Die Reise der Victory [MMFF]

MitmachgeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16
08.01.2016
20.11.2017
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Die Reise der Victory


♦ Der Prolog ♦


Es war dunkel und still, bis auf ein leichtes Sirren, welches an seine Ohren drang. Für den alten Dr. Winton fühlte es sich an, als würde er aus einem tiefen, traumlosen Schlaf erwachen. Beinahe, als wäre er mal wieder in seinem Labor, vollkommen übermüdet, über seiner Arbeit eingeschlafen.
Doch diese dunkle, winzige Kammer - die mehr Ähnlichkeit mit einer der Gefrierfächer hatte, in der Leichen vor und nach der Obduktion aufbewahrt wurden - war bei Weitem nicht sein Labor.
Er stöhnte, als er den Kopf leicht anhob und einen Blick Richtung seiner Beine warf, welche von dem diffusen Licht beschienen wurden, welches durch die Scheibe darüber fiel.
Nach einigen Augenblicken der Desorientierung erinnerte er sich langsam. Dies war eine der zahlreichen Kryo-Kapseln auf der Victory, welche er selbst mitentwickelt und eingebaut hatte.
Winton stöhnte ein weiteres Mal auf, als er dieses Mal die Arme bewegte und nach den Eject-Schaltern tastete. Beide mussten gleichzeitig gedrückt werden, um manuell vom Inneren aus die Kapseln zu öffnen.
Zischend entwich die Luft aus der Kryo-Kammer und Winton hielt sich die Nase zu, um den Druckausgleich angenehmer zu machen und seine Trommelfelle zu entlasten.
Ein kurzer Ruck ging durch die Trage, auf der er lag und im nächsten Moment glitt sie heraus als sich die Luke, durch die das Licht fiel öffnete.
Mit steifen Gliedern erhob er sich von der Trage und inspizierte sogleich das Display neben sich. Die Werte lagen soweit im Normalbereich und so wie es schien, hatten die Kapseln ihren Zweck erfüllt und seine Körperfunktionen soweit heruntergefahren, dass er mit einem Minimum an Energie und ohne ersichtliche Alterung einige hundert Jahre wie im Schlaf verbracht hatte.
Nach einigen Minuten der Akklimatisierung, stutzte Winton das erste Mal.
«Computer, wie lange war ich in Stasis?», brachte er krächzend hervor, nachdem er sich zuvor geräuspert hatte.
«Sie haben an diesem Terminal keine Berechtigung für diese Auskunft, Dr. Winton.», antwortete eine distanziert höfliche Damenstimme aus dem schmalen Lautsprecher unterhalb des Displays.
«Gut... wo sind wir?»
«Sie haben an diesem Terminal keine Berechtigung für diese Auskunft, Dr. Winton.»
Winton grummelte unzufrieden.
«Wurde außer mir sonst noch jemand aufgeweckt?»
«Sie haben an diesem Terminal-»
«Ja, verdammt!», fluchend unterbrach Winton den Computer und seufzte daraufhin erneut. «Welches Terminal kann mir diese Auskunft geben?»
«Informationen der Klasse B sind an den Terminals in den Wohnquartieren berechtigter Personen oder an den Terminals in den Bereichen der Zugangsstufe B erhältlich.»
Winton setzte vorsichtig die nackten Füße auf den glatten Boden und belastete einen Augenblick vorsichtig seine Beine. Als er sicher war, dass sie nicht direkt unter ihm nachgeben würden wandte er sich wieder gen Display.
«Ich benötige eine Routenbeschreibung von hier zur Brücke und zur Aussichtsplatform darüber.»
«Selbstverständlich, Dr. Winton. Einen Augenblick Geduld bitte.»
Winton nutzte die Zeit und sah sich genauer um. Er war in der zweiten großen Halle untergebracht worden, in der die Kryo-Kammern eingebaut worden waren. Die Victory war das erste Raumschiff, welches diese Masse an Kapseln aufnehmen und mit ausreichend Energie versorgen konnte. Winton lehnte an der Trage, auf der er vor Kurzem noch gelegen hatte. Vor ihm lag der größte Teil der Halle, deren Ende er nur erahnen konnte. Neben dem Display an der Wand zu seiner Linken ging eine Leiter geradewegs nach oben, wo über seiner Kammer noch zwei weitere waren. Wer auch immer darin lag, durfte nach seinem Erwachen erst einmal die Sprossen bis zum Boden herunter kraxeln. Winton beneidete sie nicht.
Hinter ihm lagen noch ein paar Kammern bis das Ende auf dieser Seite der Halle erreicht war und eine breite Tür in den Zugangskorridor führte. Aus eben diesem sirrte in diesem Moment eine leuchtende Kugel herein und hielt direkt auf Dr. Winton zu. Sie schwebte um ihn herum und blieb in Augenhöhe vor ihm in der Luft hängen.
«Ihre Eskorte, Dr. Winton.», kommentierte die Computerstimme das Auftauchen der Kugel. Winton musste schmunzeln. Zunächst war es nur als Scherz gedacht, die Kugeln, welche an Bord der Victory jede Aufgabe von Lichtspenden, über Wegbegleitung (damit man sich auf den vielen Stockwerken und Korridoren nicht verirrte) bis hin zur Speicherung eigener Daten auf einer persönlichen Kugel, übernahmen, als Eskorte zu bezeichnen. Winton hätte sich auch mit der Bezeichnung „Kugel“ zufrieden gegeben, doch die jüngeren Wissenschaftler in seinem Team waren nicht davon abzubringen gewesen, diesen kleinen Scherz in die Tat umzusetzen.
«Dr. Winton, mein Name ist Gi. Ich hoffe, ihren Aufenthalt auf der Victory so angenehm wie möglich gestalten zu können.» Die Lichtkugel schwebte einige Zentimeter gerade herunter und anschließend wieder herauf, als würde sie sich verbeugen.
«Sehr erfreut, Gi. Führe mich bitte zur Brücke.»
«Sehr wohl, Doktor.» Gi schwebte wenige Sekunden später in mäßigem Tempo um Dr. Winton herum und den Weg zurück, den sie gekommen war. Winton folgte ihr während er einen letzten Blick über die verschlossenen Kammern schweifen ließ. So wie es aussah, war er tatsächlich der Einzige, der aufgeweckt worden war. Warum, das gedachte er auf der Brücken herauszufinden. Dort war der Knotenpunkt aller Informationen und er besaß die Berechtigung auf die dortigen Systeme zuzugreifen.
Ihn beschlich das Gefühl, dass hier etwas fürchterlich schief gegangen war, während Gi ihn durch Korridore und via Transporter Stockwerk um Stockwerk nach oben führte.
Vor einer dicken extra verstärkten Tür gab er seine Zugangsdaten ein, es dauerte einen Augenblick, doch dann glitt die Tür mit einem akzeptierenden Piepen auf und gab den Korridor vor der Brücke frei. Unruhig ging Winton darauf zu und zitterte als er die Hand auf den Sensor zum Öffnen der Tür legte. Als diese auf glitt, trat er ein und wandte sich direkt nach links an die Hauptkonsolen. Das System war nur auf den Betrieb der Kryo-Kammern eingestellt, daher dauerte es einige Minuten bis er Zugang zu den anderen Systemen, allen voran zum Logbuch, erhielt.
Dr. Winton konnte es kaum fassen. Nach dem Start und der Programmierung des Autopiloten der Victory war alles gut gegangen, doch seine Intuition sollte ihn nicht getäuscht haben. Irgendetwas – er konnte noch nicht genau sagen, was – hatte das Raumschiff von seiner Route abkommen lassen und nun trieben sie im Standby-Modus in der Leere zwischen zwei Galaxien.
Fassungslos blickte Winton von den Konsolen auf und schritt langsam in Richtung der verglasten Wand gegenüber der Tür, von wo aus man einen guten Blick auf den vorderen Teil des Raumschiffes hatte. Weit und breit war so gut wie nichts zu sehen, nur in der Ferne – sofern bei den Dimensionen und der Relativität des Weltraums von 'Ferne' gesprochen werden konnte – blinzelten Sterne wie verschlafene Augen in Richtung der Victory.
Winton fuhr sich mit der Hand durchs Gesicht.
«Verdammt.»


♦ Die Idee ♦


Die Victory ist in den Weiten des Weltraumes gestrandet. Bisher ist nur Dr. William Winton aus seinem Kryo-Schlaf erwacht, das System muss wohl einen Fehler registriert haben und hat die Person aufgeweckt, welche in der Lage wäre zu helfen – den Entwickler. Lebensmittel, Sauerstoff und Wasser sind knapp bemessen, denn es war nie geplant, damit auf unbestimmte Zeit zu überleben.
Geplant war die Reise als Rettungstransport. Sobald die Victory in der Nähe eines sicheren, bewohnbaren Planeten angelangt war, sollte sie diesen umkreisen und die Passagiere in den Kyro-Kammern aufwecken. Doch nun kam es anders und es ist an Dr. Winton, herauszufinden, was der Grund dafür ist und wie es nun weiter gehen soll. Denn einfach wieder in die Kryo-Kapsel zu steigen und für die nächsten Hundert Jahre zu schlafen ist keine Option. Einmal aufgewacht gibt es keinen Weg mehr zurück.


Und damit herzlich Willkommen zu meiner ersten Prosa-Mitmachgeschichte. Im Fanfiktion-Bereich gab es schon die ein oder andere von mir, nun kam mir aber die Idee zu dieser Geschichte und ich wollte sie in kein bestehendes Universum einbinden.
Storytechnisch kann ich euch noch nicht so viel verraten, was folgenden Grund hat: ich möchte, dass ihr direkt am Anfang mitentscheidet. Mehrere Ideen und Szenarien schweben mir diffus im Kopf herum, da ich mich nicht entscheiden kann (bzw. es bisher einfach noch nicht getan habe), möchte ich euch direkt zu Beginn einbinden und euch um eure Meinung bitten. Bei meinen Mitmachgeschichten bin ich generell immer sehr erpicht darauf, die Leser und „Mitspieler“ so gut wie möglich einzubinden. Ihr dürft euch also darauf gefasst machen (und darauf freuen!), dass ihr viel Mitbestimmungsrecht und Entscheidungsgewalt bei dieser Geschichte haben werdet.