Ever Dream

GeschichteRomanze / P12
OC (Own Character) Tuomas Holopainen
06.01.2016
06.01.2016
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Hey-Yo ihr da draußen :)

Ich hab beschlossen, meine stillgelegte FanFiction über Ronja und Tuomas weiterzuschreiben :) Die alten Kapitel habe ich überarbeitet und schon ein paar Neue geschrieben ^^ Ich werde versuchen, jede Woche 1-2x ein Kapitel hochzuladen, kann aber nichts versprechen, da ich total busy bin :D
Noch eine kleine Anmerkung: Die Story weicht leicht von der Realität ab, und auch die Daten der Ereignisse stimmen manchmal nicht ganz (zum Beispiel war Tuomas hier viel früher mit Johanna zusammen als in Wirklichkeit).
Wie jeder Autor freue ich mich natürlich über Reviews, Abos, Bewertungen,... :)

GLG Caro <3

~*~

Schnell föhne ich mir die Haare. Ich habe nur noch eine Stunde Zeit. Dann fährt der Zug nach Tampere. Ich darf ihn auf keinen Fall verpassen. Der nächste Zug fährt erst eine Stunde später. Und es ist ein weiter Weg bis nach Tampere.
Heute ist der letzte Tag der Wishmaster Welttournee. Wishmaster ist das neuste Album meiner Lieblingsband Nightwish, einer Metalband, die ihre Ursprünge in Kitee hat und seit vier Jahren besteht. Zwar waren sie auch in Helsinki, wo ich wohne, aber das letzte Konzert ist immer das spannendste.
Ich kämme meine inzwischen trockenen Haare durch. Ich überlege, ob ich mir eine besondere Frisur machen soll, aber da meine Haare so dick und gelockt sind, lasse ich sie lieber offen. So sehen sie am besten aus. Danach öffne ich meinen überquellenden Kleiderschrank und suche das T-Shirt zu Wishmaster, das ich natürlich, genauso wie die CD, am Erscheinungstag käuflich erworben habe.
Als ich es finde, ist es leicht zerknüllt. Ich habe sehr selten Zeit zum Bügeln, weshalb meine Klamotten alle meistens so aussehen. Bis vor etwa vier Jahren habe ich bei meinen Eltern in einer Stadt namens Rääkkylä gelebt, nicht weit von Kitee entfernt. Als ich dann meinen Abschluss hatte, wollte ich (entgegen dem Willen meiner Eltern) Operngesang studieren. Da dieses Fach in unserer Nähe leider nicht angeboten wurde, musste ich nach Helsinki umziehen, wo ich jetzt in einem kleinen Haus am Stadtrand wohnte, das meine Großeltern von meinen Urgroßeltern geerbt hatten. Eigentlich war das Haus viel zu groß für mich allein, aber besser als in der Stadt Miete bezahlen zu müssen. Und irgendwann (ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben) werde ich auch von Tuomas Holopainen loskommen und mich in einen Mann verlieben, der innerhalb meiner Reichweite ist, kein weltberühmter Keyboarder.

Abermals sehe ich auf die Uhr. Noch 40 Minuten. Normalerweise laufe ich fünfzehn Minuten vor Ankunft des Zuges los, aber heute will ich auf Nummer sicher gehen, dass ich den Zug nicht verpasse, deshalb schlüpfe ich jetzt schon in meine schwarzen Chucks, kontrolliere nochmal, ob ich die CD habe, die ich mir signieren lassen wollte. Zum Abschied streiche ich dem Poster-Tuomas über die Wange und laufe voller Elan durch die Tür. Die Zeit, die ich am Bahnhof warten werde, kann ich mir bestimmt mit den Liedern des vorherigen Albums, Oceanborn, vertreiben.

Doch dazu soll es nicht kommen. Von hinten tippte mir jemand auf die Schulter und sagt:  „Entschuldigung?“.
Ich drehe mich um, und sage freundlich (dank der guten Erziehung meiner Mutter, obwohl ich gereizt war, blieb ich nett) „Ja ?“
Ich traue meinen Augen fast nicht. Erst denke ich, ich habe Halluzinationen, doch dann sehe ich, dass er wirklich und wahrhaftig ist. Hinter mir steht Tuomas Holopainen! Und er redet mit mir. Schnell das Gehör wieder einschalten, damit du dich nicht blamierst, Ronja, sage ich mir.

„Du siehst so aus, als ob du aufs Nightwish-Konzert nach Tampere willst, habe ich Recht ?“, fragt er mich und grinst.
„Ja, ist das denn so offensichtlich ?“, frage ich zurück, mit genau dem gleichen schiefen Grinsen.
„Na ja, ein normaler Passant würde nicht mit Nightwish T-Shirt und der Wishmaster CD herumrennen“.
Er grinst immer noch. Die CD hatte ich sicherheitshalber in die Hand genommen, damit ich sie nicht verliere.
„Stimmt auch wieder“, meine ich lachend.
Dann beginnt er herumzudrucksen:
„Nun ja, die Sache ist so. Ich komme gerade von einem Besuch bei meiner Großmutter. Sie hat heute Todestag … Na ja, das ist nicht so wichtig. Ich kenne mich in Helsinki nicht aus, und du siehst so aus als hättest du Ahnung, wo du langläufst. Könntest du mich vielleicht mitnehmen ?“ Er kratzt sich am Kopf. „Ich darf doch du sagen, oder ?“
„Natürlich“, antworte ich ihm. „Für beides. Sie dürfen mich duzen, und ich kann sie mitnehmen. Tut mir übrigens Leid, mit ihrer Großmutter.“
„Vielen Dank, du bist meine Rettung !“, ruft er aus. „Sag ruhig du zu mir, ich duze dich doch auch. Und wegen meiner Großmutter: Ich kannte sie gar nicht richtig, und das, was ich von ihr kannte, war eine alte Schreckschraube.“ Er lacht wieder.
Ich schweige kurz. Was um Gottes Willen soll ich denn jetzt antworten ? Ich beschließe, einfach eine neue Frage zu stellen.
„Aber wieso fährst du mit dem Zug ? Ich dacht ihr hättet einen Tourbus ?“ Jetzt muss ich auch lachen.
„Ich kann das grundsätzlich nicht leiden, mit dem Bus zu fahren. Überall steht drauf ‚Nightwish‘ und dann dieser Massenauflauf immer um einen herum …“
„Ja das verstehe ich …“ Nein, tu ich eigentlich nicht, aber ich will ihm nicht widersprechen.
Eine Weile schweigen wir und sehen uns nur an. Mein Gott, ich bekomme Herzrasen, als ich in seine blaugrünen Augen sehe. Und dann dieses Lächeln … Nicht das Lächeln für die Kameras, sonders das Lächeln, mit dem er nicht oft fotografiert wird, nur wenn ihn etwas wirklich freut. So wie damals Johanna …
Er mustert mich genauso wie ich ihn. Irgendwann sagt er zu mir:
„Eigentlich brauche ich mich ja sicher nicht mehr vorzustellen, aber ich tu’s trotzdem. Ich bin Tuomas. Tuomas Holopainen, aus Kitee und bin Keyboarder in einer Band. Und du ?“ Er lächelt immer noch dieses wunderbare Lächeln. Ohne zu zögern lächle ich zurück.
„Ronja. Ronja Ainikki Virtanen. Ich wohne in Helsinki und studiere Operngesang  um irgendwann in einer Band singen zu können.“, antworte ich nach dem gleichen Muster wie er.
„Weißt du, irgendwie mag ich dich. Du bist die erste, die nicht kreischend auf mich zu gerannt kommt, wenn sie mich sieht, und ein Autogramm verlangt.“
„Na warte, das kommt schon noch!“, drohe ich.
Sein Lächeln vertieft sich. Meins auch. Ich weiß nicht mehr, was ich sagen soll, doch die Entscheidung wird mir vom Zug abgenommen, der um die Ecke gedüst kommt.
„Das da ist der Zug. Da müssen wir rein, um nach Tampere zu kommen.“, informiere ich ihn.
„Ich folge dir!“, sagt er ernst, salutiert, und knallt die Hacken zusammen, was mich wieder zum Lachen bringt.
„Mir nach, Soldat Holopainen!“, kommandiere ich.
„Jawohl, stets zu ihren Diensten, Frau Generaloberfeldwebel!“, sagt er immer noch ernst, bevor er sich einem Kicheranfall hingibt.
„Los jetzt, wir müssen einsteigen, sonst fährt der Zug ohne uns ab und du kommst zu spät zu deinem eigenen Konzert.“
Er beginnt die Melodie von „Auf in den Kampf“ aus der Carmen-Oper zu summen, was mich abermals zum Lachen bringt.
Ich beginne an meinem eigenen Verstand zu zweifeln. Passiert das hier alles wirklich? Oder bilde ich mir das nur ein? Oder träume ich gerade und wache gleich auf und merke, dass ich das Haus noch gar nicht verlassen habe? Habe ich wirklich Tuomas Holopainen getroffen, den Mann, dessen Poster ich gerade eben erst über die Wange gestrichen habe? Aber es fühlt sich alles so real an. Ich spüre das Kribbeln in meinem Arm, der den von Tuomas berührt, da wir so dicht nebeneinander sitzen. Ob er das auch spürt? Ach Quatsch, wieso sollte er? Ich bin für ihn genauso ein Fan, wie alle anderen auch. Er will sich keine Fans vergraulen…
In genau dem Moment, in dem ich das gedacht habe, wird mir das Gegenteil bewiesen:
„Nach dem Konzert heute Abend, so gegen 20 Uhr, gibt es eine kleine Feier, hinter der Bühne. Eigentlich ja nur für die Band und die Crew, aber wenn du mit mir mitgehst, geht das klar. Natürlich nur wenn du willst …“
Dann wird er knallrot. Und ich auch, aus Verlegenheit und Freude. Natürlich gehe ich mit!
„Klar, gern, ich find das echt nett von dir, dass du mich dazu einlädst.“
Ich strahle ihn an. Tuomas wirkt erleichtert und er wird, wenn überhaupt möglich, noch röter.
Nach einer kurzen Zeit des gegenseitigen Anlächelns sagt er zu mir:
„Vor langer Zeit habe ich mal ein Spiel erfunden, bei dem man sich immer abwechselnd eine Frage stellt, und die Antwort darauf muss ehrlich sein. Sinn und Zweck davon ist, dass man sich dabei kennenlernen soll.“ Er wartet gar nicht erst ab, was ich dazu zu sagen habe, sondern fragt direkt: „Darf ich anfangen ?“
Wieder wartet er die Antwort nicht ab, sondern beginnt direkt mit seiner ersten Frage:
„Woher hast du diese wunderschönen roten Haare? Für Finnland sind die doch total untypisch. Hast du irische Vorfahren?“, fragt er mich, während er eine der hüftlangen Strähnen zwischen den Fingern zwirbelt.
„Ich weiß nicht, ob ich irische Vorfahren habe. Alle Nachnamen, die es bei uns in der Familie gibt, sind finnisch. Aber meine Urgroßmutter hatte die gleichen roten Locken und dunklen Augen, hat meine Großmutter erzählt. Ansonsten sind alle bei uns aus der Familie blond und blauäugig.“
Es kostet mich viel Mühe, vor Aufregung nicht zu keuchen. Er hat meine Haare wunderschön genannt! Meine Hände zittern. Ich hoffe, dass er das nicht bemerkt.
„Jetzt bin ich dran. Wie bist du darauf gekommen, Nightwish zu gründen? Das war die beste Idee die du je hattest, davon bin ich überzeugt.“
Jetzt gehe ich auch auf Flirtkurs. Was er kann, kann ich auch!
Wir spielen dieses Spiel über eine Stunde, etwa die Hälfte des Weges und ich weiß wahrscheinlich mehr über ihn, als jeder andere Fan.
Er hat Nightwish gegründet, weil er in anderen Bands nicht genügend Mitspracherecht hatte. Er ist 24 Jahre alt. Er wohnt sein ganzes Leben in Kitee. Er hat keinen Beruf gelernt. Er liebt Disney. Sein Lieblingslied ist Walking In The Air von Howard Blake. Er hasst klassische Opern. Er geht gerne angeln und liebt wie ich die Natur.
Das alles hat er mir erzählt und noch viel, viel mehr. Ich muss ihn besser kennen als jeder andere Fan. Ich habe keine Ahnung warum, aber irgendwie haben wir das Spiel abgebrochen und er stellt nur noch mir Fragen. Wenn meine Nachrechnungen stimmen, dürfte er mich inzwischen besser kennen als ich mich selbst kenne. Nur ein Detail habe ich ihm verschwiegen. Dass ich seit ich ihn das erste Mal gesehen habe in ihn verliebt bin.
Habe ich wirklich erst vor etwa zwei Stunden gedacht, er wäre eine unerreichbare Persönlichkeit und ich sollte mich nach einem anderen Mann umschauen? Haha, denke ich mir jetzt. Denn so wie es ausschaut, hat er auch Interesse an mir. Zumindest will er mit mir in Kontakt bleiben. Hätte er mich sonst gefragt, ob ich mit auf die Party will?
Dann werde ich von einer Stimme aus den Gedanken gerissen.
„Nächste Haltestelle, Tampere, Hauptbahnhof“
Dummer Zug! Wieso muss er jetzt schon da sein? Hätte er nicht eine Panne haben können? Die Zeit mit Tuomas ist viel zu schnell vergangen. Die zweieinhalb Stunden, die wir hierher gebraucht haben, haben sich angefühlt wie fünf Minuten.
„Wir sind gleich da“, sage ich leise zu Tuomas, woraufhin er mich ganz komisch anschaut. Ups… Hat man gemerkt, dass ich enttäuscht bin? Hoffentlich nicht. Dann lächelt er.
„Ich hab’s gehört“
Wir stehen auf und gehen zur Tür.
„Ab jetzt kenne ich mich wieder aus. Wollen wir trotzdem zusammen zur Halle laufen?“, fragt er mich.
„Gern.“ Ich lächle.
Bevor wir aussteigen zieht Tuomas eine riesige Sonnenbrille und einen Hut auf, außerdem zieht er seine Jacke an. Er senkt den Kopf, weshalb fast der Hut runterfällt.
Erst weiß ich nicht, wieso er sich so zum Affen macht, aber als die Zugtüren aufgehen, verstehe ich. Immer wieder begegnen wir Menschen mit genau dem gleichen Wishmaster T-Shirt herum, das ich auch habe. Lauter Nightwishfans, allein hier an dem kleinen Bahnhof mindestens 20. Draußen wird es wieder weniger, aber nach dem kurzen Marsch zur Konzerthalle werden es wieder mehr. Vor der Halle hat sich bereits ein Volksauflauf gebildet; halb Finnland muss hier sein. In etwa.
Die Türen sind noch nicht geöffnet, weshalb Tuomas mich am Arm packt und zum Hintereingang zieht.
„Willst du gleich mit rein?“ Ich weiß, das Konzert fängt erst in zwei Stunden an, aber die Türen werden bald geöffnet. Du könntest dir Plätze in der ersten Reihe sichern.“ Mit einem verschmitzten Grinsen fügt er hinzu: „Dann siehst du mich besser.“
Ich knuffe ihn spaßeshalber in die Seite, folge ihm aber trotzdem. Vor der Türe stehen zwei Securitymenschen, die mich kritisch anschauen, aber Tuomas zieht die Brille und den Hut ab und greift gleich ein.
„Das geht in Ordnung, sie ist mit mir hier.“
Die beiden machen Platz und so kommen wir in einen Gang, wahrscheinlich hinter der Bühne.
„Ich bringe dich noch zur Halle vor, dann muss ich mich vorbereiten gehen.“
Schweigend laufen wir das kurze Stück nebeneinander. Keiner weiß was er sagen soll; wir haben schon alles geredet.
„Wir sehen uns nachher. Ich muss danach noch Autogramme geben, das wird bestimmt ein Weilchen dauern, aber danach mache ich mich auf die Suche nach dir.“ Er lächelt mir noch einmal zu, dann dreht er sich um und läuft zurück zu den Kabinen.
„Bis nachher“, hauche ich ihm hinterher. Er dreht sich noch einmal zu mir um, und hat das Grinsen immer noch im Gesicht.
Tuomas hatte Recht, kaum bin ich in der Halle und habe mir einen Platz direkt vor der Bühne gesucht, werden auch schon die Türen für die anderen Konzertbesucher geöffnet. Der schnatternde, grölende, saufende, mit orangenen Wishmaster T-Shirts und Fanartikeln bekleidete Menschenstrom hört gar nicht mehr auf.
Innerhalb von Sekunden bin ich total eingequetscht von den Menschenmassen. Zum Glück habe ich meinen Platz in der ersten Reihe mit Ellenbogen und Knien verteidigen können und sehe trotzdem noch etwas.
Die Zeit, die bis zum Beginn der Vorband überbrückt werden muss (ich habe keine Ahnung, wer spielt; ich hatte mich nur für Nightwish interessiert), nutzt die Menge inklusive mir, um das ganze Album mehrmals durchzusingen. Irgendein Schlaukopf ganz in meiner Nähe hat eine riesige Musikanlage dabei, aus der die Begleitung dazu kommt.
Die Vorband spielt nicht schlecht, ich habe aber leider immer noch keine Ahnung, wie sie heißt. Ich würde später Tuomas fragen.
Ein paar der hier anwesenden waren nur wegen der Vorband hier, grölen die Lieder laut mit und gehen sofort nach dem Konzert.
Nach dem Konzert baut die Band ihre Ausrüstung ab und die von Nightwish auf. Dann, nach einer Viertelstunde, endlich, kommt Nightwish in einer Reihe hintereinander auf die Bühne.
Ganz vorne der Bassist, Sami Vänskä, dahinter Jukka Nevalainen, der Drummer, wie immer natürlich mit Kopftuch. Als nächstes der wie ein wildgewordenes Eichhörnchen herumhüpfende Emppu Vuorinen, der Gitarrist. Wahrscheinlich ist er so wild, weil er schon ein paar Bier intus hat. Tuomas hat mir vorhin erzählt, dass er niemals nüchtern auf die Bühne geht, was der Musik aber nicht unbedingt schadet. Danach (ich hatte es schon fast erwartet) Tuomas. Er trägt anstatt Jeans und Disney T-Shirt jetzt eine Lederhose mit Nietengürtel und schwarzen Hosenträgern, die herunterhängen, ein schwarzes Top, das seine Muskeln betont und schwere Lederstiefel. Seine rot gefärbten Haare fallen ihm offen ins Gesicht. Er lächelt. Allerdings nicht das Lächeln, mit dem er mich vorhin immer angeschaut hat, sondern ein leicht provokantes, aufreizendes Lächeln. Seine Augen suchen die erste Reihe ab und finden mich. Ganz kurz ändert sich sein Lächeln, dann kehrt er wieder zu dem provokanten, aufreizenden zurück. Er wirft einen Handkuss in Richtung Zuschauer. Die Menge flippt aus, aber irgendwie weiß ich, dass sie für mich bestimmt ist. Ich höre ganz kurz auf zu jubeln, bis als letztes Tarja, wunderschön wie immer mit stolzem Gang auf die Bühne stolziert. Abermals flippt die Menge aus.
Tarja sagt ein paar Worte auf Englisch, von denen ich kein Wort verstehe. Ich bin zu sehr damit beschäftigt, Tuomas anzuschauen. Und er mich. Er sieht erst wieder weg, als er den Einsatz von Jukka Nevalainen hört.
Begeistert singe ich zu „She Is My Sin“ mit. Jetzt, da ich total damit beschäftigt bin, zu tanzen und zu headbangen, treffe ich die Töne nicht so gut wie sonst. Ich konzentriere mich auf Tarja, aber schaue ab und zu hinüber zu Tuomas, der noch wilder headbangt, als der Typ neben mir, und der hat sich schon ein paar Mal an der Bühne gestoßen.
Nach „She Is My Sin“ geht es weiter mit „The Kinslayer“, Danach „Come Cover Me“. Als nächstes „Wanderlust“, eines meiner Lieblingslieder. Ich liebe die Gitarrensoli! Emppu Vuorinen scheinbar auch, denn er beginnt immer mehr herumzuhopsen und rennt über die ganze Bühne. Nach „The Riddler“ öffnet sich Jukka Nevalainen sein viertes Bier und trinkt es in einem Zug halb leer. Dann gibt er den Einsatz für „Wishmaster“.
„Master,
Apprentice,
Heartborne,
7th Seeker,
Warrior,
Disciple,
In Me, The Wishmaster“, singe ich laut mit, genauso wie alle anderen.
Viel zu schnell sind die anderen Lieder vorbei. Tarja beginnt „Sleeping Sun“ zu singen. Das Lied passt, es ist traurig, und das Konzert ist fast aus. Jetzt noch „Fantasmic“. Zwar ein längeres Lied, aber das letzte. Ich liebe den Anfang. Und die verschiedenen Charaktere der einzelnen Abschnitte des Liedes. Für einen Laien hört es sich an, als wären es verschiedene Lieder.
Danach verabschiedet sich Tarja und dankt uns im Namen aller Bandmitglieder für diesen wunderbaren Abschluss der Tour. Allerdings auf Englisch. Wieso denn? Wie sind doch hier in Finnland und sie war Finnin. Alle würden verstehen, was sie sagt. Ich verstehe sie nicht.
Danach reicht sie das Mikro an Tuomas weiter, der (auf Finnisch!) verkündet, jetzt gäbe es für alle die wollten, noch Autogramme vor der Halle. Dann verlassen sie die Bühne in der gleichen Reihenfolge wie vorhin und gehen (vermutlich) durch den Gang, durch den Tuomas und ich vorhin gelaufen sind, in den Vorraum. Ich bin unschlüssig, was ich tun soll. Tuomas hat gesagt, er würde mich suchen, wenn die Autogrammstunde vorbei ist. Aber so wie es im Moment aussieht, würde es eine Autogrammdreistunde werden. Ich beschließe zu warten, bis sich der Trubel ein wenig gelegt hat und dann nach draußen zu gehen, um mir meine CD ebenfalls signieren zu lassen.
Es dauert gefühlt fast eine Stunde, bis sich die meisten Leute ein Autogramm geholt haben und singend das Gebäude verlassen. Als nur noch etwa 30 Leute in der Schlange stehen, stelle ich mich auch an. Ich bin die letzte.
Die Band sitzt an einem langen Tisch, auf dem viele vorgeschriebene Autogramme liegen, man kann sich aber auch beispielsweise die CD oder das T-Shirt signieren lassen. Als erster in der Reihe sitzt Sami Vänskä. Ich halte ihm die CD hin, er unterschreibt darauf und gibt sie mir lächelnd mit einem „Da, bitte“ zurück. Ich lächle zurück und sage „Danke“. Danach signieren mir Jukka Nevalainen und Emppu Vuorinen die CD. Dann komme ich bei Tuomas an. Ich halte ihm grinsend die CD hin.
Er grinst zurück und sagt „Hei“
Ich antworte mit einem „Hei. Ihr habt super gespielt, wie immer.“
„Danke“ Er macht eine kurze Pause, um auf der CD zu unterschreiben und fragt mich dann: „Kommst du nachher noch mit ?“
Bevor ich antworten kann, mischt sich von rechts Tarja ein:
„Dann musst du das Mädchen sein, von dem Tuomas vorhin die ganze Zeit geredet hat“ Sie lächelt und hält mir die Hand hin „Ich bin Tarja“
„Ronja“, sage ich, greife nach ihrer Hand und lächle zurück.
Tarja nimmt Tuomas meine CD aus der Hand, unterschreibt darauf und gibt sie mir zurück.
„Da hast du sie wieder. Bevor der Blödmann sie noch ganz kaputt macht mit seinen langen Nägeln.“ Sie lacht. Ich schaue auf die CD und sehe fünf Kratzer, die von seinen Fingernägeln stammen müssen, weil er sich vor Nervosität reingekrallt hat. Ich muss mitlachen.
„Also, gehen wir nach hinten ?“, lenkt Tuomas mit knallroten Ohren vom Thema ab.
Immer noch kichernd packe ich die CD in meine schwarze Handtasche und laufe zwischen Tuomas und Tarja in die Umkleide der Band.

~*~

Der obige Songtext ist aus "Wishmaster" von Nightwish.
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