Eigentlich unwichtig

von Franzi-i
GeschichteAllgemein / P6
07.01.2016
07.01.2016
1
4131
1
Alle
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
 
Hallo :)
Ich habe das Ganze eben gerade fertig geschrieben und nicht nochmal drüber gelesen, weshalb ich hoffe, dass es nicht allzu unstrukturiert ist.



Hier schreibe ich, was ich nicht sagen kann. Nicht weil ich niemanden hätte der mir zuhören würde, oder weil es so schlimm wäre, dass ich nicht darüber reden kann, sondern einfach weil ich zu verschlossen bin.

Eigentlich hätte mein Leben perfekt sein können, sollen.
Ich habe eine tolle Familie, gute Freunde, Hobbys die mir sehr viel Spaß machen, gute Noten in der Schule ohne viel zu lernen, keine Geldsorgen und trotzdem empfand und empfinde ich an so manchem Tag mein Leben als zu anstrengend, als eine Last.

Ein wenig anders als die meisten war ich so im Nachhinein betrachtet schon immer, nur ist es mir damals nicht aufgefallen. Seit ich in die Grundschule gegangen war, hatte ich, aus mir nicht erfindlichen Gründen, die feste Überzeugung, dass sich andere über mich lustig machten. Diese Angst war unbegründet, aber ich war schon damals verdammt gut darin, mir Dinge einzureden, die nicht waren. Ich erinnere mich noch ziemlich gut daran, dass ich in der zweiten oder dritten Klasse  einmal eine heutige Freundin von mir unbegründet völlig übertrieben angeschrien hab. Es ging darum, dass es keinen Sinn machen würde mit ihr befreundet zu sein. Tatsächlich hatte es mich einfach nur aufgeregt, dass sie sich so gut mit meiner damaligen besten Freundin verstand.
Ein anderes Mal, das war glaube auch in der dritten Klasse, hab ich mich mit irgendeinem Jungen halb geschlagen.
Meine Reaktionen waren oft übersteigert, vor allem Wut empfand und empfinde ich stärker als es normal ist. Aber es ist keinesfalls so schlimm, dass es irgendwem auffallen würde, auch damals hat niemand bemerkt, dass das zu dieser Zeit fast schon krankhaft war.
Das Ganze hatte sich ein wenig auf der Realschule gelegt, vor allem dachte ich nicht mehr, dass sich jeder über mich lustig machen würde, was auch nie der Fall gewesen war.
Jedoch hatte ich manchmal so Phasen wo ich gegenüber meiner Mutter ( ich kann mich nicht erinnern, dass es bei sonst jemandem gewesen wäre.) völlig kopflos ausgerastet bin. Das lag bei mir ziemlich stark an der Pubertät und auch nur am Anfang, wo ich ungefähr 11 oder 12 war. An einem Tag hab ich, und bitte erschlagt mich dafür nicht in Gedanken, zu meiner Mutter gesagt, ich würde sie umbringen.
Jetzt gerade fällt mir ein, dass ich ihr gegenüber immer sehr misstrauisch als Kind gewesen war und sie mal gefragt hatte, ob der Tee irgendwie vergiftet wäre. Ich vermute, dass das der Einfluss von Horrorfilmen oder sonst was war, die ich damals massiv geguckt habe. Anders kann ich mir das nicht erklären.
Ich hatte überhaupt keinen Grund solche Dinge zu meiner Mutter zu sagen, oder über sie zu denken. Sie hat sich so weit ich denken kann immer für mich eingesetzt, ist mit allem möglichen super verständnisvoll und immer für mich da.
Aber ich hatte früher Dinge ganz gerne mal vollkommen falsch eingeschätzt.

Zu der Zeit als ich ungefähr in die sechste Klasse kam bemerkte ich, dass ich irgendwie müder war als sonst. Ich schlief sehr viel und war von geringer körperlicher Anstrengung vollkommen erschöpft. Im Skiurlaub konnte ich nicht an einem Stück eine recht kurze Strecke durch den Schnee zurücklegen, weil es mich zu sehr angestrengt hatte. Im Sommer war meine Haut wesentlich blasser als sie es früher gewesen war und ich ging fast überhaupt nicht mehr raus. Wenn meine Familie einen Spaziergang mit mir machen wollte, hatte ich immer halb schlafend abgelehnt. Mir war schon längst aufgefallen, dass mit mir irgendetwas nicht stimmte und als mir dann mit der Zeit über die Hälfte der Haare ausfielen, begann ich mir verdammt große Sorgen zu machen. Inzwischen konnte ich kaum mehr als fünf Treppenstufen am Stück gehen, manchmal war ich sogar so erschöpft, dass ich mich erst einmal auf die Treppe setzen musste und eine Pause von ungefähr zwei Minuten gemacht hatte. Ich wusste, dass ich das meinen Eltern erzählen sollte/ musste, aber ich hatte zu große Angst davor, dass es was wirklich schlimmes sein konnte. Das war ungefähr mit Ende 12. Damals habe ich mir die schrecklichsten Sachen ausgemalt, tatsächlich war ich fest davon überzeugt, dass ich sterben müsste. Oftmals habe ich viel geweint und unfassbare Angst gehabt. Meine Haare, die ich immer weiter verlor sammelte ich vom Boden und der Haarbürste auf und legte sie fein geordnet in den Mülleimer. Unordentlich oder durcheinander habe ich sie nie dort hinein geschmissen, sie mussten immer in eine Richtung liegen. Da ich die Haare vom Boden und der Haarbürste immer aufgesammelt hatte, fiel meinen Eltern nicht auf, dass ich irgendwie krank war. Nach ungefähr 1,5 Jahren, in welchen ich unglaubliche Angst fast jeden Tag gehabt hatte, erzählte ich meiner Mutter, dass ich mehr Haare als normal verlieren würde.
Beim Arzt stellte sich dann heraus, dass ich mir so richtig unbegründet diese Sorgen gemacht hatte, denn ich hatte (bloß) extremen Eisenmangel. Das klang erstmal sehr schön, aber wie Ärzte und Eltern so sind, wollten diese den Grund für meinen Eisenmangel in Erfahrung bringen ( ich habe bis heute übrigens keine Ahnung woher der Eisenmangel kommt, ich nehme einfach jetzt mein leben lang Eisenpräparate, womit ich ganz gut leben kann ).
In den nächsten Jahren hatte ich recht viel Zeit in allen möglichen Krankenhäusern verbracht. Für mich war das damals alles andere als angenehm, zwei mal Magendarmspieglung, ständig Blutabnehmen, als unglaublich verklemmtes Mädchen mit dreizehn zum Frauenarzt ( ja ich fand das echt scheiße damals, hab mich halt immer schon ganz gerne ein wenig angestellt ) und sonstige wirklich  für mich unangenehme Maßnahmen, die angeblich meine ( nicht vorhandene, es wurde nur vermutet ) chronische Darmerkrankung „heilen“ sollte. Irgendwann war ich richtig angepisst und habe zusammenhanglos schreiend meiner Mutter vorgeworfen, dass mich nie jemand gefragt hatte, ob ich das überhaupt alles wollte, also die Arztbesuche. Und wie man das in dem Alter so macht, stellt man sich ganz gerne zu oft die Frage warum ich? Warum?
Nach langem hin und her hatte ich dann mit 16 ungefähr gemeint gehabt, das reicht jetzt. Ich geh nicht mehr zu irgendwelchen Untersuchungen, ich hab keine Beschwerden und wenn ich immer die Eisenpräparate nehme dann gehts mir gut.
Was wohl erst Jahre später ( dieses später ist jetzt, gestern und auch morgen) wichtig für mich sein würde war, dass ich ab dem Zeitpunkt seit mir die Haare ausgefallen sind und ich so müde war, ich sehr oft taggeträumt hatte. Aber dazu später mehr.

So, ich musste nicht mehr ins Krankenhaus oder zum Arzt, ist doch eigentlich alles gut, oder? Schien tatsächlich so zu sein. Da meine Haare noch immer kaum nachgewachsen waren, hatte ich mir Extensions beim Frisör machen lassen. Irgendwie hätte ich auch ganz gerne so zwei oder drei Kilo weniger gewogen, was dazu geführt hat, dass ich nach ein paar Monaten nur ein halbes Brot zum Morgen, so ungefähr zwei kleine Kartoffel zu Mittag und zu Abend nichts gegessen hatte.  Glücklicherweise hat sich das Ganze nachdem ich im Skiurlaub war, wo ich Gott sei Dank keine Waage hatte, wieder gebessert.
Dann aber jetzt alles gut, irgendwie und irgendwie nicht. Meine Launen wurden seltsamer, einmal da habe ich mich über Kleinigkeiten mega gefreut, einmal habe ich über Kleinigkeiten Rotz und Wasser geheult. Anfangs war das nicht so oft, vielleicht drei mal im Monat. Kann doch mal sein, dachte ich mir. Bis ich Mitte siebzehn war, hatte sich das Ganze schleichend langsam gesteigert, dass ich erst gar nicht richtig registriert habe, dass es langsam aber sicher krankhaft wurde.
Obwohl ich zu der Zeit von meiner Psyche schon nicht mehr stabil war, würde ich doch sagen, dass die Zeit von sechzehn bis siebzehn für mich in meinem Leben die Leichteste war.
Versteht mich nicht falsch, ich glaube nicht, dass mein Leben im gesamten misslungen oder schlecht ist, es wurde halt nur irgendwann sehr schwer und es wurde auch wieder leichter und wieder schwerer, das wird wohl für immer so sein. Inzwischen ist das aber in Ordnung, ich habe gelernt damit einigermaßen umzugehen.

Mitte siebzehn, ich befand mich am Ende der elften Klasse, war gut in der Schule und es war mir wichtig gut zu sein. Zu wichtig. Zwar habe ich nie viel gelernt, fast überhaupt nicht, aber der Wille gut zu sein, war zu viel. Der hat mir mit der Zeit, vor allem in der Zwölften den Rest gegeben. Auf einmal ist alles über mir zusammen gebrochen. Ich hatte das Gefühl nicht mehr zur Schule gehen zu können, kaum ein Tag verging an dem ich nicht absolut grundlos geweint hatte. Irgendwo um diese Zeit habe ich dieses Portal für mich entdeckt, es hat mich abgelenkt; dann wenn es meine Tagträume nicht mehr geschafft haben. Youtube wurde für mich ebenfalls eine schöne Ablenkung und es ist bis heute so, dass ich nur dann Youtube Videos schaue und nur dann auf diesem Portal lese und schreibe, wenn es mal wieder etwas schwieriger wird. Das ist eine ganz schön blöde Angewohnheit von mir, denn ich weiß ganz genau, dass es das nicht besser sondern schlechter macht. Aber hey, ich lerne ja schließlich noch.

Je näher der Winter in der Zwölften kam, umso schlechter ging es mir. Es gab keinen Tag an dem ich pünktlich zur Schule erschien, es gab keine Hausaufgaben, die ich gemacht hätte, viel zu oft hatte ich geschwänzt, aber ich hatte dennoch gut sein wollen und das war ich auch.
Mir war nicht bewusst, dass ich mich damit selber krank machte. Ich war nun achtzehn und ja was soll ich sagen, ist vermutlich nicht normal, dass man sich darüber mal so freut, dass man weinen muss.
Seit ich denken kann war ich immer schon eher ein Einzelgänger gewesen, aber es war nie so extrem wie zu dieser Zeit. Wenn irgendwer in der Freizeit was mit mir unternehmen wollte, lehnte ich ab, dazu hatte ich einfach keine Kraft mehr. Es strengte mich unglaublich an, wenn ich raus ging und nicht einfach nur in meinem Bett liegen konnte. So wollte ich doch nie wieder sein, mein Leben im Halbschlaf an  mir vorüberziehen lassen, aber inzwischen war es sowieso egal.

Im Alter von 17 hatte ich ein Pferd zum Geburtstag „bekommen“ gehabt, da das Pferd was ich bis dato immer geritten hatte, nun zu alt geworden war. Und dieses Pferd war der einzige Grund für mich mein Haus zu verlassen, weil für dieses war ich ja nun verantwortlich. Was hab ich wegen diesem Vieh (ich hätte nicht gedacht, dass man ein Tier so gern haben kann, wie ich es mittlerweile hab) zu dieser Zeit (17-18  Jahre) geheult, weil es unfassbar frustrierend war, da alles ein wenig schwieriger war, als es am Anfang aussah. Aber trotzdem wegen diesem Pferd, war mein Leben meistens für kurze Momente erträglich.
Schlimmer wurde meine Stimmung dennoch mit jedem Tag und ich hatte angefangen mich etwas über Depressionen und bipolare Störung zu informieren. Bipolare Störung weil ich manchmal unfassbar aufgedreht und „glücklich“ (ist eigentlich nicht das richtige Wort, mir fällt aber kein besseres ein) war. Heute glaub  ich aber eher, dass es eine mittelleichte Form von Depressionen war, die ich hatte und immer noch ganz leicht hab, obwohl ich glaub Depression kann man’s  jetzt nicht mehr nennen, abgesehen von einer Sache (dazu später mehr).
Mir war klar, dass ich das allein nicht mehr auf die Reihe kriegen würde, aber ich wollte meiner Mutter auf gar keinen Fall davon erzählen, weil sie sich vermutlich große Sorgen um mich machen müsste. Außerdem bekam sie immer von meiner Oma erzählt, wie schlimm doch alles mit meinem Opa (er hat Demenz und da wir alle in einem Haus wohnen, muss sich meine Mutter viel um ihn kümmern) wäre, da wollte ich sie nicht noch mit meinen Problemen belasten. Des Weiteren kann ich nur sehr schwer ertragen etwas nicht zu können, eine Schwäche zu haben. Ich hatte Angst, dass mich die Menschen anders behandeln würden, wenn sie es wüssten, aber wenn ich ehrlich war, fühlte ich mich nicht in der Lage alles normal zu machen wie sonst auch immer, ich hätte einen anderen Umgang gebraucht. Aber das sollte niemand wissen.
Nach ein oder zwei Monaten musste ich allerdings einsehen, dass es so nicht weiter gehen konnte. Das Tempo in dem sich alles verschlimmerte war zu schnell und so wollte ich den Rest meines Lebens auf gar keinen Fall verbringen. Der schlimmste Moment war als ich hyperventiliert und mal allein Alkohol getrunken hatte.
Seit Tagen war ich drauf und dran es meiner Mutter zu erzählen, fand aber immer wenn ich es versuchen wollte keine Worte und musste nur bei dem Gedanken wie ich es erzählen sollte weinen. Beim sechsten oder siebten Anlauf hatte ich es dann endlich mal unter Tränen auf die Reihe bekommen. Ich hatte nicht erzählt wie schlecht es mir ging, sondern sie gebeten mir einen Termin bei einem Therapeuten zu machen. Gleichzeitig hatte ich beschlossen die Schule abzubrechen, weil ich mir sicher war, dass meine Stimmung viel damit zu tun hatte. Teilweise war das auch so, aber bestimmt nicht ausschließlich. Die letzten Wochen nach den Winterferien wollte ich noch machen, dann aber zum neuen Halbjahr gehen (Gott, oder besser der Therapeutin sei Dank, ich habe die Schule nicht abgebrochen).

Als ich das erste mal dann bei der Therapeutin oder Psychologin (keine Ahnung was richtig ist ) war, hatte ich anfangs kein Wort heraus bekommen. Sie hatte nichts gesagt und gewartet bis ich Worte gefunden hatte.
Das was sie zu mir dann sagte war eigentlich nichts neues für mich. Ich sollte die Schule nicht so wichtig nehmen, sondern versuchen mit wenig Aufwand einfach das zu erreichen was geht. Und sie erzählte, dass auch viele Menschen ohne ein Einser Abi später gut zurecht kommen. Das wusste ich zwar alles auch vorher schon, aber ab diesem Tag war es das erste mal, dass ich das weitestgehend begriffen hatte. Sie hatte natürlich auch noch andere Dinge zu mir gesagt, daran kann ich mich aber nicht mehr erinnern.
Es war unfassbar wie schnell sich meine Laune in den darauffolgenden Wochen verbessert hatte. Ich musste nicht mehr jeden Tag heulen, ging fast pünktlich zur Schule und hatte wieder mehr Spaß an meinen Hobbys (diese hatte ich nach dem Gespräch mit der Psychologin stark reduziert. Davor hatte ich glaube sechs  oder sieben Hobbys, jetzt sind es nur noch drei die ich regelmäßig mache).
Insgesamt war ich tatsächlich nur drei mal bei der Psychologin. Zwischen dem ersten und zweiten Gespräch war ungefähr ein Monat Pause und ich hatte eigentlich gar nicht mehr groß was zu erzählen. Natürlich hatte ich noch immer eine recht instabile Psyche und recht oft geheult, aber es war auszuhalten und ich hatte rausgefunden wie ich damit umgehen konnte. Mein drittes Gespräch war dann im Sommer und es ging mir soweit ganz gut und ich meinte, dass ich nicht wiederkommen bräuchte. Bis nach den Sommerferien hatte es sich stetig verbessert, ich ging sogar für meine Verhältnisse oft weg.
Es hatte sich solange verbessert bis ich jemanden kennengelernt hatte, den ich interessant fand und mit dem ich mich ganz gern öfter treffen wollte. Dass das nicht leicht werden würde wusste ich, ich hatte was das betrifft einfach schon immer große Probleme gehabt. Wann immer ich einen Mann (Mann klingt irgendwie so alt, aber bei jedem über 20 kann ich wohl kaum Junge schreiben) ganz nett fand, war ich sehr gut darin mir möglichst banale Gründe auszudenken, warum das eine furchtbare Idee wäre. Es hatte mich bisher nie sonderlich gestört und bei dieser Person, die ich nun kennengelernt hatte dachte ich, dass ich es jetzt einfach mal versuche (das ist gar nicht so lange her, ein halbes Jahr ungefähr, ich war Ende 18). Schon vor dem ersten richtigen Treffen wäre ich am liebsten gar nicht erschienen. Was wenn ich ihm nicht mehr gefallen würde, wir hatten uns ja nur bei recht schlechtem Licht in einem Club gesehen, oder wenn er mir nicht mehr gefallen würde. Wenn wir uns nichts zu sagen hätten und sonst noch irgendwelche Sorgen gingen mir durch den Kopf. Es lief super. Bis ich wieder daheim war und mir erneut den Kopf zerbrechen konnte. Das zweite Treffen legte ich so weit wie möglich nach hinten und hatte bereits entschieden, dass ich danach nichts mehr mit ihm machen wollte. Ich hatte es wirklich versucht gehabt, aber in meinem Kopf war ein solcher Druck entstanden und der Stress den ich hatte konnte ich nicht aushalten. Schlagartig war meine Stimmung in nur zwei Wochen nach unten gegangen. Wieder kam ich mit Kleinigkeiten nicht zurecht, es war einfach zu viel. Zwar hatte ich auch bei unserem zweiten Treffen sehr viel Spaß gehabt, aber es ging nicht mehr. Zwar war das bestimmt nicht die feine Art, aber ich habe ihm einfach nicht mehr geantwortet, es ging nicht.
Es dauerte einige Wochen bis ich wieder einigermaßen gut klar kam.

So ich habe vorhin was von häufigem Tagträumen geschrieben, womit ich vermutlich mit 12 angefangen hatte. Als ich vor ein paar Monaten (in den Herbstferien) mit einer Freundin im Urlaub war, hatte ich auf Faktastisch gelesen, dass man extremes Tagträumen maladaptives Tagträumen nennt und noch irgendeine Information dabei. Ich dacht mir so komisch, heißt das etwa, dass die Leute nicht merken, wenn sie Tagträumen oder was ist gemeint. So dank Google, weiß ich, dass damit stundenlanges Tagträumen gemeint ist, wobei man teilweise auch Bewegungen des Tagtraumes nachmacht und man durchs Tagträumen Pflichten und Sonstiges (Duschen, Essen, Schlafen) vernachlässigt. Klang erstmal total abwegig, klar ich hatte des öfteren Tagträume, aber, Moment mal wie oft hatte ich die denn? Darüber hab ich mir dann erstmal den Kopf zerbrochen und bin zu dem erschreckendem Ergebnis gekommen, dass ich mehr als vier Stunden täglich damit verbrachte. Viel mehr, manchmal in den Ferien zwischen acht bis zehn Stunden. Während der Schulzeit variiert es zwischen vier bis sechs. Dass man wegen sowas Dinge wie Essen und schlafen vernachlässigen könnte, klang ebenfalls völlig absurd als ich es im Internet gelesen hatte. Eine Stunde später war mir bewusst, dass ich genau das tue. Wenn ich zu Abend essen möchte, vergesse ich das fast immer, weil ich mit Tagträumen beschäftigt bin, sogar in der Schule mache ich das oft und manchmal leider Gottes auch beim Autofahren. Von meiner Umwelt bekomme ich noch alles bestens mit, aber beim Autofahren lenkt es natürlich unheimlich ab, aber es fällt mir eben oft erst gar nicht auf, dass meine Gedanken wieder abschweifen. Das ist verdammt nervig, vor allem vergesse ich dadurch verdammt viele Dinge, die eigentlich wichtig sind. Öfter habe ich versucht es zu lassen, einfach in der Realität zu leben, so einfach wie ich mir das gedacht hatte, ist es aber nicht. Nur Stunden nachdem ich das beschlossen hatte ging es mir wesentlich schlechter, und ich bekam wieder dieses ekelhafte Gefühl, dass ich immer hatte, wenn es mir verdammt schlecht ging. Also bleib ich wohl vorerst beim Tagträumen, gibt immerhin schlimmeres.

Ich hatte geschrieben, dass ich mich heute nicht mehr als depressiv bezeichnen würde, abgesehen von einer Sache. Es gibt da vermutlich ein kleines Problem das ich, seit ich versucht hatte mich mit der Person (von der ich geschrieben hatte) zu treffen, habe. Wann immer ich ein Messer sehe, zu oft wenn ich Auto fahre, wenn ich an befahrenen Straßen entlang laufe, wenn ich an einem Abgrund stehe (sei es bei irgendeinem hohen Felsen im Urlaub oder bei einem sehr hohen Gebäude) kommt mir der Gedanke wie ich mir das Leben nehmen könnte. Diese Gedanken verstehe ich nicht, denn es geht mir um so vieles besser als vor einem Jahr. Klar es ist nie leicht, aber es ist eigentlich in Ordnung. Ich hab eben gelernt damit zu leben. Es beunruhigt mich zu tiefst, dass ich fast jeden Tag daran denke, dass ich mit dem Messer in der Hand spiele, es mir manchmal an die Brust halte. Wenn ich normal über den Tod oder Selbstmord nachdenke kommt mir dieser Gedanke so absurd und unmöglich für mich vor. Warum sollte ich jetzt wo ich mein Leben einigermaßen schaffe, es beenden. Das würde doch keinen Sinn machen, also warum verdammt denk ich sowas. Und da diese Gedanken mich nun schon Monate plagen, werd ich wohl mal wieder bei der Psychologin anrufen. Ich würde sagen läuft bei mir xD
Ich glaub ich hab mir ein wenig zu sehr das ironische angewöhnt.

Schon komisch. Seit es mir vor einem Jahr so schlecht ging, habe ich das Gefühl wie früher wird es nicht mehr. Total bescheuert eigentlich, denn früher war es ja auch nie gut gewesen, darüber sollte ich mich besser nicht beklagen.
Oft höre ich, dass man für Bildung und was weiß ich nicht alles dankbarer sein sollte und für manche mag das stimmen, aber mir erscheint es ironisch. Schule wird mir so wie es momentan aussieht nie wieder wichtig sein, für Arbeiten habe ich seit dem es mir wieder etwas besser ging nicht mehr gelernt und leider ist mir die Welt und alles was so passiert erschreckend egal geworden. Es ist mir bewusst egal geworden, ich wollte mir nicht mehr den Kopf über Dinge zerbrechen, die ich eh nicht ändern kann. Was juckt mich das Kind in Afrika. Was stören mich irgendwelche kranken Menschen. Was interessieren mich die Anschläge in Paris. Schöne Einstellung, weiß ich. Mir ist bewusst, dass das auf lang keine Lösung sein kann und dass ich da langsam mal wieder gegen arbeiten sollte. Vor einem Jahr habe ich mir bei allem gesagt, ist nicht wichtig, es zählt nur dass du selber wieder zurechtkommst. Für genau diese Zeit war das auch in Ordnung, aber jetzt ist es das nicht mehr. Jetzt sollte ich besser wieder für die Schule lernen, sollte mich wieder ein wenig mehr für die Welt und andere Menschen interessieren (um ehrlich zu sein stellt sich mir da aber die Frage warum sollte es mich interessieren). Das habe ich auch bereits versucht, aber es erweist sich doch um einiges schwerer als gedacht. Alles einfach sein zu lassen, sich nicht mehr den Kopf zu zerbrechen war verglichen recht leicht. Sich vor ein Schulbuch zu hocken oder im Unterricht aufzupassen finde ich sobald ich es mal mache (und das geschieht sehr sehr sehr selten) gar nicht mehr tragisch, aber bis ich mal so weit bin vergeht ewige Zeit. Es fühlt sich an wie eine Blockade, so als würde man einen Weg entlang gehen wollen, ist aber am Boden festgebunden. Man weiß was man möchte, kann es aber nicht. Genauso geht es mir auch mit meinem Opa. Dort bin ich von mir doch egal weggekommen, toll was ne Leistung, nicht xD Ich würde ja auf ihn manchmal aufpassen, oder mit ihm mal spazieren gehen, doch es geht nicht. Das ist einfach unmöglich. Meine Oma hat es auch mal angedeutet (als Geburtstagsgeschenk wären gekaufte Sachen nicht so viel Wert, wie wenn man mal auf den Opa aufpassen würde, als ich sie gefragt hatte ob sie sich was zum Geburtstag wünscht). Jedes mal wenn sich meine Oma wieder über meinen Opa beklagt, ich ihn beim Mittagessen sehe, oder ich nur die Wohnung unter uns betrete (da wohnen meine Großeltern) habe ich ganz plötzlich den sehr starken Drang mit dem Messer. Viel schlimmer als sonst. Wenn mein Opa wegen irgendwas ab und zu lacht erscheint es mir als mache er sich über uns alle lustig. Für mich ist er seit Jahren seelisch gestorben und ich hoffe so sehr, dass sein Körper es seiner Seele gleich tut. Das klingt ganz schön hart sich den Tod des eigenen Opas zu wünschen, aber er zerstört meine Familie. Meine Oma ist wegen ihm am Ende (ich denke ihr gehts noch viel schlechter als mir zu meiner schlimmsten Zeit) und meiner Mutter kann ich langsam aber sicher dabei zusehen, wie sie immer gestresster und genervter wird.

So ich glaub das war soweit alles was ich mal sagen wollte. Es geht mir nicht darum, dass mir irgendwer der das liest die Fragen beantworten kann auf die ich momentan keine Antwort finde. Das geht nicht, will ich auch nicht, die muss ich wohl oder übel allein finden.
Zum Titel warum ich das „eigentlich unwichtig“ genannt habe. Ich finde es ist eigentlich unwichtig, dass ich psychisch krank bin, das ändert ja nicht wirklich wer ich bin. Es ist eigentlich egal ob das meine Freunde und meine Familie (weiß nicht jeder dass ich Probleme hab, meine Mutter klar aber wer sonst  aus der Familie keine Ahnung) wissen, aber nur eigentlich; nur in der Theorie, denn sonst würde ich es erzählen können. Eigentlich spielt es keine Rolle, ob ich krank bin und doch tut es das. So gerne ich auch hätte, dass es egal ist, ändert es nichts daran, dass ich nicht so sein kann wie ich möchte. Ich wünsche mir eine Stärke, die ich unmöglich haben kann, die Stärke mein Leben ganz normal zu meistern. Mit Belastungen so zurecht zu kommen wie es ein Gesunder tut, wie ich es in meiner Einbildung früher konnte. Ich möchte von niemandem anders behandelt werden, ich habe es gehasst wenn mich meine Mutter gefragt hatte ob ich verschiedene Dinge schaffen würde. Ich hatte dann immer mit ja geantwortet, obwohl die Wahrheit nein gelautet hätte. Klar inzwischen ist es besser als früher, aber von normal bin ich noch ein gutes Stück entfernt. Und trotzdem finde ich mein Leben im großen und ganzen mittlerweile gut und deshalb will ich, dass meine psychische Instabilität unwichtig ist.
Eigentlich unwichtig ist auch, dass ich früher diesen starken Eisenmangel hatte und oft in Krankenhäuser musste. Es ist vorbei und dennoch glaube ich, dass auch das meiner Psyche geschadet hat, vor allem als ich mir ein Jahr lang eingeredet hatte, dass ich sterben müsst. Gott war ich dumm xD
Schule, die Welt eigentlich ist mir das alles unwichtig. Ich wollte, dass es das ist, weiß aber dass diese Einstellung keine Lösung sein kann.

Es erscheint mir alles nur auf den ersten Blick unwichtig, wenn ich aber darüber nachdenke muss ich mir eingestehen, dass es das nicht ist.



Das war alles was ich mal sagen wollte, ich wünsche euch noch einen schönen restlichen Tag :)
Review schreiben