etwas


Tee …

– und sie hätte das Glas am liebsten gegen die Wand geworfen. Doch dann besann sie sich eines anderen, stellte es ab und schlang dann die Arme um sich, begann stumm zu schluchzen.

„Sh“, Alan schlang ungeschickt die Arme um sie, so als sei er sich nicht ganz sicher, wie man das mache, wobei ihn auch seine Verletzungen behinderten, drückte sie vorsichtig an sich, streichelte ihr übers Haar. „Sh … du musst keine Angst mehr haben, du bist hier in Sicherheit. Alles ist gut ...“

„Nein“, widersprach Edith; wie konnte er das nur sagen? Das war es nicht, das musste er doch selbst wissen, richtig? „Nein …“

„Hier kann dir nichts passieren ...“ Er klang unsicher, so als hoffe er, dass seine Worte nun die richtige Wirkung haben würden.

„... aber …“, Edith klammerte sich schutzsuchend an ihn, hoffte, dass all das, was ihre Erinnerungen schienen, sich nur als verwirrende Fieberträume herausstellen würde, das alles nie passiert war, es sich nur um einen reichlich absurden Traum handelte. „... er ...“

„Er wird dir nichts mehr tun können“, erklärte Alan fest, verstand ihre Worte völlig miss. „Und auch niemand anderes. Ich bin doch bei dir.“

„Das ist mir egal!“, fuhr Edith ihn überraschend heftig an, stieß ihn regelrecht von sich, „Es ist mir egal!“

„Edith ...“, Alan wirkte nun doch etwas erschrocken über diesen Gefühlsausbruch. „Beruhig dich doch ...“

„Wie kannst du nur so etwas sagen? So über ihn sprechen“, er hatte fast nichts gesagt, aber sie entnahm doch seinem Tonfall, was er dachte, „Wie kannst du nur?“ Sie schlug die Hände vor die Augen, schluchzte weiter, während langsam ihre Erinnerungen wieder kamen, ihr erst jetzt in seiner ganzen Tragweite bewusst wurde, was passiert war.

„Edith“, Alan klang nun ebenfalls schockiert, aber nur von ihren Worten, deren Sinn er kaum zu glauben vermochte, „Er wollte dich umbringen! Sie … sie haben dich langsam vergiftet -“, er hielt inne, so als werde er sich gewahr, dass das wohl nicht die passendsten Worte für diese Situation waren, egal, wie gekränkt er sich durch Ediths Reaktion nun auch fühlte, „Verzeih mir, ich sollte dich nicht aufregen. Nicht jetzt“, er senkte verlegen den Kopf. „Sei unbesorgt, du wirst wieder gesund werden, sagen die Ärzte, aber -“

„Das ist mir völlig gleich. Thomas war mein Mann!“, fuhr sie ihn ungewohnt heftig an und fast fürchtete er, sie werde ihn ohrfeigen. „Ich bin seine Witwe, Alan! Und … du solltest dich schämen, jetzt solche Dinge zu mir zu sagen!“

Alan prallte regelrecht zurück. „Aber ...“, er brach ab, da sein Widerspruch wohl ohnehin zwecklos sein und sie nur weiter aufregen würde. „Gut, wie du willst. Trotzdem kannst du mir nicht verbieten, zu denken, was ich denken will“, entschied er dann mindestens so trotzig wie sie, was er ebenfalls nicht geplant hatte. „Und du kannst mir auch nicht verbieten, verletzt zu sein, da du offenbar gar nicht gerettet werden wolltest -“ Er zuckte die Schultern, erhob sich, tat so, als wolle er gehen.

„Alan!“, Edith sprang auf, lief ihm auf bloßen Füßen nach – und schon nach wenigen Schritten gaben ihre Beine unter ihr nach, sie wäre gefallen, hätte er sie nicht aufgefangen.

„Komm“, behutsam führte er sie wieder zurück zu ihrem Bett, „Leg dich etwas hin. Du brauchst jetzt Ruhe und solltest dich schonen. Ich hätte dich nicht aufregen sollen.“ Er seufzte. „Verzeih mir, dass ich so kindisch reagiert habe. Ich weiß nicht, was mit mir los ist.“ Und doch konnte Edith deutlich an seinem Gesicht ablesen, dass er seine Meinung nicht geändert hatte.

„Und ich wollte dir nicht weh tun“, flüsterte Edith, klammerte sich schutzsuchend an ihn, da sie fürchtete, er könnte sie auch noch verlassen, so wie alle anderen in ihrem Leben. Egal wie fremd er ihr in diesem Moment vorkam, zumindest schien er real zu sein, fühlte sich tröstlich lebendig an. „Nur … Alan, ist das alles wirklich passiert oder war es nur ein böser Traum?“

„Ich … ich weiß es nicht“, gestand er nach kurzem Zögern, denn er verstand durchaus, was sie meinte, kam ihm das alles doch auch so herrlich absurd vor, so als könne es sich nur jemandens überhitze Fantasie ausgedacht haben. „Das alles ist so ...“, er lachte verlegen, „wie aus dieser Geschichte, an der du immer geschrieben hast.“ Er brach ab, seufzte. „Das hätte ich auch nicht sagen sollen, nicht wahr?“

Edith zuckte die Schultern; sämtliche Worte, die sie je in ihrem Leben geschrieben hatte, die ihr ein und alles gewesen waren, schienen jetzt plötzlich all ihre Bedeutung verloren zu haben, waren sie ohnehin nicht mehr, nachdem Lucille das Manuskript ins Feuer geworfen, die Arbeit all der Jahre vernichtet hatte.

„Ich meine, ich mache doch alles durch jedes Wort, das ich sage, nur noch schlimmer“, Alan lachte freudlos, senkte verlegen den Blick, „Ich sollte vielleicht gar nicht hier sein, sondern dich in Frieden lassen, bis es dir besser geht und du dich erholt hast.“
„Nein, geh nicht!“, erschrocken hielt Edith seinen Arm fest, obwohl er noch gar keine Anstalten gemacht hatte, seine Worte in die Tat umzusetzen. „Bleib. Bitte, lass mich nicht allein.“ Sie sah sich misstrauisch um, kamen ihr die Wände nach alledem doch viel zu weiß und künstlich vor.
„Lass nicht zu, dass sie mich einsperren!“ Sie hatte eine dumpfe Vermutung, dass dies vielleicht auch eine andere Art von Hospital sein könne, als die, die man kannte. Eines von denen, aus denen man nie wieder hinauskam, egal wie gesund man sich körperlich auch fühlen mochte.

„Dir kann nichts passieren“, versicherte Alan in beruhigendem Tonfall, so als spreche er zu einer Patientin. War sie das nun für ihn, dachte Edith, oder noch immer seine Freundin aus Kindertagen? „Selbst wenn dir jemand etwas vorwerfen würde, ich würde für dich aussagen. Ich habe schließlich genug gesehen.“ Er lächelte schief, so als wolle er das alles nun abtun, um sie nicht zu beunruhigen, „Du musst dir keine Sorgen machen. Alles, was du jetzt tun musst, ist wieder gesund zu werden. Und -“, er brach ab, sprach nicht weiter, einfach weil es ihm schwer fiel, in dieser ungewohnten Situation Worte zu finden.

Sicher, er war Arzt, war es gewohnt, gute und schlechte Neuigkeiten über den Gesundheitszustand anderer zu überbringen, aber das hier war weder seine Patientin, noch war es an ihm, hier überhaupt zu urteilen. Und vielleicht wollte er diese ganze Sache hier selbst nicht wirklich wahr haben?
Am liebsten wollte er doch selbst nur noch aus diesem absurden Albtraum erwachen und diesen schnellstmöglich vergessen.

„Und?“, Edith hob den Blick, sah ihn fragend an, hatte sie seinen Unterton doch durchaus aufgefangen und wusste nun, dass er etwas verbarg.
„Sag mir die Wahrheit“, forderte sie, versuchte so gefasst wie möglich zu klingen, ging sie doch davon aus, dass er eine Hiobsbotschaft von ihr fern zu halten versuchte, so wie dass sie noch wenige Monate zu leben habe, weil das Gift ihre inneren Organe geschädigt habe oder dergleichen. Normalerweise wäre sie in Tränen ausgebrochen, aber jetzt schien ihr das alles fast schon eine Beruhigung, sie konnte sich selbst nicht erklären, wieso.
„Vielleicht“, so sagte ihr eine böse kleine Stimme, „hast du es ja auch gar nicht besser verdient Edith. Du hättest Thomas retten können, aber stattdessen hast du nur an dich selbst gedacht. Du hast ihn alleine gelassen. Er könnte noch leben ...“
„Alan“, sie nahm seine Hand, sah ihn mit festem Blick an, „sag mir, was los ist“, sie stockte, da es ihr doch schwer fiel, dies auszusprechen, „Bin ich … krank?“

Er zögerte. „Nein“, entschied er dann, „du bist schon auf dem Weg der Besserung. Nur -“
„Nur was?“ Edith fühlte, wie sich ihr Magen zusammenkrampfte – jetzt kam wohl die schlechte Nachricht, auf die sie gewartet hatte. Alles schien möglich.
„Du bekommst ein Kind“, erwiderte Alan tonlos, sah dabei nicht sie an, sondern die Wand, so als bringe er es nicht fertig, ihr noch ins Gesicht zu sehen.

Edith wusste nicht, was sie sagen sollte. Sie hatte jede andere Nachricht erwartet, aber nicht das.
Sie fühlte sich überrascht, verängstigt, schwindelig … sie war sich nicht sicher, was sie empfinden sollte.

„Mach dir keine Sorgen, wir werden eine Lösung finden“, versprach Alan derweil so beruhigend, wie er es nur vermochte, da er Ediths Reaktion erneut anders deutete, so, wie er es für sich erwartet hatte, dass sie reagierte. „Ich meine“, er räusperte sich verhalten, suchte ihren Blick, hoffte, dass sie ohne Worte verstand, was er meinte.

Edith starrte ihn erschrocken an. „Du meinst …?“ Das schien ihr das Schrecklichste, was er bisher in dieser Unterhaltung zu ihr gesagt hatte. Konnte er das wirklich ernst meinen? Begriff er denn gar nichts? Konnte das wirklich sein, dass er nicht auch nur den Funken davon verstand, wie sie sich gerade fühlte?

„Ich meine, es gibt Wege“, fuhr Alan fort, hoffte so ihre Bedenken, wie er glaubte, zu zerstreuen, „Und -“

„Nein!“, fuhr Edith ihn an, fast schon panisch, so als könne er sie gleich zu irgendeinem Arzt schleppen oder in ein abgedunkeltes Hinterzimmer in einer Nebengasse, wo ein altes Weib mit einem rostigen Kleiderbügel wartete.

„Nein?“, echote Alan erstaunt; er war davon ausgegangen, dass er sie mit seinen Worten hätte beruhigen können, aber das Gegenteil schien wohl der Fall. „Mach dir keine Gedanken, in deiner Situation wird jeder Verständnis haben, bist du doch zudem ohnehin geschwächt -“

„Nein! Wag es ja nicht!“, fuhr Edith ihn an, schlang die Arme um sich, funkelte ihn so wütend an, dass er nun erkannte, dass sie etwas ganz anderes dachte, als er geglaubt hatte.
„Ich … ich dachte doch nur“, stammelte Alan, der sich nun völlig verwirrt fühlte, denn er hatte alles erwartet, aber nicht diese Reaktion. Allein die Erkenntnis, welche Pläne Edith offenbar hatte, warf ihn doch mehr als nur aus der Bahn.

„Gar nichts hast du gedacht!“, Edith funkelte ihn indes zornig an, „Wie kannst du so etwas überhaupt nur denken?“ Sie hatte dabei instinktiv die Hand auf ihren Bauch gelegt, so als wolle sie so nicht nur sich selbst, sondern auch das Wesen beruhigen, das darin wuchs und das doch noch viel zu klein war, um das alles hier zu begreifen.

Alan sagte nichts – er war sich nicht sicher, was er von alledem halten sollte. Fast hoffte er, die Krankheit habe Ediths Sinne geschwächt, sie durcheinander gebracht, stand sie doch sicherlich noch unter Schock, doch gleichzeitig ahnte er, dass dem nicht so war und sie sehr genau wusste, was sie hier sagte.
Und die Erkenntnis, die sich daraus ergab, traf ihn doch hart. Er fühlte sich um Monate zurück versetzt, an den Abend, als sie mit Thomas getanzt hatte … als er sie zum ersten Mal für immer verloren hatte ...

Er hatte gehofft, nach diesem dramatischen Ende sei alles nun vorüber, es würde die Zeit kommen, in der endlich das Schicksal seinen Lauf nehmen und alles wieder gut werden würde ...
… doch schien alles sich ganz anders ergeben zu haben, so dachte er, während er Edith betrachtete, die zwar einerseits noch immer blass und geschwächt wirkte, aber gleichzeitig doch so entschieden, was alles andere betraf.
„Du solltest dich schämen“, sagte sie, hielt inne, sah hinunter auf ihre Hand, so als werde sie sich erst jetzt gewahr, dass diese schon die ganze Zeit auf ihrem noch flachen Bauch ruhte, fuhr dann leise, fast schon flehend fort, „Es ist doch das einzige, was mir geblieben ist, alles, was ich noch habe.“

„Aber ...“, Alan biss sich auf die Zunge, sprach nicht weiter; das war erneut ein Schlag und er hatte das Gefühl, dass es vielleicht sogar schon der Todesstoß sein könne. „Ich verstehe“, sagte er nur dumpf, senkte den Kopf, einfach weil er es nicht ertrug, dass sie tatsächlich über das, was er für eine Schocknachricht für sie gehalten hatte, sogar noch glücklich sein konnte.

„Es ist doch meine einzige Erinnerung, die mir immer bleiben wird“, Edith starrte in Gedanken versunken auf die Bettdecke. Alan sagte nichts, fixierte einfach seine Füße – die Stille vermochte er fast noch weniger zu ertragen als vorher, als sie ihm Vorwürfe gemacht hatte.
So war er nun mit seinen Gedanken alleine, vor allem dieser, ja, schrecklichen Eifersucht, die er überwunden zu haben glaubte. Er wusste selbst, dass es lächerlich war, weilte sein Rivale doch längst nicht mehr unter den Lebenden – und doch kam er nicht umher, noch immer dieses brennende, schmerzende Gefühl zu verspüren, als bohre jemand mit einem Messer in seinem Herzen herum. Fast wünschte er, er hätte ihm eine andere Stelle gedeutet und die Klinge hätte ihm ein kurzes, gnädiges Ende bereitet.

Er wollte plötzlich nur noch weg, das alles hier für eine gewisse Zeit hinter sich lassen; einerseits wollte er, dass Edith glücklich war, aber andererseits wusste er auch, dass er es nicht ertragen, es ihm erneut das Herz brechen würde.

„Ich … sollte gehen“, sagte er, machte Anstalten, sich zu erheben – und ließ sich zurück auf den Stuhl sinken, als er Ediths Hand auf seinem Arm fühlte.
„Alan ...“, er wand den Kopf, wollte ihr dennoch erst ausweichen, vermochte es aber nicht, „sieh mich an.“ Gehorsam blickte er in ihre Augen, dieses Kornblumenblau, das er in- und auswendig zu kennen glaubte.
„Gib ihm nicht die Schuld“, bat sie, ließ dabei ihre andere Hand weiter auf ihrem Bauch ruhen, so als wolle sie das kleine Wesen darin beruhigen, ihm versichern, dass ihm nichts geschehen werde, „versprich mir das.“

„Aber ...“, das Wort hatte er heute schon viel zu oft gesagt, er wusste es selbst, aber er fühlte, dass er ehrlich mit ihr sein sollte, „Edith, du weißt nicht, was du da von mir verlangst“, das hatte er ausgesprochen, bevor er die Worte überhaupt hatte bedenken können – und es kam ihm selbst nicht in den Sinn, dass ihre Aussage etwas ganz anderes gemeint haben könne, als er glaubte.
Er wusste selbst, dass seine Antwort genau das war, was sie nicht hören wollte und es sie nur weiter kränken würde. „Ich … ich sollte jetzt gehen ...“, er hielt inne, machte sich vorsichtig aus ihrem Griff los, „Ich will dich nicht weiter kränken.“
Er erhob sich ruckartig, wich Ediths Blick aus, als er in Richtung Tür ging. „Gib mir etwas Zeit.“

„Alan -“ Das verzweifelte Wimmern einer Ertrinkenden, der die letzte Planke genommen wurde, an der sie sich festhalten konnte. Alan war doch der letzte Mensch, der ihr geblieben war – und jetzt würde auch er sie verlassen.

Er wand den Kopf, begegnete ihrem fassungslosen Blick. „Gib mir etwas Zeit“, wiederholte er tonlos, dann schloss sich die Tür hinter ihm.
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