Nixe im Po

von Nairalin
GeschichteHumor / P6
Fabeltiere & mythologische Geschöpfe
05.01.2016
05.01.2016
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Huhu,

diese kleine "Schweinerei" wurde durch gewisse Herrschaften inspiriert, die es sich nicht nehmen ließen, bei der Planung zu helfen und mich voranzutreiben. Quoth, Kyeira, Feuchen und Co, ihr wisst, wer gemeint ist :P

Es war ein Heidenspaß und ich hoffe Mal, auch ihr, werte Leser, habt diesen!

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Missmutig starrte die kleine Nixe über das Mittelmeer, während ihr Magen verräterisch knurrte. Neben ihr lag ihre treue Plüschgurke, TomTom, die völlig versunken das Spiel der Wellen betrachtete. Es war schon so lange her, dass ein Schiff an ihrem Felsen vorbeigekommen war und ihr Gesang hatte schon lange niemanden mehr angelockt.

Sie strich sich betont ruhig über ihren Schwanz und zupfte ein paar alte Schuppen heraus, die sich so oder so bald lösen würden. Das erheiterte Plätschern von der Gurke unterbrach ihre Gedanken und sie funkelte das Geschöpf wütend an. Diese neumodische Welt war mit Sicherheit nicht ihre Schuld. Dass diese Menschen sie nicht mehr hörten, weil ihre Schiffe aus Metall bestanden, konnte sie nicht verhindern. Vor allem war es sehr frustrierend, dass auch die Schiffswände viel zu hoch waren, als dass sie hinschwimmen und sich an Bord ziehen konnte, um dort von ihrer Stimme Gebrauch zu machen.

Verschnupft starrte sie zum Horizont, wo erneut eine solche Metallkiste, wie sie diese abfällig nannte, heranfuhr. Was waren das nur für Zeiten, wo die Männer ihrer Stimme gefolgt waren, sie gesehen hatten, von Bord gesprungen und zu ihr geschwommen waren?

Sie hatte jeden Mann haben können und – oh! – wie sehr diese doch gemundet hatten!

Ihr Magen meldete sich und zeigte deutlich, dass diese Zeiten schon viel zu lange her waren. Ein Plan musste her, wie sie wieder gute Speisen bekam, ehe sie vom Fleische fiel. Und Fisch war ihr mittlerweile mehr als nur zuwider. Als dann TomTom etwas blubberte, dachte sie nach und zog die Augenbrauen zusammen. Vielleicht war das wirklich keine schlechte Idee. Vielleicht sollte sie wirklich neue Gefilde aufsuchen und dort ihren Gesang zum Besten geben.

Sie fuhr sich mit einer Hand durch ihre langen sonnengebleichten Haare, ehe sie sich zur Gurke ins Wasser gleiten ließ – natürlich absolut elegant. Wäre jetzt ein Seemann in der Nähe, er könnte ihr nicht widerstehen. Er hätte sein Leben gegeben, um nur einen Kuss von ihren Lippen zu erhalten. Unwillkürlich leckte sie sich über eben jene, ehe sie die Plüschgurke ergriff und losschwamm. Je tiefer sie in den Ozean abtauchte, desto mehr Fische kamen ihr entgegen. Jeder Flossenschlag trug sie nördlicher und das Wasser wurde kühler und teils sogar dreckiger. Die kleine Nixe horchte genau auf jede Richtungsangabe von TomTom, der mit nüchternem Geblubber ihre Route diktierte. Das Rauschen änderte sich und sie musste erst husten, als das Wasser aufgewühlt, dreckig und geschmacklich ein Albtraum war. So etwas Widerliches hatte sie noch nie erlebt. Sie hoffte, der Po war nicht überall so. Sie zog ihr Näschen kraus, ehe sie sich durch die Wogen kämpfte, TomTom umfasst und endlich nach einer Ewigkeit dieses brackige Wasser hinter sich ließ.

Noch unzählige Strömungen musste sie passieren, ehe TomTom endlich Einsehen hatte und sie ruhen durfte. Müde suchte sie sich einen Unterschlupf Unterwasser. Das neue Gebiet würde eine Herausforderung sein und sie hoffte, sie war dieser gewachsen.

Tage vergingen ehe die kleine Nixe sich wirklich zurechtfand. Doch schon sehr bald fiel ihr auf, dass Menschen in der Nähe waren und immer wieder kamen und gingen. Reges Leben war vorhanden und sie erlaubte sich ein selbstbewusstes Lächeln. Schon bald würde sie wieder in den Wohlgenuss von Männern kommen. Auch wenn die Plüschgurke ein verächtliches Blubbern von sich gab.

Sie schnaubte nur. Natürlich würde sie das schaffen. Wie sehr sie doch die Gesellschaft der Seemänner vermisst hatte. Und sie gaben solch bezaubernde Accessoires im Laufe der Jahre ab.

Mit der Zeit wurde sie mutiger und setzte sich auf einen Felsen. Mit Eleganz strich sie durch ihre Haare und begann zu singen. Wohlklänge verließen ihre Lippen. Lieder aus alter Zeit vermischt mit neuen Melodien. Schon bald spürte sie, wie sie sich näherten, wie sie starrten, gebannt durch ihre Schönheit und ihre Stimme.

Ihre Zähne blitzen, als sie strahlend lächelte.

Je länger sie sang, desto näher kamen die Männer. Mit verführerischen Gesten lockte sie diese noch zusätzlich zu sich. Ihre Augen fixierten ein besonders attraktives Exemplar. Anzüglich und eindringlich trug sie ihr Lied vor und er kam näher und immer näher. Und als er sich zu ihr setzte, hauchte sie nur sanfte Töne gegen seine Lippen, ehe sie die anderen wegschickte und den Zauber löste und neue wob.

Seine Augen glänzten und ein Schleier ihrer Magie war darin zu erkennen, während er sich zu ihr setzte und sanft ihr Gesicht berührte. Ihr Magen knurrte laut. Ihr Lächeln wurde gierig und ehe er sich wehren konnte, war sie über ihm.

Und hier frisst die kleine Nixe ihr Opfer, aber da wir nicht böse sind, werfen wir den Mantel der Liebe darüber, damit niemand dies gar grausige Szenario lesen muss. Sie sehen nun eine Dokumentationsreihe des Sozialverhaltens von Plüschgurken.

Zufrieden lag sie auf dem Felsen und genoss die warmen Strahlen. Es war ein so gutes Gefühl, dass ihr Magen nicht mehr knurrte. Akkurat waren die Erinnerungsstücke an den Schönling neben ihr gestapelt. TomTom regte sich wieder auf, da noch immer Spuren im Wasser waren und er den Geschmack hasste, denn das Blut hatte eine kupfrige Note. Zufrieden seufzend wischte sie sich über den Mund und lauschte dem Rauschen des Flusses.

So vergingen Tage und Wochen und die kleine Nixe nahm wieder endlich an Gewicht zu. Accessoires häuften sich in ihrem neuen Lager und ihr Mahl war jedes Mal köstlich und delikat. Nur ihre Plüschgurke war missgelaunt, während sie selbst immer mehr aufblühte, da sie endlich (!) wieder Aufmerksamkeit erhielt und ihre Fähigkeiten nutzen konnte. Die attraktivsten Männer fanden ihren Weg zu ihr.

Doch irgendwann kamen andere Menschen. Zuerst hielten sie sich nur in der Ferne auf, beobachteten sie, was der Nixe doch gar sehr gefiel. Sie war betörend und schön, sie verdiente jede Art von Aufmerksamkeit! Nur TomTom wurde nervös und blubberte vor sich hin, dass es besser wäre, weiterzuziehen.

Als sie dann aber kamen und Netze in den Händen hielten, kamen Zweifel in ihr auf. Ob sie wollte oder nicht, eine leise Stimme riet ihr, dass sie wegschwimmen sollte. Nur der Hunger, der sich erneut meldete, zwang sie zu singen. Erst leise, dann immer lauter. Doch etwas war anders. Die Augen ihrer Opfer waren nicht verschleiert.

Und als sie dann nur mit den Händen Gesten machten, bemerkte die kleine Nixe entsetzt, dass sie etwas in den Ohren hatten. Sie fühlte sich gar schrecklich an Odysseus erinnert, dessen Mannschaft Wachs in den Ohren gehabt hatte. Je näher sie kamen, desto unruhiger wurde sie. Was folgte, war eine Jagd, denn sie musste vom Felsen ins Wasser springen und fliehen. Netze flogen und metallene Spitzen zischten durchs kühle Nass, während TomTom ihr folgte, wütend zischte und blubberte, während er ihr den Weg ansagte. Sie wollte nur mehr zurück ins Meer. Früher wäre ihr das nie passiert. Kein Mann hätte Hand an sie zu legen gewagt Noch wäre sie gejagt worden.

Ihre Plüschgurke schnellte nur vor, immer flussabwärts und die Menschen ignorierend, die nun auf ihren Booten kamen. Wenn ihre Schwestern noch leben würden, dann hätte sie einen Angriff gewagt, aber so war es zu gefährlich. Panisch schlug sie schneller mit ihrem Schwanz. Keine Pause und keine Rast gönnte sie sich. Dreckiges, brackiges Wasser kam, die Sicht würde trüb. Erleichtert schoss sie voran, schnappte sich TomTom und entglitt in die Untiefen des Ozeans. Hier war sie sicher. Hier würde sie nicht gejagt werden. Auch wenn das bedeutete, dass sie wieder nur Fisch essen müsste. Aber alles war besser als der Po. Nichts würde sie mehr dorthin bringen.

Und die kleine Nixe dachte nie wieder an den Po.


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